Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Mikroplastik ist überall – sogar in der Luft

Ein roter Helikopter im arktischen Eis. Es ist strahlend blauer Himmel, im Hintergrund türmen sich Eisberge. Zwei Forscher mit dicken orangenen Überlebensanzügen stehen am Helikopter. Im Vordergrund sieht man zwei Weckgläser mit Schneeproben.

© Mine Tekmann, AWI

Bisher war die weitläufige Meinung, dass Mikroplastik vor allem durch Meeresströmungen transportiert wird. Wissenschaftler vom AWI (Alfred-Wegener-Institut) in Bremerhaven haben nun in der Arktis nachgewiesen, dass Partikel auch die Atmosphäre als Verbreitungsweg nutzen und dann, meist als Schneefall, wieder auf die Erdoberfläche gelangen; in Schneeproben auf Helgoland, in den Bayerischen Alpen aber auch in abgelegenen Gegenden wie etwa der Arktis konnten die Kleinstpartikel nachgewiesen werden. Wie genau die Transportwege funktionieren und welche Konsequenzen Mikroplastik in der Atemluft für die Natur und die Menschen hat, bleibt noch zu klären.

Der Tagesspiegel, 14.08.2019, Autor: Florian Schumann

Mikroplastik ist überall – sogar in der Luft

Wissenschaftler weisen durch Proben in der Arktis nach, dass Kunststoffteilchen auch in der Luft schweben. Die Folgen für den Menschen sind unbekannt.

Plastik ist einfach überall. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler kleinste Kunststoffpartikel nicht nur im Oberflächenwasser, sondern auch im Meereis und in der Tiefsee gefunden. Und Kameraaufnahmen belegen, dass die Menge von Plastikmüll auf dem Meeresboden der Framstraße bei Spitzbergen in den vergangenen 15 Jahren stetig gestiegen ist. Auch im Sediment ist er massenweise zu finden.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Partikel dort vor allem über Meeresströmungen eingetragen werden. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ein Team von Forscherinnen und Forschern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven hat zusammen mit einem Kollegen des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos nun herausgefunden, dass die Teilchen auch über große Distanzen in der Atmosphäre transportiert und dann aus der Luft ausgewaschen werden. Das passiert vor allem durch Schneefall. Und es führt dazu, dass Mikroplastik sogar im Schnee abgelegener Regionen wie den Alpen oder der Arktis zu finden ist. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht

Mikroplastik im Meer und der Atmosphäre

Bisher gab es zur Herkunft von Mikroplastik, etwa in der Arktis, vergleichsweise wenig Forschung. „Der Haupteintragsweg für die Partikel ist sehr wahrscheinlich der Golfstrom, mit dem sie sich etwa von Europa oder dem Atlantik weiter nach Norden bewegen“, sagte Melanie Bergmann, Erstautorin der Studie, im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Es gab bereits Hinweise, dass Mikroplastik auch in der Atmosphäre transportiert wird. Wissenschaftler hatten solche weniger als fünf Millimeter kleinen Teilchen etwa in den Pyrenäen und in der Nähe großer Städte in Frankreich und China nachgewiesen. Da bekannt ist, dass Schnee Verunreinigungen aus der Luft wäscht und mit zu Boden nimmt, beschlossen die Forscher, Schneeproben zu untersuchen. „Wir haben uns gedacht: Alles, was im Schnee ist, war vorher einmal in der Luft“, sagt Bergmann […]

Den vollständigen Artikel findet ihr beim Tagesspiegel

 

„Klimahysterie!“ – was Klimaforscher zu den häufigsten Argumenten von Skeptikern sagen

Ein Schild mit "Stop CO2" steht auf dem Boden auf einem öffentlichen Platz vor einer Gruppe sitzender Jugendlicher.

© Keystone

Der Klimawandel wird kontrovers diskutiert. Hier werden die häufigsten Argumente der Klimaskeptiker*innen aufgeführt und dazu von den Klimaforschern Nicolas Gruber und Stefan Brönnimann Stellung bezogen.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ) , 27.03.2019, Autorin: Gabriela Dettwiler

Mit den «Fridays for Future»-Demonstrationen hat die Klimawandeldebatte weiter an Brisanz gewonnen. Skeptiker, Leugner sowie sogenannte «Warmisten» und Alarmisten geben sich in Kommentarspalten von Social-Media-Plattformen die Klinke in die Hand. Auch die NZZ stellt bei den Diskussionen auf Facebook und in den Leserdebatten fest, dass der Klimawandel immer noch viele Fragezeichen aufwirft. Die kontroversen Reaktionen auf den jüngsten Facebook-Post der NZZ zur Klimadebatte zeigen dies exemplarisch (siehe unten). Die Streitfragen sind meist dieselben. Die Argumente der Diskussionsteilnehmer allerdings auch.

Von beiden Seiten wird die NZZ mit Vorwürfen konfrontiert: Die Klimawandel-Skeptiker werfen uns Einseitigkeit vor; die Befürworter beklagen, dass wir eine Plattform für Falschinformation bieten. Zuerst sei hier festgehalten: Für uns ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut, weshalb wir auf unserer Facebook-Seite und in den Leserdebatten nur in Ausnahmefällen Kommentare löschen. Wir ziehen es vor, mit Argumenten, Hinweisen und Nachfragen zu reagieren. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden, die häufigsten und beliebtesten Argumente der Klimawandel-Skeptiker zu sammeln und mit zwei Klimaforschern zu besprechen.

Argument 1: Es gab schon immer Warm- und Kaltzeiten.

Das weitaus häufigste Argumentationsmuster stellt den Klimawandel an sich zwar nicht infrage, entproblematisiert ihn allerdings. So sei der Klimawandel keine Erscheinung der Moderne, sondern ein schon immer da gewesenes Phänomen. Das Klima habe sich immer geändert, ändere sich gerade und werde sich auch immer weiter verändern. Wir befänden uns gegenwärtig lediglich in einer «ausklingenden kleinen Eiszeit». Tatsache?

Das sagt Prof. Nicolas Gruber: «Die heutige Erwärmung unterscheidet sich von vergangenen Erwärmungen in mindestens zwei entscheidenden Punkten. Erstens ist die Rate der Erwärmung um ein Mehrfaches höher, als sie dies zum Beispiel am Ende der letzten Eiszeit war. Das hat wichtige Konsequenzen, unter anderem für Pflanzen und Tiere, die sich nicht so rasch anpassen können. Während es am Ende der Eiszeit mehr als tausend Jahre dauerte, bis die Erde um ein Grad erwärmt war, geschah dies nun in hundert Jahren. Zweitens ist die heutige Erwärmung durch den Anstieg von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre getrieben, während in der Vergangenheit die Erwärmung vor allem durch Veränderungen der Sonneneinstrahlung in Gang gesetzt wurde. Verantwortlich für den Anstieg der Treibhausgase ist der Mensch.» […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ)

Meeresbiologin mit Mission

© ETH Zürich / Peter Rüegg

Die junge Wissenschaftlerin, Ulrike Pfreundt, will die „Regenwälder der Meere“ restaurieren. Viele der bisherigen Versuche Babykorallen auf künstliche Riffe anzusiedeln sind gescheitert. Das hat auch damit zu tun, dass die künstlichen Riffe bisher strukturell nicht der Komplexität natürlicher Riffe entsprechen. Häufig bieten sie nicht genügend Schutzräume für junge Korallen und  können nicht ausreichend mit der Strömung interagieren, um sich zu vermehren. Jetzt ist das Ziel mit Hilfe eines 3D-Drucks ökologisch sinnvolle Riffmodule zu entwickeln, die eine geeignete Struktur haben und klimaresistenteren Korallen einen neuen Lebensraum bieten.

„Da Riffe die Brutstätte für mindestens ein Viertel aller Fischarten im Ozean sind, wirkt sich ihr Verlust verheerend auf die Stabilität mariner Ökosysteme aus“, Ulrike Pfreundt.

ETH Zürich, 09.05.2019, Autor: Michael Keller

Ulrike Pfreundt denkt gerne gross und weiss, was sie will. «Erwärmen sich die Weltmeere ungebremst weiter, drohen bis 2050 über 90 Prozent aller Korallenriffe abzusterben – dagegen möchte ich etwas tun», sagt die 34-jährige deutsche Forscherin.

Dass die bunt leuchtenden Lebensgemeinschaften zusehends erblassen, betrübt die Biologin sichtlich. Korallen verdanken ihre prächtigen Farben symbiotischen Algen, die in ihrem Gewebe leben und sie mit Nahrung versorgen. Wird das Wasser zu warm, stossen die Korallen die Algen ab, bleichen aus und verhungern mit der Zeit.

«Da Riffe die Brutstätte für mindestens ein Viertel aller Fischarten im Ozean sind, wirkt sich ihr Verlust verheerend auf die Stabilität mariner Ökosysteme aus», weiss Pfreundt. Das gefährdet nicht nur die globale Fischerei: Weltweit sind Millionen Menschen direkt von intakten Riffen abhängig, die ihnen Nahrung, Einkommen und Schutz vor Überschwemmungen und Küstenerosion gewähren. Pfreundt hat sich daher zum Ziel gesetzt, abgestorbene Korallenriffe wieder mit Leben zu besiedeln.

Die Regenwälder der Meere restaurieren

Pfreundt hat in Freiburg im Breisgau Molekularbiologie und Genetik studiert. «Weil ich das Leben auf seiner tiefsten Ebene verstehen wollte», erzählt sie. Schon als Kind war sie von der Vielfalt des Regenwalds fasziniert. Mit 20 Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Lebenswelt der Meere. Seither taucht sie regelmässig und engagiert sich für marine Naturreservate. Im Nebenfach hat sie Meeresbiologie studiert und später in ihrer Doktorarbeit Genetik und Meeresbiologie kombiniert. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

ETH Zürich

Weitere Informationen über künstliche Riffe und Küstenschutz findet ihr hier. 

 

So umweltschädlich sind abbaubare Plastiktüten

Forscher*innen von der Universität Plymoth in Großbritannien schreiben im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ über die Ergebnisse ihrer Forschung zu biologisch abbaubaren und kompostierbaren Tüten. Sie untersuchen, ob „Bio-Tüten“ wirklich umweltfreundlicher sind als Plastiktüten und welche Materialien in der Erde und im Meer beim Wegwerfen zurückbleiben.

WELT, 29.04.2019

Auch Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff können länger die Natur belasten als gedacht. Eine Studie zeigt, dass sie nach drei Jahren im Boden oder im Meerwasser noch so stabil sein können, dass sie auch mit mehr als zwei Kilogramm Inhalt nicht reißen. Am stärksten zerfiel biologisch abbaubarer Kunststoff – wie auch gewöhnlicher Kunststoff –, wenn er Luft und Sonne ausgesetzt war, berichten Imogen Napper und Richard Thompson von der Universität Plymouth (Großbritannien) im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“.

„Biologisch abbaubare, oxo-abbaubare und kompostierbare Kunststoffe werden häufig als mögliche Lösung gegen die Ansammlung von Plastikmüll und Abfällen angesehen“, schreiben die Forscher. Oxo-abbaubare Kunststoffe enthalten Zusätze, die das Material rascher zerfallen lassen. Weil dabei Mikroplastik entsteht, das kaum mehr weiter abgebaut wird, gibt es Bestrebungen in der EU, solche Kunststoffe zu verbieten.

Napper und Thompson wollten herausfinden, was tatsächlich mit den Materialien in verschiedenen Umgebungen geschieht. Sie besorgten sich im lokalen Einzelhandel Tüten verschiedener Kunststoffsorten, darunter Polyethylen (PE), aus dem die meisten Plastiktüten bestehen.

Den Großteil der Tüten schnitten sie in 15 mal 25 Millimeter große Stücke und legten sie in Netze aus Polyethylen hoher Dichte mit einer Maschengröße von einem Millimeter. Dann hängten die Wissenschaftler die Netze im Freien auf, vergruben sie im Boden oder versenkten sie mit einem Gewicht beschwert in Meerwasser. Nach neun, 18 und 27 Monaten nahmen sie jeweils Proben und untersuchten sie. Außerdem wurden ganze Plastiktüten den entsprechenden Umgebungen ausgesetzt. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

WELT

Weitere Informationen über Plastik, Verpackungen, „Plastic Pollution“ und „Alternativen zu Einwegplastik“ findet ihr unter unserer BLUE STRAW Kampagne.

 

NABU-Studie: Beim Recycling durchgefallen

Pressemitteilung, 28.05.2019 vom NABU

Berlin – Mehr als eine Million Tonnen Elektroaltgeräte wie kaputte Bügeleisen und Smartphones werden in Deutschland im Durchschnitt jährlich nicht getrennt erfasst – das ist das Gewicht von 100 Eiffeltürmen. Diese Menge geht somit dem nachgelagerten Recycling verloren. Und auch das Recycling schafft nicht die tatsächliche Ausbeute, die berichtete Recyclingquoten von durchschnittlich 80 Prozent versprechen. Die Quoten werden nach Gewicht der Materialien bemessen, die in die Recyclinganlage reinkommen. Was tatsächlich beim Recycling rauskommt, liegt Hochrechnungen zufolge nur bei 60 Prozent der zugeführten Gerätemasse. Statt ökologisch relevante, wie seltene Erden, werden hauptsächlich die schweren Rohstoffe, wie Kupfer und Aluminium, wiedergewonnen. Dies zeigt eine NABU-Studie, die vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und dem Institut für Ökologie und Politik GmbH (Ökopol) durchgeführt wurde.

In der Studie wurden die aktuelle Erfassungs- und Recyclingpraxis von Elektrokleingeräten analysiert und bewertet sowie bestehende Defizite identifiziert und entsprechende Verbesserungspotenziale aufgezeigt. „Damit Verwerter mehr Elektroaltgeräte recyceln, muss die Erfassungsquote der Geräte verbessert werden. Deutschland muss daher ein Pfandsystem für besonders ressourcenrelevante Gerätekategorien im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) festlegen. Dafür sollten das Bundesumweltministerium und Verbände Forschungsvorhaben fördern, welche offene Fragen wie beispielsweise die Pfandhöhe, wer das System trägt, wohin der Pfandschlupf geht oder auf wen die Kosten verteilt werden, beantworten“, fordert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

„Wir konzentrieren uns beim Recycling nur auf die einfachsten Materialien, lassen aber strategische Rohstoffe wie seltene Erden außer Acht. Auch die heutige Vielfalt an Kunststoffen und Zusatzstoffen stellt ein hochwertiges Recycling vor kaum lösbare Aufgaben“, so Volker Handke vom IZT.

„Konkrete Anforderungen an ein derartiges hochwertiges Recycling, welches neben der reine Masse auch die Qualität in den Fokus nimmt fehlen bislang in den gesetzlichen Regelungen sowohl auf der EU und auf nationaler Ebene. Hier muss dringend nachgesteuert werden, wenn wirklich ein Kreislauf für die in Elektrogeräten eingesetzten Materialien erreicht werden soll“, sagt Dirk Jepsen, Ökopol-Geschäftsführer. […]

Die vollständige Pressemitteilung findet ihr hier.

NABU

Weitere Informationen über Recycling:

https://www.deepwave.org/nabu-fordert-regulierung-von-plastikmuellexporten/

https://www.deepwave.org/verpackt-vertrackt-ver-hoben/

https://www.deepwave.org/eu-parlament-stimmt-fuer-verbot-von-wegwerf-plastikprodukten/

Treibhausgase unter die Nordsee?

© Peter Linke/ GEOMAR

Die Bundesregierung hat viele Ideen, um bis zum Jahr 2050 eine Klimaneutralität zu erlangen. Eine umstrittene davon ist die unterirdische CO2-Speicherung. Forscher*innen des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (Geomar) haben eine Studie durchgeführt, die die Folgen von untermeerischer CO2-Speicherung auf marine Ökosysteme untersucht.

Wohin bloß mit dem ganzen Kohlendioxid? Bis 2050 will Deutschland nun – wie andere Länder Europas – klimaneutral werden. Das Ziel bedeutet nicht Nullemissionen, sondern ein Nullsummenspiel: Das Land kann so viel CO2 ausstoßen, wie es durch sogenannte Senken wieder der Atmosphäre entzieht. Auch der Weltklimarat hat darauf hingewiesen, dass derartige „negative Emissionen“ nötig werden könnten, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Es gibt natürliche Senken wie Wälder, die man, um CO2 zu binden, in großem Maßstab aufforsten kann. Möglich ist auch die Wiedervernässung trockengelegter Moore.

Größere Hoffnungen verbinden sich aber mit technischen Lösungen wie „Carbon Capture and Storage“ (CCS), also der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid in porösen Gesteinsschichten oder ausgebeuteten Gaslagern.

Die Debatte über die unterirdische CO2-Speicherung nimmt wieder Fahrt auf. Dafür sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in dieser Woche höchstpersönlich. Es werde auch 2050 noch CO2-Emissionen geben, deshalb wolle man „alternative Mechanismen finden, wie man das CO2 speichern oder kompensieren kann“, sagte Merkel beim Petersberger Klimadialog in Berlin – und weil Aufforsten in den Industrieländern nur begrenzt möglich sei, müsse das neu gebildete Klimakabinett über CO2-Speicher reden.

Größtes CCS-Potenzial in Europa unter dem Meer

An Land sehen sich derartige Speicher dem breiten Widerstand der Bevölkerung ausgesetzt. Wie es aber um die Chancen und Risiken steht, wenn CO2 unter dem Meeresboden gespeichert wird, haben jetzt Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (Geomar) untersucht. Die Studie ist Teil des europäischen Projekts „ECO2, das die Folgen von untermeerischer CO2-Speicherung auf marine Ökosysteme untersucht.

In Europa gebe es das größte Speicherpotenzial für CO2 vermutlich in tiefen salzhaltigen Grundwasserleitern vor der gesamten Nordseeküste sowie in weit unter dem Meeresboden gelegenen geologischen Formationen, schreiben die Wissenschaftler.

Ein Problem dabei: Weil es in der Region auch über 10.000 Bohrungen nach Gas und Öl gab, sind die Formationen teilweise zerlöchert. Aus vielen dieser Löcher tritt bereits heute Methangas aus, weil die umliegenden Sedimente gestört sind. Deshalb könnte auch das CO2, das dort eigentlich „dauerhaft“ festgehalten werden soll, früher oder später wieder austreten.

Versauerung bleibt lokal begrenzt

Um herauszufinden, was passiert, wenn das Kohlendioxid wieder aus dem Meeresboden austritt, und welche Folgen das für die Ökosysteme hat, setzten die Wissenschaftler im norwegischen Teil der Nordsee in 82 Metern Wassertiefe CO2 mit einer Rate von 31 Tonnen im Jahr frei. Verfolgt wurde der Weg des Gases durch Messungen von einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug und einem Forschungsschiff aus.

Die Daten zeigen, dass sich die CO2-Gasblasen in Meeresbodennähe vollständig auflösen, sagt Studienautorin Lisa Vielstädte vom Geomar. Dadurch sank der pH-Wert des Wassers in der Umgebung der Stelle, wo das CO2 freigesetzt wurde, von acht auf sieben.

„Diese Versauerung wirkt sich nachteilig auf die am Meeresboden lebenden Organismen aus“, erklärt Projektleiter Klaus Wallmann. Allerdings werde das CO2 so schnell verteilt, dass die Fläche, auf der Schäden auftreten könnten, gering sei. Um mehr als 0,2 Einheiten sei der pH-Wert nur auf einer Fläche von 50 Quadratmetern zurückgegangen.

Die Wissenschaftler ziehen daraus den vorläufigen Schluss, dass es „möglich ist, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet“. Ein einziges Loch, aus dem CO2 austritt, beeinträchtige die marine Umwelt noch nicht, bilanzieren die Forscher. Nur ein lang andauerndes Austreten an mehreren Bohrlöchern würde lokale Meeresökosysteme beeinträchtigen.

Die unterseeischen Risiken müsste man in dem Maße übrigens nicht eingehen. So entweichen allein aus entwässerten deutschen Mooren jährlich rund 45 Millionen Tonnen CO2. Das sind rund fünf Prozent der jährlichen Gesamtemissionen. Wären diese Moore wieder intakt, fielen nicht nur diese CO2-Mengen weg, sondern die Moore würden auch zusätzliches CO2 binden – eine natürliche Senke, die es lohnen würde, dass sich Merkels Klimakabinett damit befasst.

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Klimareporter: https://www.klimareporter.de

Fos­si­les Zoo­plank­ton zeigt, dass ma­ri­ne Öko­sys­te­me im An­thro­po­zän an­ge­kom­men sind

© MARUM – Zen­trum für Ma­ri­ne Um­welt­wis­sen­schaf­ten, Uni­ver­si­tät Bre­men; M. Ku­ce­ra

Pressemitteilung, 22.05.2019 vom MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften)

For­scher ver­öf­fent­li­chen neue glo­ba­le Ver­gleichs­stu­die in Na­tu­re

Der von Men­schen ver­ur­sach­te Kli­ma­wan­del wirkt sich auf die Ar­ten­viel­falt und Öko­sys­te­me aus, und ma­ri­ne Öko­sys­te­me sind kei­ne Aus­nah­me. Um zu be­wer­ten, wie ge­nau der Kli­ma­wan­del Öko­sys­te­me be­ein­flusst, muss der ak­tu­el­le Zu­stand mit vor­in­dus­tri­el­len Zeit­räu­men ver­gli­chen wer­den. Jetzt ha­ben For­scher des MARUM – Zen­trum für Ma­ri­ne Um­welt­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bre­men so­wie des In­sti­tuts für Che­mie und Bio­lo­gie des Mee­res der Uni­ver­si­tät Ol­den­burg nach­ge­wie­sen, dass sich Ge­mein­schaf­ten ma­ri­nen Plank­tons aus heu­ti­ger und vor­in­dus­tri­el­ler Zeit nach­weis­bar un­ter­schei­den. Das ma­ri­ne Plank­ton hat so­zu­sa­gen das An­thro­po­zän er­reicht. Dazu ha­ben die For­scher die Zu­sam­men­set­zung fos­si­len Plank­tons (Fo­ra­mi­ni­fe­ren) in Se­di­men­ten aus der vor­in­dus­tri­el­len Ära mit der aus neue­rer Zeit ver­gli­chen. Ihre Er­geb­nis­se hat das Team in der Fach­zeit­schrift Na­tu­re ver­öf­fent­licht.

Plank­to­ni­sche Fo­ra­mi­ni­fe­ren sind Kleinst­le­be­we­sen, die an der Ober­flä­che der Ozea­ne le­ben. Ster­ben sie, la­gern sich ihre Kalk­ge­häu­se in Mee­res­bo­den­s­edi­men­ten ab. Sol­che fos­si­len Fo­ra­mi­ni­fe­ren do­ku­men­tie­ren den Zu­stand der Ozea­ne, be­vor der Mensch be­gon­nen hat, das Kli­ma zu be­ein­flus­sen. Der heu­ti­ge Zu­stand ist wie­der­um in Pro­ben aus Sink­stoff­fal­len der ver­gan­ge­nen 50 Jah­re ab­ge­bil­det. Durch den Ver­gleich von fos­si­len und mo­der­nen Le­bens­ge­mein­schaf­ten der Fo­ra­mi­ni­fe­ren kön­nen For­schen­de ab­schät­zen, wie sehr sich das Plank­ton seit der In­dus­tria­li­sie­rung ver­än­dert hat.

Für ihre Stu­die ha­ben Dr. Lu­kas Jon­kers und Prof. Mi­chal Ku­ce­ra vom MARUM an der Uni­ver­si­tät Bre­men so­wie Prof. Hel­mut Hil­le­brand vom In­sti­tut für Che­mie und Bio­lo­gie des Mee­res (ICBM) der Uni­ver­si­tät Ol­den­burg über 3.700 Da­ten­sät­ze aus Se­di­men­ten aus vor­in­dus­tri­el­ler Zeit mit Pro­ben aus Sink­stoff­fal­len ver­gli­chen, die den Zu­stand des Plank­tons von 1978 bis 2013 zei­gen. So kom­men die For­scher zu dem Schluss, dass sich die heu­ti­ge Zu­sam­men­set­zung der Ar­ten von der in der vor­in­dus­tri­el­len Zeit sys­te­ma­tisch un­ter­schei­det. „Das er­staun­li­che war, dass die­ser Un­ter­schied nicht zu­fäl­lig ist, son­dern ein Si­gnal der Erd­er­wär­mung zeigt: Heu­ti­ge Le­bens­ge­mein­schaf­ten in sich er­wär­men­den Re­gio­nen stim­men mit vor­in­dus­tri­el­len Le­bens­ge­mein­schaf­ten aus wär­me­ren Re­gio­nen über­ein“, er­klärt Lu­kas Jon­kers. Das be­deu­tet auch: Die mo­der­nen Ar­ten­ge­mein­schaf­ten am sel­ben Stand­ort sind an­de­re als zu vor­in­dus­tri­el­ler Zeit. […]

Die vollständige Pressemitteilung findet ihr hier.

MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften): https://www.marum.de/index.html

 

Alpengletscher könnten bis 2100 fast verschwinden

© Marco Bertorello/AFP/Getty Images

Forscher*innen aus der Schweiz schreiben im Fachblatt „The Cryosphere“, dass Ende des Jahrhunderts die Gletscher in den europäischen Alpen verschwunden sein könnten, bei weiterer Erwärmung des Weltklimas. In der Studie wurde zum ersten Mal die Bewegung des Gletschereises explizit modelliert. Das Abschmelzen der Gletscher in den Alpen ist einer der klarsten Indikatoren für den Klimawandel.

ZEIT ONLINE, 09.04.2019

Durch die Klimaerwärmung könnten die Gletscher in den Alpen bis zum Jahr 2100 weitgehend geschmolzen sein. Das schreiben Schweizer Forscher im Fachblatt The Cryosphere. Sie stützen sich auf ein Computermodell, das Eisfluss und Schmelzprozesse berücksichtigt sowie auf Daten aus der Beobachtung der Gletscher.

Die Forscher haben zwei Szenarien entworfen: Sollte die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad verglichen zur vorindustriellen Zeit bleiben, gingen zwischen 2017 und 2100 etwa zwei Drittel der Gletscher in den Alpen verloren. Sollte sich das Klima stärker erwärmen, könnten am Ende des Jahrhunderts mehr als 90 Prozent der Eismasse verschwunden sein. Nur einzelne Flecken verblieben, wird Matthias Huss von der der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in einer Mitteilung zitiert.

Weitgehend unabhängig davon, wie sich der Klimagasausstoß weiterentwickelt, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Gletscher in den Alpen zwischen 2017 und 2050 etwa 50 Prozent ihrer Masse einbüßen werden. In den Jahren darauf komme es darauf an, wie sich das Klima weiterentwickele. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Die Pressemitteilung der European Geoscience Union zur Studie, die im „The Cryosphere“ veröffentlicht wurde, findet ihr hier.

ZEIT ONLINE: https://www.zeit.de/index

 

 

Studie des GEOMAR: Wirkungsloser Schutz für die Meere

© dpa

Die Studie des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung mit dem Titel „Meeresschutzgebiete nicht sicher“ zeigt wie wirkungslos der Schutz für die Nord- und Ostsee ist. In den ausgewiesenen Schongebieten für Fische, sind die Meeresbewohner gefährdeter als in Gebieten, in denen regulär der Ozean ausgebeutet werden darf. Die Studie besagt auch, dass die Intensität der Schleppnetzfischerei um 40% höher ist als in den Schutzgebieten. Die Politikerin der Grünen, Steffi Lemke, äußert ihre Kritik an der Meeresschutz-Strategie der Bundesregierung im Bericht der Tagesschau von Bettina Nutz.

Tagesschau, 14.02.2019, Autorin: Bettina Nutz

Die Grünen-Politikerin Steffi Lemke traute ihren Augen kaum, als sie vor Wochen die Studie von Wissenschaftlern aus Kiel in den Händen hatte. Überschrift: „Meeresschutzgebiete nicht sicher“.

„Das sind ganz gravierende Ergebnisse, die Ende des vergangenen Jahres von GEOMAR erhoben worden sind, das heißt von einer absolut renommierten deutschen Forschungseinrichtung. Diese besagen, dass in diesen Schutzgebieten sogar eine um 40 Prozent höhere Intensität an Schleppnetzfischerei stattfindet als außerhalb der Schutzgebiete“, kritisiert die Fachfrau der Grünen für Naturschutz.

In Schutzzonen gefährdeter als außerhalb

Eine absurde Situation, in der Fische in ausgewiesenen Schongebieten offenbar gefährdeter sind als dort, wo regulär gefangen werden darf. Und ausgerechnet durch Fischfang mit Schleppnetzen, die als besonders umwelt- und artenschädigend gelten. Darum warnt Lemke:

„Die Schleppnetzfischerei bedeutet im Prinzip, dass über den Meeresboden hinweggepflügt wird. Das heißt, dass dort wirklich auf- und herumgewirbelt wird, sodass man sich vorstellen kann, dass das für laichende Fischbestände aber auch für andere Meereslebewesen eine massive Störung bedeutet.“

Genug Gründe also für die Grünen, die Bundesregierung nach der Absurdität von Schutzzonen zu fragen. Und nach ihrer Strategie für eigentlich mehr Meeresschutz, Erhalt und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt im Meer, wie es offiziell hieß, als der Bund im September 2017 und nach jahrelangem Hick-Hack Schongebiete für Nord- und Ostsee auswies. Hier sollten Riffe und Sandbänke geschützt werden, ebenso wie Schweinswale, Haie, Rochen oder auch Wanderfische wie Aal und Lachs. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Tagesschau: https://www.tagesschau.de/

Die Studie „Meeresschutzgebiete nicht sicher“ vom GEOMAR findet ihr hier.

GEOMAR: https://www.geomar.de/

 

 

 

Kaum noch neue Korallen im Great Barrier Reef


© James Cook University/AAP/dpa

Einer neuen Studie zufolge gibt es im weltgrößten Korallenriff kaum noch Korallennachwuchs. Durch die Klimaerwärmung steigt auch die Wassertemperatur, was dazu führt, dass die Korallen ausbleichen und absterben. Die ökologische Vielfalt in den Meeren ist stark bedroht durch das Massensterben der Korallen. Am 24.05.2019 zeigen wir auf unserem DEEPWAVE Filmfestival neue Dokumentarfilme über die Gefährdung des Ökosystems der Korallen.

HAZ, 04.04.2019

[…] Ungewiss ob sich das Riff erholen kann

Das mehr als 2300 Kilometer lange Riff war 2016 und 2017 von einem Massensterben erwachsener Korallen betroffen, dem sogenannten Korallenbleichen betroffen. Ursache waren überhöhte Temperaturen infolge des Klimawandels. Nach früheren Angaben der australischen Regierung ist etwa ein Drittel des Great Barrier Reefs davon betroffen. Ob sich das Riff davon wird erholen können, ist ungewiss. Korallen sind sogenannte Nesseltiere, einfach gebaute, vor allem in den Meeren vorkommende Lebewesen, zu denen etwa auch die Schirmquallen und die Seeanemonen zählen.

In der Studie ist von einem „noch nie da gewesenen Verlust an ausgewachsenen Korallen“ infolge der Bleichen die Rede, was sich massiv auf den Nachwuchs auswirke. „Tote Korallen bekommen keine Kinder“, sagte der Hauptautor der Studie, Terry Hughes, von der James Cook University im australischen Bundesstaat Queensland. Wegen des Klimawandels seien die Korallen nicht mehr so widerstandsfähig wie früher.

Artenvielfalt im Ozean könnte sich stark verringern

Korallenriffe bieten Schutz, Nahrung und Jagdgründe für zahlreiche Meereslebewesen. Der Tod von Korallen gilt deshalb vielen Wissenschaftlern als Warnsignal, dass sich die Artenvielfalt im Ozean künftig stark verringern könnte. Bei einer Bleiche sterben winzige Algen ab, die mit den Korallen in einer Lebens- und Nahrungsgemeinschaft (Symbiose) leben. Die Koralle erhält von ihnen gewöhnlich Nährstoffe, dafür bietet sie Halt und Schutz. Sterben die Korallenbewohner ab, wird das helle Korallenskelett sichtbar.

Quelle: http://www.haz.de/Nachrichten/Wissen/Uebersicht/Klimawandel-Kaum-noch-neue-Korallen-im-Great-Barrier-Reef

Den vollständigen Bericht vom „Nature“ Magazin finder ihr hier.

DEEPWAVE Filmfestival: https://www.deepwave.org/projekte/deepwave-filmfestival/

 

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