Politik

Um die systematische Zerstörung der Ozeane zu verhindern, müssen wir uns gemeinsam dafür entscheiden.
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Nachhaltige Fischerei ist Pflicht – Aigner zum „EuropäischenTag der Meere“ am 20. Mai

Zum „Europäischen Tag der Meere“ am 20. Mai

Aigner: Schutz der Meere und eine nachhaltige Fischerei
sind die Grundlagen eines intakten Ökosystems

Anlässlich des Europäischen Tags der Meere, der am 20. Mai in der Europäischen Union gefeiert wird, erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: „Der Schutz der Meere und eine nachhaltige, auf wissenschaftlichen Daten basierende Fischerei sind Grundlagen eines intakten Ökosystems. Um zu einer nachhaltigen Fischerei zu kommen, müssen in Europa künftig Rückwurf-Verbote und Anlande-Gebote eingeführt werden – um der unverantwortlichen Verschwendung von Meeresressourcen ein Ende zu setzen. Außerdem müssen die immer noch vorhandenen Überkapazitäten bei einigen europäischen Fischereiflotten abgebaut sowie wirksame Kontrollen und abschreckende Sanktionen eingeführt werden, um illegaler Fischerei und dem Überschreiten vorgeschriebener Quoten Einhalt zu bieten.“

Die vergleichsweise kleine deutsche Fangflotte sei bereits heute effizient organisiert, betonte Aigner. An der europäischen Fangkapazität hält die deutsche Flotte lediglich einen Anteil von 2,5 Prozent und befischt damit einen Fangquotenanteil von etwa 5 Prozent. Während in Deutschland die Fangkapazitäten schon seit langem im Einklang mit den festgesetzten Fangmöglichkeiten stehen, bestehen in einigen Mitgliedstaaten immer noch Überkapazitäten bei den Fangschiffen.

Die Ministerin betonte, dass bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) in der EU das Nachhaltigkeitsziel für die Bundesregierung oberste Priorität habe. Dabei müsse die EU-Fischereipolitik einen Ausgleich schaffen zwischen den Interessen der Fischer, des Handels und der Verarbeitungsindustrie auf der einen Seite und den Erfordernissen des Umwelt- und Naturschutzes auf der anderen Seite. „Eine langfristige Stabilität in der Fischerei braucht gesunde Meeresökosysteme“, sagte Aigner.

Auf europäischer Ebene ist in der GFP der richtige Weg zu einer nachhaltigen Fischerei bereits vor einigen Jahren eingeschlagen worden. Dazu zählen Bewirtschaftungs- und Wiederaufbaupläne für zahlreiche Fischarten und die Maßnahmen zur Bekämpfung der illegalen Fischerei. Aigner: „Dieser Weg muss bei der anstehenden Neuausrichtung der Gemeinsamen Fischereipolitik konsequent fortgesetzt werden.“

Referat L1
„Pressestelle“
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

Schluss mit Steuergeldern für Überfischung

OCEAN2012-Verbände: Schluss mit Steuergeldern für Überfischung

EU-Rat der Fischereiminister tagt zu nachhaltigen Fanggrenzen und Fischereisubventionen – Bündnis OCEAN2012 fordert, dass Bundesregierung Fischereisubventionen an überprüfbare Bedingungen knüpft – OCEAN2012-Bericht zeigt, wie Subventionen die Überfischung befeuern

Berlin, 11. Mai 2012: Im Vorfeld des EU-Rates der Fischereiminister am 14. Mai fordern die deutschen Mitglieder der Allianz OCEAN2012 Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) und ihren Staatssekretär Robert Kloos auf, nicht länger Steuergelder in Milliardenhöhe für die Subventionierung der Überfischung auszugeben. „Es steht in der Macht der Bundesregierung, dem Brüsseler Subventionswahnsinn ein Ende zu bereiten. Aigner und Kloos müssen sich dafür einsetzen, dass Fischereisubventionen nur an Mitgliedsstaaten vergeben werden, die ihre Fangkapazitäten auf ein nachhaltiges Niveau reduziert haben“, sagt Nina Wolff, Meeresschutz-Expertin bei der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) und Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland. Andernfalls werde die Rechnung für die Überfischung weiterhin dem Steuerzahler aufgetischt.

OCEAN2012 ist ein Zusammenschluss von über 160 Organisationen, die Überfischung und destruktive Fischfangmethoden beenden und eine angemessene und gerechte Nutzung gesunder Fischbestände durchsetzen wollen.

Anlässlich der Ratssitzung am kommenden Montag beraten die EU-Landwirtschafts- bzw. Fischereiminister im Zusammenhang mit der Gemeinsamen Fischereipolitik, wofür Fischereisubventionen in Zukunft verwendet werden sollen und wie beim Management der europäischen Fischbestände nachhaltige Fanggrenzen erreicht werden können. Ein heute von OCEAN2012 veröffentlichter Bericht (link) klärt darüber auf, wie mit Steuergeldern unwirtschaftliche Teile des europäischen Fischereisektors am Leben erhalten werden. Die Folge sind Überkapazitäten bei den Fischereiflotten und Überfischung.

In EU-Gewässern sind 63 Prozent der Bestände im Atlantik und vier der sechs Bestände in der Ostsee, für die wissenschaftliche Daten vorliegen, eindeutig überfischt. Die Überfischung resultiert in erster Linie aus kurzsichtigen politischen Fehlentscheidungen über zu hoch angesetzte Fanggrenzen. Subventionen treiben die Überfischung zusätzlich voran, weil sie die Kosten für den Fischfang reduzieren und die Fangkapazitäten der Flotten erhöhen. Berechnungen der Weltbank zufolge gehen der Weltwirtschaft aufgrund der Überfischung jährlich 35 Milliarden Euro verloren.

„Die Subventionierung der Überfischung ist die Förderung eines ökologischen und wirtschaftlichen Versagens durch Steuergelder. Gesunde Bestände könnten zu mehr Fischerei und mehr Beschäftigung führen“, erklärt OCEAN2012-Sprecher Markus Knigge. „Fischereisubventionen dürfen nicht länger Teil des Problems sein, sondern müssen endlich den Übergang zu einer verantwortlichen Fischerei in Europa fördern.“

Den OCEAN2012-Bericht „Subventionierte Fischerei: Wie oft zahlen wir für unseren Fisch?“ finden Sie am Ende dieser Meldung.
Für Rückfragen:

Dr. Nina Wolff
Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland
Deutsche Umwelthilfe e. V. Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-84, Mobil: 0170 8127346, E-Mail: wolff@duh.de

Markus Knigge
OCEAN2012-Sprecher
Tel.: 030 521 31 949, Mobil: 0178 800 7278, E-Mail: mknigge@pewenvironment.de

Dr. Gerd Rosenkranz
Leiter Politik & Presse, Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0171 5660577, E-Mail: rosenkranz@duh.de
Über die Kampagne OCEAN2012

OCEAN2012 wurde von der Pew Environment Group gegründet und wird von ihr koordiniert. Die Pew Environment Group ist die Naturschutzabteilung des Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Überfischung der Ozeane zu beenden. Zum Lenkungsausschuss von OCEAN2012 gehören: Coalition for Fair Fisheries Arrangements, Ecologistas en Acción, The Fisheries Secretariat, nef (new economics foundation), die Pew Environment Group und Seas At Risk.

In Deutschland sind folgende Organisationen Mitglied von OCEAN2012: DEEPWAVE e. V., Deutsche Umwelthilfe e. V., EuroNatur, Evangelischer Entwicklungsdienst e.V., Fair Oceans, Forum Ökologische und Soziale Marktwirtschaft e. V., Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V., Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e. V., M.E.E.R. e. V., NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.), Pro Wildlife e. V., Reef Check e. V. und Slowfood Deutschland e. V.

Mehr Informationen zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik finden Sie im Internet unter www.ocean2012.eu

Hier gehts zur Studie
http://www.duh.de/uploads/media/Subsidies_Ocean2012_brief_DE__2_.pdf

Bundesministerin Aigner schließt sich Forderung der Bürger nach mehr Haischutz an

Treffen mit Ministerin Ilse Aigner, Nina Wolff (DUH), Heike Zidowitz (Shark Alliance) Christiane Pilz (BMELV) und Dr. Onno Groß (DEEPWAVE)

Bundesministerin Aigner schließt sich Forderung der Bürger nach mehr Haischutz an

Berlin, 8. Mai 2012: Zeitgleich mit der Debatte im Europäischen Parlament über die Perspektiven des EU-Finning-Verbots an Haien machen Naturschutzgruppen, Taucher, Wissenschaftler und andere Teile der Öffentlichkeit in Deutschland die breite öffentliche Unterstützung für den Haischutz deutlich.

Vertreter der Shark Alliance haben heute gegenüber Fischereiministerin Ilse Aigner auf die besondere Bedeutung der Haie für Deutschland und die gesamte EU hingewiesen und ein Buch vorgelegt, das an die im vergangenen Herbst im Rahmen der European Shark Week durchgeführten Aktionen und Veranstaltungen erinnert und die Zahlen zum deutschen Haifang und -handel auflistet.

„Die Menschen sind zunehmend besorgt über den Rückgang und die verschwenderische Nutzung der Haie“, sagt Heike Zidowitz, Koordinatorin der Shark Alliance in Deutschland. „Haie sind begehrt wegen ihrer Flossen, ihres Fleischs und Lebertrans. Aber sie sind für gewöhnlich langsam wachsende Tiere, die besonders anfällig für Überfischung sind aber von Fischerei-Managern zu häufig noch ignoriert werden.“

Ein besonderes Augenmerk liegt derzeit auf der laufenden Reform des EU-Verbots des Finning (bei dem die Flossen eines Hais abgeschnitten und der Körper zurück ins Meer geworfen wird). Zur Zeit befasst sich das Europäische Parlament mit einem Vorschlag der Europäischen Kommission, nach dem die gravierenden Schlupflöcher im aktuellen Verbot dadurch geschlossen werden sollen, dass jegliches Abtrennen von Haiflossen an Bord von Schiffen untersagt wird (gleichbedeutend mit der verbindlichen „Ganzkörperanlandung“ aller Haie). Sämtliche Fischereiminister der EU befürworten diesen Vorschlag – mit Ausnahme Spaniens und Portugals, die über die größten Fangflotten Europas verfügen.

Um auf die Problematik hinzuweisen, haben 165.000 besorgte Bürger aus ganz Europa, darunter mehr als 14.000 aus Deutschland, eine Petition unterzeichnet, mit der die EU-Fischereiminister dringend aufgefordert werden, den Verpflichtungen aus dem Hai-Aktionsplan der EU von 2009 nachzukommen und folgende Maßnahmen durchzusetzen:

Ein vollständiges und ausnahmsloses Verbot des Abtrennens von Haiflossen auf See

Fanggrenzen für Haie und Rochen auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen und des Vorsorgeansatzes

EU-weite und nationale Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Hai- und Rochenarten.

Bundesministerin Aigner dankte den Vertretern der „Shark Alliance“ für ihren Einsatz beim Haischutz und sagte, dass die Petition das große Interesse der Öffentlichkeit an einem wirksamen Schutz der Haibestände widerspiegele. „Haie sind nicht nur faszinierende Tiere, die seit mehreren hundert Millionen Jahren in den Meeren leben, sie spielen auch eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts. Aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften gehören sie allerdings zu den meistgefährdeten Meeresbewohnern. Die Bestände sind sehr empfindlich gegen Überfischung. Die Bundesregierung engagiert sich deshalb sehr für Maßnahmen zum Schutz von Haien innerhalb der EU und im Rahmen von internationalen Organisationen.“

„Die Mitgliedsgruppen der Shark Alliance in Deutschland begrüßen die aktive Unterstützung von Bundesministerin Aigner für eine Politik der „Ganzkörperanlandung“ zur Verhinderung des Hai-Finnings“, fügt Zidowitz hinzu. „Ihre klare Haltung unterstreicht erneut die Führungsposition, die die Bundesrepublik im Kampf um einen verbesserten Schutz für Haie innerhalb der EU und auf der ganzen Welt innehat.“

ENDE

Hinweise für die Redaktion:

Haie in Deutschland: Die Bundesrepublik hat die Debatte um den Haischutz dank seiner anhaltenden, wegweisenden Bemühungen um den Eintrag von Dorn- und Heringshai in das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES – Convention on International Trade in Endangered Species) weltweit vorangebracht und sich damit als verantwortungsbewusste Verbrauchernation präsentiert. Deutschland gehört auch zu den wichtigsten Befürwortern globaler Maßnahmen zum Haischutz gemäß dem Bonner Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS – Convention on Migratory Species).

Eine beliebte Spezialität auf den deutschen Fischmärkten und in an hiesigen Fisch-Ständen sind die als „Schillerlocken“ bekannten geräucherten Bauchlappen des Dornhai.

Deutschland gehörte zu den wenigen EU-Mitgliedstaaten, die sich in der Vergangenheit eine Ausnahmeregelung der EU-Finning-Verordnung zunutze gemacht und Fischer mit Sondergenehmigungen zum Abtrennen von Haiflossen auf See ausgestattet haben. 2008 hat Deutschland die Erteilung dieser speziellen Fangerlaubnisse eingestellt und damit die verpflichtende Ganzkörperanlandung aller Haie für alle Schiffe festgelegt.

Obwohl der 2009 verabschiedete Hai-Aktionsplan der EU den Weg für grundlegende Verbesserungen der Richtlinien zum Haifang und Haischutz bereitet hat, wurden viele der gemachten Zusagen bis heute nicht eingelöst. So fehlt es nach wie vor an Fanggrenzen für die von den europäischen Haifischereien am stärksten befischten Arten (Blau- und Makohai), in dem meisten EU-Staaten gelten keinerlei gesonderte nationale Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten (wie Hammerhai und Teufelsrochen), und nach wie vor weist das EU-Finning-Verbot riesige Schlupflöcher auf, die dazu führen, dass das Finning an Haien zu häufig noch unentdeckt und ungeahndet bleibt.

Haiflossen sind die Hauptzutat für eine traditionelle und teure asiatische Suppe. Die EU, allen voran Spanien, gehört zu den weltweit größten Lieferanten von Haiflossen nach Asien. Die 2003 beschlossene EU-Finning-Verordnung untersagt zwar generell das Entfernen von Haiflossen an Bord von Fischereifahrzeugen, sieht daneben aber Ausnahmeregelungen vor, nach denen die Mitgliedstaaten ihren Fischern „spezielle Fangerlaubnisse“ erteilen können. Portugal und Spanien – die einzigen EU-Mitgliedstaaten, die diese Sondergenehmigungen bis heute nutzen – erteilen etwa 200 solcher Fangerlaubnisse an die Mehrzahl ihrer Gefrierschiffe, die in entfernten Gewässern Langleinenfischerei betreiben, und die zusammengenommen die größte Haifangflotte der EU bilden. Fischern an Bord der mit einer Sondergenehmigung ausgestatteten Schiffe ist es erlaubt, Haiflossen abzutrennen, solange der Haikörper aufbewahrt wird. Ein stark überhöhter Grenzwert für das Verhältnis von Flossen- zum Körpergewicht eines Fangs dient als Maßstab dafür, ob die angelandeten Flossen und Körper im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN könnten Fischer für jeden angelandeten Hai an geschätzten zwei oder drei Haien Finning praktizieren, ohne diesen hohen Grenzwert zu überschreiten. Dagegen ermöglicht eine Richtlinie, die die „Ganzkörperanlandung“ sämtlicher Haie verbindlich vorschreibt, neben der maximalen Durchsetzbarkeit bestehender Finning-Verbote auch eine verbesserte Erhebung artenspezifischer Informationen über die Haifangerträge, wie sie für Bestandskontrollen und Fischerei-Management unerlässlich sind.

Im November 2011 hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung der Verordnung vorgelegt, nach dem die „Ganzkörperanlandung“ sämtlicher Haie verbindlich vorgeschrieben werden soll – beruhend auf der überwältigenden Zustimmung zu dieser Option im Rahmen der vorangegangenen öffentlichen Konsultation. Am 12. März 2012 hat sich der Rat der EU-Fischereiminister für eine Annahme des Vorschlags ausgesprochen. Deutschland hat dieses Anliegen unterstützt; Spanien und Portugal haben es als einzige abgelehnt. Derzeit wird im Europäischen Parlament über das Thema beraten.

Die Shark Alliance ist ein Zusammenschluss von mehr als 120 Naturschutz-, Wissenschafts- und Freizeitorganisationen, die sich für die Wiederherstellung und den Schutz der Haibestände mithilfe verbesserter Schutzbestimmungen für Haie einsetzt. Zu den deutschen Mitgliedsgruppen gehören Deepwave e.V., die Deutsche Elasmobranchier-Gesellschaft e.V., die Deutsche Umwelthilfe e.V., die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e.V., Pro Wildlife e.V., Reef Check e.V. und der Verband Deutscher Sporttaucher e.V. Gründer und Koordinator der Shark Alliance ist die Pew Environment Group, die Naturschutzabteilung der Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation, die der Überfischung der Weltmeere ein Ende setzen will.

European Shark Week: Seit nunmehr fünf Jahren organisieren die Mitglieder der Shark Alliance in Europa jeweils im Oktober in Zusammenarbeit mit Aquarien und anderen Hai-Begeisterten eine öffentliche Veranstaltungswoche mit dem Ziel, die allgemeine Wertschätzung für Haie und Maßnahmen zum Haischutz zu fördern. In Deutschland fanden anlässlich der European Shark Weeks bundesweit Veranstaltungen, Vorträge, Filmvorführungen und Ausstellungen statt. Einzelheiten unter www.europeansharkweek.org

Für weitere Informationen, Bildmaterial und Medieninterviews wenden Sie sich bitte an: Sophie Hulme, Tel: +44 (0) 7973 712 869. E-Mail: sophie@communicationsinc.co.uk

Blinde Passagiere im Schiffsbauch

Blinde Passagiere aus dem Schiffsbauch werden zur Plage
Von Daniel Hautmann.

Mit ihrem Ballastwasser verbreiten Frachtschiffe unbeabsichtigt Wasserlebewesen und Mikroorganismen rund um den Erdball. Eine internationale Vorschrift soll dem künftig einen Riegel vorschieben.

Für die Vereinten Nationen sind die zwangsglobalisierten Organismen gar eine der vier grössten Bedrohungen der marinen Umwelt. Neue Technologien sollen das Trittbrettfahren verhindern. Dazu hat die International Maritime Organization in London 2004 den sogenannten D1-Standard verabschiedet. Er schreibt vor, das Ballastwasser auf offener See, weit weg von den Küsten, auszutauschen.

Das genügt aber nicht: «Inzwischen weiss man, dass diese Massnahme relativ uneffektiv ist», sagt Meeresbiologe Onno Gross von der Meeresschutzorganisation Deepwave. «Die meisten Organismen befinden sich nämlich in den Sedimenten am Boden der Tanks und bleiben dort, auch wenn das Wasser getauscht wird.» Daher gilt ab spätestens 2016 der verschärfte D2-Standard.

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Baseler Zeitung

http://bazonline.ch/wissen/natur/Blinde-Passagiere-aus-dem-Schiffsbauch-werden-zur-Plage/story/21473982

Naturverträglicher Ausbau der Offshore-Windkraft in weiter Ferne

NABU: Naturverträglicher Ausbau der Offshore-Windkraft in weiter Ferne
Bau von Butendiek wäre umweltpolitischer Sündenfall

Berlin – Der NABU kritisiert, dass beim Ausbau der Offshore-Windenergie die Naturverträglichkeit immer noch zu kurz kommt. 2002 wurde die Baugenehmigung des ehemaligen Bürgerwindparks Butendiek westlich von Sylt, dem ersten kommerziellen Windpark in der Nordsee, durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) erteilt. Das bedeutete zehn Jahre Streit und Proteste der Umweltverbände, zehn Jahre wechselnde Besitzer und Verlängerungen der Baugenehmigung. „Und das, obwohl inzwischen anerkannt ist, dass dieser ökologisch kritische Standort nach heutigem Kenntnisstand schon 2002 nicht genehmigungsfähig war. Sollte Butendiek gebaut werden, wäre es der umweltpolitische Sündenfall“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Der Park liege in einem besonders wertvollen Lebensraum für Schweinswale und Seetaucher im Natura-2000-Gebiet Sylter Außenriff.

„Leider haben Politik und Genehmigungsbehörden in den vergangenen Jahren wenig gelernt. Seit Jahren gibt es einen Planungsboom. Gebiete werden abgesteckt, Bauanträge eingereicht und veraltete Genehmigungen immer wieder verlängert, ohne ausreichende Steuerung und ohne eine ernsthafte Betrachtung wachsender Umweltrisiken“, so Tschimpke weiter. Bundesregierung und Genehmigungsbehörden würden durch ihre Untätigkeit mit Verantwortung dafür tragen, dass ein naturverträglicher Ausbau der Offshore-Windkraft noch immer nicht gewährleistet sei. Wo bleibt das seit über einem Jahr angekündigte Schallschutzkonzept der Bunderegierung? Wie soll eine umfassende und nachhaltige Strategie für den Ausbau und die Netzanbindung der Offshore Windkraft aussehen? Wie viel Offshore-Windkraft braucht der deutsche Energiemix der Zukunft? Fragen, die Bundesregierung, Genehmigungsbehörden und Industrie nach NABU-Auffassung jetzt sehr schnell beantworten müssen.

Viele der bereits genehmigten Windparks stehen nach Einschätzung des NABU im Konflikt mit nationalem und europäischem Umweltrecht. Das reiche von unzureichendem Schallschutz bis zu einer fehlenden Berücksichtigung des Störungs- und Verschlechterungsverbotes für besonders geschützte Arten und Lebensräume nach Bundesnaturschutzgesetz und EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.

„Der Meeresnaturschutz bleibt noch immer auf der Strecke. So riskiert die Branche die bisherige Unterstützung der Umweltverbände für eine eigentlich grüne Energie“, so NABU-Referent für Meeresschutz Kim Detloff. Noch würden die Verbände den Ausbau der Windkraft auf See mittragen. Doch wenn Artenschutzrecht und Lebensraumschutz weiterhin ignoriert würden, bliebe für den Naturschutz nur der Rechtsweg.

Aktuell liegen für die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee, dem Bereich zwischen zwölf und 200 Seemeilen von der Küste, 28 Genehmigungen vor. Insgesamt sollen in der deutschen Nord- und Ostsee mehr als 115 Windparks entstehen. Nach NABU-Meinung zu viele für die ohnehin stark belasteten Ökosysteme der Nord- und Ostsee.

Der NABU tritt seit Jahren für einen naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windkraft ein. Neben einem verbesserten Schallschutz und schallarmen Gründungsverfahren fordert er dabei eine effektive räumliche und zeitliche Steuerung, die kritische Überprüfung und Bereinigung der Antragsflut sowie eine stärkere Berücksichtigung kumulativer Effekte, d.h. mögliche ökosystemare Auswirkungen durch die Vielzahl geplanter Projekte. Besonders sensible Gebiete wie das Sylter Außenriff seien dabei vollständig von Windkraftanlagen freizuhalten.

Für Rückfragen:
Dr. Kim Cornelius Detloff, NABU-Referent für Meeresschutz, Telefon 030-284984-1626, mobil 0152 0920 2205
Carsten Wachholz, NABU-Energieexperte, Tel. 030-284984-1617, mobil 0172-4179727
Im Internet zu finden unter www.NABU.de

Falscher Fisch auf dem Tisch

Falscher Fisch auf dem Tisch:
Importware und Billigfisch nehmen zu

OCEAN2012-Bericht erklärt, wie Überfischung die Qualität von Fischprodukten in Europa beeinträchtigt – Verbraucher werden bewusst über Art, Qualität und Herkunft der Fische getäuscht – Übermäßige Entnahme von Fisch aus den Gewässern schadet den Meeresökosystemen

Berlin, 26.4.2012: In der Europäischen Union verkaufter Fisch stammt immer öfter aus Importen und ist zunehmend von minderwertiger Qualität. Verantwortlich dafür ist die Erschöpfung vieler europäischer Fischbestände durch Überfischung. Zu dieser Erkenntnis kommt ein heute von OCEAN2012 veröffentlichter Bericht. Dieser kritisiert darüber hinaus, dass in einigen Fällen Arten mit geringem Wert als höherwertige Fischprodukte vermarktet und gekennzeichnet werden, um den Verbraucher zu täuschen. OCEAN2012 ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die Überfischung und destruktive Fischfangmethoden beenden und eine angemessene und gerechte Nutzung gesunder Fischbestände durchsetzen wollen.

„Indem man falsch gekennzeichnete Fischprodukte als am Markt wertvollen oder sogar als nachhaltig gefangenen Fisch verkauft, täuscht man bewusst die nichts ahnende Öffentlichkeit“, sagt Nina Wolff, Meeresschutz-Expertin bei der Deutschen Umwelthilfe und Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland. „Unsere Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten wächst, während die Verfügbarkeit von lokal gefangenem Fisch aufgrund der Überfischung sinkt. So gelangen immer größere Mengen des preiswerteren Importfischs auf den EU-Markt, wo Billigfisch oft durch Verwendung falscher Bezeichnungen ‚aufgewertet’ wird.“

Zwar liegt der jährliche Fischkonsum pro Person in Deutschland mit aktuell knapp 16 Kilogramm unter dem EU-Durchschnitt. Doch auch hierzulande steigt die Nachfrage von Fischprodukten langfristig an. Das führt bei der Versorgung mit Seefisch zu Engpässen, die mit Aquakulturprodukten oder Fischimporten ausgeglichen werden. Besonders der permanente Druck auf den Fischerei- und Verarbeitungssektor sowie den Einzelhandel, neue Quellen für Frischfisch zu finden und steigende Gewinne zu erzielen, schafft einen Anreiz, billigen Fisch falsch auszuweisen und als höherwertige Ware zu verkaufen. Das nicht vorhandene Wissen der Verbraucher über verschiedene Fischarten erleichtert die bewusst falsche Etikettierung zusätzlich. Viele verarbeitete Produkte, etwa Fischgerichte oder panierter Fisch aus dem Tiefkühl-Bereich, unterliegen nicht einmal der EU-weiten Kennzeichnungspflicht. Für Erzeugnisse der Fischerei umfasst diese die Handelsbezeichnung (Fischart), die Produktionsmethode (Meer/Binnengewässer/Aquakultur) und das Fanggebiet der Ware.

„Um nachzuvollziehen, ob es sich um ein naturverträgliches Fischprodukt handelt, sollte künftig zusätzlich die Angabe der Fangmethode verpflichtend sein“, erklärt Nina Wolff. „Vor allem aber muss die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik für einen Wiederaufbau unserer lokalen Bestände sorgen.“

Den OCEAN2012-Bericht „Das ist Fisch, Käpt’n, aber nicht wie wir ihn kennen“ finden Sie im Internet unter http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=2836.

Für Rückfragen:

Dr. Nina Wolff, Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland, Deutsche Umwelthilfe e. V. Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-84, Mobil: 0170 8127346, E-Mail: wolff@duh.de

Daniel Eckold, Pressesprecher, Deutsche Umwelthilfe e. V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-22, Mobil: 0151 55017009, E-Mail: eckold@duh.de

Über die Kampagne OCEAN2012

OCEAN2012 wurde von der Pew Environment Group gegründet und wird von ihr koordiniert. Die Pew Environment Group ist die Naturschutzabteilung des Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Überfischung der Ozeane zu beenden. Zum Lenkungsausschuss von OCEAN2012 gehören: Coalition for Fair Fisheries Arrangements, Ecologistas en Acción, The Fisheries Secretariat, nef (new economics foundation), die Pew Environment Group und Seas At Risk.

In Deutschland sind folgende Organisationen Mitglied von OCEAN2012: DEEPWAVE e. V., Deutsche Umwelthilfe e. V., EuroNatur, Evangelischer Entwicklungsdienst e.V., Fair Oceans, Forum Ökologische und Soziale Marktwirtschaft e. V., Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V., Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e. V., M.E.E.R. e. V., NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.), Pro Wildlife e. V., Reef Check e. V. und Slowfood Deutschland e. V.

Mehr Informationen zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik finden Sie im Internet unter www.ocean2012.eu

Munitionssprengung vor Ahrenshoop bedroht Ostsee-Schweinswale

Sprengung von Munition vor Ahrenshoop bedroht Ostsee-Schweinswale

Ahrenshoop/Darss, 25. April 2012 – Naturschutzverbände protestieren gegen die heute durchgeführte Sprengung einer britischen Luftmine aus dem 2. Weltkrieg vor Ahrenshoop im FFH-Naturschutzgebiet „Darsser Schwelle“. Nach Ansicht der Verbände NABU, Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) stellt die Sprengung insbesondere für die vom Aussterben bedrohten Schweinswale in vorpommerschen Gewässern eine große Gefahr dar.

„Unterwassersprengungen bergen ein erhebliches Risiko für Meeressäugetiere“, erklärt der Biologe und Schweinswalexperte Sven Koschinski. „Bei der Detonation einer Sprengladung von 350 Kilogramm wie in diesem Fall entsteht eine Schockwelle, die bei Meeressäugern noch in vier Kilometern Entfernung zu lebensgefährlichen Verletzungen wie Lungenrissen oder Gehörschäden führen kann.“

„Es ist ein Skandal, dass eine Mine in einem Meeressschutzgebiet für Kegelrobben, Seehunde und Schweinswale gesprengt wird, ohne weitere Alternativen zu prüfen und ohne entsprechende Minderungsmaßnahmen zu ergreifen“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD. Nach Informationen der Verbände wurde die Fachbehörde des Schweriner Umweltministeriums, das Landesamt für Umwelt Natur und Geologie, über die geplante Sprengung nicht in Kenntnis gesetzt. Auch die 2008 gegründete Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Munition im Meer“ wurde vom Munitionsbergungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern nicht unterrichtet.

Die Luftmine wurde auf der Kabeltrasse des geplanten Windparks Baltic 2 entdeckt. Nach Informationen der Verbände hatte der Bergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern die Marinetaucher der Bundeswehr in Eckernförde um Amtshilfe gebeten, um eine bereits vorhandene Kabeltrasse nicht zu gefährden. Petra Deimer, Biologin der GSM kritisiert: „Diese Sprengung hatte rein wirtschaftliche Gründe. Es dürfte den Verantwortlichen schwerfallen, ihr Vorgehen mit Gefahr in Verzug zu rechtfertigen“. Nur so sei nämlich eine entsprechende FFH-Verträglichkeitsprüfung zu umgehen.

Bei ähnlichen Sprengungen in Schleswig-Holstein werden zur Minderung der gefährlichen Schockwelle sogenannte Blasenschleier eingesetzt, an deren Entwicklung und Erforschung die Bundeswehr maßgeblich beteiligt war. Die Naturschutzverbände fordern, dass die Bundeswehr bei allen nicht vermeidbaren Unterwassersprengungen die Blasenschleiertechnik einsetzt. Dies gilt insbesondere für planbare Munitionsräumungen bei Offshore-Vorhaben und Sprengungen innerhalb der Minentaucherausbildung.

NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff erklärt dazu: Es gilt Sprengungen im Meer so weit wie möglich zu vermeiden. Alternative Bergungstechniken müssen eingesetzt und weiter entwickelt werden.“ Die Ergebnisse zweier Fachtagungen der drei Umweltverbände in den Jahren 2007 und 2010 hätten gezeigt, dass diese Techniken verfügbar sind und weltweit bereits zum Einsatz kommen.

Rückfragen:
Dipl.-Biol. Sven Koschinski, Tel. 04526-381716
Dr. Kim Detloff, NABU Meeresschutzexperte Tel. 030-2849841626 od. 0152-09202205

Wie verlässlich ist das MSC-Siegel?

Heute gehts hoch her (Süddeutsche Zeitung, dpa usw.): Thema Wie verlässlich ist das MSC-SIegel?

Hintergrund ist eine Pressemitteilung des Geomar:

Überfischt und trotzdem aufgetischt

Knapp 30 Prozent der durch die Gütesiegel MSC oder FOS zertifizierten Fischprodukte stammen aus überfischten Beständen
17.04.2012/Kiel. Dreiviertel der marinen Fischbestände weltweit gelten heute als überfischt oder bis zur Tragfähigkeitsgrenze genutzt. Etliche Fischbestände sind aufgrund zu hoher Fangmengen sogar bereits zusammengebrochen. Welche Fische und Meeresfrüchte dürfen da noch auf den Tisch? Verbraucher verlieren bei der Auswahl vor dem Kühlregal oft den Überblick und vertrauen den Empfehlungen unabhängiger Gütesiegel. Das in Deutschland bekannteste ist das Umweltsiegel MSC, Marine Stewardship Council. Das blaue Zeichen mit dem Fisch verspricht Produkte aus nachhaltiger Fischerei und zertifiziert Fischereiunternehmen, die für umweltbewussten und nachhaltigen Fischfang stehen. Auch das weniger bekannte Siegel FOS, Friend of the Sea, gibt Verbrauchern Orientierung beim Fischkauf. Aber wie geht es den Fischen wirklich? Wie glaubwürdig sind die Gütesiegel, und können sich die Verbraucher uneingeschränkt auf die Zertifizierung verlassen?

Gemeinsame Pressemitteilung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und des GEOMAR | Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel

In einer aktuellen Studie, die in dieser Woche im Fachmagazin Marine Policy erscheint, haben der Fischereibiologe Dr. Rainer Froese, GEOMAR I Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, und der Rechtswissenschaftler Professor Alexander Proelß, Universität Trier, die beiden Gütesiegel MSC und FOS unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind alarmierend. Unter den zertifizierten Produkten stammen immer noch 19 (FOS) beziehungsweise 31 Prozent (MSC) aus überfischten Beständen und solchen, die nicht umweltverträglich befischt werden.

„Nur etwa die Hälfte der MSC-zertifizierten Produkte stammte aus nachweislich gesunden Beständen mit angemessen niedrigem Fischereidruck. Etwa ein Drittel der zertifizierten Fischbestände war zu klein und wurde gleichzeitig zu hart befischt. Die übrigen Bestände waren entweder zu klein, zu hart befischt oder es lagen keine belastbaren Informationen vor“, fasst Autor Froese die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Welche rechtlichen Konsequenzen drohen einer gemeinnützigen internationalen Organisation, wenn es Gütesiegel für ein Fischereiunternehmen vergibt, das nicht nach den international festgelegten Kriterien handelt? Mit dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) hat sich die internationale Staatengemeinschaft dem Grunde nach auf den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung von Fischbeständen verständigt und die darin enthaltenen Verpflichtungen im UN-Übereinkommen über Fischbestände (UNFSA) weiter konkretisiert. „Trotz dieser anerkannten Regeln können die Gütesiegel nicht zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie gegen internationale Standards verstoßen, es sei denn, das innerstaatliche Recht enthält entsprechende Vorgaben wie bei heimischen Fischen, die als überfischt gelten“ sagt Professor Alexander Proelß von der Uni Tier, der noch als Mitglied des Kieler Exzellenzclusters Ozean der Zukunft an der fächerübergreifenden Untersuchung mitgewirkt hatte. „Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen können Staaten die Einfuhr von Fischprodukten aus überfischten Beständen verbieten“, so Proelß weiter. Verbraucher können sich demnach nicht uneingeschränkt auf die Umweltsiegel verlassen. Es drohen weder Sanktionen dafür, wenn anerkannte Standards nicht eingehalten werden, noch werden zwingend Zertifikate entzogen, wenn Fischereiunternehmen die einmal begutachteten Kriterien nicht mehr erfüllen.

Kritik üben die Forscher vor allem an der Zugänglichkeit von relevanten Informationen. Bei 11 (MSC) bzw. 53 Prozent (FOS) der zertifizierten Bestände lagen keine oder nur unzureichende Angaben vor, so dass keine verwertbaren Aussagen beispielsweise über die Bestandsgröße getroffen werden konnten. Auch gibt es Zweifel an der Unabhängigkeit von eingesetzten Gutachtern, die Fischereien zertifizieren. Diese werden nämlich von den Fischerei-Unternehmen bezahlt. Darüber hinaus finanziert sich beispielsweise MSC nicht allein aus Spenden, sondern auch über den Erlös von Lizenzgebühren für zertifizierte Produkte. Die Einnahmen des MSC steigen also mit der Zahl der zertifizierten Bestände.“Die Zertifizierer müssen ihre Kriterien verschärfen und dann auch einhalten. Überfischten Beständen muss das Siegel entzogen werden“, fordert Rainer Froese. Ein Beispiel dafür ist Seelachs aus der Nordsee. Nach der Zertifizierung durch das Umweltsiegel MSC schrumpfte der Bestand aufgrund immer stärkerer Befischung. „Jetzt ist die Grenze zum Zusammenbruch erreicht, das Siegel soll aber nicht entzogen werden.“ Bei aller Kritik, der Rat der beiden Forscher an die Verbraucher ist eindeutig. Die Gütesiegel helfen bei der Auswahl der Verbraucher an umweltverträglichen Fischprodukten. „Die Produkte von MSC oder FOS sind sicherer als nicht zertifizierte Ware. Die Wahrscheinlichkeit, dass Fische aus nachhaltigem Fang stammen, ist mit MSC oder FOS-Siegel drei bis viermal höher als bei Meeresfrüchten ungeprüfter Anbieter“, so Froese.

Originalarbeit:
Froese R., Proelss A. Evaluation and legal assessment of certified seafood. Marine Policy (2012), doi: 10.1016/j.marpol.2012.03.017

Eine Reaktion dazu vom MSC

MSC-Siegel ist glaubwürdig: Zertifizierungsprogramm reagiert auf Vorwürfe

Berlin (ots) – Die Fischereien, die nach dem MSC-Standard für vorbildlich geführte und nachhaltige Fischereien zertifiziert sind, nutzen ihre Zielartbestände nachhaltig. Diese Bestände sind nicht überfischt. Diese Einschätzung folgt aus der Definition für den Begriff ‚Überfischung‘, wie ihn die Welternährungsorganisation (FAO) ihrer Bewertung des Zustandes kommerziell genutzter Fischbestände zu Grunde legt, und entspricht demnach einem weltweiten wissenschaftlichen Konsens. Der MSC widerspricht damit den Ergebnissen der Veröffentlichung ‚Evaluation and Legal Assessment of Certified Seafood‘, die zu dem Schluss kommt, dass 31 Prozent der von MSC- zertifizierten Fischereien genutzten Bestände überfischt seien.

Zur Beurteilung des Zustandes der Fischbestände orientieren sich die Autoren der Studie, Rainer Froese und Alexander Proelss, an Referenzwerten, die in wissenschaftlichen Kreisen nicht anerkannt sind. Christopher Zimmermann, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei und Vorsitzender des Technischen Beirates des MSC, sagt hierzu: „Eine global agierende Organisation wie der MSC muss international abgestimmte und anerkannte Definitionen verwenden. Die von Froese und Proelss verwendete Definition von ‚Überfischung‘ und viele der verwendeten Referenzpunkte sind international nicht akzeptiert. Die Resultate der Studie sind somit irrelevant.“

Nach den Anforderungen des MSC muss ein Bestand so groß sein, dass eine nachhaltige Nutzung möglich ist. Wenn dies nicht der Fall ist, kann die Fischerei nicht zertifiziert werden. Die Bestandsgröße ist ein wesentlicher, jedoch nicht der einzige Indikator für die Nachhaltigkeit einer Fischerei. Der MSC-Standard geht weit darüber hinaus und bewertet Fischereien anhand von 31 Indikatoren, welche zum Beispiel die Abhängigkeit anderer Tiere von der jeweiligen Fischart betrachten, den Einfluss unbeabsichtigter Fänge auf andere Arten sowie die Auswirkungen der angewendeten Fischereimethoden auf die Meeresumwelt. Das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Faktoren entscheidet darüber, ob eine Fischerei als nachhaltig gilt oder nicht. Nur Fischereien, welche die Mindestanforderungen des MSC-Standards erfüllen, werden mit dem international anerkannten blauen MSC-Siegel ausgezeichnet.

Der MSC überprüft kontinuierlich seine Richtlinien und entwickelt diese weiter, wenn anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse es notwendig machen. So stellt der MSC sicher, dass seine Anforderungen fortlaufend weltweit bester Praxis entsprechen. Ziel des MSC-Programms ist es, einen Beitrag zu gesunden Weltmeeren zu leisten. Eine vom MSC im Jahr 2011 veröffentlichte Studie zeigt, dass sich viele Fischereien im Vorfeld einer Zertifizierung und nach erfolgter Zertifizierung verbessern – etwa über gewachsene Bestände oder über eine Reduktion des unerwünschten Beifangs. Diese Erkenntnisse belegen die Rolle des MSC-Programms als wirkungsvollen Mechanismus für eine nachhaltige Verbesserung des weltweiten Fischereisektors.

http://www.presseportal.de/meldung/2237010

Für eine gesunde Nord- und Ostsee: Gemeinsame NGO-Stellungnahme zu Meeresberichten

Für eine gesunde Nord- und Ostsee – BUND legt gemeinsame NGO-Stellungnahme zu Meeresberichten vor

Bremen: Nun ist es offiziell: die deutsche Nord- und Ostsee sind in keinem gesunden Zustand. Dieses Fazit aus den Berichten der Bundesregierung zur Umsetzung der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) überrascht kaum, wenn man die starke Nutzung und Belastung der beiden Meere betrachtet. Daher ist es wichtig, den Schutz der Meeresumwelt gegen die fortschreitende Industrialisierung in den Fokus zu rücken. Denn nur so kann auch das Ziel der Richtlinie erreicht werden: ein „Guter Umweltzustand“ der Nord- und Ostsee bis 2020.

Im ersten Schritt der Umsetzung der MSRL sind die Mitgliedsstaaten nun verpflichtet neben einer Anfangsbewertung der Meere weitere Berichte mit der Beschreibung eines guten Umweltzustands und der Festlegung von Umweltzielen zu erarbeiten und die Öffentlichkeit zu beteiligen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in diesem Rahmen eine von ihm koordinierte und gemeinsam mit weiteren Umweltverbänden (DEEPWAVE, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, NABU, Schutzstation Wattenmeer, WDCS und WWF) erarbeitete Stellungnahme zu diesen vorgelegt.

„Die Berichtsentwürfe zeigen sehr deutlich, dass es im Meeresschutz noch viel zu tun gibt“, analysiert Nadja Ziebarth, Leiterin des BUND-Projektbüros Meeresschutz, „Es muss auf politischer Ebene sowohl in der Fischerei- und Agrarpolitik als auch bei den Belastungen durch die Sand- und Kiesentnahme, Schifffahrt, Öl- und Gasförderung endlich gehandelt werden. Die vorgestellten Berichte gehen zwar in die richtige Richtung, sind allerdings an einigen Stellen auch noch klar zu kritisieren.“

Die Verbände bemängeln in ihrer gemeinsamen Stellungnahme unter anderem, dass die Anfangsbewertung nur eine Aneinanderreihung bereits bekannter Erkenntnisse darstellt. Außerdem fehlen bei der Beschreibung eines guten Umweltzustands Aufgaben- und Zeitpläne. Unklar ist auch, wie die MSRL in andere entscheidende EU-Politikbereiche wie Agrar- oder Fischereipolitik einfließen soll.

Der BUND fordert deshalb:

· Die bekannten Wissenslücken sind zu schließen. Sie dürfen nicht als Vorwand für eine Verzögerung oder sogar ein nicht erreichen von Umweltzielen dienen. Gerade bei Nicht-Wissen, z.B. über die Wirkung einer Chemikalie oder die Zusammenhänge eines Nahrungsnetzes, muss das auch von der MSRL geforderte Vorsorgeprinzip gelten: der Schutz der Meeresumwelt geht vor deren Nutzung.

· Damit die MSRL-Berichte nicht zu einem reinen Papiertiger mutieren, sind die Formulierung konkreter, ambitionierter Ziele mit der Festlegung entsprechender Zeitpläne und Fristen wichtig. Diese spätestens dann notwendig, wenn wirksame Maßnahmenprogramme entwickelt und das Erreichen der Ziele überwacht werden sollen.

· Eine weitreichende Reform insbesondere der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und der gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU.

Die wichtigsten Inhalte und weitere Forderungen der ausführlichen, offiziellen Stellungnahme wurden in einem Positionspapier zusammengefasst.

Dies kann auf der BUND-Internetseite www.bund.net/meer heruntergeladen werden.

Pressekontakt

Nadja Ziebarth, BUND-Meeresschutzexpertin und Leiterin des BUND-Projektbüro Meeresschutz, Tel. 0421/79 00 2-32, Nadja.Ziebarth@bund.net, www.bund.net/meer

Canadian Navy ‚War Games‘ May Be To Blame For Orca’s Death

War games conducted by the Canadian Navy may be to blame for the death of a killer whale that washed ashore on the southern Washington coast in February.

The U.S. National Marine Fisheries Service is investigating the death of the L-pod whale designated L112 — also known both as Sooke and Little Victoria. She was first spotted in January 2009 off the Victoria waterfront.

„This poor little whale didn’t do anything except swim in the wrong area at the wrong time,“ said Ken Balcomb of the Center for Whale Research at Friday Harbor.

Balcomb said the postmortem examination showed the whale did not die of natural causes.

The cause was most likely „a pressure-type trauma, probably from an explosion, a nearby, huge pressure field that almost instantly killed this little whale,“ he said.

Source: http://www.kirotv.com/news/news/war-games-may-be-blame-orcas-death/nMT5m/

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