Verschmutzung

Die Meeresumweltverschmutzung zeigt viele Gesichter und nicht alle sind so eindringlich wie die Bilder einer Ölkatastrophe. Viele kleinere Quellen – wie der Eintrag über die Flüsse und der Meeresmüll – haben ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf die Meere. Setzt die Landwirtschaft im Hinterland Düngemittel und Pestizide ein, gelangen auch diese Schadstoffe über die Flüsse ins Meer. Die Folgen der schleichenden Verschmutzung sind z. B. gesperrte Strände an den Küsten aufgrund der Massenentwicklung von Bakterien und Algen in den nährstoffreichen Küstenzonen.

In den Städten und den Vorstädten werden mit jedem Regentropfen Schadstoffe von den Fabrikdächern, Parkplätzen und Strassen frei gewaschen. Das Wasser wird mit Öl, Schwermetallen, Pestiziden, Abfall, Fäkalien und den Resten der Auspuffabgase kontaminiert und beginnt seine Reise zum Meer im Rinnstein der Strassen. Bei Flutereignissen steigt die Schadstofffracht noch einmal gewaltig.
Auf dem Land fließt das Regenwasser über Ackerland, Tierweiden und Golfanlagen in die Vorfluter und Kanäle. So wird das Regenwasser zu einem toxischen Cocktail aus Schädlingsbekämpfungsmitteln, Düngemitteln und Tier-Fäkalien. In der Chesapeak Bay in den USA z. B. führen die ungeklärten Einleitungen der Schweinemastanlagen regelmäßig zur Massenvermehrung von Pfiesteria piscicida: Der tödliche Parasit führt zu einem Massensterben der Fischbestände und zu Atemnot bei den Fischern.
Mangelhafte Kläranlagen können bei zu großem Ansturm das Abwasser nicht ausreichend klären. Das Restwasser gelangt in die Flüsse. Klärgruben in der Nähe der Küsten verseuchen das Grundwasser. Sportboote entlassen Fäkalien oft direkt ins Meer.
Es ist an der Zeit mit geeigneter Überwachung der Meere die Umweltsünder aufzuspüren, die Strände vor gesundheitsgefährdenden Schadstoffen zu schützen und die Meeresverschmutzung weiter juristisch einzudämmen. Die Qualität der Strände muss erhalten bleiben und die Gefährdung mit gefährlichen HABs-Algenblüten (Harmful Algal Blooms) im Vorfeld vermieden werden. Dies geht nur über geeignete Standards, durch das Zutun und Engagement jedes Einzelnen und den politischen Willen für ausreichende Gesetze.

Plastikmüll im Meer – tödliche Gefahr

Unsere Ozeane sind vermüllt, das ist kein Geheimnis. Vom städtischen Abfall bis zur verlassenen Fischereiausrüstung: Der Müll auf und in den Meeren ist eines der dringendsten Probleme der Welt. Jedes Jahr kosten die entsorgten Überbleibsel Tausenden von Organismen das Leben, indem sie daran ersticken oder sich darin verwickeln. Der Müll beeinträchtigt auch wichtige marine Lebensräume als Ganzes, wie z.B. die Korallenriffe und Seegrasbänke. Plastikflaschen gelangen in den offenen Atlantik und der schwimmende Müll über die Ozeanströme bis in die Arktis und Antarktis. Im Jahr 2000 entdeckten Umweltschützer an einem einzigen Tag an den Stränden der Welt mehr als 6 000 Tonnen Müll: Sie fanden 13 000 Einwegspritzen und 373 verschiedene Tierarten, die sich im Müll verstrickt hatten.
Ein wesentlicher Grund für die Müllmengen ist Unachtsamkeit – Menschen lassen den Müll einfach fallen. Doch der Abfall findet seinen Weg in die Ozeane. Das Resultat sind buchstäblich Tonnen von Zigarettenstumpen, Tampons, Spritzen und Flaschen im Wasser und an den Stränden.
Plastik ist nahezu unzerstörbar. Vor 450 Jahren steckten wir fast noch im Mittelalter. In der Zwischenzeit wurde viel Geschichte geschrieben und –im Übertragenen Sinne- eine PET-Flasche vollständig zersetzt – oder eine Plastiktüte. Eine unsagbar lange Zeit für so einen Verpackungsabfall, der nach seinem oft nur wenige Minuten weilenden Gebrauch oft nicht mehr viel Gutes tut.
Seeschildkröten z. B. verwechseln häufig Plastiktüten mit Quallen – wodurch ihr Verdaungssystem blockiert wird und sie dem Tode geweiht sind. Fischereileinen und -netze, Plastikringe von Dosenverpackungen, Seile und anderer Abfall wickeln sich um Flossen und Gliedmassen und führen zum Ertrinken oder zu Amputationen der Meeresorganismen. Manch schwimmender Müll tötet Jahrzehnte lang kettenweise: gefangene Tiere ziehen häufig Räuber an, die dann auch verwickelt werden.
Im Kampf gegen den schwimmenden Müll helfen nur nationale Gesetze zur Müllentsorgung und -aufbereitung und die Säuberungen der lokalen Strände und Küstengewässer.

Mikroplastik

Für unseren Wocheneinkauf haben wir den Baumwollbeutel immer dabei, wenn wir Lust auf Kaffee haben, füllen wir diesen in unseren eigenen Kaffeebecher und unterwegs füllen wir unser Wasser in eine Edelstahlflasche. Plastik im Alltag zu vermeiden, scheint nicht schwer und es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten Plastik sogar ganz zu boykottieren. Doch liegen wir mit dieser Annahme wirklich richtig? PET-Flaschen, Einwegplastiktüten und der Einwegkaffeebecher fallen lediglich in die Kategorie Makroplastik. Der Großteil des Plastiks, dessen Wege oft in den Ozean führen, ist jedoch nicht wie gedacht das Makroplastik, sondern Mikroplastik.

Mikroplastik beschreibt jene Plastikteilchen, deren Durchmesser unter 5 mm liegt, und aufgrund dieser, teils für das eigene Auge nicht sichtbaren Größe stellt es eine große Bedrohung dar. Doch vorab, was ist Mikroplastik eigentlich genau? Mikroplastik wird in primäres und sekundäres unterteilt. Bei primärem Mikroplastik handelt es sich um Plastikteilchen, die bereits bei ihrer Freisetzung eine Größe von unter 5 mm haben. Bei primärem Mikroplastik des Typ A werden die Teilchen auch direkt innerhalb dieses Größenbereichs eingesetzt. Hierbei sind viele Anwendungsbereiche innerhalb der Kosmetik zu finden. Das Paradebeispiel sind die sogenannten Microbeads, welche oft in Körperpeelings oder Zahnpasta zu finden sind. Jeder, der bereits ein Körperpeeling benutzt hat, ist mit den kleinen farbigen Kügelchen vertraut, welche für den Peeling- und den reinigenden Effekt sorgen sollen.

Doch auch unsere Straßen sind vor Mikroplastik nicht sicher. Mit 290.00 Tonnen pro Jahr stellt der Reifenabtrieb von herkömmlichen Autoreifen die größte Mikroplastikquelle dar im Ozean dar.
Bei dem Abrieb von Reifen handelt es sich um primäres Mikroplastik des Typ B, bei dem das Mikroplastik während der Nutzungsphase entsteht und dadurch in die Umwelt freigesetzt wird. Zusätzlich zählen synthetische Fasern von Textilien (190.000 Tonnen pro Jahr im Ozean), welche sich beim Wäschewaschen lösen, zu Typ B des primären Mikroplastiks.

Sekundäres Mikroplastik entsteht, indem Makroplastik durch Zersetzungsprozesse wie Hydrolyse oder Photooxidation zerfällt. 74% des gesamten Plastiks im Umlauf ist Mikroplastik. Doch warum sind diese unscheinbaren Kunststoffteilchen so bedrohlich für unsere Umwelt, die Ozeane und sogar uns Menschen? In der Herstellung wird Plastik oft mit sogenannten Additiven versehen, welche verschiedene Funktionen wie eine färbende oder flammenhemmende Wirkung erfüllen. Bei diesen Additiven handelt es sich jedoch größtenteils um schädliche Chemikalien wie beispielsweise polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs).

Befindet sich Mikroplastik im Ozean, zieht es im Wasser vorhandene langlebige organische Schadstoffe (POPs) wie Polychlorierte Biphenyle (PCBs) an sich und adsorbiert sie, das heißt diese lagern sich an der Oberfläche an. Die Konzentration an Schadstoffen ist somit an den Plastikteilchen wesentlich höher als in dem sie umgebenden Wasser. Aufgrund der unscheinbaren Größe wird Mikroplastik von im Wasser lebenden Organismen unbemerkt aufgenommen. Hierbei werden die am Plastik haftenden Schadstoffe jedoch oft innerhalb des Magendarmtraktes gelöst und haben somit toxische Wirkung für das Lebewesen. Teils wird das Plastik anschließend wieder ausgeschieden, teils verweilt es innerhalb des Körpers mit dem Potential innerhalb der Nahrungskette stets zu akkumulieren. Daher gelangt das Mikroplastik (oft inklusive Schadstoffe) bis auf unseren Teller, durch Fisch und Meeresfrüchte, die wir konsumieren. Doch nicht nur so werden wir als Mensch von dem von uns selbst freigesetzten Mikroplastik eingeholt. Auch der bereits erwähnte Reifenabrieb gelangt oft in Form von Feinstaub in die Luft, die wir atmen. Im Durchschnitt konsumieren wir im Alltag fünf Gramm Plastik pro Woche, das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

Oft sind wir uns der Reichweite unseres Konsums nicht bewusst, doch das Mikroplastik in unserer Kosmetik sowie aus unserer Kleidung gelangt über das Abwasser direkt in den Ozean. Auch die Partikel des Autoreifenabriebs werden mit dem nächsten Regen in die Kanalisation gespült und können in den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden.

Ergebnisse aus dem Workshop der Unterarbeitsgruppe Mikroplastik des Runden Tisches Meeresmüll zur „Vermeidung des Mikroplastikeintrags in die marine Umwelt“ findet ihr in unserem Blogbeitrag.

Quellen:

UNEP
Dr. Chris Sherrington, Plastics in the Marine Environment 2016

Hier unsere Factsheets über das Thema Plastikmüll

Blogs zum Thema

 

Jeder Einzelne kann sich beteiligen:

Verhindern Sie die Müllentsorgung im Meer und sammeln Sie auf, was sie finden – vielleicht retten sie einem Meeressäugetier damit das Leben.

Seien sie sparsam mit Verpackungen und beschweren sie sich bei Firmen, die Produkte unnötig aufwendig einpacken.

Helfen Sie bei örtlichen Stadt- und Strandreinigungen als Sammler und verhindern Sie so den Weitertransport des Mülls vom Land ins Meer.

©  DEEPWAVE e.V.

Ballastwasser

Mit dem Ballastwasser von Schiffen gelangen Millionen exotischer Pflanzen- und Tierarten aus der ganzen Welt in fremde Buchten, Flussmündungen und Seen. Diese artfremden Organismen bedrohen die einheimischen Spezies, indem sie um Nahrung konkurrieren und zur Verbreitung von Krankheiten führen. Vor dem Beginn der Seeschifffahrt waren es nur die großen Wale, die anderen Tieren die Möglichkeit boten, über die Weltmeere transportiert zu werden. Heutzutage übernimmt der internationale Seeverkehr den Transport von Meerestieren. Nach einer EU-Studie werden alleine in Deutschland jede Sekunde 69 artfremde Organismen durch das Ballastwasser von Schiffen an fremden Küsten entlassen.

Seit dem 18. Jahrhundert verwenden Schiffe zusätzlich aufgenommenes Ballastwasser, um Ruder und Propeller tief genug ins Wasser eintauchen zu lassen und die Lage der meist nicht ganz voll beladenen Schiffe zu stabilisieren. Je nach Ladung transportiert ein modernes Massengutschiff heute bis zu 100.000 Tonnen Wasser in solchen Ballasttanks und auch leeren Laderäumen. Insgesamt werden jährlich acht bis zehn Milliarden Tonnen Ballastwasser von Schiffen transportiert, mindestens 300 Millionen Tonnen gelangen davon in küstennahe Gewässer und Häfen. Allein in der deutschen Bucht werden jährlich zwei bis zehn Millionen Tonnen Ballastwasser aus Übersee mit Millionen blinden Passagieren freigelassen.
Auswirkungen solcher eingewanderter Exoten auf das natürliche Ökosystem werden immer öfter bemerkbar. So wird die Zunahme von toxischen Algenblüten fremder Algenarten vor Australien auf die Einfuhr von Ballastwasser aus Südostasien zurückgeführt. Aquakulturen, die in unmittelbarer Nähe zu intensiven Schifffahrtsrouten liegen, sind zunehmend stark durch eingeschleppte Parasiten betroffen. In Südchile zum Beispiel befiel im November 1998 ein japanischer Fischparasit 15.000 Tonnen Zuchtlachse, die nach und nach getötet wurden und verursachte einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 90 Millionen US-Dollar.
Ein anderes Beispiel ist die europäische Zebramuschel Dreissena polymorpha . Seit 1985 breitete sich die Muschel über die Großen Seen in Nordamerika aus und verstopft unter anderem die Kühlwasserrohre der Wasserkraftwerke, so dass mit hohem personellen und finanziellen Aufwand (Kosten 4-8 Milliarden US $ in den nächsten 10 Jahren) die Zuflussrohre gereinigt werden müssen. Die Muschel kam zufällig per Schiff vom Schwarzen oder Kaspischen Meer, dem eigentlichen Verbreitungsgebiet, über die Binnenschifffahrtskanäle Anfang des Jahrhunderts nach Europa und ist erst nun mit der Schifffahrt nach Amerika „weitergereicht“ worden. Genauso wie sie nach Irland oder nach Argentinien ihren Weg gefunden hat, wo sie jetzt nicht nur die Leitungen der Trinkwasserversorgung, sondern auch die Ökologie der Gewässer ernsthaft gefährdet.
Die Zebramuschel ist nicht das einzige Beispiel für transkontinentalen Faunenaustausch. Sei es die chinesische Wollhandkrabbe, die amerikanische Schwertmuschel in der Nordsee, die karibische Meeresalge im Mittelmeer, die japanische Planktonalge in Australien: die Liste der exotischen Gelegenheitswanderer zwischen den Ozeanen wächst mit jeder neuen Schiffsreise. Seit 1903 haben sich 159 Eindringlinge in der Nord- und Ostsee angesiedelt, d. h. alle sieben Monate besiedelt ein neuer Meeresbewohner auf Dauer die Nordsee. Und 53 neue Arten sind vor der englischen Küste entdeckt worden, 145 im Mittelmeer und 172 Neulinge in australischen Gewässern. Von der Mikroalge bis zu 15 Centimeter langen Fischen: Insgesamt mehr als 4.000 Arten, wurden auf, an und in Schiffen festgestellt.
Die Biodiversität, die nach der Umweltkonferenz in Rio (Agenda 21) erhalten werden soll, verändert sich durch den Transfer der Fremdarten dramatisch, um zukünftigen, volkswirtschaftlichen und ökologischen Schaden niedrig zu halten, bedarf es raschen und staatenübergreifenden Handelns. Geeignete Behandlungsmethoden und Managementmaßnahmen für Ballastwasser verringern das Risiko der Einschleppung, ohne dabei unzumutbar hohe Kosten zu verursachen.
Doch eine Kombination von mechanischen und physikalischen oder chemischen Reinigungstechniken erscheint in Zukunft durchaus machbar und Erfolg versprechend. Bisher hält sich die Seeschifffahrt nur an die vorläufigen Empfehlungen der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO. Demnach soll die Aufnahme von Ballastwasser in Flüssen und Ästuaren (Flussmündungen), in der Nähe von Klärwerken, während Planktonblüten und Baggerarbeiten und besonders nachts, wenn bodenlebende Meeresorganismen in die Wassersäule aufsteigen, wo immer möglich vermieden werden. Das Ballastwasser soll zudem möglichst weit vor der Küste ausgetauscht werden, allerdings lassen aus Sicherheitsgründen die Versicherungen das nicht immer zu.
Diese Vorschriften sind deshalb nicht ausreichend. Eine Großteil der Organismen sinkt in den dunklen Ballasttanks auf den Boden und bildet dort Dauerstadien, die erst „erwachen“, wenn sie wieder in sauerstoffreiches Wasser ausgesetzt werden. Diese Sedimente zeigen zusammen mit dem Restanteil an nicht ausgetauschtem Wasser immer noch eine reiche Faunenvielfalt: Bis zu 116 Tage überleben Meerestiere in solchen Ballasttanks.
Es sind gerade diese Ballastsedimente, die besonders behandelt werden müssen, denn in ihnen können sich auch toxische Algen und humanpathogene Keime verstecken. Streptokokken, koliforme Bakterien und Cholera-Bazillen wurden bereits im Ballastwasser vom amerikanischen Smithonian Institut in Washington nachgewiesen. 1991 begann eine Choleraepedimie an den Küsten Mexikos und Perus und trat danach in mehreren lateinamerikanischen Häfen auf, vermutlich spielte der Transport von Ballastwasser dabei eine Rolle. Die Cholera-Bazillen sind eigentlich nicht salzwasserresistent und hatten sich in den Poren oder unter der Haut anderer Organismen versteckt. Wenn man diese Organismen durch geeignete, kostengünstige Maßnahmen eliminiert, dann hat man auch das Risiko humanpathogener Keime verringert.
Neben Ballastwasser sorgen auch andere Transportwege, wie die Versendung von lebenden Fischködern, das Entleeren von Aquarien oder über den Schiffsbewuchs, für die Ausbreitung der exotischen Arten. Wir fordern eine stärkere Regelung für Ballastwasserauf- und abgaben bei Schiffen, um die Risiken eines Transports zu verringern und um die Ozeane vor biologischer Verunreinigung zu schützen.

Blogbeiträge zu Ballastwasser und blinden Passagieren

Kreuzfahrtschiffe

Schwimmenden Städten gleich bringen Kreuzfahrtschiffe jährlich Millionen Menschen zu den entlegensten und empfindlichsten Regionen der Ozeane. Zum großen Teil noch unreglementiert entladen sie dort große Mengen ungeklärtes Abwasser, toxische Chemikalien und anderen Abfall direkt in das Wasser. Diese Verschmutzungen stellen eine potentielle Gefahr für die Meereslebewesen, die fragilen Lebensräume und die menschliche Gesundheit dar.
Die Kreuzfahrschifffahrt boomt: 1998 transportierten 223 Schiffe etwa 10 Millionen Touristen über die Weltmeere. Jedes Jahr wächst die Industrie um 10 Prozent, bis zum Jahr 2005 werden weitere 50 Schiffe in den Dienst gestellt.
Doch noch immer sind die Standards für die Luftemmission auf den Schiffen ungenügend, die Selbstverpflichtung der Reinigung des Brauchwassers marginal. Weltweit setzen sich Umweltverbände für eine striktere Reglementierung und ein besseres Recycling auf Kreuzfahrtschiffen ein. DEEPWAVE befürwortet auch die „Green Ship“- Initiative einiger europäischer Häfen, bei dem für sichere und umweltfreundliche Schiffe Gebührennachlässe gelten. Die traurigen Beispiele der letzten Zeit (wie der Öltanker „Prestige“ u.a.) zeigen jedoch, dass der Umweltschutz im Seeverkehr gravierende Lücken aufweist, die nur durch verstärkten Druck auf die Internationale Schiffahrtsorganisation IMO (Internationale Maritime Organisation) geschlossen werden können.

Blogbeiträge zum Thema Kreuzfahrt

Erdöl und Erdgas

Verölte Vögel und schwarze Teermassen an den Felsklippen sind das berüchtigste Beispiel für die verhängnisvollen Auswirkungen einer Ölverschmutzung. Aber auch die Öl- und Gasplattformen vor den Küsten leiten täglich Öl ins Meer. Der Betrieb der Bohrungen beeinträchtigt die Meeresumwelt, die Fischer und die dort arbeitende Menschen gleichermaßen.
Die Vergabe der Plattformlizenzen sollte an strenge Umweltauflagen gebunden sein. Was im Wattenmeer an Vorsorgemaßnahmen wirksam ist, sollte auch für andere Gebiete gelten. Solche Auflagen müssten zum Beispiel bei den zunehmenden Tiefwasser-Ölbohrungen vor Schottland und im Golf von Mexiko wirksam werden. Auch die Planungen im National Wildlife Refuge vor Alaska zu bohren sind ungenügend: Noch immer konnte die Ölindustrie nicht beweisen, dass sie in der Lage wäre, auf einen möglichen Ölunfall im Eis richtig zu reagieren. Die Folgen wären für die hoch angepasste Tierwelt – eine der produktivsten Zonen der Arktis – und die einheimischen Bewohner katastrophal.
Neben der Bedrohung durch das Öl kommen noch andere Gefährdungen bei der Öl- und Gasförderung hinzu: Der Lärm von seismischen Untersuchungen, Wasser- und Luftverschmutzung, Trübstoffe durch die Küstenbebauung. Die Tiefbohrungen bedrohen auch eines der artenreichsten Ökosysteme der Tiefsee: Die Kaltwasserriffe an den Kontinentalrändern.
Die Gas- und Erdölexploration in immer tieferen Regionen vor den Küsten muss unter stärkere Kontrolle gesetzt werden. Gesetze, die die Offshore-Industrie fördern, lehnen wir ab, solange keine wirkliche Umweltverträglichkeit nachgewiesen ist. Zusammen mit anderen Umweltgruppen unterstützen wir die Moratorien und Bemühungen gegen die US-Ölförderung in dem hoch sensiblen Gebiet im so genannten National Petroleum Reserve-Alaska (NPRA) vor Alaska. Durch die Einrichtung von Meeresschutzgebieten sollten weite Gebiete der äußeren Schelfmeere vor dem Zugriff der Ölindustrie geschützt werden, damit die wertvollen Fischbestände und Lebensgemeinschaften weiter erhalten bleiben.

Unser Factsheet über Tiefsee-Öl

„Erdöl aus der Tiefsee“

Text: Onno Groß, 2016

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