Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

Warning over deep-sea ‚gold rush‘

Das Tiefsee-Nesseltier Relicanthus klammert sich an einen Schwammstiel auf dem Boden des Pazifiks

© DJ Amon & CR Smith

Im Angesicht der immer weiter voranschreitenden Plänen für ein baldigen Start des Tiefseebergbaus, haben Wissenschaftler*innen und Politikexpert*innen der Universität Exeter und Greenpeace eine Studie veröffentlicht mit Empfehlungen, wie Umweltschäden durch Tiefseebergbau verhindert werden können. Im Vordergrund steht dabei in jedem Fall der Schutz der Tiefsee und ihrer Biodiversität, denn wie die Autor*innen selbst sagen, brauchen die Ökosysteme in der Tiefsee mehr Schutz anstatt noch mehr Bedrohungen. Auf Tiefseebergbau könnte nach Ansicht von Kirsten Thomsen und ihren Mitautor*innen verzichtet werden, wenn die Gesellschaft vermehrt auf Recycling und Kreislaufwirtschaft statt auf Überkonsumption setzen würde. Außerdem fordert die Studie, einen besseren Ausbau der Meeresschutzgebiete und größere Transparenz der Kosten-Nutzen Analysen der Tiefseebergbauprojekte.

EurekAlert!, 17.12.2018

A „gold rush“ of seabed mining could lead to unprecedented damage to fragile deep-sea ecosystems, researchers have warned.

With major decisions on the future of seabed mining expected in 2019-20, scientists and policy experts from the University of Exeter and Greenpeace have recommended a range of measures to prevent environmental damage.

They say deep-sea ecosystems currently need more protection, rather than new threats.

They also argue that mining in the deep sea (depths below 200m) could be avoided altogether if humanity moved towards a „circular economy“ that focuses on reuse and recycling of metals, reduces overconsumption and limits built-in obsolescence of technology.

„This ‚gold rush‘ is being driven by our ever-growing demand for minerals,“ said Dr David Santillo, a marine biologist and senior Greenpeace scientist based at the University of Exeter.

„Should we allow seabed mining – with the risk it poses to deep-sea ecosystems – or should we focus instead on reducing this demand for virgin minerals?“

The scientists also call for an improved network of Marine Protected Areas, strict regulations and monitoring of all human activities on the seabed, and far greater transparency on the costs and benefits of any proposed mining.

„The deep sea is beyond the jurisdiction of any single state and we need more joined-up global governance to prevent biodiversity loss from human activities“, said Dr Kirsten Thompson, a marine biologist at the University of Exeter and co-author on the study.

„Some areas targeted for seabed mining are known to be hotspots for biodiversity, including habitat for endemic corals and nursery grounds for sharks.“

The paper, published in the journal Frontiers in Marine Science, gives an overview of the current state of regulations and their likely effectiveness, with the aim to stimulate wider discussion before the International Seabed Authority reaches any decisions to allow commercial mining of the seafloor. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

EurekAlert!

Den open-source Originalartikel „Seabed mining and approaches to governance of the deep seabed.“, veröffentlicht in Frontiers in Marine Science findet ihr hier.

 

Nein zum Raubbau an der Tiefsee

Das erste Tiefseebergbauprojekt „Solwara 1“ soll  in diesem Jahr am Boden der Bismarcksee vor Papua-Neuguinea starten. Auf der Suche nach Manganknollen, kobaltreiche Eisen- und Mangankrusten, Massivsulfide und Erzschlämme – ein unsicheres Investment. Das geplante Ausbeutungsgebiet beträgt etwa 140 000 Quadratmeter und ist Teil eines ökologisch sehr sensiblen Lebensraums, der auch ein wichtiges Fanggebiet für viele Kleinfischer*innen ist. Der Rohstoffverbauch muss in Deutschland und in Europa auf ein nachhaltiges Maß reduziert werden, stattdessen unterstützt die Bundesregierung Industrie- und Forschungsvorhaben, die den Tiefseebergbau massiv vorantreiben, um auch die unerforschtesten Lebensräume unseres Planeten wirtschaftlich zu nutzen. Der wirtschaftliche Ertrag ist jedoch beim Tiefseebergbau immer noch sehr fraglich…

„Tiefseebergbau ist in diesem Sinne eine Risikotechnologie und steht für den Wunsch nach unbegrenztem Wachstum, nicht für eine vorsorgende Politik“ – Kai Kaschinski (fair-oceans).

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN), 13.06.2018, Autor: Hans-Christoph Neidlein

Die Nutzungskonflikte um die marinen Ressourcen und den Schutz der Ozeane nehmen an Bedeutung zu, wie geplante Tiefseeberg-bauvorhaben zeigen. Umso wichtiger ist eine verantwortungsvolle internationale Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung und Nutzung der Meere entsprechend der UN-Agenda 2030. Die Möglichkeiten des UN-Seerechtsübereinkommens sollten hierfür genutzt werden.

Zwei Drittel der Weltbevölkerung lebt an Küsten und für Milliarden von Menschen sind die Weltmeere Lebensgrundlage. 70 Prozent der Erde sind von Ozeanen bedeckt, sie produzieren Sauerstoff, sie sind Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere und spiritueller Mittelpunkt, vor allem für viele Inselbewohner. Doch die Bedrohung ist vielfach. Wenn sich nichts ändert, könnte bis im Jahr 2050 ebenso viel Plastikmüll wie Fisch in den Weltmeeren schwimmen. 90 Prozent der kommerziellen Fischbestände sind überfischt und schätzungsweise jeder fünfte Fisch wird illegal gefangen. Weil die Ozeane als Lungen der Erde CO2 absorbieren sind sie zu 30 Prozent saurer als in vorindustriellen Zeiten. Dies bedroht alle kalkskelettbildenden Lebewesen wie Korallenriffe. Und Mangrovenwälder, die Küsten schützen, sind in vielen Ländern zerstört worden. Und der Nutzungsdruck auf die marinen Ressourcen steigt weiter.

Umstrittenes Tiefseebergbauprojekt vor Papua-Neuguinea

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der geplante unterirdische Abbau von mineralischen Rohstoffen in der bisher weitgehend ungenutzten Tiefsee. Die wichtigsten Rohstofftypen im Tiefseebergbau sind die Manganknollen (polymetallische Knollen), kobaltreiche Eisen- und Mangankrusten sowie Massivsulfide und Erzschlämme. Die Manganknollen sind vor allem wegen ihrer vergleichsweise hohen Gehalte an Kupfer, Nickel und Kobalt wirtschaftlich interessant. Bei den Massivsulfiden spielen neben den Buntmetallen (Kupfer, Zink und Blei) besonders die Edelmetalle Gold und Silber sowie Spurenmetalle wie Indium, Tellur, Germanium, Wismut, Kobalt und Selen eine Rolle. Mittlerweile gibt es zahlreiche Explorations- und Forschungsprojekte für Bergbau in der Tiefsee. Weltweit wurden schon für über 1,5 Millionen Quadratmeter Schürfrechte vergeben. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN)

 

 

Study: Every Animal Pulled from the Deepest Trenches of the Ocean Had Plastic in its Gut


© Alan Jamieson / Newcastle University

Ein Forschungsteam der „Newcastle University“ hat eine Studie veröffentlicht über den Einfluss von Plastikmüllverschmutzung auf Amphipoden (Flohkrebse) in der Tiefsee. Die Ergebnisse sind schockierend. Selbst im fast 11 Kilometer tiefen Marianengraben, dem tiefsten Punkt des Ozeans, hatten alle Exemplare Mikroplastik in ihrem Körper. Es zeigt, dass kein marines Ökosystem mehr unberührt ist. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass die Tiefsee, als größter Lebensraum, auch das größte Reservoir für Plastikmüll sein könnte. Die Amphipoden stehen ganz unter in der Nahrungskette und werden von vielen anderen Meerestieren gefressen, wenn die nun Mikroplastik essen, wirkt sich das auf das ganze Ökosystem aus.

The Atlantic, 27.02.2019, Autor: Ed Yong

Alan Jamieson remembers seeing it for the first time: a small, black fiber floating in a tube of liquid. It resembled a hair, but when Jamieson examined it under a microscope, he realized that the fiber was clearly synthetic—a piece of plastic. And worryingly, his student Lauren Brooks had pulled it from the gut of a small crustacean living in one of the deepest parts of the ocean.

For the past decade, Jamieson, a marine biologist at Newcastle University, has been sending vehicles to the bottom of marine trenches, which can be as deep as the Himalayas are tall. Once there, these landers have collected amphipods—scavenger relatives of crabs and shrimp that thrive in the abyss. Jamieson originally wanted to know how these animals differ from one distant trench to another. But a few years ago, almost on a whim, he decided to analyze their body for toxic, human-made pollutants such as polychlorinated biphenyls, or PCBs, which have been banned for decades but which persist in nature for much longer.

The team found PCBs galore. Some amphipods were carrying levels 50 times higher than those seen in crabs from one of China’s most polluted rivers. When the news broke, Jamieson was inundated with calls from journalists and concerned citizens. And in every discussion, one question kept coming up: What about plastics? […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

The Atlantic: https://www.theatlantic.com/world/

Weitere Informationen über die Studie der „Newcastle University“:

https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.180667

 

Tauch­ro­bo­ter MARUM-QUEST erst­mals in ant­ark­ti­schen Ge­wäs­sern

© vdl

Pressemitteilung, 11.04.2019 vom MARUM

Wo Erd­plat­ten auf­ein­an­der­tref­fen, ist die Erde in Be­we­gung. Eine Ex­pe­di­ti­on mit dem For­schungs­schiff PO­LAR­STERN will die­se Ak­ti­vi­tä­ten im Süd­po­lar­meer nä­her un­ter­su­chen. Im Fo­kus der MARUM-Fahrt ste­hen da­bei vor al­lem kal­te und hei­ße Quel­len. Zum ers­ten Mal wird der Tauch­ro­bo­ter MARUM-QUEST im Süd­po­lar­meer ein­ge­setzt. Der Ex­pe­di­ti­ons­be­ginn ist für den 13. April 2019 ge­plant.

Es ist nicht die ers­te Ex­pe­di­ti­on von Fahrt­lei­ter Ger­hard Bohr­mann und sei­nem Team ins Süd­po­lar­meer. Be­reits seit 2012 be­schäf­ti­gen sich die For­schen­den mit der Fra­ge, wie Flui­de und Gase an hei­ßen und kal­ten Quel­len ent­lang der Sand­wich Plat­te zir­ku­lie­ren. Die Sand­wich Plat­te ist mit 350 Ki­lo­me­tern West-Ost- und cir­ca 550 Ki­lo­me­tern Nord-Süd-Er­stre­ckung zwar eine re­la­ti­ve klei­ne Plat­te, aber sie ist zwi­schen der Süd­ame­ri­ka­ni­schen und der Ant­ark­ti­schen Groß­plat­te der ak­tivs­te Erd­krus­ten­be­reich. Die Sand­wich Plat­te ent­steht durch Sprei­zung und Vul­ka­nis­mus am Ost-Sco­tia Rü­cken. Sie wan­dert nach Os­ten, wo sie mit der Süd­ame­ri­ka­ni­schen Plat­te kol­li­diert. Ein Tief­see­gra­ben von acht Ki­lo­me­tern Was­ser­tie­fe und eine Ket­te von ak­ti­ven, teil­wei­se In­sel-bil­den­den Vul­ka­nen sind die Fol­ge.

In die­sem Ge­biet lie­gen ein­zig­ar­ti­ge che­mo­syn­the­tisch-le­ben­de Öko­sys­te­me an den hei­ßen Quel­len so­wohl am Rü­cken als auch an Un­ter­was­ser­vul­ka­nen des Süd-Sand­wich In­sel­bo­gens. Zu­dem ver­mu­ten die For­schen­den hier kal­te Quel­len. So­wohl an hei­ßen wie an kal­ten Quel­len tre­ten Flui­de und Gase aus – Ziel der Fahrt ist es, bei­de Sys­te­me ge­nau­er zu un­ter­su­chen und mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Da­für wird jetzt zum ers­ten Mal in der Süd­po­lar­re­gi­on der fern­ge­steu­er­te Tauch­ro­bo­ter MARUM-QUEST ein­ge­setzt. […]

Die vollständige Pressemitteilung findet ihr hier.

MARUM: https://www.marum.de/index.html

Zwei Tierfilmer haben ihr Glück in der Tiefsee gefunden

© Pirkko Gohlke/WAZFotoPool

DER WESTEN, 21.08.2013, Pirkko Gohlke
Kirsten und Joachim Jakobsen sind Tierfilmer. Das deutsche Ehepaar lebt und arbeitet auf den Azoren. Mit ihrem Tauchboot Lula1000 sind sie bis zu 1000 Meter tief im Atlantik unterwegs, um dort die Meeresbewohner zu filmen. Derzeit sind sie auf der Suche nach Riesenkalmaren.

Lajes do Pico.. Arbeiten unter Wasser – Joachim Jakobsen hat seinen Kindheitstraum zum Beruf gemacht. Er und seine Frau Kirsten sind Tierfilmer. Ihr Einsatzgebiet: die Tiefsee vor den Azoren. Sie leben und arbeiten auf den portugiesischen Inseln. Mit ihrem Tauchboot Lula 1000 fahren sie bis zu einem Kilometer in die Tiefsee und filmen die Unterwasserwelt. Derzeit sind sie auf der Suche nach Riesenkalmaren.

Joachim Jakobsen sitzt im Steuerhaus des Katamarans Ada Rebikoff, der im Hafen des Städtchens Lajes do Pico auf der Azo-reninsel Pico liegt. Im hinteren Teil des Katamarans ist das Tauchboot untergebracht. Über eine Bodenklappe kann es ins Meer hinangelassen werden. Jeden zweiten Tag in den Sommermonaten, wenn die See nicht stürmisch ist, tauchen die Jakobsens. Bis zu fünf Stunden sind sie dann unter Wasser.

Jakobsen wurde 1956 in Italien geboren. Seine deutschen Eltern lernten sich dort kennen. Sein Vater war auf Wanderschaft in Südeuropa. Seine Mutter war eine deutsche Touristin. „Sie haben auf einem kleinen Boot gehaust, und dann kam ich.“ […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

DER WESTEN: https://www.derwesten.de/

Tag des Artenschutzes: Tiefseefisch – Orange Roughy

A crew member of the Greenpeace ship MV Esperanza holds an orange roughy that has been caught and killed by an EU bottom trawler © Greenpeace/Davison

Alljährlich findet am 3. März der Tag des Artenschutzes statt, der aus dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) von 1973 hervorgeht.

Zum diesjährigen Tag des Artenschutzes stellen wir euch den Granatbarsch – oder auch Orange Roughy – vor. Ein Sinnbild für das Leben in der Tiefsee. Die Tiefsee – tiefer, dunkler und  langsamer. Der größte Lebensraum unseres Planeten, der früher durch seine besonderen Lebensbedingungen als lebensfeindlich galt. Orange Roughy hat sich jedoch, so wie viele andere Lebewesen, perfekt an die Kälte, den hohen Druck und die ewige Dunkelheit der Tiefsee angepasst.

In bis zu 1800 Metern Tiefe gleitet er langsam durch den lichtlosen Ozean, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Er hat einen extrem langsamen Stoffwechsel, der dazu führt, dass er erst sehr spät geschlechtsreif wird und sich somit auch nur langsam reproduzieren kann.  Bis zu 150 Jahre kann der orange-rote Fisch die Tiefen unseres Planeten durchqueren. Die ZEIT hat Orange Roughy nicht ohne Grund den „Entdecker der Langsamkeit“ getauft.

Der Knochenfisch, der älter wird als unsere Großeltern, landet in Ländern wie USA, Australien, China, aber auch in Deutschland auf den Speisekarten. Er fällt der steigenden Nachfrage nach Fisch zum Opfer. Er stirbt und endet im Magen von Menschen, die diesen besonderen Fisch gerne verspeisen oder er wird als Beifang der industriellen Fischerei unabsichtlich gefangen, wenn er nicht dem erhofften Fang entspricht aufgrund seiner Spezies, Größe oder Qualität, sterbend wieder ins Meer geworfen.

Seit 2016 tragen drei neuseeländische Fischereien das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) für nachhaltige Fischerei, die insgesamt für mehr als die Hälfte des örtlichen Fangs von Granatbarschen verantwortlich sind. Wie ist das möglich?  Tiefseelebewesen wie Orange Roughy werden mit Grundschleppnetzen gefangen, die gleichzeitig die Jahrhunderte alten empfindlichen Kaltwasser-Korallenriffe der Tiefsee zerstören.  Kann er überhaupt „nachhaltig“ gefangen werden, wenn durch die angewandten Tiefseefangmethoden gleichzeitig sein Lebensraum zerstört wird? Was ist, wenn sich die Granatbarsche und ihr Lebensraum trotz der Auflagen des MSCs nie wieder erholen?

Können wir als Gäste des Planeten Erde unser Bedürfnis diesen Fisch zu essen über das Leben eines Lebewesens stellen, das mehr als doppelt so alt wird wie wir? Wir sind in den Ländern, in denen Orange Roughy gegessen wird, nicht auf Fische als Proteinquelle angewiesen. Auf wie viel verzichten wir wirklich, wenn wir nicht mehr uralte Lebewesen aus den unbekannten Tiefen des Ozeans rauben, um unsere Vorliebe für besonderes Fischfilet zu befriedigen?

Orange Roughy steht für die Tiefsee. Eine geheimnisvolle und artenreiche Welt, die wir in ihrer Komplexität noch nicht erfasst haben. Müssen wir das, bevor wir anfangen sie zu schützen? Nein, wir müssen nicht alle Vorgänge und Mechanismen in der Tiefsee verstehen, um sie sinnvoll schützen zu können. Klar ist, wenn wir so weitermachen, werden wir nicht mehr alle Wunder der Tiefsee entdecken…

3.März – Ein Tag, an dem wir unsere täglichen Entscheidungen überdenken müssen, die das Leben vieler Lebewesen gefährden, sowohl in den Tiefen des Ozeans, als auch auf dem ganzen Planeten Erde.

Johan Busse von Colbe für DEEPWAVE

 

 

The future of deep seabed mining

Deep seabed mining machines manufactured by Nautilus Minerals (Image: Nautilus Minerals)© Nautilus Minerals

“Our current knowledge of the deep sea is not sufficient to protect the unique species that live there from mining operations. It is alarming to see contracts being granted for these still largely unexplored and vulnerable areas. We need a 10-year moratorium on seabed mining exploitation.” -Carl Gustaf Lundin, Direktor der International Union for Conservation of Nature’s (IUCN) of Global Marine and Polar Programme.

Diese Woche trifft sich die „International Seabed Authority (ISA)“, um Richtlinien über den zukünftigen Tiefseebergbau mit der Industrie zu entwickeln…

Chinadialogue ocean, 25.02.2019, Autorin: Jessica Aldred

It’s one of the coldest, darkest places on earth, full of marine life – much of which is yet to be discovered – with a seabed rich in mineral deposits.

In the last decade, the floor of the deep ocean that lies outside the jurisdiction of any one country has been increasingly explored. A number of parties are assessing the size and extent of mineral deposits that could provide raw materials for everything from batteries and jet engines to wind turbines and mobile phones.

Some deep seabed mining has already taken place within countries’ waters: Japan in 2017, and in Papua New Guinea where the controversial Solwara 1 mining project has ground to a halt. But this year will see a critical global debate on how to manage the resources that lie in “the area” – international waters of more than 200 metres deep that cover nearly two-thirds of the earth.

The question of who mines these – and how – is due to be formalised in a “code” being drawn up by the International Seabed Authority (ISA), the UN–appointed body responsible for managing the riches of the deep seabed for the “common heritage of mankind”.

Tasked with what some say is an impossible mandate of promoting the development of deep seabed mining while ensuring the practice does not harm the marine environment, the ISA’s 168 members must agree on how these fragile and unique ecosystems will be protected, how the potentially multibillion dollar industry will be regulated, how any profits will be shared equitably, and how it can demonstrate accountability and transparency. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Chinadialogue ocean: https://chinadialogueocean.net/

IUCN, International Union for Conservation of Nature: https://www.iucn.org/

Weitere Informationen über die Tiefsee: https://www.deepwave.org/die-ozeane/die-tiefsee/

 

 

 

 

Fangquoten 2019/2020 für Tiefseefische festgelegt: EU umschifft eigenen Nachhaltigkeitsstandard

Die EU hat die aktuellen Fangquoten für einige Tiefseefischarten im Nordostatlantik beschlossen. Dabei geht es unter anderem um folgende Fischarten: Tiefseehai, Schwarzer Degenfisch, Kaiserbarsch, Rundnasen-Grenadier und Rote Fleckbrasse.


© savethehighseas.org

20.11.2018 Pressemeldung von Slow Food Deutschland:

Tiefsee-Fanggrenzen 2019/2020: EU umschifft eigenen Nachhaltigkeitsstandard

20.11.2018 – Die Fischereiminister der EU, darunter Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, haben über die Fanggrenzen für wirtschaftlich bedeutende Bestände von Tiefseefischarten für 2019 und 2020 entschieden – darunter die für Deutschland relevanten Arten Schwarzer Degenfisch, Rundnasengrenadier und Gabeldorsch. „Herzstück der Gemeinsamen Fischereipolitik ist das rechtlich verbriefte Ziel nachhaltiger Nutzungsgrade für alle fischereilich genutzten Populationen bis 2020. Dieser sogar global geltende Nachhaltigkeitsstandard wurde nun umschifft, indem zahlreiche Fanggrenzen einfach aufgehoben wurden“, so Nina Wolff, Fischerei-Expertin von Slow Food Deutschland.

Die Tiefsee zählt zu den empfindlichsten Bereichen der Meere. Sie birgt eine Fülle von Lebewesen und Lebensräumen. Vieles davon ist uns Menschen noch unbekannt. Trotzdem fischen industrielle Fischereiflotten, auch aus EU-Ländern, in diesen Gefilden, weil sie in einigen Küstengewässern Europas nicht mehr ausreichend Fang und Gewinne erzielen. Viele Tiefseefische jedoch reproduzieren sich langsamer als andere Fischarten. Sie sind entsprechend anfällig für Überfischung. Einige dieser Arten sind bereits stark dezimiert, darunter der Granatbarsch sowie mehrere Haiarten. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat im Vorfeld der gestrigen Entscheidung empfohlen, bei vielen der Tiefseebestände die Fänge erheblich zu reduzieren oder gänzlich zu vermeiden.

„Unverantwortlicher Vorschlag der EU-Kommission!“

Diesen wissenschaftlichen Empfehlungen ist die EU mit ihrer getroffenen Entscheidung nicht ausreichend nachgekommen. „Die EU hätte gestern für 19 Tiefsee-Bestände Fanggrenzen festlegen sollen. Stattdessen wurden sechs Bestände der Quote entzogen. Der Ministerrat ist kritiklos diesem unverantwortlichen Vorschlag der EU-Kommission gefolgt. Die wissenschaftlichen Kenntnisse über die besonders schutzbedürftigen Tiefseepopulationen sind nach wie vor gering. Eine Bewirtschaftung dieser Bestände im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip hätte deshalb besonders strenge Fanggrenzen bis hin zu Fangverboten erfordert“, so Wolff und erklärt entschieden weiter: „Die EU und auch das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sind sich der großen Bedeutung der Tiefseefische für die marinen Ökosysteme durchaus bewusst. Dennoch wurden erneut wichtige Erhaltungsmaßnahmen einer schlanken Quotenverwaltung geopfert. Das ist, als höbe man Geschwindigkeitsbegrenzungen auf weniger befahrenen Straßen auf, um die Verkehrspolitik zu entschlacken“.

„Die Tiefsee gehört nicht auf den Teller!“

In ihrer Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) hat die EU rechtsverbindlich beschlossen, bis 2020 alle EU-Fischbestände auf einem ökologisch vertretbaren Niveau zu bewirtschaften. Mit der jüngst getroffenen Entscheidung hat sie sich davon erneut einen Schritt entfernt und das wirtschaftliche Interesse einiger weniger Mitgliedstaaten über wissenschaftliche Expertise und geltendes Recht gestellt. „Ich bin sprachlos darüber, dass der Ministerrat nicht stärker agiert hat, um die für uns überlebenswichtigen marinen Ökosysteme zu erhalten. Da die EU weiterhin nicht die Grundlagen für einen verantwortungsvollen Fischverzehr schafft, kann ich nur an die Verbraucherinnen und Verbraucher appellieren, sensible und kluge Entscheidungen zu treffen. Wenn eine der biologischen Empfindlichkeit entsprechende vorsichtige Bewirtschaftung nicht gewährleistet ist, gibt es nur eine Konsequenz. Die Tiefsee gehört nicht auf den Teller, und wir sollten auch auf Reisen einen kulinarischen Bogen um Tiefseefischarten schlagen und stattdessen zu regionalem Fisch greifen, dessen ökologisch unbedenklicher Herkunft wir uns vergewissert haben“, sagt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland.

Weitere Informationen und Standpunkte findet ihr unter anderem hier:

https://seas-at-risk.org/16-fisheries/930-fisheries-ministers-disregard-their-legal-obligation-to-end-overfishing-by-2020-in-the-deep-sea.html

Die Pressemitteilung der EU:

https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2018/11/19/deep-sea-fish-stocks-agreement-of-catch-limitations-over-2019-and-2020/

Antje Boetius erhält den Deutschen Umweltpreis

Ihr Einsatz für unsere Umwelt wurde belohnt:

Antje Boetius erhält den Deutschen Umweltpreis


© Kerstin Rolfes/Alfred-Wegener-Institut/dpa

Bereits zum 26. Mal wurde der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergeben, die Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius ist eine der Gewinnerinnen. Der mit 500.000 Euro dotierte Preis ist der größte unabhängige Umweltpreis Europas. Durch die Vergabe betont die DBU die große Bedeutung der Weltmeere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung und warnt gleichzeitig vor dem Klimawandel, der Umweltverschmutzung und Überfischung.

Ein Leben für die Ozeane

Mit unterschiedlichen Schwerpunkten erforscht Antje Boetius die Biodiversität der Tiefsee, betreibt Wissenschaftskommunikation und setzt Projekte zwischen Wissenschaft, Kunst und Kultur um – die Ozeane und ihre Vielfalt sind die Themen der wohl bekanntesten Meeresforscherin Deutschlands. Ihren Anspruch an das Meer sieht sie dabei sogar durchaus romantisch: „Es geht darum, ein Paradies zu erhalten.“

Ende der 1980er begann Antje Boetius‘ Reise in die unbekannten Weiten der Tiefsee. Sie studierte Biologie an der Universität Hamburg und setzte Anfang der 90er mit einem Studium der Biologischen Ozeanographie an der Scripps Institution of Oceanography in den USA nach. Der Startschuss für eine beeindruckende Laufbahn war gefallen. Für ihre Diplomarbeit über Tiefseebakterien verbrachte Boetius einige Monate auf diversen Forschungsschiffen im Pazifik und Atlantik. Ihre Dissertation schrieb die heute 51-Jährige an der Universität Bremen dann im Jahr 1996 über „mikrobielle Stoffumsätze in der Tiefsee der Arktis“, bevor sie 2001 zunächst Assistenz-Professorin an der Jacobs University Bremen und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Alfred-Wegener-Institut im Fachbereich Geologie wurde. Seit 2009 ist sie Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen.

Die international hoch geschätzte Wissenschaftlerin, die seit November 2017 außerdem Direktorin am Alfred-Wegener-Institut (AWI) ist, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, wurde mit verschiedensten Preisen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie für ihre Arbeit den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis sowie den Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den Advanced Grand des Europäischen Forschungsrates und nun vor wenigen Tagen den Deutschen Umweltpreis.

Mit Begeisterung und ganzheitlicher Sicht gegen die Bedrohungen des Meeres

Plastikmüll, Klimawandel, Tiefseebergbau oder Überfischung – die Liste der Bedrohungen für das Meer ist lang. Während in der Bevölkerung insbesondere das Thema Plastikmüll aktuell große Beachtung findet, sieht Boetius die Themen für gleichermaßen bedeutsam und gefährlich an. Langfristig gedacht ist jedoch immer noch der Klimawandel die größte Bedrohung, denn schon jetzt gibt es laut Boetius keine Region mehr in den Ozeanen, die nicht von ihm betroffen ist. Algen und Mikroorganismen machen die oberen Zonen des Meeres produktiv, verändern sich allerdings durch den Klimawandel und haben somit eine direkte Wirkung auf die fernsten Tiefseetiere. Das Konzept „unberührte Natur“ wird es dadurch für zukünftige Generationen gar nicht mehr geben, so die Wissenschaftlerin.

Zum Verständnis der komplexen klimatischen Zusammenhänge hat Boetius mit dem Kerngebiet ihrer Forschung schon viel beitragen können. Beispielsweise wurde die Symbiose von Archaeen (Urbakterien) und Bakterien, die vom starken Treibhausgas Methan leben, erstmals von ihr entdeckt – eine wichtige Funktion in unserem Kohlenstoffkreislauf. Alle paar Jahre widmet sich die Forscherin allerdings wieder neuen Themen der Meeresbiologie, um das große Ganze zu sehen. Kein Wunder, denn auf ihren bald 50 mehrmonatigen Meeresexpeditionen weltweit kommt sie immer wieder mit neuen Phänomenen in Berührung – eine für sie unendliche Inspirationsquelle für Projekte und Forschung. Woher ihr unersättlicher Forschungswille stammt? Aus Neugierde auf das Unbekannte und der Faszination darüber, wie vieles wir noch immer nicht über unsere Welt wissen. Und natürlich daraus, wirklich etwas zu bewirken zu wollen.

»Mir ist wichtig, dass wir verstehen, dass das Wissen, Forschen und Entdecken ein Teil der Frage ist: Wer sind wir Menschen, wo wollen wir hin, wie wollen wir in Zukunft mit der Erde und den Meeren leben.«

Wissen und Kommunikation als Brücke

Schon kleinste Veränderungen in unserer Lebensweise haben Konsequenzen für die Ozeane – der Bedarf an Wissen darüber ist groß, ebenso wie der Bedarf daran, mehr über die Rolle der Ozeane in globalen Zusammenhängen zu erfahren. Es geht immer wieder darum, andere Arten des Umgangs mit der Natur herauszufinden, dafür ist Wissen ein bedeutender Schritt. Und genau dieses Wissen will die Meeresbiologin an möglichst viele Menschen weitergeben.

Es geht um Information, aber auch um Überzeugungen und das Bewirken von Veränderungen. Die Kommunikation mit den unterschiedlichsten Gruppen – ob Politiker, Medienschaffende oder Kinder – ist ein Schlüssel hierfür. Dafür geht Boetius gerne auch unkonventionelle Wege in Richtungen, in denen Wissenschaft sonst eher selten vorkommt. Beispielsweise in Kindersendungen und Unterhaltungsshows, in Lesungen mit Autoren oder Kulturveranstaltungen mit Musikern und Künstlern. Wer sich traut, neue Wege zu gehen, schafft es, unterschiedlichste Menschen zu erreichen und bisher unbeantwortete Fragen zu thematisieren – und genau das gelingt Boetius ausgezeichnet.

Luisa Münch für DEEPWAVE

Mehr über das Leben und Arbeiten von Antje Boetius gibt es in diesem Videobeitrag der Deutsche Bundesstiftung Umwelt und in diesem Interview mit ARD-Alpha.

 

Die Tiefsee im TV

mit Dr. Ute Wilhelmsen und Til Mundzeck, die ein wunderbares Buch geschrieben haben über die Sterne  –  über uns und  in den Tiefen der Weltmeere:
U. Wilhelmsen/T. Mundzeck: Spuren der Sterne. Die Ursprünge des Lebens in Kosmos und Tiefsee; National Geographic Buchverlag 2018

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