Eine Gruppe von vier Orcas mit einem Orca im Vordergrund schwimmt im blauen Meer an der Wasseroberfläche

© NOAA / Unsplash

Das Beutespektrum von Orcas ist groß. Sie jagen Pinguine, Robben, Schwarmfische und sogar Haie. Der Mensch taucht unter diesen Schwertwalleckerbissen nicht auf. In Spanien ist man jetzt allerdings in Alarmbereitschaft, weil Orcas immer wieder Boote gerammt und beschädigt haben. Wissenschaftler:innen sind diese Orca-Angriffe ein Rätsel.

Die vermeintlichen Angreifer werden durch den Menschen vielfach bedroht. Orcas stehen ganz oben in der Nahrungskette und sind somit stark von der Schadstoff- und Müllverschmutzung betroffen. Giftstoffe gelangen durch falsche Entsorgung ins Meer und reichern sich im Körper der Tiere an. Plastikteile werden mit Nahrung verwechselt und verschluckt oder durch andere Lebewesen, die bereits Plastik im Organismus haben, konsumiert. Die Ortung von echter Nahrung wird außerdem durch Schiffslärm gestört.

Viele werden bei diesen Vorfällen an die bildstarken Beschreibungen genau solcher Angriffe aus dem Roman „Der Schwarm“ von Frank Schätzing erinnert. Versuchen sich die Orcas mit ihren Kollisionen Gehör zu verschaffen?

Spiegel Online, 13.09.2020

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Schwertwale tragen einen martialischen klingenden Spitznamen. Wegen ihrer Jagdtechnik, die so raffiniert wie brutal wirkt, haben Fischer den Tieren einst den Spitznamen Killerwal verpasst. Und ja: Wenn Gruppen von Orcinus orca, oder kurz Orca, Robben zerfleischen, dann fließt Blut. Auf Menschen haben es die bis zu zehn Meter langen Tiere nahezu nie abgesehen – nur wenigen Attacken sind dokumentiert.

Umso überraschter sind Wissenschaftler von dem, was gerade vor der spanischen Küste passiert. Dort rammen die Tiere offenbar seit einiger Zeit gezielt Schiffe. An der Atlantikküste verloren zwei Boote einen Teil ihrer Ruder, mindestens ein Besatzungsmitglied erlitt durch die Auswirkungen der Kollision Blutergüsse und mehrere Boote wurden beschädigt.

Bereits Ende August hatte die spanische Jacht „Mirfak“ vor der Küste von Galizien nach einem Vorstoß von Schwertwalen einen Ruderschaden. Der Vorfall wurde von der Crew gefilmt. Der Clip zeigt, wie die Tiere neben dem Boot schwimmen und drunter durchtauchen. Dann bemerken die Segler, dass die Steuerung der Jacht nicht mehr funktioniert. Der Vorfall ereignete sich etwa zwei Seemeilen vor der Küste, als das Schiff auf dem Weg zu einer Regatta war und unter Motor fuhr.

Einen ähnlichen Vorfall meldete ein Schiff unter französischer Flagge der Küstenwache per Funk. Am Freitag wurde ein etwa elf Meter langes Sportboot der Firma Halcyon Jachts angegriffen, das auf dem Weg nach Großbritannien war. Ein Orca soll mindestens 15 Mal das Heck des Boots gerammt haben. Das Boot musste schließlich manövrierunfähig in den Hafen geschleppt werden. Auch weitere ähnliche Vorfälle wurden bekannt.

Die spanische Seenotrettungsorganisation Salvamento Marítimo hat vor Begegnungen mit den Tieren gewarnt und darum gebeten, Abstand zu halten. Das scheint aber nicht so einfach zu sein, da die Tiere den Booten teils folgen und überraschend auftauchen.

Forscher beobachten das Verhalten der Schwertwale mit Sorge und haben bisher keine Erklärung für die Attacken. Orcas gelten zwar als neugierig, sie folgen Schiffen oft und tauchen unter ihnen hindurch. Auch Segelunfälle bei Kollisionen mit Walen hat es schon häufiger gegeben. Aber dass die Tiere derart aggressiv agieren, sei ungewöhnlich. Um Zufälle scheint es sich nicht zu handeln.

Ruth Esteban, eine Meeresforscherin, die Orca-Gruppen in der Straße von Gibraltar untersucht hat, vermutet laut einem Medienbericht, dass alle Tiere aus derselben Gruppe stammen könnten. Möglicherweise stehen die Tiere in dem Verbund unter Stress und verhalten sich deshalb so.

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Beim Spiegel findet ihr den zugehörigen Artikel.

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