Vor einem schwarzen Hintergrund sieht man eine Fingerspitze. Ein Haufen an winzigem Mikroplastik liegt auf dem Finger

© Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Für unseren Wocheneinkauf haben wir den Baumwollbeutel immer dabei, wenn wir Lust auf Kaffee haben, füllen wir diesen in unseren eigenen Kaffeebecher und unterwegs füllen wir unser Wasser in eine Edelstahlflasche. Plastik im Alltag zu vermeiden, scheint nicht schwer und es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten Plastik sogar ganz zu boykottieren. Doch liegen wir mit dieser Annahme wirklich richtig? PET-Flaschen, Einwegplastiktüten und der Einwegkaffeebecher fallen lediglich in die Kategorie Makroplastik. Der Großteil des Plastiks, dessen Wege oft in den Ozean führen, ist jedoch nicht wie gedacht das Makroplastik, sondern Mikroplastik.

Mikroplastik beschreibt jene Plastikteilchen, deren Durchmesser unter 5 mm liegt, und aufgrund dieser, teils für das eigene Auge nicht sichtbaren Größe stellt es eine große Bedrohung dar. Doch vorab, was ist Mikroplastik eigentlich genau? Mikroplastik wird in primäres und sekundäres unterteilt. Bei primärem Mikroplastik handelt es sich um Plastikteilchen, die bereits bei ihrer Freisetzung eine Größe von unter 5 mm haben. Bei primärem Mikroplastik des Typ A werden die Teilchen auch direkt innerhalb dieses Größenbereichs eingesetzt. Hierbei sind viele Anwendungsbereiche innerhalb der Kosmetik zu finden. Das Paradebeispiel sind die sogenannten Microbeads, welche oft in Körperpeelings oder Zahnpasta zu finden sind. Jeder, der bereits ein Körperpeeling benutzt hat, ist mit den kleinen farbigen Kügelchen vertraut, welche für den Peeling- und den reinigenden Effekt sorgen sollen.

Doch auch unsere Straßen sind vor Mikroplastik nicht sicher. Mit 290.00 Tonnen pro Jahr stellt der Reifenabtrieb von herkömmlichen Autoreifen die größte Mikroplastikquelle dar im Ozean dar.
Bei dem Abrieb von Reifen handelt es sich um primäres Mikroplastik des Typ B, bei dem das Mikroplastik während der Nutzungsphase entsteht und dadurch in die Umwelt freigesetzt wird. Zusätzlich zählen synthetische Fasern von Textilien (190.000 Tonnen pro Jahr im Ozean), welche sich beim Wäschewaschen lösen, zu Typ B des primären Mikroplastiks.

Sekundäres Mikroplastik entsteht, indem Makroplastik durch Zersetzungsprozesse wie Hydrolyse oder Photooxidation zerfällt. 74% des gesamten Plastiks im Umlauf ist Mikroplastik. Doch warum sind diese unscheinbaren Kunststoffteilchen so bedrohlich für unsere Umwelt, die Ozeane und sogar uns Menschen? In der Herstellung wird Plastik oft mit sogenannten Additiven versehen, welche verschiedene Funktionen wie eine färbende oder flammenhemmende Wirkung erfüllen. Bei diesen Additiven handelt es sich jedoch größtenteils um schädliche Chemikalien wie beispielsweise polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs).

Befindet sich Mikroplastik im Ozean, zieht es im Wasser vorhandene langlebige organische Schadstoffe (POPs) wie Polychlorierte Biphenyle (PCBs) an sich und adsorbiert sie, das heißt diese lagern sich an der Oberfläche an. Die Konzentration an Schadstoffen ist somit an den Plastikteilchen wesentlich höher als in dem sie umgebenden Wasser. Aufgrund der unscheinbaren Größe wird Mikroplastik von im Wasser lebenden Organismen unbemerkt aufgenommen. Hierbei werden die am Plastik haftenden Schadstoffe jedoch oft innerhalb des Magendarmtraktes gelöst und haben somit toxische Wirkung für das Lebewesen. Teils wird das Plastik anschließend wieder ausgeschieden, teils verweilt es innerhalb des Körpers mit dem Potential innerhalb der Nahrungskette stets zu akkumulieren. Daher gelangt das Mikroplastik (oft inklusive Schadstoffe) bis auf unseren Teller, durch Fisch und Meeresfrüchte, die wir konsumieren. Doch nicht nur so werden wir als Mensch von dem von uns selbst freigesetzten Mikroplastik eingeholt. Auch der bereits erwähnte Reifenabrieb gelangt oft in Form von Feinstaub in die Luft, die wir atmen. Im Durchschnitt konsumieren wir im Alltag fünf Gramm Plastik pro Woche, das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

Oft sind wir uns der Reichweite unseres Konsums nicht bewusst, doch das Mikroplastik in unserer Kosmetik sowie aus unserer Kleidung gelangt über das Abwasser direkt in den Ozean. Auch die Partikel des Autoreifenabriebs werden mit dem nächsten Regen in die Kanalisation gespült und können in den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden.

Doch wie können wir als Konsument unseren Mikroplastikeinfluss gezielt verändern und minimieren?

Unter dem Titel „Vermeidung des Mikroplastikeintrags in die marine Umwelt “ fand am 18. und 19. November im Umweltbundesamt (UBA) in Berlin ein Workshop der Unterarbeitsgruppe Mikroplastik des Runden Tisches Meeresmüll statt. Hierbei trafen mehrere Vertreter aus Umweltschutzorganisationen, Forschungsinstituten, Wirtschaft und Industrie zusammen, um gemeinsam neue und innovative Lösungsansätze zu jeweiligen Mikroplastikquellen vorzustellen. 50.000 Tonnen Mikroplastik werden jährlich innerhalb der Kosmetikbranche verwendet. Oft sind die Inhaltsstoffe synthetischer Herkunft in Kosmetikartikeln nicht ausreichend gekennzeichnet. Vielen Nutzern ist nicht bewusst, dass Mikroplastik mit dem richtigen Ansatz und Wissen leicht zu vermeiden ist. Apps wie „Beat the Microbead“ (nur EN) oder „ToxFox“ scannen Kosmetikartikel und deren Inhalte auf Mikroplastik. Auch der vom BUND veröffentlichten Einkaufsratgeber zu Mikroplastik enthaltenden Produkten hilft dem Konsument Plastik zu umgehen. Zusätzlich ist es sinnvoll, ein Mikroplastik-FREI-Siegel für Produkte einzuführen. Allerdings sollten neue Gesetze eingeführt werden, die den Gebrauch von Microbeads in Rinse-off-Produkten anfänglich verbieten. Microbeads können in Produkten wie Peelings durch natürliche Komponenten wie Tonerde, Kieselmineralien, Weizenklee oder gemahlenen Nussschalen ersetzt werden.

Der als lästig wahr genommene Hausstaub besteht zu mindestens 85% aus synthetischen Fasern (PET-Fasern) oder Kunststoffpartikeln wie Polyurethan. Um die Freisetzung dieser Plastikteilchen während der Hausreinigung zu umgehen, wird dazu geraten, Filter zu verwenden, welche bei der Entsorgung des Putzwassers den Weg der Kunststoffpartikel in das Abwassersystem vermeiden. Das Verwenden von Filtersystemen wird auch für das Waschen von Kleidung empfohlen. Denn Kleidung aus beispielsweise Fleece oder Polyester nutzt sich während des Tragens ab und verliert während der Reinigung in der Waschmaschine oder beim darauffolgenden Trocknen synthetische Fasern. Der angestrebte Filtereffekt kann durch Wäschenetze oder einen sogenannten Coraball (ein Filterball, welcher gelöste Fasern mit Fangarmen an sich bindet) erzielt werden.

Zusätzlich wurde während des Workshops das hohe Mikroplastikaufkommen in Form von Füllgranulat auf Sportplätzen mit Kunstrasen thematisiert. Hierbei bleiben die Plastikkügelchen beispielweise an Schuhsohlen haften und werden dadurch weiter transportiert. Letzten Endes gelangen die Partikel teils durch Regen oder teils von privaten Haushalten ausgehend in Abwasser, welches nicht geklärt wird. Primär wird gefordert, dass das Füllgranulat nicht mehr aus synthetischer Herkunft stammt, sondern durch natürliche Stoffe wie Sand, Holz oder Kork ersetzt wird. Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass das Granulat bei Verlassen der Sportfläche herausgefiltert wird. Zum Filtern eignen sich Banden am Rande der Fläche oder Sauberlaufzonen zum Reinigen der Schuhsohle. Innerhalb Europas stammen momentan bis zu 72.000 Tonnen Mikroplastik pro Jahr aus der Nutzung von Sportflächen.

Das wie bereits erwähnte größte Aufkommen an Mikroplastik ist jedoch auf den Abrieb bei Autoreifen zurückzuführen. Der Abrieb selbst lässt sich während der Nutzung von Reifen aus Kunststoff nicht vermeiden, jedoch minimieren. Wichtig ist auch, den Mikroplastikeintrag ins Abwasser zu kontrollieren und dadurch ganz zu umgehen. Umso größer, schwerer und schneller ein Fahrzeug ist, desto höher ist der daraus resultierende Reifenabrieb. Daher kann bereits durch die Wahl des eigenen Fahrzeugs ein deutlicher Unterschied erbracht werden. Zusätzlich wird empfohlen, den Transport von schweren Gütern weitgehend auf Schienenfahrzeuge zu übertragen. Innerhalb des alltäglichen Straßenverkehrs muss darauf geachtet werden, dass der Abrieb, welcher durch Regen in das Abwasser gespült wird, herausgefiltert wird. Eine optimierte Straßenreinigung kombiniert mit Filtersystemen in Straßengullys soll den Plastikeintrag stoppen. Abwasser, das seinen Ursprung in Straßensystemen hat, soll zusätzlich in Kläranlagen gereinigt werden und nicht direkt in den Ozean führen.

Weitere Maßnahmen sind auch innerhalb der Nutzung von Mikroplastikpellets nötig. Plastikpellets werden in Form von Kunststoffgranulaten transportiert und anschließend geschmolzen und in die gewünschte Form gepresst. Während des Transportes oder vor der eigentlichen Verwendung der Pellets gehen diese oft in die Umgebung verloren. Transport, Lagerung und Entsorgung soll im Rahmen von „Null Pellet Verlust“ Projekten optimiert werden.

Auch Bootsbesitzer haben einen Einfluss auf Mikroplastik im Ozean. So genannte Antifouling-Anstriche, welche an der Unterseite von Booten zu finden sind und die Anlagerung von Tieren und Pflanzen verhindern sollen, sind synthetischer Herkunft. Bei der Reinigung des Bootes gelangen Plastik sowie die dabei verwendeteten Biozide in das umgebende Wasser. Aufgrund dessen erweist es sich als sinnvoll, das Boot in gesicherten Waschplätzen an Land zu reinigen, wobei die Antifoulingreste gezielt entsorgt werden können. Während der Reinigung sollten auf biozidhaltige Reinigungsverfahren verzichtet werden und genutzte Antifoulinganstriche sollten abriebfest sein.

Der Workshop in Berlin hat verdeutlicht, dass bereits viele Möglichkeiten und innovative Methoden dazu beitragen können, den Mikroplastikeintrag im Alltag zu kontrollieren und zu minimieren. Oftmals muss hierbei aufgrund der möglichen Alternativen weder auf etwas verzichtet werden noch hat der Nutzer einen Nachteil. Wichtig sind jedoch das Bewusstsein und der aufgeklärte Umgang mit Plastik, denn wir als Konsument tragen Verantwortung. Unser Einfluss reicht weiter als wir es uns vorstellen können und auch wenn es nicht unsere Intention ist, Plastik in den Ozean zu befördern, geschieht dies dennoch. Um zu verhindern, dass zunehmend Plastik in die Umwelt gelangt, müssen wir bewusst darauf verzichten und erdenkliche Alternativen immer bevorzugen.

Noemi Merz für DEEPWAVE

Quellen:

Dr. Chris Sherrington, Plastics in the Marine Environment 2016

„Vermeidung des Mikroplastikeintrags in die marine Umwelt “, Workshop der Unterarbeitsgruppe Mikroplastik des Runden Tisches Meeresmüll.

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