Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Extremwetter stört Ökosysteme: Zyklone und Hitzewellen setzen Korallen zu

Das Bild zeigt einen ausgeblichenen Korallebstock. Im bläulich schimmernden Hintergrund sind weitere Korallen, Geröll sowie einige kleine Fische zu erkennen.

© picture alliance/dpa

Die Wetterextreme in den vergangenen Jahren hinterlassen deutliche Spuren: die Ökosysteme leiden unter den Hitzewellen, Zyklonen, Starkregen und Dürreperioden. Sensible Lebensräume wie Seegraswiesen, Mangrovenwälder und Korallenriffe haben sich infolge dessen stark verändert. Einige dieser Prozesse sind vor allem aufgrund ihres irreversiblen Charakters folgenschwer, wie beispielsweise die Korallenbleiche. Dabei stoßen die Korallen Algen ab, die als ihre Symbionten ihr Überleben sichern. Wie weitreichend das Ausmaß dieses Phänomens ist, wurde kürzlich in einer Studie der australischen Wissenschaftsbehörde Csiro offen gelegt.

ntv, 28.07.2019

Extreme Wetterphänomene haben die Ökosysteme an Australiens Küsten in den vergangenen Jahren schwer geschädigt. Hitzewellen im Meer, schwere Regenfälle durch tropische Stürme sowie Zyklone und Dürren hätten Korallen-, Seetang-, Mangroven- und Seegrasbestände grundlegend verändert, heißt es in einer Studie der staatlichen australischen Wissenschaftsbehörde Csiro. Einige dieser Veränderungen seien potenziell unumkehrbar, andere könnten bestenfalls im Laufe mehrerer Jahrzehnte rückgängig gemacht werden.

So seien 2011, 2013, 2016 und 2017 durch marine Hitzewellen Korallenbleichen in zum Teil überlappenden Regionen vor West- und Nordaustralien ausgelöst worden. Bei einer Bleiche stoßen die Korallen winzige Algen ab, die ansonsten mit ihnen in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose) leben. Zurück bleibt das helle Korallenskelett.

„Die Länge der Küste, die im vergangenen Jahrzehnt von extremen Klimaereignissen betroffen war, beträgt mehr als 8000 Kilometer“, sagte der Hauptautor der Studie, Russ Babcock. Dies sei ein Vierfaches der Küstenlänge, die von der 2010 durch die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko ausgelösten Ölpest betroffen gewesen sei.

Nach Angaben der Forscher verschärft der vom Menschen verursachte Klimawandel extreme Phänomene wie Zyklone und Hitzewellen, die immer häufiger auftreten und intensiver werden. Die meisten Meeresorganismen und -lebensräume könnten sich nicht an die sich schnell verändernden Bedingungen anpassen. Die Forscher haben schon Methoden entwickelt, um Korallenlaich zu fangen, ihn in Aquakultur aufzuziehen und dann in zerstörten Riffe zu verteilen. Das könne kurzzeitig helfen. Aber langfristig müsse der Treibhausgasausstoß reduziert werden, fordern sie. Ihre Studie wurde im Journal „Frontiers in Marine Science“ veröffentlicht.

Den ganzen Artikel könnt ihr bei ntv nachlesen.

Mehr zur Auswirkung der Wetterextreme auf die Meere könnt ihr in unserem Foschungs Blog nachlesen.

Mikroplastik ist überall – sogar in der Luft

Ein roter Helikopter im arktischen Eis. Es ist strahlend blauer Himmel, im Hintergrund türmen sich Eisberge. Zwei Forscher mit dicken orangenen Überlebensanzügen stehen am Helikopter. Im Vordergrund sieht man zwei Weckgläser mit Schneeproben.

© Mine Tekmann, AWI

Bisher war die weitläufige Meinung, dass Mikroplastik vor allem durch Meeresströmungen transportiert wird. Wissenschaftler vom AWI (Alfred-Wegener-Institut) in Bremerhaven haben nun in der Arktis nachgewiesen, dass Partikel auch die Atmosphäre als Verbreitungsweg nutzen und dann, meist als Schneefall, wieder auf die Erdoberfläche gelangen; in Schneeproben auf Helgoland, in den Bayerischen Alpen aber auch in abgelegenen Gegenden wie etwa der Arktis konnten die Kleinstpartikel nachgewiesen werden. Wie genau die Transportwege funktionieren und welche Konsequenzen Mikroplastik in der Atemluft für die Natur und die Menschen hat, bleibt noch zu klären.

Der Tagesspiegel, 14.08.2019, Autor: Florian Schumann

Mikroplastik ist überall – sogar in der Luft

Wissenschaftler weisen durch Proben in der Arktis nach, dass Kunststoffteilchen auch in der Luft schweben. Die Folgen für den Menschen sind unbekannt.

Plastik ist einfach überall. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler kleinste Kunststoffpartikel nicht nur im Oberflächenwasser, sondern auch im Meereis und in der Tiefsee gefunden. Und Kameraaufnahmen belegen, dass die Menge von Plastikmüll auf dem Meeresboden der Framstraße bei Spitzbergen in den vergangenen 15 Jahren stetig gestiegen ist. Auch im Sediment ist er massenweise zu finden.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Partikel dort vor allem über Meeresströmungen eingetragen werden. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ein Team von Forscherinnen und Forschern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven hat zusammen mit einem Kollegen des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos nun herausgefunden, dass die Teilchen auch über große Distanzen in der Atmosphäre transportiert und dann aus der Luft ausgewaschen werden. Das passiert vor allem durch Schneefall. Und es führt dazu, dass Mikroplastik sogar im Schnee abgelegener Regionen wie den Alpen oder der Arktis zu finden ist. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht

Mikroplastik im Meer und der Atmosphäre

Bisher gab es zur Herkunft von Mikroplastik, etwa in der Arktis, vergleichsweise wenig Forschung. „Der Haupteintragsweg für die Partikel ist sehr wahrscheinlich der Golfstrom, mit dem sie sich etwa von Europa oder dem Atlantik weiter nach Norden bewegen“, sagte Melanie Bergmann, Erstautorin der Studie, im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Es gab bereits Hinweise, dass Mikroplastik auch in der Atmosphäre transportiert wird. Wissenschaftler hatten solche weniger als fünf Millimeter kleinen Teilchen etwa in den Pyrenäen und in der Nähe großer Städte in Frankreich und China nachgewiesen. Da bekannt ist, dass Schnee Verunreinigungen aus der Luft wäscht und mit zu Boden nimmt, beschlossen die Forscher, Schneeproben zu untersuchen. „Wir haben uns gedacht: Alles, was im Schnee ist, war vorher einmal in der Luft“, sagt Bergmann […]

Den vollständigen Artikel findet ihr beim Tagesspiegel

 

Bambusbecher setzen hohe Mengen an Schadstoffen frei

© iStockphoto, Stiftung Warentest (M)

Bambusbecher scheinen die perfekte nachhaltige Alternative zum Kaffee-Einwegbecher zu sein: wiederverwendbar, biologisch abbaubar und ganz ohne Plastik.Trotz gutem Image warnt Stiftung Warentest nun vor den Bambusprodukten. Der Großteil der zwölf getesteten Becher geben den Schadstoff Melamin frei. Der Kunststoff Melaminharz steht im Verdacht  Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem zu verursachen und das im Melaminharz enthaltende Formaldehyd kann Haut, Augen und Atemwege reizen. Das Melaminharz dient als Klebstoff, um dem Becher in seiner Struktur zu festigen, denn die Bambusfasern sind dazu allein nicht ausreichend . Die Freisetzung des Melamins und Formaldehyds geschieht, wenn der Becher durch heiße Flüssigkeiten wie Kaffee zu stark erhitzt wird. Zusätzlich werben viele Hersteller mit Versprechungen, der Becher sei biologisch abbaubar sowie vollständig recyclebar. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn der Becher ist weder kompostierbar noch kann er im Recyclingsystem wiederverwertet werden.

Stiftung Warentest deckt somit auf, dass der Bambus-Becher leider keine Alternative zum Einwegbecher darstellt und zudem gesundheitsschädigend wirken kann. Empfehlenswert ist somit die klassische Thermoskanne aus Edelstahl.

Falsche Deklarationen auf verschiedenen Packungen von Bambusbechern, herausgegeben von Stiftung Warentest

© Stiftung Warentest

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbz) fordert als Reaktion auf den Warentest ein Verbot der Bambusbecher mit Kunststoffanteilen wie Melaminharz:

„Der Gesund­heits­schutz der Verbrauche­rinnen und Verbraucher muss an oberster Stelle stehen. Bambusbecher, die laut Stiftung Warentest zu hohe Mengen an Schad­stoffen freisetzen, müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Es ist nicht das erste Mal, dass Bambus­kaffee­becher negativ auffallen. Für Heiß­getränke ist Bambus­geschirr mit Kunststoff­anteilen offen­bar grund­sätzlich nicht geeignet. Die Bundes­regierung muss für diese Produkte deshalb sofort ein Verbot erlassen.“

Klaus Müller, Vorstand des vzbv

Die Stiftung Warentest rät von den Produkten ab mit einer Ausnahme:

„Chicmic Cup“ ist Testsieger

Einzig allein der Becher von „Chicmic Cup“ schaffte es ohne Auffälligkeiten durch den Test.
Die Produkte von Aldi Nord, Ecoffee Cup, Grafik Werkstatt, IKEA, La Vida, Rex London und Zuperzozial setzen zu viel Melamin frei. Als Reaktion auf den Warentest hat IKEA den Becher „Mugg“ bereits aus dem Sortiment genommen.

Die komplette Auswertung des Testes findet ihr bei Stiftung Warentest.

Mehr über Alternativen zu Einwegplastik findet ihr in unserem Blog Alternativen zu Einwegplastik.

A 450-Year Record of North Sea Herring, Pried from Clams

Zwei Islandmuscheln auf grauem Hintergrund. Man erkennt deutlich Ringe an der Valve. Unter den Muscheln befindet sich ein Beschriftung mit Eigenschaften

© Bangor University

Eine unscheinbare aber langlebige Muschelart, die Islandmuschel, konnte Wissenschaftlern Aufschluss geben über die Populationsentwicklung und die Bestände der Heringe während der letzten 450 Jahre. Möglich ist dies durch chemische Untersuchungen der Muschelschalen, welche eine Art Jahresringe bilden. Wie lassen sich aus der Beschaffenheit dieser Ringe Rückschlüsse auf das Klima oder gar die Veränderung von Fischpopulationen ziehen? Forschungsergebnisse dieser Art sind beispielhaft für die Komplexität unserer Ökosysteme. Sie zeigen wie eng der Lebensraum Ozean und die Arten, die er beheimatet, und das Klima zusammenhängen.

Hakaimagazine, 26.06. 2019, Autorin: Rachel Fritts

Scientists have reconstructed a detailed account of North Sea herring stocks that stretches back more than 450 years. This is the first time researchers have modeled recruitment—a measure of the number of eggs that survive to become young fish—for herring living before the 20th century. This lengthy record of herring health stems from measurements taken from a wholly unlikely source: the ocean quahog.

Ocean quahogs, palm-sized clams that live in the North Atlantic, might seem like unorthodox record keepers. But the shellfish have two very useful traits: they live for an exceedingly long time—the oldest on record was 507 when it died in 2006—and their shells have visible growth increments, much like tree rings, with a new band forming each year.
Juan Estrella-Martínez, a paleoceanography doctoral student at Bangor University in Wales, led the research. He and his colleagues used quahog shells collected from Scotland’s Fladen Ground in the North Sea to produce a data series showing how the ratios of oxygen and carbon isotopes in the shells and in the water changed from 1551 to 2005.

The isotope ratios reflect shifts in environmental conditions, such as water temperature. Providing a year-by-year account stretching centuries, the quahog shell data offers a way to better understand long-term climate patterns, such as the North Atlantic Oscillation and the Atlantic Multidecadal Oscillation, which cause changes including large-scale variations in rainfall, hurricane activity, and fish populations.

Estrella-Martínez wanted a useful application for his new centuries-long record, and decided to see if his carbon isotope data could be used to help understand long-term variability in important fisheries.
“I started looking at the herring fishery because it had the most historic data available,” he says. “Without historical records, the most we could have done was speculate.”
[…]

Den kompletten Artikel findet ihr im Hakai Magazine.

Die Liedermacher der Meere

Ein Buckelwal in seiner vollen Größe taucht gerade auf, um Luft zu holen.

© Getty Images

Der Mensch ist nicht das einzige Lebenswesen, das komplexe Kommunikationsstrukturen aufweist, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Fast alle Meereslebewesen machen irgendeine Art von Geräusch, wobei Wale besonders viel kommunizieren und sehr ausgeprägte Gesänge anstimmen. Die Bedeutung der Gesänge und wie die Kommunikation genau funktioniert ist noch immer ein Geheimnis des Ozeans.

Tagesanzeiger, 06.02.2019, Autorin: Tina Baier

Tief in den Ozeanen ist es, anders als die meisten Menschen glauben, nicht viel stiller als an Land. Hält man ein Unterwasser-Mikrofon etwa in eine Schule von Delfinen, ertönt ein Wirrwarr von Pfiffen und Klicklauten, das an die Geräuschkulisse eines Spielplatzes erinnert. «Fast alle Meeresbewohner machen irgendeine Art von Geräusch», sagt Fabian Ritter, Meeresbiologe bei der Walschutzorganisation WDC. Insbesondere die Wale sind sehr gesprächig. Doch während sich Zahnwale wie Delfine, Pott- und Schweinswale vor allem über einzelne Laute verständigen, stimmen viele Bartenwale eine Art Gesang an, der Melodie und Rhythmus hat und in dem sich wiederkehrende Strophen unterscheiden lassen – so wie in den Liedern der Menschen.

Warum die Tiere singen und was die Gesänge bedeuten, kann noch niemand so genau erklären. Doch je länger Biologen der Unterwassermusik lauschen, umso deutlicher zeichnet sich ab: Walgesänge sind eine Form der Kommunikation, die sich ähnlich wie die menschliche Sprache kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Lieder verschiedener Arten von Bartenwalen unterscheiden sich stark. Blau- und Finnwale haben ein vergleichsweise schlichtes Repertoire. «Die komplexesten Lieder von allen singen die Buckelwale», sagt Fabian Ritter. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Tagesanzeiger

Weitere Informationen über die Kommunikation von Meereslebewesen:

https://www.deepwave.org/laerm-meer-unterschaetzte-stoerfaktor-18407342/

https://www.deepwave.org/auszeichnung-forschung-kommunikation-robben-walen-ewigen-eis-11233091/

 

„Klimahysterie!“ – was Klimaforscher zu den häufigsten Argumenten von Skeptikern sagen

Ein Schild mit "Stop CO2" steht auf dem Boden auf einem öffentlichen Platz vor einer Gruppe sitzender Jugendlicher.

© Keystone

Der Klimawandel wird kontrovers diskutiert. Hier werden die häufigsten Argumente der Klimaskeptiker*innen aufgeführt und dazu von den Klimaforschern Nicolas Gruber und Stefan Brönnimann Stellung bezogen.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ) , 27.03.2019, Autorin: Gabriela Dettwiler

Mit den «Fridays for Future»-Demonstrationen hat die Klimawandeldebatte weiter an Brisanz gewonnen. Skeptiker, Leugner sowie sogenannte «Warmisten» und Alarmisten geben sich in Kommentarspalten von Social-Media-Plattformen die Klinke in die Hand. Auch die NZZ stellt bei den Diskussionen auf Facebook und in den Leserdebatten fest, dass der Klimawandel immer noch viele Fragezeichen aufwirft. Die kontroversen Reaktionen auf den jüngsten Facebook-Post der NZZ zur Klimadebatte zeigen dies exemplarisch (siehe unten). Die Streitfragen sind meist dieselben. Die Argumente der Diskussionsteilnehmer allerdings auch.

Von beiden Seiten wird die NZZ mit Vorwürfen konfrontiert: Die Klimawandel-Skeptiker werfen uns Einseitigkeit vor; die Befürworter beklagen, dass wir eine Plattform für Falschinformation bieten. Zuerst sei hier festgehalten: Für uns ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut, weshalb wir auf unserer Facebook-Seite und in den Leserdebatten nur in Ausnahmefällen Kommentare löschen. Wir ziehen es vor, mit Argumenten, Hinweisen und Nachfragen zu reagieren. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden, die häufigsten und beliebtesten Argumente der Klimawandel-Skeptiker zu sammeln und mit zwei Klimaforschern zu besprechen.

Argument 1: Es gab schon immer Warm- und Kaltzeiten.

Das weitaus häufigste Argumentationsmuster stellt den Klimawandel an sich zwar nicht infrage, entproblematisiert ihn allerdings. So sei der Klimawandel keine Erscheinung der Moderne, sondern ein schon immer da gewesenes Phänomen. Das Klima habe sich immer geändert, ändere sich gerade und werde sich auch immer weiter verändern. Wir befänden uns gegenwärtig lediglich in einer «ausklingenden kleinen Eiszeit». Tatsache?

Das sagt Prof. Nicolas Gruber: «Die heutige Erwärmung unterscheidet sich von vergangenen Erwärmungen in mindestens zwei entscheidenden Punkten. Erstens ist die Rate der Erwärmung um ein Mehrfaches höher, als sie dies zum Beispiel am Ende der letzten Eiszeit war. Das hat wichtige Konsequenzen, unter anderem für Pflanzen und Tiere, die sich nicht so rasch anpassen können. Während es am Ende der Eiszeit mehr als tausend Jahre dauerte, bis die Erde um ein Grad erwärmt war, geschah dies nun in hundert Jahren. Zweitens ist die heutige Erwärmung durch den Anstieg von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre getrieben, während in der Vergangenheit die Erwärmung vor allem durch Veränderungen der Sonneneinstrahlung in Gang gesetzt wurde. Verantwortlich für den Anstieg der Treibhausgase ist der Mensch.» […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ)

Meeresbiologin mit Mission

© ETH Zürich / Peter Rüegg

Die junge Wissenschaftlerin, Ulrike Pfreundt, will die „Regenwälder der Meere“ restaurieren. Viele der bisherigen Versuche Babykorallen auf künstliche Riffe anzusiedeln sind gescheitert. Das hat auch damit zu tun, dass die künstlichen Riffe bisher strukturell nicht der Komplexität natürlicher Riffe entsprechen. Häufig bieten sie nicht genügend Schutzräume für junge Korallen und  können nicht ausreichend mit der Strömung interagieren, um sich zu vermehren. Jetzt ist das Ziel mit Hilfe eines 3D-Drucks ökologisch sinnvolle Riffmodule zu entwickeln, die eine geeignete Struktur haben und klimaresistenteren Korallen einen neuen Lebensraum bieten.

„Da Riffe die Brutstätte für mindestens ein Viertel aller Fischarten im Ozean sind, wirkt sich ihr Verlust verheerend auf die Stabilität mariner Ökosysteme aus“, Ulrike Pfreundt.

ETH Zürich, 09.05.2019, Autor: Michael Keller

Ulrike Pfreundt denkt gerne gross und weiss, was sie will. «Erwärmen sich die Weltmeere ungebremst weiter, drohen bis 2050 über 90 Prozent aller Korallenriffe abzusterben – dagegen möchte ich etwas tun», sagt die 34-jährige deutsche Forscherin.

Dass die bunt leuchtenden Lebensgemeinschaften zusehends erblassen, betrübt die Biologin sichtlich. Korallen verdanken ihre prächtigen Farben symbiotischen Algen, die in ihrem Gewebe leben und sie mit Nahrung versorgen. Wird das Wasser zu warm, stossen die Korallen die Algen ab, bleichen aus und verhungern mit der Zeit.

«Da Riffe die Brutstätte für mindestens ein Viertel aller Fischarten im Ozean sind, wirkt sich ihr Verlust verheerend auf die Stabilität mariner Ökosysteme aus», weiss Pfreundt. Das gefährdet nicht nur die globale Fischerei: Weltweit sind Millionen Menschen direkt von intakten Riffen abhängig, die ihnen Nahrung, Einkommen und Schutz vor Überschwemmungen und Küstenerosion gewähren. Pfreundt hat sich daher zum Ziel gesetzt, abgestorbene Korallenriffe wieder mit Leben zu besiedeln.

Die Regenwälder der Meere restaurieren

Pfreundt hat in Freiburg im Breisgau Molekularbiologie und Genetik studiert. «Weil ich das Leben auf seiner tiefsten Ebene verstehen wollte», erzählt sie. Schon als Kind war sie von der Vielfalt des Regenwalds fasziniert. Mit 20 Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Lebenswelt der Meere. Seither taucht sie regelmässig und engagiert sich für marine Naturreservate. Im Nebenfach hat sie Meeresbiologie studiert und später in ihrer Doktorarbeit Genetik und Meeresbiologie kombiniert. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

ETH Zürich

Weitere Informationen über künstliche Riffe und Küstenschutz findet ihr hier. 

 

So umweltschädlich sind abbaubare Plastiktüten

Forscher*innen von der Universität Plymoth in Großbritannien schreiben im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ über die Ergebnisse ihrer Forschung zu biologisch abbaubaren und kompostierbaren Tüten. Sie untersuchen, ob „Bio-Tüten“ wirklich umweltfreundlicher sind als Plastiktüten und welche Materialien in der Erde und im Meer beim Wegwerfen zurückbleiben.

WELT, 29.04.2019

Auch Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff können länger die Natur belasten als gedacht. Eine Studie zeigt, dass sie nach drei Jahren im Boden oder im Meerwasser noch so stabil sein können, dass sie auch mit mehr als zwei Kilogramm Inhalt nicht reißen. Am stärksten zerfiel biologisch abbaubarer Kunststoff – wie auch gewöhnlicher Kunststoff –, wenn er Luft und Sonne ausgesetzt war, berichten Imogen Napper und Richard Thompson von der Universität Plymouth (Großbritannien) im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“.

„Biologisch abbaubare, oxo-abbaubare und kompostierbare Kunststoffe werden häufig als mögliche Lösung gegen die Ansammlung von Plastikmüll und Abfällen angesehen“, schreiben die Forscher. Oxo-abbaubare Kunststoffe enthalten Zusätze, die das Material rascher zerfallen lassen. Weil dabei Mikroplastik entsteht, das kaum mehr weiter abgebaut wird, gibt es Bestrebungen in der EU, solche Kunststoffe zu verbieten.

Napper und Thompson wollten herausfinden, was tatsächlich mit den Materialien in verschiedenen Umgebungen geschieht. Sie besorgten sich im lokalen Einzelhandel Tüten verschiedener Kunststoffsorten, darunter Polyethylen (PE), aus dem die meisten Plastiktüten bestehen.

Den Großteil der Tüten schnitten sie in 15 mal 25 Millimeter große Stücke und legten sie in Netze aus Polyethylen hoher Dichte mit einer Maschengröße von einem Millimeter. Dann hängten die Wissenschaftler die Netze im Freien auf, vergruben sie im Boden oder versenkten sie mit einem Gewicht beschwert in Meerwasser. Nach neun, 18 und 27 Monaten nahmen sie jeweils Proben und untersuchten sie. Außerdem wurden ganze Plastiktüten den entsprechenden Umgebungen ausgesetzt. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

WELT

Weitere Informationen über Plastik, Verpackungen, „Plastic Pollution“ und „Alternativen zu Einwegplastik“ findet ihr unter unserer BLUE STRAW Kampagne.

 

Artensterben – Beispiele bedrohter Tierarten


© picture alliance/ imageBroker


© picture alliance/ Mary Evans Picture Library

Die weltweite Vielfalt der Tierarten sinkt weiter. Egal, ob an Land oder im Wasser – immer mehr Tiere sind vom Aussterben bedroht. Seepferdchen sind davon auch betroffen, deswegen können sie nur noch sehr selten in der Nordsee beobachtet werden. Der Mensch zerstört ihren Lebensraum und jagt sie, um sie getrocknet als Heilmittel zu verkaufen. Auch für den südostasiatischen Mekong-Irawadi-Delfin ist der Mensch die größte Gefahr. Der WWF geht davon aus, dass nur noch 85 Tiere am Leben sind. Sie fallen immer noch der Fischerei zum Opfer und werden mit Stellnetzen gejagt. Der Klimawandel, die Zerstörung der Lebensräume und die Wilderei geben den Tieren keine Chance.

Hier findet ihr weitere Beispiele von Tierenarten, die kurz davor sind von der Erde zu verschwinden.

Weitere Informationen über das Artensterben:

https://www.deepwave.org/nachruf-auf-einen-wal/

DWfacts_Thunfisch_2016

https://www.deepwave.org/tag-des-artenschutzes-tiefseefisch-orange-roughy/

 

 

NABU-Studie: Beim Recycling durchgefallen

Pressemitteilung, 28.05.2019 vom NABU

Berlin – Mehr als eine Million Tonnen Elektroaltgeräte wie kaputte Bügeleisen und Smartphones werden in Deutschland im Durchschnitt jährlich nicht getrennt erfasst – das ist das Gewicht von 100 Eiffeltürmen. Diese Menge geht somit dem nachgelagerten Recycling verloren. Und auch das Recycling schafft nicht die tatsächliche Ausbeute, die berichtete Recyclingquoten von durchschnittlich 80 Prozent versprechen. Die Quoten werden nach Gewicht der Materialien bemessen, die in die Recyclinganlage reinkommen. Was tatsächlich beim Recycling rauskommt, liegt Hochrechnungen zufolge nur bei 60 Prozent der zugeführten Gerätemasse. Statt ökologisch relevante, wie seltene Erden, werden hauptsächlich die schweren Rohstoffe, wie Kupfer und Aluminium, wiedergewonnen. Dies zeigt eine NABU-Studie, die vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und dem Institut für Ökologie und Politik GmbH (Ökopol) durchgeführt wurde.

In der Studie wurden die aktuelle Erfassungs- und Recyclingpraxis von Elektrokleingeräten analysiert und bewertet sowie bestehende Defizite identifiziert und entsprechende Verbesserungspotenziale aufgezeigt. „Damit Verwerter mehr Elektroaltgeräte recyceln, muss die Erfassungsquote der Geräte verbessert werden. Deutschland muss daher ein Pfandsystem für besonders ressourcenrelevante Gerätekategorien im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) festlegen. Dafür sollten das Bundesumweltministerium und Verbände Forschungsvorhaben fördern, welche offene Fragen wie beispielsweise die Pfandhöhe, wer das System trägt, wohin der Pfandschlupf geht oder auf wen die Kosten verteilt werden, beantworten“, fordert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

„Wir konzentrieren uns beim Recycling nur auf die einfachsten Materialien, lassen aber strategische Rohstoffe wie seltene Erden außer Acht. Auch die heutige Vielfalt an Kunststoffen und Zusatzstoffen stellt ein hochwertiges Recycling vor kaum lösbare Aufgaben“, so Volker Handke vom IZT.

„Konkrete Anforderungen an ein derartiges hochwertiges Recycling, welches neben der reine Masse auch die Qualität in den Fokus nimmt fehlen bislang in den gesetzlichen Regelungen sowohl auf der EU und auf nationaler Ebene. Hier muss dringend nachgesteuert werden, wenn wirklich ein Kreislauf für die in Elektrogeräten eingesetzten Materialien erreicht werden soll“, sagt Dirk Jepsen, Ökopol-Geschäftsführer. […]

Die vollständige Pressemitteilung findet ihr hier.

NABU

Weitere Informationen über Recycling:

https://www.deepwave.org/nabu-fordert-regulierung-von-plastikmuellexporten/

https://www.deepwave.org/verpackt-vertrackt-ver-hoben/

https://www.deepwave.org/eu-parlament-stimmt-fuer-verbot-von-wegwerf-plastikprodukten/

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