Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

Schutz für die Hohe See

Zeitungsausschnitt Artikel Schutz für die Hohe See mit Bild eines Korallenriffs und der Unterschrift Das Ökosystem Meer ist höchst empfindlich

© Forum Umwelt und Entwicklung / Blaue Flosse auf flickr.de

Der Artikel „Schutz für die Hohe See. Ein Abkommen für die letzte Allmende Ozeane“ von Dr. Onno Groß, Vorsitzender der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE, erschien zuvor  im RUNDBRIEF Forum Umwelt & Entwicklung 2/ 2016.

Zwei Drittel der Erde ist mit Meeren bedeckt. Sie liefern der Menschheit den zum Leben wichtigen Sauerstoff, sind Nahrungsquelle für Milliarden Menschen und funktionieren im Klimawandel als Wärmespeicher und Senke für CO2. Trotz ihrer Größe bedrohen wirtschaftliche Aktivitäten jedoch zunehmend die biologische Vielfalt und Funktionalität der Ozeane. Vor allem außerhalb nationaler Hoheitsgebiete sind die Lebensräume nicht geschützt. Daher feilt der internationale Meeresschutz an einem neuen Instrument, einem Schutzabkommen für die Hohe See. Nach dem ersten Treffen bleiben viele Fragen politisch offen.

Unser blauer Planet ist ein Planet des Wassers. 97 Prozent davon beherbergen die Meere mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Kubikkilometern. Diese unvorstellbare Größe schmilzt jedoch angesichts einer mit 7 Milliarden Menschen bevölkerten Erde: Dann bleibt rechnerisch auf jeden Menschen nur ein Fünftel Kubikmeter Weltmeer übrig. Und dieser Teil soll jeden Einzelnen mit dem überlebenswichtigen Sauerstoff, mit Nahrung, Rohstoffen und Klimaleistungen versorgen. Für das 21. Jahrhundert gilt es daher, diese letzte Allmende – die Meere als Kollektivgut der Menschheit – dringend zu bewahren.

Die Hohe See, die Region außerhalb nationaler Hoheitsgewässer, hat wie der Mond oder die Antarktis keinen Besitzer. So zumindest sieht es das Internationale Seerechtsübereinkommen, die „Verfassung der Meere“, seit dem Inkrafttreten 1994 vor. Allerdings konnte dieses damals in 9 Jahren erarbeitete Völkerrecht nicht die Verantwortung für alle Ressourcen und den Schutz der Meere definieren. Einzig für die mineralischen Ressourcen wurde mit der Einrichtung der Meeresbodenbergbaubehörde ein Instrument geschaffen. Und für die Abgrenzung der Staatsgebiete soll eine umstrittene wissenschaftliche Festlandsockelgrenzkommission sorgen.

Aber sogar wenn Küstenstaaten im Kolonialstil ihre Grenzen unter Wasser weit in die Meere verlagern, bleiben noch etwa 45 Prozent der Fläche Niemandsland. Dieser Teil des Weltmeers gehört allen und muss von allen Staaten gemeinsam verwaltet werden. Doch völkerrechtlich gesehen fehlt dazu eine Vorgabe. Erst nach der Rio+10-Konferenz 2002 gründete sich eine Arbeitsgruppe, um Instrumente für den Schutz der biologischen Vielfalt auf der Hohen See voranzubringen. Nach zehnjähriger Beratung und weiterem öffentlichen Druck beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen 2015 den Startschuss für die Erarbeitung eines Durchführungsübereinkommens zur „Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Meeresvielfalt in Gebieten außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeit“. Im April 2016 trafen sich 83 Staaten in New York und diskutierten in einem Vorbereitungstreffen (PrepCom1) die ersten Schritte.

Erster Abgleich von Grundsatzfragen

Die PrepCom1 war naturgemäß geprägt von allgemeinen, nationalen Statements und bemühte sich, die vorher verhandelten Grundsätze nicht anzufechten. Allerdings zeigte sich erneut, wie viele komplexe Fragestellungen solch ein internationales Regelwerk beantworten muss. Das fängt bei der Diskussion um Begriffe an und geht über die Einbeziehung der Fischerei, die Einbindung von bisher existierenden Rechtsinstrumenten oder die gerechte Einbeziehung der Entwicklungsländer weiter. Der Zugang zu marin-genetischen Ressourcen beispielsweise bedarf grundlegender Kompromisse, damit die verschiedenen Positionen zwischen den Ländern des Globalen Nordens und Südens auch einbezogen werden.

Der Markt von biotechnologischen Produkten wie Pharmazeutika, Kosmetik, Genpatenten usw. aus den Weltmeeren soll im Jahr 2018 auf bis zu 5 Milliarden Dollar wachsen und muss daher gerecht auf alle Länder aufgeteilt werden. Die Industrienationen, vor allem die USA oder Japan, betonen aber, dass die grundlegende Idee der Freiheit der Hohen See gilt und sie das Recht haben, diese Ressourcen zu „ernten“. Andere Staaten, vor allem die G77 (Gruppe der 77), wollen den Gedanken des Welterbes im Vordergrund sehen. Eine Lösung wäre die Übernahme von Regeln anderer Konventionen wie aus dem Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Landwirtschaft und Ernährung oder aus dem Nagoya-Protokoll der Biodiversitätskonvention (CBD).

Erhalt durch Schutzgebiete

Derzeit sind noch weniger als 2 Prozent der Weltmeere geschützt und weniger als 1 Prozent der Ozeane für den Fischfang geschlossen. Andererseits findet überall die Industrialisierung des Meeresraums statt. Und ob der Meeresbergbau nach Phosphat, Diamanten oder Sand und Kies, die Öl- und Gasförderung oder die Schifffahrt, bei allen gilt: Alle Nutzungen dringen weiter in die internationalen Gewässer vor und hinterlassen kumulative Schadeffekte für die Meeresbewohner. Ein neues internationales Abkommen muss daher Verfahren zur Identifizierung, Verwaltung und Überwachung der empfindlichen Ökosysteme in der Tiefsee schaffen. Sogenannte gebietsbezogene Managementmaßnahmen „Area Based Management Tools“ für den Erhalt wichtiger Schutzziele, Meeresschutzgebiete und eine Meeresraumplanung, so das Mandat der Tagung, müssen die Lösung gegen die Zerstörung heißen.

Doch auch hier ergeben sich wieder zahlreiche Detailfragen: Was ist, wenn ein Schutzgebiet in einem erst später durch die Festlandsockelkommission zugewiesenem Staatsgebiet liegen wird? Was sind die notwendigen Instrumente für die Überwachung der Meeresparks und wer soll zuständig sein? Ganz zu schweigen von den Fischereistaaten wie Russland oder Korea, die eine Nullnutzung der Fischressourcen gar nicht erst enthalten haben möchten. Auch hier hält das Umweltrecht in den letzten Jahrzehnten Instrumente bereit, die auf die Meere übertragen werden können, z. B. die Diskussionen über die ökologisch oder biologisch bedeutsamen Meeresgebiete (Ecological or Biological Significant Areas – EBSAs), der Konvention zur biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD), die VMEs (Vulnerable Marine Ecosystems – empfindliche marine Ökosysteme), der Richtlinie zur Tiefseefischerei der Welternährungsorganisation (FAO) oder die „Nullnutzungszonen“ beim Meeresbergbau.

Schutzgebiete sind wirksam. Daneben gilt es, die maritimen Aktivitäten im Vorfeld durch Umweltverträglichkeitsprüfungen auf ihre Auswirkungen hin abzuklopfen. Jeder menschliche Eingriff muss vorher kalkuliert werden, ein wissenschaftliches Monitoring erfolgen und hohe Standards gesetzt werden. Eine strategische Folgeabschätzung ist generell wichtig, da in Zukunft noch weitere unbekannte Nutzungen wie das Geo-Engineering, also technische Maßnahmen beim Klimaschutz, oder die Aquakultur auf die offenen Ozeane zukommen könnten. Auch hier gilt es, die Querverbindungen zur CBD und die Menge an Vorarbeiten weiter zu sortieren.

Abgesehen von einigen Saaten, die vor zu viel Bürokratie warnen, folgen die meisten Staaten diesem Vorgehen. Hier hat die Wissenschaft einen großen Einfluss und für die G77-Gruppe könnte eine eigene Behörde zur Bündelung der Daten in Frage kommen.

Partizipation und Ausgleich

Der Meeresboden und die mineralischen Ressourcen sind das gemeinsame Erbe der Menschheit. Im Annex XI des Seerechtsübereinkommens SRÜ wurde mit der Meeresbergbaubehörde ein Instrument zur fairen Verteilung der Vorteile für die mineralischen Güter geschaffen. Im Falle der Exploration und eines Abbaus soll es zum Austausch an Wissen kommen und die Saaten sind verpflichtet, Daten zu teilen und WissenschaftlerInnen bei ihren Explorationsfahrten zu den Rohstoffgebieten mitzunehmen. Dies könnte ein Modell sein für das Kapitel der Beteiligung der Entwicklungsländer und wurde in New York dementsprechend gewürdigt. Auch hier gilt es den Anteil der Mitbeteiligung zukünftig zu sichern und den Technologietransfer ausgewogen zu vertreten. Gerade der letzte Punkt war für die Entwicklungsländer wichtig, um auf die Dringlichkeit gerechter Verteilung hinzuweisen. Denn solange das ökonomische Ungleichgewicht vorhanden bleibt, so die Befürchtung, spiegelt sich das auch in der zukünftigen Ausformulierung des Abkommens wieder.

Die Prepcom1 wurde im Fazit für seine Sachlichkeit hochgelobt. Der Stein sei endlich ins Rollen gekommen. Der Vorsitzende des Vorbereitungskomitees und UN-Gesandte (UN – United Nations – Vereinte Nationen) des karibischen Inselstaates Trinidad und Tobago, Eden Charles, versicherte, das neue Abkommen werde die existierenden Regelwerke zu Fischerei und Bergbau nicht unterminieren, sondern erweitern. Auch die hart erkämpfte Beteiligung der Nichtregierungsorganisationen wurde positiv erlebt. Nun bleibt es abzuwarten, wie viel Mut sich im Fortschrittsbericht bis zum Ende 2017 und welche Ideen in der Ministerkonferenz wiederfinden lassen.

Deutschland ist seit Langem eng an der Ausgestaltung interessiert und hat auch durch die G7–Erklärungen (G7 – Gruppe der 7) die Meeresschutzpolitik gestärkt. Mit der winzig kleinen Meeresbodenbehörde existiert zwar bereits eine Art Institution, aber nur für alle „festen, flüssigen oder gasförmigen mineralische Ressourcen in situ“. Die Rechtslücken zum Schutz hinsichtlich der Millionen biologischer Arten und Ökosysteme gilt es besser zu schließen. Angesichts der Bedeutung der Meere für das Überleben der Menschheit kann nur eine große UN-Ozeanbehörde die angemessene Antwort sein.

 

Literatur & Links:

Agreement on Conservation and Sustainable Use of Marine Biological Diversity of Areas Beyond National Jurisdiction „In its resolution 69/292 of 19 June 2015, the General Assembly decided to develop an international legally binding instrument under the United Nations Convention on the Law of the Sea (UNCLOS) on the conservation and sustainable use of marine biological diversity of areas beyond national jurisdiction.

Prepcom1-Kongressbericht vom ISSD

Welt im Wandel: Menschheitserbe Meer. Hauptgutachten 2013. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU, Berlin.

Marine Genetic Resources and Bioprospecting in the Western Indian Ocean. 2015. In: Regional State of the Coast Report. Western Indian Ocean.  Marine Genetic Resources and Bioprospecting in the Western Indian Ocean Rachel Wynberg

 

Tiefseebergbau: Forscher fordern mehr Schutzgebiete

Photo of Keratoisis flexibilis, at 2,444 feet, by Brooke et al, NOAA 2005

Wissenschaftler aus Kiel und Bremen informieren Internationale Meeresbodenbehörde

In den vergangenen zwei Wochen diskutierten Vertragspartner der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Kingston (Jamaika) Regeln für einen möglichen Bergbau in der Tiefsee. Wissenschaftler des am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordinierten Projekts „JPIO MiningImpact“ stellten dabei Forschungsergebnisse von mehreren Expeditionen zu den Manganknollenfeldern im Pazifik vor. Basierend auf ihren Erkenntnissen empfehlen sie mehr Schutzgebiete und eine gute Überwachung möglicher industrieller Aktivitäten am Meeresboden. mehr lesen…

Ein Jahr allein in der arktischen Tiefsee

Der AWI-Tiefseeroboter Tramper nimmt während seines ersten Arbeitseinsatzes im Meer ein Foto von der Messstelle auf.

 

Erster Langzeiteinsatz des AWI-Unterwasserroboters Tramper vom Forschungsschiff Polarstern gestartet

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EU zieht ersten Schlussstrich unter Grundschleppnetzfischerei in der Tiefsee

Ausführliche Infografik zur Ausbeutung der Tiefsee durch Fischerei im Nordostatlantik mit Verbildlichung des historischen Kontextes, fragilen Arten, europäischem Managment, dem Anteil an der Gesamtfischerei, Ergebnisse von schlechtem Managment, Auswirkung auf Ökosysteme, neue vorgschlagene Regulation und weiteren Vorschlägen

© Oceana

Zur vollständigen Infografik

BRÜSSEL— Umweltschutzorganisationen begrüßen die am 30. Juni vom Europäischen Parlament, dem Ministerrat und der Europäischen Kommission erzielte Einigung über zentrale Bestandteile einer neuen EU-Verordnung zur Tiefseefischerei. Diese sieht unter anderem ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei in einer Tiefe von mehr als 800 Metern und eine Schließung von Gebieten, in denen empfindliche Meeresökosysteme vermutet werden, vor.

Erzielt wurde die Einigung vier Jahre nachdem die Kommission einen Vorschlag für eine neue Verordnung zur Tiefseefischerei im Nordostatlantik vorgelegt hat, und zweieinhalb Jahre nachdem das EU-Parlament sich für eine Annahme des Vorschlags ausgesprochen hat. Im November hatte Luxemburg, das im zweiten Halbjahr 2015 die EU-Ratspräsidentschaft innehatte, vom Rat der 28 EU-Fischereiminister den Auftrag erhalten, hierüber mit dem Parlament und der Kommission in Verhandlungen zu treten. Unter Leitung der Niederlande, die die Präsidentschaft im Januar übernahmen, wurden diese Gespräche nun zum Abschluss gebracht.

„Mit dieser Vereinbarung ist die EU dem Ziel, ihre gegenüber der UN-Generalversammlung gemachten Zusagen einzulösen und den Schutz der Tiefseeökosysteme in den Gewässern der EU voranzubringen, ein gutes Stück nähergekommen“, so Matthew Gianni von der Deep Sea Conservation Coalition. „Wir fordern nun, dass unmittelbar im Anschluss an die offizielle Verabschiedung der Verordnung mit ihrer konsequenten Umsetzung begonnen wird und appellieren an die EU, auch in Zukunft mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um den Schutz der Tiefseeökosysteme in internationalen Gewässern zu verbessern und Fänge und Beifänge der Tiefseefischerei im Nordostatlantik auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen zu beschränken.“

„Hunderte Wissenschaftler und Hunderttausende EU-Bürger haben darauf gedrungen, die destruktive Grundschleppnetzfischerei in der Tiefsee zu begrenzen“, erläutert Uta Bellion, Direktorin des Europäischen Meeresprogramms von The Pew Charitable Trusts. „Wir begrüßen die Entscheidung des Rates und des Parlaments, diesem Aufruf zu folgen, wir danken der Kommission für ihre Bemühungen um den Schutz der Tiefsee, und wir gratulieren sowohl der luxemburgischen als auch der niederländischen Ratspräsidentschaft zum Abschluss der vorliegenden Vereinbarung.“

Es wird erwartet, dass die vereinbarte Verordnung im weiteren Verlauf des Jahres vom Europäischen Parlament und dem Rat offiziell verabschiedet wird.

EU Decision-Makers Draw a Line Under Deep-Sea Bottom Trawling

30 June 2016

BRUSSELS—Conservation organisations are welcoming the agreement reached on 30 June by the European Parliament, Council of Ministers, and European Commission on key provisions for a new European Union (EU) regulation on deep-sea fishing that includes a ban on bottom trawling below 800 metres and would close areas where vulnerable marine ecosystems are known or likely to occur.

The agreement comes four years after the Commission published a proposal for a new regulation on deep-sea fishing in the north-east Atlantic Ocean and two and a half years since the Parliament agreed to its position. Luxembourg, which held the rotating EU presidency for the second half of 2015, received a mandate from the Council of the EU’s 28 fisheries ministers in November to commence negotiations with the Parliament and Commission. Those discussions were concluded under The Netherlands, which assumed the presidency in January.

“This agreement goes a good way towards meeting the commitments made by the EU at the U.N. General Assembly and applying them to protect deep-sea ecosystems in EU waters,” said Matthew Gianni of the Deep Sea Conservation Coalition. “We urge vigorous implementation of the regulation once it is formally adopted and encourage the EU to continue working with other countries to enhance the protection of deep-sea ecosystems in international waters and to set science-based catch and bycatch limits for deep-sea fisheries in the north-east Atlantic.”

“Hundreds of scientists and hundreds of thousands of EU citizens called for limits to destructive deep-sea bottom trawling,” said Uta Bellion, director of The Pew Charitable Trusts’ European marine programme. “We welcome the decision by the Council and Parliament to heed this call, thank the Commission for its focus on deep-sea conservation, and congratulate the Luxembourg and Netherlands presidencies for securing this agreement.”

The European Parliament and Council are expected to adopt the final regulation later this year.

 

Schützt die Tiefsee – Rettet Casper

Der kleine „Geister-Oktopus“ Casper wurde von amerikanischen Wissenschaftlern vor der Küste Hawaiis in einer Tiefe von 4.000 Metern entdeckt. Er ist ein bisher noch unbekanntes Wesen für die Meeresforscher.

Dies zeigt, wie wenig wir Menschen eigentlich über die Tiefsee wissen. Wir sollten daran denken, dass es auch jenseits der uns sichtbaren Unterwasserwelt vielfältiges Leben gibt und bei jeder Berührung mit dem Ökosystem „Meer“ darauf achten, all seine Bewohner, auch die der Tiefsee, in Frieden leben zu lassen und sie so gut es geht vor Eingriffen zu schützen.

Hier unsere Factsheets zum Thema „Tiefsee“:

Da sein Äußeres an das des Gespenstes Casper aus dem gleichnamigen Film von 1995 erinnert, wurde der Oktopus nach ihm benannt.

https://en.wikipedia.org/wiki/Casper_the_Friendly_Ghost_in_film

https://en.wikipedia.org/wiki/Casper_the_Friendly_Ghost_in_film

 

Und so sieht der Casper der Tiefsee aus:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=6rWHuwWJv3c

 

Wenn ihr mehr über Casper erfahren wollt, helfen euch die folgenden Links sicher weiter:

http://www.geo.de/GEO/natur/tierwelt/hawaii-forscher-entdecken-raetselhaften-geister-oktopus-82766.html

http://oceanexplorer.noaa.gov/okeanos/explorations/ex1603/logs/mar2/mar2.html

Lophelia-Korallen der Tiefsee bilden Geschwisterriffe

 

Riff-Baumeister mit Sinn für Harmonie

Kaltwasserkorallen verbinden sich über Verwandtschaftsgrenzen hinweg

Kaltwasserkorallen der Spezies Lophelia pertusa sind in der Lage, Skelett-Verbindungen mit genetisch fremden Artgenossen einzugehen. Auf Fahrten mit dem am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel stationierten Tauchboot JAGO entdeckten Wissenschaftler aus Schottland und Deutschland vor der Norwegischen Küste erstmals verschiedenfarbige Korallenzweige, die nahtlos zusammengewachsen waren. In ihrer Veröffentlichung in den „Scientific Reports“ erklären die Forscher, wie die Fähigkeit zur Verschmelzung die Stabilität der Korallenriffe unterstützt und somit zum Erfolg der Korallen als Riff-Baumeister der Tiefsee beiträgt.

Sie leben in den kalten, dunklen Tiefen der Meere, sind häufig starken Strömungen ausgesetzt und liefern eine stabile Basis für artenreiche und farbenfrohe Ökosysteme: Steinkorallen der Art Lophelia pertusa gelten als hervorragende Riff-Baumeister. Nach den neuesten Erkenntnissen von Forschern der Heriot-Watt Universität Edinburgh, des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Universität Glasgow und des United States Geological Survey verbinden sogar genetisch unterschiedliche Individuen ihre Skelette miteinander. Erste Beobachtungen hierzu machten die Wissenschaftler auf einer Expedition mit dem Tauchboot JAGO und dem Forschungsschiff POSEIDON vor der Küste Mittelnorwegens im September 2011. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in den „Scientific Reports“.

„Auf unseren Tauchgängen mit JAGO fanden wir Riffe, in denen der orangefarbene und der weiße Typ der Koralle miteinander verschmolzen zu sein schienen“, berichtet Dr. Sebastian Hennige von der Heriot-Watt Universität Edinburgh. „Dieser Anblick fiel mir sofort auf, und wir haben direkt einige Proben für genetische Tests und Skelett-Analysen genommen. Damit konnten wir später beweisen, dass sich tatsächlich Individuen einer Art verbunden hatten, die keine Geschwister sind.“ Aufgrund seiner Erkenntnisse geht Hennige davon aus, dass Lophelia pertusa Vertreter ihrer Art über Verwandtschaftsgrenzen hinweg erkennt.

Bis jetzt wurde angenommen, dass die ausgedehnten Riffe von Geschwistern gebildet wurden. Sie sind jedoch ein Ergebnis der Fusion von genetisch unterschiedlichen Individuen – als ob zwei Menschen, die nah beieinander sitzen, ihre Skelette miteinander verbinden. Diese Fähigkeit unterscheidet Lophelia pertusa stark von tropischen Korallen. Tropische Riffe werden von Kalkalgen zusammengehalten, die die Kruste abgestorbener Zweige bevölkern. Diese Algen sind auf Tageslicht angewiesen. „Kaltwasserkorallen, die ihre Riffe ausschließlich im Dunkeln errichten, können nicht auf eine solche Unterstützung bauen. Sie scheinen aber einen anderen Weg gefunden zu haben, um Stabilität herzustellen,“ erläutert Dr. Armin Form, Meeresbiologe am GEOMAR und Co-Autor der Veröffentlichung. „Entweder die Korallen verschmelzen tatsächlich zu einem gemeinsamen Stock, oder ein Zweig überwächst den anderen, ohne dass der Partner dabei Schaden nimmt.“ Tropische Steinkorallen verhalten sich gegenüber ihren Nachbarn meistens deutlich aggressiver: Sie setzen chemische Stoffe frei, um Kontakt zu anderen Korallen zu verhindern. „Dieses Abwehrverhalten kostet allerdings viel Energie, die dann nicht mehr für andere Funktionen zur Verfügung steht“, so Dr. Form.

„Unsere Entdeckung zeigt nicht nur, wie viel wir noch über die Ökosysteme der Tiefsee zu lernen haben. Sie belegt auch, wie wichtig der technologische Fortschritt ist“, betont Murray Roberts, Professor an der Heriot-Watt Universität Edinburgh. „Die Chance, die Riffe selbst mit dem Tauchboot JAGO zu erkunden, hat uns ganz neue Einblicke beschert und geholfen, die kostbaren Proben direkt mit aufs Schiff und weiter in unsere Labore zu bringen.“

Lophelia pertusa hat im Laufe der Evolution Eigenschaften herausgebildet, mit deren Hilfe sich Energie sparen und die Stabilität im Riff stärken lässt. „Angesichts dieser Flexibilität hoffen wir, dass sie auch mit zukünftigen klimatischen Veränderungen zurechtkommt. Allerdings läuft der globale Wandel derartig schnell ab, dass es fraglich bleibt, ob die Korallen Schritt halten können“, sagt Dr. Armin Form.

Originalveröffentlichung:
Hennige, S.J., Morrison, C. L., Form, A. U., Büscher, J., Kamenos, N. A. and Roberts, J.M., 2014: Self-recognition in corals facilitates deep-sea habitat engineering. Sci. Rep. 4, 6782, doi:10.1038/srep06782.

http://www.geomar.de/index.php?id=4&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2141&tx_ttnews[backPid]=185

SCINEXX-Dossier: Bergbau in der Tiefsee

Bergbau in der Tiefsee
Welche Folgen hat die Jagd nach Rohstoffen in der Meerestiefe?

Gold, Kupfer, Seltene Erden und andere wertvolle Rohstoffe – sie alle lagern in großen Mengen am Grund der Meere. Doch der Abbau dieser begehrten Schätze der Tiefsee ist technisch schwierig – und ökologisch riskant. Bevor der große Run auf die Rohstoffe losgeht, versuchen Forscher daher so viel wie möglich über die möglichen Folgen und Risiken herauszufinden.
….

Link zum Dossier mit Stand 10.10.2014: http://www.scinexx.de/newsletter-dossier-695-1.html

EU Study on deep sea mining

Seamounts, guyots, and oceanic plateaus important for the formation of polymetallic crust (based on morphological features identified by GRID Arendal; Harris et al., 2014)

Study on deep sea mining

This report gives an overview on the current and latest state of knowledge of deep-sea mining, with a focus on the potential from a geological perspective, the relevant technologies, the economic viability, environmental implications, the legal regime under which seabed mining operates, and an inventory of ongoing exploration and exploitation projects.

The report is based on an extensive desk-based research, literature review, interviews with stakeholders and expert workshops. We would like to express our sincere thanks to all who have contributed to this study. The study is not aimed to produce new knowledge or innovations but rather to bring together all available information and data currently present on the matter.

The main report presents the overall findings in a coherent storyline. Detailed information on the various aspects of deep-sea mining as well as more detailed description of underlying data and figures is presented in of the annexes attached.

It should be noted that this study has been carried out by an independent team of consultants and researchers and that the report represents the views of the consultant, which do not necessarily coincide with those of the Commission.

To read the Report:
https://webgate.ec.europa.eu/maritimeforum/en/community/articles/3617

PROTECT THE OCEAN’S DEPTHS

DIE TIEFSEE MUSS GESCHÜTZT WERDEN

2013/2014 ist ein ausschlaggebendes Jahr für den Schutz der Tiefsee: die Europäische Kommission hat den Antrag gestellt, Schleppnetz-Fischen in der Tiefsee zu unterbinden. Es handelt sich um eine Fangmethode, die von Wissenschaftlern als « die zerstörerischste Methode in der Fischereigeschichte » bezeichnet wurde: riesige, mit Gewichten beschwerte Grundschleppnetze werden in Tiefen bis zu 1800 Metern über den Meeresgrund gezogen und richten dabei jahrtausendealte Ökosysteme zugrunde und töten gefährdete Arten, von denen ein Teil vom Aussterben bedroht ist.

Weniger als zehn Schiffe werden in Frankreich für die Schleppnetz-Fischerei in der Tiefsee eingesetzt. Sechs von diesen gehören der Flotte des Einzelhandelskonzern Intermarché an. Trotz staatlicher Unterstützung in Millionenhöhe bringen diese Fabrikschiffe chronisch Verluste ein. Die Grundschleppnetz-Fischerei ist ein finanzielles Fass ohne Boden, das ohne unsere Steuergelder nicht existieren würde.

Die Lobbys der Fischerei-Industrie üben Druck auf die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und die Abgeordneten des Europäischen Parlaments aus, um ein Verbot dieser Fangmethode zu verhindern, dessen der Vergangenheit angehörendes Businessmodel nur Verluste einbringt und abhängig von öffentlichen Fördergeldern ist.Die Lobbys üben insbesondere Druck auf Frankreich aus, um die Verordnung der EU zum Scheitern zu bringen.

Die Mobilisierung der Bevölkerung kann sich dem Druck der Lobbys entgegensetzen: Helfen Sie uns diese zerstörerische Fangmethode zu unterbinden und dafür zu sorgen, dass die von uns gewählten Abgeordneten und Diplomaten der Würde ihres Amtes gerecht werden, wenn sie die klaren und ambitionierten Anweisungen von Seiten des Präsidenten der Französischen Republik empfangen.

Unterschreiben Sie, um diesen wirtschaftlichen und ökologischen Unsinn zu beenden.

http://petition.bloomassociation.org/die-zukunft-der-tiefsee-ist-in-unseren-handen-lassen-sie-uns-handeln/

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