Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Meeresspiegel steigt schneller an als prognostiziert

Klimareporter°, 10.2.2019, Autorin: Verena Kern

©Arifur Rahman Tushar/​Pixabay

Vor uns die Sintflut

Der Klimawandel könnte den Meeresspiegel deutlich höher ansteigen lassen als bislang angenommen, zeigt ein geleakter Entwurf des Sonderberichts, den der Weltklimarat IPCC im September vorlegen will.

Mitte September wird der Weltklimarat IPCC einen weiteren Sonderbericht vorlegen, diesmal zu den Folgen des Klimawandels für die Ozeane. Ein wichtiges Thema wird dabei die Frage sein, wie stark der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich ansteigen und damit das Leben von Millionen in den Küstenregionen lebenden Menschen gefährden wird.

Nun ist ein Entwurf des Berichts von der japanischen Tageszeitung The Mainichi geleakt worden. Demnach könnte die fortschreitende Erderhitzung zu einem Anstieg des Meeresspiegels um gut 1,3 Meter bis 2100 führen.

Diese Prognose geht weit über das hinaus, was der Weltklimarat bislang angenommen hat. In seinem Fünften Sachstandsbericht von 2014 hatte der IPCC einen Anstieg von maximal 98 Zentimetern bis zum Ende des Jahrhunderts vorhergesagt – allerdings als Worst-Case-Szenario.

Damals waren die Wissenschaftler noch von der Stabilität des antarktischen Eises ausgegangen. Neuere Studien, die nun auch in den Sonderbericht einfließen, zeigen jedoch ein anderes Bild. Demnach hat sich der Eisverlust in der Antarktis in den vergangenen 40 Jahren versechsfacht. Auch die Ostantarktis, die bislang als relativ stabil galt, ist betroffen.

Ebenso beschleunigt sich die Eisschmelze in Grönland. Die jüngsten Schmelzraten sind höher als in den vergangenen 300 Jahren und damit auf Rekordhöhe.

Eine Studie der University of Melbourne kam Ende 2017 zu dem Ergebnis, dass der Meeresspiegel bis 2100 um 1,32 Meter steigen könnte – falls es nicht gelingt, bis 2050 weltweit aus der Kohlenutzung auszusteigen.

Eine ganz ähnliche Zahl – nämlich 1,33 Meter Anstieg verglichen mit dem Durchschnitt des Zeitraums von 1986 bis 2005 – dürfte laut dem geleakten Entwurf auch in dem IPCC-Sonderbericht auftauchen. Das wäre ein „signifikant höherer“ Wert als in früheren Berichten, zitiert die Zeitung aus dem Entwurf.

Mehr Hitzewellen in den Ozeanen

Zudem werden laut Berichtsentwurf Hitzewellen in den Ozeanen häufiger auftreten und die maritimen Ökosysteme „an die Grenzen ihrer Widerstandsfähigkeit“ bringen. Eine Nature-Studie aus dem vergangenen Jahr hatte beispielsweise ergeben, dass Hitzeereignisse im Meer heute schon doppelt so wahrscheinlich sind wie vor 35 Jahren.

Höhere Temperaturen in den Ozeanen und an der Meeresoberfläche können zudem dazu beitragen, dass es mehr regnet, mehr stürmt und die Wellen höher werden. Kürzlich erst hatte ein australischer Regierungsbericht gezeigt, dass die Wellenenergie proportional zur Oberflächentemperatur zunimmt. Die Folge ist eine zunehmende Küstenerosion.

Laut IPCC-Entwurf nimmt die Versauerung der Meere durch die steigende Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre weiter zu. Auch die sogenannten Todeszonen weiten sich aus, also Regionen, in denen der Sauerstoffgehalt des Wassers so niedrig ist, dass dort kein Leben mehr möglich ist.

Der endgültige Entwurf des Sonderberichts wird für Anfang Juni erwartet.

Quelle: https://www.klimareporter.de/erdsystem/vor-uns-die-sintflut

Der vollständigen Bericht des Weltklimarats IPCC findet ihr hier.

Klimareporter°: https://www.klimareporter.de/

 

Forscher finden gigantischen Hohlraum in Antarktis-Gletscher

Thwaites Glacier ©NASA/OIB/Jeremy Harbeck

Thwaites Glacier ©NASA/OIB/Jeremy Harbeck

Spiegel online Jan 31, 2019

Das Tauen des Thwaites-Gletschers in der Antarktis ist bereits jetzt für etwa vier Prozent des globalen Meeresspiegelanstiegs verantwortlich. Was hat es mit dem gewaltigen Hohlraum auf sich, den Forscher unterm Eis entdeckten?

Das Loch nimmt zwei Drittel der Fläche von Manhattan ein und ist fast 300 Meter hoch: Im Thwaites-Gletscher in der Westantarktis haben Forscher der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa einen gewaltigen Hohlraum gefunden. Die Region um den Gletscher ist dafür bekannt, dass sie viel Eis verliert. Zu Beginn der Untersuchung gingen die Forscher daher bereits davon aus, dass sie am Gletscherende einige Lücken zwischen Eis und Untergrund finden würden, berichtet die Nasa in einer Mitteilung. Die Größe und das extrem schnelle Wachstum des Hohlraums überraschten sie dann aber doch. Das entstandene Loch fasste einst 14 Milliarden Tonnen Eis – der Großteil davon sei innerhalb der vergangenen drei Jahre abgeschmolzen, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science Advances“ nach der Auswertung verschiedener Radaraufnahmen.

Der Endbereich des Gletschers, wo sich der Hohlraum gebildet hat, ist besonders empfindlich, weil dort wärmeres Meerwasser zum Eis vordringen und es von unten abschmelzen kann. Entsteht dabei ein großes Loch, beeinflusst das auch die Zukunft des Gletschers. „Da mehr Wärme und Wasser unter den Gletscher gelangen, schmilzt er schneller“, sagt Pietro Milillo vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena.

Für vier Prozent des Meeresspiegelanstiegs verantwortlich

Der Thwaites-Gletscher ist ungefähr so groß wie der US-Bundesstaat Florida und derzeit für etwa vier Prozent des globalen Meeresspiegelanstiegs verantwortlich. Würde er komplett abschmelzen, wäre ein Meeresspiegelanstieg von 65 Zentimetern die Folge. Außerdem stabilisiert der Thwaites weitere Gletscher, deren vollständiges Abschmelzen den Meeresspiegel laut Nasa um 2,4 Meter anheben würde.

Forscher wollen die abgelegene Region in den kommenden Jahren weiter untersuchen, um die Vorgänge am Gletscher besser zu verstehen und exakte Prognosen für deren Entwicklung treffen zu können. Der Gletscher entwickelt sich an verschiedenen Seiten unterschiedlich. An der Westseite, wo sich auch der große Hohlraum befindet, schwankt die Grundlinie mit Ebbe und Flut derzeit zwischen drei und fünf Kilometern. Die Grundlinie ist der Punkt, an dem der Gletscher beginnt, auf Meerwasser zu schwimmen.

Furche verändert Grundlinie

Durch eine Furche im Gestein löst sich der Gletscher immer weiter von der Landmasse – die Grundlinie zieht sich seit 1992 jedes Jahr 0,6 bis 0,8 Kilometer zurück. Gleichzeitig schmilzt das Eis in dem Bereich extrem schnell. An der Ostseite des Gletschers sieht es etwas anders aus. „Der Rückzug der Grundlinie erfolgt dort über viele kleine Wasserkanäle“, erklärt Milillo. Man könne sie sich vorstellen wie Finger, die unter den Gletscher reichen, um ihn von unten abzuschmelzen. In dieser Region hat sich die Geschwindigkeit, mit der sich die Gletscherlinie zurückzieht, verdoppelt – von 0,6 Kilometern pro Jahr im Zeitraum 1992 bis 2011 auf 1,2 Kilometer pro Jahr von 2011 bis 2017. Trotzdem schmilzt der Gletscher hier langsamer als an der Westseite. Zuletzt gab es wiederholt Berichte über die Eisschmelze in der Antarktis. Mitte Januar warnten Forscher etwa, dass der bisher für recht stabil gehaltene Osten des Kontinents deutlich mehr Eis verliert als bislang angenommen.

Quelle und weitere Informationen: http://m.spiegel.de/wissenschaft/natur/antarktis-forscher-finden-gigantischen-hohlraum-in-gletscher-a-1250989.html

Diver filmed with huge great white: sharks must be ‚protected not feared‘


©Juansharks/Juan Oliphant/AFP/Getty Images

„There’s not a lot of sympathy for sharks because of the way they’re portrayed in media“, erklärt die Haiforscherin und Umweltschützerin Ocean Ramsey, die vor der Küste von Hawaii ein hautnahes Erlebnis mit dem wohl größten jemals verzeichneten Weißen Hai hatte.

The Guardian, 19.01.2019, Associated Press in Haleiwa (Hawaii)

Two shark researchers who came face to face with what could be one of the largest great whites ever recorded are using their encounter as an opportunity to push for legislation that would protect sharks in Hawaii.

Ocean Ramsey, a shark researcher and conservationist, told the Associated Press that she encountered the 20ft (6-metre) shark on Tuesday near a dead sperm whale off Oahu. The event was documented and shared on social media by her fiance and business partner, Juan Oliphant.

The Hawaii department of land and natural resources said it was aware of photos of the great white and that tiger sharks also had been feeding on the whale.

Oliphant, who photographed the now viral images, said it was unclear if the shark was the famed Deep Blue, believed to be the largest great white ever recorded.

“She looks the part right now,” Oliphant said. “Maybe even more exciting that there is another massive, you know, super-size great white shark out there. Because their populations are so dwindling.” […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

The Guardian: https://www.theguardian.com/international

 

 

Träges Speichermedium Wasser- Ozeane erwärmen sich schneller als erwartet


© AP

FAZ, 13.01.2019, Autor: Joachim Müller-Jung

Es ist nicht das erste Mal, dass der Weltklimarat IPCC schneller korrigiert wird, als ihm lieb sein kann. Die Selbstkorrektur ist Teil seiner fortlaufenden Arbeit. Jede Woche kommen neue, aktuellere Ergebnisse dazu. Diesmal aber enthält die Aktualisierung, die via „Science“ übermittelt und damit auch der Öffentlichkeit mitgeteilt wird, eine besonders beunruhigende Nachricht: Die Erwärmung der Weltmeere hat sich weiter beschleunigt – deutlich stärker, als es bislang bekannt war.

Beunruhigend ist das vor allem deshalb, weil der allergrößte Teil – etwa 93 Prozent – der Energie, die sich durch den menschengemachten Treibhauseffekt in der Atmosphäre ansammelt, von den Ozeanen aufgenommen, gespeichert und der Klimawandel damit langfristig quasi programmiert bleibt. Abkühlen geht so schnell wieder nicht. Die Meere sind ein unglaublich träges Speichermedium. Genau deshalb muss die überraschend schnelle Aufnahme der Wärmeenergie in jüngster Zeit nicht nur dem Weltklimarat, sondern vor allem der internationalen Klimapolitik Kopfzerbrechen bereiten.

Das vergangene Jahr war der neuen Veröffentlichung zufolge  „das heißeste Meeresjahr seit Beginn der Messungen“, auch 2017 lieferte bereits Spitzenwerte, ebenso wie 2016 und 2015. Mit anderen Worten: Von einem Abbremsen der Erderwärmung ist weit und breit nichts zu sehen. Im Gegenteil: Verglichen mit dem seit den sechziger Jahren ermittelten anfänglichen Erwärmungstrend hat sich die durch Treibhausgase angefachte Aufheizung der Meere inzwischen um vierzig Prozent verstärkt – Tendenz weiter steigend. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

FAZ: https://www.faz.net/aktuell/

Antje Boetius erhält den Deutschen Umweltpreis

Ihr Einsatz für unsere Umwelt wurde belohnt:

Antje Boetius erhält den Deutschen Umweltpreis


© Kerstin Rolfes/Alfred-Wegener-Institut/dpa

Bereits zum 26. Mal wurde der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergeben, die Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius ist eine der Gewinnerinnen. Der mit 500.000 Euro dotierte Preis ist der größte unabhängige Umweltpreis Europas. Durch die Vergabe betont die DBU die große Bedeutung der Weltmeere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung und warnt gleichzeitig vor dem Klimawandel, der Umweltverschmutzung und Überfischung.

Ein Leben für die Ozeane

Mit unterschiedlichen Schwerpunkten erforscht Antje Boetius die Biodiversität der Tiefsee, betreibt Wissenschaftskommunikation und setzt Projekte zwischen Wissenschaft, Kunst und Kultur um – die Ozeane und ihre Vielfalt sind die Themen der wohl bekanntesten Meeresforscherin Deutschlands. Ihren Anspruch an das Meer sieht sie dabei sogar durchaus romantisch: „Es geht darum, ein Paradies zu erhalten.“

Ende der 1980er begann Antje Boetius‘ Reise in die unbekannten Weiten der Tiefsee. Sie studierte Biologie an der Universität Hamburg und setzte Anfang der 90er mit einem Studium der Biologischen Ozeanographie an der Scripps Institution of Oceanography in den USA nach. Der Startschuss für eine beeindruckende Laufbahn war gefallen. Für ihre Diplomarbeit über Tiefseebakterien verbrachte Boetius einige Monate auf diversen Forschungsschiffen im Pazifik und Atlantik. Ihre Dissertation schrieb die heute 51-Jährige an der Universität Bremen dann im Jahr 1996 über „mikrobielle Stoffumsätze in der Tiefsee der Arktis“, bevor sie 2001 zunächst Assistenz-Professorin an der Jacobs University Bremen und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Alfred-Wegener-Institut im Fachbereich Geologie wurde. Seit 2009 ist sie Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen.

Die international hoch geschätzte Wissenschaftlerin, die seit November 2017 außerdem Direktorin am Alfred-Wegener-Institut (AWI) ist, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, wurde mit verschiedensten Preisen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie für ihre Arbeit den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis sowie den Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den Advanced Grand des Europäischen Forschungsrates und nun vor wenigen Tagen den Deutschen Umweltpreis.

Mit Begeisterung und ganzheitlicher Sicht gegen die Bedrohungen des Meeres

Plastikmüll, Klimawandel, Tiefseebergbau oder Überfischung – die Liste der Bedrohungen für das Meer ist lang. Während in der Bevölkerung insbesondere das Thema Plastikmüll aktuell große Beachtung findet, sieht Boetius die Themen für gleichermaßen bedeutsam und gefährlich an. Langfristig gedacht ist jedoch immer noch der Klimawandel die größte Bedrohung, denn schon jetzt gibt es laut Boetius keine Region mehr in den Ozeanen, die nicht von ihm betroffen ist. Algen und Mikroorganismen machen die oberen Zonen des Meeres produktiv, verändern sich allerdings durch den Klimawandel und haben somit eine direkte Wirkung auf die fernsten Tiefseetiere. Das Konzept „unberührte Natur“ wird es dadurch für zukünftige Generationen gar nicht mehr geben, so die Wissenschaftlerin.

Zum Verständnis der komplexen klimatischen Zusammenhänge hat Boetius mit dem Kerngebiet ihrer Forschung schon viel beitragen können. Beispielsweise wurde die Symbiose von Archaeen (Urbakterien) und Bakterien, die vom starken Treibhausgas Methan leben, erstmals von ihr entdeckt – eine wichtige Funktion in unserem Kohlenstoffkreislauf. Alle paar Jahre widmet sich die Forscherin allerdings wieder neuen Themen der Meeresbiologie, um das große Ganze zu sehen. Kein Wunder, denn auf ihren bald 50 mehrmonatigen Meeresexpeditionen weltweit kommt sie immer wieder mit neuen Phänomenen in Berührung – eine für sie unendliche Inspirationsquelle für Projekte und Forschung. Woher ihr unersättlicher Forschungswille stammt? Aus Neugierde auf das Unbekannte und der Faszination darüber, wie vieles wir noch immer nicht über unsere Welt wissen. Und natürlich daraus, wirklich etwas zu bewirken zu wollen.

»Mir ist wichtig, dass wir verstehen, dass das Wissen, Forschen und Entdecken ein Teil der Frage ist: Wer sind wir Menschen, wo wollen wir hin, wie wollen wir in Zukunft mit der Erde und den Meeren leben.«

Wissen und Kommunikation als Brücke

Schon kleinste Veränderungen in unserer Lebensweise haben Konsequenzen für die Ozeane – der Bedarf an Wissen darüber ist groß, ebenso wie der Bedarf daran, mehr über die Rolle der Ozeane in globalen Zusammenhängen zu erfahren. Es geht immer wieder darum, andere Arten des Umgangs mit der Natur herauszufinden, dafür ist Wissen ein bedeutender Schritt. Und genau dieses Wissen will die Meeresbiologin an möglichst viele Menschen weitergeben.

Es geht um Information, aber auch um Überzeugungen und das Bewirken von Veränderungen. Die Kommunikation mit den unterschiedlichsten Gruppen – ob Politiker, Medienschaffende oder Kinder – ist ein Schlüssel hierfür. Dafür geht Boetius gerne auch unkonventionelle Wege in Richtungen, in denen Wissenschaft sonst eher selten vorkommt. Beispielsweise in Kindersendungen und Unterhaltungsshows, in Lesungen mit Autoren oder Kulturveranstaltungen mit Musikern und Künstlern. Wer sich traut, neue Wege zu gehen, schafft es, unterschiedlichste Menschen zu erreichen und bisher unbeantwortete Fragen zu thematisieren – und genau das gelingt Boetius ausgezeichnet.

Luisa Münch für DEEPWAVE

Mehr über das Leben und Arbeiten von Antje Boetius gibt es in diesem Videobeitrag der Deutsche Bundesstiftung Umwelt und in diesem Interview mit ARD-Alpha.

 

EU-Parlament stimmt für Verbot von Wegwerf-Plastikprodukten

Die neuste Pressemitteilung der EU zum Thema Verbot von Einwegplastikverpackungen ist gerade veröffentlich worden. Darin ist zu lesen, dass das EU Parlament nun den von der Kommission eingereichten Vorschlag zur Reduzierung von Einwegplastik angenommen hat. Dies ist tatsächlich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um weitere Verschmutzung der Meere zu verhindern. Aber ein Grund in Jubelschreie auszubrechen, ist es mit Sicherheit nicht. Zum einen beinhaltet die Entscheidung des EU Parlaments noch keine praktischen Konsequenzen. Erst müssen sich noch die EU-Staaten im Ministerrat auf eine gemeinsame Linie zu dem Gesetzesvorschlag einigen. Laut Pressemitteilung würden die neuen Regeln zwei Jahre nach Verabschiedung durch Rat und Parlament in Kraft treten, also voraussichtlich frühestens 2021. Es ist also noch ein langer Weg bis dorthin.

Zum anderen kann man sich fragen, wie effektiv neue Verordnungen sein werden, wenn die Pressemitteilung auch Sätze wie den folgenden bereithält: „Wenn günstige Alternativen zur Verfügung stehen, sollen demnach die zehn Einwegkunststoffprodukte vom Markt genommen werden, die am häufigsten in den Ozeanen landen.“ Und wenn keine geeigneten „günstige Alternativen“ zu beispielsweise Plastiktrinkhalmen zur Verfügung stehen? Darf man dann einfach weiterhin Einweg-Plastiktrinkhalme verwenden, weil die möglichen Alternativen nicht so günstig und praktisch handhabbar sind? Berichterstatterin und Mitglied des Europäischen Parlaments Frédérique Ries äußerte sich zu diesem Thema: „(…) the member states have many options to choose from. It is up to them to choose wisely and up to us to keep pushing for more. “

Dennoch freuen wir uns sehr, dass der Vorschlag der Kommission nun tatsächlich in ein Gesetz münden wird und dass das Thema Meeresschutz inzwischen auch eine Bedeutung auf EU Ebene gewonnen hat. Und auch wir werden auf keinen Fall jetzt die Hände in den Schoß legen, denn durch die Entscheidung des EU Parlaments ist das Plastik-Problem keinesfalls gelöst! Siehe auch unsere BLUE STRAW Kampagne: https://www.deepwave.org/bluestraw-kampagne/

Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung.

Pressemitteilungen der EU und weitere Infos findet ihr hier: http://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20181009IPR15501/plastic-oceans-meps-back-eu-ban-on-polluting-throwaway-plastics-by-2021

https://ec.europa.eu/germany/news/20181025-eu-parlament-plastikprodukte-verbot_de

Geheimnisvolle Unterwasserwelt

Riesenassel aus der Tiefsee | Bild: picture-alliance/dpa
© picture-alliance/dpa
Die Tiefsee- Ein kaum erforschter Lebensraum. Trotz Kälte, Dunkelheit und geringen Sauerstoffs gibt es eine Vielzahl von einzigartigen Lebenswesen und wertvolle Rohstoffe.

Bayrischer Rundfunk, 12.10.2018

Die Tiefsee geht weiter hinab, als unsere höchsten Berge hinauf. Während Licht, Luft, Wärme und Bewegung unsere Welt prägen, ist die Welt da unten dunkel, kalt und sauerstoffarm. Fische verharren nahezu reglos. Alles andere würde zu viel Kraft und Atem kosten: Denn der Druck der Wassermassen in der Tiefsee ist immens hoch – bis zu etwa 1.000 Bar. Ohne Schutz könnte kein Mensch in dieser Welt überleben. Auch mit Taucherglocken und U-Booten haben sich bisher weniger Menschen zum Tiefseegrund gewagt, als mit Raumschiffen auf den Mond.

Noch vor gut 150 Jahren glaubten Wissenschaftler, dass in der Tiefsee kein Leben möglich sei. Sie wurden eines Besseren belehrt, als 1858 ein gerissenes Tiefseekabel geborgen werden musste.Es war von verschiedenen Tierarten besiedelt. Seither entdecken Expeditionen immer wieder bizarre Lebewesen in den Tiefen der Meere – der Riesentintenfisch ist nur eines davon. Dank Kameras können wir uns auch über Wasser ein Bild davon machen. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Bayrischer Rundfunk: https://www.br.de/index.html

 

 

 

 

Great Barrier Reef: Meeres-Drohne jagt gefährliche Seesterne

Spiegel Online, 13.09.2018

Sie sehen eigentlich harmlos aus, allenfalls etwa stachelig. Doch die Auswirkungen der Dornenkronen-Seesterne (Acanthaster planci) auf das Great Barrier Reef sind nicht zu unterschätzen: In Massen machen die bis zu einem Meter großen, giftigen und korallenfressenden Stachelhäuter einem der artenreichsten Ökosysteme der Erde zu schaffen. Um ihre Ausbreitung aufzuhalten, töteten Taucher die Tiere bisher einzeln mit Giftspritzen. Ein umständliches Verfahren und ohne durchschlagenden Erfolg. Nun verheißt eine neue Erfindung Besserung: kleine Killer-Roboter.

Forscher der Queensland University of Technology (QUT) haben die sogenannten RangerBots, die Mini-U-Booten ähneln, in Zusammenarbeit mit Google und der Great Barrier Reef Foundation entwickelt. Der Unterwasserroboter kann per Tablet durch komplexe Korallenriffe navigiert werden, um dort Dornenkronen-Seesterne aufzuspüren. Dann schießt der Apparat eine tödliche Injektion aus Essig oder Gallensalz auf den Seestern – das Riff soll dabei unversehrt bleiben. Der Unterwasserroboter könne die dornigen Seesterne mit einer Zuverlässigkeit von 99,4 Prozent identifizieren, sagt sein Entwickler, der QUT-Ingenieur Matthew Dunbabin. „Wir haben den RangerBot so trainiert, dass er Dornenkronen erkennt – und zwar nur diese korallenzerstörenden Seesterne -, ähnlich wie Menschen lernen, zwischen verschiedenen Meereslebewesen zu unterscheiden.“

Der 15 Kilo schwere und 75 Zentimeter lange Roboter kann pro Batterieladung bis zu acht Stunden tauchen und auch nachts im Einsatz sein, selbst in Gewässern mit Haien und Krokodilen. Zudem kann der Roboter laut Dunbabin Korallenriffe auch auf andere Gefahren inspizieren, etwa sonstige Schädlinge, Korallenbleiche oder Versandung. Das Gebiet vor Australiens Nordostküste ist die größte Korallenregion weltweit: Auf einer Fläche fast so groß wie Deutschland bieten etwa 2900 Riffe Lebensraum für Millionen Meeresbewohner. Jedes Jahr zieht die Touristenattraktion über zwei Millionen Besucher an und erwirtschaftet umgerechnet gut vier Milliarden Euro.

In den vergangenen Jahren aber machten zahlreiche Probleme dem Riff zu schaffen, etwa Sedimentbildung, Meeresversauerung oder die Korallenbleiche. Laut einer Studie hat das Great Barrier Reef zwischen 1985 und 2012 die Hälfte seiner Korallen eingebüßt. 40 Prozent davon fielen den gefräßigen Dornenkronen zum Opfer. Mehrere Millionen von ihnen gebe es derzeit in der Region, sagt Sven Uthicke vom australischen Institute of Marine Science. Laut Uthicke setzt nur der Klimawandel den Korallen schlimmer zu.

Dabei sind Dornenkronen, die zu den größten Seesternen der Welt gehören, per se keine Schädlinge: In geringerer Zahl helfen die Stachelhäuter, die Korallenvielfalt zu bewahren, denn sie fressen die am schnellsten wachsenden Arten. Doch sobald sich pro Hektar mehr als etwa 15 Dornenkronen tummeln, wird schneller gefressen als nachwachsen kann. Wissenschaftler sehen zwei Hauptgründe für die derzeitige Dornenkronen-Plage: zum einen den Rückgang der natürlichen Feinde wie Stern-Kugelfische oder Tritonshörner, einer Schneckengattung. Zum anderen lässt der zunehmende Eintrag von Nährstoffen etwa aus der Landwirtschaft ins Meer Algen wuchern – die Hauptnahrung der Dornenkronen-Larven.

Quelle und weitere Informationen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/great-barrier-reef-meeres-drohne-toetet-gefaehrliche-seesterne-a-1227887.html

Der 6. Runde Tisch Meeresmüll

Der Runde Tisch Meeresmüll (https://muell-im-meer.de/) bringt Vertreter von Umweltschutzorganisationen, Instituten, Industrie und Wirtschaft an einen Tisch und wird vom Niedesächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und dem Umweltbundesamt ausgerichtet.

Die zweitägige Konferenz fand dieses Jahr vom 29. bis 30. August in Hannover statt, wobei see- und landbasierte Einträge behandelt wurden. In diesem Rahmen wurden aktuelle Projekte, Maßnahmen und Vorschläge vorgestellt, diskutiert und bearbeitet. Dabei wurden beispielsweise der Legislativvorschlag der EU Kommision zur Kunststoffstrategie, der Verzicht von Dolly-Ropes oder die Vermeidung des Einsatzes von primären Mikroplastikpartikeln besprochen.

DEEPWAVE hat die Gelegenheit genutzt und zum Thema Substitution von Alltagsgegenständen die BLUE STRAW Kampagne vorgestellt, sowie sich einen Überblick über die politische Situation verschafft.

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