Viele alte Munitionslasten und Bomben wurden aus dem Meer geborgen. Sie liegen geordnet auf einem Stapel und sind mit einem Spanngurt befestigt. Sie sehen sehr alt aus und sind stark verrostet und verschmutzt

© Heinrich Hirdes GmbH | dpa

Anlässlich der aktuellen Umweltministerkonferenz in Hamburg fordert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zu einer Bergung der Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee auf. Hierbei steht im Vordergrund, dass bei der Bergung der Umwelt nicht geschadet wird und die geborgene Munition anschließend fachgerecht entsorgt wird. Da in der Munition enthaltenden Giftstoffe eine akute Gefahr für Flora und Fauna darstellen, wird zu einer zeitnahen Bergung der Altlasten geraten.

Im August vergangen Jahres wurde bereits ein Teil der Munitionsaltlasten innerhalb des Fehmarnbelts, von der Bundesmarine ausgehend, gesprengt, jedoch ohne zuständige Naturschutzbehörden über das Vorhaben aufzuklären. Die Ausmaßen der durchgeführten Sprengungen erwiesen sich als fatal für Flora und Fauna, speziell für die in der Ostsee heimischen Schweinswale. Inwiefern es sich hierbei um einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz handelt, wird momentan diskutiert.

Um zukünftig verantwortungsvoller und vorausschauender mit der Bergung von Kriegsaltlasten umzugehen, fordert der NABU innerhalb der Konferenz bessere Finanzierungsoptionen und eine optimierte Zusammenarbeit.

NABU-Pressemitteilung vom 13. November 2019:

Hamburg/Berlin – Rund 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee stellen eine lange unterschätzte, gravierende Gefahr für Mensch und Meere dar. Nach über 70 Jahren ist schon ein Teil der Munition erodiert und entlässt zunehmend Giftstoffe, die sich in Meeresflora und -fauna anreichern und über die Nahrungskette den Menschen erreichen.

Anlässlich der am heutigen Mittwoch beginnenden Umweltministerkonferenz in Hamburg (bis 15. November) fordert der NABU Bund und Länder auf, in einem gemeinsamen Bündnis die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, um eine naturverträgliche Bergung der Munitionsaltlasten umzusetzen. Sprengungen zur Altlastenbeseitigung müssen auf unmittelbare Gefahrensituationen begrenzt, technischer Schallschutz zum Schutz von Schweinswalen verbindlich vorgeschrieben werden.

„Wider besseres Wissen und trotz alarmierender Forschungsergebnisse verschließt die Bundesregierung bislang die Augen vor einem immer größer werdenden Problem. Angesichts von Tausenden Tonnen von krebserregendem und erbgutschädigendem TNT, leicht entflammbarem Phosphor und Schwermetallen wie Quecksilber und Kadmium sowie Giftgas-Granaten, die am Grund von Nord- und Ostsee liegen, ist es höchste Zeit auch für eine bundespolitische Verantwortung. Alt-Munition muss zur Chefsache werden“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die technischen Voraussetzungen sind da. Im Rahmen des Programms RoBEMM (Robotisches UnterwasserBergungs- und Entsorgungsverfahren inklusive Technik zur Delaboration von Munition im Meer) wurde ein Emissionen vermeidendes Verfahren zur ungefährlichen Beseitigung von Altmunition aufgebaut. Der Prototyp liegt vor, der in der Lage ist, die Altmunition zu bergen und vor Ort natur- und umweltverträglich zu beseitigen.

[…]

Der NABU appelliert eindringlich an Bund und Länder, endlich auf die Experten zu hören und gemeinsam in Hamburg die Weichen für eine verantwortungsvolle Strategie zum Umgang mit den tödlichen Kriegsaltasten zu stellen. Ein ‚weiter so wie bisher‘ darf keine Option mehr sein.

Hier könnt ihr die gesamte NABU-Pressemitteilungung nachlesen.

Hintergrundinformationen findet ihr beim NABU.

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