Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

Neues Tiefsee-Bohrgerät vor erstem Einsatz

Neues Tiefsee-Bohrgerät vor erstem Einsatz

MARUM-MeBo200 der Öffentlichkeit vorgestellt

Nach vierjähriger Entwicklungs- und Bauphase wurde das neue Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo200 des Bremer Zentrums für Marine Umweltwissenschaften heute im Rahmen einer Feier mit den Projektpartnern der Öffentlichkeit vorgestellt. Wissenschaftlich und technisch erprobt wird das Hightech-Instrument in der zweiten Oktoberhälfte dieses Jahres auf einer Fahrt mit dem neuen Forschungsschiff SONNE. Das gut acht Millionen Euro teure System wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Mit dem rund zehn Tonnen schweren MARUM-MeBo200 steht jetzt ein ferngesteuertes Bohrgerät zur Verfügung, das sich von größeren Forschungsschiffen einsetzen lässt. Das weltweit einzigartige mobile Bohrgerät ist für den Einsatz in Wassertiefen von bis zu 2.700 Meter ausgelegt. Vier große, tellerartige Füße verleihen dem sechs Meter hohen Bohrturm die nötige Standfestigkeit am Meeresgrund, wo er bis zu 200 Meter lange Kerne von Lockersedimenten und Festgesteinen erbohren kann.

„Wir hatten bereits ab 2005 ein Vorgängermodell entwickelt, das 70 Meter tief bohren kann“, sagt der frühere Direktor des MARUM, Prof. Gerold Wefer. Im Vergleich zu MeBo70 bietet das neue System allerdings vielfältige Vorteile:

Da das Gerät tiefere Sedimentschichten erbohren kann, lassen sich so länger zurück liegende Abschnitte der Klima- und Umweltgeschichte entschlüsseln.

Bis in die jüngste Vergangenheit haben untermeerische Hangrutschungen Tsunamis ausgelöst; MARUM-MeBo200 versetzt Geowissenschaftler in die Lage, dickere Rutschungspakete zu durchbohren, um die Physik und die Dynamik solcher Ereignisse besser zu verstehen.

MARUM-MeBo200 lässt sich zudem mit einem speziellen Lot ausrüsten, um Methanhydrate im Meeresboden beproben. Die eisartige Substanz gilt als potentielle Rohstoffquelle der Zukunft, ist aufgrund ihrer Treibhauswirkung aber auch als Klimarisiko im Gespräch. Wenn Hydrate mit traditionellen Loten an Deck gebracht werden, zerfallen sie sehr schnell. Das Speziallot bietet dagegen weit bessere Untersuchungsmöglichkeiten, denn seine druckfeste Kammer garantiert, dass die Hydrate stabil bleiben.

MARUM-MeBo200 kann in Meerestiefen von bis zu 2.700 Meter eingesetzt werden, also gut ein Drittel tiefer als das Vorgängergerät. Damit können jetzt tiefere Regionen etwa der mittelozeanischen Rücken erforscht werden. Dort interessieren sich die Wissenschaftler vor allem für die geologisch-chemisch geprägten Prozesse an schwarzen und weißen Rauchern, die über die chemische Zusammensetzung des Meerwassers und damit auf lange Sicht auch über das Klimageschehen mitbestimmen.

„Mit dem neuen Bohrsystem bauen wir die weltweite Spitzenstellung Bremens, aber auch Deutschlands in der Tiefseetechnologie weiter aus“, betont Prof. Michael Schulz. Der Direktor des MARUM verweist darauf, dass auf internationaler Ebene, etwa im Rahmen des weltweiten International Ocean Discovery Program IODP, bereits intensiv über Einsätze des Bremer Bohrgeräts diskutiert wird. Zwar müssen Bohrgerät und Gestänge, Winde, Steuerungs- und Aussetzeinheit, Hydraulik und Stromversorgung in sieben Containern zu den Ausgangshäfen der Expeditionen verschickt werden. „Dennoch bietet MARUM-MeBo200 die Möglichkeit, deutlich kostengünstiger als mit Bohrschiffen wertvolle Proben aus der Tiefsee zu gewinnen“, sagt Michael Schulz.

http://www.marum.de/MARUM-MeBo200_der_Oeffentlichkeit_vorgestellt.html

Neue Kalkschwamm-Arten in antarktischen Tiefen entdeckt


Der winzige Schwamm Leucetta weddelliana wurde aus etwa 600 Meter Tiefe geborgen.
© Senckenberg

Neue Mitglieder im Tiefsee-Club – Zwei neue Kalkschwamm-Arten in antarktischen Tiefen entdeckt

Die Wissenschaftlerin Dr. Dorte Janussen vom Senckenberg Forschungsinstitut hat gemeinsam mit einem skandinavischen Forscherteam zwei neue Kalkschwamm-Arten aus dem antarktischen Weddell-Meer beschrieben. Bisher wurden rund um die Antarktis insgesamt 50 Arten dieser alten Tiergruppe mit Kalkskeletten beschrieben. 44 der Kalkschwammarten gibt es ausschließlich in den antarktischen Gewässern. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal „Zootaxa“ erschienen.

Kalkschwämme sind meist nur wenige Zentimeter groß, haben ein fragiles Skelett und werden häufig als reine Flachwasserbewohner beschrieben. „Es gibt sie aber durchaus auch in tieferen Gewässern“, erklärt PD Dr. Dorte Janussen, Meeresbiologin am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt. „Die geringe Größe und die Zerbrechlichkeit der kalkigen Skelett-Elemente dieser Schwämme ist wohl ein Grund dafür, dass bisher nicht viele der im Tiefwasser lebenden Organismen entdeckt wurden.“

Janussen und ihr Doktorand Christian Göcke haben nun – gemeinsam mit dänischen und norwegischen Kollegen – zwei neue Arten antarktischer Kalkschwämme beschrieben. „Wir haben die Schwämme bei einer Expedition im Jahr 2008 aus einer Tiefe von etwa 600 Metern aus dem antarktischen Weddellmeer geborgen“, erzählt die Frankfurter Meeresbiologin und ergänzt: „Die Schwammfauna im antarktischen Ozean ist einzigartig. Nur sechs der 50 dort lebenden Kalkschwammarten wurden auch in anderen Gebieten gefunden“.

Janussen hatte vor rund zehn Jahren die ersten in der antarktischen Tiefsee gefundenen Kalkschwämme beschrieben: Die Schwämme Dermatreton scotti und Guancha sp. wurden aus einer Tiefe von 1120 Metern, der Schwamm Pericharax sogar aus 4065 Metern Tiefe an Deck des Forschungsschiffes Polarstern geholt. „Das Vorkommen von kalkigen Organismen unterhalb von 4000 Metern und damit unterhalb der Karbonat-Kompensations-Tiefe ist wirklich erstaunlich“, betont Janussen und fügt hinzu: „Aufgrund des hohen Kohlendioxid-Partialdrucks löst sich Kalk normalerweise unterhalb dieser Grenze auf. Die Skelette der von uns gefundenen Schwämme zeigen aber keinerlei Zeichen der Auflösung.“
Die Wissenschaftlerin vermutet, dass eine im Mikroskop beobachtete organische Lamelle oder Membran das kalkige Skelett der Schwämme vor dem umgebenden Meerwasser schützt.

„Bisher wurden aus Tiefen unter 2000 Metern nur vereinzelt Kalkschwammarten beschrieben“, erzählt Janussen. „Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Sammelmethoden in der Tiefsee – besonders für kleine, zerbrechliche Meeresbewohner – nicht immer geeignet sind, um alle dort lebenden Tiere zu erfassen.“

Die neusten Entdeckungen in der Antarktis zeigen aber, dass Kalkschwämme keineswegs „Exoten“ unter den Tiefwasserbewohnern sind und deren Artenvielfalt wahrscheinlich viel höher ist, als bisher angenommen.

Publikation
RAPP, HANS TORE et al.
Two new species of calcareous sponges (Porifera: Calcarea) from the deep Antarctic Eckström Shelf and a revised list of species found in Antarctic waters. Zootaxa, [S.l.], v. 3692, n. 1, p. 149–159, jul. 2013. ISSN 1175-5334. doi:http://dx.doi.org/10.11646/zootaxa.3692.1.9.

http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=5206&kid=2&id=3235

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur, ihrer Ursachen und Wirkungen, vermittelt. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Neues Tiefseeforschungsschiff FS SONNE

 

Neues Tiefseeforschungsschiff FS SONNE

BAW maßgeblich an der Erneuerung der deutschen Forschungsflotte beteiligt

Das Tiefseeforschungsschiff SONNE, das heute von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Neptun Werft in Rostock-Warnemünde getauft wurde, ist das zweite Schiff im Rahmen der schrittweisen Erneuerung der deutschen Forschungsflotte. Konzeption und Ausschreibungsplanung des auf der Meyer Werft in Papenburg gebauten Schiffes stammen von der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), die auch während der gesamten Bauzeit den Baufortschritt federführend überwacht hat.

Die SONNE ist 116 Meter lang, 20,6 Meter breit, hat einen maximalen Tiefgang von 6,60 Meter und kann neben der 35-köpfigen Besatzung bis zu 40 Wissenschaftler beherbergen. „Die technische Herausforderung im Planungsprozess bestand für uns vor allem darin, die vielfältigen Anforderungen der Wissenschaftler an den späteren Betrieb des Schiffes zu erfüllen“, sagte der Leiter des Referats Schiffstechnik der BAW, Benno Lenkeit.

Ein bereits auf dem Forschungsschiff MERIAN erfolgreich umgesetztes Konzept für die wissenschaftliche Ausrüstung, bestehend aus zentralem Windenraum, großem L-förmigen Arbeitsdeck mit Heckgalgen und Arbeitskränen, anschließendem Hangar sowie einer Reihe spezieller Labore an Bord erlaubt die Durchführung unterschiedlichster meereskundlicher Untersuchungen und Experimente. Darüber hinaus ermöglichen moderne und leistungsfähige Lotanlagen den Wissenschaftlern neue und aufschlussreiche Blicke in die Tiefsee.

Neueste Umwelt- und Abgasstandards, wie z. B. ein umweltfreundliches Schiffsdesign zur Erlangung des Umweltzeichen „Blauer Engel“ sowie Einhaltung der erst ab 2016 geltenden IMO/Marpol-Vorschriften in Bezug auf Abgasgrenzwerte wurden bei der Planung berücksichtigt. „Durch den Einsatz von SCR-Katalysatoren werden die Stickoxid-Emissionen der Antriebsanlage deutlich reduziert, und die aus den Abgasen entzogene Wärme wird über Absorptionskälteanlagen den Kühlregistern der Klimaanlagen zugeführt. Auch auf die Geräuschabstrahlung ins Wasser haben wir besonderes Augenmerk gelegt. So wird die SONNE die Anforderungen der ICES 209 erfüllen“, sagte Lenkeit.

Haupteinsatzgebiete des neuen Tiefseeforschungsschiffes, das den inzwischen 45 Jahre alten Vorgänger ablöst, sind der Indische und Pazifische Ozean. Die SONNE wird dazu beitragen, wissenschaftlich und gesellschaftlich besonders relevante Forschungsfragen zu beantworten, insbesondere hinsichtlich des Klimawandels, der Versorgung mit marinen Rohstoffen und der Folgen des menschlichen Eingreifens in die Ökosysteme.
„Dass wir bei der Erneuerung der deutschen Forschungsflotte an entscheidender Stelle mitwirken können, freut uns sehr. Dies stärkt die Position der BAW als Kompetenzzentrum für den zivilen Spezialschiffbau des Bundes“, sagte der Leiter der Bundesanstalt für Wasserbau, Prof. Dr.-Ing. Christoph Heinzelmann. „Mit den Planungen für den Ersatzneubau der POLARSTERN haben wir bereits begonnen.“

Weitere Informationen:
http://www.baw.de/de/wasserbau/schiffbau/index.html

Schützt die Tiefsee! Protect the Deep-Sea!

Schützt die Tiefsee!
Edward B. Barbier und Kollegen fordern, die Tiefsee effektiv zu schützen und geschädigte Ökosystemen wiederherzustellen. Und sie schlagen eine geeignete Finanzierung vor.

Das berichtet Spektrum der Wissenschaft und beruft sich auf die Forderung von Wissenschaftlern im Magazin Nature:

„Wir fordern ein verbindliches Regelwerk mit entsprechender Finanzierung, das bis 2020 stehen soll, um damit ein Netzwerk von Tiefseereservaten zu schaffen. Es soll die Biodiversität und Funktionalität dieses riesigen und wichtigen Ökosystems bewahren und wo nötig wiederherstellen. „

Zu lesen hier:
http://www.spektrum.de/alias/meere/schuetzt-die-tiefsee/1221310?etcc_cmp=SDW&etcc_med=Newsletter&fb=Heute&etcc_tar=Brand&utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=heute

Ebenfalls von den Autoren ist im Magazin Marine Policy ein open access Artikel dazu erschienen, anbei der Abstract:

Ecological restoration in the deep sea: Desiderata

An era of expanding deep-ocean industrialization is before us, with policy makers establishing governance frameworks for sustainable management of deep-sea resources while scientists learn more about the ecological structure and functioning of the largest biome on the planet. Missing from discussion of the stewardship of the deep ocean is ecological restoration. If existing activities in the deep sea continue or are expanded and new deep-ocean industries are developed, there is need to consider what is required to minimize or repair resulting damages to the deep-sea environment. In addition, thought should be given as to how any past damage can be rectified. This paper develops the discourse on deep-sea restoration and offers guidance on planning and implementing ecological restoration projects for deep-sea ecosystems that are already, or are at threat of becoming, degraded, damaged or destroyed. Two deep-sea restoration case studies or scenarios are described (deep-sea stony corals on the Darwin Mounds off the west coast of Scotland, deep-sea hydrothermal vents in Manus Basin, Papua New Guinea) and are contrasted with on-going saltmarsh restoration in San Francisco Bay. For these case studies, a set of socio-economic, ecological, and technological decision parameters that might favor (or not) their restoration are examined. Costs for hypothetical restoration scenarios in the deep sea are estimated and first indications suggest they may be two to three orders of magnitude greater per hectare than costs for restoration efforts in shallow-water marine systems.

Keywords

Deep-sea resource use;
Restoration science;
Marine policy;
Hydrothermal vents;
Cold-water corals

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308597X13001486

Räuberische Viren domieren die tiefe Biosphäre

Räuberische Organismen in der Tiefe

Viren im Meeresboden stellen den größten Anteil der tiefen Biosphäre

Wissenschaftler der Universität Oldenburg und des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ weisen in der aktuellen Vorab-Onlineausgabe des Journal of the International Society for Microbial Ecology (ISME v. 20.01.2014) nach, dass in extrem tiefen, alten und nährstoffarmen Meeressedimenten bis zu 225 mal mehr Viren als Mikroben leben. Damit stellen in diesen extremen Lebensräumen nicht mehr die bakteriellen Mikroorganismen die größte Fraktion der lebenden Biomasse dar, sondern Viren. Diese Viren übernehmen die Rolle der Räuber in diesem außergewöhnlichen Biotop.

Die Forscher fanden heraus, wie sich mit zunehmender Nährstoffarmut das Verhältnis von Viren zu Mikroben immer stärker hin zu den Viren verschiebt. „Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Masse aller lebenden Mikroben im Meeresboden mindestens genauso groß ist wie die der Bewohner der darüber liegenden Weltmeere“, sagt dazu Jens Kallmeyer vom GFZ. „Eine bisher vernachlässigte Unbekannte sind allerdings die Viren.“

In diesen extremen Lebensräumen übernehmen Viren die Rolle von räuberischen Organismen: Sie steuern die Größe und Struktur der mikrobiellen Population. Die überraschend hohe Zahl der Viren wird damit erklärt, dass die zwar kleine aber aktive Mikrobenpopulation permanent neue Viren produziert, diese aber länger erhalten bleiben weil die wenigen Mikroben weniger Enzyme produzieren, welche die Viren zerstören.

Bisherige Messungen im Meerwasser und oberflächennahen Sedimenten konnten zwar zeigen, dass Viren etwa zehnmal häufiger sind als Mikroben, aber aufgrund ihrer wesentlich kleineren Masse keine große Rolle bei der Gesamtmenge der lebenden Biomasse spielen. Außerdem wurde angenommen, dass hauptsächlich räuberische Organismen wie z.B. andere Einzeller, oder auch Würmer oder Schnecken die Größe der Mikrobenpopulation steuern. Die jetzt vorgestellten neuen Ergebnisse zeigen, dass diese einfachen Annahmen so nicht haltbar sind.

Engelhardt, T., Kallmeyer, J., Cypionka, H., & Engelen, B. (2014): „High virus-to-cell ratios indicate ongoing production of viruses in deep subsurface sediments”, ISME Journal. doi: 10.1038/ismej.2013.245; 20.01.2014

English version:

Predatory organisms at depth

Viruses within theocean floor comprise the greatest fraction of the deep biosphere

In the current issue of the Journal of the International Society for Microbial Ecology (ISME Journal, 20.1.2014) scientists from the University of Oldenburg and from the GFZ German Centre for Geosciences show that in deep, old and nutrient-poor marine sediments there are up to 225 times more viruses than microbes. In such extreme habitats viruses make up the largest fraction of living biomass and take over the role as predators in this bizarre ecosystem.

The scientists found that with decreasing nutrient levels the ratio between viruses and cells shifts more toward viruses. “For several years it has been know that the biomass of all microbes within the sea floor equals that of all life in the oceans above” reports Jens Kallmeyer from the GFZ. “Viruses, however, have been neglected previously”.

In these extreme environments viruses take over the role of predatory organisms: They control size and composition of the microbial community. The surprisingly high number of viruses can be explained by the fact that the small but active microbial community permanently produces new viruses that remain in the sediment for longer times because the few microbes produce fewer enzymes that can destroy viruses.

Previous measurements in seawater and surficial sediments showed that viruses are about ten times more abundant than microbes, but because of their much smaller biomass they did not play a major role in estimates of the total living biomass. Moreover, it was assumed that predators such as unicellular organisms, but also worms and snails control the size of the microbial population. The new results show that these simple assumptions are no longer valid.

Engelhardt, T., Kallmeyer, J., Cypionka, H., & Engelen, B. (2014): „High virus-to-cell ratios indicate ongoing production of viruses in deep subsurface sediments”, ISME Journal. doi: 10.1038/ismej.2013.245; 20.01.2014

Verbot von Grundschleppnetzen in Tiefsee vorerst geplatzt

WWF Weiter Bulldozer am Meeresgrund

Verbot von Grundschleppnetzen in Tiefsee vorerst geplatzt / WWF kritisiert EU-Parlament

Hamburg/Brüssel, 10.12.2013: Der Versuch Fische und Lebensräume der Tiefsee besser zu schützen ist heute im EU-Parlament gescheitert. Die Abgeordneten stimmten gegen ein Verbot von Grundschleppnetzen ab 600 Metern Tiefe in EU-Gewässern und der Hohen See. „Es ist der blanke Hohn: Die zerstörerischste Fischereitechnik soll weiterhin in einem der empfindlichsten Lebensräume des Meeres eingesetzt werden“, kritisiert Stephan Lutter, Meeresschutzexperte beim WWF das heutige Votum. „Nachhaltige Fischerei muss unabhängig sein von der Wassertiefe.“

Jahrhundertealte Korallenriffe werden in wenigen Minuten zerschlagen und abrasiert, wenn auf der Jagd nach Rot- und Granatbarsch riesige Grundschleppnetze über einen Seeberg der Tiefsee gezogen werden. Damit wird auch der Lebensraum für bedrohte Tiefseehaie und hunderte wirbelloser Tierarten regelrecht planiert. Zudem sind Tiefseefische besonders anfällig für Überfischung, da sie langsam wachsen, sich erst im hohen Alter fortpflanzen und oft nur wenige Nachkommen produzieren. Unter den bisherigen EU- Regeln für Tiefseefischerei konnten sich die Bestände nicht vom stetigen Fischereidruck erholen. Nur in mühsamer Kleinarbeit wurden bestimmte Flächen per Verordnung für die Flotten der großen Bodentrawler gesperrt.

„Die Beifangraten in der Tiefseefischerei sind haarsträubend, bis zu 100 Arten werden neben der erwünschten mitgefangen, weil die riesigen Netze alles Leben verschlucken“, erläutert Stephan Lutter, Meeresschutzexperte ein weiteres Umweltproblem dieser Fischerei. „Ganze Artengemeinschaften werden viel stärker geschädigt, als durch eine zielgerichtete Fischerei.“

Die EU hat eine der größten Tiefsee-Flotten der Welt, sie fischt in europäischen Gewässern und der Hohen See. Die Bestände von Tiefseefischen im Nordostatlantik gehören weltweit zu den am stärksten befischten. Der Löwenanteil von 90 Prozent der Fänge geht auf das Konto von nur drei Nationen – Portugal, Spanien und Frankreich. Die zerstörerischen Grundschleppnetze zählen zu den verbreitetsten Fangmethoden der europäischen Tiefseeflotte. Ein Großteil der umweltschädigenden Fischereien wird auf den Kontinentalhängen und an Seebergen in Tiefen zwischen 200 und 1000 Metern betrieben. Gerade hier finden sich ökologisch wertvolle Kaltwasserkorallenriffe und -gärten und andere empfindliche Lebensräume wie Formationen von Tiefseeschwämmen.

Auch wenn die Verordnung einige gute Regelungen vorschlägt und das Votum der EU-Parlamentarier mit 342 zu 326 Stimmen zum Verbot des Einsatzes von Grundschleppnetzen denkbar knapp war, hat heute die Vision einer umfassenden, nachhaltigen Fischereipolitik laut WWF eine herbe Niederlage erfahren. Die Entscheidung des Ministerrates zur Tiefseefischerei steht bislang noch aus. WWF Experte Stephan Lutter, Meeresschutzexperte sieht hier aber wenig Hoffnung für einen Kurswechsel. „Bisher haben sich die Fischereiminister nicht für den Schutz der Tiefsee stark gemacht.“

Auch der Gesetzgebungsprozess zur Reform der europäischen Fischereipolitik wurde heute durch die finale Zustimmung des Parlaments formell beendet. Wie wirksam diese für eine nachhaltige Fischerei sorgt, wird sich bei der jetzt anstehenden Umsetzung zeigen müssen.

Weitere Informationen:
Britta König, Pressestelle WWF, Tel.: 040-530 200 318, britta.koenig@wwf.de
Stephan Lutter, WWF-Meeresschutzexperte, Tel: 0151 1885 4925

Petition: Beenden Sie die Zerstörung der Tiefsee

Beenden Sie die Zerstörung der Tiefsee

PETITION ZUM SCHUTZ DER TIEFSEE:
https://secure.avaaz.org/de/petition/Leaders_of_the_European_Parliament_Stop_the_industrial_destruction_of_the_deep_ocean/

Weshalb dies wichtig ist:

Riesige Netze, die alles auf ihrem Weg zerdrücken, vernichten systematisch viele unglaubliche Lebewesen welche die Tiefsee bevölkern.

In wenigen Tagen stimmte das Europäische Parlament über den Schutz dieser einzigartigen Tiefseelebensräume ab – und die Politikern brauchen dafür hier und jetzt unsere Unterstützung.
Besonders Frankreich ist daran interessiert die Einstellung der schädlichsten Fanggeräte im Nordostatlantik zu verhindern, und die Mitglieder des Europäischen Parlaments brauchen die Unterstützung der Öffentlichkeit um diesem Druck zu widerstehen.

Zusammen können wir sicherstellen dass dieses empfindliche Ökosystem geschützt wird. Lassen Sie uns den Parlamentariern die Unterstützung geben die sie brauchen.

Am 10. Dezember werden die Parlamentarier für eine Einstellung der destruktivsten Fangmethoden in der Tiefsee im Nordostatlantik stimmen können.

Die Tiefsee ist der größte Lebensraum auf unserer Erde. Es gibt eine unglaubliche Vielzahl und Vielfalt von einzigartigen Lebewesen, darunter z.B. Schwämme und Korallen welche tausende von Jahren alt werden können.
Sie werden allerdings von Tiefseegrundschleppnetzen zerstört, welche riesige beschwerte Netze und bis zu zwei Tonnen schwere Stahlplatten und Kabel über den Meeresboden ziehen, nur um einige wenige Fische von geringem Wert zu fangen. Das ist vergleichbar damit als würde man einen Wald fällen um ein paar Eichhörnchen zu fangen!
Mehr als 300 Wissenschaftler haben sich schon klar dagegen ausgesprochen diese sinnlose und teure Vernichtung zu beenden, welche durch Steuergelder subventioniert wird. Habgierige Fischereifirmen haben jedoch politische Unterstützung gesammelt gegen diese Anstrengungen, und nun sagen einige Parlamentarier dass sie ohne die Unterstützung der Öffentlichkeit diese Abstimmung verlieren könnten.

Lassen Sie uns ihnen diese Unterstützung vor der Abstimmung zukommen. Zusammen können wir sicherstellen dass einer der weltweit reichhaltigsten Lebensräume geschützt wird. 
Unterzeichnen Sie die Petition jetzt und teilen Sie sie mit anderen.
Die Avaaz Gemeinschaft hat es schon früher geschafft Geschichte zu schreiben als 180.000 Mitglieder an ihre Parlamentarier geschrieben haben um die Überfischung europäischer Meere zu beenden.

Diese Abstimmung wurde damals mit großer Mehrheit gewonnen. Dasselbe kann auch jetzt erreicht werden um die Tiefsee zu retten – bevor es zu spät ist.

Diese Petition wurde von der Bloom Association (http://www.bloomassociation.org/en/) und Fishlove (www.fishlove.co.uk) erstellt.

Wir fordern Sie auf für eine Einstellung der destruktivsten Fangmethoden im Nordostatlantik zu sorgen, besonders von Tiefseebodenschleppnetzen, und hoffen dass die Mitglieder Ihrer Gruppe für den dringend benötigten Schutz gefährdeter Tiefseearten und Ökosystemen stimmen. Dies ist ihr Vermächtnis. Bitte stellen Sie sicher dass diese Maßnahmen verabschiedet werden, und schützen Sie damit eines der biologisch empfindlichsten und auch reichhaltigsten Ökosysteme unseres Planeten bevor es zu spät ist.

PETITION ZUM SCHUTZ DER TIEFSEE:

https://secure.avaaz.org/de/petition/Leaders_of_the_European_Parliament_Stop_the_industrial_destruction_of_the_deep_ocean/

LET’S END THE DESTRUCTION OF THE DEEP OCEAN!

LET’S END THE DESTRUCTION OF THE DEEP OCEAN!

PROTECT THE OCEAN’s DEPTHS

2013 is a crucial year for the protection of the deep sea: the European Commission has proposed a ban on bottom trawling, a practice described by scientists as the most destructive in history: huge weighted nets scrape the seabed at up to 1800 meters of depth and devastate ecosystems that are thousands of years old, while catching vulnerable species, some of which are endangered, in the process.

In France, less than 10 vessels are involved in deep-sea bottom trawling. Six of them belong to the fleet of the retailer giant Intermarché. Despite receiving millions of euros in subsidies, these industrial vessels are in chronic deficit. Bottom trawling is a financial black hole that would not exist without our tax money.
The fishing industry lobbies put pressure on Member States of the European Union and Members of the European Parliament to avoid the prohibition of this fishing method, whose underperforming and subsidy dependent business model belongs to the past. Lobbies are leaning on France in particular to try and derail the EU Regulation.

Citizen mobilization can counteract the power of lobbies: help us eliminate this destructive practice by ensuring that our elected officials and diplomats rise again to the dignity of their office, by receiving clear and ambitious guidelines from the President of the Republic.

Sign to end this economic and ecological nonsense.
http://petition.bloomassociation.org/stop-the-destruction-of-deep-sea/

Deep-sea Baton Passes to Full European Parliament

Deep-sea Baton Passes to Full European Parliament

Fisheries Committee Fails to Remove Threat

November 4th 2013: A proposal for a new European Union regulation to protect the deep sea from overfishing and destructive fishing practices in the north-east Atlantic survived the long awaited vote in the European Parliament’s Fisheries Committee today as the 25 members of the committee voted on a series of amendments, resulting in both potential gains and losses for the ocean.

Although the committee voted for several measures that would help to protect deep-sea ecosystems such as corals, sponges, and seamounts, it rejected a proposal from the European Commission to phase-out deep-sea bottom trawling and bottom gillnetting, fishing methods widely recognised as posing a particular threat to deep-sea species and ecosystems. The proposal adopted today will now go to the plenary ofthe European Parliament for a vote currently scheduled for December 2013.

“While some important measures were accepted, others were rejected and the final proposal adopted by the Fisheries Committee is not sufficient to provide the protection required for the deep sea. Now we must rely on the plenary of the Parliament to champion the conservation of the deep ocean’ said Matthew Gianni, policy advisor to the Deep Sea Conservation Coalition and The Pew Charitable Trusts.

The proposal adopted by the Fisheries Committee includes requirements to somewhat strengthen the scientific basis forsetting quotas for deep-sea species and reduce bycatch of vulnerable deep sea species. The committee also adopted proposals to provide protection for vulnerable deep-sea marine ecosystems. These measures include, for example, requiring environmental impact assessments of deep-sea fisheries and closure to bottom fishing of areas where such ecosystems are known or likely to occur. However, a majority of the members of the European Parliament on the committee supported the Scottish, French, and Spanish deep-sea trawl fleet interestsand voted against a phase-out of the most destructive deep-sea fishing practices—bottom trawling and bottom gillnet fishing. Moreover, the proposal adopted would create loopholes allowing continued depletion of vulnerable deep-sea species.

Progress in the Fisheries Committee had been hampered by continuous delays and an aggressive campaign bythe deep-sea trawling industry. This hindrance stands in stark contrast to the Environment Committee of the European Parliament, which in March voted overwhelmingly (58-1) for a regulation that would phase-out deep-sea bottom trawling and bottom gillnet fishing and set strict limits on the catch and bycatch of deep-sea species.

“It’s now up to the 766 members of the European Parliament to represent the broader opinion of all European citizens” said Gianni. “We all have a stake in a healthy, biologically rich, and productive deep sea and the benefits it supplies to the planet. Conserving it will be a great legacy.”

The deep ocean is one of the largest, most biologically diverse areas of the Earth. Deep-sea species and ecosystems are slow growing, much more easily overexploited than shallow-water species, highly susceptible to damage,and slow to recover from the damage caused by bottom trawling.

Notes to Editors:
The European Commission released the proposal (COM[2012]371) for a new deep-sea fisheries regulation in July 2012.

The European Parliament plenary vote is currently scheduled for Dec. 10th2013, although this is subject to change. The European Council of Fisheries Ministers from the 28 European Union member States also needs to agree to a new regulation for it to become law; however, negotiations in council have not yet begun, in part because of opposition from France.

Many scientists, marine conservation organizations, and a growing number of small-scale fishers have made their opposition to destructive deep-sea fishing well known http://www.savethehighseas.org/EU/declaration.cfm

The recently agreed upon basic regulation of the Common Fisheries Policy requires, among other measures, establishing science-based catch limits, applying the precautionary approach when science is inconclusive, minimising bycatch, and protecting vulnerable marine species and habitats. The current negotiation for a new deep-sea fisheries regulation provides an opportunity to ensure that such principles are effectively implemented, as well as carry out the European Union’s obligations under U.N. General Assembly resolutions on deep-sea fisheries.

The Deep Sea Conservation Coalition was founded in 2004 to address the issue of bottom trawling on the high seas in the absence of an effective governance regime. The coalition is made up of over 70 nongovernmental organisations, fishers’ organisations, and law and policy institutes, committed to protecting the deep sea: http://www.savethehighseas.org/EU/

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