Politik

Um die systematische Zerstörung der Ozeane zu verhindern, müssen wir uns gemeinsam dafür entscheiden.
Jeder für sich und alle zusammen als Teil von Politik und Wirtschaft.

Bürger wollen für saubere Ostsee mehr zahlen

Umweltbundesamt: Bürger wollen für saubere Ostsee mehr zahlen

In der Ostsee wachsen nach wie vor zu viele Algen. Das beeinträchtigt die Wasserqualität zum Teil erheblich. Umso mehr sind die Menschen in den Anrainerländern der Ostsee bereit, für deren Schutz zu zahlen. Jährlich rund vier Milliarden Euro würden die Befragten ausgeben wollen, um den ökologischen Zustand der Ostsee zu verbessern.

Dies belegt eine neue Studie des internationalen Forschungsnetzwerks BalticSTERN. Demnach sind sich die Menschen durchaus bewusst, welche Bedeutung eine intakte Ostsee für ihre eigene Umwelt hat. Die Ostsee leidet unter einer zu hohen Nährstoffanreicherung, oftmals trübem Wasser, Algenblüten und einem zu niedrigen Sauerstoffgehalt. Für ein gesünderes Meeresökosystem sind die Deutschen beispielsweise bereit, zusätzlich 27,40 Euro pro Person und Jahr zu zahlen. „Wir können der Politik signalisieren: Es gibt eine große öffentliche Unterstützung für Maßnahmen, die den Zustand der Ostsee verbessern. Heute wenig zu tun, wird uns später teuer zu stehen kommen“, sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA).

In Deutschland ging der Eintrag an Stickstoff und Phosphor in die Ostsee zwar deutlich zurück, die durch diese Stoffe ausgelöste Eutrophierung beeinträchtigt die Qualität des Meerwassers aber nach wie vor. Diese sorgt für Wassertrübungen und eine hohe Anzahl von Algen. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt in der Ostsee, während der Gehalt von Stickstoff im Wasser steigt. Im Allgemeinen hat bereits jede zweite Person im Ostseeraum Erfahrungen mit den Auswirkungen der Eutrophierung gemacht, so ein Befund der Studie des internationalen Forschungsnetzwerks BalticSTERN.

Die Studie zeigt: viele Menschen sind besorgt über den Zustand der Ostsee. Dabei beziehen sie sich auf die gesamte Ostsee, nicht nur auf die Regionen, in denen sie leben. Gleichzeitig nimmt der Meeresschutz unter den Befragten einen hohen Stellenwert ein. So würden die Deutschen zusätzlich 27,40 Euro pro Person und Jahr für Maßnahmen gegen die Eutrophierung zahlen. Dies wären vor allem strengere Auflagen für Landwirte, aber auch die Einführung phosphatfreier Geschirrspülreiniger und schärfere Emissionsnormen für Schiffsabgase. Rechnet man das auf den über 18 Jahre alten Anteil der deutschen Bevölkerung von 68,3 Millionen Menschen hoch, ist den Deutschen eine gesunde Ostsee also insgesamt jährlich 1,87 Milliarden Euro wert. Dies geht einher mit dem hohen Erholungswert, den die Befragten der Ostsee zuschreiben. Von den 1.500 in Deutschland Befragten gaben 83 Prozent an, schon einmal an der Ostsee gewesen zu sein. Als Aktivitäten gaben die meisten einen Aufenthalt am Strand oder Wandern an.

In allen neun Ostseeländern gibt es eine große Zustimmung für Maßnahmen, die die Meeresqualität der Ostsee verbessern. Mehr als die Hälfte der Befragten wäre bereit, den Ostsee-Aktionsplan aus dem Jahr 2007 finanziell zu unterstützen. Die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft variiert zwar zwischen den einzelnen Staaten – von ca. vier Euro in Lettland bis ca. 110 Euro in Schweden. Berücksichtigt man allerdings die Einkommensunterschiede, verringert sich diese Spanne.

Um den Zustand der Ostsee zu verbessern, haben die Mitglieder der Helsinki-Kommission, kurz HELCOM, einen Aktionsplan entworfen. Diese Kommission besteht aus den neun europäischen Ländern, die an die Ostsee grenzen, und der Europäischen Union. Um zu erfahren, inwieweit die Bevölkerung diesen Aktionsplan finanziell unterstützen würde, hat das Forschungsnetzwerk BalticSTERN erstmals insgesamt 10.500 Menschen in den neun Staaten gleichzeitig befragt. Die Studie präsentierte den Befragten zwei Szenarien: den Zustand der Ostsee 2050, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, und den Zustand, der durch den Aktionsplan herbeigeführt würde. Anschließend gaben die Teilnehmenden an, ob und wie viel sie zu zahlen bereit sind, um Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen.

Weitere Informationen und Links:

BalticSTERN ist ein Forschungsnetzwerk von Partnern aus allen Ostseeanrainerstaaten. Es entwickelt ökologische und ökonomische Modelle und führt diese zusammen, um die Nutzen und Kosten von Verbesserungsmaßnahmen zu beziffern und kosteneffiziente Maßnahmen zu identifizieren. Die Ergebnisse der vorgelegten Zahlungsbereitschaftsanalyse werden in eine Kosten-Nutzen-Analyse einfließen, die im Herbst 2012 veröffentlicht werden soll.

Die Studie „Die Nutzen des Erreichens der Stickstockstoffreduzierungsziele für die Ostsee – eine Kombination von ökologischen Modellen mit kontingenten Bewertungsmethoden in den neun Ostseeanrainerstaaten“ ist erhältlich unter: www.mtt.fi/dp/DP2012_1.pdf

Das UBA-Hintergrundpapier „Abfälle im Meer – ein gravierendes ökologisches, ökonomisches und ästhetisches Problem“ finden Sie unter: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/3900.html

Internet: www.umweltbundesamt.de

Schutz für die Hohe See verdoppelt

WWF begrüßt Ausweitung des Meeresschutzgebiets im Atlantik warnt aber vor Gefahr durch alten, nuklearen Abfall am Meeresgrund

Hamburg – Die Tiefsee des Atlantiks wird unter erweiterten Schutz gestellt: Zusätzliche 180.000 Quadratkilometer über dem nördlichen Mittelatlantischen Rücken, einer unterseeischen Bergkette, die sich von Island bis zu den Azoren erstreckt, werden als Meeresschutzgebiet ausgewiesen. Das haben die 15 Staaten des Oslo-Paris-Abkommens (OSPAR) zur Bewahrung des Nordost-Atlantik am Freitag zum Ende einer Konferenz in Bonn bekannt gegeben.

Die Meeresregion gilt als ökologisch besonders wertvoll und artenreich. Seltene und bedrohte Tiefseehaie finden hier Rückzugsgebiete. Weil sich hier kalte Strömungen aus dem Norden mit warmen aus dem Süden vermischen, sind die Gewässer besonders planktonreich. Wale und Seevögel finden hier auf ihren langen Wanderungen reichlich Nahrung.

„Das ist ein Riesenerfolg für den Meeresschutz. Insgesamt ist der ausgewiesene Schutzgebietskomplex auf der Hohen See nun größer als die Ostsee“, freut sich Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF. „Es beweist, dass sich Naturschutz in internationalen Gewässern und die legitimen Interessen der Küstenstaaten vereinbaren lassen.“ Zwei Jahre war über die Ausweitung von 290.000 auf 470.000 Quadratkilometer Schutzfläche auf der Hohen See verhandelt worden.

Für den WWF ist die Ausweisung des Gebiets allerdings erst der Anfang. Fischerei mit zerstörerischen Grundschleppnetzen ist in der Region durch die zuständige Fischereibehörde bereits weitgehend verboten worden. „OSPAR muss jetzt sicherstellen, dass auch die Bedrohungen durch Tiefseebergbau und Schifffahrt in den Schutzzonen eingeschränkt werden“, fordert Lutter.

Der Meeresschutzexperte warnt gleichzeitig vor der Umweltgefahr, die von nuklearen Abfällen ausgeht, die seit den 50er Jahren an mehreren Stellen im Atlantik verklappt wurden. Der Müll lagert noch immer in mehreren Tausend Metern Tiefe zwischen dem mittelatlantischen Rücken und der europäischen Küste. „Die Behörden dürfen vor dem gefährliche Erbe nuklearer Altlasten am Meeresboden nicht länger die Augen verschließen“ sagt Lutter. OSPAR müsse prüfen, in welchem Zustand die Behälter nach Jahrzehnten auf dem Meeresgrund sind.

„Falls radioaktive Substanzen in tiefen Wasserschichten austreten, könnten diese sich über die Strömungen verteilen und Eingang in die Nahrungsketten der Tiefseelebenwesen finden.“ Seit Mitte der 90er Jahre ist das Verklappen von radioaktiven Substanzen im Meer durch regionale und globale Abkommen untersagt.

http://www.wwf.de/2012/juni/schutz-fuer-die-hohe-see-verdoppelt/?utm_source=pressenewsletter

http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/meeresschutz/meeres-schutzgebiete/hohe-see/hohe-see-schutzgebiet-charlie-gibbs/

„Lebendige Tideelbe“ statt Vertiefung!

„Lebendige Tideelbe“ statt Vertiefung!

Umweltverbände kritisieren deutsche Flusspolitik und reichen Klage gegen die Elbvertiefung ein

Der BUND, der NABU und der WWF haben das Aktionsbündnis „Lebendige Tideelbe“ gegründet, um sich gemeinsam für eine ökologisch intakte Unterelbe mit den angrenzenden Lebensräumen einzusetzen. Die Verbände nehmen die geplante Elbvertiefung zum Anlass, den Umgang Deutschlands mit seinen Flüssen insgesamt zu kritisieren. Gegen die Elbvertiefung werden BUND und NABU mit Unterstützung des WWF nun Klage einreichen.

„Eine lebendige Tideelbe ist keine abwegige Utopie sondern gesetzlicher Auftrag“, begründet Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland, den Zusammenschluss der drei Umweltverbände. „Die deutsche Bundesregierung hat den europäischen Richtlinien zugestimmt und muss sie jetzt an den eigenen Flüssen auch umsetzen.“ Sowohl FFH- als auch Wasserrahmenrichtlinie, aus denen große Teile des Unterelberaums und andere Flusslandschaften bestehen, verbieten Verschlechterungen und fordern konkrete Maßnahmen für die Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands der gefährdeten Lebensräume. So soll ein guter ökologischer Zustand der Gewässer erreicht werden.

Anlässlich des Verfahrens zur Elbvertiefung kritisieren die drei Umweltverbände den Umgang Deutschlands mit den europäischen Vorgaben insgesamt. „Die Bundesregierung als Eigentümerin der Bundeswasserstraßen muss endlich die eigene Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt in den großen Flüssen umzusetzen“, fordert Eberhard Brandes. „Dafür muss sie ein Gegengewicht zu den Auswirkungen der Schifffahrt schaffen und renaturieren.“ Stattdessen würden die deutschen Flüsse etappenweise ausgebaut und jeder Ausbauschritt werde einzeln für sich betrachtet und genehmigt. „Die Behörden ignorieren, dass sich die Schäden an der Natur mit jedem Eingriff potenzieren.“ Als Negativbeispiel führen die Umweltverbände die Ems an. Die Unterems wurde zwischen Papenburg und Emden von 1984 bis 1995 für die Überführung von Kreuzfahrtschiffen vier Mal vertieft. Infolgedessen kommt es in dem Fluss zu dramatischen Sauerstoffmangelsituationen, und die Gewässergüte wurde im Zeitraum von 1984 bis 2000 um drei Güteklassen heruntergestuft. „Die Ems ist mit der letzten Vertiefung zum Sanierungsfall geworden, weil die Pufferkapazität des Flusses endgültig überschritten wurde“, verdeutlicht Brandes. „Je größer die Vorbelastung eines Ökosystems ist, desto sensibler und empfindlicher reagiert es auf weitere Eingriffe.“

„Das europäische Recht gibt ganz klar ein Verschlechterungsverbot für die ökologische Situation der Gewässer vor“, betont Sebastian Schönauer, Sprecher des BUND-Bundesarbeitskreises Wasser. „Deutschland als angeblicher Musterknabe im Umweltschutz hält sich aber nicht an diese Vorgaben. Unter dem Deckmantel des „überwiegenden öffentlichen Interesses“ wird der Gewässerschutz hinten angestellt und den Flüssen weitere Belastungen zugemutet.“ Es sei bezeichnend, dass bis heute gerade mal 10 % der Flüsse die Zielvorgabe „guter ökologischer Zustand“ bzw. „gutes ökologisches Potential“ erreicht haben. Dass die Ziele nicht erreicht werden, hänge auch an den vielfachen Nutzungen an unseren Flüssen und hier vor allem durch die Schifffahrt. Die starken Eingriffe in die Gewässer und die damit verbundenen ökologischen Schäden, aber auch die enormen Kosten zur Aufrechterhaltung einer Schifffahrt mit immer größeren Schiffen seien in dem aktuellen Ausmaß aber nicht mehr zu rechtfertigen. Schönauer betont: „Dies gilt für die Elbe genauso wie für die Weser und die Donau. So soll derzeit erneut die Unterweser vertieft werden, obwohl auch hier ein wirtschaftlicher Bedarf nicht gegeben und die ökologische Gewässerqualität zwischen Bremen und Bremerhaven bereits problematisch ist. Und an der Donau wird seit Jahren von der zuständigen Wasser– und Schifffahrtsverwaltung entgegen den wirtschaftlichen Tatsachen an völlig unsinnigen Ausbauplänen zwischen Straubing und Vilshofen festgehalten. Wir brauchen dringend eine Besinnung und Neuaufstellung der zuständigen Verwaltung, deren gesetzlicher Auftrag auch die „Ökologisierung der Schifffahrtswege“ beinhaltet.

„Wenn unsere Flüsse weiter so ausgebaut und vertieft werden wie bisher, erreichen wir dort niemals einen ökologisch guten Zustand“, stellt Jörg-Andreas Krüger, NABU-Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik und Stellvertretender Bundesgeschäftsführer, fest. „Wir befürchten, dass die nächste Elbvertiefung, vergleichbar mit der Entwicklung an der Unterems, das gesamte Flussökosystem zum Kippen bringen wird.“ Es müsse daher unbedingt verhindert werden, dass Deutschland die zweite von seinen vier Flussmündungen zerstört, für deren ökologischen Erhalt es gegenüber der Europäischen Union eine besondere Verantwortung trägt. Krüger: „Deshalb haben wir uns entschieden, im Rahmen unseres Bündnisses gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Elbvertiefung zu klagen.“

Die Umweltverbände bemängeln in ihrer Klage Verstöße gegen das europäische Natur- und Gewässerschutzrecht: Ihrer Ansicht nach werden sich die Wasserstände und der Tidenhub deutlich stärker ändern als prognostiziert – mit allen negativen Folgen, wie die Verlandung von Nebenflüssen, den Verlust von Flachwasserzonen und die Verschlechterung der ökologischen Gewässerqualität (Stichwort: Sauerstoffmangel). Krüger beanstandet weiter, dass es nie eine ernstzunehmende Prüfung von Alternativen gegeben hat. Und die vorgeschlagenen Kompensationsmaßnahmen seien auch nicht annähernd geeignet, den erheblichen Eingriff in die Tideelbe auszugleichen. Krüger: „Wir gehen vielmehr davon aus, dass die Schädigung des Flusses nicht ausgeglichen werden kann!“ Die Verbände kritisieren weiter, dass die Möglichkeiten zur Vermeidung negativer Auswirkungen auf die Umwelt, wie zum Beispiel im „Tideelbekonzept“ der Hamburg Port Authority dargestellt, nicht ausgenutzt wurden. Krügers Fazit: „Es wäre viel sinnvoller, die Schiffe an die Flüsse anzupassen, als umgekehrt.“

BUND, NABU und WWF sind zuversichtlich, dass vor dem Hintergrund der erkennbar unzureichenden Umsetzung des europäischen Rechtes an Deutschlands Flüssen und dem Baustopp an der Unterweser das Bundesverwaltungsgericht ihrer Klage gegen die Elbvertiefung stattgeben wird.

Für Rückfragen:

Manfred Braasch, Geschäftsführer BUND Hamburg, Tel.: 040 / 600 387-11 o. 0172 / 408 3401

Alexander Porschke, Vorsitzender NABU Hamburg, Tel.: 0172 / 403 71 67

Beatrice Claus WWF, Deutschland, Tel: 0151 / 1885 4968

Schweizer Nationalrat beschliesst Importverbot für Delphine

Gratulation an die Kollegen von Ocean Care:

Nationalrat beschliesst Importverbot für Delphine

Der Nationalrat hat sich heute für ein Importverbot walartiger Tiere ausgesprochen. OceanCare begrüsst diesen wichtigen politischen Entscheid. Auch die EU setzt sich mit der Gefangenhaltung von Delphinen und Walen kritisch auseinander.

Wädenswil/Bern, 29.05.2012: Delphine und Wale dürfen nicht mehr in die Schweiz importiert werden. Das beschloss der Nationalrat zu Beginn der Sommersession. Er folgt damit unter anderem einer Empfehlung von OceanCare. Der Entscheid richtet sich gegen den Handel mit Delphinen und Walen – oft Wildfänge aus brutalen Treibjagden – und trägt damit dem Umstand Rechnung, dass die biologischen Grundbedürfnisse dieser Tiere in Gefangenschaft nicht erfüllt werden können.

Ein entsprechendes Umdenken will OceanCare auch auf europäischer Ebene bewirken. Im November 2011 überreichte die Schweizer Organisation dem EU-Botschafter in Bern eine Petition, mit der 60‘500 Unterzeichnende sich gegen den Neubau von Delphinarien und den Import von Delphinen in die Europäische Union aussprechen. Mitte Mai teilte das EU-Petitionskomitee mit, die Europäische Kommission habe eine Voruntersuchung der Probleme rund um die Delphinarien aufgenommen.

Jagd und Gefangenschaft sind für Delphine und Wale nicht die einzigen Probleme. In ihrem natürlichen Lebensraum sind Tiere ebenfalls gefährdet. Als UN-Sonderberaterin für Meeresfragen setzt sich OceanCare in allen relevanten Gremien der Vereinten Nationen für den Schutz der Meeressäuger und Ozeane ein. Im Fokus stehen der Artenschutz, der Schutz der Hochsee, die Überfischung sowie die Verschmutzung der Meere mit Lärm, Plastik und schädlichen Substanzen wie Öl und Chemikalien.

Positives Signal auch zugunsten der Robben

Mit Erleichterung nimmt OceanCare zur Kenntnis, das sich eine Mehrheit des Nationalrats auch für ein Importverbot kanadischer Robbenprodukte ausgesprochen hat. Die entsprechende Motion kommt jetzt vor den Ständerat. Im vergangenen Oktober hatten die Fondation Franz Weber und OceanCare in Bern eine Petition eingereicht, mit der 97‘000 Personen fordern, dass die Schweiz dem Beispiel der EU folgt. Diese hat die Einfuhr von Produkten aus der brutalen kanadischen Robbenjagd aus Tierschutzgründen bereits 2010 verboten.

Über OceanCare
Seit 1989 setzt sich OceanCare weltweit für die Meeressäuger und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. www.oceancare.org

EU-Parlament: Neue Regeln zum Schutz des Blauflossen Thunfischs

Donnerstag, 24. Mai 2012

Am Mittwoch hat das EU-Parlament in erster Lesung strengere Regeln zum Schutz des Blaufossen Thunfischs verabschiedet. Damit setzte das Parlament nun einen Beschluss der Internationalen Kommission zum Schutz des atlantischen Thunfischs (ICCAT) von November 2010 in EU-Recht um.

Der Blauflossen Thunfisch ist weltweit extrem überfischt und steht auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der Weltnaturschutzorganisation (IUCN). In Europa kommt der Fisch im Mittelmeer und im Ostatlantik vor. Wissenschaftlichen Schätzungen zu Folge sind aber auch hier nur noch rund sechs Prozent des ursprünglichen Bestands vorhanden. Die neuen Regeln sollen daher insebesondere gegen illegale Fänge vorgehen und eine nachhaltigere Entwicklung der Thunfischbestände erreichen. ….

Quelle: http://www.eu-koordination.de/umweltnews/news/wasser-meere/1492-neue-regeln-zum-schutz-des-blauflossen-thunfischs

Mehr Schutz für die Gewässer der Antarktis

Mehr Schutz für die Gewässer der Antarktis

Bündnis veröffentlicht Bericht über dringend benötigten Schutz für 19 bedrohte Meeresgebiete in der Antarktis

Pressemitteilung

HAMBURG, 21. Mai 2012 – Die Antarctic Ocean Alliance (AOA) hat heute einen Entwurf für die Errichtung des weltweit größten Netzwerks von Meeresschutzgebieten und Fangverbotszonen zum Schutz von 19 wichtigen marinen Lebensräumen in der Antarktis vorgestellt. In ihrem neuen Bericht „Das Erbe des Südpolarmeeres: Ein Entwurf für zirkumpolaren Schutz“ (Antarctic Ocean Legacy: A Vision for Circumpolar Protection) appelliert das Bündnis an die Bundesregierung, für den verstärkten Schutz dieser einzigartigen und kostbaren Habitate einzutreten.

Der Druck auf die Meeresökosysteme der Antarktis wächst. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Fisch und Fischmehl rückt der antarktische Ozean zunehmend in den Blickpunkt der kommerziellen Fischerei. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die Verfügbarkeit wichtiger Nahrungsquellen für Pinguine, Wale und Robben.

Mit Nachdruck setzt sich die AOA dafür ein, dass die Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources – CCAMLR) als das für die Regulierung der Meeresumwelt in dieser Region zuständige Gremium die geplanten Schutzmaßnahmen durchsetzt, solange dieser einzigartige Meeresraum noch weitgehend intakt ist. Die CCAMLR hat zugesagt, noch in diesem und dem kommenden Jahr ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten in Teilen des Ozeans rund um Antarktis zu errichten.

„Als Mitglied der CCAMLR und dank ihres eigenen umfangreichen wissenschaftlichen Interesses an der Region ist Deutschland prädestiniert dafür, im Kampf um den Schutz der Meeresumwelt der Antarktis eine Vorreiterrolle einzunehmen“, erklärt der Koordinator der AOA Steve Campbell. „Die Meere rund um Antarktika beheimaten bis zu 10.000 hoch spezialisierte Arten, von den viele nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind, doch der Druck auf diesen Meeresraum von Seiten der kommerziellen Fischerei nimmt zu.“

Bei ausreichendem Schutz vor menschlichen Einflüssen können die Ozeane der Antarktis angesichts wachsender Klimafolgen als wichtiger Versuchsraum für die Erforschung des Klimawandels dienen. Die Antarctic Ocean Alliance appelliert daher an die Bundesregierung, sich auf Ebene der CCAMLR für die Errichtung von Meeresreservaten und Meeresschutzgebieten einzusetzen, um so den umfassenden Schutz des Südpolarmeers im Dienste von Frieden und Wissenschaft zu ermöglichen.

Bei der CCAMLR handelt es sich um ein Zustimmungsgremium, dessen Zusammenkünfte nur ein geringes Maß an Bürgerbeteiligung und keinerlei Zugang zu den Medien vorsehen. Das Bündnis ist der Überzeugung, dass bei fehlendem öffentlichem Interesse nur ein verschwindend geringer Schutz erzielt werden wird.

Zu den 19 vom Bericht des Bündnisses erfassten Gebieten gehört auch das Weddellmeer, auf das sich die wissenschaftlichen Untersuchungen von deutscher Seite konzentrieren.

„Der Schutz des Weddellmeeres im Rahmen eines Südpolarmeer-Netzwerks von Meeresschutzgebieten und Fangverbotszonen würde den Fortbestand aller dort lebenden bedrohten Tiere sichern, darunter viele Walarten“, sagt Dr. Onno Groß von der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE. „Auch das vielfältige Benthos würde bewahrt, einschließlich zahlreicher bislang verborgener Arten im westlichen Weddellmeer, einer noch weitgehend unerforschten Region.

Die Gewässer der Antarktis stellen beinah ein Zehntel der Weltmeere dar und gehören zu den wenigen noch weitgehend intakten Lebensräumen auf unserem Planeten. Sie beheimaten fast 10.000 einzigartige und vielfältige Arten, darunter Pinguine, Robben und Wale.

Der AOA gehören die Antarctic and Southern Ocean Coalition, Greenpeace, IFAW, der WWF, WDCS, IFAW, DEEPWAVE und weitere Umweltorganisationen an, die sich gemeinsam einsetzen für die Errichtung eines Netzwerks von Meeresschutzgebieten und Fangverbotszonen im Südpolarmeer rund um die Antarktis.

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Hinweis:
Mehr Informationen und den Report „Das Erbe des Südpolarmeeres: Ein Entwurf für zirkumpolaren Schutz“ finden Sie unter:
www.antarcticocean.org

Hochauflösende Fotos und ein Videobeitrag sind verfügbar unter:
http://www.reru.com.au/Mediafiles/Antarctic_Ocean_Alliance/

oder auf Anfrage bei DEEPWAVE e.V.

Eine deutsche Zusammenfassung des Reports „Das Erbe des Südpolarmeeres: Ein Entwurf für zirkumpolaren Schutz“ finden Sie unter www.deepwave.org.

Kontakt:
Donna Mattfield, Europan Coordinator der Antarctic Ocean Alliance:
+44 7717 414150; donna@antarcticocean.org

DEEPWAVE e.V.
Kontakt info@deepwave.org,
Tel. 0179 1373590

Nachhaltige Fischerei ist Pflicht – Aigner zum „EuropäischenTag der Meere“ am 20. Mai

Zum „Europäischen Tag der Meere“ am 20. Mai

Aigner: Schutz der Meere und eine nachhaltige Fischerei
sind die Grundlagen eines intakten Ökosystems

Anlässlich des Europäischen Tags der Meere, der am 20. Mai in der Europäischen Union gefeiert wird, erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: „Der Schutz der Meere und eine nachhaltige, auf wissenschaftlichen Daten basierende Fischerei sind Grundlagen eines intakten Ökosystems. Um zu einer nachhaltigen Fischerei zu kommen, müssen in Europa künftig Rückwurf-Verbote und Anlande-Gebote eingeführt werden – um der unverantwortlichen Verschwendung von Meeresressourcen ein Ende zu setzen. Außerdem müssen die immer noch vorhandenen Überkapazitäten bei einigen europäischen Fischereiflotten abgebaut sowie wirksame Kontrollen und abschreckende Sanktionen eingeführt werden, um illegaler Fischerei und dem Überschreiten vorgeschriebener Quoten Einhalt zu bieten.“

Die vergleichsweise kleine deutsche Fangflotte sei bereits heute effizient organisiert, betonte Aigner. An der europäischen Fangkapazität hält die deutsche Flotte lediglich einen Anteil von 2,5 Prozent und befischt damit einen Fangquotenanteil von etwa 5 Prozent. Während in Deutschland die Fangkapazitäten schon seit langem im Einklang mit den festgesetzten Fangmöglichkeiten stehen, bestehen in einigen Mitgliedstaaten immer noch Überkapazitäten bei den Fangschiffen.

Die Ministerin betonte, dass bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) in der EU das Nachhaltigkeitsziel für die Bundesregierung oberste Priorität habe. Dabei müsse die EU-Fischereipolitik einen Ausgleich schaffen zwischen den Interessen der Fischer, des Handels und der Verarbeitungsindustrie auf der einen Seite und den Erfordernissen des Umwelt- und Naturschutzes auf der anderen Seite. „Eine langfristige Stabilität in der Fischerei braucht gesunde Meeresökosysteme“, sagte Aigner.

Auf europäischer Ebene ist in der GFP der richtige Weg zu einer nachhaltigen Fischerei bereits vor einigen Jahren eingeschlagen worden. Dazu zählen Bewirtschaftungs- und Wiederaufbaupläne für zahlreiche Fischarten und die Maßnahmen zur Bekämpfung der illegalen Fischerei. Aigner: „Dieser Weg muss bei der anstehenden Neuausrichtung der Gemeinsamen Fischereipolitik konsequent fortgesetzt werden.“

Referat L1
„Pressestelle“
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

Schluss mit Steuergeldern für Überfischung

OCEAN2012-Verbände: Schluss mit Steuergeldern für Überfischung

EU-Rat der Fischereiminister tagt zu nachhaltigen Fanggrenzen und Fischereisubventionen – Bündnis OCEAN2012 fordert, dass Bundesregierung Fischereisubventionen an überprüfbare Bedingungen knüpft – OCEAN2012-Bericht zeigt, wie Subventionen die Überfischung befeuern

Berlin, 11. Mai 2012: Im Vorfeld des EU-Rates der Fischereiminister am 14. Mai fordern die deutschen Mitglieder der Allianz OCEAN2012 Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) und ihren Staatssekretär Robert Kloos auf, nicht länger Steuergelder in Milliardenhöhe für die Subventionierung der Überfischung auszugeben. „Es steht in der Macht der Bundesregierung, dem Brüsseler Subventionswahnsinn ein Ende zu bereiten. Aigner und Kloos müssen sich dafür einsetzen, dass Fischereisubventionen nur an Mitgliedsstaaten vergeben werden, die ihre Fangkapazitäten auf ein nachhaltiges Niveau reduziert haben“, sagt Nina Wolff, Meeresschutz-Expertin bei der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) und Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland. Andernfalls werde die Rechnung für die Überfischung weiterhin dem Steuerzahler aufgetischt.

OCEAN2012 ist ein Zusammenschluss von über 160 Organisationen, die Überfischung und destruktive Fischfangmethoden beenden und eine angemessene und gerechte Nutzung gesunder Fischbestände durchsetzen wollen.

Anlässlich der Ratssitzung am kommenden Montag beraten die EU-Landwirtschafts- bzw. Fischereiminister im Zusammenhang mit der Gemeinsamen Fischereipolitik, wofür Fischereisubventionen in Zukunft verwendet werden sollen und wie beim Management der europäischen Fischbestände nachhaltige Fanggrenzen erreicht werden können. Ein heute von OCEAN2012 veröffentlichter Bericht (link) klärt darüber auf, wie mit Steuergeldern unwirtschaftliche Teile des europäischen Fischereisektors am Leben erhalten werden. Die Folge sind Überkapazitäten bei den Fischereiflotten und Überfischung.

In EU-Gewässern sind 63 Prozent der Bestände im Atlantik und vier der sechs Bestände in der Ostsee, für die wissenschaftliche Daten vorliegen, eindeutig überfischt. Die Überfischung resultiert in erster Linie aus kurzsichtigen politischen Fehlentscheidungen über zu hoch angesetzte Fanggrenzen. Subventionen treiben die Überfischung zusätzlich voran, weil sie die Kosten für den Fischfang reduzieren und die Fangkapazitäten der Flotten erhöhen. Berechnungen der Weltbank zufolge gehen der Weltwirtschaft aufgrund der Überfischung jährlich 35 Milliarden Euro verloren.

„Die Subventionierung der Überfischung ist die Förderung eines ökologischen und wirtschaftlichen Versagens durch Steuergelder. Gesunde Bestände könnten zu mehr Fischerei und mehr Beschäftigung führen“, erklärt OCEAN2012-Sprecher Markus Knigge. „Fischereisubventionen dürfen nicht länger Teil des Problems sein, sondern müssen endlich den Übergang zu einer verantwortlichen Fischerei in Europa fördern.“

Den OCEAN2012-Bericht „Subventionierte Fischerei: Wie oft zahlen wir für unseren Fisch?“ finden Sie am Ende dieser Meldung.
Für Rückfragen:

Dr. Nina Wolff
Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland
Deutsche Umwelthilfe e. V. Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-84, Mobil: 0170 8127346, E-Mail: wolff@duh.de

Markus Knigge
OCEAN2012-Sprecher
Tel.: 030 521 31 949, Mobil: 0178 800 7278, E-Mail: mknigge@pewenvironment.de

Dr. Gerd Rosenkranz
Leiter Politik & Presse, Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0171 5660577, E-Mail: rosenkranz@duh.de
Über die Kampagne OCEAN2012

OCEAN2012 wurde von der Pew Environment Group gegründet und wird von ihr koordiniert. Die Pew Environment Group ist die Naturschutzabteilung des Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Überfischung der Ozeane zu beenden. Zum Lenkungsausschuss von OCEAN2012 gehören: Coalition for Fair Fisheries Arrangements, Ecologistas en Acción, The Fisheries Secretariat, nef (new economics foundation), die Pew Environment Group und Seas At Risk.

In Deutschland sind folgende Organisationen Mitglied von OCEAN2012: DEEPWAVE e. V., Deutsche Umwelthilfe e. V., EuroNatur, Evangelischer Entwicklungsdienst e.V., Fair Oceans, Forum Ökologische und Soziale Marktwirtschaft e. V., Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V., Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e. V., M.E.E.R. e. V., NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.), Pro Wildlife e. V., Reef Check e. V. und Slowfood Deutschland e. V.

Mehr Informationen zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik finden Sie im Internet unter www.ocean2012.eu

Hier gehts zur Studie
http://www.duh.de/uploads/media/Subsidies_Ocean2012_brief_DE__2_.pdf

Bundesministerin Aigner schließt sich Forderung der Bürger nach mehr Haischutz an

Treffen mit Ministerin Ilse Aigner, Nina Wolff (DUH), Heike Zidowitz (Shark Alliance) Christiane Pilz (BMELV) und Dr. Onno Groß (DEEPWAVE)

Bundesministerin Aigner schließt sich Forderung der Bürger nach mehr Haischutz an

Berlin, 8. Mai 2012: Zeitgleich mit der Debatte im Europäischen Parlament über die Perspektiven des EU-Finning-Verbots an Haien machen Naturschutzgruppen, Taucher, Wissenschaftler und andere Teile der Öffentlichkeit in Deutschland die breite öffentliche Unterstützung für den Haischutz deutlich.

Vertreter der Shark Alliance haben heute gegenüber Fischereiministerin Ilse Aigner auf die besondere Bedeutung der Haie für Deutschland und die gesamte EU hingewiesen und ein Buch vorgelegt, das an die im vergangenen Herbst im Rahmen der European Shark Week durchgeführten Aktionen und Veranstaltungen erinnert und die Zahlen zum deutschen Haifang und -handel auflistet.

„Die Menschen sind zunehmend besorgt über den Rückgang und die verschwenderische Nutzung der Haie“, sagt Heike Zidowitz, Koordinatorin der Shark Alliance in Deutschland. „Haie sind begehrt wegen ihrer Flossen, ihres Fleischs und Lebertrans. Aber sie sind für gewöhnlich langsam wachsende Tiere, die besonders anfällig für Überfischung sind aber von Fischerei-Managern zu häufig noch ignoriert werden.“

Ein besonderes Augenmerk liegt derzeit auf der laufenden Reform des EU-Verbots des Finning (bei dem die Flossen eines Hais abgeschnitten und der Körper zurück ins Meer geworfen wird). Zur Zeit befasst sich das Europäische Parlament mit einem Vorschlag der Europäischen Kommission, nach dem die gravierenden Schlupflöcher im aktuellen Verbot dadurch geschlossen werden sollen, dass jegliches Abtrennen von Haiflossen an Bord von Schiffen untersagt wird (gleichbedeutend mit der verbindlichen „Ganzkörperanlandung“ aller Haie). Sämtliche Fischereiminister der EU befürworten diesen Vorschlag – mit Ausnahme Spaniens und Portugals, die über die größten Fangflotten Europas verfügen.

Um auf die Problematik hinzuweisen, haben 165.000 besorgte Bürger aus ganz Europa, darunter mehr als 14.000 aus Deutschland, eine Petition unterzeichnet, mit der die EU-Fischereiminister dringend aufgefordert werden, den Verpflichtungen aus dem Hai-Aktionsplan der EU von 2009 nachzukommen und folgende Maßnahmen durchzusetzen:

Ein vollständiges und ausnahmsloses Verbot des Abtrennens von Haiflossen auf See

Fanggrenzen für Haie und Rochen auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen und des Vorsorgeansatzes

EU-weite und nationale Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Hai- und Rochenarten.

Bundesministerin Aigner dankte den Vertretern der „Shark Alliance“ für ihren Einsatz beim Haischutz und sagte, dass die Petition das große Interesse der Öffentlichkeit an einem wirksamen Schutz der Haibestände widerspiegele. „Haie sind nicht nur faszinierende Tiere, die seit mehreren hundert Millionen Jahren in den Meeren leben, sie spielen auch eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts. Aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften gehören sie allerdings zu den meistgefährdeten Meeresbewohnern. Die Bestände sind sehr empfindlich gegen Überfischung. Die Bundesregierung engagiert sich deshalb sehr für Maßnahmen zum Schutz von Haien innerhalb der EU und im Rahmen von internationalen Organisationen.“

„Die Mitgliedsgruppen der Shark Alliance in Deutschland begrüßen die aktive Unterstützung von Bundesministerin Aigner für eine Politik der „Ganzkörperanlandung“ zur Verhinderung des Hai-Finnings“, fügt Zidowitz hinzu. „Ihre klare Haltung unterstreicht erneut die Führungsposition, die die Bundesrepublik im Kampf um einen verbesserten Schutz für Haie innerhalb der EU und auf der ganzen Welt innehat.“

ENDE

Hinweise für die Redaktion:

Haie in Deutschland: Die Bundesrepublik hat die Debatte um den Haischutz dank seiner anhaltenden, wegweisenden Bemühungen um den Eintrag von Dorn- und Heringshai in das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES – Convention on International Trade in Endangered Species) weltweit vorangebracht und sich damit als verantwortungsbewusste Verbrauchernation präsentiert. Deutschland gehört auch zu den wichtigsten Befürwortern globaler Maßnahmen zum Haischutz gemäß dem Bonner Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS – Convention on Migratory Species).

Eine beliebte Spezialität auf den deutschen Fischmärkten und in an hiesigen Fisch-Ständen sind die als „Schillerlocken“ bekannten geräucherten Bauchlappen des Dornhai.

Deutschland gehörte zu den wenigen EU-Mitgliedstaaten, die sich in der Vergangenheit eine Ausnahmeregelung der EU-Finning-Verordnung zunutze gemacht und Fischer mit Sondergenehmigungen zum Abtrennen von Haiflossen auf See ausgestattet haben. 2008 hat Deutschland die Erteilung dieser speziellen Fangerlaubnisse eingestellt und damit die verpflichtende Ganzkörperanlandung aller Haie für alle Schiffe festgelegt.

Obwohl der 2009 verabschiedete Hai-Aktionsplan der EU den Weg für grundlegende Verbesserungen der Richtlinien zum Haifang und Haischutz bereitet hat, wurden viele der gemachten Zusagen bis heute nicht eingelöst. So fehlt es nach wie vor an Fanggrenzen für die von den europäischen Haifischereien am stärksten befischten Arten (Blau- und Makohai), in dem meisten EU-Staaten gelten keinerlei gesonderte nationale Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten (wie Hammerhai und Teufelsrochen), und nach wie vor weist das EU-Finning-Verbot riesige Schlupflöcher auf, die dazu führen, dass das Finning an Haien zu häufig noch unentdeckt und ungeahndet bleibt.

Haiflossen sind die Hauptzutat für eine traditionelle und teure asiatische Suppe. Die EU, allen voran Spanien, gehört zu den weltweit größten Lieferanten von Haiflossen nach Asien. Die 2003 beschlossene EU-Finning-Verordnung untersagt zwar generell das Entfernen von Haiflossen an Bord von Fischereifahrzeugen, sieht daneben aber Ausnahmeregelungen vor, nach denen die Mitgliedstaaten ihren Fischern „spezielle Fangerlaubnisse“ erteilen können. Portugal und Spanien – die einzigen EU-Mitgliedstaaten, die diese Sondergenehmigungen bis heute nutzen – erteilen etwa 200 solcher Fangerlaubnisse an die Mehrzahl ihrer Gefrierschiffe, die in entfernten Gewässern Langleinenfischerei betreiben, und die zusammengenommen die größte Haifangflotte der EU bilden. Fischern an Bord der mit einer Sondergenehmigung ausgestatteten Schiffe ist es erlaubt, Haiflossen abzutrennen, solange der Haikörper aufbewahrt wird. Ein stark überhöhter Grenzwert für das Verhältnis von Flossen- zum Körpergewicht eines Fangs dient als Maßstab dafür, ob die angelandeten Flossen und Körper im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN könnten Fischer für jeden angelandeten Hai an geschätzten zwei oder drei Haien Finning praktizieren, ohne diesen hohen Grenzwert zu überschreiten. Dagegen ermöglicht eine Richtlinie, die die „Ganzkörperanlandung“ sämtlicher Haie verbindlich vorschreibt, neben der maximalen Durchsetzbarkeit bestehender Finning-Verbote auch eine verbesserte Erhebung artenspezifischer Informationen über die Haifangerträge, wie sie für Bestandskontrollen und Fischerei-Management unerlässlich sind.

Im November 2011 hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung der Verordnung vorgelegt, nach dem die „Ganzkörperanlandung“ sämtlicher Haie verbindlich vorgeschrieben werden soll – beruhend auf der überwältigenden Zustimmung zu dieser Option im Rahmen der vorangegangenen öffentlichen Konsultation. Am 12. März 2012 hat sich der Rat der EU-Fischereiminister für eine Annahme des Vorschlags ausgesprochen. Deutschland hat dieses Anliegen unterstützt; Spanien und Portugal haben es als einzige abgelehnt. Derzeit wird im Europäischen Parlament über das Thema beraten.

Die Shark Alliance ist ein Zusammenschluss von mehr als 120 Naturschutz-, Wissenschafts- und Freizeitorganisationen, die sich für die Wiederherstellung und den Schutz der Haibestände mithilfe verbesserter Schutzbestimmungen für Haie einsetzt. Zu den deutschen Mitgliedsgruppen gehören Deepwave e.V., die Deutsche Elasmobranchier-Gesellschaft e.V., die Deutsche Umwelthilfe e.V., die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e.V., Pro Wildlife e.V., Reef Check e.V. und der Verband Deutscher Sporttaucher e.V. Gründer und Koordinator der Shark Alliance ist die Pew Environment Group, die Naturschutzabteilung der Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation, die der Überfischung der Weltmeere ein Ende setzen will.

European Shark Week: Seit nunmehr fünf Jahren organisieren die Mitglieder der Shark Alliance in Europa jeweils im Oktober in Zusammenarbeit mit Aquarien und anderen Hai-Begeisterten eine öffentliche Veranstaltungswoche mit dem Ziel, die allgemeine Wertschätzung für Haie und Maßnahmen zum Haischutz zu fördern. In Deutschland fanden anlässlich der European Shark Weeks bundesweit Veranstaltungen, Vorträge, Filmvorführungen und Ausstellungen statt. Einzelheiten unter www.europeansharkweek.org

Für weitere Informationen, Bildmaterial und Medieninterviews wenden Sie sich bitte an: Sophie Hulme, Tel: +44 (0) 7973 712 869. E-Mail: sophie@communicationsinc.co.uk

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