Gewöhnlich hält man Fische für ein bisschen oder auch sehr dumm. Sie bevölkern einen Lebensraum, von dem wir hier auf dem Trockenen wenig mitbekommen. Sie haben einen unveränderten Gesichtsausdruck, gestikulieren nicht und wirken stumm. Dieses Buch zeigt mithilfe von Beobachtungen und vor allem wissenschaftlich fundierten Aussagen das Gegenteil; wie komplex das Verhalten und die Leistungen von Fischen sind, und wie nah sie uns in manchen Aspekten sind und wie fern in anderen. Der Inhalt basiert größtenteils auf (manchmal doch grausamen) wissenschaftlichen Studien, die aber so unterhaltsam und gut verständlich aufgearbeitet sind, dass auch jeder, der Fische bisher nur auf dem Teller oder im Aquarium umherschwimmend beobachtet hat, von Anfang an in den Bann gezogen wird. Und auch, wenn man das ein oder andere schon weiß über Fische, ist da so viel neues Spannendes drin, was einem die Fische näherbringt und damit subtil unseren Umgang mit Fischen hinterfragt. Man merkt dem Autor, dem Verhaltensbiologen Jonathan Balcombe, seine Begeisterung und seinen Einsatz für die Fische an und das hilft einem über eventuelle kleine Längen des Buchs hinweg. Auch Anekdoten sind dazwischen gestreut, so dass es kein trockenes Sachbuch, sondern ein unterhaltsam lehrreicher Schmöker ist.

Das Buch spannt einen Bogen von der Bedeutung und Einzigartigkeit der Fische im Tierreich über ihre Sinne und Wahrnehmungen bis hin zu Denk- und Lernleistungen und sozialen Interaktionen. Fische völlig verschiedener Arten verabreden sich zum gemeinsamen Jagen; Schützenfische, die ihre Beute mit einem gut gezielten Wasserstrahl aus der Luft herunterschießen, lernen als Jungfische durch Beobachtung von erfahreneren Fischen die besten Techniken. In Punkto Raumgedächtnis können wir und viele andere Wirbeltier mit einigen Fischarten gar nicht erst mithalten: Ein Frillfin Goby macht sich bei Flut eine Landschaftskarte im Kopf und weiß so ganz genau, wo bei Ebbe noch kleine Wassertümpel zu finden sind.

Nach der Lektüre dieses Buches wissen wir so einiges, was uns zum Nachdenken anregt: Fische kommunizieren, erkennen einander, spüren Schmerz, erinnern sich, lernen, spielen, helfen einander und können genießen. So wird ganz nebenbei auch hin und wieder die Frage aufgeworfen, die erstmal nur am Rande mit Fischen zu tun hat: Wie definiert man Intelligenz? Wenn man menschlich oder menschenähnlich handelt? Oder auch wenn man zu Gehirnleistungen fähig ist, die Menschen nicht vollbringen können? Und so wundert man sich, wenn man auf der letzten Seite angekommen ist, wie man Fische nur die ganze Zeit so unterschätzen konnte.

Franziska Bils für DEEPWAVE.

Weitere Buchrezensionen findet ihr bei unserem Projekt Ozeanbücher.
Das Buch „Was Fische wissen“ von Jonathan Balcombe könnt ihr bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

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