Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

Reform der EU-Bestandsbewirtschaftung in der Tiefseefischerei

Reform der EU-Bestandsbewirtschaftung in der Tiefseefischerei

Die Europäische Union verfügt über eine der größten Tiefsee-Fangflotten der Welt, die sowohl in den Gewässern der EU als auch auf hoher See zum
Einsatz kommt. Aufgrund ihrer Größe und Bedeutung ist die EU somit hervorragend positioniert, um einen kurswechsel einzuleiten und weltweit die Führung im kampf um den verbesserten Schutz gefährdeter Tiefseearten und -ökosysteme vor Schäden durch die Grundfischerei zu übernehmen.

Weiterlesen;
http://www.savethehighseas.org/publicdocs/DSCC-June-13-DE.pdf

Schwarze Raucher: Experten messen Temperaturrekord im Pazifik

BGR-Experten messen Temperaturrekord im Pazifik: Hinweise auf Goldablagerungen bei Vanuatu entdeckt

Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben in heißen Lösungsaustritten an sogenannten „Schwarzen Rauchern“ im südwestlichen Pazifik Hinweise auf Gold- und Buntmetallablagerungen (z.B. Kupfer, Zink) entdeckt. Zudem ermittelten sie einen neuen Temperaturrekord für den pazifischen Ozean. In metallreichen Fluiden eines „Schwarzen Raucher“ stellten sie in 1850 Meter Wassertiefe eine Temperatur von +378 Grad Celsius fest.
Die außergewöhnlich hohe Temperatur wurde an einem „Schwarzen Raucher“ in einem vulkanischen Randbecken nahe des Inselstaates Vanuatu gemessen. In dieser Region werden bei hohen Temperaturen metallreiche Fluide abgeschieden, die zur Bildung 3 bis 4 Meter hoher metallreicher Schornsteine („Schwarzer Raucher“) am Meeresgrund führen.

Heißere Lösungsaustritte sind bisher nur aus dem Atlantischen Ozean bekannt. Im südwestlichen Pazifik führen sie zu einer reichhaltigen Kupfer-Zink-Vererzung – ein Anzeichen für mögliche goldreiche Metallablagerungen. Derzeit werden Proben der Ablagerungen im BGR-Labor auf ihre Zusammensetzung und die Edelmetallführung untersucht.

Die BGR-Experten machten ihre Entdeckungen während einer vierwöchigen Expedition mit Kollegen der Universität Erlangen sowie der Jacobs University Bremen. Gemeinsam waren die Wissenschaftler mit dem Forschungsschiff SONNE im Archipel Vanuatu unterwegs, um aktuelle Erzabscheidungen an untermeerischen Vulkanen zu untersuchen. Zum Einsatz kam dabei auch bis in eine Tiefe von 2000 Meter der Tauchroboter Kiel 6000 des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.
Die Ausfahrten mit dem Forschungsschiff SONNE sind seit 35 Jahren zentraler Bestandteil der deutschen Meeresforschung. Mit dem Projekt SO-229 setzt die BGR im Verbund mit deutschen Universitäten ihre Arbeiten zu Metallanreicherungen in vulkanischen Inselketten fort.

Weitere Informationen:
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/MarineRohstoffforschung/Meeresforschung/Tiefseebergbau/tiefseebergbau_inhalt.html?nn=1542132

Forscher finden Leben tief unter dem Meeresboden

Hunderte Meter unter dem Meeresboden sind Wissenschaftler auf Leben gestoßen. In den finsteren Tiefen, fernab von Sonnenlicht und Sauerstoff, ernähren sich Mikroorganismen von chemischen Verbindungen. Es ist der erste Blick in das größte Ökosystem der Erde.

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Forscher haben die Existenz von Lebewesen tief im Meeresboden nachgewiesen. Mikroorganismen, die Methan oder Sulfate verarbeiten können, gedeihen in der ozeanischen Erdkruste, berichtet das internationale Team um Mark Lever im Fachmagazin „Science“.
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Da der Meeresboden 60 Prozent der Erdoberfläche ausmacht, ist die kilometerdicke Kruste das größte Ökosystem der Welt – und die nun vorgelegte Studie lässt einen ersten Blick auf dessen Bewohner zu.

Die Wissenschaftler untersuchten Proben, die eine Expedition 2004 an der Ostflanke des Juan-de-Fuca-Rückens im Pazifik in zweieinhalb Kilometern Meerestiefe entnommen hatte. Das Basaltgestein stammt aus einem Bereich, der von gut 250 Metern Sediment bedeckt ist – dort herrschen Temperaturen von rund 64 Grad. Geformt hat sich die Kruste in diesem Bereich vor etwa 3,5 Millionen Jahren

[…]

Den vollständigen Artikel finden sie hier

Spiegel Online: https://www.spiegel.de

Beginnt der Wettlauf um Erze aus der Tiefsee?

Ein "Schwarzer Raucher" im Atlantik in etwa 3000 Metern Wassertiefe. An solchen Hydrothermalquellen lagern sich viele wertvolle Mineralien ab. Sie gehören zu den drei Gruppen von Tiefsee-Rohstofflagern, deren Abbau aktuell wieder diskutiert wird. Foto: ROV KIEL 6000, GEOMAR
Ein „Schwarzer Raucher“ im Atlantik in etwa 3000 Metern Wassertiefe. An solchen Hydrothermalquellen lagern sich viele wertvolle Mineralien ab. Sie gehören zu den drei Gruppen von Tiefsse-Rohstofflagern, deren Abbau aktuell wieder diskutiert wird. Foto: ROV KIEL 6000, GEOMAR

Beginnt der Wettlauf um Erze aus der Tiefsee?
– Internationale Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft tagen in Kiel –

15.03.2013/Kiel. Egal ob Smartphones, Solarzellen oder Stromkabel – für beinahe jede Technik werden Metalle benötigt. Bisher werden sie nur auf den Kontinenten gefördert. Doch die Weltbevölkerung wächst, die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen steigt. Deshalb werden auch Lagerstätten in den Ozeanen wieder interessanter. Die weltweit führenden Experten für Tiefseegeologie, Tiefseebiologie, Seerecht und Tiefseebergbau treffen sich vom 18. bis 20. März in Kiel, um wissenschaftliche, technische, ökologische und rechtliche Fragen rund um einen möglichen Erzbergbau in den Ozeanen zu diskutieren.

Es begann vor mindestens 7.000 Jahren. Damals setzten Menschen neben Steinwerkzeugen erstmals auch solche aus Kupfer ein. Seitdem ist menschliche Kultur ohne die Verwendung von Metall kaum noch vorstellbar. Das gilt auch für das digitale Zeitalter. Egal ob Smartphone, Tablet-Computer oder Server – ohne Metalle läuft nichts. Hinzu kommt eine schnell wachsende Weltbevölkerung, die neben Handys auch Häuser, Autos oder Kühlschränke benötigt. Die mineralischen Rohstoffe zur Herstellung werden bisher fast ausschließlich auf den Kontinenten gefördert. Die nehmen aber weniger als ein Drittel der Erdoberfläche ein.

„Bei wachsender Nachfrage und steigenden Preisen rücken jetzt wieder Rohstofflager in den übrigen zwei Dritteln, den Ozeanen, in den Blick der Industrie“, erklärt der Meeresgeologe Prof. Dr. Colin Devey vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Ob, wann und unter welchen Bedingungen Tiefseebergbau tatsächlich möglich sein wird, darüber diskutieren vom 18. bis 20. März 16 der weltweit bekanntesten Experten für dieses Thema mit rund 150 nationalen und internationalen Studierenden beim Workshop „Seafloor Mineral Resources: scientific, environmental, and societal issues“ in Kiel. Ausrichter ist der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ zusammen mit dem GEOMAR.

Im Fokus der aktuellen Diskussion stehen vor allem drei Arten mineralischer Rohstoffe: Manganknollen, die meist in großen Wassertiefen um die 5.000 Meter auf dem Meeresboden liegen, Kobaltkrusten, die sich an den Flanken unterseeischer Gebirgszüge zwischen 1.000 und 2.500 Metern Wassertiefe bilden, sowie Massivsulfide, die sich in Zonen vulkanischer Aktivität entlang der Plattengrenzen in den Ozeanen in Wassertiefen zwischen 500 und 5.000 Meter ablagern. Sie alle enthalten Bestandteile, die gerade für die High-Tech-Industrie von Bedeutung sind, darunter Kobalt, Nickel und Kupfer. „Da der größte Teil dieser Lagerstätten in der kaum erforschten Tiefsee und darüber hinaus in internationalen Gewässern liegt, müssen neben wirtschaftlichen und technischen auch ökologische und völkerrechtliche Fragen vor einem möglichen Abbau geklärt werden“, betont Professor Devey.

Deshalb informiert der Kieler Workshop nicht nur über wissenschaftliche Grundlagen und technische Entwicklungen im marinen Bergbau, sondern auch über juristische Rahmenbedingungen für Abbaulizenzen und die Auswirkungen auf die Artenvielfalt und den Lebensraum in der Tiefsee. Dazu reisen neben einigen der anerkanntesten Tiefseegeologen weltweit und Vertretern der Wirtschaft auch Spezialisten für Tiefseebiologie, Völker- und Seerechtler, Vertreter verschiedener UN-Organisationen und Abgesandte von Nicht-Regierungsorganisationen wie dem World Wide Fund for Nature (WWF) nach Kiel.

„Das Informationsbedürfnis der Industrie, aber auch der Politik und Wissenschaft zu diesem Thema ist sehr hoch. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Akteuren über nachhaltige Lösungswege für einen umweltschonenden Abbau von Ressourcen zu diskutieren“, sagt Professor Devey. „Wichtig ist uns der wissenschaftlich fundierte Dialog, bevor die Technik Schäden für Natur und Mensch anrichtet.“

Link zum Programm:
http://fileserver.futureocean.org/forschung/r3/semesterthema_resources.pdf
http://www.futureocean.org/resources

Links:
https://www.geomar.de/index.php?id=4&no_cache=1&tx_ttnews%5btt_news%5d=1180&tx_ttnews%5bbackPid%5d=185 – Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
www.ozean-der-zukunft.de – Der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“

 

Japan fördert ertsmals Methanhydrat aus der Tiefsee

Das war jetzt der Startschuss…..

Japan birgt Methanhydrat aus der Tiefsee

Nach der Abschaltung fast aller Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima hofft Japan auf Energiequellen aus dem Meer: Forschern gelang es nun, Methanhydrat aus dem Meeresboden zu bergen. Mit den Methanhydrat-Vorräten könnte sich Japan nach Schätzungen lange mit Energie versorgen.

2001 startete das Forschungsprojekt, um später einmal Methanvorkommen im Meer vor Japans Küste zu fördern. Am 12. März 2013 war es dann soweit: 80 Kilometer südlich der Atsumi-Halbinsel hatte das Forschungsschiff „Chikyu“ die Bohrung soweit vorangetrieben, dass rund 1,3 Kilometer tief unterhalb der Meeresoberfläche das Gas aus dem Boden herausgelöst und nach oben transportiert werden konnte.

Kommerzielle Nutzung für 2018 geplant

….

Quelle und mehr Informationen:
http://www.tagesschau.de/ausland/tiefsee100.html

Siehe auch:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/test-japan-foerdert-methanhydrat-aus-der-tiefsee-a-888348.html

http://www.welt.de/wissenschaft/article108695310/Jagd-nach-der-Energiequelle-der-Zukunft-beginnt.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Methanhydrat

Preisgekrönt – Tiefseeforscher erhalten Humboldt-Gedächtnispreis

Crinoidea OFOS Haarsterne am Boden der Arktis /Foto AWI.

Preisgekrönt – Tiefseeforscher erhalten Humboldt-Gedächtnispreis für Untersuchungen zur Artenvielfalt des tiefen Arktischen Ozeans

Dr. Bodil Bluhm von der Universität Alaska Fairbanks und Tiefseeforscher des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, erhielten am 21. Februar 2013, in Frankfurt am Main den Alexander von Humboldt-Gedächtnispreis 2012. Die Forschergruppe hatte die Lebensvielfalt in der arktischen Tiefsee untersucht und die Liste bekannter Tiefseebewohner um über 400 neue Arten erweitert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ehrt die Wissenschaftler, weil sie mit dieser Arbeit einen wichtigen Grundstein für zukünftige Forschungsprojekte in der Arktis gelegt haben.

Auf dem arktischen Meeresboden zählt die Seegurke zu den ganz Großen. Mit einer Körpergröße von einigen Zentimetern überragt sie die meisten Tiefseebewohner um Längen. Denn viele andere Arten sind kaum größer als ein Sandkorn. Und über die Hälfte von ihnen ist so selten und die Regionen so wenig erkundet, dass Tiefseeforscher sie bisher nur an wenigen Stellen in den Weiten des Ozeans vorgefunden haben. Keine leichte Aufgabe also, die Vielfalt tierischen Lebens in der nur schwer zugänglichen, noch überwiegend eisbedeckten arktischen Tiefsee zu erfassen. Dennoch hat sich die Biologin Bodil Bluhm von der amerikanischen Universität Alaska Fairbanks mit der Hilfe von Kollegen des Alfred-Wegener-Institutes und sechs weiterer internationaler Forschungseinrichtungen an die Herausforderung gewagt.

Im Rahmen der zehnjährigen, weltweiten Artenerfassungs-Kampagne, Census of Marine Life, trug die Forschergruppe fast 6000 Aufzeichnungen aus den letzten dreißig Jahren der arktischen Tiefseeforschung zusammen und wertete diese aus. Am Ende hatten die Wissenschaftler insgesamt 1125 wirbellose Tiere gezählt und damit die bis dahin bestehende Liste um über 400 neue Arten ergänzt.

„Im zweiten Schritt wollten wir mit Hilfe der Daten herausfinden wie ähnlich oder verschieden die Bodenfauna der einzelnen Tiefseebecken und Regionen der arktischen Tiefsee ist“, sagt Bodil Bluhm, die einst am Alfred-Wegener-Institut promoviert hat. Ihr Fazit: Die Lebensformen unterscheiden sich regional kaum. „Wir konnten nachweisen, dass die massiven Gebirgszüge im Ozean keine Verbreitungsbarriere bilden. Außerdem haben wir entdeckt, dass die zentral-arktische Fauna mit der Tierwelt in der nordatlantischen Tiefsee verwandt ist, während der pazifische Einfluss nur sehr gering ist.“ Grund für die enge Verwandtschaft zwischen den Arten im Nordatlantik und der zentralen Arktis sei die Framstraße. Der Seeweg zwischen Spitzbergen und Grönland bilde eine Verbindung zwischen dem Nordatlantik und dem Arktischen Ozean.

Diese Ergebnisse stellen eine beachtliche wissenschaftliche Leistung dar, urteilte auch die Senckenberg Gesellschaft und zeichnet die Arbeit von Bodil Bluhm und Kollegen mit dem Alexander von Humboldt-Gedächtnispreis des Jahres 2012 aus. Er ist verbunden mit einem Preisgeld von 6000 Euro und wird den Preisträgern morgen bei einer Festveranstaltung im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main überreicht.

„Der Artikel zeigt wie artenreich und vielfältig das Leben am Meeresboden der arktischen Tiefsee wirklich ist. Dieses Wissen ist eine wichtige Grundlage für zukünftige Arbeiten darüber, wie sich der Klimawandel auf unsere Artenvielfalt auswirkt“, erklärt Prof. Volker Mosbrugger, Direktor der Senckenberg Gesellschaft.

Für den Tiefseeökologen und Mitautor Dr. Thomas Soltwedel vom Alfred-Wegener-Institut stellen die Erkenntnisse der Studie eine bisherige Momentaufnahme der Lebensvielfalt in der arktischen Tiefsee dar. „Es gibt sicherlich Hunderte von Arten, die wir noch nicht erfasst haben. Jedes Mal, wenn wir in die Arktis fahren und Proben sammeln, finden wir neue Arten, die noch nicht beschrieben worden sind“, sagt er.

Die Ergebnisse der Studie dienen als Grundlage für weiterführende Untersuchungen zur Entwicklung eines polaren, marinen Ökosystems in Zeiten globaler Umweltveränderungen. „Durch erhöhte Temperaturen und den Rückgang des Eises ist der Arktische Ozean einem erheblichen Wandel unterworfen“, erläutert der Tiefseeökologe. Ein Wandel, den er und Kollegen am Alfred-Wegener-Institut seit mehr als zehn Jahren am arktischen Tiefsee-Observatorium HAUSGARTEN erforschen. Soltwedel: „Es war eine der ersten großen Überraschungen, als wir feststellten, dass sich dieses Tiefseeökosystem viel schneller verändert, als wir uns das bis dahin vorgestellt hatten. Mit einer Verzögerung von nur ein bis zwei Jahren sehen wir in den Lebensgemeinschaften der Tiefsee Veränderungen, die wir auf den Wandel zurückführen können, den wir zuvor an der Oberfläche beobachtet haben.“

Biologen wie Bodil Bluhm und Thomas Soltwedel nutzen die Artenliste deshalb als Vergleichsmaßstab. Mit dieser ozeanweiten Erfassung der Tiefseefauna können sie in den nächsten Jahren nachvollziehen, wie sich das Leben am Boden der arktischen Tiefsee entwickelt. Doch nicht nur Wissenschaftler verfolgen den Wandel der Artenvielfalt. Auch die Wirtschaft hat ein Interesse daran zu wissen, wie es auf dem arktischen Meeresgrund aussieht und wer dort lebt. Denn die schrumpfende Eisdecke begünstigt unter anderem auch die Tiefseefischerei. „Aus diesem Grund war es uns wichtig, den Bestand der Tiefseebewohner aufzuzeichnen, bevor wir Menschen unseren ‚Fußabdruck’ am arktischen Meeresboden hinterlassen“, sagt Thomas Soltwedel.

Der Originaltitel des Artikels lautet „Diversity of the arctic deep-sea benthos“ und ist in der Sonderausgabe „Arctic Ocean Diversity Synthesis“ der Fachzeitschrift Marine Biodiversity im März 2011 veröffentlicht worden. DOI 10.1007/s12526-010-0078-4

Quelle: www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/deep_sea_scientists_awarded_with_humboldt_gedaechtnispreis/?cHash=e62922087034ae8a0e01c3f13e1d909d

Deutschland plant die Metallförderung auf dem Grund des Indischen Ozeans

Vom 21.12.2012, aber da der Tiefseebergbau schon längjährig ein Thema in diesem Blog ist, bringe ich es mit Verspätung.

Deutschland plant die Metallförderung auf dem Grund des Indischen Ozeans. Nach Informationen des SPIEGEL will sich das Bundeswirtschaftsministerium für eine halbe Million Dollar Lizenzen sichern. Geologen hatten in dem Meeresgebiet einen großen Fund von Buntmetallen gemacht.


„Das Gebiet enthält große Mengen an Buntmetallen wie Zink, Kupfer und Blei“, erklärt der Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera. Diese Metalle müssen in Deutschland derzeit weitgehend eingeführt werden. Die Geologen stießen aber auch auf Gold, Silber und Selen. Letzteres ist unter anderem ein wichtiger Stoff für die Düngemittelproduktion. Die Lizenz zur Erforschung kostet eine halbe Million Dollar.

Der Meeresboden wird als „Bergwerk“ für die Industrie zunehmend bedeutend. Für die Experten der BGR aus Hannover ist das Schürfen nach Rohstoffen im Meeresboden eine reale Chance, der rohstoffarmen Bundesrepublik wichtige Ressourcen zu sichern. In nicht allzu ferner Zukunft könnten Chip- und Stahlhersteller einen Teil ihrer Feinmetalle aus den Tiefen des Pazifiks beziehen.

15 Jahre lang sichern Erkundungslizenzen den exklusiven Zugang zu Lagerstätten, die teils Hunderttausende Quadratkilometer umfassen.

Quelle und mehr:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/rohstoffsuche-vor-mauritius-deutschland-will-schuerfrechte-beantragen-a-874278.html

Holz am Meeresboden – eine Oase für Tiefseetiere


Besiedlung von Holz in der Tiefsee und die Ausbildung sulfidischer Nischen am Meeresboden
© Bienhold et al., PLoS ONE 8(1)

Holz am Meeresboden – eine Oase für Tiefseetiere

In der Tiefsee wachsen keine Bäume, und doch kann aus einem abgesunkenen Baumstamm am Meeresgrund eine Arche Noah des Tiefseelebens werden – vorübergehend bis das Holz vollständig zersetzt ist. Ein Team von Bremer Max-Planck-Forscherinnen und -Forschern konnte zum ersten Mal zeigen, wie sich abgesunkenes Holz zu einem attraktiven Lebensraum für eine Vielfalt von Bakterien und wirbellosen Tieren entwickelt. Ihre Hypothese, dass Bakterien bei der Holzzersetzung Schwefelwasserstoff freisetzen und so sogar Tiere von heißen und kalten Quellen im Meer anziehen, konnten sie mit Hilfe von Roboter-Messungen im tiefen Mittelmeer bestätigen.

Manche Tiefseelebewesen wie Muscheln und Röhrenwürmer sind auf besondere Formen der Energieversorgung angewiesen, einem Cocktail von energiereichen chemischen Verbindungen wie Methan und Schwefelwasserstoff, der an heißen und kalten Quellen aus dem Meeresboden austritt. Sie tragen in ihrem Inneren bakterielle Symbionten, die für sie die Energie aus diesen Verbindungen in Nahrung umwandeln. Doch diese Oasen in der Wüste der Tiefsee liegen zum Teil Hunderte von Kilometern auseinander und zwischen ihnen gibt es keine Verbindung.

Die Frage, wie sich deren Bewohner von einer Quelle zur nächsten ausbreiten konnten, war bislang ein ungelöstes Rätsel. Eine Hypothese war, dass abgesunkene Kadaver von toten Walen, abgerissener Tang, aber auch entwurzelte Baumstämme als Zwischenstopp und Nahrungsquelle dienen könnten, wenn denn Tiefseebakterien daraus Methan und Schwefelverbindungen erzeugen könnten.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, versenkte das Team um Bienhold im östlichen Mittelmeer in einer Tiefe von 1700 Metern Baumstämme und kehrte nach einem Jahr zurück, um die Fauna, Bakterien und die chemischen Mikrogradienten zu untersuchen. „Wir waren doch überrascht, wie viele Tiere das Holz bereits nach einem Jahr bevölkert hatten. Am stärksten besiedelt war das Holz von einer besonderen Bohrmuschelart – auch Schiffsbohrwürmer genannt. Diese Muscheln vom Typ Xylophaga bilden sozusagen die Vorhut und bereiten das Habitat für die Nachfolger vor“, sagt Christina Bienhold. „Auch sie brauchen bakterielle Hilfe, nämlich um sich die schwerverdauliche Cellulose aus dem Holz zu Nutze zu machen.“

Die Forscher beobachteten, wie die Bohrmuscheln die Holzstämme in Späne zerlegt hatten, die dann von vielen anderen Organismen weiter abgebaut wurden. Diese Aktivität verbraucht Sauerstoff und ermöglicht die Produktion von Schwefelwasserstoff durch sulfatreduzierende Mikroorganismen. Und tatsächlich fanden die Forscher auch eine von Schwefel als Energiequelle abhängige Muschelart, die sonst nur an kalten Quellen vorkommt.

„So können Tiefseebakterien aus einem Fremdstoff wie Holz einen neuen Lebensraum schaffen, wie gemacht für Muscheln von kalten Quellen auf Durchreise“, sagt Antje Boetius, Fahrtleiterin der Expedition. Auch unbekannte Arten von Tiefseewürmern entdeckten die Forscher, welche von taxonomischen Experten in Deutschland und den USA beschrieben werden. Die zufälligen Holzeinträge begünstigen also nicht nur die Verbreitung seltener Tiefseetiere, sondern bilden auch wahre „Hotspots“ des Lebens am Meeresgrund.

Diese Arbeit ist Teil des deutsch-französischen Projektes DIWOOD, das von der Max-Planck-Gesellschaft und der französischen CNRS gefördert wird. Weitere Mittel kamen aus den EU-Projekten HERMES (6 FP) und HERMIONE (7 FP).

Originalartikel
Bienhold C, Pop Ristova P, Wenzhöfer F, Dittmar T, Boetius A (2013) How Deep-Sea Wood Falls Sustain Chemosynthetic Life. PLoS ONE 8(1): e53590.
doi:10.1371/journal.pone.0053590

Increased fishing depths put pressure on vulnerable deep-sea species

Increased fishing depths put pressure on vulnerable deep-sea species

A new study reports that fishing depths in the EU have increased, with more deep-sea fish species being harvested. Deep-sea fish populations are often more vulnerable to effects of fishing, and the ecological impact of overfishing may therefore be greater than for shallow-water species.

Overexploitation of fish in shallow waters, coupled with technological advances in fishing techniques, mean that fishing fleets are turning to deeper waters to harvest fish, i.e. those living at depths of 400 metres and more.

In this study, the researchers used fish catch data from the UN Food and Agricultural Organization (FAO) to determine the average depth of fishing for EU fleets, for the period 1950-2006. The data covered 485 species and, from this, the researchers could estimate the average depth where the fish are most commonly found, in addition to the lifespan and habitat of the species.

Between 1950 and 2006, the study revealed a shift towards fishing at greater depths and catching deeper-dwelling species, such as grenadiers. The average depth of fishing for deep-sea species increased by 128 metres during this time, from 407 metres in 1950 to 535 metres in 2006.
Deeper-dwelling fish generally live longer, grow more slowly, mature later and have a lower fertility rate. Therefore they are often more vulnerable to fishing pressures than species living in shallower water. The data revealed that the EU fleet is catching more long-lived, deep-sea fish and therefore more vulnerable species of fish; the average age of fish caught was 13 years for shallow-water species, 25 years for medium-depth species and 60 years for deep-sea species.

In the EU, fisheries are regulated under the Common Fisheries Policy1 (CFP), which has a number of measures in place to ensure EU fishing is sustainable and viable. Between 1950 and 1982, before implementation of the CFP, the average depth of catches of the EU fisheries increased by 60 metres. Under the CFP, between 1983 and 2006, this increased by a further 50 metres. This indicates that the CFP had not halted the shift towards deep-sea fishing by the EU fishing fleet.

In 2002, the EU introduced Total Allowable Catch2 (TAC) limits of certain fish species, after the International Council for the Exploration of the Sea (ICES) found that many fish stocks, including deep-sea species, were being caught at unsustainable levels.
However, the study found that between 2002 and 2011, TACs for deep-sea species were 60% higher than limits proposed by scientists and reported catches were 50% higher than the recommended TACs. In some instances, deep-sea species catches were 3.5 times greater than the recommended TAC for 2002-2011. This suggests that neither scientific advice nor TACs were followed and many deep-sea species were being exploited beyond sustainable levels.

Proposals by the European Commission to reform the EU Common Fisheries Policy (CFP) and ensure the sustainability of fish stocks by 2015 are currently being discussed by the European Parliament.

1. See: http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/index_en.htm
2. See: http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/fishing_rules/tacs/index_en.htm

Source: Villasante S, Morato T, Rodriguez-Gonzalez D, et al. (2012) Sustainability of deep-sea fish species under the European Union Common Fisheries Policy. Ocean and Coastal Management. Doi: 10.1016/j.ocecoaman.2012.07.033.
Contact: sebastian.villasante@usc.es
Theme(s): Marine ecosystems

Increased fishing depths puts pressure on vulnerable deep-sea species

http://ec.europa.eu/environment/integration/research/newsalert/latest_alerts.htm

Methanaustritte in der Tiefsee


Der Meeresboden im Untersuchungsgebiet vor Pakistan ist teilweise dicht mit Muscheln und Krabben bedeckt. Foto: MARUM, Universität Bremen

Neue Fallstudie bilanziert Gasemissionen im Indischen Ozean

Methan im Meeresboden – Energiequelle der Zukunft oder Bedrohung für das Weltklima? Wissenschaft und Gesellschaft diskutieren kontrovers über diese Frage. In einer Fallstudie, die jetzt im Journal of Geophysical Research erschien, schätzt ein MARUM-Team unter Federführung von Dr. Miriam Römer erstmals ab, wie viel Methan in den Tiefen des nordöstlichen Indischen Ozeans austritt. Die Wissenschaftlerinnen untersuchten zudem, ob das austretende Treibhausgas Methan durch die Wassersäule aufsteigt und in die Atmosphäre gelangt.

Methan blubbert in vielen Regionen aus dem Meeresboden: Im Schwarzen Meer, im Golf von Mexiko, im Nordatlantik, aber auch im östlichen Pazifik. Während einer Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR untersuchte ein MARUM-Team Methanaustritte am Makran-Kontinentalrand vor Pakistan. Der 400 bis 500 Kilometer breite untermeerische Hang zieht sich über 1.000 Kilometer entlang der iranisch-pakistanischen Küste und besteht zum großen Teil aus parallelen Bergrücken, die bis zu 1.000 Meter hoch aufragen. Er entstand im Lauf von Jahrmillionen, weil dort die Arabische Erdplatte mit einer Geschwindigkeit von bis zu vier Zentimetern pro Jahr unter der Eurasischen Platte abtaucht. Dabei hobelt die Eurasische Platte große Mengen Gesteinsmaterial von der abtauchenden Arabischen Platte. Diese „Späne“ wurden im Lauf der Zeit durch die Plattenbewegung gestaucht und bilden heute den Makran-Kontinentalrand.

„Das untermeerische Rückensystem erstreckt sich über eine Fläche so groß wie Schweden“, sagt die Geowissenschaftlerin Dr. Miriam Römer. „Im seinem Zentrum haben wir mit schiffseigenen Echoloten und unserem Tauchroboter MARUM-QUEST den Meeresboden systematisch in einem langen, 50 Kilometer breiten Streifen erfasst. Dabei fanden wir in Wassertiefen zwischen 575 und 2 870 Metern insgesamt 18 Methanquellen; zwölf davon waren aktiv.“

In den Echolotdaten erscheinen die Austritte als bis zu 2.000 Meter hohe Gasfahnen im Meer (Abbildungen dazu: www.marum.de/Makran.html, Film http://www.marum.de/DFG_Science_TV_6_Muscheln_im_Dienste_der_Wissenschaft.html). Tauchgänge mit MARUM-QUEST brachten mehr Licht ins Dunkel der Methanquellen: Mit Hilfe der auf dem Tauchroboter installierten HD-Kameras fand das Forscherteam heraus, dass die Gasbläschen durchschnittlich etwa einen halben Zentimeter Durchmesser hatten. Besonders bemerkenswert: Die einzelnen Quellen sprudeln unterschiedlich stark; manche geben nur 90 Milliliter, andere bis zu 1,6 Liter Methan pro Minute ins Meerwasser ab. Da der Quelldruck im Lauf der Zeit schwankt, manche Quellen versiegen, andernorts neue entstehen, ist eine Abschätzung der Gesamtmenge des am Makran-Kontinentalrand sprudelnden Methans mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. „Unseren konservativen Berechnungen zufolge treten am Makran-Rücken jährlich umgerechnet etwa 640.000 Kilogramm Methan aus“, sagt Dr. Miriam Römer.

Zwar steigen die Methanbläschen mit zehn bis 30 Zentimeter pro Sekunde Richtung Meeresoberfläche auf. Die Echolot-Messungen belegen aber, dass sich die Gasfahnen oberhalb von 700 Meter Meerestiefe, also weit unter der Meeresoberfläche verflüchtigen: „Das Methan löst sich im Meerwasser auf. Es entweicht also nicht in die Atmosphäre und hat keine Auswirkungen auf das globale Klima,“ bilanziert Dr. Miriam Römer, die sich im übrigen beeindruckt zeigt von den Fotos und Videos, die MARUM-QUEST von den Methanquellen in den Tiefen des Indischen Ozeans lieferte: „An manchen Stellen war der Tiefseeboden von Unmengen an Muscheln, Krebsen und Röhrenwürmern bedeckt. Diese Tiefseebewohner können nur überleben, weil dort Methan austritt, das von Mikroorganismen genutzt wird, die wiederum die Grundlage dieses faszinierenden Ökosystems bilden, das ohne Licht als auskommt.“

„Unsere Ergebnisse aus der Makran-Region sind auf viele, aber eben nicht alle ozeanischen Methanaustritte übertragbar“, betont Dr. Miriam Römer. So gibt es Hinweise, dass Gasblasen, die mit einem Ölfilm ummantelt sind, Methan aus großen Wassertiefen bis in die Atmosphäre transportieren können. Kürzlich bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft eine Expedition der Bremer Wissenschaftlerinnen in den südlichen Golf von Mexiko. Dort sind natürliche Öl- und Methanaustritte am Meeresboden bekannt. Diese Forschungsfahrt ist für 2014 geplant.

Das wissenschaftliche Paper erschien in JOURNAL OF GEOPHYSICAL RESEARCH, VOL. 117, C10015, doi:10.1029/2011JC007424, 2012: Miriam Römer, Heiko Sahling, Thomas Pape, Gerhard Bohrmann, and Volkhard Spieß:
Quantification of gas bubble emissions from submarine
hydrocarbon seeps at the Makran continental margin
(offshore Pakistan)

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