Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Bambusbecher setzen hohe Mengen an Schadstoffen frei

© iStockphoto, Stiftung Warentest (M)

Bambusbecher scheinen die perfekte nachhaltige Alternative zum Kaffee-Einwegbecher zu sein: wiederverwendbar, biologisch abbaubar und ganz ohne Plastik.Trotz gutem Image warnt Stiftung Warentest nun vor den Bambusprodukten. Der Großteil der zwölf getesteten Becher geben den Schadstoff Melamin frei. Der Kunststoff Melaminharz steht im Verdacht  Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem zu verursachen und das im Melaminharz enthaltende Formaldehyd kann Haut, Augen und Atemwege reizen. Das Melaminharz dient als Klebstoff, um dem Becher in seiner Struktur zu festigen, denn die Bambusfasern sind dazu allein nicht ausreichend . Die Freisetzung des Melamins und Formaldehyds geschieht, wenn der Becher durch heiße Flüssigkeiten wie Kaffee zu stark erhitzt wird. Zusätzlich werben viele Hersteller mit Versprechungen, der Becher sei biologisch abbaubar sowie vollständig recyclebar. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn der Becher ist weder kompostierbar noch kann er im Recyclingsystem wiederverwertet werden.

Stiftung Warentest deckt somit auf, dass der Bambus-Becher leider keine Alternative zum Einwegbecher darstellt und zudem gesundheitsschädigend wirken kann. Empfehlenswert ist somit die klassische Thermoskanne aus Edelstahl.

Falsche Deklarationen auf verschiedenen Packungen von Bambusbechern, herausgegeben von Stiftung Warentest

© Stiftung Warentest

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbz) fordert als Reaktion auf den Warentest ein Verbot der Bambusbecher mit Kunststoffanteilen wie Melaminharz:

„Der Gesund­heits­schutz der Verbrauche­rinnen und Verbraucher muss an oberster Stelle stehen. Bambusbecher, die laut Stiftung Warentest zu hohe Mengen an Schad­stoffen freisetzen, müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Es ist nicht das erste Mal, dass Bambus­kaffee­becher negativ auffallen. Für Heiß­getränke ist Bambus­geschirr mit Kunststoff­anteilen offen­bar grund­sätzlich nicht geeignet. Die Bundes­regierung muss für diese Produkte deshalb sofort ein Verbot erlassen.“

Klaus Müller, Vorstand des vzbv

Die Stiftung Warentest rät von den Produkten ab mit einer Ausnahme:

„Chicmic Cup“ ist Testsieger

Einzig allein der Becher von „Chicmic Cup“ schaffte es ohne Auffälligkeiten durch den Test.
Die Produkte von Aldi Nord, Ecoffee Cup, Grafik Werkstatt, IKEA, La Vida, Rex London und Zuperzozial setzen zu viel Melamin frei. Als Reaktion auf den Warentest hat IKEA den Becher „Mugg“ bereits aus dem Sortiment genommen.

Die komplette Auswertung des Testes findet ihr bei Stiftung Warentest.

Mehr über Alternativen zu Einwegplastik findet ihr in unserem Blog Alternativen zu Einwegplastik.

A 450-Year Record of North Sea Herring, Pried from Clams

Zwei Islandmuscheln auf grauem Hintergrund. Man erkennt deutlich Ringe an der Valve. Unter den Muscheln befindet sich ein Beschriftung mit Eigenschaften

© Bangor University

Eine unscheinbare aber langlebige Muschelart, die Islandmuschel, konnte Wissenschaftlern Aufschluss geben über die Populationsentwicklung und die Bestände der Heringe während der letzten 450 Jahre. Möglich ist dies durch chemische Untersuchungen der Muschelschalen, welche eine Art Jahresringe bilden. Wie lassen sich aus der Beschaffenheit dieser Ringe Rückschlüsse auf das Klima oder gar die Veränderung von Fischpopulationen ziehen? Forschungsergebnisse dieser Art sind beispielhaft für die Komplexität unserer Ökosysteme. Sie zeigen wie eng der Lebensraum Ozean und die Arten, die er beheimatet, und das Klima zusammenhängen.

Hakaimagazine, 26.06. 2019, Autorin: Rachel Fritts

Scientists have reconstructed a detailed account of North Sea herring stocks that stretches back more than 450 years. This is the first time researchers have modeled recruitment—a measure of the number of eggs that survive to become young fish—for herring living before the 20th century. This lengthy record of herring health stems from measurements taken from a wholly unlikely source: the ocean quahog.

Ocean quahogs, palm-sized clams that live in the North Atlantic, might seem like unorthodox record keepers. But the shellfish have two very useful traits: they live for an exceedingly long time—the oldest on record was 507 when it died in 2006—and their shells have visible growth increments, much like tree rings, with a new band forming each year.
Juan Estrella-Martínez, a paleoceanography doctoral student at Bangor University in Wales, led the research. He and his colleagues used quahog shells collected from Scotland’s Fladen Ground in the North Sea to produce a data series showing how the ratios of oxygen and carbon isotopes in the shells and in the water changed from 1551 to 2005.

The isotope ratios reflect shifts in environmental conditions, such as water temperature. Providing a year-by-year account stretching centuries, the quahog shell data offers a way to better understand long-term climate patterns, such as the North Atlantic Oscillation and the Atlantic Multidecadal Oscillation, which cause changes including large-scale variations in rainfall, hurricane activity, and fish populations.

Estrella-Martínez wanted a useful application for his new centuries-long record, and decided to see if his carbon isotope data could be used to help understand long-term variability in important fisheries.
“I started looking at the herring fishery because it had the most historic data available,” he says. “Without historical records, the most we could have done was speculate.”
[…]

Den kompletten Artikel findet ihr im Hakai Magazine.

Die Liedermacher der Meere

Ein Buckelwal in seiner vollen Größe taucht gerade auf, um Luft zu holen.

© Getty Images

Der Mensch ist nicht das einzige Lebenswesen, das komplexe Kommunikationsstrukturen aufweist, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Fast alle Meereslebewesen machen irgendeine Art von Geräusch, wobei Wale besonders viel kommunizieren und sehr ausgeprägte Gesänge anstimmen. Die Bedeutung der Gesänge und wie die Kommunikation genau funktioniert ist noch immer ein Geheimnis des Ozeans.

Tagesanzeiger, 06.02.2019, Autorin: Tina Baier

Tief in den Ozeanen ist es, anders als die meisten Menschen glauben, nicht viel stiller als an Land. Hält man ein Unterwasser-Mikrofon etwa in eine Schule von Delfinen, ertönt ein Wirrwarr von Pfiffen und Klicklauten, das an die Geräuschkulisse eines Spielplatzes erinnert. «Fast alle Meeresbewohner machen irgendeine Art von Geräusch», sagt Fabian Ritter, Meeresbiologe bei der Walschutzorganisation WDC. Insbesondere die Wale sind sehr gesprächig. Doch während sich Zahnwale wie Delfine, Pott- und Schweinswale vor allem über einzelne Laute verständigen, stimmen viele Bartenwale eine Art Gesang an, der Melodie und Rhythmus hat und in dem sich wiederkehrende Strophen unterscheiden lassen – so wie in den Liedern der Menschen.

Warum die Tiere singen und was die Gesänge bedeuten, kann noch niemand so genau erklären. Doch je länger Biologen der Unterwassermusik lauschen, umso deutlicher zeichnet sich ab: Walgesänge sind eine Form der Kommunikation, die sich ähnlich wie die menschliche Sprache kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Lieder verschiedener Arten von Bartenwalen unterscheiden sich stark. Blau- und Finnwale haben ein vergleichsweise schlichtes Repertoire. «Die komplexesten Lieder von allen singen die Buckelwale», sagt Fabian Ritter. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Tagesanzeiger

Weitere Informationen über die Kommunikation von Meereslebewesen:

https://www.deepwave.org/laerm-meer-unterschaetzte-stoerfaktor-18407342/

https://www.deepwave.org/auszeichnung-forschung-kommunikation-robben-walen-ewigen-eis-11233091/

 

„Klimahysterie!“ – was Klimaforscher zu den häufigsten Argumenten von Skeptikern sagen

Ein Schild mit "Stop CO2" steht auf dem Boden auf einem öffentlichen Platz vor einer Gruppe sitzender Jugendlicher.

© Keystone

Der Klimawandel wird kontrovers diskutiert. Hier werden die häufigsten Argumente der Klimaskeptiker*innen aufgeführt und dazu von den Klimaforschern Nicolas Gruber und Stefan Brönnimann Stellung bezogen.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ) , 27.03.2019, Autorin: Gabriela Dettwiler

Mit den «Fridays for Future»-Demonstrationen hat die Klimawandeldebatte weiter an Brisanz gewonnen. Skeptiker, Leugner sowie sogenannte «Warmisten» und Alarmisten geben sich in Kommentarspalten von Social-Media-Plattformen die Klinke in die Hand. Auch die NZZ stellt bei den Diskussionen auf Facebook und in den Leserdebatten fest, dass der Klimawandel immer noch viele Fragezeichen aufwirft. Die kontroversen Reaktionen auf den jüngsten Facebook-Post der NZZ zur Klimadebatte zeigen dies exemplarisch (siehe unten). Die Streitfragen sind meist dieselben. Die Argumente der Diskussionsteilnehmer allerdings auch.

Von beiden Seiten wird die NZZ mit Vorwürfen konfrontiert: Die Klimawandel-Skeptiker werfen uns Einseitigkeit vor; die Befürworter beklagen, dass wir eine Plattform für Falschinformation bieten. Zuerst sei hier festgehalten: Für uns ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut, weshalb wir auf unserer Facebook-Seite und in den Leserdebatten nur in Ausnahmefällen Kommentare löschen. Wir ziehen es vor, mit Argumenten, Hinweisen und Nachfragen zu reagieren. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden, die häufigsten und beliebtesten Argumente der Klimawandel-Skeptiker zu sammeln und mit zwei Klimaforschern zu besprechen.

Argument 1: Es gab schon immer Warm- und Kaltzeiten.

Das weitaus häufigste Argumentationsmuster stellt den Klimawandel an sich zwar nicht infrage, entproblematisiert ihn allerdings. So sei der Klimawandel keine Erscheinung der Moderne, sondern ein schon immer da gewesenes Phänomen. Das Klima habe sich immer geändert, ändere sich gerade und werde sich auch immer weiter verändern. Wir befänden uns gegenwärtig lediglich in einer «ausklingenden kleinen Eiszeit». Tatsache?

Das sagt Prof. Nicolas Gruber: «Die heutige Erwärmung unterscheidet sich von vergangenen Erwärmungen in mindestens zwei entscheidenden Punkten. Erstens ist die Rate der Erwärmung um ein Mehrfaches höher, als sie dies zum Beispiel am Ende der letzten Eiszeit war. Das hat wichtige Konsequenzen, unter anderem für Pflanzen und Tiere, die sich nicht so rasch anpassen können. Während es am Ende der Eiszeit mehr als tausend Jahre dauerte, bis die Erde um ein Grad erwärmt war, geschah dies nun in hundert Jahren. Zweitens ist die heutige Erwärmung durch den Anstieg von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre getrieben, während in der Vergangenheit die Erwärmung vor allem durch Veränderungen der Sonneneinstrahlung in Gang gesetzt wurde. Verantwortlich für den Anstieg der Treibhausgase ist der Mensch.» […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ)

Meeresbiologin mit Mission

© ETH Zürich / Peter Rüegg

Die junge Wissenschaftlerin, Ulrike Pfreundt, will die „Regenwälder der Meere“ restaurieren. Viele der bisherigen Versuche Babykorallen auf künstliche Riffe anzusiedeln sind gescheitert. Das hat auch damit zu tun, dass die künstlichen Riffe bisher strukturell nicht der Komplexität natürlicher Riffe entsprechen. Häufig bieten sie nicht genügend Schutzräume für junge Korallen und  können nicht ausreichend mit der Strömung interagieren, um sich zu vermehren. Jetzt ist das Ziel mit Hilfe eines 3D-Drucks ökologisch sinnvolle Riffmodule zu entwickeln, die eine geeignete Struktur haben und klimaresistenteren Korallen einen neuen Lebensraum bieten.

„Da Riffe die Brutstätte für mindestens ein Viertel aller Fischarten im Ozean sind, wirkt sich ihr Verlust verheerend auf die Stabilität mariner Ökosysteme aus“, Ulrike Pfreundt.

ETH Zürich, 09.05.2019, Autor: Michael Keller

Ulrike Pfreundt denkt gerne gross und weiss, was sie will. «Erwärmen sich die Weltmeere ungebremst weiter, drohen bis 2050 über 90 Prozent aller Korallenriffe abzusterben – dagegen möchte ich etwas tun», sagt die 34-jährige deutsche Forscherin.

Dass die bunt leuchtenden Lebensgemeinschaften zusehends erblassen, betrübt die Biologin sichtlich. Korallen verdanken ihre prächtigen Farben symbiotischen Algen, die in ihrem Gewebe leben und sie mit Nahrung versorgen. Wird das Wasser zu warm, stossen die Korallen die Algen ab, bleichen aus und verhungern mit der Zeit.

«Da Riffe die Brutstätte für mindestens ein Viertel aller Fischarten im Ozean sind, wirkt sich ihr Verlust verheerend auf die Stabilität mariner Ökosysteme aus», weiss Pfreundt. Das gefährdet nicht nur die globale Fischerei: Weltweit sind Millionen Menschen direkt von intakten Riffen abhängig, die ihnen Nahrung, Einkommen und Schutz vor Überschwemmungen und Küstenerosion gewähren. Pfreundt hat sich daher zum Ziel gesetzt, abgestorbene Korallenriffe wieder mit Leben zu besiedeln.

Die Regenwälder der Meere restaurieren

Pfreundt hat in Freiburg im Breisgau Molekularbiologie und Genetik studiert. «Weil ich das Leben auf seiner tiefsten Ebene verstehen wollte», erzählt sie. Schon als Kind war sie von der Vielfalt des Regenwalds fasziniert. Mit 20 Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Lebenswelt der Meere. Seither taucht sie regelmässig und engagiert sich für marine Naturreservate. Im Nebenfach hat sie Meeresbiologie studiert und später in ihrer Doktorarbeit Genetik und Meeresbiologie kombiniert. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

ETH Zürich

Weitere Informationen über künstliche Riffe und Küstenschutz findet ihr hier. 

 

So umweltschädlich sind abbaubare Plastiktüten

Forscher*innen von der Universität Plymoth in Großbritannien schreiben im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ über die Ergebnisse ihrer Forschung zu biologisch abbaubaren und kompostierbaren Tüten. Sie untersuchen, ob „Bio-Tüten“ wirklich umweltfreundlicher sind als Plastiktüten und welche Materialien in der Erde und im Meer beim Wegwerfen zurückbleiben.

WELT, 29.04.2019

Auch Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff können länger die Natur belasten als gedacht. Eine Studie zeigt, dass sie nach drei Jahren im Boden oder im Meerwasser noch so stabil sein können, dass sie auch mit mehr als zwei Kilogramm Inhalt nicht reißen. Am stärksten zerfiel biologisch abbaubarer Kunststoff – wie auch gewöhnlicher Kunststoff –, wenn er Luft und Sonne ausgesetzt war, berichten Imogen Napper und Richard Thompson von der Universität Plymouth (Großbritannien) im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“.

„Biologisch abbaubare, oxo-abbaubare und kompostierbare Kunststoffe werden häufig als mögliche Lösung gegen die Ansammlung von Plastikmüll und Abfällen angesehen“, schreiben die Forscher. Oxo-abbaubare Kunststoffe enthalten Zusätze, die das Material rascher zerfallen lassen. Weil dabei Mikroplastik entsteht, das kaum mehr weiter abgebaut wird, gibt es Bestrebungen in der EU, solche Kunststoffe zu verbieten.

Napper und Thompson wollten herausfinden, was tatsächlich mit den Materialien in verschiedenen Umgebungen geschieht. Sie besorgten sich im lokalen Einzelhandel Tüten verschiedener Kunststoffsorten, darunter Polyethylen (PE), aus dem die meisten Plastiktüten bestehen.

Den Großteil der Tüten schnitten sie in 15 mal 25 Millimeter große Stücke und legten sie in Netze aus Polyethylen hoher Dichte mit einer Maschengröße von einem Millimeter. Dann hängten die Wissenschaftler die Netze im Freien auf, vergruben sie im Boden oder versenkten sie mit einem Gewicht beschwert in Meerwasser. Nach neun, 18 und 27 Monaten nahmen sie jeweils Proben und untersuchten sie. Außerdem wurden ganze Plastiktüten den entsprechenden Umgebungen ausgesetzt. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

WELT

Weitere Informationen über Plastik, Verpackungen, „Plastic Pollution“ und „Alternativen zu Einwegplastik“ findet ihr unter unserer BLUE STRAW Kampagne.

 

Artensterben – Beispiele bedrohter Tierarten


© picture alliance/ imageBroker


© picture alliance/ Mary Evans Picture Library

Die weltweite Vielfalt der Tierarten sinkt weiter. Egal, ob an Land oder im Wasser – immer mehr Tiere sind vom Aussterben bedroht. Seepferdchen sind davon auch betroffen, deswegen können sie nur noch sehr selten in der Nordsee beobachtet werden. Der Mensch zerstört ihren Lebensraum und jagt sie, um sie getrocknet als Heilmittel zu verkaufen. Auch für den südostasiatischen Mekong-Irawadi-Delfin ist der Mensch die größte Gefahr. Der WWF geht davon aus, dass nur noch 85 Tiere am Leben sind. Sie fallen immer noch der Fischerei zum Opfer und werden mit Stellnetzen gejagt. Der Klimawandel, die Zerstörung der Lebensräume und die Wilderei geben den Tieren keine Chance.

Hier findet ihr weitere Beispiele von Tierenarten, die kurz davor sind von der Erde zu verschwinden.

Weitere Informationen über das Artensterben:

https://www.deepwave.org/nachruf-auf-einen-wal/

DWfacts_Thunfisch_2016

https://www.deepwave.org/tag-des-artenschutzes-tiefseefisch-orange-roughy/

 

 

NABU-Studie: Beim Recycling durchgefallen

Pressemitteilung, 28.05.2019 vom NABU

Berlin – Mehr als eine Million Tonnen Elektroaltgeräte wie kaputte Bügeleisen und Smartphones werden in Deutschland im Durchschnitt jährlich nicht getrennt erfasst – das ist das Gewicht von 100 Eiffeltürmen. Diese Menge geht somit dem nachgelagerten Recycling verloren. Und auch das Recycling schafft nicht die tatsächliche Ausbeute, die berichtete Recyclingquoten von durchschnittlich 80 Prozent versprechen. Die Quoten werden nach Gewicht der Materialien bemessen, die in die Recyclinganlage reinkommen. Was tatsächlich beim Recycling rauskommt, liegt Hochrechnungen zufolge nur bei 60 Prozent der zugeführten Gerätemasse. Statt ökologisch relevante, wie seltene Erden, werden hauptsächlich die schweren Rohstoffe, wie Kupfer und Aluminium, wiedergewonnen. Dies zeigt eine NABU-Studie, die vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und dem Institut für Ökologie und Politik GmbH (Ökopol) durchgeführt wurde.

In der Studie wurden die aktuelle Erfassungs- und Recyclingpraxis von Elektrokleingeräten analysiert und bewertet sowie bestehende Defizite identifiziert und entsprechende Verbesserungspotenziale aufgezeigt. „Damit Verwerter mehr Elektroaltgeräte recyceln, muss die Erfassungsquote der Geräte verbessert werden. Deutschland muss daher ein Pfandsystem für besonders ressourcenrelevante Gerätekategorien im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) festlegen. Dafür sollten das Bundesumweltministerium und Verbände Forschungsvorhaben fördern, welche offene Fragen wie beispielsweise die Pfandhöhe, wer das System trägt, wohin der Pfandschlupf geht oder auf wen die Kosten verteilt werden, beantworten“, fordert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

„Wir konzentrieren uns beim Recycling nur auf die einfachsten Materialien, lassen aber strategische Rohstoffe wie seltene Erden außer Acht. Auch die heutige Vielfalt an Kunststoffen und Zusatzstoffen stellt ein hochwertiges Recycling vor kaum lösbare Aufgaben“, so Volker Handke vom IZT.

„Konkrete Anforderungen an ein derartiges hochwertiges Recycling, welches neben der reine Masse auch die Qualität in den Fokus nimmt fehlen bislang in den gesetzlichen Regelungen sowohl auf der EU und auf nationaler Ebene. Hier muss dringend nachgesteuert werden, wenn wirklich ein Kreislauf für die in Elektrogeräten eingesetzten Materialien erreicht werden soll“, sagt Dirk Jepsen, Ökopol-Geschäftsführer. […]

Die vollständige Pressemitteilung findet ihr hier.

NABU

Weitere Informationen über Recycling:

https://www.deepwave.org/nabu-fordert-regulierung-von-plastikmuellexporten/

https://www.deepwave.org/verpackt-vertrackt-ver-hoben/

https://www.deepwave.org/eu-parlament-stimmt-fuer-verbot-von-wegwerf-plastikprodukten/

Treibhausgase unter die Nordsee?

© Peter Linke/ GEOMAR

Die Bundesregierung hat viele Ideen, um bis zum Jahr 2050 eine Klimaneutralität zu erlangen. Eine umstrittene davon ist die unterirdische CO2-Speicherung. Forscher*innen des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (Geomar) haben eine Studie durchgeführt, die die Folgen von untermeerischer CO2-Speicherung auf marine Ökosysteme untersucht.

Wohin bloß mit dem ganzen Kohlendioxid? Bis 2050 will Deutschland nun – wie andere Länder Europas – klimaneutral werden. Das Ziel bedeutet nicht Nullemissionen, sondern ein Nullsummenspiel: Das Land kann so viel CO2 ausstoßen, wie es durch sogenannte Senken wieder der Atmosphäre entzieht. Auch der Weltklimarat hat darauf hingewiesen, dass derartige „negative Emissionen“ nötig werden könnten, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Es gibt natürliche Senken wie Wälder, die man, um CO2 zu binden, in großem Maßstab aufforsten kann. Möglich ist auch die Wiedervernässung trockengelegter Moore.

Größere Hoffnungen verbinden sich aber mit technischen Lösungen wie „Carbon Capture and Storage“ (CCS), also der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid in porösen Gesteinsschichten oder ausgebeuteten Gaslagern.

Die Debatte über die unterirdische CO2-Speicherung nimmt wieder Fahrt auf. Dafür sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in dieser Woche höchstpersönlich. Es werde auch 2050 noch CO2-Emissionen geben, deshalb wolle man „alternative Mechanismen finden, wie man das CO2 speichern oder kompensieren kann“, sagte Merkel beim Petersberger Klimadialog in Berlin – und weil Aufforsten in den Industrieländern nur begrenzt möglich sei, müsse das neu gebildete Klimakabinett über CO2-Speicher reden.

Größtes CCS-Potenzial in Europa unter dem Meer

An Land sehen sich derartige Speicher dem breiten Widerstand der Bevölkerung ausgesetzt. Wie es aber um die Chancen und Risiken steht, wenn CO2 unter dem Meeresboden gespeichert wird, haben jetzt Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (Geomar) untersucht. Die Studie ist Teil des europäischen Projekts „ECO2, das die Folgen von untermeerischer CO2-Speicherung auf marine Ökosysteme untersucht.

In Europa gebe es das größte Speicherpotenzial für CO2 vermutlich in tiefen salzhaltigen Grundwasserleitern vor der gesamten Nordseeküste sowie in weit unter dem Meeresboden gelegenen geologischen Formationen, schreiben die Wissenschaftler.

Ein Problem dabei: Weil es in der Region auch über 10.000 Bohrungen nach Gas und Öl gab, sind die Formationen teilweise zerlöchert. Aus vielen dieser Löcher tritt bereits heute Methangas aus, weil die umliegenden Sedimente gestört sind. Deshalb könnte auch das CO2, das dort eigentlich „dauerhaft“ festgehalten werden soll, früher oder später wieder austreten.

Versauerung bleibt lokal begrenzt

Um herauszufinden, was passiert, wenn das Kohlendioxid wieder aus dem Meeresboden austritt, und welche Folgen das für die Ökosysteme hat, setzten die Wissenschaftler im norwegischen Teil der Nordsee in 82 Metern Wassertiefe CO2 mit einer Rate von 31 Tonnen im Jahr frei. Verfolgt wurde der Weg des Gases durch Messungen von einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug und einem Forschungsschiff aus.

Die Daten zeigen, dass sich die CO2-Gasblasen in Meeresbodennähe vollständig auflösen, sagt Studienautorin Lisa Vielstädte vom Geomar. Dadurch sank der pH-Wert des Wassers in der Umgebung der Stelle, wo das CO2 freigesetzt wurde, von acht auf sieben.

„Diese Versauerung wirkt sich nachteilig auf die am Meeresboden lebenden Organismen aus“, erklärt Projektleiter Klaus Wallmann. Allerdings werde das CO2 so schnell verteilt, dass die Fläche, auf der Schäden auftreten könnten, gering sei. Um mehr als 0,2 Einheiten sei der pH-Wert nur auf einer Fläche von 50 Quadratmetern zurückgegangen.

Die Wissenschaftler ziehen daraus den vorläufigen Schluss, dass es „möglich ist, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet“. Ein einziges Loch, aus dem CO2 austritt, beeinträchtige die marine Umwelt noch nicht, bilanzieren die Forscher. Nur ein lang andauerndes Austreten an mehreren Bohrlöchern würde lokale Meeresökosysteme beeinträchtigen.

Die unterseeischen Risiken müsste man in dem Maße übrigens nicht eingehen. So entweichen allein aus entwässerten deutschen Mooren jährlich rund 45 Millionen Tonnen CO2. Das sind rund fünf Prozent der jährlichen Gesamtemissionen. Wären diese Moore wieder intakt, fielen nicht nur diese CO2-Mengen weg, sondern die Moore würden auch zusätzliches CO2 binden – eine natürliche Senke, die es lohnen würde, dass sich Merkels Klimakabinett damit befasst.

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Klimareporter: https://www.klimareporter.de

Dramatischer Weltbericht: Menschheit tilgt die Natur von der Erde

© picture alliance/imageBROKER

Der UN-Weltbiodiversitätsrat IPBES veröffentlicht bedrückende Fakten zum Zustand der Artenvielfalt. Das Artensterben hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß in der Geschichte der Menschheit angenommen. Jede*r muss jetzt handeln!

greenpeace magazin., 06.05.2019, dpa

Das Artensterben ist schlimm – aber mich selbst betrifft das nicht. Mit dieser Vorstellung räumen die Wissenschaftler des UN-Weltbiodiversitätsrats IPBES nun gründlich auf. In ihrem aktuellen Bericht liefern sie bedrückende Zahlen. Und machen deutlich, wie sich das Steuer noch herumreißen ließe.

Die Menschheit lässt die Natur einem umfassenden Weltbericht zufolge in rasendem Tempo von der Erde verschwinden. Dafür gebe es inzwischen überwältigende Beweise, die ein unheilvolles Bild zeichneten, warnte der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), Robert Watson, am Montag in Paris. „Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität“, sagte er. Die Weltgemeinschaft müsse sich dringend abwenden von wirtschaftlichem Wachstum als zentralem Ziel, hin zu nachhaltigeren Systemen, hieß es.

In ihrem ersten globalen Bericht zum Zustand der Artenvielfalt reiht die Einrichtung der Vereinten Nationen beängstigende Fakten aneinander: Von den geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit sei rund eine Million vom Aussterben bedroht. Das Ausmaß des Artensterbens war in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß wie heute – und die Aussterberate nimmt weiter zu. Drei Viertel der Naturräume auf den Kontinenten wurden vom Menschen bereits erheblich verändert, in den Meeren zwei Drittel.

Immer wieder verdeutlichen die Autoren, dass der Verlust an Biodiversität kein reines Umweltthema ist, sondern auch Entwicklung, Wirtschaft, politische Stabilität und soziale Aspekte wie Flüchtlingsströme beeinflusst. Gravierende Folgen für Menschen weltweit seien inzwischen wahrscheinlich, warnen sie. Noch sei es nicht zu spät für Gegenmaßnahmen, erklärte Watson, „aber nur, wenn wir sofort auf allen lokalen bis globalen Ebenen damit beginnen“. Es bedürfe fundamentaler Veränderungen bei Technologien, Wirtschaft und Gesellschaft, Paradigmen, Ziele und Werte eingeschlossen.

„Die Biodiversität und die Naturgaben für den Menschen sind unser gemeinsames Erbe und das wichtigste Sicherheitsnetz für das Überleben der Menschheit“, erklärte die Argentinierin Sandra Díaz. Dieses Netz sei jedoch inzwischen bis fast zum Zerreißen belastet. Díaz, Ökologin an der Nationalen Universität Córdoba, ist neben Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle und dem brasilianischen Anthropologen Eduardo Brondízio Hauptautorin des IPBES-Berichts. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Greenpeace Magazin: https://www.greenpeace-magazin.de

 

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