Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

Der Schnee im Meer

Unterwasseraufnahme in Blautönen. Man erkennt schemenhaft den Meeresboden und die Wasseroberfläche.

© Free-Photos/ pixabay

Schnee im Meer? Wie soll das denn gehen?
Wir berichten hier über ein Phänomen, das wohl kaum bekannt ist. Dem Meeresschnee, auch Detritus. Darunter verstehen Wissenschaftler:innen das Herabrieseln von toten Organismen und Kotkügelchen in den Ozeanen. Klingt nicht weiter wichtig? Ist es aber! Es ist vielleicht sogar von so hoher Relevanz für unsere Erde, dass eigentlich jede:r darüber Bescheid wissen sollte.

Diese Partikel entstehen mit Hilfe der Photosynthese – dem Umwandeln von CO2 zu Biomasse – durch Kieselalgen, Grünalgen oder spezielle Planktonarten. Sinken diese „Schneeflocken“ in die Tiefe und verlassen den Nahrungskreislauf, entsteht insgesamt eine negative CO2 Bilanz. Dieser Prozess – auch die biologische Pumpe genannt – ist somit ausschlaggebend für das Wohlergehen unseres Planeten, denn das Meer dient damit als größter Kohlenstoffspeicher der Erde.

Durch den Klimawandel und die einhergehende Meereserwärmung, sowie die Versauerung der Ozeane, wird diese biologische Kohlenstoffpumpe einen Wandel erfahren. Unser momentanes Verständnis lässt dabei nichts Gutes erahnen, denn vieles deutet darauf hin, dass der Meeresschnee einen weiteren Kipppunkt darstellt. Denn nimmt dessen Leistung bei steigendem Kohlenstoffaustoß ab – durch weniger Primärproduktion, also weniger Photosynthese, geänderte Meeresströmungen oder höhere Re-Mineralisation – tritt irgenwann ein unaufhaltsamer Rückkopplungseffekt ein. Folgen wären der Verlust des größten CO2-Speichers und eine extreme Erderwärmung.

Den zugehörigen Artikel als Teil der Serie Kippelemente findet ihr auf der Website der Klimareporter. Auch in unserem Beitrag „Das erste Kippelement ist das schnellste“ könnt ihr mehr zur Thematik erfahren.

Wer sich bezüglich der Versauerung der Ozeane weiter schlau machen möchte, findet hier entsprechendes Lesematerial:

Ihr wollt noch mehr wissen? Dann probiert doch mal unsere Suchfunktion aus! Darüber erhaltet ihr Zugang zu über 4.000 Blogbeiträgen aus dem Reich der Tiefe.

Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit

Tauchroboter wie das ROV KIEL 6000 des GEOMAR können gefahrlos in die lebensfeindliche Umwelt der Tiefsee abtauchen. Mittels Beleuchtung und hochauflösender Bild- und Videokameras bringen sie spektakuläre Bilder und Filme aus der Tiefsee in Echtzeit an Bord. Hier beleuchtet der Roboter die für heiße Quellen typischen Schlote der „Schwarzen Raucher“.

© Bildkomposition von Christoph Kersten, GEOMAR, unter Verwendung von Bildmaterial des MARUM – Zen­trum für Ma­ri­ne Um­welt­wis­sen­schaf­ten, Uni­ver­si­tät Bre­men (CC-BY 4.0)

Pressemitteilung, 15.05.2020, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Das Begleitbuch zu den neuen Ausstellungsräumen „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt erscheint heute – die Eröffnung der neuen Themenräume verzögert sich aufgrund der Corona-Pandemie.

Begleitend zum neuen Ausstellungsbereich Tiefsee und Meeresforschung, den beiden ersten neuen Räume im Rahmen des Projekts „Neues Museum“, geben die Kuratoren Dr. Thorolf Müller und Dr. Gerd Hoffmann-Wieck das Buch „Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“ heraus. Gemeinsam mit 30 Tiefseeforscher*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel beleuchten sie in vier Großkapiteln den größten Lebensraum des Planeten und vermitteln fundiert Einblicke in die geologische und biologische Erforschung des dunklen Universums. Der Einfluss des Menschen und rechtliche Fragen sind weitere Themen. Das Buch zur Ausstellung erscheint heute und ermöglicht allen Tiefsee-Interessierten, bereits jetzt thematisch in die Tiefen der Ozeane abzutauchen. Ein neuer Eröffnungstermin für die Ausstellung wird in Kürze bekannt gegeben.

Die Tiefsee ist der größte Lebensraum des Planeten Erde. Über 60 Prozent der Erdoberfläche liegen mehr als 1.000 Meter tief unter dem Meeresspiegel. Diesen Lebensraum zu erkunden stellt höchste Ansprüche an die Wissenschaft, die sich weltweit vernetzt und in zahlreichen Forschungsprogrammen die Tiefsee ergründet. Meeresforscher*innen erkunden, beobachten und beproben den dunkeln Lebensraum von Forschungsschiffen aus und setzen technische Gerätschaften wie Glider, Crawler, Floats, Multicorer und Roboter ein. Im Begleitbuch wird der Einsatz dieser Technik anschaulich dargestellt. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über die Forschungsgeschichte und den aktuellen Stand der Tiefseeforschung.

Das Buch greift grundsätzliche Fragestellungen der Tiefseeforschung auf. Wie ist der Lebensraum Tiefsee geologisch beschaffen? Welche Organismen leben dort unten? Welchen Einfluss hat die Tiefsee auf das Leben auf unserem Planeten? Welchen Bedrohungen ist der Lebensraum ausgesetzt und wie schützen wir ihn?

Die Forschenden stellen in dem reich bebilderten Werk die Vielfalt der Tiefsee-Organismen und deren Lebensraum vor. Von mikroskopisch kleinen Lebewesen, über Glasschwämme, Röhrenwürmer, Kaltwasserkorallen, Glaskopffisch und Riesenassel bis zum Riesenkalmar – sie alle haben Anpassungsmechanismen und Überlebensstrategien entwickelt, die ihnen ein Leben in Kälte, Dunkelheit und unter hohem Druck ermöglichen. Ein Wal-Kadaver wird als sogenannter Walfall zur Oase in der sonst nahrungsarmen Einöde der Tiefseeweichböden. Hydrothermalquellen und „Cold Seeps“ („kalte Sickerstellen“) sind weitere Hotspots des Lebens in der Tiefsee.

Auch die Auswirkungen menschlicher Eingriffe in die Ökosysteme der Tiefsee sowie mögliche Maßnahmen zu ihrem Schutz beleuchtet das Buch. Menschen nutzen die Tiefsee etwa als Quelle für Nahrung und gefährden dabei den Lebensraum durch industrielle Fischerei mit Schleppnetzen auf dem Meeresboden sowie durch Überfischung. Weitere Themen sind die Gewinnung von Rohstoffen wie Manganknollen und Methanhydrat, der Eintrag von Kunststoffabfällen in die Ozeane, in der Tiefsee verlegte Strom- und Datenkabel sowie die Auswirkungen der menschgemachten Klimaerwärmung auf das Ökosystem Tiefsee. Das Buch beschreibt die Tiefsee als schützenswerten Lebensraum, der einen großen Einfluss auf die gesamte Erde hat. Die Herausgeber Müller und Hoffmann-Wieck halten fest: „Politik und Gesellschaft sind gefragt, die Ozeane und damit auch den Lebensraum Tiefsee nachhaltig zu nutzen und zu schützen. Die Ergebnisse guter wissenschaftlicher Forschung bzw. die daraus entwickelten Handlungsoptionen dienen als Grundlage dafür.“

Das Buch „Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“ ist ein Begleitbuch zu den Ausstellungsräumen „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ und ist ab sofort im Museumsshop des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt, im Buchhandel oder online erhältlich.

Publikation
Thorolf Müller, Gerd Hoffmann-Wieck (Hrsg.)
Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit
2020, 204 Seiten, 177 Abbildungen, Anhang,
durchgehend farbig, 20 x 22,5 cm, broschiert,
ISBN 978-3-510-61415-8, Senckenberg-Buch 83,
17,90 Euro
www.schweizerbart.de/9783510614158

Diese Pressemitteilung findet ihr auf der Website des Senckenberg Museum Frankfurt.

Wer noch mehr über das faszinierende Leben in den Tiefen der Meere erfahren möchte, findet weitere Informationen auf unserer Tiefseeseite. Und wer wissen möchte wie wir diese unberührte Welt schützen können, schaut bei der Deep Sea Conservation Coalition und deren Video Deep sea mining!? Leave my down below alone! vorbei.

 

Plastikverschmutzung im Marianengraben

Auf einer Fingerspitze liegen mehrere kleine, grüne Plastikfasern

© Wolf Wichmann

In dieser prekären Zeit, bezüglich der weltweite Umweltverschmutzung, ist das tatsächliche Ausmaß, das die Plastikverschmutzung angenommen hat, immer noch überraschend. Häufig erschrecken uns Bilder der Meeresoberfläche, welche von Plastikmüll überschwemmt ist, doch nur ein winziger Bruchteil des im Meer schwimmenden Plastik ist für uns Menschen auf den ersten Blick sichtbar. Keine einzige Felsspalte im Ozean ist sicher vor nicht abbaubaren Partikeln. Selbst in dem fast 11 Kilometer tiefen Marianengraben, dem tiefsten Punkt des Ozeans, fanden Wissenschaftler Plastikteile. Im Artikel des Guardian ist eine Planktonprobe aus dem Marianengraben zu sehen, in welcher sich deutlich sichtbare blaue Fasern eines aufgenommenes Mikroplastikteilchens befinden. Die Plastikflut gelangt somit an einen Punkt der Erde, der für uns Menschen so fern, unerreichbar und unwirklich scheint. Es ist kein Geheimnis, dass ca. 94% des im Ozean gefundenen Plastiks sich irgendwo auf dem Meeresboden befindet. Nichtsdestotrotz zeigt dieser Fund die schockierend hohe Verschmutzung durch Plastik an dem entlegensten Ort der Welt, der Tiefsee.

Den Artikel „Plastic pollution discovered at deepest point of ocean“ von Damian Carrington vom 20. Dezember 2018 findet ihr bei The Guardian.

Weitere Informationen über die Tiefsee könnt ihr bei unserer Tiefseekampagne nachlesen, Informationen bezüglich der Plastikverschmutzung im Ozean findet ihr in unserem Plastic Pollution Blog.

 

Sinkende Sterne: Tiefseebergbau bedroht Seesternverwandte

brittle star with yellow armes and purple spikes

© Carlos Rodriguez V. on Wildscreen Exchange

Pressemitteilung, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 22. Oktober 2019

Sinkende Sterne: Tiefseebergbau bedroht Seesternverwandte

Potentielles Abbaugebiet von Manganknollen ist der Lebensraum einer bislang unbekannten Vielfalt von Schlangensternen

Senckenberg-Wissenschaftler:innen haben mit australischen Kollegen eine hohe Artenvielfalt von Schlangensternen in der „Clarion Clipperton Zone“ im östlichen Pazifik entdeckt – ein Tiefsee-Gebiet, das bereits von Bergbauunternehmen für kommerzielle Explorationszwecke aufgeteilt wurde. In der kürzlich im Fachjournal „Current Biology“ erschienenen Studie berichten die Forschenden von mehreren neuen Arten der Seestern-Verwandten und warnen vor einem Verlust der bislang unbekannten Biodiversität am Meeresboden.

Zwischen Hawaii und Mexiko liegt ein etwa 7.000 Kilometer langes Gebiet, dessen Meeresboden reich an Manganknollen und damit wertvollem Rohstoffe wie Nickel, Cobalt und Mangan ist. Mehrere Staaten – darunter auch die Bundesrepublik Deutschland – haben bereits Explorationslizenzen für das als „Clarion Clipperton Zone“ bekannte Areal erworben.

„Obwohl es hier bereits konkrete Abbaupläne für Manganknollen gibt, ist die Zone hinsichtlich ihrer Artenvielfalt noch längst nicht vollständig erforscht“, erklärt Dr. Magdalini Christodoulou vom Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung bei Senckenberg am Meer und fährt fort: „Sinnvolle Schutzkonzepte können aber erst mit diesem grundlegenden Wissen entwickelt werden!“

Die Wilhelmshavener Wissenschaftlerin hat gemeinsam mit Senckenberger Prof. Dr. Pedro Martinez Arbizu und ihren australischen Kollegen Dr. Timothy O’ Hara und Dr. Andrew Hugall vom Museums Victoria in Melbourne die Vielfalt von Schlangensternen (Ophiuroidea) in der Clarion Clipperton Zone untersucht. „Anhand von Probenmaterial aus sieben Expeditionen konnten wir mehrere bislang in der Tiefsee unbekannte Arten dieser engen Verwandten der Seesterne beschreiben“, so Christodolou. Dabei setzte das Team genetische Methoden ein, um auch schon juvenile Schlangensterne und Larven der fünfstrahligen Tiere zu identifizieren.

Insgesamt fand das Team 42 Schlangenstern-Arten, von denen die meisten wissenschaftlich unbeschrieben sind. Einige der Tiere gehören zu neuen Abstammungslinien, welche sich laut der Studie seit mehr als 70 Millionen Jahren in der Tiefsee entwickelt haben.

„Es ist bemerkenswert, dass selbst die Diversität großer Meerestiere, wie der Schlangensterne, bisher in der Tiefsee nahezu unbekannt ist“, resümiert Martinez Arbizu und warnt: „Der Mangel an solch grundsätzlichen Informationen zu Beginn des kommerziellen Abbaus von Mangangknollen, kann zum Verlust von Arten führen, bevor sie beschrieben oder gar entdeckt wurden. Bis sich das Ökosystem vom Bergbau erholt hat können zudem hunderte Jahre vergehen!“

Publikation
Magdalini Christodoulou, Timothy D. O’Hara, Andrew F. Hugall, Pedro Martinez Arbizu (2019): Dark Ophiuroid Biodiversity in a Prospective Abyssal Mine Field, Current Biology, 2019, https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.09.012.

Diese Pressemitteilung findet ihr auf der Website des Senckenberg Museum Frankfurt.

Wer mehr über das faszinierende Leben in den Tiefen der Meere erfahren und wissen möchte, wie wir diese unberührte Welt schützen können, findet dazu einiges auf unserer Tiefseeseite. Außerdem ist DEEPWAVE Mitglied der Deep Sea Conservation Coalition, verbreitet gerne ihr Video „Deep sea mining!? Leave my down below alone!„.

Deep sea mining!? Leave my down below alone!

Die Organisation Seas at Risk zeigt mit ihrem Cartoon-Video: „Deep sea mining!? Leave my down below alone!“ auf humorvoll provokante Weise die Bedrohung durch den international geplanten Tiefseebergbau.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?time_continue=213&v=JsA0emd2FNw

Quelle: Seas at risk auf YouTube

Ein weiteres Video von Seas at Risk mit dem Themenpunkt Plastikverschmutzung ist in einem weiteren unserer Posts zu finden. Mehr zum Thema Tiefsee gibt es bei unserer DEEP SEA Kampagne.

IUCN Bericht: Die Zukunft des Tiefseebergbaus

Man schaut vom dunklen Meeresgrund auf nach oben an die helle Wasseroberfläche, ein paar Fische schwimmen herum

© PublicDomainPictures / Pixabay

Wenn wir an die Tiefsee denken, verbinden wir diesen einzigartigen Lebensraum häufig mit Kälte und Dunkelheit. Was zunächst trist und leer zu sein scheint, beherbergt aber eine erstaunliche Vielfalt von Arten. Auch der 2018 erschienene Bericht der IUCN bezeichnet die dort auffindbaren Ökosysteme als einzigartig und wertvoll. Die Autoren des Reports betonen, dass wir viele Arten und Lebensräume der Meere durch unseren rücksichtslosen Umgang mit unserer Umwelt an den Rand der Zerstörung geführt haben. Da das kommerzielle Interesse an den Rohstoffen der Tiefseeböden zunimmt, ist es dringend notwendig, die Ausbeutung und Zerstörung der Tiefsee zu verhindern.

Im Mittelpunkt des Berichts stehen daher die möglichen Folgen des Tiefseebergbaus, sowie Ansätze zur Überwachung eines nachhaltigen Tiefseebergbaus. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die geografischen sowie geologischen Besonderheiten der potenziellen Abbaugebiete und die zugehörigen rechtlichen Richtlinien. Zudem werden unterschiedliche Abbautechnologien beschrieben, wobei auch Umweltparameter wie extremer Druck und enorme Tiefen eine Rolle spielen, da sie das Unterfangen erschweren könnten.

Die Autoren des Berichts betonen, dass die Folgen für die Ökosysteme zum Teil sehr schwer einzuschätzen sind und dringlichst Daten erhoben werden müssen. Studien zeigten bereits, wie verheerend eine Umschichtung der Sedimente im Meeresboden die Habitate und die Biodiversität beeinträchtigen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Veränderungen der Artenstruktur im Abbaugebiet irreversibel sein könnten. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen von vielen möglichen Störungen der sensiblen Habitate.

Verschiedene Interessensgruppen und Institutionen müssen Hand in Hand arbeiten, um die Herausforderungen zu lösen, die ein möglicher Tiefseebergbau birgt. Solange dies nicht gewährleistet ist im Sinne des Lebensraums Tiefsee, kann nicht von einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Abbau gesprochen werden.

Den gesamten Bericht „Deep seabed mining“ könnt ihr bei IUCN herunterladen.

Warum Forscher mehr Schutzgebiete in der Tiefsee fordern, könnt ihr in unserem Tiefseeblog nachlesen. Auch bei unserer Kampagne DEEP SEA findet ihr weitere Informationen zum Tiefseebergbau.

Nein zum Raubbau an der Tiefsee

Mehrere Tiefseekorallen wachsen vom Grund der Tiefsee

© NOAA Office of Ocean Exploration and Research / Wikimedia Commons

Das erste Tiefseebergbauprojekt „Solwara 1“ soll  in diesem Jahr am Boden der Bismarcksee vor Papua-Neuguinea starten. Auf der Suche nach Manganknollen, kobaltreichen Eisen- und Mangankrusten, Massivsulfiden und Erzschlämmen – ein unsicheres Investment. Das geplante Ausbeutungsgebiet beträgt etwa 140000 Quadratmeter und ist Teil eines ökologisch sehr sensiblen Lebensraums, der auch ein wichtiges Fanggebiet für viele Kleinfischer*innen ist. Der Rohstoffverbauch muss in Deutschland und in Europa auf ein nachhaltiges Maß reduziert werden, stattdessen unterstützt die Bundesregierung Industrie- und Forschungsvorhaben, die den Tiefseebergbau massiv vorantreiben, um auch die unerforschtesten Lebensräume unseres Planeten wirtschaftlich zu nutzen. Jedoch ist nicht nur der wirtschaftliche Ertrag beim Tiefseebergbau mehr als fraglich, sondern auch die Folgen für das gesamte Ökosystem und seine Bewohner.

„Tiefseebergbau ist in diesem Sinne eine Risikotechnologie und steht für den Wunsch nach unbegrenztem Wachstum, nicht für eine vorsorgende Politik“ – Kai Kaschinski (fair-oceans).

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN), 13.06.2018, Autor: Hans-Christoph Neidlein

Den zugehörigen Artikel von Hans-Christoph Neidlein vom 13.06.2018 findet ihr bei der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN).

Für weitere Informationen, schaut bei unserer Kampagne zum Tiefseebergbau DEEP SEA vorbei.

 

 

 

Tauch­ro­bo­ter MARUM-QUEST erst­mals in ant­ark­ti­schen Ge­wäs­sern

© vdl

Pressemitteilung, 11.04.2019 vom MARUM

 

Wo Erd­plat­ten auf­ein­an­der­tref­fen, ist die Erde in Be­we­gung. Eine Ex­pe­di­ti­on mit dem For­schungs­schiff PO­LAR­STERN will die­se Ak­ti­vi­tä­ten im Süd­po­lar­meer nä­her un­ter­su­chen. Im Fo­kus der MARUM-Fahrt ste­hen da­bei vor al­lem kal­te und hei­ße Quel­len. Zum ers­ten Mal wird der Tauch­ro­bo­ter MARUM-QUEST im Süd­po­lar­meer ein­ge­setzt. Der Ex­pe­di­ti­ons­be­ginn ist für den 13. April 2019 ge­plant.

Es ist nicht die ers­te Ex­pe­di­ti­on von Fahrt­lei­ter Ger­hard Bohr­mann und sei­nem Team ins Süd­po­lar­meer. Be­reits seit 2012 be­schäf­ti­gen sich die For­schen­den mit der Fra­ge, wie Flui­de und Gase an hei­ßen und kal­ten Quel­len ent­lang der Sand­wich Plat­te zir­ku­lie­ren. Die Sand­wich Plat­te ist mit 350 Ki­lo­me­tern West-Ost- und cir­ca 550 Ki­lo­me­tern Nord-Süd-Er­stre­ckung zwar eine re­la­ti­ve klei­ne Plat­te, aber sie ist zwi­schen der Süd­ame­ri­ka­ni­schen und der Ant­ark­ti­schen Groß­plat­te der ak­tivs­te Erd­krus­ten­be­reich. Die Sand­wich Plat­te ent­steht durch Sprei­zung und Vul­ka­nis­mus am Ost-Sco­tia Rü­cken. Sie wan­dert nach Os­ten, wo sie mit der Süd­ame­ri­ka­ni­schen Plat­te kol­li­diert. Ein Tief­see­gra­ben von acht Ki­lo­me­tern Was­ser­tie­fe und eine Ket­te von ak­ti­ven, teil­wei­se In­sel-bil­den­den Vul­ka­nen sind die Fol­ge.

In die­sem Ge­biet lie­gen ein­zig­ar­ti­ge che­mo­syn­the­tisch-le­ben­de Öko­sys­te­me an den hei­ßen Quel­len so­wohl am Rü­cken als auch an Un­ter­was­ser­vul­ka­nen des Süd-Sand­wich In­sel­bo­gens. Zu­dem ver­mu­ten die For­schen­den hier kal­te Quel­len. So­wohl an hei­ßen wie an kal­ten Quel­len tre­ten Flui­de und Gase aus – Ziel der Fahrt ist es, bei­de Sys­te­me ge­nau­er zu un­ter­su­chen und mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Da­für wird jetzt zum ers­ten Mal in der Süd­po­lar­re­gi­on der fern­ge­steu­er­te Tauch­ro­bo­ter MARUM-QUEST ein­ge­setzt.

Or­ga­nis­men der hei­ßen und kal­ten Quel­len be­kom­men ihre En­er­gie aus che­mi­schen Ver­bin­dun­gen der Flui­de an den Aus­tritts­stel­len. Ge­ra­de die geo­gra­fi­sche Nähe ei­nes Sprei­zungs­rü­ckens zu ei­ner Sub­duk­ti­ons­zo­ne macht das Ziel­ge­biet be­son­ders in­ter­es­sant für das Ex­pe­di­ti­ons­team. Da­bei wird ein mul­ti­dis­zi­pli­nä­rer An­satz ver­folgt, be­tei­ligt sind Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten aus Geo­lo­gie, Geo­che­mie, Bio­lo­gie, Mi­kro­bio­lo­gie und ma­ri­ner Bio­geo­gra­phie. Wäh­rend der Rei­se wer­den au­ßer­dem zum ers­ten Mal Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler mit ein­ge­bun­den, die statt an Bord am MARUM – Zen­trum für Ma­ri­ne Um­welt­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bre­men die Tauch­gän­ge ver­fol­gen und so ihre Ex­per­ti­se mit ein­brin­gen.

Die Ex­pe­di­ti­on PS119 wird in den kom­men­den Jah­ren auch in Aus­stel­lun­gen the­ma­ti­siert, dazu lau­fen Ko­ope­ra­tio­nen mit dem In­ter­na­tio­na­len Ma­ri­ti­men Mu­se­um Ham­burg, dem Hum­boldt La­bor im Hum­boldt Fo­rum und dem Lok­schup­pen Ro­sen­heim.

Diese Pressemitteilung findet ihr beim MARUM.

Tag des Artenschutzes: Tiefseefisch – Orange Roughy

Drei Orange Roughy liegen auf einem Tisch und werden vermessen

© CSIRO / Wikimedia Commons (CC-BY 3.0)

Alljährlich findet am 3. März der Tag des Artenschutzes statt, der aus dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) von 1973 hervorgeht.

Zum diesjährigen Tag des Artenschutzes stellen wir euch den Granatbarsch – oder auch Orange Roughy – vor. Ein Sinnbild für das Leben in der Tiefsee. Die Tiefsee – tiefer, dunkler und  langsamer. Der größte Lebensraum unseres Planeten, der früher durch seine besonderen Lebensbedingungen als lebensfeindlich galt. Orange Roughy hat sich jedoch, so wie viele andere Lebewesen, perfekt an die Kälte, den hohen Druck und die ewige Dunkelheit der Tiefsee angepasst.

In bis zu 1800 Metern Tiefe gleitet er langsam durch den lichtlosen Ozean, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Er hat einen extrem langsamen Stoffwechsel, der dazu führt, dass er erst sehr spät geschlechtsreif wird und sich somit auch nur langsam reproduzieren kann.  Bis zu 150 Jahre kann der orange-rote Fisch die Tiefen unseres Planeten durchqueren. Die ZEIT hat Orange Roughy nicht ohne Grund den „Entdecker der Langsamkeit“ getauft.

Der Knochenfisch, der älter wird als unsere Großeltern, landet in Ländern wie USA, Australien, China, aber auch in Deutschland auf den Speisekarten. Er fällt der steigenden Nachfrage nach Fisch zum Opfer. Er stirbt und endet im Magen von Menschen, die diesen besonderen Fisch gerne verspeisen oder er wird als Beifang der industriellen Fischerei unabsichtlich gefangen, wenn er nicht dem erhofften Fang entspricht aufgrund seiner Spezies, Größe oder Qualität, sterbend wieder ins Meer geworfen.

Seit 2016 tragen drei neuseeländische Fischereien das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) für nachhaltige Fischerei, die insgesamt für mehr als die Hälfte des örtlichen Fangs von Granatbarschen verantwortlich sind. Wie ist das möglich?  Tiefseelebewesen wie Orange Roughy werden mit Grundschleppnetzen gefangen, die gleichzeitig die Jahrhunderte alten empfindlichen Kaltwasser-Korallenriffe der Tiefsee zerstören.  Kann er überhaupt „nachhaltig“ gefangen werden, wenn durch die angewandten Tiefseefangmethoden gleichzeitig sein Lebensraum zerstört wird? Was ist, wenn sich die Granatbarsche und ihr Lebensraum trotz der Auflagen des MSCs nie wieder erholen?

Können wir als Gäste des Planeten Erde unser Bedürfnis diesen Fisch zu essen über das Leben eines Lebewesens stellen, das mehr als doppelt so alt wird wie wir? Wir sind in den Ländern, in denen Orange Roughy gegessen wird, nicht auf Fische als Proteinquelle angewiesen. Auf wie viel verzichten wir wirklich, wenn wir nicht mehr uralte Lebewesen aus den unbekannten Tiefen des Ozeans rauben, um unsere Vorliebe für besonderes Fischfilet zu befriedigen?

Orange Roughy steht für die Tiefsee. Eine geheimnisvolle und artenreiche Welt, die wir in ihrer Komplexität noch nicht erfasst haben. Müssen wir das, bevor wir anfangen sie zu schützen? Nein, wir müssen nicht alle Vorgänge und Mechanismen in der Tiefsee verstehen, um sie sinnvoll schützen zu können. Klar ist, wenn wir so weitermachen, werden wir nicht mehr alle Wunder der Tiefsee entdecken…

3.März – Ein Tag, an dem wir unsere täglichen Entscheidungen überdenken müssen, die das Leben vieler Lebewesen gefährden, sowohl in den Tiefen des Ozeans, als auch auf dem ganzen Planeten Erde.

Johan Busse von Colbe für DEEPWAVE

 

 

The future of deep seabed mining

drei riesengroße Maschinen im Watt, die für den Tiefseebergbau eingesetzt werden© Nautilus Minerals

“Our current knowledge of the deep sea is not sufficient to protect the unique species that live there from mining operations. It is alarming to see contracts being granted for these still largely unexplored and vulnerable areas. We need a 10-year moratorium on seabed mining exploitation.” -Carl Gustaf Lundin, Direktor der International Union for Conservation of Nature’s (IUCN) of Global Marine and Polar Programme.

Diese Woche tagt die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA), um gemeinsam mit der Industrie Richtlinien für die Zukunft des Tiefseebergbaus zu entwickeln. Eine Publikation von Jessica Aldred vom Chinadialogue ocean aus dem Jahr 2019 befasste sich mit der komplexen Natur des Tiefseebodens, der als mineralienreiche Ressource das Potenzial für zukünftigen Reichtum birgt, aber zu welchem Preis? Die Frage der Rechtsprechung, dass der Meeresboden außerhalb der Grenzen eines Landes liegt, hat zu Missständen geführt, da Länder wie Japan Tiefseeböden innerhalb ihrer kontinentalen Gewässer besitzen und diese ausbeuten dürfen, während andere Länder diese „Möglichkeit“ nicht haben. Diese und andere Fragen sollten auf der jüngsten Sitzung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) diskutiert werden, um einen Verhaltenskodex für die verantwortungsvolle Nutzung der Ressourcen des Tiefseebodens auf umweltverträgliche Weise zu erarbeiten.

Den gesamten Artikel von Jessica Aldred vom 25.02.2019 findet ihr bei Chinadialogue ocean.

IUCN, International Union for Conservation of Nature: https://www.iucn.org/

Weitere Informationen über die Tiefsee findet ihr bei unserer Kampagne zum Tiefseebergbau DEEP SEA.

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