Der 6. Runde Tisch Meeresmüll

Der Runde Tisch Meeresmüll (https://muell-im-meer.de/) bringt Vertreter von Umweltschutzorganisationen, Instituten, Industrie und Wirtschaft an einen Tisch und wird vom Niedesächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und dem Umweltbundesamt ausgerichtet.

Die zweitägige Konferenz fand dieses Jahr vom 29. bis 30. August in Hannover statt, wobei see- und landbasierte Einträge behandelt wurden. In diesem Rahmen wurden aktuelle Projekte, Maßnahmen und Vorschläge vorgestellt, diskutiert und bearbeitet. Dabei wurden beispielsweise der Legislativvorschlag der EU Kommision zur Kunststoffstrategie, der Verzicht von Dolly-Ropes oder die Vermeidung des Einsatzes von primären Mikroplastikpartikeln besprochen.

DEEPWAVE hat die Gelegenheit genutzt und zum Thema Substitution von Alltagsgegenständen die BLUE STRAW Kampagne vorgestellt, sowie sich einen Überblick über die politische Situation verschafft.

 

 

Rekordwärme im September hinterlässt Spuren in der Nordsee

Die Meerestemperatur der Deutschen Bucht war mit 19,1° C im September erheblich wärmer als im August (18,4° C) oder Juli (17,4° C). Sie lag um 3,4° C über dem Klimanormalwert. Ursache für die außergewöhnlich hohe Temperatur des Septembers war eine stabile, sonnenscheinreiche Hochdruckwetterlage, welche die durchwachsenen, unbeständigen Wetterbedingungen des Hochsommers ab Mitte August abgelöst hat. „Rekordwärme im September hinterlässt Spuren in der Nordsee“ weiterlesen

Deutschlands Meeresschutz am Ende?

verbaende

Deutschlands Meeresschutz am Ende?

Meeresschutzgebiete: Umweltverbände kritisieren Bundesregierung scharf

Berlin/Hamburg – Im Vorfeld der am morgigen Dienstag stattfindenden öffentlichen Anhörung zu den Schutzgebietsverordnungsvorschlägen für sechs Nord- und Ostseenaturschutzgebiete äußern die deutschen Umweltverbände scharfe Kritik. Mit den Verordnungen sollen die Natura-2000-Gebiete in der deutschen „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ (AWZ) endlich den rechtlichen Status von Naturschutzgebieten erhalten. „Die Entwürfe sind ungenügend, sie lassen die massive Übernutzung der Meere weiterhin zu und ignorieren die naturschutzfachlichen Notwendigkeiten. Vor allem aber werden sie den EU-Verpflichtungen nicht gerecht“, so das Fazit der Umweltverbände NABU, BUND, Deepwave, DNR, DUH, Greenpeace, Schutzstation Wattenmeer, WWF und Whale & Dolphin Conservation in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Es dauerte elf Jahre, bis die Bundesregierung nach Ausweisung der Schutzgebiete im Jahr 2004 die Verordnungsentwürfe in das öffentliche Beteiligungsverfahren gab. Seit Jahren blockieren Streitigkeiten der beteiligten deutschen Ministerien aus den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft, Forschung und Wirtschaft mit dem federführenden Bundesumweltministerium jegliches Vorankommen. Der effektive Schutz von bedrohten Arten und Lebensräumen verbleibt dabei im toten Winkel der Ressortstreitigkeiten. „Bis heute wird in den Schutzgebieten, den wertvollsten Ökosystemen vor unseren Küsten, flächendeckend gefischt, es fahren tausende Schiffe und es finden Rohstoffabbau und militärische Manöver statt. Die deutschen Meeresschutzgebiete gibt es nur auf dem Papier. Und die Ministerien, die die Nutzergruppen vertreten, sorgen dafür, dass es auch so bleibt“, kritisieren die Umweltverbände. Leidtragende sind Meeressäuger, Seevögel oder auch seltene Weichkorallen. Dabei steht es schlecht um die Lebensgemeinschaften in Nord- und Ostsee. Laut nationaler Roter Liste sind fast ein Drittel der untersuchten Arten gefährdet. Grund dafür sind nach eigener Aussage der Bundesregierung die Fischerei, der Kies- und Sandabbau und der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen.

Für den Meeresschutz in der AWZ, dem Seegebiet zwischen zwölf und 200 Seemeilen vor der Küste, ist das Bundesumweltministerium zuständig. Dessen Kompetenz soll durch die neuen Verordnungen stark beschnitten werden, indem sich die Nutzerressorts faktisch ein Vetorecht gegen effektive Schutzmaßnahmen sichern. Die Verantwortung Deutschlands für den Schutz seiner einzigartigen Natura-2000-Gebiete, wie sie die Bundesregierung auch im Koalitionsvertrag verankert hat, scheint vergessen. „Nahezu jedes Ressort fordert Ausnahmen und kaum eine Meeresnutzung soll verboten werden. Erhielt die Bunderegierung jüngst noch viel Zuspruch beim sogenannten EU-Fitnesscheck für ihre aktive Rolle bei der Verteidigung der EU-Umweltrichtlinien, so scheint dies vergessen, wenn es um wirtschaftliche Interessen vor der Haustür geht. Die jetzigen Verordnungsentwürfe kommen einer Aushöhlung des Bundesnaturschutzgesetzes gleich. Die Verordnungen müssen grundsätzlich überarbeitet werden“, so das Fazit der Umweltverbände. So müssten in diesen u.a. auch die völkerrechtlichen Verpflichtungen regionaler Meeresschutzübereinkommen berücksichtigt und für die Meeresnatur gefährliche lärmintensive seismische Untersuchungen oder die Kohlendioxidverpressung verboten werden.

Formal sind 47 Prozent der deutschen Nord- und Ostsee durch das Natura-2000-Netzwerk geschützt. Über 70 Prozent davon befinden sich in Küstengewässern, etwa 30 Prozent in der AWZ. Darunter sind die Schutzgebiete nach EU-Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie zusammengefasst.

Die vollständige Stellungnahme der Umweltverbände finden Sie hier: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/meeresschutz/16-02-22-nabu-stellungnahme_umweltverb__nde-natura2000.pdf

 Für Rückfragen:

NABU: Dr. Kim Detloff, Meeresschutzexperte, Mobil: 0152 09202205, Kim.Detloff@NABU.de

BUND: Dr. Bettina Taylor, BUND-Meeresschutzbüro, Mobil: 0151 56363735, bettina.taylor@bund.net

Deepwave: Dr. Onno Groß, 1. Vorsitzender, Tel. 040 46856262, onnogross@aol.com

DNR: Florian Schöne, Generalsekretär, Tel. 030 678177599, florian.schoene@dnr.de

DUH: Sascha-Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer, Tel. 030 2488867-0, mueller-kraenner@duh.de

Greenpeace Deutschland e.V.: Thilo Maack, Meeresexperte, Mobil: +49 171 8780 841, thilo.maack@greenpeace.de, Michelle Bayona, Pressesprecherin, Mobil: +49 171 8780 830, michelle.bayona@greenpeace.de

Schutzstation Wattenmeer: Katharina Weinberg, Tel. 04841 668544, k.weinberg@schutzstation-wattenmeer.de

WWF: Stephan Lutter, Meeresschutzexperte, Mobil: 0151 1885 4925, stephan.lutter@wwf.de

Whale & Dolphin Conservation: Michaela Harfst, Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 89 6100 2395, michaela.harfst@whales.org

Nord- und Ostsee-Monitoring zeigt hohen Artenreichtum

Nord- und Ostsee ist wichtiges Aufenthalts- und Durchzugsgebiet für bedrohte Meeressäugetiere und gefährdete Seevogelarten

BfN veröffentlicht aktuelle Monitoring-Ergebnisse
Weißschnauzen- und Weißseitendelfine, Papagei- und Atlantiksturmtaucher gesichtet

Die Nord- und Ostsee sind sehr wichtige Aufenthalts- und Durchzugsgebiete für bedrohte Meeressäugetiere und gefährdete Seevogelarten. So das Ergebnis des diesjährigen Monitoring in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee, das das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Rahmen von internationale Abkommen und Richtlinien koordiniert. Mit der langfristigen und systematischen Erfassung und Beobachtung erhält das BfN regelmäßig Informationen über Vorkommen und Verbreitung von Meeressäugetieren und Seevögeln.

Im diesjährigen Erfassungszeitraum wurden wieder bedrohte große Walarten und Delphine, z.B. Weißschnauzen- und Weißseitendelfine, in deutschen Gewässern gesichtet. Neben den typischen Vögeln werden beim Seevogel-Monitoring auch wieder seltene Arten erfasst. So wurden z.B. während eines Schiffssurveys in der Nordsee im Juli 2014 Papageitaucher, Skua und Atlantiksturmtaucher in der Deutschen Bucht und auf der Doggerbank gesichtet. „Das regelmäßige Monitoring der Wirbeltiere liefert uns seit nunmehr sechs Jahren umfangreiche Daten zum Erhaltungszustand der Populationen, zu Verbreitung und Vorkommen sowie Trends und Gefährdungen. Das BfN kann hieraus wichtige Schlussfolgerungen für die Bewertung der zahlreichen Eingriffe in die Meeresumwelt von Nord- und Ostsee ziehen, “ sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Beim Monitoring der Meeressäugetiere stehen vor allem Schweinswale im Fokus der Wissenschaft. Deutliche positive Bestandtrends konnten aktuell noch nicht verzeichnet werden, jedoch ist die Dichte der Schweinswale in der Nordsee noch auf einem beständigen Niveau. Das Schutzgebiet Sylter Außenriff und seine Umgebung sind nach wie vor nordseeweit für die Schweinswale von besonderer Bedeutung für die Paarung und die Aufzucht ihrer Kälber.

Die Ostsee-Schweinswale bleiben allerdings „Sorgenkinder“, wie erhöhte Totfunde und niedrige Bestandszahlen belegen. Ihr Vorkommen in der westlichen Ostsee ist zwar noch vergleichsweise stabil. Rund um Fehmarn werden auch regelmäßig Kälber erfasst. Doch die sehr kleine eigenständige Population der östlichen Schweinswale, östlich vom Darß, ist sehr stark bedroht. Die Tiere sind in dieser Region so selten geworden, dass ihre Erfassung nur mit Hilfe von Unterwassermikrofonen, die die Orientierungslaute der Tiere aufzeichnen, gelingt.

Während der Erfassungssurveys werden auch immer wieder bedrohte große Walarten und Delphine in deutschen Gewässern gesichtet. Zwergwale, aber auch Weißschnauzen- und Weißseitendelfine werden vereinzelt, aber regelmäßig im Rahmen der regulären Säugetiersurveys in den küstenfernen Bereichen der deutschen AWZ geortet. Gerade Zwergwale treten dabei gehäuft im äußersten Bereich des „Entenschnabels“ nordöstlich der Doggerbank auf. Möglicherweise stellen die Doggerbank und ihre Umgebung ein wichtiges Durchzugs- und Nahrungsgebiet für diese bis zu 10m langen Bartenwale dar. Selbst Buckelwale oder Riesenhaie werden gelegentlich in der deutschen Nordsee gesichtet.

Die Ergebnisse des Seevogel-Monitorings zeigen, dass es sehr erhebliche artspezifische Unterschiede im Vorkommen gibt. Viele Arten überwintern in deutschen Meeresgebieten in international bedeutenden Konzentrationen, andere nutzen das offene Meer als Nahrungsgebiet in der Nachbrutzeit. Neben den typischen Vögeln werden auch immer wieder seltene Arten erfasst. So wurden z.B. während eines Schiffssurveys in der Nordsee im Juli 2014 Papageitaucher, Skua und Atlantiksturmtaucher in der Deutschen Bucht und auf der Doggerbank gesichtet.

Hinweis:
Aktuelle Berichte vom Bundesamt für Naturschutz zum Monitoring von Meeressäugetieren (Schweinswale) und Seevögeln in den deutschen Meeren können unter www.bfn.de/0314_monitoringberichte.html heruntergeladen werden.

Quelle: https://www.bfn.de/presse/pressearchiv/2014/detailseite.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=5261&cHash=c19871f71f83c71d7442711b0e9f6f2b

Meeresschutzgebiete haben ökologischen und fischereilichen Nutzen

Meeresschutzgebiete haben ökologischen und fischereilichen Nutzen

Neue Studie belegt positive Effekte von Meeresschutzgebieten auf marine Lebensvielfalt und kommerzielle Fischbestände

Bonn/Vilm, 14.10.2014: Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat eine neue Studie „Ökologischer und ökonomischer Nutzen fischereilicher Regulierungen in Meeresschutzgebieten“ vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen die hohe Bedeutung von Meeresschutzgebieten mit entsprechenden Maßnahmen zur Regulierungen der Fischerei auf.

„Diese verbessern den Zustand der Meeresökosysteme nachhaltig und helfen somit auch die kommerziell genutzten Fischbestände wieder aufzubauen. So nehmen die Vielfalt und Vorkommen der Arten aber auch die Biomasse und Dichte in marinen Schutzgebieten nachweislich zu. Gleichzeitig bringen Schutzgebiete eine Reihe von ökonomischen Vorteilen für die Fischerei mit sich. Zum Beispiel eine stabilere Nachwuchsproduktion und widerstandsfähigere Populationen mit älteren und größeren Fischen. Letztlich kann so gerade auch die kommerzielle Fischerei von Meeresschutzgebieten profitieren“, erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes zum ökosystemgerechten Fischereimanagement haben Autoren des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel im Auftrag des BfN eine Auswertung aktueller wissenschaftlicher Studien zum Nutzen von Meeresschutzgebieten vorgenommen.

Derzeit ist die Fischerei eine der menschlichen Nutzungsformen, die sich besonders negativ auf Arten und Lebensräume im Meer auswirkt. Dies betrifft auch die europäischen Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee, deren Schutzziele mit den vorherrschenden Fangmethoden in Konflikt stehen. Zahlreiche Studien und auch mehrere AWZ-Forschungsprojekte des BfN zeigen, dass die Grundschleppnetzfischerei in starkem Maße die Biotope und Arten am Meeresboden schädigt. Eine besondere Gefährdung von Seevögeln und Schweinswalen geht von Stellnetzen aus, in deren Maschen sich die Tiere verfangen und ertrinken.

Die neue Studie ist insbesondere vor dem Hintergrund von Bedeutung, dass bislang in den Schutzgebieten der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee noch keine Regelungen der Fischerei existieren. Die Ergebnisse der nun vorliegenden Studie untermauern, wie wichtig Maßnahmen zum Fischereimanagement in allen Natura 2000-Gebieten der deutschen Nord- und Ostsee sind.

Hinweis:
Die Studie liegt als 36seitige Broschüre in gedruckter Form vor, zu bestellen beim Bundesamt für Naturschutz, Fachgebiet Meeres- und Küstennaturschutz, Insel Vilm, 18581 Putbus, und als barrierefreies PDF.
Download ab sofort unter www.bfn.de/0314_meeres-kuesten_naturschutz.html