Tonny Nowshin sitzt in einem Kanu bei der Protestaktion gegen das neue Kohlekraftwerk Datteln 4

© Momo

Tonny Nowshin ist Klimaaktivistin. Regelmäßig ist sie Teil von Aktionen, die der Welt und der Klimakrise eine Stimme geben sollen. Zusätzlich muss sie jetzt noch sich selbst Gehör verschaffen, um gegen das Rassismusproblem in der Klimabewegung anzukämpfen. In ihrem Text erzählt sie von ihren Erlebnissen mit Fridays for Future und Greenpeace und der Ablehnung, die sie dort wegen ihrer Hautfarbe erfahren hat. Das, was sie erlebt hat und immer noch erlebt, ist leider kein Einzelfall. Tonny will auf die ungerechte Behandlung von “People of Colour” in der Klimabewegung aufmerksam machen, denn sie alle haben dasselbe Ziel: eine gerechte Welt, in der auf Mitmenschen und die Umwelt Rücksicht genommen wird.

Klimareporter, 17.06.2020, Tonny Nowshin

Ich wurde auf einem Pressefoto mit Luisa Neubauer und anderen weißen Klimaaktivistinnen unsichtbar gemacht. Vor kaum einem halben Jahr ist der ugandischen Klimaaktivistin Vanessa Nakate mehr oder weniger dasselbe passiert. Der Unterschied: Diesmal waren Menschen aus der Klimabewegung verantwortlich. Menschen, die ich Kolleg:innen und Freund:innen nenne.

Als ich in der Klimabewegung aktiv wurde, hätte ich nicht gedacht, dass ich ständig über Rassismus sprechen würde. Immer und immer wieder. Mussten Menschen, die gegen eine Art der Ungerechtigkeit kämpfen, nicht ganz natürlich auch ein Gefühl für andere Unterdrückung entwickeln und schnell darauf reagieren? In meiner naiven Welt stand das fest. Ich habe aber gelernt, dass die Welt viel komplizierter ist als diese rationale Denkweise.

Nach den weltweiten Black-Lives-Matter-Protesten, die durch den Mord an George Floyd ausgelöst wurden, brauchte Fridays for Future Deutschland mehr als eine Woche für eine Solidaritätsbekundung in den sozialen Medien.

Und nicht nur, dass es so lange gedauert hat. Fridays for Future likte zwischenzeitlich auch einen Kommentar bei Instagram, in dem die Darmstädter Ortsgruppe allen Ernstes dafür kritisiert wurde, sich gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus auszusprechen.

All das war beschämend für mich als Woman of Color mit einer starken Verbindung zur Anti-Rassismus-Bewegung. Schließlich ist das meine Klimabewegung! Sie zu verteidigen, fällt mir angesichts der Vorkommnisse nicht gerade leichter.

Vor dem Verteidigen nach außen musste ich aber auch im Inneren der Klimabewegung für mich selbst und die Repräsentation von People of Color kämpfen.

Eine besonders rassistische Situation hat die Ereignisse der vergangenen Wochen für mich noch schwerer gemacht. Ich habe am 20. Mai an den Protesten gegen das neue Kohlekraftwerk Datteln 4 teilgenommen, gemeinsam mit anderen Aktivistinnen verschiedener Organisationen. Auch Greenpeace Deutschland war dabei.

Danach veröffentlichte Greenpeace Fotos der Aktion auf Twitter. Alle, die dabei waren, waren abgebildet. Nur ich nicht. In einer Szene hatte ich sogar direkt neben Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer gestanden – aber das Foto hörte neben ihr auf. Ich war lediglich getaggt.

[…]

Den vollständigen Beitrag von Tonny findet ihr beim Klimareporter.

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