Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Mangroven und ihre Bedeutung für den Klimaschutz

Links und rechts des Flusses stehen viele Mangroven

© kmarius / Pixabay

Pressemitteilung, 26.03.2019 vom idw- Informationsdienst Wissenschaft

Dr. Susanne Eickhoff Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Viele Studien legen nahe, dass Mangroven gigantische Kohlenstoffreservoire und ein bedeutender Faktor für den Klimaschutz sind. Doch bisher fehlten genaue Berechnungen, wieviel Kohlenstoff ein Mangrovenwald in einem bestimmten Zeitabschnitt speichert. Für Klimaschutzprogramme und Emissionshandel sind solche Zahlen aber überaus relevant. Ein Forscherteam vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) liefert nun Speicherraten für indonesische Mangroven.

Hohe Konzentrationen von CO2 in der Atmosphäre und die damit verbundene Klimaerwärmung führen uns immer deutlicher zu Bewusstsein: es ist zwingend notwendig, die Kohlenstoff-Senken unserer Erde zu erhalten. Damit sind solche Ökosysteme gemeint, die besonders viel Kohlenstoff speichern, wie die Ozeane oder an Land die Torfsümpfe.

Auch Mangroven helfen beim Klimaschutz: sie sind hocheffiziente Kohlenstoffspeicher. Als Wälder am Übergang zwischen Land und Meer sind sie den Tiden ausgesetzt und werden regelmäßig überschwemmt. Das Dickicht ihrer Stelz- und Luftwurzeln hält jedoch das Sediment im Waldboden zurück und verhindert, dass es ausgewaschen wird. Im Schlick sammeln sich enorme Mengen an organischem Material an: abgefallene Blätter, abgestorbenes Holz und Wurzeln, Ausscheidungen von Fischen und Krabben sowie angeschwemmtes Material von Flüssen und Tiden. Die Schlammschichten können viele Meter tief sein.

Um die Effizienz von Mangroven als Kohlenstoffspeicher zu beurteilen, wurde bisher auf den Kohlenstoffbestand im Boden zurückgegriffen. Amerikanische Wissenschaftler beispielsweise bestimmten in 2011 die Menge, die im Sediment vorhanden ist: im Durchschnitt über 1000 Tonnen pro Hektar, viermal so viel wie in tropischen Regenwäldern. Insgesamt schätzten die Forscher, dass zwischen vier und 20 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in den Gezeitenwäldern gespeichert sind. […]

Die vollständige Pressemitteilung findet ihr beim idw- Informationsdienst Wissenschaft.

LEIBNIZ-ZENTRUM für Marine Tropenforschung: https://www.leibniz-zmt.de/de/

 

 

 

FCKSTRAWS-Initiative bietet Know-how an

Die FCKSTRAWS-Initiative ruft dazu auf, keine Strohhalme mehr aus Plastik zu verwenden. Sie hat die Hamburger Clubszene bereits mit unserem Wissen über Alternativen, Stickern und Flyern ausgestattet. Jetzt bieten die Kampaigner:innen von FCKSTRAWS allen Interessierten bundesweit an, ihre Erfahrungen und Know-how weiterzugeben. Wir freuen uns sehr, dass die Initiative auch außerhalb Hamburgs ihre Wirkung zeigt.

Weitere Informationen über FCKSTRAWS findet ihr hier.

Kontakt aufnehmen zu FCKSTRAWS: https://fckplastic.org/kontakt/

 

 

Kaffeesatz statt Wissenschaft: WWF kritisiert „staatlich legitimierte Überfischung“

Pressemitteilung, 19.12.2018, WWF

EU einigt sich auf Fischfangmengen für 2019 / WWF kritisiert „staatlich legitimierte Überfischung“

Die EU Fischereiminister haben in der Nacht festgelegt, wie hoch die Fangmengen für das kommende Jahr für 89 Fischbestände in der Nordsee und dem Nordostatlantik sein dürfen. In der Nordsee dürfen im Jahr 2019 mehr Schollen und Seelachs, aber weniger Kabeljau und Heringe gefangen werden. Die Naturschutzorganisation WWF kritisiert in einer Stellungnahme die fortgesetzte „staatlich legitimierte Überfischung“ und fordert ein Umdenken in der EU-Fischereipolitik.

„Noch immer ist jeder zweite Fischbestand im Nordostatlantik überfischt. Doch anstatt auf wissenschaftliche Fakten und Empfehlungen zu bauen, betreiben die Fischereiminister willkürliche Kaffeesatzleserei, um die Quoten festzulegen. Europa wollte bis 2020 die Überfischung abschaffen. Mit den getroffenen Entscheidungen wird die Politik diese Selbstverpflichtung verfehlen und bedient die Interessen der Fischereiindustrie“, kritisiert Heike Vesper, Direktorin des WWF Meeresschutzprogramms. „Für die Erholung der Fischbestände muss zwingend weniger gefangen werden. Das ist doch kein Hexenwerk, sondern politische, ökologische und ökonomische Vernunft.

„Die Höchstfangmangen oder TACs (engl. Total Allowable Catch) sind eigentlich das zentrale Werkzeug des Fischereimanagements, um die Bestände gesund zu erhalten. Doch im Jahr 2017 lagen 44 Prozent der politischen Beschlüsse zu TACs teilweise deutlich oberhalb der wissenschaftlich ermittelten Grenzen. Darunter litt auch der Nordsee-Kabeljau. Für das kommende Jahr reduzierten die Minister dessen Fangmenge in der Nordsee um ein Drittel auf rund 29.400 Tonnen. Das ist allerdings immer noch mehr als nachhaltig wäre.

Die Europäische Union hat sich mit ihrer aktuellen Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) zu dem Ziel verpflichtet, bis 2020 alle eigenen Bestände auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen. Nach WWF-Ansicht bleibt unklar, wie dieses zentrale Ziel in nur noch einem verbleibenden Jahr erreicht werden soll. Ebenso unklar ist, weshalb die zuständigen Minister die Entsorgung des „Beifangs“ auf offenem Meer nicht endlich angehen. „Vor fünf Jahren hat die Politik uns allen und dem Meer versprochen, mit dem neuen Gesetz gegen Rückwürfe die Fischverschwendung zu beenden. Doch heute sind wir kaum vom Startblock weg. Die Fischereilobby sperrt sich weiterhin und noch immer funktioniert die amtliche Kontrolle des Rückwurfverbotes nicht richtig“, kritisiert Vesper auch die deutsche Umsetzung der Fischereireform durch das zuständige Bundesministerium. Ab dem 01. Januar 2019 gilt das neue Gesetz in allen EU-Meeresgewässern. Der in großem Umfang praktizierte Rückwurf von Fischen, die zu klein sind, nicht der Zielart entsprechen oder über die Quote hinaus ins Netz gehen, sollte dann der Vergangenheit angehören. Doch dieses Versprechen haben die Minister mit ihrer Entscheidung nicht eingelöst.

Diese Pressemitteilung findet ihr beim WWF.

Weiter Informationen zur Überfischung unsere Ozeane findet ihr hier.

Die Forderung von einer Beendung der Überfischung zum Welttag der Meere, von der Deutsche Umwelthilfe, Our Fish und Deepwave, könnt ihr in unserem Politikblog nachlesen.

 

 

 

Prof. Antje Boetius erhält den Deutschen Umweltpreis 2018

© Alfred-Wegener-Institut / Kerstin Rolfes (CC-BY 4.0)

Bereits zum 26. Mal wurde der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergeben, die Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius ist eine der Gewinnerinnen. Der mit 500.000 Euro dotierte Preis ist der größte unabhängige Umweltpreis Europas. Durch die Vergabe betont die DBU die große Bedeutung der Weltmeere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung und warnt gleichzeitig vor dem Klimawandel, der Umweltverschmutzung und Überfischung.

Ein Leben für die Ozeane

Mit unterschiedlichen Schwerpunkten erforscht Antje Boetius die Biodiversität der Tiefsee, betreibt Wissenschaftskommunikation und setzt Projekte zwischen Wissenschaft, Kunst und Kultur um – die Ozeane und ihre Vielfalt sind die Themen der wohl bekanntesten Meeresforscherin Deutschlands. Ihren Anspruch an das Meer sieht sie dabei sogar durchaus romantisch: „Es geht darum, ein Paradies zu erhalten.“

Ende der 1980er begann Antje Boetius‘ Reise in die unbekannten Weiten der Tiefsee. Sie studierte Biologie an der Universität Hamburg und setzte Anfang der 90er mit einem Studium der Biologischen Ozeanographie an der Scripps Institution of Oceanography in den USA nach. Der Startschuss für eine beeindruckende Laufbahn war gefallen. Für ihre Diplomarbeit über Tiefseebakterien verbrachte Boetius einige Monate auf diversen Forschungsschiffen im Pazifik und Atlantik. Ihre Dissertation schrieb die heute 51-Jährige an der Universität Bremen dann im Jahr 1996 über „mikrobielle Stoffumsätze in der Tiefsee der Arktis“, bevor sie 2001 zunächst Assistenz-Professorin an der Jacobs University Bremen und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Alfred-Wegener-Institut im Fachbereich Geologie wurde. Seit 2009 ist sie Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen.

Die international hoch geschätzte Wissenschaftlerin, die seit November 2017 außerdem Direktorin am Alfred-Wegener-Institut (AWI) ist, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, wurde mit verschiedensten Preisen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie für ihre Arbeit den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis sowie den Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den Advanced Grand des Europäischen Forschungsrates und nun vor wenigen Tagen den Deutschen Umweltpreis.

Mit Begeisterung und ganzheitlicher Sicht gegen die Bedrohungen des Meeres

Plastikmüll, Klimawandel, Tiefseebergbau oder Überfischung – die Liste der Bedrohungen für das Meer ist lang. Während in der Bevölkerung insbesondere das Thema Plastikmüll aktuell große Beachtung findet, sieht Boetius die Themen für gleichermaßen bedeutsam und gefährlich an. Langfristig gedacht ist jedoch immer noch der Klimawandel die größte Bedrohung, denn schon jetzt gibt es laut Boetius keine Region mehr in den Ozeanen, die nicht von ihm betroffen ist. Algen und Mikroorganismen machen die oberen Zonen des Meeres produktiv, verändern sich allerdings durch den Klimawandel und haben somit eine direkte Wirkung auf die fernsten Tiefseetiere. Das Konzept „unberührte Natur“ wird es dadurch für zukünftige Generationen gar nicht mehr geben, so die Wissenschaftlerin.

Zum Verständnis der komplexen klimatischen Zusammenhänge hat Boetius mit dem Kerngebiet ihrer Forschung schon viel beitragen können. Beispielsweise wurde die Symbiose von Archaeen (Urbakterien) und Bakterien, die vom starken Treibhausgas Methan leben, erstmals von ihr entdeckt – eine wichtige Funktion in unserem Kohlenstoffkreislauf. Alle paar Jahre widmet sich die Forscherin allerdings wieder neuen Themen der Meeresbiologie, um das große Ganze zu sehen. Kein Wunder, denn auf ihren bald 50 mehrmonatigen Meeresexpeditionen weltweit kommt sie immer wieder mit neuen Phänomenen in Berührung – eine für sie unendliche Inspirationsquelle für Projekte und Forschung. Woher ihr unersättlicher Forschungswille stammt? Aus Neugierde auf das Unbekannte und der Faszination darüber, wie vieles wir noch immer nicht über unsere Welt wissen. Und natürlich daraus, wirklich etwas zu bewirken zu wollen.

»Mir ist wichtig, dass wir verstehen, dass das Wissen, Forschen und Entdecken ein Teil der Frage ist: Wer sind wir Menschen, wo wollen wir hin, wie wollen wir in Zukunft mit der Erde und den Meeren leben.«

Wissen und Kommunikation als Brücke

Schon kleinste Veränderungen in unserer Lebensweise haben Konsequenzen für die Ozeane – der Bedarf an Wissen darüber ist groß, ebenso wie der Bedarf daran, mehr über die Rolle der Ozeane in globalen Zusammenhängen zu erfahren. Es geht immer wieder darum, andere Arten des Umgangs mit der Natur herauszufinden, dafür ist Wissen ein bedeutender Schritt. Und genau dieses Wissen will die Meeresbiologin an möglichst viele Menschen weitergeben.

Es geht um Information, aber auch um Überzeugungen und das Bewirken von Veränderungen. Die Kommunikation mit den unterschiedlichsten Gruppen – ob Politiker, Medienschaffende oder Kinder – ist ein Schlüssel hierfür. Dafür geht Boetius gerne auch unkonventionelle Wege in Richtungen, in denen Wissenschaft sonst eher selten vorkommt. Beispielsweise in Kindersendungen und Unterhaltungsshows, in Lesungen mit Autoren oder Kulturveranstaltungen mit Musikern und Künstlern. Wer sich traut, neue Wege zu gehen, schafft es, unterschiedlichste Menschen zu erreichen und bisher unbeantwortete Fragen zu thematisieren – und genau das gelingt Boetius ausgezeichnet.

Luisa Münch für DEEPWAVE

Mehr darüber erfahrt in der Pressemitteilung vom AWI und in diesem Videobeitrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

 

EU-Parlament stimmt für Verbot von Wegwerf-Plastikprodukten

Die neuste Pressemitteilung der EU zum Thema Verbot von Einwegplastikverpackungen ist gerade veröffentlich worden. Darin ist zu lesen, dass das EU Parlament nun den von der Kommission eingereichten Vorschlag zur Reduzierung von Einwegplastik angenommen hat. Dies ist tatsächlich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um weitere Verschmutzung der Meere zu verhindern. Aber ein Grund in Jubelschreie auszubrechen, ist es mit Sicherheit nicht. Zum einen beinhaltet die Entscheidung des EU Parlaments noch keine praktischen Konsequenzen. Erst müssen sich noch die EU-Staaten im Ministerrat auf eine gemeinsame Linie zu dem Gesetzesvorschlag einigen. Laut Pressemitteilung würden die neuen Regeln zwei Jahre nach Verabschiedung durch Rat und Parlament in Kraft treten, also voraussichtlich frühestens 2021. Es ist also noch ein langer Weg bis dorthin.

Zum anderen kann man sich fragen, wie effektiv neue Verordnungen sein werden, wenn die Pressemitteilung auch Sätze wie den folgenden bereithält: „Wenn günstige Alternativen zur Verfügung stehen, sollen demnach die zehn Einwegkunststoffprodukte vom Markt genommen werden, die am häufigsten in den Ozeanen landen.“ Und wenn keine geeigneten „günstige Alternativen“ zu beispielsweise Plastiktrinkhalmen zur Verfügung stehen? Darf man dann einfach weiterhin Einweg-Plastiktrinkhalme verwenden, weil die möglichen Alternativen nicht so günstig und praktisch handhabbar sind? Berichterstatterin und Mitglied des Europäischen Parlaments Frédérique Ries äußerte sich zu diesem Thema: „(…) the member states have many options to choose from. It is up to them to choose wisely and up to us to keep pushing for more. “

Dennoch freuen wir uns sehr, dass der Vorschlag der Kommission nun tatsächlich in ein Gesetz münden wird und dass das Thema Meeresschutz inzwischen auch eine Bedeutung auf EU Ebene gewonnen hat. Und auch wir werden auf keinen Fall jetzt die Hände in den Schoß legen, denn durch die Entscheidung des EU Parlaments ist das Plastik-Problem keinesfalls gelöst! Siehe auch unsere BLUE STRAW Kampagne: https://www.deepwave.org/bluestraw-kampagne/

Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung.

Pressemitteilungen der EU und weitere Infos findet ihr hier: http://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20181009IPR15501/plastic-oceans-meps-back-eu-ban-on-polluting-throwaway-plastics-by-2021

https://ec.europa.eu/germany/news/20181025-eu-parlament-plastikprodukte-verbot_de

Der 6. Runde Tisch Meeresmüll

Der Runde Tisch Meeresmüll (https://muell-im-meer.de/) bringt Vertreter von Umweltschutzorganisationen, Instituten, Industrie und Wirtschaft an einen Tisch und wird vom Niedesächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und dem Umweltbundesamt ausgerichtet.

Die zweitägige Konferenz fand dieses Jahr vom 29. bis 30. August in Hannover statt, wobei see- und landbasierte Einträge behandelt wurden. In diesem Rahmen wurden aktuelle Projekte, Maßnahmen und Vorschläge vorgestellt, diskutiert und bearbeitet. Dabei wurden beispielsweise der Legislativvorschlag der EU Kommision zur Kunststoffstrategie, der Verzicht von Dolly-Ropes oder die Vermeidung des Einsatzes von primären Mikroplastikpartikeln besprochen.

DEEPWAVE hat die Gelegenheit genutzt und zum Thema Substitution von Alltagsgegenständen die BLUE STRAW Kampagne vorgestellt, sowie sich einen Überblick über die politische Situation verschafft.

Neue Kooperation in Hamburg mit FCKSTRAWS

Für die Hamburger Clubszene machen die „clubkinder“ und die „greenmusic initiative“ den Anfang: Sie wollen das Hamburger Nachtleben nachhaltiger gestalten mit ihrer Initiative „FCKSTRAWS“ und fangen mit den Plastikstrohhalmen an. DEEPWAVE als Kooperationspartner sorgt für das nötige Wissen.

Hier findet ihr weitere Informationen über die Kampagne:

http://fckplastic.org/#

Deutsche wollen besseren Meeresschutz und keine Genpflanzen

© pixabay

Naturbewusstseinsstudie 2017 von BMU und BfN veröffentlicht

Umfrage belegt: Plastikmüll wird als Bedrohung gesehen, große Unterstützung für Meeresschutzgebiete

Eine große Mehrheit der Deutschen sieht die Vermüllung der Meere durch Plastik als Gefahr für den Naturschutz und unterstützt die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Die große Mehrheit der mehr als 2.000 Befragten der aktuellen Naturbewusstseinsstudie wünscht sich auch strengere Regeln und Gesetze, damit die Fischerei mehr für den Schutz der Meeresumwelt tut. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen sich zudem darauf verlassen können, dass der Handel keine Produkte von bedrohten Fischarten anbietet. Ein Großteil der Bevölkerung spricht sich außerdem für eine Kennzeichnungspflicht von tierischen Produkten aus, die mit gentechnisch manipulierter Nahrung gefüttert wurden. Das sind einige Ergebnisse der alle zwei Jahre erscheinenden Naturbewusstseinsstudie, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, heute in Berlin vorgestellt haben.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Im Kampf gegen den Plastikmüll in unseren Meeren unterstützt uns fast die gesamte Bevölkerung. Die Vermüllung gefährdet Ökosysteme auf dem ganzen Planeten. Wir müssen daher weltweit überflüssiges Plastik vermeiden und den Rest im Kreislauf halten und recyceln. Eine große Mehrheit der Befragten unterstützt zudem Meeresschutzgebiete und strengere Regelungen für die Fischerei zum Schutz der Natur. Auch die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gentechnik nehme ich sehr ernst. Wir brauchen endlich bundesweit einheitliche Regelungen, um den Anbau von Genpflanzen zu verbieten.“

BfN-Präsidentin Beate Jessel: „Die Bevölkerung in Deutschland gibt uns starke Signale, dass wir uns für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere einsetzen sollen: Neun von zehn Befragten befürworten die Einrichtung von Naturschutzgebieten in Nord- und Ostsee. Wir brauchen derart geschützte Gebiete, in denen Tiere und Pflanzen möglichst ungestört leben können. Die Menschen wissen auch um die Gefährdung dieser Lebensräume durch Abfälle und Schadstoffeinträge. Die Schädigung von Arten und Lebensräumen in den Meeren durch die Fischerei ist ebenfalls sehr stark in ihrem Bewusstsein verankert. Damit besteht in der Bevölkerung Deutschlands ein großer Rückhalt für stringentere Regelungen hin zu einer nachhaltigen Fischerei.“

Zum ersten Mal wurde in der Naturbewusstseinsstudie auch die Einstellung der Deutschen zum Meeresnaturschutz detailliert abgefragt. Die Auswertung zeigt, dass der Bevölkerung der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere ein großes Anliegen ist. So befürwortet eine überwältigende Mehrheit von 94 Prozent der Befragten Naturschutzgebiete in Nord- und Ostsee, 53 Prozent halten solche Gebiete sogar für „sehr wichtig“. Zudem sprechen sich 83 Prozent der Befragten für strengere Regeln und Gesetze aus, damit die Fischerei mehr für den Naturschutz tut, selbst wenn dadurch die Fischpreise steigen. 92 Prozent der Befragten möchten sich darauf verlassen können, dass der Handel keine Fischprodukte von bedrohten Arten anbietet, 90 Prozent befürworten die Kennzeichnung von Fischprodukten aus naturschonender Fischerei. Unter den wahrgenommenen Gefährdungsursachen steht Plastikmüll an erster Stelle, 78 Prozent sehen darin ein „sehr großes Problem“. Erdölverschmutzung (71 Prozent) und radioaktive Abfälle (66 Prozent) folgen dicht darauf.

Gegenüber dem Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft vertritt eine große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland eine skeptische Position: So sprechen sich 79 Prozent der Befragten für ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. 93 Prozent sind der Meinung, dass mögliche Auswirkungen auf die Natur immer untersucht werden sollten, wenn Pflanzen gezielt gentechnisch verändert werden. Ebenso sprechen sich 93 Prozent der Befragten dafür aus, Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden, im Handel zu kennzeichnen.

Der aktuellen, mittlerweile fünften Naturbewusstseinsstudie liegt eine bundesweite Befragung zugrunde, die zum Jahresende 2017 durchgeführt wurde. Insgesamt 2.065 zufällig ausgewählte Personen aus der deutschsprachigen Wohnbevölkerung im Alter ab 18 Jahren nahmen an der Studie teil. Die Naturbewusstseinsstudie erfasst die gesellschaftlichen Einstellungen zur Natur und biologischen Vielfalt in Deutschland. Sie stellt aktuelle und empirisch abgesicherte Daten bereit, die für die Naturschutzpolitik, den öffentlichen Diskurs und die Bildungsarbeit wertvolle Grundlagen sind. Die Naturbewusstseinsstudien werden im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz seit 2009 alle zwei Jahre veröffentlicht.

Die Naturbewusstseinsstudie 2017 sowie ein Informationspapier mit wesentlichen Aussagen der Studie stehen zum Download bereit.

06.07.2018 | Pressemitteilung Nr. 143/18 | Naturschutz/Biologische Vielfalt
Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz

Überfischung der Weltmeere nimmt weiter zu und beschleunigt sich laut Welternährungsorganisation

Pressemitteilung Fair Oceans
Rom, 11.07.2018

Überfischung der Weltmeere nimmt weiter zu und beschleunigt sich
– Nahezu ein Drittel der von der Welternährungsorganisation erfassten Fischbestände ist überfischt

Alle zwei Jahre anlässlich der Sitzung des Ausschusses für Fischerei veröffentlicht die Welternährungsorganisation der UN ihren Bericht über den Zustand der Weltfischbestände und der Aquakultur. SOFIA, so die Abkürzung von State of World Fisheries and Aquaculture, basiert auf den offiziellen Daten der Staaten, die zusammengetragen und detailliert ausgewertet werden. Die Ergebnisse und von SOFIA aufgezeigten Entwicklungstendenzen sind weltweit ein Gradmesser für die Probleme in der Fischereiwirtschaft. Fair Oceans nimmt zum mittlerweile vierten Mal an der Sitzung teil, die derzeit vom 09. bis 13. Juli in Rom stattfindet. Die zu Beginn der Ausschusssitzung vorgelegten Zahlen aus dem aktuellen SOFIA-Bericht von 2018 machen deutlich, dass die Überfischung der Ozeane und Meere weiterhin ungebremst zunimmt.

Von 1974 bis 2015 hat sich die Überfischung der Weltmeere von 10% auf nun 33,1% erhöht. Durchschnittlich gab es in diesem Zeitraum von Jahr zu Jahr einen Anstieg von gut einem halben Prozentpunkt. Der Vergleich mit den Zahlen aus den Jahren 2009, 2011 und 2013 zeigt nun eine überdurchschnittlich starke Zunahme der Überfischung, die sich mit dem neuen Bericht bestätigt. Von 1989 bis 2009 betrug der Anstieg über diese 20 Jahre insgesamt nur rund 4%. In jüngster Zeit hat sich die Geschwindigkeit mit der die Überfischung zunimmt jedoch dramatisch beschleunigt. Seit 2009 addiert sich diese Zunahme schon jetzt bis zur aktuell in Rom vorgestellten Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2015 auf 3,2%. Allein von 2013 bis 2015 wuchs die Zahl der über ihre ökologischen Grenzen hinaus ausgebeuteten Bestände um 1,7%.

Der Bericht der Welternährungsorganisation zur Fischerei ist aber weit mehr als eine bloße Zahlensammlung. Er verdeutlicht die globale Bedeutung der Fischerei für die Ernährungssicherheit, ebenso wie die Notwendigkeit die Fischbestände nachhaltig zu managen.

In Rom bewertet Kai Kaschinski, Projektkoordinator von Fair Oceans, die aktuelle Entwicklung: „Der Meeresschutz hat in Öffentlichkeit und Politik an Gewicht gewonnen. Trotzdem verschlechtert sich der Zustand der Meere und speziell der Fischbestände unaufhörlich. Der aktuelle Bericht der Welternährungsorganisation zeigt die ganze Dramatik dieser Situation. Die Ausweitung der Überfischung wird mittelfristig katastrophale Folgen haben. Schreibt sich die Entwicklung fort, bricht rein rechnerisch spätestens Ende diesen Jahrhunderts der letzte Fischbestand zusammen. Die Fischereiwirtschaft wird entsprechend früher in der Bedeutungslosigkeit versinken.“

SOFIA stellt unter anderem auch die neuen Zahlen zum Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch und Meeresfrüchten vor. 2017 waren es 20,5 kg, 0,4 kg mehr als 2014, die weltweit durchschnittlich pro Kopf verzehrt wurden. Rund 3,2 Mrd. Menschen deckten dabei ihren Bedarf an tierischem Eiweiß zu etwa 20% aus der Fischerei und Aquakultur. Während die Wildfänge seit Mitte der 90er Jahre stagnieren, sichert die Aquakultur mit ihren Produktionssteigerungen den kontinuierlichen Anstieg des Angebots. 80 Mio. t der Gesamtmenge an Fisch und Meeresfrüchten von 171 Mio. t kamen Ende 2016 aus der Aquakultur. Da ein erheblicher Teil des Wildfangs zu Fischmehl verarbeitet wird, stammt mittlerweile mehr als die Hälfte des Fisches und der Meeresfrüchte für den menschlichen Verzehr aus der Aquakultur.

Kai Kaschinski führt hierzu aus: „Die großen Umbrüche, die wir derzeit auf dem Meer erleben, treffen die Fischereiwirtschaft in doppelter Hinsicht. Zum einen verändert sie sich von innen heraus und wird mehr und mehr von der Aquakultur dominiert, mit all den negativen Aspekten der Massentierhaltung. Auf der anderen Seite ist der Zusammenbruch der natürlichen Bestände nicht nur dem Missmanagement in der Fischerei geschuldet. Meeresverschmutzung, Offshore-Projekte, Schifffahrt, Tourismus und nicht zuletzt der Klimawandel bedrohen die Fischbestände in vielerlei Hinsicht. Die Industrialisierung der Meere mit ihren negativen Begleiterscheinungen geschieht auf Kosten der Fischerei.“

Allein in ihrer neuesten Studie zum Klimawandel, die am zweiten Tag der Sitzung des Ausschusses für Fischerei vorgestellt wurde, geht die Welternährungsorganisation durch die Erwärmung der Ozeane von zusätzlichen Verlusten beim Fischfang von bis zu 12,1% aus.

Francisco Mari, Referent von Brot für die Welt, begleitet ebenfalls die Ausschusssitzung und stellt fest: „Mit der zunehmenden Überfischung und dem Verlust der Fischbestände werden die Existenzgrundlagen der Kleinfischer gefährdet. Ihre zentrale Rolle für die Ernährungssicherheit im globalen Süden muss jedoch in jedem Fall gewahrt bleiben. Wir unterstützen deshalb die Umsetzung der Richtlinien zum Schutz der Kleinfischerei. Die Initiativen der Welternährungsorganisation in diesem Bereich müssen von der EU politisch und auch mit ausreichenden finanziellen Mitteln unterstützt werden. Das Gleiche gilt für den Klimaschutz und die illegale Fischerei. Auch hier müssen die EU und die Bundesregierung handeln und dabei vorrangig die Bedürfnisse der Kleinfischerei in ihre Überlegungen einbeziehen.“

Fair Oceans sieht in der Richtlinie zum Schutz der Kleinfischerei eine gute Grundlage um entwicklungspolitischen Problemen in der internationalen Fischereipolitik Geltung zu verschaffen und das Management der Küstenzonen sozial gerechter und zugleich ökologisch sinnvoll zu gestalten. Es sind die armen Küstengemeinschaften, die am stärksten von einer intakten Meereswelt abhängig sind und denen die Verschlechterung des Zustands der Ökosysteme am meisten zusetzt.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an

Kai Kaschinski
kai.kaschinski@fair-oceans.info

Den vollständigen Report findet ihr hier:
http://www.fao.org/3/I9540EN/i9540en.pdf

LNG: Gut für die Luft, schlecht fürs Klima?

Neue Ergebnisse einer Studie der britischen Beratungsfirma University Maritime Advisory Services (UMAS) zeigen, dass sich der CO 2-Austoß der Schiffe, die Liquefied Natural Gas (LNG) verwenden, kaum verringert und sich der Methanausstoß sogar erhöht. Die Hamburg Port Authority arbeitet weiterhin am Aufbau einer LNG-Infrastruktur für den Hamburger Hafen.

Elbvertiefung, 28.06.2018

Vor wenigen Wochen erst hat sich die internationale Schifffahrtsbranche zu klar
festgelegten Klimaschutzzielen verpflichtet: Bis 2050 soll die weltweite Flotte
ihren CO2-Ausstoß um die Hälfte verringern. Und Flüssiggas,
sogenanntes Liquefied Natural Gas (LNG) spielt bei diesen Überlegungen eine
zentrale Rolle: Im Gegensatz zu Schweröl und Diesel gilt es als umweltfreundlicher
Kraftstoff, sein Einsatz wird europaweit mit etwa 20 Milliarden Euro gefördert. In
Hamburg arbeitet die Hamburg Port Authority an einer LNG-Infrastruktur im Hafen,
weil sie davon ausgeht, dass immer mehr Schiffe entsprechend umgerüstet werden.
Nun aber kommt eine Studie der britischen Beratungsfirma »University Maritime
Advisory Services« zu dem Schluss, dass sich der CO 2 -Ausstoß der mit LNG
betriebenen Schiffe – anders als bisher gedacht –kaum verringert, der
Methanausstoß wäre demnach sogar noch höher als bei herkömmlichem
Treibstoff. Die Forscher warnen vor weiteren Investitionen in die Technologie. Doch
was heißt das für Hamburg? Der hohe CO 2 -Ausstoß ist schließlich nur ein
Problem der Schifffahrtsindustrie, ein anderes die Luftverschmutzung – gerade
in einer Hafenstadt tragen die Schiffe erheblich dazu bei. »LNG ist nach dem
heutigen technischen Stand die erste Wahl, wenn es darum geht, etwas gegen
Schwefel, Stickoxide und Partikel zu tun«, sagte uns Christian Füldner, Sprecher
der Verkehrsbehörde. Zwar sei es richtig, dass Methan entweiche, doch trotz
dieses sogenannten »Methanschlupfs«, der je nach Motor und Betriebsart variiere,
würde immer noch zehn bis 20 Prozent weniger CO 2 ausgestoßen. »Die
Klimabilanz in Sachen Luftreinhaltung ist positiv für uns«, so Füldner, noch besser
wären allerdings synthetische Treibstoffe, dafür fehle aber noch die Technologie.
»Zwar ist LNG derzeit eine Übergangslösung, aber aus heutiger Sicht der
richtige Weg.«

Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2018-06/elbvertiefung-28-06-2018

Die vollständige Studie der University Maritime Advisory Services (UMAS) findet ihr hier.

Elbevertiefung: https://www.zeit.de/serie/elbvertiefung

 

 

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