Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Ein Jahr auf Forschungsreise im Eis: der MOSAiC-Podcast

 

Ein Mann läuft auf einer dicken Eisdecke entlang, im Hintergrund ist ein großes Forschungsschiff zu sehen

© Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)

Am 20. September startete die große MOSAiC Expedition in die Arktis, um sich dort mit dem Eisbrecher Polarstern für ein Jahr im Eis einfrieren zu lassen. Viele Forsche:innen sowie Klimaexpert:innen sind an Bord des Forschungsschiffes, um neue Erkenntnisse über den Klimawandel sowie das Polarmeer zu sammeln. Die Arktis gilt als Frühwarnsystem des Klimawandels, denn kein Ort hat sich in den letzten Jahren so dramatisch erwärmt wie sie und das Nordpolarmeer. Unter der Leitung des Atmosphärenforschers Markus Rex und des Alfred-Wegener-Institut stechen die aus 20 Nationen stammenden Forscher:innen in See und werden während der Expedition von anderen Eisbrechern, Helikoptern sowie Flugzeugen versorgt. Die Expedition kann durchgehend online auf der Website des AWI verfolgt werden, sowie bei dem zugehörigen Podcast „Arctic Drift: Das Audiologbuch“ oder dem „Polarsternblog“.

Im Resonator, dem Forschungspodcast, erzählt Markus Rex in einer 50-minütigen Folge ausführlich vor Beginn der Reise über das bevorstehende Forschungsabenteuer.

„Faktenbasiert: Von der Dystopie der Klimakrise und der Utopie des Klimaschutzes“

Im Rahmen der Veranstaltung am IASS (Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung) „Klima trifft Theater: von der Erzählbarkeit der Klimakrise“ hält Antje Boetius, Direktorin des AWI, einen großartigen und sehr aussagekräftigen Vortrag zur Einordnung des Klimageschehens in die Erdgeschichte. Wo stehen wir? Mitten in einem Erdzeitalter mit bereits gekippten Klimapunkten. Wie gehen wir damit um, dass wir selbst mit reinen Fakten Dystopie beschreiben. Wo nehmen wir den Mut her, Utopien zu denken, um handeln zu können?

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ihSs71Thwmc&feature=youtu.be&t=264

Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung auf YouTube

Mehr Informationen zum Thema Klimawandel findet ihr bei uns.

Klimafoscher warnen vor „planetarem Notfallzustand“

Das Bild zeigt viele Eisschollen die auf dem offenen Meer treiben. Bis zum Horizont sind nur die Eisschollen sowie ein paar Wolken zu sehen

© Sebastian Menze/Alfred-Wegener-Institut/dpa

Dass bereits ein kritischer Punkt bezüglich des Klimawandels erreicht ist, lässt sich nicht mehr leugnen. Doch dass dieser schneller voranschreitet als gedacht, bereitet große Sorgen. Wissenschaftler:innen warnen vor sogenannten tipping points, zu deutsch Kipppunkten, welche irreversible Szenarien auslösen. Hierbei spielen Prozesse wie die positive Rückkopplung eine große Rolle, sprich sich selbst verstärkende Abläufe, die Potential zur Kettenreaktion und Kaskadeneffekten haben. Ein Beispiel hierfür ist der verstärkte Albedoeffekt. Die Temperatur steigt an, die Pole schmelzen. Weniger Eis resultiert in weniger Reflexion des Sonnenlichts und verstärkter Absorption der Wärmestrahlung. Die Temperatur steigt zusätzlich an und noch mehr Eis schmilzt. Der Albedoeffekt ist nur einer von vielen Prozessen, die zu Kipppunkten in Ökosystemen führen können. Bedrohte Systeme mit hohem Risiko sind unter anderem die auftauenden Permafrostböden, der von Dürren bedrohte Amazonas, von Bränden betroffene boreale Wälder, die ausbleichenden Korallenriffe und die großflächig abnehmende Eisdecke. Eine „globale Kaskade“ kann durch die voneinander abhängigen tipping points als Folge auftreten, denn der Eisrückgang hängt direkt mit der atlantischen Meeresströmung  sowie dem dadurch veränderten Monsunregen in Afrika zusammen.

Das Bild zeigt eine Weltkarte die angibt an welchen Orten bereits das Risiko für Klipppunkte besteht. Die markierten Orte sind die USA, Brasilien, Grönland, das arktische Meer, der Atlantik, die Antarktis, Nordrussland und Australien. Die Punkte sind mit orangener Farbe markiert.

©nature

Das in den Medien oft erwähnte restliche CO2 Budget von 500 Giga Tonnen ist schnell halbiert, wenn einige Kipppunkte wie das Schmelzen des Permafrosts, der als CO2 Speicher fungiert, ausgelöst werden. Angesichts dessen sprechen Klimaforscher bereits von einem „planetarem Notfallzustand“, der augenblickliches Handeln erfordert.

Den dazugehörigen Artikel findet ihr bei der Der Tagesspiegel sowie beim nature Magazin.

Mehr Informationen zum Klimawandel findet ihr auch bei uns auf der Website.

Arktisflüsse nehmen CO2 besser auf als der Regenwald

Gezeigt werden 2 Forscher in der kanadischen Arktis auf einer Expedition auf Ellesmere Island

© Université Laval, Dermot Antoniades

Kürzlich fanden kanadische Forscher der University of British Columbia überraschend heraus, dass arktische Schmelzwasserflüsse Kohlendioxid in erstaunlichen Mengen speichern können. Dieses Phänomen könnte aufgrund der weltweit schmelzenden Gletscher von enormer Relevanz sein und die Grundlage innovativer Klimaschutzstrategien bieten.

Spiegel Online, 29.10.2019

Es ist ein segensreicher Mechanismus: Längst nicht jedes Molekül des Treibhausgases Kohlendioxid, das bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Öl und Gas frei wird, heizt unsere Erdatmosphäre tatsächlich auf. Ein guter Teil des CO2 löst sich im Wasser der Weltmeere, die dadurch langsam aber sicher immer saurer werden. Ein weiterer Teil wird in Pflanzen und Mooren gespeichert, zumindest so lange diese wachsen, im Kalk von Korallen oder bei der Verwitterung von bestimmten Gesteinen.

Doch während manche dieser Speichermöglichkeiten öffentlich bekannt sind und diskutiert werden, etwa die CO2-Aufnahme durch Bäume und die damit verbundenen Chancen durch gezielte Aufforstung, berichten kanadische Forscher nun über ein bisher nur wenig beachtetes Phänomen: Ein Team um Kyra St. Pierre von der University of British Columbia in Vancouver beschreibt im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ die verblüffend große CO2-Aufnahmefähigkeit arktischer Schmelzwasserströme.

Die Forscher hatten sich unter anderem auf Ellesmere Island im kanadischen Nunavut-Territorium umgesehen. Dort fließen mehrere große Schmelzwasserflüsse von angrenzenden Arktisgletschern in den Lake Hazen. Auch auf Grönland und in den kanadischen Rocky Mountains unternahm die Gruppe Messungen.
Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Flusswasser große Mengen Kohlendioxid aufnimmt. Diese Beobachtung steht im Gegensatz zu Erkenntnissen aus wärmeren Gebieten, wo Ströme durch das darin enthaltene organische Material als Kohlenstoffquellen gelten.
In den arktischen Schmelzwasserflüssen gab es nicht nur deutlich weniger pflanzliche und tierische Lebewesen, bei denen unter anderem die Verrottung CO2 freisetzen konnte, sondern noch einen anderen Faktor: Das Wasser transportierte große Mengen.

[…]

Den kompletten Artikel findet ihr bei Spiegel Online.

Mammutprojekt „MOSAiC“: Ein Jahr festgefroren in der Arktis

Das Bild zeigt sieben Wissenschaftler auf der zugefrorenen Ostsee. Alle tragen Schneeanzüge und entnehmen Eis aus dem Untergrund.

© NDR

Im September diesen Jahres startete eine der spektakulärsten Expeditionen: unter der Leitung des Alfred-Wegner Instituts brechen Wissenschaftler:innen in die Arktis auf, um sich auf dem Forschungsschiff „Polarstern“ einfrieren zu lassen. Ziel der sogenannten MOSAiC (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate) Expedition ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima zu untersuchen. Insgesamt sind etwa 900 Menschen an dem Projekt beteiligt, von denen 600 mit vor Ort sein werden.

05.03.2019, NDR, Autor: Friedrich Leist

Das Eis auf der Ostsee ist fast einen Meter dick, die Temperatur auf minus 17 Grad gefallen – ideale Bedingungen, um vor der finnischen Halbinsel Hailuoto die Eisdicke zu bestimmen.

Die Wissenschaftler schleppen ihre Geräte mit Schlitten auf das Eis. Bohrer, Stative, Messbänder, Sensoren, alles wird ausprobiert. Knapp 30 Polarforscher sind diesmal bei dem Vorbereitungskurs dabei. Jeder Teilnehmer der Polarexpedition muss später alle grundlegenden Messungen beherrschen, sagt Julia Regnery, die das Training leitet: „Falls jemand ausfällt, müssen die anderen einspringen können.“

Im September wollen die Wissenschaftler mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ an einer Eisscholle in der Arktis festmachen. Das Schiff wird dann im Packeis einfrieren. Allein durch die Bewegung des Eises soll die Polarstern bis fast an den Nordpol heran kommen – Transpolardrift, so nennen die Forscher das. Etwa sieben Kilometer pro Tag legt die Polarstern auf diese Weise zurück.

Die Arktis soll genau vermessen werden

Das Schiff dient als Basis, im Umkreis wird ein riesiges Netz von Messstationen aufgebaut, Wetterballons, Tauchroboter und Eisradare.

Die Arktis soll auf der Expedition ganz genau vermessen werden, sagt Natascha Oppelt, Professorin an der Uni Kiel: „Die Arktis ist ein Bereich, der vom Klimawandel ganz besonders betroffen ist.“ Wenn das Eis der Arktis schmelze, werde weniger Sonnenlicht von der Erde wegreflektiert – das wiederum führe dazu, dass die Arktis noch schneller taue.

Bei der Vorbereitung in Finnland haben die Forscher inzwischen Löcher ins Eis gebohrt, mit einem handelsüblichen Akkuschrauber und einem ein Meter langen Bohrer. Statt hochentwickeltem Spezialgerät kommt beim Training in Finnland ein Maßband mit Gewicht zum Einsatz.

So haben die Polarforscher schon vor hundert Jahren die Dicke des Eises bestimmt. Diese Art der Messung sei oft am zuverlässigsten, sagt Oppelt: „Oft greift man dann doch eben auf diese etwas altertümliche Technik zurück, denn ein Zentimetermaß funktioniert immer, weil es keine Batterie braucht.“

[…]

Den vollständigen Artikel findet ihr bei der Tagesschau.
Mehr Informationen gibt es auf der AWI Website.

„Die Natur verschafft sich Gehör“

Das Bild zeigt eine blonde Frau in einer roten Jacke. Dabei handelt es sich um die Meeresbiologin Antje Boetius. Im Hintergrund sind verschiedene Messgeräte sowie ein aufgeklappter schwarzer Laptop zu erkennen.

© Rolfes | AWI

Die Leiterin des Alfred-Wegner-Instituts in Bremerhaven, Antje Boetius, spricht über aktuelle Forschungsprojekte und Expeditionen sowie über die Rolle der Wissenschaft im Kontext Klimawandel und Erderwärmung. Welche Erwartungen können wir an die Politik stellen, wie können wir aktiv werden? Was gegen das Ohnmachtsgefühl tun, wenn wir uns mit scheinbar unlösbaren Problemen wie der Erderwärmung und deren Folgen konfrontiert sehen? Antje Boetius verrät, wie sie möglichem Pessimismus begegnet:

Ich will mich nicht von Angst leiten lassen. Ich gehe lieber raus und mache, was in meiner Kraft liegt. Um den Kopf in den Sand zu stecken, ist es gerade die falsche Zeit. Wir dürfen nicht vergessen: Es gibt politische, soziale und technische Lösungen. Was fehlt, ist der Mut, die Logik, die Experimentierfreudigkeit.

12.09.2019, Weser Kurier, Autor: Nico Schnurr

Frau Boetius, bald startet die bisher größte Arktisexpedition, und Sie sind nicht dabei. Ärgert Sie das?

Antje Boetius: Und wie! Als ich vor drei Jahren in der Arktis war, habe ich noch gedacht, ich könnte bei der Mosaic-Expedition dabei sein. Dann kam der Job als Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts dazwischen, und plötzlich kann ich nicht mehr einfach für einige Monate im Eis verschwinden. Die Arktis ist zu weit weg und der Internetempfang zu begrenzt, um dort Alltagsaufgaben zu erledigen. Ich kann jetzt nur helfen, die Expedition auf den Weg zu bringen.

Warum wollen Sie ausgerechnet an einem der kältesten Orte der Erde versuchen, den Klima­wandel besser zu verstehen?

Die Arktis funktioniert wie ein Frühwarnsystem. Sie erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Während wir immer noch darüber diskutieren, ob wir es schaffen, die globale Erwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters zu begrenzen, taut die Arktis immer schneller.

Was bedeutet das für uns?

Das wollen wir herausfinden. Da sind viele Fragen offen. Raubt unser Lebensstil dem Eisbären und dem Walross ihren Lebensraum? Schaden wir uns selbst, weil der Rückgang des Eises auf Wetter, Winde und Meeresströmungen wirkt?

Die Forscher können die zentrale Arktis nur mit einer Drift erreichen. Ganz planbar ist das nicht. Beunruhigt Sie das?

Es ist aufregend, denn es ist tatsächlich unsicher, wie das laufen wird. Dort, wo die Forscher das Schiff einfrieren lassen wollen, schmilzt das Eis gerade zu einem neuen Minimum. Wir suchen noch nach Schollen, die groß und dick genug sind. Die letzte Hitzewelle im August erschwert die Planung.

In diesem Sommer sind auch bei uns die Flüsse und Böden ausgetrocknet. Ist das erst der Anfang?

Die Erderwärmung schreitet deutlich schneller voran, als wir erwartet haben. Wir sehen die Waldbrände in den Nachrichten, die vertrockneten Felder und die schmelzenden Gletscher. Und dennoch verhalten wir uns so, als würde der Klimawandel in der fernen Zukunft passieren. Diese Haltung schadet kommenden Generationen. Die Zeit, teure Schäden zu vermeiden, läuft ab. Der Klimawandel ist längst da. Und doch muss man sagen: Es kann noch vieles erreicht werden. Wir müssen nur anfangen.
[…]

Das ganze Interview mit Antje Boetius findet ihr beim Weser Kurier.

IUCN Bericht: Die Zukunft des Tiefseebergbaus

Eine riesengroße Maschine, die für den Tiefseebergbau eingesetzt werden soll, in einer Halle, mit einem Arbeiter, der winzig klein davor erscheint.

© Nautilus Minerals

Wenn wir an die Tiefsee denken, verbinden wir diesen einzigartigen Lebensraum häufig mit Kälte und Dunkelheit. Was zunächst trist und leer zu sein scheint, beherbergt aber eine erstaunliche Vielfalt von Arten. Auch der 2018 erschienene Bericht der IUCN bezeichnet die dort auffindbaren Ökosysteme als einzigartig und wertvoll. Die Autoren des Reports betonen, dass wir viele Arten und Lebensräume der Meere durch unseren rücksichtslosen Umgang mit unserer Umwelt an den Rand der Zerstörung geführt haben. Da das kommerzielle Interesse an den Rohstoffen der Tiefseeböden zunimmt, ist es dringend notwendig, die Ausbeutung und Zerstörung der Tiefsee zu verhindern.

Im Mittelpunkt des Berichts stehen daher die möglichen Folgen des Tiefseebergbaus, sowie Ansätze zur Überwachung eines nachhaltigen Tiefseebergbaus. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die geografischen sowie geologischen Besonderheiten der potenziellen Abbaugebiete und die zugehörigen rechtlichen Richtlinien. Zudem werden unterschiedliche Abbautechnologien beschrieben, wobei auch Umweltparameter wie extremer Druck und enorme Tiefen eine Rolle spielen, da sie das Unterfangen erschweren könnten.

Die Autoren des Berichts betonen, dass die Folgen für die Ökosysteme zum Teil sehr schwer einzuschätzen sind und dringlichst Daten erhoben werden müssen. Studien zeigten bereits, wie verheerend eine Umschichtung der Sedimente im Meeresboden die Habitate und die Biodiversität beeinträchtigen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Veränderungen der Artenstruktur im Abbaugebiet irreversibel sein könnten. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen von vielen möglichen Störungen der sensiblen Habitate.

Verschiedene Interessensgruppen und Institutionen müssen Hand in Hand arbeiten, um die Herausforderungen zu lösen, die ein möglicher Tiefseebergbau birgt. Solange dies nicht gewährleistet ist im Sinne des Lebensraums Tiefsee, kann nicht von einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Abbau gesprochen werden.

Precisely assessing the value of the potential damage to deep-sea ecosystems and biodiversity is one of the major
challenges associated with deep-sea mining (Glover, 2003; MIDAS, 2017). “The benefit of mankind as a whole” can arguably no longer merely be seen from a purely financial perspective with proceeds that are to be partly redistributed, as it did when the phrase was coined half a century ago. There are also benefits associated with safeguarding one of the few untouched places on the planet, especially to those generations that are yet to follow and thus have no say in what is being decided now (Halfar & Fujita, 2007; Hoagland et al., 2010; Van Dover et al., 2018).

[…]

Den gesamten Bericht könnt ihr bei IUCN herunterladen

Weitere Informationen zum Thema Tiefsee findet ihr in unserem Tiefsee Blog.

Extremwetter stört Ökosysteme: Zyklone und Hitzewellen setzen Korallen zu

Das Bild zeigt einen ausgeblichenen Korallebstock. Im bläulich schimmernden Hintergrund sind weitere Korallen, Geröll sowie einige kleine Fische zu erkennen.

© picture alliance/dpa

Die Wetterextreme in den vergangenen Jahren hinterlassen deutliche Spuren: die Ökosysteme leiden unter den Hitzewellen, Zyklonen, Starkregen und Dürreperioden. Sensible Lebensräume wie Seegraswiesen, Mangrovenwälder und Korallenriffe haben sich infolge dessen stark verändert. Einige dieser Prozesse sind vor allem aufgrund ihres irreversiblen Charakters folgenschwer, wie beispielsweise die Korallenbleiche. Dabei stoßen die Korallen Algen ab, die als ihre Symbionten ihr Überleben sichern. Wie weitreichend das Ausmaß dieses Phänomens ist, wurde kürzlich in einer Studie der australischen Wissenschaftsbehörde Csiro offen gelegt.

ntv, 28.07.2019

Extreme Wetterphänomene haben die Ökosysteme an Australiens Küsten in den vergangenen Jahren schwer geschädigt. Hitzewellen im Meer, schwere Regenfälle durch tropische Stürme sowie Zyklone und Dürren hätten Korallen-, Seetang-, Mangroven- und Seegrasbestände grundlegend verändert, heißt es in einer Studie der staatlichen australischen Wissenschaftsbehörde Csiro. Einige dieser Veränderungen seien potenziell unumkehrbar, andere könnten bestenfalls im Laufe mehrerer Jahrzehnte rückgängig gemacht werden.

So seien 2011, 2013, 2016 und 2017 durch marine Hitzewellen Korallenbleichen in zum Teil überlappenden Regionen vor West- und Nordaustralien ausgelöst worden. Bei einer Bleiche stoßen die Korallen winzige Algen ab, die ansonsten mit ihnen in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose) leben. Zurück bleibt das helle Korallenskelett.

„Die Länge der Küste, die im vergangenen Jahrzehnt von extremen Klimaereignissen betroffen war, beträgt mehr als 8000 Kilometer“, sagte der Hauptautor der Studie, Russ Babcock. Dies sei ein Vierfaches der Küstenlänge, die von der 2010 durch die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko ausgelösten Ölpest betroffen gewesen sei.

Nach Angaben der Forscher verschärft der vom Menschen verursachte Klimawandel extreme Phänomene wie Zyklone und Hitzewellen, die immer häufiger auftreten und intensiver werden. Die meisten Meeresorganismen und -lebensräume könnten sich nicht an die sich schnell verändernden Bedingungen anpassen. Die Forscher haben schon Methoden entwickelt, um Korallenlaich zu fangen, ihn in Aquakultur aufzuziehen und dann in zerstörten Riffe zu verteilen. Das könne kurzzeitig helfen. Aber langfristig müsse der Treibhausgasausstoß reduziert werden, fordern sie. Ihre Studie wurde im Journal „Frontiers in Marine Science“ veröffentlicht.

Den ganzen Artikel könnt ihr bei ntv nachlesen.

Mehr zur Auswirkung der Wetterextreme auf die Meere könnt ihr in unserem Foschungs Blog nachlesen.

Mikroplastik ist überall – sogar in der Luft

Ein roter Helikopter im arktischen Eis. Es ist strahlend blauer Himmel, im Hintergrund türmen sich Eisberge. Zwei Forscher mit dicken orangenen Überlebensanzügen stehen am Helikopter. Im Vordergrund sieht man zwei Weckgläser mit Schneeproben.

© Mine Tekmann, AWI

Bisher war die weitläufige Meinung, dass Mikroplastik vor allem durch Meeresströmungen transportiert wird. Wissenschaftler vom AWI (Alfred-Wegener-Institut) in Bremerhaven haben nun in der Arktis nachgewiesen, dass Partikel auch die Atmosphäre als Verbreitungsweg nutzen und dann, meist als Schneefall, wieder auf die Erdoberfläche gelangen; in Schneeproben auf Helgoland, in den Bayerischen Alpen aber auch in abgelegenen Gegenden wie etwa der Arktis konnten die Kleinstpartikel nachgewiesen werden. Wie genau die Transportwege funktionieren und welche Konsequenzen Mikroplastik in der Atemluft für die Natur und die Menschen hat, bleibt noch zu klären.

Der Tagesspiegel, 14.08.2019, Autor: Florian Schumann

Mikroplastik ist überall – sogar in der Luft

Wissenschaftler weisen durch Proben in der Arktis nach, dass Kunststoffteilchen auch in der Luft schweben. Die Folgen für den Menschen sind unbekannt.

Plastik ist einfach überall. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler kleinste Kunststoffpartikel nicht nur im Oberflächenwasser, sondern auch im Meereis und in der Tiefsee gefunden. Und Kameraaufnahmen belegen, dass die Menge von Plastikmüll auf dem Meeresboden der Framstraße bei Spitzbergen in den vergangenen 15 Jahren stetig gestiegen ist. Auch im Sediment ist er massenweise zu finden.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Partikel dort vor allem über Meeresströmungen eingetragen werden. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ein Team von Forscherinnen und Forschern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven hat zusammen mit einem Kollegen des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos nun herausgefunden, dass die Teilchen auch über große Distanzen in der Atmosphäre transportiert und dann aus der Luft ausgewaschen werden. Das passiert vor allem durch Schneefall. Und es führt dazu, dass Mikroplastik sogar im Schnee abgelegener Regionen wie den Alpen oder der Arktis zu finden ist. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht

Mikroplastik im Meer und der Atmosphäre

Bisher gab es zur Herkunft von Mikroplastik, etwa in der Arktis, vergleichsweise wenig Forschung. „Der Haupteintragsweg für die Partikel ist sehr wahrscheinlich der Golfstrom, mit dem sie sich etwa von Europa oder dem Atlantik weiter nach Norden bewegen“, sagte Melanie Bergmann, Erstautorin der Studie, im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Es gab bereits Hinweise, dass Mikroplastik auch in der Atmosphäre transportiert wird. Wissenschaftler hatten solche weniger als fünf Millimeter kleinen Teilchen etwa in den Pyrenäen und in der Nähe großer Städte in Frankreich und China nachgewiesen. Da bekannt ist, dass Schnee Verunreinigungen aus der Luft wäscht und mit zu Boden nimmt, beschlossen die Forscher, Schneeproben zu untersuchen. „Wir haben uns gedacht: Alles, was im Schnee ist, war vorher einmal in der Luft“, sagt Bergmann […]

Den vollständigen Artikel findet ihr beim Tagesspiegel

 

Bambusbecher setzen hohe Mengen an Schadstoffen frei

© iStockphoto, Stiftung Warentest (M)

Bambusbecher scheinen die perfekte nachhaltige Alternative zum Kaffee-Einwegbecher zu sein: wiederverwendbar, biologisch abbaubar und ganz ohne Plastik.Trotz gutem Image warnt Stiftung Warentest nun vor den Bambusprodukten. Der Großteil der zwölf getesteten Becher geben den Schadstoff Melamin frei. Der Kunststoff Melaminharz steht im Verdacht  Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem zu verursachen und das im Melaminharz enthaltende Formaldehyd kann Haut, Augen und Atemwege reizen. Das Melaminharz dient als Klebstoff, um dem Becher in seiner Struktur zu festigen, denn die Bambusfasern sind dazu allein nicht ausreichend . Die Freisetzung des Melamins und Formaldehyds geschieht, wenn der Becher durch heiße Flüssigkeiten wie Kaffee zu stark erhitzt wird. Zusätzlich werben viele Hersteller mit Versprechungen, der Becher sei biologisch abbaubar sowie vollständig recyclebar. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn der Becher ist weder kompostierbar noch kann er im Recyclingsystem wiederverwertet werden.

Stiftung Warentest deckt somit auf, dass der Bambus-Becher leider keine Alternative zum Einwegbecher darstellt und zudem gesundheitsschädigend wirken kann. Empfehlenswert ist somit die klassische Thermoskanne aus Edelstahl.

Falsche Deklarationen auf verschiedenen Packungen von Bambusbechern, herausgegeben von Stiftung Warentest

© Stiftung Warentest

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbz) fordert als Reaktion auf den Warentest ein Verbot der Bambusbecher mit Kunststoffanteilen wie Melaminharz:

„Der Gesund­heits­schutz der Verbrauche­rinnen und Verbraucher muss an oberster Stelle stehen. Bambusbecher, die laut Stiftung Warentest zu hohe Mengen an Schad­stoffen freisetzen, müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Es ist nicht das erste Mal, dass Bambus­kaffee­becher negativ auffallen. Für Heiß­getränke ist Bambus­geschirr mit Kunststoff­anteilen offen­bar grund­sätzlich nicht geeignet. Die Bundes­regierung muss für diese Produkte deshalb sofort ein Verbot erlassen.“

Klaus Müller, Vorstand des vzbv

Die Stiftung Warentest rät von den Produkten ab mit einer Ausnahme:

„Chicmic Cup“ ist Testsieger

Einzig allein der Becher von „Chicmic Cup“ schaffte es ohne Auffälligkeiten durch den Test.
Die Produkte von Aldi Nord, Ecoffee Cup, Grafik Werkstatt, IKEA, La Vida, Rex London und Zuperzozial setzen zu viel Melamin frei. Als Reaktion auf den Warentest hat IKEA den Becher „Mugg“ bereits aus dem Sortiment genommen.

Die komplette Auswertung des Testes findet ihr bei Stiftung Warentest.

Mehr über Alternativen zu Einwegplastik findet ihr in unserem Blog Alternativen zu Einwegplastik.

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