Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

„Polarstern“-Forscher sitzen wegen Corona am Nordpol fest

Der Eisbrecher Polarstern ist in einer arktischen Scholle eingefroren. Die Forscher und Forscherinnen gehen, in roten Thermoanzügen, auf der schneebedeckten Scholle umher. Es ist dunkel, nur im Horizont sieht man den rötlichen Schein der Sonne.

© The Bowman Lab

Im letzten September sind Forscher:innen der Expedition MOSAiC in Richtung Arktis aufgebrochen. Ziel der Forschungsreise ist es, neue Erkenntnisse über den Klimawandel zu gewinnen. Die gewählte Methode: sich mit dem Eisbrecher Polarstern einfrieren lassen.
Doch auch in der Arktis spürt man die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nach eigenen Aussagen der Forscher:innen auf Twitter stellt sie COVID-19 vor eine sehr besondere Herausforderung. Trotz genauster Planungen hat niemand vorhergesehen, dass ein solcher Fall auftreten könnte.

Das größte Problem ist vor allem die Infrastruktur, die durch Corona lahmgelegt wurde.
Alle zwei Monate werden hundert Besatzungsmitglieder ausgetauscht, wobei die neu an Board Kommenden über Norwegen anreisen. Durch das coronabedingte Einreiseverbot nach Norwegen kann die Besatzung jedoch nicht mehr durch neue Mitglieder ausgetauscht werden. Die Folgen sind weitreichend, da die Forscher:innen nun nicht mehr nur im Eis, sondern auch auf dem Eisbrecher feststecken.

Außerdem muss nun, als Reaktion auf den Corona-Fall eines Crewmitglieds, das eigentlich neu an Board kommen sollte, jedes neue Besatzungsmitglied zweimal auf Sars-CoV-2 getestet werden.

Die MOSAiC-Expedition ist die größte Arktisexpedition aller Zeiten. Ein gemeinsamer Kraftakt von Wissenschaftler:innen aus 20 Nationen. Daher betont der Expeditionsleiter Prof. Dr. Markus Rex, dass selbst unter diesen Bedingungen von Aufgeben momentan keine Rede sei.

Den vollständigen Artikel findet ihr beim Spiegel.
Mehr Informationen über MOSAiC könnt ihr im Blogbeitrag „Mammutprojekt MOSAiC: ein Jahr festgefroren in der Arktis“ nachlesen oder ihr hört euch den MOSAiC-Podcast „Ein Jahr auf Forschungsreise im Eis“ an.

Das rote Gewand des Schnees

Pinguin in der Antarktis vor rot und grün eingefärbtem Schnee in der Antarktis. (Ort: Neko Harbour, Antarctica)

© Jerzy Strzelecki

Kalt, weiß und einsam. So könnte man die Antarktis beschreiben, aber auch den ein oder anderen Gletscher.
Doch durch den Klimawandel hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Zu einer neuen Bedrohung des Eises sind Schneealgen, wie beispielsweise Chlamydomonas nivalis (C.nivalis), geworden [1]. Eine Schneealgenart, die man überall auf der Welt findet. In Europa zum Beispiel in den österreichischen Alpen.
Schneealgen leben im flüssigen Wasser zwischen den Schneekristallen [2]. Unter kälteren Bedingungen ist ihr Stoffwechsel runter gefahren, doch bei steigenden Temperaturen wachsen vor allem die C.nivalis Populationen immer stärker an. Ein Ende ist, durch die immer weiter steigenden Temperaturen, nicht in Sicht und so ist weiter mit einem Zuwachs der Alge zu rechnen. Das Problem der wachsenden Algenschichten ist jedoch nicht die Alge als solche, sondern deren leuchtend rote oder grünliche Färbung [3].

Der einst weiße Schnee ist nun in ein rotes Gewand gehüllt und so schön der Anblick auch sein mag, der rote Schnee hat seine Tücken.
Er beeinflusst die Albedo des Schnees, also das Rückstrahlvermögen, negativ. Rote Algen absorbieren die Sonnenstrahlen zum Großteil und reflektieren nur das rote Licht, die grüne Algenart reflektiert hingegen nur grüne Lichtwellen (Wie wir Farben sehen: Reflexion und Absorption).
Das absorbierte Licht wird in Wärme umgewandelt. Dadurch schmelzen Eis, Schnee und Gletscher [1][4].

Fazit

Der rote Schnee der Antarktis ist also erneut eine Auswirkung des Klimawandels, der diesen verstärkt. Denn durch das Abschmelzen werden Wassermengen frei, die das Sonnenlicht nicht mehr so gut reflektieren, sondern ebenfalls absorbieren. Das Wasser erwärmt sich und bringt noch mehr Eis zum Schmelzen.
Zusätzlich wird die weiße Reflexionsfläche immer kleiner und die Energie des Systems immer höher. Diesen Effekt nennt man positive Rückkopplung, genauer gesagt Eis-Albedo-Rückkopplungseffekt [4].

Weitere Informationen über den Klimawandel und dessen Einfluss auf das marine Ökosystem findet ihr auf unserer Seite unter „Wie der Klimawandel unsere Weltmeere verändert“ oder auf unserem Factsheet „Meeresspiegelanstieg und Klimawandel – Infos und Tipps“.

Quellen

[1] Huovinen, Pirjo, Jaime Ramírez, and Iván Gómez. „Remote sensing of albedo-reducing snow algae and impurities in the Maritime Antarctica.“ ISPRS Journal of Photogrammetry and Remote Sensing146 (2018): 507-517.
[2] Remias, Daniel, Ursula Lütz-Meindl, and Cornelius Lütz. „Photosynthesis, pigments and ultrastructure of the alpine snow alga Chlamydomonas nivalis.“ European Journal of Phycology 40.3 (2005): 259-268.
[3] Lukeš, Martin, et al. „Temperature dependence of photosynthesis and thylakoid lipid composition in the red snow alga Chlamydomonas cf. nivalis (Chlorophyceae).“ FEMS microbiology ecology 89.2 (2014): 303-315.
[4] Lozan, José L., et al. „DER KLIMAWANDEL UND DAS EIS DER ERDE: Ein Überblick.“ Science 319 (2008): 189-192.

Albatrosse – Spione illegaler Fischerei

Ein Albatross ist mit geöffneten Flügeln zu sehen. Auf dem Rücken ist ein kleiner Sender im Gefieder befestigt

© Alexandre Corbeau

Ihr fragt euch wohl, wie können Albatrosse und die ausbeuterische Praxis der illegalen Fischerei zusammenhängen? Wenn sie in der Luft sind, können Albatrosse Fisch und dessen Geruch bis auf 30 km Entfernung wahrnehmen. Es ist also keine Seltenheit, dass die Vögel Kurs auf Fischerboote mitten im Ozean nehmen, um dort den einen oder anderen Fisch an Deck abgreifen zu können. Zusätzlich legen Albatrosse innerhalb ihrer Nahrungsflüge beeindruckend lange Strecken zurück und fliegen einen großen Teil des offenen Ozeans ab.

Doch wär hätte gedacht, dass genau diese Art der Nahrungssuche als eine Art Vogelpatrouille fungieren kann, die illegale Fischerboote aufspürt. Viele Fischereiflotten schalten, kurz nachdem sie in internationale Gewässer vorgedrungen sind, die vorgeschriebenen automatischen Identifizierungssysteme ab und fischen weitaus mehr von den Fischbeständen als gesetzlich erlaubt ist. Diese Piratenfischerei jedoch zu kontrollieren war bisher unmöglich, denn weder mit dem Flugzeug, mit Drohnen oder anderen Schiffen kann das riesige Gebiet überwacht werden und  somit dessen abnehmende Fischbestände vor der Ausbeutung geschützt werden. Ein neuer Ansatz ist nun, die lange Nahrungssuche der Albatrosse zu nutzen, um die illegal operierenden Fischerboote aufzuspüren. Daher wurden im Rahmen eines 6-monatigen Forschungsprojekts 170 Vögel mit einem Sender ausgestattet, der in der Lage ist, den Radar auf Booten aufzuspüren.

Erschreckenderweise hatten 100 der mit dem Sender erfassten 353 Boote zum gegebenen Zeitpunkt das Identifizierungssystem abgeschaltet und operierten demnach illegal. Um weiterhin effektiv die Nahrungssuche der Vögel nutzen zu können, wird nun an einer Optimierung der Sender gearbeitet, um diese weitreichender einsetzen zu können. Zukünftig sollen auch kleinere Vögel wie Sturmtaucher zur Datenerfassung beitragen.

Den gesamten Artikel „Albatrosse als Spione“ findet ihr bei der Süddeutschen Zeitung.

Mehr zum Thema Überfischung findet ihr bei uns.

Ein Jahr auf Forschungsreise im Eis: der MOSAiC-Podcast

Ein Mann läuft auf einer dicken Eisdecke entlang, im Hintergrund ist ein großes Forschungsschiff zu sehen

© Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)Am 20. September startete die große MOSAiC Expedition in die Arktis, um sich dort mit dem Eisbrecher Polarstern für ein Jahr im Eis einfrieren zu lassen. Viele Forsche:innen sowie Klimaexpert:innen sind an Bord des Forschungsschiffes, um neue Erkenntnisse über den Klimawandel sowie das Polarmeer zu sammeln. Die Arktis gilt als Frühwarnsystem des Klimawandels, denn kein Ort hat sich in den letzten Jahren so dramatisch erwärmt wie sie und das Nordpolarmeer. Unter der Leitung des Atmosphärenforschers Markus Rex und des Alfred-Wegener-Institut stechen die aus 20 Nationen stammenden Forscher:innen in See und werden während der Expedition von anderen Eisbrechern, Helikoptern sowie Flugzeugen versorgt. Die Expedition kann durchgehend online auf der Website des AWI verfolgt werden, sowie bei dem zugehörigen Podcast „Arctic Drift: Das Audiologbuch“ oder dem „Polarsternblog“.

Im Resonator, dem Forschungspodcast, erzählt Markus Rex in einer 50-minütigen Folge ausführlich vor Beginn der Reise über das bevorstehende Forschungsabenteuer.

„Faktenbasiert: Von der Dystopie der Klimakrise und der Utopie des Klimaschutzes“

Im Rahmen der Veranstaltung am IASS (Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung) „Klima trifft Theater: von der Erzählbarkeit der Klimakrise“ hält Antje Boetius, Direktorin des AWI, einen großartigen und sehr aussagekräftigen Vortrag zur Einordnung des Klimageschehens in die Erdgeschichte. Wo stehen wir? Mitten in einem Erdzeitalter mit bereits gekippten Klimapunkten. Wie gehen wir damit um, dass wir selbst mit reinen Fakten Dystopie beschreiben. Wo nehmen wir den Mut her, Utopien zu denken, um handeln zu können?

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ihSs71Thwmc&feature=youtu.be&t=264

Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung auf YouTube

Mehr Informationen zum Thema Klimawandel findet ihr bei uns.

Klimafoscher warnen vor „planetarem Notfallzustand“

Das Bild zeigt viele Eisschollen die auf dem offenen Meer treiben. Bis zum Horizont sind nur die Eisschollen sowie ein paar Wolken zu sehen

© Sebastian Menze/Alfred-Wegener-Institut/dpa

Dass bereits ein kritischer Punkt bezüglich des Klimawandels erreicht ist, lässt sich nicht mehr leugnen. Doch dass dieser schneller voranschreitet als gedacht, bereitet große Sorgen. Wissenschaftler:innen warnen vor sogenannten tipping points, zu deutsch Kipppunkten, welche irreversible Szenarien auslösen. Hierbei spielen Prozesse wie die positive Rückkopplung eine große Rolle, sprich sich selbst verstärkende Abläufe, die Potential zur Kettenreaktion und Kaskadeneffekten haben. Ein Beispiel hierfür ist der verstärkte Albedoeffekt. Die Temperatur steigt an, die Pole schmelzen. Weniger Eis resultiert in weniger Reflexion des Sonnenlichts und verstärkter Absorption der Wärmestrahlung. Die Temperatur steigt zusätzlich an und noch mehr Eis schmilzt. Der Albedoeffekt ist nur einer von vielen Prozessen, die zu Kipppunkten in Ökosystemen führen können. Bedrohte Systeme mit hohem Risiko sind unter anderem die auftauenden Permafrostböden, der von Dürren bedrohte Amazonas, von Bränden betroffene boreale Wälder, die ausbleichenden Korallenriffe und die großflächig abnehmende Eisdecke. Eine „globale Kaskade“ kann durch die voneinander abhängigen tipping points als Folge auftreten, denn der Eisrückgang hängt direkt mit der atlantischen Meeresströmung  sowie dem dadurch veränderten Monsunregen in Afrika zusammen.

Das Bild zeigt eine Weltkarte die angibt an welchen Orten bereits das Risiko für Klipppunkte besteht. Die markierten Orte sind die USA, Brasilien, Grönland, das arktische Meer, der Atlantik, die Antarktis, Nordrussland und Australien. Die Punkte sind mit orangener Farbe markiert.

©nature

Das in den Medien oft erwähnte restliche CO2 Budget von 500 Giga Tonnen ist schnell halbiert, wenn einige Kipppunkte wie das Schmelzen des Permafrosts, der als CO2 Speicher fungiert, ausgelöst werden. Angesichts dessen sprechen Klimaforscher bereits von einem „planetarem Notfallzustand“, der augenblickliches Handeln erfordert.

Den dazugehörigen Artikel findet ihr bei der Der Tagesspiegel sowie beim nature Magazin.

Mehr Informationen zum Klimawandel findet ihr auch bei uns auf der Website.

Arktisflüsse nehmen CO2 besser auf als der Regenwald

Gezeigt werden 2 Forscher in der kanadischen Arktis auf einer Expedition auf Ellesmere Island

© Université Laval, Dermot Antoniades

Kürzlich fanden kanadische Forscher der University of British Columbia überraschend heraus, dass arktische Schmelzwasserflüsse Kohlendioxid in erstaunlichen Mengen speichern können. Dieses Phänomen könnte aufgrund der weltweit schmelzenden Gletscher von enormer Relevanz sein und die Grundlage innovativer Klimaschutzstrategien bieten.

Spiegel Online, 29.10.2019

Es ist ein segensreicher Mechanismus: Längst nicht jedes Molekül des Treibhausgases Kohlendioxid, das bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Öl und Gas frei wird, heizt unsere Erdatmosphäre tatsächlich auf. Ein guter Teil des CO2 löst sich im Wasser der Weltmeere, die dadurch langsam aber sicher immer saurer werden. Ein weiterer Teil wird in Pflanzen und Mooren gespeichert, zumindest so lange diese wachsen, im Kalk von Korallen oder bei der Verwitterung von bestimmten Gesteinen.

Doch während manche dieser Speichermöglichkeiten öffentlich bekannt sind und diskutiert werden, etwa die CO2-Aufnahme durch Bäume und die damit verbundenen Chancen durch gezielte Aufforstung, berichten kanadische Forscher nun über ein bisher nur wenig beachtetes Phänomen: Ein Team um Kyra St. Pierre von der University of British Columbia in Vancouver beschreibt im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ die verblüffend große CO2-Aufnahmefähigkeit arktischer Schmelzwasserströme.

Die Forscher hatten sich unter anderem auf Ellesmere Island im kanadischen Nunavut-Territorium umgesehen. Dort fließen mehrere große Schmelzwasserflüsse von angrenzenden Arktisgletschern in den Lake Hazen. Auch auf Grönland und in den kanadischen Rocky Mountains unternahm die Gruppe Messungen.
Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Flusswasser große Mengen Kohlendioxid aufnimmt. Diese Beobachtung steht im Gegensatz zu Erkenntnissen aus wärmeren Gebieten, wo Ströme durch das darin enthaltene organische Material als Kohlenstoffquellen gelten.
In den arktischen Schmelzwasserflüssen gab es nicht nur deutlich weniger pflanzliche und tierische Lebewesen, bei denen unter anderem die Verrottung CO2 freisetzen konnte, sondern noch einen anderen Faktor: Das Wasser transportierte große Mengen.

[…]

Den kompletten Artikel findet ihr bei Spiegel Online.

Mammutprojekt „MOSAiC“: Ein Jahr festgefroren in der Arktis

Das Bild zeigt sieben Wissenschaftler auf der zugefrorenen Ostsee. Alle tragen Schneeanzüge und entnehmen Eis aus dem Untergrund.

© NDR

Im September diesen Jahres startete eine der spektakulärsten Expeditionen: unter der Leitung des Alfred-Wegner Instituts brechen Wissenschaftler:innen in die Arktis auf, um sich auf dem Forschungsschiff „Polarstern“ einfrieren zu lassen. Ziel der sogenannten MOSAiC (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate) Expedition ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima zu untersuchen. Insgesamt sind etwa 900 Menschen an dem Projekt beteiligt, von denen 600 mit vor Ort sein werden.

05.03.2019, NDR, Autor: Friedrich Leist

Das Eis auf der Ostsee ist fast einen Meter dick, die Temperatur auf minus 17 Grad gefallen – ideale Bedingungen, um vor der finnischen Halbinsel Hailuoto die Eisdicke zu bestimmen.

Die Wissenschaftler schleppen ihre Geräte mit Schlitten auf das Eis. Bohrer, Stative, Messbänder, Sensoren, alles wird ausprobiert. Knapp 30 Polarforscher sind diesmal bei dem Vorbereitungskurs dabei. Jeder Teilnehmer der Polarexpedition muss später alle grundlegenden Messungen beherrschen, sagt Julia Regnery, die das Training leitet: „Falls jemand ausfällt, müssen die anderen einspringen können.“

Im September wollen die Wissenschaftler mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ an einer Eisscholle in der Arktis festmachen. Das Schiff wird dann im Packeis einfrieren. Allein durch die Bewegung des Eises soll die Polarstern bis fast an den Nordpol heran kommen – Transpolardrift, so nennen die Forscher das. Etwa sieben Kilometer pro Tag legt die Polarstern auf diese Weise zurück.

Die Arktis soll genau vermessen werden

Das Schiff dient als Basis, im Umkreis wird ein riesiges Netz von Messstationen aufgebaut, Wetterballons, Tauchroboter und Eisradare.

Die Arktis soll auf der Expedition ganz genau vermessen werden, sagt Natascha Oppelt, Professorin an der Uni Kiel: „Die Arktis ist ein Bereich, der vom Klimawandel ganz besonders betroffen ist.“ Wenn das Eis der Arktis schmelze, werde weniger Sonnenlicht von der Erde wegreflektiert – das wiederum führe dazu, dass die Arktis noch schneller taue.

Bei der Vorbereitung in Finnland haben die Forscher inzwischen Löcher ins Eis gebohrt, mit einem handelsüblichen Akkuschrauber und einem ein Meter langen Bohrer. Statt hochentwickeltem Spezialgerät kommt beim Training in Finnland ein Maßband mit Gewicht zum Einsatz.

So haben die Polarforscher schon vor hundert Jahren die Dicke des Eises bestimmt. Diese Art der Messung sei oft am zuverlässigsten, sagt Oppelt: „Oft greift man dann doch eben auf diese etwas altertümliche Technik zurück, denn ein Zentimetermaß funktioniert immer, weil es keine Batterie braucht.“

[…]

Den vollständigen Artikel findet ihr bei der Tagesschau.
Mehr Informationen gibt es auf der AWI Website.

„Die Natur verschafft sich Gehör“

Das Bild zeigt eine blonde Frau in einer roten Jacke. Dabei handelt es sich um die Meeresbiologin Antje Boetius. Im Hintergrund sind verschiedene Messgeräte sowie ein aufgeklappter schwarzer Laptop zu erkennen.

© Rolfes | AWI

Die Leiterin des Alfred-Wegner-Instituts in Bremerhaven, Antje Boetius, spricht über aktuelle Forschungsprojekte und Expeditionen sowie über die Rolle der Wissenschaft im Kontext Klimawandel und Erderwärmung. Welche Erwartungen können wir an die Politik stellen, wie können wir aktiv werden? Was gegen das Ohnmachtsgefühl tun, wenn wir uns mit scheinbar unlösbaren Problemen wie der Erderwärmung und deren Folgen konfrontiert sehen? Antje Boetius verrät, wie sie möglichem Pessimismus begegnet:

Ich will mich nicht von Angst leiten lassen. Ich gehe lieber raus und mache, was in meiner Kraft liegt. Um den Kopf in den Sand zu stecken, ist es gerade die falsche Zeit. Wir dürfen nicht vergessen: Es gibt politische, soziale und technische Lösungen. Was fehlt, ist der Mut, die Logik, die Experimentierfreudigkeit.

12.09.2019, Weser Kurier, Autor: Nico Schnurr

Frau Boetius, bald startet die bisher größte Arktisexpedition, und Sie sind nicht dabei. Ärgert Sie das?

Antje Boetius: Und wie! Als ich vor drei Jahren in der Arktis war, habe ich noch gedacht, ich könnte bei der Mosaic-Expedition dabei sein. Dann kam der Job als Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts dazwischen, und plötzlich kann ich nicht mehr einfach für einige Monate im Eis verschwinden. Die Arktis ist zu weit weg und der Internetempfang zu begrenzt, um dort Alltagsaufgaben zu erledigen. Ich kann jetzt nur helfen, die Expedition auf den Weg zu bringen.

Warum wollen Sie ausgerechnet an einem der kältesten Orte der Erde versuchen, den Klima­wandel besser zu verstehen?

Die Arktis funktioniert wie ein Frühwarnsystem. Sie erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Während wir immer noch darüber diskutieren, ob wir es schaffen, die globale Erwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters zu begrenzen, taut die Arktis immer schneller.

Was bedeutet das für uns?

Das wollen wir herausfinden. Da sind viele Fragen offen. Raubt unser Lebensstil dem Eisbären und dem Walross ihren Lebensraum? Schaden wir uns selbst, weil der Rückgang des Eises auf Wetter, Winde und Meeresströmungen wirkt?

Die Forscher können die zentrale Arktis nur mit einer Drift erreichen. Ganz planbar ist das nicht. Beunruhigt Sie das?

Es ist aufregend, denn es ist tatsächlich unsicher, wie das laufen wird. Dort, wo die Forscher das Schiff einfrieren lassen wollen, schmilzt das Eis gerade zu einem neuen Minimum. Wir suchen noch nach Schollen, die groß und dick genug sind. Die letzte Hitzewelle im August erschwert die Planung.

In diesem Sommer sind auch bei uns die Flüsse und Böden ausgetrocknet. Ist das erst der Anfang?

Die Erderwärmung schreitet deutlich schneller voran, als wir erwartet haben. Wir sehen die Waldbrände in den Nachrichten, die vertrockneten Felder und die schmelzenden Gletscher. Und dennoch verhalten wir uns so, als würde der Klimawandel in der fernen Zukunft passieren. Diese Haltung schadet kommenden Generationen. Die Zeit, teure Schäden zu vermeiden, läuft ab. Der Klimawandel ist längst da. Und doch muss man sagen: Es kann noch vieles erreicht werden. Wir müssen nur anfangen.
[…]

Das ganze Interview mit Antje Boetius findet ihr beim Weser Kurier.

IUCN Bericht: Die Zukunft des Tiefseebergbaus

Eine riesengroße Maschine, die für den Tiefseebergbau eingesetzt werden soll, in einer Halle, mit einem Arbeiter, der winzig klein davor erscheint.

© Nautilus Minerals

Wenn wir an die Tiefsee denken, verbinden wir diesen einzigartigen Lebensraum häufig mit Kälte und Dunkelheit. Was zunächst trist und leer zu sein scheint, beherbergt aber eine erstaunliche Vielfalt von Arten. Auch der 2018 erschienene Bericht der IUCN bezeichnet die dort auffindbaren Ökosysteme als einzigartig und wertvoll. Die Autoren des Reports betonen, dass wir viele Arten und Lebensräume der Meere durch unseren rücksichtslosen Umgang mit unserer Umwelt an den Rand der Zerstörung geführt haben. Da das kommerzielle Interesse an den Rohstoffen der Tiefseeböden zunimmt, ist es dringend notwendig, die Ausbeutung und Zerstörung der Tiefsee zu verhindern.

Im Mittelpunkt des Berichts stehen daher die möglichen Folgen des Tiefseebergbaus, sowie Ansätze zur Überwachung eines nachhaltigen Tiefseebergbaus. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die geografischen sowie geologischen Besonderheiten der potenziellen Abbaugebiete und die zugehörigen rechtlichen Richtlinien. Zudem werden unterschiedliche Abbautechnologien beschrieben, wobei auch Umweltparameter wie extremer Druck und enorme Tiefen eine Rolle spielen, da sie das Unterfangen erschweren könnten.

Die Autoren des Berichts betonen, dass die Folgen für die Ökosysteme zum Teil sehr schwer einzuschätzen sind und dringlichst Daten erhoben werden müssen. Studien zeigten bereits, wie verheerend eine Umschichtung der Sedimente im Meeresboden die Habitate und die Biodiversität beeinträchtigen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Veränderungen der Artenstruktur im Abbaugebiet irreversibel sein könnten. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen von vielen möglichen Störungen der sensiblen Habitate.

Verschiedene Interessensgruppen und Institutionen müssen Hand in Hand arbeiten, um die Herausforderungen zu lösen, die ein möglicher Tiefseebergbau birgt. Solange dies nicht gewährleistet ist im Sinne des Lebensraums Tiefsee, kann nicht von einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Abbau gesprochen werden.

Precisely assessing the value of the potential damage to deep-sea ecosystems and biodiversity is one of the major
challenges associated with deep-sea mining (Glover, 2003; MIDAS, 2017). “The benefit of mankind as a whole” can arguably no longer merely be seen from a purely financial perspective with proceeds that are to be partly redistributed, as it did when the phrase was coined half a century ago. There are also benefits associated with safeguarding one of the few untouched places on the planet, especially to those generations that are yet to follow and thus have no say in what is being decided now (Halfar & Fujita, 2007; Hoagland et al., 2010; Van Dover et al., 2018).

[…]

Den gesamten Bericht könnt ihr bei IUCN herunterladen

Weitere Informationen zum Thema Tiefsee findet ihr in unserem Tiefsee Blog.

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