Der Kreidesee von oben

© Anna Mandel / DEEPWAVE

Am Kreidesee zu stehen und nicht zu tauchen ist wie – Meeresschutz.

Hier war einmal eine große Zementfabrik, die ein immer tieferes Loch in die Gegend grub. Und diese Grube ist jetzt der See, in dem es steil nach unten geht, das Wasser klar und von einem betörenden Türkis.
Angefüllt mit einer Unterwasserwelt nur für Taucher:innen.

Die Dinge da unten, die sie ertauchen, die sehe ich nicht, wenn ich am Ufer stehe. Was die Meere und ihren Schutz angeht, stehen wir alle am Ufer und versuchen zu sehen, was wir nicht sehen.

Am Kreidesee finden jedes Jahr die Experience Days statt, das europaweit größte Treffen der Apnoeszene, ausgerichtet vom @apnea_college , und wir waren wieder eingeladen, dabei zu sein.

Mitten unter ca. 150 Freitaucher:innen, die drei Tage lang ihre Skills verfeinern, tauchen, tauchen, tauchen und feiern…

Stellt euch vor, ihr seid mit 150 Menschen zusammen auf einer großen Wiese an einem See, draußen, barfuß, die meisten meistens in ihren Neoprenanzügen, Menschen, die mal eben 60 m tief tauchen, die sieben Minuten die Luft anhalten können, die ihren Puls auf 34 Schläge runterfahren wie andere blinzeln …

Menschen, die sozusagen unter Wasser meditieren und die sich anders als wir auf unseren Meditationskissen nicht erlauben können, mal eben abzuschweifen, wenn sie da auf 45 m unten sind.

Und jetzt stellt euch vor, ihr sitzt in eurem NGO Pavillon, die Ausrichter haben euch und euren supernetten Kolleg:innen von @stopfinningde fette Preise zur Verfügung gestellt, die ihr verlosen könnt, also macht ihr eine Art Quiz, bei dem es darum geht, nachher mehr zu wissen als vorher. Und jetzt stellt euch vor, dass diese Taucher:innen, gerade aus dem Wasser gestiegen, noch nass, gar nicht mehr aufhören, euch Fragen zu stellen. Euch Löcher in den Bauch fragen, wenn ihr die Bedrohung durch den Tiefseebergbau auseinanderdröselt, wenn ihr mit Kreide die Ozeanversauerung erklärt, mit toxischer Mikroplastik und Bottom Trawling aufwartet … und jetzt stellt euch vor, dass euch dafür gedankt wird, dass man so viel lernt bei euch und jemand sagt: „Wow, was für eine gute Stimmung hier! Hier erfährt man echt, was wir tun können!“

Danke für diese Tage!

Dieser Beitrag und unsere anderen Reflexionen stammen ursprünglich von unserem Instagram Kanal @deepwave_ocean_org.

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