Kultur

Von Moby Dick, der Titanic bis hin zum Schimmelreiter,
das Meer in Theater, Literatur, Film, Musik und Kunst öffnet uns die Augen über uns und unsere Rolle auf diesem Planeten.

 

„Fische, Fische überall“ von Britta Teckentrup

Eigentlich möchte man das Buch anfangs gar nicht aufschlagen. Das Cover dieses Kindersachbuchs ist so wunderschön, die Farben, das leichte Glitzern. Wenn man es dann doch geschafft hat, kann man sich vom Inhalt und den fantastischen Illustrationen gar nicht mehr losreißen. Eine Reise durch die Evolution und Anatomie über Fortpflanzungsstrategien und Jagdtechniken bis hin zur Mensch-Fisch Beziehung.

Es gibt 30 000 Fischarten auf der Welt. Unglaublich eigentlich, dass wir so wenig über sie wissen. Britta Teckentrup macht mit ihrem Sachbilderbuch jetzt Schluss mit dem Unwissen mit spannenden Fakten und farbenprächtigen Illustrationen. Wenn man bunte Farben mag, ein bisschen Fischbegeistert ist oder ein Faible für schön illustrierte Bücher hat, kann an diesem Buch unmöglich vorbei gehen. Als erwachsener Leser begeistern einen die Illustrationen, die nicht verniedlichend, sondern so naturgetreu wie nötig und so simpel wie möglich gehalten sind. Jede Doppelseite beherbergt spannende Fakten über Fische von der Evolution -wo kommen Fische eigentlich her?- über Fortpflanzungsstrategien – Legen eigentlich alle Fische Eier?- bis hin zur Mensch-Fisch Beziehung- Was bedroht die Fische und wie können wir sie schützen?

Kleine Fragen und Suchaufgaben laden die Kinder noch mehr zum Entdecken und Im-Buch-Versinken ein.

Unsere 8-jährige Testleserin Sofie konnte sich auch kaum losreißen und hat folgende Kritik parat:

„Am besten gefallen haben mir die lustigen Infos über die Fische, z.B., dass der Schützenfisch seine Beute mit einem Wasserstrahl abschießt. Außerdem waren die Aufgaben toll, wie die gut getarnten Fische im Buch suchen.“

Aber ganz egal, ob Kind oder Erwachsener: Nur was man kennt, kann und will man schützen. Dieses Buch leistet dazu einen wunderschönen Beitrag.

Franziska Bils für DEEPWAVE.

Weitere Buchrezensionen findet ihr bei unserem Projekt Ozeanbücher.
Das Buch „Fische, Fische überall“ von Britta Teckentrup könnt ihr bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

„Was Fische wissen“ von Jonathan Balcombe

Gewöhnlich hält man Fische für ein bisschen oder auch sehr dumm. Sie bevölkern einen Lebensraum, von dem wir hier auf dem Trockenen wenig mitbekommen. Sie haben einen unveränderten Gesichtsausdruck, gestikulieren nicht und wirken stumm. Dieses Buch zeigt mithilfe von Beobachtungen und vor allem wissenschaftlich fundierten Aussagen das Gegenteil; wie komplex das Verhalten und die Leistungen von Fischen sind, und wie nah sie uns in manchen Aspekten sind und wie fern in anderen. Der Inhalt basiert größtenteils auf (manchmal doch grausamen) wissenschaftlichen Studien, die aber so unterhaltsam und gut verständlich aufgearbeitet sind, dass auch jeder, der Fische bisher nur auf dem Teller oder im Aquarium umherschwimmend beobachtet hat, von Anfang an in den Bann gezogen wird. Und auch, wenn man das ein oder andere schon weiß über Fische, ist da so viel neues Spannendes drin, was einem die Fische näherbringt und damit subtil unseren Umgang mit Fischen hinterfragt. Man merkt dem Autor, dem Verhaltensbiologen Jonathan Balcombe, seine Begeisterung und seinen Einsatz für die Fische an und das hilft einem über eventuelle kleine Längen des Buchs hinweg. Auch Anekdoten sind dazwischen gestreut, so dass es kein trockenes Sachbuch, sondern ein unterhaltsam lehrreicher Schmöker ist.

Das Buch spannt einen Bogen von der Bedeutung und Einzigartigkeit der Fische im Tierreich über ihre Sinne und Wahrnehmungen bis hin zu Denk- und Lernleistungen und sozialen Interaktionen. Fische völlig verschiedener Arten verabreden sich zum gemeinsamen Jagen; Schützenfische, die ihre Beute mit einem gut gezielten Wasserstrahl aus der Luft herunterschießen, lernen als Jungfische durch Beobachtung von erfahreneren Fischen die besten Techniken. In Punkto Raumgedächtnis können wir und viele andere Wirbeltier mit einigen Fischarten gar nicht erst mithalten: Ein Frillfin Goby macht sich bei Flut eine Landschaftskarte im Kopf und weiß so ganz genau, wo bei Ebbe noch kleine Wassertümpel zu finden sind.

Nach der Lektüre dieses Buches wissen wir so einiges, was uns zum Nachdenken anregt: Fische kommunizieren, erkennen einander, spüren Schmerz, erinnern sich, lernen, spielen, helfen einander und können genießen. So wird ganz nebenbei auch hin und wieder die Frage aufgeworfen, die erstmal nur am Rande mit Fischen zu tun hat: Wie definiert man Intelligenz? Wenn man menschlich oder menschenähnlich handelt? Oder auch wenn man zu Gehirnleistungen fähig ist, die Menschen nicht vollbringen können? Und so wundert man sich, wenn man auf der letzten Seite angekommen ist, wie man Fische nur die ganze Zeit so unterschätzen konnte.

Franziska Bils für DEEPWAVE.

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Das Buch „Was Fische wissen“ von Jonathan Balcombe könnt ihr bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

„Under“ – Europas erstes Unterwasserrestaurant

Das Bild zeigt ein Restaurant aus Betonwänden welches schräg aus dem Ozean heraus ragt. Das Restaurant befindet sich an der Küste und ist halb im Wasser versunken.

© Inger Marie Grini/Bo Bedre Norge

In Norwegens südlich gelegenem Lindesnes befindet sich fünf Meter unterhalb des Meeresspiegels das erste Unterwasserrestaurant Europas. Eine große Fensterfront ziert den in minimalistischem Design ausgerichteten Speisesaal des „Unders“. Durch diese lassen sich die in den norwegischen Gewässern heimischen Meereslebewesen wie beispielsweise die Qualle Aequorea victoria beobachten. Halbversunken im Meer soll das Restaurant die Koexistenz und Balance zwischen Land und Meer verdeutlichen und den Besucher:innen eine außergewöhnliche Erfahrung in einem sonst so fremdem Ökosystem ermöglichen und dadurch horizonterweiternd wirken.

Zusätzlich plant das „Under“ als Standort für Meeresforschung zu fungieren und Meeresbiolog:innen mithilfe von Kameras und anderen, an der Fassade des Restaurants angebrachten Messgeräten ermöglichen, das dortige Ökosystem zu erforschen und zu observieren. Die dicken Betonwände des Restaurants können zusätzlich im Laufe der Zeit als künstliches Riff operieren, das Lebensraum für Seetang sowie Napfschnecken bieten soll.

Das Bild zeigt mehrere Tische mit fühlen in einem Speisesaal. Im Hintergrund ist eine große Fensterfront durch die man ins offene Meer schauen kann.

© Ivar Kvaal

Für die 40 Restaurantgäste wird ein einziges saisonales Menü angeboten, das idealerweise aus lokalem Fisch oder Meeresfrüchten zusammengestellt ist.

Inwiefern das „Under“ das Meer und seine Ökosysteme den Gästen tatsächlich näher bringen kann und ob die Restauranterfahrung den gewünschten Effekt mit sich bringt, wird sich zeigen. Der Gedanke, anhand der vereinten Eindrücke Land und Meer das Bewusstsein für unseren Konsum und die Ressourcen, die aus dem Meer stammen, zu schärfen, ist jedoch ein guter Ansatz.

Mehr Informationen zum „Under“ findet ihr bei Under oder Snøhetta.

„21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ von Yuval Noah Harari

Das Buch "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" von Yuval Noah Harari ist zu sehen. Im Hintergrund sind weitere Bücher mit Augen auf dem Cover zu sehen.Mir war nie klar, wie relevant Geschichte ist. Bis ich auf Empfehlung meines Bruders „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Harari gelesen habe. Danach kam dann „Homo Deus“ und zuletzt „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“.

In einer Welt, die überflutet wird von bedeutungslosen Informationen, ist Klarheit Macht.

Yuval Noah Harari

Mit diesem Satz leitet Harari das Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ ein. Und genau das versucht Harari aus meiner Sicht: Platz für Klarheit zu schaffen. Klarheit um zu erkennen, welche die Herausforderungen sind, die in den kommenden Jahren auf uns Menschen zukommen werden. Der Autor ruft, mit klugen und auch mitunter lustigen Texten, dazu auf, sich zu beteiligen an der Diskussion, wie es weitergehen soll mit uns und diesem Planeten.

Seine Texte haben mich teilweise nicht unerheblich verunsichert, ohne aber dabei ein Gefühl von Hilflosigkeit zu hinterlassen. In diesen komplexen Zeiten ist es aus meiner Sicht wichtig, sich nicht auf die vermeintlich einfachen Lösungen zu stürzen, weil sie das Gefühl der Verunsicherung beruhigen, sondern zu lernen mit der Verunsicherung umzugehen und so Platz für neue Lösungsansätze zu schaffen. Harari schafft es, ohne seine Formulierungen unnötig zu verkomplizieren, dem Leser komplexe Gedanken zu den wichtigen Themen unserer Zeit zu vermitteln. Welchem Pfad folge ich als Individuum in meinem Leben und welchem Pfad folgen wir Menschen, als Lebewesen, die in atemberaubender Geschwindigkeit ihren eigenen Lebensraum und den von Milliarden anderer Lebewesen zerstören.

Er entwirrt Geschichten, die sich als Wahrheiten verkaufen und schärft die Sinne, sich nicht mit den einfachen Lösungen zufrieden zu geben, die einem an jeder zweiten Ecke geboten werden, um davon abzulenken, was die wirklich wichtigen Fragen sind, die wir uns stellen sollten. Und eine dieser Fragen wird wohl demnächst sein: Wie gehen wir Menschen damit um, wenn die Meere den generellen Temperaturanstieg unseres Planeten nicht mehr ausgleichen können und somit das herrschende ökologische Gleichgewicht zu kippen droht?

Frederik Götz für DEEPWAVE.

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Das Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ von Yuval Noah Harari könnt ihr bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

„Das Ozeanbuch – Über die Bedrohung der Meere“ von Esther Gonstalla

Das Ozeanbuch - Über die Bedrohung der Meere liiegt aufgesclagen, als auch mit dem Cover vor einem Globus„Es ist ein interessanter biologischer Umstand, dass wir alle in unseren Adern die exakt gleiche Menge an Salzgehalt haben wie das Meerwasser und damit auch Salz in unserem Blut, unserem Schweiß, unseren Tränen.“ – John F. Kennedy

Immer dann, wenn ich einen kurzen Moment an meinem Schreibtisch in Zürich vom Lernen abschweife und mich in meinem Zimmer umschaue, dann bleibt mein Blick an einem sehr intensiven Blau hängen. Es ist die Farbe des Ozeanbuches, das äußerlich so schön ist und innen von der Bedrohung der Ozeane berichtet.
Sofort tauche ich ab in meine Gedankenwelt nach Hamburg, wo ich ein halbes Jahr bei DEEPWAVE mitwirken und mitleben durfte. Von ihnen habe ich das Buch geschenkt bekommen.

Ich war eines von diesen Kindern, das einen Delfinschulranzen, eine Delfinbettdecke, Delfinohrringe, Delfinstifte, Delfin-T-Shirts, Delfinplüschtiere, Delfinposters, ja sogar einen Delfinklosessel besaß. Vor 220 Millionen Jahren lag die Schweiz das letzte Mal am Meer, da musste ich mir schon selbst eines anfertigen.
Es war mir aber auch klar, dass ich den Geruch und die Geräusche der Meere nicht ersetzen konnte. Für diese musste ich geduldig auf den Sommer warten, weil wir dann mit der Familie immer den ganzen Monat am Mittelmeer verbrachten.

Schon damals, aber auch jetzt noch füllen Momente am Meer meine Energielücken ganz aufs Neue auf. Der Blick in die klare Ferne, der Wind, der alte Gedanken auf nostalgische Weise aufwirbeln kann und sie auch wieder zum Verschwinden bringt, die ungewisse Tiefe, die sich ein paar Meter vor einem einstellt…da fühlt man sich sehr klein und unwissend wie ein Neugeborenes.

Bei DEEPWAVE bin ich dann das erste Mal auf so viele Menschen gestoßen, die sich sehr mit dem Meer verbunden fühlen. Ich war beeindruckt, wie sie ihre ganze Energie und Lebenszeit in ihr einziges Ziel stecken, nämlich den respektvolleren und nachhaltigeren Umgang mit unseren Ozeanen. Die Menschen, denen ich begegnet bin, wissen so viel und betonen gleichzeitig aber auch immer, dass sie sehr wenig von diesem Ökosystem und dessen umfangreicher Funktion auf unserem Blauen Planeten verstehen. Dies ist noch ein guter Grund mehr, warum wir uns mit unserem ausbeuterischen und nicht genügend weit gedachten Verhalten in die eigene Haut schneiden und damit sofort aufhören sollen.

Da war aber auch noch etwas anderes.
Es konnten nicht alleine wissenschaftliche Fakten sein, die die Menschen bei DEEPWAVE jeden Tag aufs Neue motivierten und sie bei ihren Taten voll und ganz überzeugten. Von diesen Menschen habe ich noch etwas Tieferes, ja eigentlich auch viel Trivialeres auf den Weg mitbekommen.

Jedes Wesen ist Teil eines großen Ganzen und hat einen ehrenvollen Platz darin erhalten. Die Schönheit und unglaubliche Vielfalt der Natur ist ein riesiges Geschenk für uns alle. Da darf man auf keinen Fall auf Kosten anderer leben.
Man bedenke: wer mehr Platz einnimmt als für ihn gedacht wäre, nimmt diesen einem anderen Wesen weg.
Wenn man das begriffen hat, glaube ich, braucht man sich als Nicht-Wissenschaftler*in gar nicht krampfhaft mit den Fakten auseinanderzusetzen, dann wird so manches auf einmal so natürlich.
Und vieles beginnt beim Umgang mit seinem Nächsten, wie ernst man sein Gegenüber nimmt, wie überlegen oder gleichgestellt man sich fühlt und wieviel Respekt und Liebe man bereit ist weiterzugeben.

Ich glaube es braucht diese zwei Seiten, um sich im Umweltschutz tief einzusetzen, die wissenschaftliche, aber auch diesen voll umfassenden Einheitsgedanken.
Das Ozeanbuch zeigt, dass die Ozeane riesig sind und einiges erdulden, aber wir sie nun so stark bedrohen, dass das Gleichgewicht, in dem die Natur zu stehen mag, langsam aber sicher aus dem Ruder läuft.

Deshalb ist für uns alle bei DEEPWAVE ganz klar:
„Die Zeit der Verhandlungen ist vorbei. Die Zeit der Handlungen ist längst überfällig.“

Das Ozeanbuch packt alle Gefahren, die den Ozeanen drohen, in eine Geschichte, die Geschichte der Menschheit, die ohne Ozeane nie begonnen hätte. Sie schildert die Zusammenhänge aller wichtigen Themen, der biologischen Vielfalt bis zum Ozean als Industriegebiet in knappen Texten und sehr übersichtlichen, sofort einleuchtenden Infografiken, die mehr verstehen lassen als manche Abhandlung.

Wir alle sind mit den Meeren verbunden und alles ist mit allem verbunden.
Das macht uns das Ozeanbuch klar. Auch wenn manche Binnenlandbewohner das Gefühl haben, die Meere seien so weit entfernt und man habe nichts oder wenig mit ihnen zu tun, weil man keinen Fisch isst, nie ans Meer fährt oder seine Bewohner und Schätze gar nicht kennt – sie täuschen sich.
Die Ozeane haben die größten Wärmespeicherkapazitäten der Welt, sie sind unsere Kohlenstoffspeicher und erzeugen über 70% des Sauerstoffs auf der Erde. Ihre gewaltigen Naturkräfte halten den ganzen Planeten zusammen.
Wir Menschen aber bedrohen die Ozeane zurzeit und somit unsere eigene Spezies zugleich.

Ich bin auf dem Weg ans Meer. Mein erster Segeltörn erwartet mich an der Ostsee. Das Ozeanbuch liegt auf meinem Schoß und gerade habe ich gelernt, dass 99% unseres Telefon- und Internetverkehrs, also eigentlich fast jede Nachricht, die ich verschicke, durch ein Ozeankabel dem Meeresboden entlang verläuft.

 Amel Messaadi für DEEPWAVE.

Weitere Buchrezensionen findet ihr bei unserem Projekt Ozeanbücher.
Das Buch „Das Ozeanbuch – Über die Bedrohung der Meere“ von Esther Gonstalla könnt ihr bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

Die Liedermacher der Meere

Ein Buckelwal in seiner vollen Größe taucht gerade auf, um Luft zu holen.

© Getty Images

Der Mensch ist nicht das einzige Lebenswesen, das komplexe Kommunikationsstrukturen aufweist, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Fast alle Meereslebewesen machen irgendeine Art von Geräusch, wobei Wale besonders viel kommunizieren und sehr ausgeprägte Gesänge anstimmen. Die Bedeutung der Gesänge und wie die Kommunikation genau funktioniert ist noch immer ein Geheimnis des Ozeans.

Tagesanzeiger, 06.02.2019, Autorin: Tina Baier

Tief in den Ozeanen ist es, anders als die meisten Menschen glauben, nicht viel stiller als an Land. Hält man ein Unterwasser-Mikrofon etwa in eine Schule von Delfinen, ertönt ein Wirrwarr von Pfiffen und Klicklauten, das an die Geräuschkulisse eines Spielplatzes erinnert. «Fast alle Meeresbewohner machen irgendeine Art von Geräusch», sagt Fabian Ritter, Meeresbiologe bei der Walschutzorganisation WDC. Insbesondere die Wale sind sehr gesprächig. Doch während sich Zahnwale wie Delfine, Pott- und Schweinswale vor allem über einzelne Laute verständigen, stimmen viele Bartenwale eine Art Gesang an, der Melodie und Rhythmus hat und in dem sich wiederkehrende Strophen unterscheiden lassen – so wie in den Liedern der Menschen.

Warum die Tiere singen und was die Gesänge bedeuten, kann noch niemand so genau erklären. Doch je länger Biologen der Unterwassermusik lauschen, umso deutlicher zeichnet sich ab: Walgesänge sind eine Form der Kommunikation, die sich ähnlich wie die menschliche Sprache kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Lieder verschiedener Arten von Bartenwalen unterscheiden sich stark. Blau- und Finnwale haben ein vergleichsweise schlichtes Repertoire. «Die komplexesten Lieder von allen singen die Buckelwale», sagt Fabian Ritter. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Tagesanzeiger

Weitere Informationen über die Kommunikation von Meereslebewesen:

https://www.deepwave.org/laerm-meer-unterschaetzte-stoerfaktor-18407342/

https://www.deepwave.org/auszeichnung-forschung-kommunikation-robben-walen-ewigen-eis-11233091/

 

Vier fürs Klima von Petra Pinzler und Günther Wessler

Das Buch Vier fürs Klima vor einem Fahrrad mit einem Bioapfel und einem konventionellen ApfelDass wir zu viel CO2 und andere Treibhausgase in die Luft pusten, ist wohl allen inzwischen klar. Dass wir als durchschnittlicher Deutscher fast das 6-fache der vernünftigen 2 Tonnen jährlich produzieren, ist nur noch wenigen klar. Und dass wir als Bürger der Bundesrepublik erstmal 800 kg auf unserem Konto haben, nur durch Bürokratie und Straßenbau, macht diese Lage nicht besser. Was kann man dagegen tun, ohne bei einer solchen Tatsachenlage gleich zu verzweifeln?

Die vierköpfige Familie der Autoren ist sich dieser Frage zwar bewusst, aber ihre Handlungen gehen nicht über den Bio-Einkauf und eventuelles Fahrradfahren hinaus. Bis eine Hausaufgabe die Familie dazu bringt, ihrem ökologischen Fußabdruck in die Augen zu schauen.

Ein Jahr später und nach einem Experiment mit der ganzen Familie ist dieses Buch entstanden. Praktisch, lebensnah und vor allem umsetzbar gibt es ein Vorbild dafür, wie man seine Lebensweise ändern kann, ohne moralinsauer nur von Verzicht zu sprechen. Denn es zeigt, wie ein solcher Versuch auch das eigene Leben positiv verändert.

Wodurch das Buch sich aber von allen anderen dieser Art unterscheidet, ist der selbstkritische und anregende Umgang der Autoren mit der Komplexität des Themas. Kann es sein, dass im Mai ein konventioneller, mit dem Schiff transportierter Apfel aus Neuseeland nicht vielleicht doch besser ist, als ein aufwendig eingelagerter regionaler Bio-Apfel? Und ist das nicht von Anfang an eine falsch gestellte Frage?

Auch wenn es in „Vier fürs Klima“ nur indirekt um die Bedrohung der Ozeane geht, ist dieses Buch eine unserer Antworten auf die immer gestellte Frage: Was kann ich tun? Es geht nicht darum, unreflektiert dem zu folgen, was die Autoren vorschlagen. Nein, es geht darum, selbst ein solches Experiment zu wagen, nachzudenken, nachzuhaken und sich am Ende immer selbst zu hinterfragen. Und wenn wir dann nur bei 7 Tonnen landen, wissen wir zumindest warum.

Heye Groß für DEEPWAVE.

Weitere Buchrezensionen findet ihr bei unserem Projekt Ozeanbücher.
Das Buch „Vier fürs Klima“ von Petra Pinzler und Günther Wessler Ihr könnt es bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

Sea Change: A Message of the Oceans by Sylvia Earle

Das Buch Sea Change: A Message by the Oceans by Sylvia Earl mit einem Schwarm Fische im Hintergrund Die US-amerikanische Umweltaktivistin und Meeresforscherin Sylvia Earle hat in ihrer Karriere viel gesehen und erlebt, diese Erfahrungen fasst sie in ihrem Buch „Sea Change: A Message of the Oceans“ sehr eindrucksvoll zusammen.

Stellen Sie sich vor, das Meer würde morgen austrocknen. Warum sollte mich das stören? Ich schwimme nicht. Ich hasse Boote. Ich werde seekrank! Ich esse noch nicht mal gerne Fisch. Warum sollte es mich also stören, wenn manche – oder alle – Fischarten aussterben? Wer braucht das Meer?

Mit diesen Worten beginnt Sylvia Earle, eine Frage, die ihr 1976 im Zuge einer Konferenz gestellt wurde. Und genau diese Frage gibt den Ton für das gesamte Buch an.

Im Teil „Sea of Eden“ verdeutlicht die Autorin die Bedeutung der Ökosysteme und erzählt von Tiefsee-Tauchgängen mit ROVs (remotely operated vehicles) und ihrer Zeit als „Aquanautin“ in der Tektite Station, dem ersten Unterwasser-Labor der Welt, in dem sie 20 Tage lang mit einem Team von Wissenschaftlern unter Wasser gelebt und gearbeitet hat.

Im Teil  „Paradise Lost“ beschreibt sie unseren momentanen Umgang mit den Meeren auf eine augenöffnende und schockierende Art und Weise: wie es aussieht, wenn man mit dem Helikopter über einen Teppich von brennendem Öl fliegt, auf dem Meeresboden in mehr als 1000 Metern Tiefe Plastik findet und wie fatal die Auswirkungen der andauernden Überfischung wirklich sind.

Auch wenn das Buch nun schon mehr als 20 Jahre alt ist, hat es an Relevanz und Dringlichkeit nicht verloren, sondern gewonnen.

Der letzte Teil „Sea Change“ ist ein Weckruf dafür, wie viel wir als Gemeinschaft bewegen können, um das Schlimmste abzuwenden, wenn wir uns erst einmal dazu entschieden haben.

Ein Buch, welches mich tief berührt hat und noch Jahre, nachdem ich es das erste Mal gelesen habe, fast täglich beschäftigt. Ein Buch, das ich allen ans Herz legen möchte, denen die Meere am Herzen liegen.

Rebecca von Hellfeld  für DEEPWAVE.

Bei der Eröffnung des Ocean Space in Venedig am 23. März 2019 bin ich Sylvia Earle zum ersten Mal begegnet. Die Grande Dame der Meere sprach zum Publikum, unter freiem Himmel, im Rücken die riesige venezianische Kirche, die nun als Ausstellungsraum dient, unter einem Meer von Sternen. Den Blick nach oben gewandt, erinnerte sie uns mit ihrer tiefen ruhigen Stimme: It’s good to be an earthling, but let us remember: there’s no place for us earthlings than this marble here.

Und im persönlichen Gespräch äußerte sie ihre Freude, dass DEEPWAVE sich dem widmet, was Sinn und Zweck des Ocean Space ist:  Kunst und Wissenschaft zu verbinden zu Gunsten der Meere.

Anna Groß für DEEPWAVE.

Weitere Buchrezensionen findet ihr bei unserem Projekt Ozeanbücher.
Das Buch ist nur auf Englisch verfügbar. Ihr könnt es bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

„Der Schwarm“ von Frank Schätzing

Das Buch "Der Schwarm" an einer Hafenkante mit Kran und Elbphilarmonie im Hintergrund„Hier, lies das mal!“ sagte Onno Groß bei unserem ersten Treffen im Jahr 2005. Das Buch „Der Schwarm“ von Frank Schätzing war im Vorjahr erschienen und auf den Bestsellerlisten ganz oben. Was für ein Wälzer! So etwas rühre ich, die leider viel zu selten zum Lesen kommt und abends regelmäßig nach 5 Seiten einschläft, normalerweise erst gar nicht an. Aber schon nach den ersten Seiten fesselte mich die Geschichte um das Meer, das zurückschlägt für alles, was die Menschheit ihm angetan hat – heute, knapp 15 Jahre später, angesichts der Verschmutzung, der Plastikvermüllung und Überfischung der Meere aktueller denn je.

Ich lag abends im Bett und verschlang das Buch innerhalb kürzester Zeit, wurde ehrenamtliche Mitarbeiterin von DEEPWAVE e.V. und bin dem Verein bis heute eng verbunden. So war ich dann auch dabei, als Frank Schätzing, den Onno als Beirat gewinnen konnte, im Jahr 2005 für eine Benefizlesung für die Meere nach Hamburg kam. Und auch, als DEEPWAVE im selben Jahr nach dem großen Tsunami im Indischen Ozean vom Dezember 2004 ein Mangrovenanpflanzungsprojekt in Indien startete, weil Mangroven natürliche Schutzschilder gegen Tsunamis darstellen.

Schätzing hatte in „Der Schwarm“ über Seiten beschrieben, wie ein Tsunami ganz Europa verschlingt, wie sich das Meer erst zurückzieht und dann als große Welle auf die Küsten trifft. Auch einige deutsche Touristen, die damals an den Küsten des Indischen Ozeans Urlaub machten, hatten das Buch gelesen. Und statt wie andere fasziniert an den Strand zu laufen, um sich das Schauspiel des zurückziehenden Meeres anzuschauen, verstanden sie sofort, dass ein Tsunami folgen würde und flüchteten. Schätzing erhielt von Ihnen später Dankesbriefe. Was kann sich ein Autor mehr wünschen als dass er mit seinen Geschichten womöglich Menschenleben gerettet hat!

Barbara Focke für DEEPWAVE.

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Die drei ??? – Meuterei auf hoher See

Die CD zum Hörspiel "Die drei Fragezeichen: Meuterei auf hoher See", ein Smartphone auf dem die Folge läuft und KopfhörerIn der Folge 83 „Meuterei auf hoher See“ haben Justus (1. Detektiv), Peter (2. Detektiv) und Bob (Recherche und Archiv) die Chance, auf dem Forschungsschiff „Wavedancer“ eine Expedition von „Ocean-Ops“ zu begleiten. Deren Ziel ist es, Hydrothermalquellen in der Tiefsee des Pazifiks zu untersuchen und die drei sind als Schiffscrew angeheuert. Die Expedition, die durch die Fernsehjournalistin Carol Ford begleitet wird, verläuft natürlich anders als erwartet. Ein fanatischer Wissenschaftler fühlt sich gezwungen, auf hoher See das Kommando an Bord zu übernehmen, die Besatzung zu bedrohen und das Schiff auf neuen Forschungskurs zu lenken.
Trotz der Meuterei darf der 1. Detektiv auf Erkundungstour in mehr als 1000 Meter Tiefe mit dem Tiefsee-U-Boot „Deepquest“ abtauchen. In absoluter Dunkelheit, in den Tiefen des Ozeans, mit sabotierten Bootsbatterien und schwindendem Funkkontakt zur Besatzung der „Wavedancer“ treffen sie auf riesige biolumineszierende Wesen, die zu dem Zeitpunkt noch nie so beobachtet oder gefilmt wurden. Sturm auf hoher See, Intrigen unter der Schiffsbesatzung uv machen diese Folge zu einem einzigartigen Abtauchen in eine unbekannte Welt.

Mit sechs Jahren habe ich angefangen “Die drei Fragezeichen” zu hören und sie begleiten mich weiterhin:  als Abiturient beim Mottotag „Kindheitshelden“ als Peter (das Los fiel unter drei Freunden auf mich), bei jeder langen Busfahrt auf meiner Südamerikareise, jedes Mal, wenn ich nicht einschlafen kann oder wenn ich einfach abschalten möchte.Als Kind wollte ich, wenn ich einmal groß bin, Tierforscher werden. Diese Geschichte der drei Fragezeichen hat mich beim ersten Mal Hören sofort gefesselt, da ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass es eine Tierwelt in den Tiefen des Ozeans gibt, die noch kaum jemand kennt. Was versteckt sich dort alles noch? Einige Jahre später arbeite ich für die Meeresschutzorganisation DEEPWAVE, die sich besonders für den Schutz der Tiefsee einsetzt und ich habe die Chance im Rahmen einer Büchervorstellung etwas über meine Lieblingsgeschichte der drei Fragezeichen zu schreiben. Ist schon verrückt, dass sich mein Kindheitstraum, mein erster Kontakt zur Tiefsee und meine aktuelle Arbeit in dem Fall „Meuterei auf hoher See“ zusammenfinden.

Johan Busse von Colbe für DEEPWAVE.

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