Klima

Meeresschutz ist Klimaschutz.

NABU Kreuzfahrt-Ranking 2019

Kreuzfahrtschiff fährt über ein gesundes Meer. Ein großer Wal ist vor dem Schiff. Hinter dem Schiff ist alles grau und tod. Große Schadstoffwolken ziehen hinter dem Schiff her.

© aikos2309 | pravda tv

Kreuzfahrtreisen werden immer beliebter, die Branche boomt und das, obwohl die massiven Meeres- und Umweltschäden, die durch die riesigen Dampfer entstehen, weitestgehend bekannt sind. Zwar brüsten sich Reedereien wie AIDA mit ihren neuen umweltfreundlicheren Alternativen, doch inwiefern diese effektiv umgesetzt wurden, prüft der NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.) in seinem Kreuzfahrt-Ranking.
Einige Flotten verringern ihren Luftschadstoffausstoß, indem die Schiffe mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden, sodass sie wesentlich weniger Schadstoffe wie Marinediesel- und Schwerölmodelle ausstoßen. Aber auch hier handelt es sich um einen fossilen Brennstoff, den man nur durch schädliche Eingriffe in die Umwelt gewinnen kann. Somit hat die AIDAnova, welche mit LNG betrieben wird und Platz 1 im Ranking ziert, zwar die geringste Luftverschmutzung, jedoch ist ihre gesamte Klimabilanz alles andere als nachhaltig, wie man dem Ranking unschwer entnehmen kann.

 

Tabelle, die die Plätze 1-32 des Kreuzfahrtrankings aufzeigt. Auf Platz 1 bis 3 befindet sich die AIDAnova, die Cosa Smeralda und die Europa 2

© NABU

„Es ist ein Schlag ins Gesicht der Jugend, dass sich die Kreuzfahrtbranche im Grunde geschlossen dem Klimaschutz verweigert. Gerade dieser Tage kann niemandem entgangen sein, unter welch enormen Handlungsdruck die Weltgemeinschaft angesichts der Klimakrise steht. Dennoch spülen die Anbieter Jahr für Jahr weitere Riesenschiffe auf den Markt, die allesamt mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden. Das ist absolut unzeitgemäß und verantwortungslos. Die Kreuzfahrt darf nur mit Nullemissionsantrieben eine Zukunft haben.“

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller

„Die Steuerbefreiung mariner Kraftstoffe in Zeiten der Klimakrise ist fatal und muss dringend beendet werden.“

Daniel Rieger, NABU-Leiter Verkehrspolitik

Weitere Informationen zum Kreuzfahrtranking findet ihr beim NABU.

Klimakrise: Was jetzt getan werden muss – Handlungsprogramm für effektiven Klimaschutz

Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Titelblattes der veröffentlichten Handlungsanweisungen. Es zeigt alle Logos der zehn beteiligten Verbände.

© Deutscher Naturschutzring

 

Insgesamt zehn Natur- und Umweltschutzverbände, BUND, Campact, Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch, Greenpeace, Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Naturfreunde Deutschlands, Umweltinstitut München, WWF Deutschland und der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR), haben ein gemeinsames Handlungsprogramm veröffentlicht, um effektive Maßnahmen für den Klimaschutz zu erreichen. Angesprochen ist die Bundesregierung, welche mit deutlicher Kritik zum handeln aufgefordert wird. Neben allgemeinen Forderungen, wie einem wirksamen Klimaschutzgesetz, werden auch konkrete Maßnahmen gefordert, u.a. der „Einstieg in die Kohlendioxid-Bepreisung noch in dieser Legislaturperiode“ oder „Bahnpreise auf innerdeutschen Strecken günstiger als Flugpreise machen“.

Gemeinsame Pressemitteilung von BUND, Campact, Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch, Greenpeace, Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Naturfreunde Deutschlands, Umweltinstitut München, WWF Deutschland und dem Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR), 16.08.2019

Klimakrise: Was jetzt getan werden muss – Umweltverbände veröffentlichen Handlungsprogramm für effektiven Klimaschutz

Berlin. Mit eindringlicher Kritik an der Bundesregierung haben heute Natur- und Umweltschutzverbände ein Handlungsprogramm zur wirksamen Eindämmung der Klimakrise veröffentlicht. Die Verbände fordern die Bundesregierung auf, endlich zu handeln und effektive Maßnahmen zum Schutz des Klimas und der Einhaltung des 1,5-Grad-Erhitzungs-Limits von Paris zu ergreifen. „Wir befinden uns am Anfang einer gefährlichen Klimakrise. Dürresommer und Hitzewellen, Überflutungen und Sturmschäden werden uns mit Regelmäßigkeit treffen. Wir brauchen wirksame Maßnahmen und zwar sofort. Für Symbolpolitik ist die Zeit abgelaufen“, so die Verbände. Mit dem Handlungsprogramm liegt der Bundesregierung jetzt ein Paket vor, das einen wirksamen Einstieg zum Erreichen und Nachbessern des 2030-Klimaziels sicherstellt und den Stillstand der vergangenen Jahre beendet.

Wie von der Wissenschaft gefordert, bedarf es eines grundlegenden Wandels vieler Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft. Ziel der Regierung ist es, den Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland schnellstmöglich um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken. Gleichzeitig muss die Landnutzung klima- und naturverträglich werden. Der Kohleausstieg muss sofort beginnen, der Weg zu 100 Prozent erneuerbaren Energien auf naturverträgliche Weise massiv beschleunigt werden, der Umbau des Verkehrssystems mit klaren Rahmensetzungen vorangebracht und die europäische Agrarpolitik reformiert werden. Klimaschutzgesetz, CO2-Preis und Instrumentenpaket müssen den Weg in deutliche jährliche CO2-Reduktionen bahnen.

Die Bundesregierung will bei der letzten Sitzung ihres Klimakabinetts am 20. September einen Maßnahmenkatalog beschließen. Schon jetzt zeigt sich aber, dass die dort vorgeschlagene Kombination aus reinen Anreizprogrammen und einem Einstieg in eine CO2-Bepreisung noch nicht einmal für diese Ziele ausreichen wird. Nötig sind stattdessen klare und messbare gesetzliche Maßnahmen, die jederzeit nachgeschärft werden können. Hierfür muss die Bundesregierung verbindliche Sofortmaßnahmen im Rahmen des anstehenden Klimaschutzgesetzes umsetzen. Die Umweltverbände fordern unter anderem:

  • Ein wirksames Klimaschutzgesetz
  • Einstieg in die Kohlendioxid-Bepreisung noch in dieser Legislaturperiode
  • Klimaschutz-Fonds weiterentwickeln
  • Umgehender Start des Kohleausstiegs: Abschaltung der dreckigsten Braunkohlekraftwerke
  • Naturverträglicher Ausbau der erneuerbaren Energien
  • 365-Euro-Jahresticket im ÖPNV
  • Moratorium für den Aus- und Neubau neuer Fernstraßen und Flughäfen bis 2029
  • Bahnpreise auf innerdeutschen Strecken günstiger als Flugpreise machen
  • Grundlegende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, damit in Klima- und Naturschutz investiert werden kann – statt Intensivierung anzuheizen
  • Reduktion der Nutztierbestände, gebunden an die zur Verfügung stehende Fläche
  • Verschärfung des Düngerechts und Einführung einer Stickstoff-Überschussabgabe
  • Verpflichtung von Bund, Ländern und Kommunen, klimafreundliche Produkte bei öffentlichen Aufträgen zu standardisieren
  • Abbau umweltschädlicher Subventionen

Das Handlungsprogramm erläutert detailliert für die unterschiedlichen Sektoren, welche Maßnahmen schnell umsetzbar sind, um eine große Wirkung zu erreichen.

Das Handlungsprogramm könnt ihr z.B. beim BUND herunterladen.

Vier fürs Klima von Petra Pinzler und Günther Wessler

Das Buch Vier fürs Klima vor einem Fahrrad mit einem Bioapfel und einem konventionellen ApfelDass wir zu viel CO2 und andere Treibhausgase in die Luft pusten, ist wohl allen inzwischen klar. Dass wir als durchschnittlicher Deutscher fast das 6-fache der vernünftigen 2 Tonnen jährlich produzieren, ist nur noch wenigen klar. Und dass wir als Bürger der Bundesrepublik erstmal 800 kg auf unserem Konto haben, nur durch Bürokratie und Straßenbau, macht diese Lage nicht besser. Was kann man dagegen tun, ohne bei einer solchen Tatsachenlage gleich zu verzweifeln?

Die vierköpfige Familie der Autoren ist sich dieser Frage zwar bewusst, aber ihre Handlungen gehen nicht über den Bio-Einkauf und eventuelles Fahrradfahren hinaus. Bis eine Hausaufgabe die Familie dazu bringt, ihrem ökologischen Fußabdruck in die Augen zu schauen.

Ein Jahr später und nach einem Experiment mit der ganzen Familie ist dieses Buch entstanden. Praktisch, lebensnah und vor allem umsetzbar gibt es ein Vorbild dafür, wie man seine Lebensweise ändern kann, ohne moralinsauer nur von Verzicht zu sprechen. Denn es zeigt, wie ein solcher Versuch auch das eigene Leben positiv verändert.

Wodurch das Buch sich aber von allen anderen dieser Art unterscheidet, ist der selbstkritische und anregende Umgang der Autoren mit der Komplexität des Themas. Kann es sein, dass im Mai ein konventioneller, mit dem Schiff transportierter Apfel aus Neuseeland nicht vielleicht doch besser ist, als ein aufwendig eingelagerter regionaler Bio-Apfel? Und ist das nicht von Anfang an eine falsch gestellte Frage?

Auch wenn es in „Vier fürs Klima“ nur indirekt um die Bedrohung der Ozeane geht, ist dieses Buch eine unserer Antworten auf die immer gestellte Frage: Was kann ich tun? Es geht nicht darum, unreflektiert dem zu folgen, was die Autoren vorschlagen. Nein, es geht darum, selbst ein solches Experiment zu wagen, nachzudenken, nachzuhaken und sich am Ende immer selbst zu hinterfragen. Und wenn wir dann nur bei 7 Tonnen landen, wissen wir zumindest warum.

Heye Groß für DEEPWAVE.

Weitere Buchrezensionen findet ihr bei unserem Projekt Ozeanbücher.
Das Buch „Vier fürs Klima“ von Petra Pinzler und Günther Wessler Ihr könnt es bei unserem Partner, dem Buchladen Tolle Geschichten in Klein Borstel oder eurer lokalen Buchhandlung erwerben.

„Klimahysterie!“ – was Klimaforscher zu den häufigsten Argumenten von Skeptikern sagen

Ein Schild mit "Stop CO2" steht auf dem Boden auf einem öffentlichen Platz vor einer Gruppe sitzender Jugendlicher.

© Keystone

Der Klimawandel wird kontrovers diskutiert. Hier werden die häufigsten Argumente der Klimaskeptiker*innen aufgeführt und dazu von den Klimaforschern Nicolas Gruber und Stefan Brönnimann Stellung bezogen.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ) , 27.03.2019, Autorin: Gabriela Dettwiler

Mit den «Fridays for Future»-Demonstrationen hat die Klimawandeldebatte weiter an Brisanz gewonnen. Skeptiker, Leugner sowie sogenannte «Warmisten» und Alarmisten geben sich in Kommentarspalten von Social-Media-Plattformen die Klinke in die Hand. Auch die NZZ stellt bei den Diskussionen auf Facebook und in den Leserdebatten fest, dass der Klimawandel immer noch viele Fragezeichen aufwirft. Die kontroversen Reaktionen auf den jüngsten Facebook-Post der NZZ zur Klimadebatte zeigen dies exemplarisch (siehe unten). Die Streitfragen sind meist dieselben. Die Argumente der Diskussionsteilnehmer allerdings auch.

Von beiden Seiten wird die NZZ mit Vorwürfen konfrontiert: Die Klimawandel-Skeptiker werfen uns Einseitigkeit vor; die Befürworter beklagen, dass wir eine Plattform für Falschinformation bieten. Zuerst sei hier festgehalten: Für uns ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut, weshalb wir auf unserer Facebook-Seite und in den Leserdebatten nur in Ausnahmefällen Kommentare löschen. Wir ziehen es vor, mit Argumenten, Hinweisen und Nachfragen zu reagieren. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden, die häufigsten und beliebtesten Argumente der Klimawandel-Skeptiker zu sammeln und mit zwei Klimaforschern zu besprechen.

Argument 1: Es gab schon immer Warm- und Kaltzeiten.

Das weitaus häufigste Argumentationsmuster stellt den Klimawandel an sich zwar nicht infrage, entproblematisiert ihn allerdings. So sei der Klimawandel keine Erscheinung der Moderne, sondern ein schon immer da gewesenes Phänomen. Das Klima habe sich immer geändert, ändere sich gerade und werde sich auch immer weiter verändern. Wir befänden uns gegenwärtig lediglich in einer «ausklingenden kleinen Eiszeit». Tatsache?

Das sagt Prof. Nicolas Gruber: «Die heutige Erwärmung unterscheidet sich von vergangenen Erwärmungen in mindestens zwei entscheidenden Punkten. Erstens ist die Rate der Erwärmung um ein Mehrfaches höher, als sie dies zum Beispiel am Ende der letzten Eiszeit war. Das hat wichtige Konsequenzen, unter anderem für Pflanzen und Tiere, die sich nicht so rasch anpassen können. Während es am Ende der Eiszeit mehr als tausend Jahre dauerte, bis die Erde um ein Grad erwärmt war, geschah dies nun in hundert Jahren. Zweitens ist die heutige Erwärmung durch den Anstieg von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre getrieben, während in der Vergangenheit die Erwärmung vor allem durch Veränderungen der Sonneneinstrahlung in Gang gesetzt wurde. Verantwortlich für den Anstieg der Treibhausgase ist der Mensch.» […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ)

Britisches Parlament will „Klima-Notstand“ ausrufen lassen

© Dean Moriarty/ pixabay

Großbritannien gibt den Forderungen der Extinction Rebellion nach und ruft den „Klimanotstand“ aus. Die Regierungsberater*innen vom Commitee on Climate Change (CCC) legen der britischen Regierung einen Plan vor, indem sich Großbritannien verpflichten soll bis 2050 klimaneutral zu werden. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Regierung an die Empfehlungen des CCCs gehalten, jedoch ist sie nicht verpflichtet die Vorschläge in die Tat umzusetzen. Selbst wenn Großbritannien dieses Ziel bis 2050 erfüllt, bleibt die Frage offen, ob das wirklich ausreicht, um die Erderwärmung bei 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen…

Klimareporter°, 02.05.2019, Autorin: Susanne Schwarz

Es bewegt sich etwas in Großbritannien: Das britische Unterhaus hat am Mittwochabend einer Vorlage der sozialdemokratischen Labour Party zugestimmt, der zufolge die Regierung den „Klima-Notstand“ ausrufen soll. Zudem wird darin eine „grüne industrielle Revolution“ gefordert, die sich über alle Sektoren erstreckt.

Labour-Chef Jeremy Corbyn eröffnete die Debatte mit der Warnung, dass die Klimaneutralität nach aktuellen Trends erst zum Ende des Jahrhunderts erreicht wäre, „wenn unsere Kinder längst um das Überleben auf einem sterbenden Planeten kämpfen“.

Corbyn griff damit die Rhetorik der Extinction-Rebellion-Bewegung auf, die in den vergangenen zwei Wochen zentrale Verkehrsknotenpunkte in London blockiert hatte, um vor einem Massenaussterben durch den Klimawandel zu warnen. Die Polizei verhaftete mehr als tausend der Aktivisten, schaffte es aber nicht, die Proteste aufzulösen.

Thunberg: „Historisch und hoffnungsstiftend“

Viele bei „Extinction Rebellion“ verbuchen den Beschluss denn auch als Erfolg. „Das wäre ohne unsere Bewegung schlicht nicht passiert“, twitterte etwa die Ortsgruppe Cambridge. „Die Helden, die verhaftet wurden, haben das auf der politischen Agenda nach oben geschoben.“

Die mediale Aufmerksamkeit für den Klimawandel war in den vergangenen Wochen auf jeden Fall außergewöhnlich groß, wie die Denkfabrik Carbon Tracker ermittelt hat. So oft wie in diesem April haben britische Medien den Klimawandel demnach fast noch nie erwähnt. Im vergangenen Jahrzehnt gab es nur einen Monat, in dem das häufiger der Fall war. Das war der Dezember 2009, in dem das geplante Klimaabkommen von Kopenhagen scheiterte. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Klimareporter°

 

„Wir brauchen ein Ministerium zur Rettung der Welt“

© Janine Escher

Die Grünen haben bei der Europawahl die besten Ergebnisse ihrer Geschichte erlangt. Jetzt ist nur fraglich, ob sie wirklich Maßnahmen  ergreifen, um die notwendigen Klimaschutzziele zu erreichen. Ist es zwar wichtig, dass viele Wähler*innen erkannt haben, wie ernst der Notstand des weltweiten Klimas ist, aber jetzt müssen wir und die verantwortlichen Politiker*innen auch handeln. Insgesamt haben sich schon 27 000 Wissenschaftler*innen fachübergreifend zusammengeschlossen für die „Scientists 4 Future“. Die Wissenschaft identifiziert die Probleme des Klimawandels klar und hat konkrete Lösungsvorschläge, was wir und die Politik machen müssen, um die Erde vor der nächsten Heißzeit zu bewahren. Das Greenpeace Magazin veröffentlichte ein Interview mit Volker Quaschning nach der Europawahl, einem der Mitinitiatoren von „Scientists 4 Future“.

Greenpeace Magazin, 28.05.2019, Interviewpartnerin: Svenja Beller

Die Grünen sind die großen Wahlsieger, sie werden im Juli als viertstärkste Kraft ins Europaparlament einziehen. Wird jetzt alles gut?
Nein. Es wird vielleicht ein bisschen besser, weil wir jetzt bei der Klimafrage mehr Druck ausüben können. Aber wir liegen bei den Ausbauzielen der erneuerbaren Energien dramatisch daneben. Nehmen wir mal Deutschland: Die Ziele der Bundesregierung aus dem Koalitionsvertrag sind nicht mal ansatzweise ausreichend, um das Pariser Klimaschutzabkommen einhalten zu können. Und nicht einmal diese Mindestziele hält die Regierung ein. Das heißt, Deutschland versagt doppelt. Da erwarte ich jetzt nicht viel, das hat man ja schon an den Reaktionen der Volksparteien auf die Wahl gesehen. Sie sehen ihr schlechtes Abschneiden als Kommunikationsproblem, und nicht als ein Problem ihrer Politik.

So hat Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident von der CDU, den tiefen Fall seiner Partei bewertet.
Genau. Aber auch bei den Grünen muss man jetzt genau hinschauen. Die sind zwar Gewinner, aber jetzt haben sie auch mehr Verantwortung, es besser zu machen.

„Das Monopol der Macht ist gebrochen“, sagte Margrethe Vestager von den Liberalen angesichts der schlechten Ergebnisse der großen Volksparteien. Können die erstarkten Grünen das Machtvakuum füllen?
Die Grünen haben ja nicht fünfzig Prozent erreicht, sondern in Deutschland nur gut zwanzig und im Europaparlament neun Prozent. Das ist ja keine Mehrheit. Für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik müssen sie sich Mehrheiten suchen. Das Machtmonopol ist insofern gebrochen, als dass die Christ- und Sozialdemokraten zum ersten Mal keine absolute Mehrheit mehr haben. Es wird wahrscheinlich nicht ohne die Grünen gehen. Aber auch wenn sie sich beim Klimaschutz beispielsweise mit den Christdemokraten und Liberalen zusammentun, sozusagen in einer Jamaika-Koalition, kann ich mir nicht vorstellen, dass die nötigen Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele auch nur ansatzweise in Angriff genommen werden.

Die EU hat sich vorgenommen ihre CO2-Emissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Ausstoß von 1990 zu senken. Wird das nun realistischer?
Erstmal muss man ja sagen, dass dieses Ziel mit dem Pariser Klimaschutzabkommen nicht kompatibel ist. Wenn die EU sicher unter 1,5 Grad Erderwärmung bleiben will, müssen die Emissionen bereits deutlich vor dem Jahr 2050 bei null liegen. Wenn sie bis 2050 „nur“ um 80 bis 95 Prozent CO2 sinken sollen, müsste man CO2 dann wieder aus der Atmosphäre rausholen. Das heißt, die EU müsste sich über sehr teure und höchst umstrittene Verfahren zur CO2-Abtrennung Gedanken machen. Ob wir diese Konsequenz unseres langsamen Klimaschutztempos wirklich tragen wollen, darüber wird noch gar nicht diskutiert. Wir liegen in der Klimapolitik derzeit so dermaßen daneben, dass wir ganz andere Maßnahmen brauchen. Ein paar wenige Wind- und Solaranlagen aufzustellen, reicht ganz einfach nicht mehr. Die Bereitschaft für viel mehr sehe ich in Deutschland und auch in Europa aber noch nicht. […]

Das gesamte Interview findet ihr hier.

Greenpeace Magazin

Scientists 4 Future

 

Treibhausgase unter die Nordsee?

© Peter Linke/ GEOMAR

Die Bundesregierung hat viele Ideen, um bis zum Jahr 2050 eine Klimaneutralität zu erlangen. Eine umstrittene davon ist die unterirdische CO2-Speicherung. Forscher*innen des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (Geomar) haben eine Studie durchgeführt, die die Folgen von untermeerischer CO2-Speicherung auf marine Ökosysteme untersucht.

Wohin bloß mit dem ganzen Kohlendioxid? Bis 2050 will Deutschland nun – wie andere Länder Europas – klimaneutral werden. Das Ziel bedeutet nicht Nullemissionen, sondern ein Nullsummenspiel: Das Land kann so viel CO2 ausstoßen, wie es durch sogenannte Senken wieder der Atmosphäre entzieht. Auch der Weltklimarat hat darauf hingewiesen, dass derartige „negative Emissionen“ nötig werden könnten, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Es gibt natürliche Senken wie Wälder, die man, um CO2 zu binden, in großem Maßstab aufforsten kann. Möglich ist auch die Wiedervernässung trockengelegter Moore.

Größere Hoffnungen verbinden sich aber mit technischen Lösungen wie „Carbon Capture and Storage“ (CCS), also der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid in porösen Gesteinsschichten oder ausgebeuteten Gaslagern.

Die Debatte über die unterirdische CO2-Speicherung nimmt wieder Fahrt auf. Dafür sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in dieser Woche höchstpersönlich. Es werde auch 2050 noch CO2-Emissionen geben, deshalb wolle man „alternative Mechanismen finden, wie man das CO2 speichern oder kompensieren kann“, sagte Merkel beim Petersberger Klimadialog in Berlin – und weil Aufforsten in den Industrieländern nur begrenzt möglich sei, müsse das neu gebildete Klimakabinett über CO2-Speicher reden.

Größtes CCS-Potenzial in Europa unter dem Meer

An Land sehen sich derartige Speicher dem breiten Widerstand der Bevölkerung ausgesetzt. Wie es aber um die Chancen und Risiken steht, wenn CO2 unter dem Meeresboden gespeichert wird, haben jetzt Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel (Geomar) untersucht. Die Studie ist Teil des europäischen Projekts „ECO2, das die Folgen von untermeerischer CO2-Speicherung auf marine Ökosysteme untersucht.

In Europa gebe es das größte Speicherpotenzial für CO2 vermutlich in tiefen salzhaltigen Grundwasserleitern vor der gesamten Nordseeküste sowie in weit unter dem Meeresboden gelegenen geologischen Formationen, schreiben die Wissenschaftler.

Ein Problem dabei: Weil es in der Region auch über 10.000 Bohrungen nach Gas und Öl gab, sind die Formationen teilweise zerlöchert. Aus vielen dieser Löcher tritt bereits heute Methangas aus, weil die umliegenden Sedimente gestört sind. Deshalb könnte auch das CO2, das dort eigentlich „dauerhaft“ festgehalten werden soll, früher oder später wieder austreten.

Versauerung bleibt lokal begrenzt

Um herauszufinden, was passiert, wenn das Kohlendioxid wieder aus dem Meeresboden austritt, und welche Folgen das für die Ökosysteme hat, setzten die Wissenschaftler im norwegischen Teil der Nordsee in 82 Metern Wassertiefe CO2 mit einer Rate von 31 Tonnen im Jahr frei. Verfolgt wurde der Weg des Gases durch Messungen von einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug und einem Forschungsschiff aus.

Die Daten zeigen, dass sich die CO2-Gasblasen in Meeresbodennähe vollständig auflösen, sagt Studienautorin Lisa Vielstädte vom Geomar. Dadurch sank der pH-Wert des Wassers in der Umgebung der Stelle, wo das CO2 freigesetzt wurde, von acht auf sieben.

„Diese Versauerung wirkt sich nachteilig auf die am Meeresboden lebenden Organismen aus“, erklärt Projektleiter Klaus Wallmann. Allerdings werde das CO2 so schnell verteilt, dass die Fläche, auf der Schäden auftreten könnten, gering sei. Um mehr als 0,2 Einheiten sei der pH-Wert nur auf einer Fläche von 50 Quadratmetern zurückgegangen.

Die Wissenschaftler ziehen daraus den vorläufigen Schluss, dass es „möglich ist, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet“. Ein einziges Loch, aus dem CO2 austritt, beeinträchtige die marine Umwelt noch nicht, bilanzieren die Forscher. Nur ein lang andauerndes Austreten an mehreren Bohrlöchern würde lokale Meeresökosysteme beeinträchtigen.

Die unterseeischen Risiken müsste man in dem Maße übrigens nicht eingehen. So entweichen allein aus entwässerten deutschen Mooren jährlich rund 45 Millionen Tonnen CO2. Das sind rund fünf Prozent der jährlichen Gesamtemissionen. Wären diese Moore wieder intakt, fielen nicht nur diese CO2-Mengen weg, sondern die Moore würden auch zusätzliches CO2 binden – eine natürliche Senke, die es lohnen würde, dass sich Merkels Klimakabinett damit befasst.

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Klimareporter: https://www.klimareporter.de

Klimakrise in der Arktis – Wie der Lärm unter Wasser die Wale bedroht

© imago

Das Eis in der Arktis schmilzt. Nicht nur der weltweite Meeresspiegel steigt an, sondern auch die Lärmbelastung für Meereslebewesen. Der Klimawandel führt dazu, dass im Nordpolarmeer ein Zugang zu noch ungenutzten Ressourcen wie Öl, Gas und anderen Bodenschätze entsteht und das neue Schiffrouten eröffnet werden. Sowohl die Motoren der Erkundungsschiffe, als auch die sogenannten Airguns, die nach Rohstoffreserven in den Meeren suchen, fügen durch den entstehenden Unterwasserlärm den dort lebenden Walen erheblichen Schaden zu. Der Schall der Airguns ist 100 000 Mal so laut wie ein Düsenflugzeug und wird, laut einer Studie des Umweltbundesamts (UBA), auch noch in 2000 Kilometer Entfernung von Walen wahrgenommen.

ZDF, 01.05.2019, Autorin: Christine Elsner

Während das Eis im Nordpolarmeer dramatisch schnell schmilzt, steigt gleichzeitig die wirtschaftliche Bedeutung der Arktis. Denn der Zugang zu wertvollen Rohstoffen, die bislang unter dem Eis schlummerten, wird frei. Laut einer Studie der US-Fachbehörde Geological Survey lagern allein im arktischen Eismeer rund 90 Milliarden Barrel Öl – das entspricht 13 Prozent der unentdeckten globalen Ölreserven. Hinzu kommen noch mehrere Billionen Kubikmeter Gas sowie tausende Tonnen Bodenschätze.

Längst ist ein Konflikt zwischen Artenschutz und Wirtschaftsinteressen entstanden. Dabei sehen Experten der „Whale and Dolphin Conservation“ (WDC) den Artenschutz als Verlierer des Konflikts: „Das sich durch den Klimawandel zurückziehende Eis ermöglicht mittlerweile die verstärkte Ausbeutung von Öl- und Gaslagerstätten und der Meeresbewohner. Darauf haben es einige Nationen abgesehen. Leider ist die Suche nach Ressourcen und deren letztendliche Ausbeutung mit erheblichem Lärm verbunden“, so Fabian Ritter von WDC.

Mit den Auswirkungen der wirtschaftlichen Nutzung und dem damit einhergehenden Unterwasserlärm wird sich in den kommenden Tagen auch der Arktische Rat beschäftigen. Er tagt Anfang Mai in Finnland. Die Vertreter der Arktisanrainerstatten sowie internationale Wissenschaftler aus Forschung und Technik werden sich mit den Themen „Zugang zu Rohstoffen“ sowie „Schnellere Transportwege“ beschäftigen. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

ZDF: https://www.zdf.de/

Weitere Informationen zum Treffen und zu der Abschlusserklärung des Arktischen Rats:

https://www.deepwave.org/abschlusserklaerung-scheitert-an-den-usa/

 

 

 

Abschlusserklärung scheitert an den USA


©AFP

Der Arktische Rat, bestehend aus den Staaten: USA, Kanada, Island, Dänemark, Russland, Norwegen, Finnland und Schweden, konnte sich zum ersten Mal in der Geschichte dieses Gremiums nicht auf eine Abschlusserklärung einigen. Die Erdwärmung in der Arktis schreitet doppelt so schnell voran wie in anderen Regionen. Trotzdem versuchte die USA im Abschlussstatement des Arktischen Rats auf die Erwähnung des Klimawandels und des Pariser Klimaschutzabkommen zu verzichten.

Tagesschau, 07.05.2019

Der Klimawandel bedroht die Arktis, weckt aber auch Begehrlichkeiten. Im Arktischen Rat warnten die USA nun die Konkurrenten – und verhinderten offenbar mit ihrem Widerstand gegen das Wort „Klimawandel“ eine Abschlusserklärung.

Eigentlich sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit traditionell zentrale Anliegen des Arktischen Rates – aus gutem Grund: Nirgendwo vollzieht sich der Klimawandel so schnell wie hier. Wissenschaftlern zufolge schreitet die Erderwärmung in der Arktis doppelt so schnell voran wie in anderen Regionen.

Doch ausgerechnet jetzt konnte sich das Gremium, dem die acht Anrainerstaaten der Arktis angehören, nach einem Treffen im finnischen Rovaniemi nicht wie üblich auf eine gemeinsame Abschlusserklärung einigen. Zwar sei ein Dokument unterschrieben worden, sagt ARD-Korrespondent Christian Stichler – doch sei es keine Erklärung im ursprünglichen Sinne, sondern lediglich ein Statement. „So etwas hat es in der mehr als 20-jährigen Geschichte des Arktischen Rates noch nicht gegeben.“ […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Tagesschau: https://www.tagesschau.de/

Alpengletscher könnten bis 2100 fast verschwinden

© Marco Bertorello/AFP/Getty Images

Forscher*innen aus der Schweiz schreiben im Fachblatt „The Cryosphere“, dass Ende des Jahrhunderts die Gletscher in den europäischen Alpen verschwunden sein könnten, bei weiterer Erwärmung des Weltklimas. In der Studie wurde zum ersten Mal die Bewegung des Gletschereises explizit modelliert. Das Abschmelzen der Gletscher in den Alpen ist einer der klarsten Indikatoren für den Klimawandel.

ZEIT ONLINE, 09.04.2019

Durch die Klimaerwärmung könnten die Gletscher in den Alpen bis zum Jahr 2100 weitgehend geschmolzen sein. Das schreiben Schweizer Forscher im Fachblatt The Cryosphere. Sie stützen sich auf ein Computermodell, das Eisfluss und Schmelzprozesse berücksichtigt sowie auf Daten aus der Beobachtung der Gletscher.

Die Forscher haben zwei Szenarien entworfen: Sollte die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad verglichen zur vorindustriellen Zeit bleiben, gingen zwischen 2017 und 2100 etwa zwei Drittel der Gletscher in den Alpen verloren. Sollte sich das Klima stärker erwärmen, könnten am Ende des Jahrhunderts mehr als 90 Prozent der Eismasse verschwunden sein. Nur einzelne Flecken verblieben, wird Matthias Huss von der der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in einer Mitteilung zitiert.

Weitgehend unabhängig davon, wie sich der Klimagasausstoß weiterentwickelt, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Gletscher in den Alpen zwischen 2017 und 2050 etwa 50 Prozent ihrer Masse einbüßen werden. In den Jahren darauf komme es darauf an, wie sich das Klima weiterentwickele. […]

Den gesamten Artikel findet ihr hier.

Die Pressemitteilung der European Geoscience Union zur Studie, die im „The Cryosphere“ veröffentlicht wurde, findet ihr hier.

ZEIT ONLINE: https://www.zeit.de/index

 

 

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