Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

Räuberische Viren domieren die tiefe Biosphäre

Räuberische Organismen in der Tiefe

Viren im Meeresboden stellen den größten Anteil der tiefen Biosphäre

Wissenschaftler der Universität Oldenburg und des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ weisen in der aktuellen Vorab-Onlineausgabe des Journal of the International Society for Microbial Ecology (ISME v. 20.01.2014) nach, dass in extrem tiefen, alten und nährstoffarmen Meeressedimenten bis zu 225 mal mehr Viren als Mikroben leben. Damit stellen in diesen extremen Lebensräumen nicht mehr die bakteriellen Mikroorganismen die größte Fraktion der lebenden Biomasse dar, sondern Viren. Diese Viren übernehmen die Rolle der Räuber in diesem außergewöhnlichen Biotop.

Die Forscher fanden heraus, wie sich mit zunehmender Nährstoffarmut das Verhältnis von Viren zu Mikroben immer stärker hin zu den Viren verschiebt. „Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Masse aller lebenden Mikroben im Meeresboden mindestens genauso groß ist wie die der Bewohner der darüber liegenden Weltmeere“, sagt dazu Jens Kallmeyer vom GFZ. „Eine bisher vernachlässigte Unbekannte sind allerdings die Viren.“

In diesen extremen Lebensräumen übernehmen Viren die Rolle von räuberischen Organismen: Sie steuern die Größe und Struktur der mikrobiellen Population. Die überraschend hohe Zahl der Viren wird damit erklärt, dass die zwar kleine aber aktive Mikrobenpopulation permanent neue Viren produziert, diese aber länger erhalten bleiben weil die wenigen Mikroben weniger Enzyme produzieren, welche die Viren zerstören.

Bisherige Messungen im Meerwasser und oberflächennahen Sedimenten konnten zwar zeigen, dass Viren etwa zehnmal häufiger sind als Mikroben, aber aufgrund ihrer wesentlich kleineren Masse keine große Rolle bei der Gesamtmenge der lebenden Biomasse spielen. Außerdem wurde angenommen, dass hauptsächlich räuberische Organismen wie z.B. andere Einzeller, oder auch Würmer oder Schnecken die Größe der Mikrobenpopulation steuern. Die jetzt vorgestellten neuen Ergebnisse zeigen, dass diese einfachen Annahmen so nicht haltbar sind.

Engelhardt, T., Kallmeyer, J., Cypionka, H., & Engelen, B. (2014): „High virus-to-cell ratios indicate ongoing production of viruses in deep subsurface sediments”, ISME Journal. doi: 10.1038/ismej.2013.245; 20.01.2014

English version:

Predatory organisms at depth

Viruses within theocean floor comprise the greatest fraction of the deep biosphere

In the current issue of the Journal of the International Society for Microbial Ecology (ISME Journal, 20.1.2014) scientists from the University of Oldenburg and from the GFZ German Centre for Geosciences show that in deep, old and nutrient-poor marine sediments there are up to 225 times more viruses than microbes. In such extreme habitats viruses make up the largest fraction of living biomass and take over the role as predators in this bizarre ecosystem.

The scientists found that with decreasing nutrient levels the ratio between viruses and cells shifts more toward viruses. “For several years it has been know that the biomass of all microbes within the sea floor equals that of all life in the oceans above” reports Jens Kallmeyer from the GFZ. “Viruses, however, have been neglected previously”.

In these extreme environments viruses take over the role of predatory organisms: They control size and composition of the microbial community. The surprisingly high number of viruses can be explained by the fact that the small but active microbial community permanently produces new viruses that remain in the sediment for longer times because the few microbes produce fewer enzymes that can destroy viruses.

Previous measurements in seawater and surficial sediments showed that viruses are about ten times more abundant than microbes, but because of their much smaller biomass they did not play a major role in estimates of the total living biomass. Moreover, it was assumed that predators such as unicellular organisms, but also worms and snails control the size of the microbial population. The new results show that these simple assumptions are no longer valid.

Engelhardt, T., Kallmeyer, J., Cypionka, H., & Engelen, B. (2014): „High virus-to-cell ratios indicate ongoing production of viruses in deep subsurface sediments”, ISME Journal. doi: 10.1038/ismej.2013.245; 20.01.2014

Verbot von Grundschleppnetzen in Tiefsee vorerst geplatzt

WWF Weiter Bulldozer am Meeresgrund

Verbot von Grundschleppnetzen in Tiefsee vorerst geplatzt / WWF kritisiert EU-Parlament

Hamburg/Brüssel, 10.12.2013: Der Versuch Fische und Lebensräume der Tiefsee besser zu schützen ist heute im EU-Parlament gescheitert. Die Abgeordneten stimmten gegen ein Verbot von Grundschleppnetzen ab 600 Metern Tiefe in EU-Gewässern und der Hohen See. „Es ist der blanke Hohn: Die zerstörerischste Fischereitechnik soll weiterhin in einem der empfindlichsten Lebensräume des Meeres eingesetzt werden“, kritisiert Stephan Lutter, Meeresschutzexperte beim WWF das heutige Votum. „Nachhaltige Fischerei muss unabhängig sein von der Wassertiefe.“

Jahrhundertealte Korallenriffe werden in wenigen Minuten zerschlagen und abrasiert, wenn auf der Jagd nach Rot- und Granatbarsch riesige Grundschleppnetze über einen Seeberg der Tiefsee gezogen werden. Damit wird auch der Lebensraum für bedrohte Tiefseehaie und hunderte wirbelloser Tierarten regelrecht planiert. Zudem sind Tiefseefische besonders anfällig für Überfischung, da sie langsam wachsen, sich erst im hohen Alter fortpflanzen und oft nur wenige Nachkommen produzieren. Unter den bisherigen EU- Regeln für Tiefseefischerei konnten sich die Bestände nicht vom stetigen Fischereidruck erholen. Nur in mühsamer Kleinarbeit wurden bestimmte Flächen per Verordnung für die Flotten der großen Bodentrawler gesperrt.

„Die Beifangraten in der Tiefseefischerei sind haarsträubend, bis zu 100 Arten werden neben der erwünschten mitgefangen, weil die riesigen Netze alles Leben verschlucken“, erläutert Stephan Lutter, Meeresschutzexperte ein weiteres Umweltproblem dieser Fischerei. „Ganze Artengemeinschaften werden viel stärker geschädigt, als durch eine zielgerichtete Fischerei.“

Die EU hat eine der größten Tiefsee-Flotten der Welt, sie fischt in europäischen Gewässern und der Hohen See. Die Bestände von Tiefseefischen im Nordostatlantik gehören weltweit zu den am stärksten befischten. Der Löwenanteil von 90 Prozent der Fänge geht auf das Konto von nur drei Nationen – Portugal, Spanien und Frankreich. Die zerstörerischen Grundschleppnetze zählen zu den verbreitetsten Fangmethoden der europäischen Tiefseeflotte. Ein Großteil der umweltschädigenden Fischereien wird auf den Kontinentalhängen und an Seebergen in Tiefen zwischen 200 und 1000 Metern betrieben. Gerade hier finden sich ökologisch wertvolle Kaltwasserkorallenriffe und -gärten und andere empfindliche Lebensräume wie Formationen von Tiefseeschwämmen.

Auch wenn die Verordnung einige gute Regelungen vorschlägt und das Votum der EU-Parlamentarier mit 342 zu 326 Stimmen zum Verbot des Einsatzes von Grundschleppnetzen denkbar knapp war, hat heute die Vision einer umfassenden, nachhaltigen Fischereipolitik laut WWF eine herbe Niederlage erfahren. Die Entscheidung des Ministerrates zur Tiefseefischerei steht bislang noch aus. WWF Experte Stephan Lutter, Meeresschutzexperte sieht hier aber wenig Hoffnung für einen Kurswechsel. „Bisher haben sich die Fischereiminister nicht für den Schutz der Tiefsee stark gemacht.“

Auch der Gesetzgebungsprozess zur Reform der europäischen Fischereipolitik wurde heute durch die finale Zustimmung des Parlaments formell beendet. Wie wirksam diese für eine nachhaltige Fischerei sorgt, wird sich bei der jetzt anstehenden Umsetzung zeigen müssen.

Weitere Informationen:
Britta König, Pressestelle WWF, Tel.: 040-530 200 318, britta.koenig@wwf.de
Stephan Lutter, WWF-Meeresschutzexperte, Tel: 0151 1885 4925

Petition: Beenden Sie die Zerstörung der Tiefsee

Beenden Sie die Zerstörung der Tiefsee

PETITION ZUM SCHUTZ DER TIEFSEE:
https://secure.avaaz.org/de/petition/Leaders_of_the_European_Parliament_Stop_the_industrial_destruction_of_the_deep_ocean/

Weshalb dies wichtig ist:

Riesige Netze, die alles auf ihrem Weg zerdrücken, vernichten systematisch viele unglaubliche Lebewesen welche die Tiefsee bevölkern.

In wenigen Tagen stimmte das Europäische Parlament über den Schutz dieser einzigartigen Tiefseelebensräume ab – und die Politikern brauchen dafür hier und jetzt unsere Unterstützung.
Besonders Frankreich ist daran interessiert die Einstellung der schädlichsten Fanggeräte im Nordostatlantik zu verhindern, und die Mitglieder des Europäischen Parlaments brauchen die Unterstützung der Öffentlichkeit um diesem Druck zu widerstehen.

Zusammen können wir sicherstellen dass dieses empfindliche Ökosystem geschützt wird. Lassen Sie uns den Parlamentariern die Unterstützung geben die sie brauchen.

Am 10. Dezember werden die Parlamentarier für eine Einstellung der destruktivsten Fangmethoden in der Tiefsee im Nordostatlantik stimmen können.

Die Tiefsee ist der größte Lebensraum auf unserer Erde. Es gibt eine unglaubliche Vielzahl und Vielfalt von einzigartigen Lebewesen, darunter z.B. Schwämme und Korallen welche tausende von Jahren alt werden können.
Sie werden allerdings von Tiefseegrundschleppnetzen zerstört, welche riesige beschwerte Netze und bis zu zwei Tonnen schwere Stahlplatten und Kabel über den Meeresboden ziehen, nur um einige wenige Fische von geringem Wert zu fangen. Das ist vergleichbar damit als würde man einen Wald fällen um ein paar Eichhörnchen zu fangen!
Mehr als 300 Wissenschaftler haben sich schon klar dagegen ausgesprochen diese sinnlose und teure Vernichtung zu beenden, welche durch Steuergelder subventioniert wird. Habgierige Fischereifirmen haben jedoch politische Unterstützung gesammelt gegen diese Anstrengungen, und nun sagen einige Parlamentarier dass sie ohne die Unterstützung der Öffentlichkeit diese Abstimmung verlieren könnten.

Lassen Sie uns ihnen diese Unterstützung vor der Abstimmung zukommen. Zusammen können wir sicherstellen dass einer der weltweit reichhaltigsten Lebensräume geschützt wird. 
Unterzeichnen Sie die Petition jetzt und teilen Sie sie mit anderen.
Die Avaaz Gemeinschaft hat es schon früher geschafft Geschichte zu schreiben als 180.000 Mitglieder an ihre Parlamentarier geschrieben haben um die Überfischung europäischer Meere zu beenden.

Diese Abstimmung wurde damals mit großer Mehrheit gewonnen. Dasselbe kann auch jetzt erreicht werden um die Tiefsee zu retten – bevor es zu spät ist.

Diese Petition wurde von der Bloom Association (http://www.bloomassociation.org/en/) und Fishlove (www.fishlove.co.uk) erstellt.

Wir fordern Sie auf für eine Einstellung der destruktivsten Fangmethoden im Nordostatlantik zu sorgen, besonders von Tiefseebodenschleppnetzen, und hoffen dass die Mitglieder Ihrer Gruppe für den dringend benötigten Schutz gefährdeter Tiefseearten und Ökosystemen stimmen. Dies ist ihr Vermächtnis. Bitte stellen Sie sicher dass diese Maßnahmen verabschiedet werden, und schützen Sie damit eines der biologisch empfindlichsten und auch reichhaltigsten Ökosysteme unseres Planeten bevor es zu spät ist.

PETITION ZUM SCHUTZ DER TIEFSEE:

https://secure.avaaz.org/de/petition/Leaders_of_the_European_Parliament_Stop_the_industrial_destruction_of_the_deep_ocean/

LET’S END THE DESTRUCTION OF THE DEEP OCEAN!

LET’S END THE DESTRUCTION OF THE DEEP OCEAN!

PROTECT THE OCEAN’s DEPTHS

2013 is a crucial year for the protection of the deep sea: the European Commission has proposed a ban on bottom trawling, a practice described by scientists as the most destructive in history: huge weighted nets scrape the seabed at up to 1800 meters of depth and devastate ecosystems that are thousands of years old, while catching vulnerable species, some of which are endangered, in the process.

In France, less than 10 vessels are involved in deep-sea bottom trawling. Six of them belong to the fleet of the retailer giant Intermarché. Despite receiving millions of euros in subsidies, these industrial vessels are in chronic deficit. Bottom trawling is a financial black hole that would not exist without our tax money.
The fishing industry lobbies put pressure on Member States of the European Union and Members of the European Parliament to avoid the prohibition of this fishing method, whose underperforming and subsidy dependent business model belongs to the past. Lobbies are leaning on France in particular to try and derail the EU Regulation.

Citizen mobilization can counteract the power of lobbies: help us eliminate this destructive practice by ensuring that our elected officials and diplomats rise again to the dignity of their office, by receiving clear and ambitious guidelines from the President of the Republic.

Sign to end this economic and ecological nonsense.
http://petition.bloomassociation.org/stop-the-destruction-of-deep-sea/

Deep-sea Baton Passes to Full European Parliament

Deep-sea Baton Passes to Full European Parliament

Fisheries Committee Fails to Remove Threat

November 4th 2013: A proposal for a new European Union regulation to protect the deep sea from overfishing and destructive fishing practices in the north-east Atlantic survived the long awaited vote in the European Parliament’s Fisheries Committee today as the 25 members of the committee voted on a series of amendments, resulting in both potential gains and losses for the ocean.

Although the committee voted for several measures that would help to protect deep-sea ecosystems such as corals, sponges, and seamounts, it rejected a proposal from the European Commission to phase-out deep-sea bottom trawling and bottom gillnetting, fishing methods widely recognised as posing a particular threat to deep-sea species and ecosystems. The proposal adopted today will now go to the plenary ofthe European Parliament for a vote currently scheduled for December 2013.

“While some important measures were accepted, others were rejected and the final proposal adopted by the Fisheries Committee is not sufficient to provide the protection required for the deep sea. Now we must rely on the plenary of the Parliament to champion the conservation of the deep ocean’ said Matthew Gianni, policy advisor to the Deep Sea Conservation Coalition and The Pew Charitable Trusts.

The proposal adopted by the Fisheries Committee includes requirements to somewhat strengthen the scientific basis forsetting quotas for deep-sea species and reduce bycatch of vulnerable deep sea species. The committee also adopted proposals to provide protection for vulnerable deep-sea marine ecosystems. These measures include, for example, requiring environmental impact assessments of deep-sea fisheries and closure to bottom fishing of areas where such ecosystems are known or likely to occur. However, a majority of the members of the European Parliament on the committee supported the Scottish, French, and Spanish deep-sea trawl fleet interestsand voted against a phase-out of the most destructive deep-sea fishing practices—bottom trawling and bottom gillnet fishing. Moreover, the proposal adopted would create loopholes allowing continued depletion of vulnerable deep-sea species.

Progress in the Fisheries Committee had been hampered by continuous delays and an aggressive campaign bythe deep-sea trawling industry. This hindrance stands in stark contrast to the Environment Committee of the European Parliament, which in March voted overwhelmingly (58-1) for a regulation that would phase-out deep-sea bottom trawling and bottom gillnet fishing and set strict limits on the catch and bycatch of deep-sea species.

“It’s now up to the 766 members of the European Parliament to represent the broader opinion of all European citizens” said Gianni. “We all have a stake in a healthy, biologically rich, and productive deep sea and the benefits it supplies to the planet. Conserving it will be a great legacy.”

The deep ocean is one of the largest, most biologically diverse areas of the Earth. Deep-sea species and ecosystems are slow growing, much more easily overexploited than shallow-water species, highly susceptible to damage,and slow to recover from the damage caused by bottom trawling.

Notes to Editors:
The European Commission released the proposal (COM[2012]371) for a new deep-sea fisheries regulation in July 2012.

The European Parliament plenary vote is currently scheduled for Dec. 10th2013, although this is subject to change. The European Council of Fisheries Ministers from the 28 European Union member States also needs to agree to a new regulation for it to become law; however, negotiations in council have not yet begun, in part because of opposition from France.

Many scientists, marine conservation organizations, and a growing number of small-scale fishers have made their opposition to destructive deep-sea fishing well known http://www.savethehighseas.org/EU/declaration.cfm

The recently agreed upon basic regulation of the Common Fisheries Policy requires, among other measures, establishing science-based catch limits, applying the precautionary approach when science is inconclusive, minimising bycatch, and protecting vulnerable marine species and habitats. The current negotiation for a new deep-sea fisheries regulation provides an opportunity to ensure that such principles are effectively implemented, as well as carry out the European Union’s obligations under U.N. General Assembly resolutions on deep-sea fisheries.

The Deep Sea Conservation Coalition was founded in 2004 to address the issue of bottom trawling on the high seas in the absence of an effective governance regime. The coalition is made up of over 70 nongovernmental organisations, fishers’ organisations, and law and policy institutes, committed to protecting the deep sea: http://www.savethehighseas.org/EU/

Reform der EU-Bestandsbewirtschaftung in der Tiefseefischerei

Reform der EU-Bestandsbewirtschaftung in der Tiefseefischerei

Die Europäische Union verfügt über eine der größten Tiefsee-Fangflotten der Welt, die sowohl in den Gewässern der EU als auch auf hoher See zum
Einsatz kommt. Aufgrund ihrer Größe und Bedeutung ist die EU somit hervorragend positioniert, um einen kurswechsel einzuleiten und weltweit die Führung im kampf um den verbesserten Schutz gefährdeter Tiefseearten und -ökosysteme vor Schäden durch die Grundfischerei zu übernehmen.

Weiterlesen;
http://www.savethehighseas.org/publicdocs/DSCC-June-13-DE.pdf

Schwarze Raucher: Experten messen Temperaturrekord im Pazifik

BGR-Experten messen Temperaturrekord im Pazifik: Hinweise auf Goldablagerungen bei Vanuatu entdeckt

Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben in heißen Lösungsaustritten an sogenannten „Schwarzen Rauchern“ im südwestlichen Pazifik Hinweise auf Gold- und Buntmetallablagerungen (z.B. Kupfer, Zink) entdeckt. Zudem ermittelten sie einen neuen Temperaturrekord für den pazifischen Ozean. In metallreichen Fluiden eines „Schwarzen Raucher“ stellten sie in 1850 Meter Wassertiefe eine Temperatur von +378 Grad Celsius fest.
Die außergewöhnlich hohe Temperatur wurde an einem „Schwarzen Raucher“ in einem vulkanischen Randbecken nahe des Inselstaates Vanuatu gemessen. In dieser Region werden bei hohen Temperaturen metallreiche Fluide abgeschieden, die zur Bildung 3 bis 4 Meter hoher metallreicher Schornsteine („Schwarzer Raucher“) am Meeresgrund führen.

Heißere Lösungsaustritte sind bisher nur aus dem Atlantischen Ozean bekannt. Im südwestlichen Pazifik führen sie zu einer reichhaltigen Kupfer-Zink-Vererzung – ein Anzeichen für mögliche goldreiche Metallablagerungen. Derzeit werden Proben der Ablagerungen im BGR-Labor auf ihre Zusammensetzung und die Edelmetallführung untersucht.

Die BGR-Experten machten ihre Entdeckungen während einer vierwöchigen Expedition mit Kollegen der Universität Erlangen sowie der Jacobs University Bremen. Gemeinsam waren die Wissenschaftler mit dem Forschungsschiff SONNE im Archipel Vanuatu unterwegs, um aktuelle Erzabscheidungen an untermeerischen Vulkanen zu untersuchen. Zum Einsatz kam dabei auch bis in eine Tiefe von 2000 Meter der Tauchroboter Kiel 6000 des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.
Die Ausfahrten mit dem Forschungsschiff SONNE sind seit 35 Jahren zentraler Bestandteil der deutschen Meeresforschung. Mit dem Projekt SO-229 setzt die BGR im Verbund mit deutschen Universitäten ihre Arbeiten zu Metallanreicherungen in vulkanischen Inselketten fort.

Weitere Informationen:
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/MarineRohstoffforschung/Meeresforschung/Tiefseebergbau/tiefseebergbau_inhalt.html?nn=1542132

Forscher finden Leben tief unter dem Meeresboden

Hunderte Meter unter dem Meeresboden sind Wissenschaftler auf Leben gestoßen. In den finsteren Tiefen, fernab von Sonnenlicht und Sauerstoff, ernähren sich Mikroorganismen von chemischen Verbindungen. Es ist der erste Blick in das größte Ökosystem der Erde.

[…]
Forscher haben die Existenz von Lebewesen tief im Meeresboden nachgewiesen. Mikroorganismen, die Methan oder Sulfate verarbeiten können, gedeihen in der ozeanischen Erdkruste, berichtet das internationale Team um Mark Lever im Fachmagazin „Science“.
[…]

Da der Meeresboden 60 Prozent der Erdoberfläche ausmacht, ist die kilometerdicke Kruste das größte Ökosystem der Welt – und die nun vorgelegte Studie lässt einen ersten Blick auf dessen Bewohner zu.

Die Wissenschaftler untersuchten Proben, die eine Expedition 2004 an der Ostflanke des Juan-de-Fuca-Rückens im Pazifik in zweieinhalb Kilometern Meerestiefe entnommen hatte. Das Basaltgestein stammt aus einem Bereich, der von gut 250 Metern Sediment bedeckt ist – dort herrschen Temperaturen von rund 64 Grad. Geformt hat sich die Kruste in diesem Bereich vor etwa 3,5 Millionen Jahren

[…]

Den vollständigen Artikel finden sie hier

Spiegel Online: https://www.spiegel.de

Beginnt der Wettlauf um Erze aus der Tiefsee?

Ein "Schwarzer Raucher" im Atlantik in etwa 3000 Metern Wassertiefe. An solchen Hydrothermalquellen lagern sich viele wertvolle Mineralien ab. Sie gehören zu den drei Gruppen von Tiefsee-Rohstofflagern, deren Abbau aktuell wieder diskutiert wird. Foto: ROV KIEL 6000, GEOMAR
Ein „Schwarzer Raucher“ im Atlantik in etwa 3000 Metern Wassertiefe. An solchen Hydrothermalquellen lagern sich viele wertvolle Mineralien ab. Sie gehören zu den drei Gruppen von Tiefsse-Rohstofflagern, deren Abbau aktuell wieder diskutiert wird. Foto: ROV KIEL 6000, GEOMAR

Beginnt der Wettlauf um Erze aus der Tiefsee?
– Internationale Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft tagen in Kiel –

15.03.2013/Kiel. Egal ob Smartphones, Solarzellen oder Stromkabel – für beinahe jede Technik werden Metalle benötigt. Bisher werden sie nur auf den Kontinenten gefördert. Doch die Weltbevölkerung wächst, die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen steigt. Deshalb werden auch Lagerstätten in den Ozeanen wieder interessanter. Die weltweit führenden Experten für Tiefseegeologie, Tiefseebiologie, Seerecht und Tiefseebergbau treffen sich vom 18. bis 20. März in Kiel, um wissenschaftliche, technische, ökologische und rechtliche Fragen rund um einen möglichen Erzbergbau in den Ozeanen zu diskutieren.

Es begann vor mindestens 7.000 Jahren. Damals setzten Menschen neben Steinwerkzeugen erstmals auch solche aus Kupfer ein. Seitdem ist menschliche Kultur ohne die Verwendung von Metall kaum noch vorstellbar. Das gilt auch für das digitale Zeitalter. Egal ob Smartphone, Tablet-Computer oder Server – ohne Metalle läuft nichts. Hinzu kommt eine schnell wachsende Weltbevölkerung, die neben Handys auch Häuser, Autos oder Kühlschränke benötigt. Die mineralischen Rohstoffe zur Herstellung werden bisher fast ausschließlich auf den Kontinenten gefördert. Die nehmen aber weniger als ein Drittel der Erdoberfläche ein.

„Bei wachsender Nachfrage und steigenden Preisen rücken jetzt wieder Rohstofflager in den übrigen zwei Dritteln, den Ozeanen, in den Blick der Industrie“, erklärt der Meeresgeologe Prof. Dr. Colin Devey vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Ob, wann und unter welchen Bedingungen Tiefseebergbau tatsächlich möglich sein wird, darüber diskutieren vom 18. bis 20. März 16 der weltweit bekanntesten Experten für dieses Thema mit rund 150 nationalen und internationalen Studierenden beim Workshop „Seafloor Mineral Resources: scientific, environmental, and societal issues“ in Kiel. Ausrichter ist der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ zusammen mit dem GEOMAR.

Im Fokus der aktuellen Diskussion stehen vor allem drei Arten mineralischer Rohstoffe: Manganknollen, die meist in großen Wassertiefen um die 5.000 Meter auf dem Meeresboden liegen, Kobaltkrusten, die sich an den Flanken unterseeischer Gebirgszüge zwischen 1.000 und 2.500 Metern Wassertiefe bilden, sowie Massivsulfide, die sich in Zonen vulkanischer Aktivität entlang der Plattengrenzen in den Ozeanen in Wassertiefen zwischen 500 und 5.000 Meter ablagern. Sie alle enthalten Bestandteile, die gerade für die High-Tech-Industrie von Bedeutung sind, darunter Kobalt, Nickel und Kupfer. „Da der größte Teil dieser Lagerstätten in der kaum erforschten Tiefsee und darüber hinaus in internationalen Gewässern liegt, müssen neben wirtschaftlichen und technischen auch ökologische und völkerrechtliche Fragen vor einem möglichen Abbau geklärt werden“, betont Professor Devey.

Deshalb informiert der Kieler Workshop nicht nur über wissenschaftliche Grundlagen und technische Entwicklungen im marinen Bergbau, sondern auch über juristische Rahmenbedingungen für Abbaulizenzen und die Auswirkungen auf die Artenvielfalt und den Lebensraum in der Tiefsee. Dazu reisen neben einigen der anerkanntesten Tiefseegeologen weltweit und Vertretern der Wirtschaft auch Spezialisten für Tiefseebiologie, Völker- und Seerechtler, Vertreter verschiedener UN-Organisationen und Abgesandte von Nicht-Regierungsorganisationen wie dem World Wide Fund for Nature (WWF) nach Kiel.

„Das Informationsbedürfnis der Industrie, aber auch der Politik und Wissenschaft zu diesem Thema ist sehr hoch. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Akteuren über nachhaltige Lösungswege für einen umweltschonenden Abbau von Ressourcen zu diskutieren“, sagt Professor Devey. „Wichtig ist uns der wissenschaftlich fundierte Dialog, bevor die Technik Schäden für Natur und Mensch anrichtet.“

Link zum Programm:
http://fileserver.futureocean.org/forschung/r3/semesterthema_resources.pdf
http://www.futureocean.org/resources

Links:
https://www.geomar.de/index.php?id=4&no_cache=1&tx_ttnews%5btt_news%5d=1180&tx_ttnews%5bbackPid%5d=185 – Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
www.ozean-der-zukunft.de – Der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“

 

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