Welche Trinkhalm Alternative ist die Beste?

Der Strohhalm, oder korrekter: der Plastiktrinkhalm, ist zum internationalen Symbol der Ozeanverschmutzung geworden. Wir alle kennen die Bilder von quallvoll leidenden Schildkröten mit Trinkhalmen in der Nase. Doch …

Also, welche Alternativen gibt es nun?

0. No Straw

0. No Straw

Die wohl beste Alternative zum Plastiktrinkhalm ist – einfach keinen zu verwenden. Warum? Naja, kein einziges Alternativprodukt kommt auch nur annähernd an den Preis von kostenlos, den CO2 Ausstoß von 0 Tonnen, dem Verbrauch der Ressource Leere, oder der Verschmutzung durch nichts, heran. Außerdem ist der „No Straw“:

kompostierbar

recyclebar

wiederverwendbar

für Heiß- und Kaltgetränke

einfach zu reinigen

Fazit

Doch wenn es so einfach wäre, würde es diese Vergleichstabelle nicht geben. Zwar ist der Verzicht auf einen Trinkhalm in 99,99% aller Situationen die beste Wahl, doch für manche Bevölkerungsgruppen und in manchen Situationen ist sie einfach: unzumutbar. Für einige unter uns ist der Trinkhalm ein Symbol der Freiheit. Nicht durch freizügige Partys, sondern durch das Gefühl überhaupt selbstständig trinken zu können. Sich ohne auf Hilfe angewiesen zu sein, am Leben zu halten.

Diese lebenspendende Rettung zu verdammen führt nicht weiter. Doch gleichzeitig ist sie keine Ausrede bei dem Status Quo zu bleiben. Viele auf Trinkhalme angewiesene Menschen wünschen sich selbst umweltschonendere Alternativen. Und hier können wir helfen. Durch unsere Nachfrage und klare Anforderung an die Industrie können wir die menschliche Innovationskraft in eine neue Richtung lenken. Eine,  die eine breite Palette lebensrettender Single-Use Items hervorbringt. Für alle Bewohner an Land und Lebewesen im Meer.

Vergleichstabelle

1. Maccheroni

1. Nudeln als Favorit – Maccheroni

Nudeln als Strohhalm? Bitte?

Als Einwegalternative ist der „Nudel“halm tatsächlich eine überraschend gute Wahl. Man kriegt ihn an jeder Ecke, er gibt ertsaunlicherweise keinen Geschmack ab und welches Kind kann schon „Nein!“ zu Nudeln sagen?

kompostierbar

nicht recyclebar

nicht wiederverwendbar

nur für Kaltgetränke

nicht zu reinigen

Fazit

Nudeln als Strohhalm zu verwenden klingt erstmal seltsam, doch genauer hingeschaut, bieten sie den wohl schnellsten Weg aus der Abhängigkeit von Einwegplastikproduzenten. Denn als einzige Alternative sind die Infrastruktur für Anbau und Vertrieb bereits vorhanden, und so könnten alleine Maccheroni bereits jetzt den heutigen Bedarf an Trinkhalmen decken.

Doch auch wenn Hartweizennudeln (Tipp: je höher der Hartweizenanteil, desto besser die Standfestigkeit in Flüssigkeiten) uns von Einwegplastik lösen könnten, so erlösen sie uns nicht von unserer Einwegmentalität. Und tragen so zur Lebensmittelveschwendung bei, selbst wenn man auf regionalen und biologischen Anbau achtet (was wir natürlich empfehlen).

2. Stroh

2. Zurück zum Ursprung – Stroh

Und wie sieht es mit dem Wortursprung des „Strohhalms“ aus, dem Stroh? Traditionelle Trinkhalme aus Stroh gibt es inzwischen auch wieder zu erwerben. Interessanterweise sind diese nicht aus industriell angebautem Stroh, denn im Laufe der Zeit haben wir unser Getreide immer kürzer und kürzer gezüchtet. Und so müssen für die Herstellung von langen Strohhalmen wieder ältere Arten, meistens Ur-Roggen, angebaut werden.

kompostierbar

nicht recyclebar

nicht wiederverwendbar

nur für Kaltgetränke

nicht zu reinigen

Fazit

Grundsätzlich ist der Anbau älterer Getreidesorten eine extrem wichtige Maßnahme im Kampf gegen Artensterben und ein wichtiger Bestandteil der Klimawandelanpassung. Daher befürworten wir den Anbau von Ur-Roggen, und damit auch die Herstellung von Strohstrohhalmen (auch weil wir dieses Wort lieben). Denn im Gegensatz zur Nudel ist der Strohstrohhalm (nochmal!) ein Up-Cycling Produkt, also eine Nutzung von dem was eigentlich als Müll betrachtet wird, und somit das Gegenteil von Lebensmittelverschwendung.

Doch der Anbau neuer Arten braucht Zeit, Erfahrung und den Willen. Und da das ungereinigte Naturprodukt aus gesundheitlichen Gründen unbedingt Bio sein sollte, wird Stroh immer eine hochwertige Wahl darstellen. Somit ist es allerdings auch unwahrscheinlich, dass Stroh im großen Comeback den Plastiktrinkhalm verdrängen wird.

3. Biokunststoff

3. Biokunststoff – aus der oder für die Natur?

Das Problem mit Biokunststoffen aller Art ist erstmal der Begriff. Ist Bioplastik nun biologisch abbaubar oder einfach nicht aus Erdöl, oder beides? Alles in allem ziemlich verwirrend. Grob gibt es zwei große, teils sich widersprechende Definitionen:

A. Biokunststoff, besser bio-basierend: nicht aus fossilem Kohlenstoff gemacht.

Wie in „aus der Biologie kommend“ (was ganz streng genommen auch für Erdgas- und öl gilt). Dabei unterscheidet man, je nach Ursprung, zwischen den Generationen

  1. aus Esspflanzen (was auch Genmais aus Monokulturen sein kann, „Bio“ hat hier also nichts mit biologischem Anbau zu tun [was definitiv nicht zur Verwirrung beiträgt])
  2. aus organischem Abfall
  3. aus Algen oder Seegras (auch Blue Bioplastic genannt)
  4. aus CO2 selbst (gewonnen zum Beispiel durch Direct-Carbon-Capture).
B. biologisch abbaubarer oder kompostierbarer Kunststoff: kann die Natur, ohne oder mit menschlichem Zutun, abbauen.

Hier wird nochmal unterschieden zwischen:

  1. biologisch abbaubarer Kunststoff, also jener, der irgendeinem Lebewesen als Nahrung dienen und somit wieder dem Kreislauf der Natur zurückgeführt werden kann.
  2. heimkompostierbarer Kunststoff, zwar theoretisch biologisch abbaubar, aber nur unter den Bedingungen eines vom Menschen errichteten Kompost, im heimischen Garten, oder:
  3. industriell kompostierbarer Kunststoff, nur unter sehr speziellen Bedingungen (in Industrieanlagen) zu Kompost werdende Kunststoffe.

 

 

theoretisch kompostierbar
– aber praktisch nicht!

nicht recyclebar

nur im privaten Gebrauch wiederverwendbar

für Heiß- (je nach Hersteller bis 45°C oder 95°C) und Kaltgetränke

nur im privaten Gebrauch
zu reinigen

Fazit

Eigentlich könnte Biokunststoff den perfekten Trinkhalm ermöglichen. Aus nachwachsenden Rohstoffen – hey, warum nicht gleich direkt aus CO2 (davon haben wir eh zuviel) -, vollständig recyclebar und somit Wegbereiter für unsere Kreislaufwirtschaft, aber dann doch rasch biologisch abbaubar (falls mal was verloren geht). Ressourcenschonend, Klimaschonend, Naturschonend. Ideal.

Leider sind wir noch ein gutes Stück davon entfernt, solch einen Trinkhalm herzustellen. Und verwirrende Begrifflichkeiten, Konsumententäuschung, sowie Greenwashing, tragen auch nicht gerade dazu bei uns schneller ans Ziel zu bringen.

4. Papier

4. Papier

Wenn es noch so weit zum idealen Biokunststoff ist, gibt es vielleicht eine industriell gefertigten Alternative für die Zwischenzeit. Ja, den Papierstrohhalm.

meistens nicht kompostierbar – nur bei lebensmittelechtem Klebstoff

nicht recyclebar

nicht wiederverwendbar

nur für Kaltgetränke

nicht zu reinigen

Fazit

Leider ist der Papierstrohhalm in zu vielen Fällen eine zu große Mogelpackung, als das wir ihn empfehlen könnten. Denn wie jeder weiß, Papier löst sich in Wasser auf. Die Lösung, den Papierhalm einfach mit viel Kleber und Beschichtung zu schützen, führt zu einem Albtraum für die Kreislaufwirtschaft. Sowohl Plastik, als auch das Papier werden somit zu wirklichen Einwegprodukten.

5. Bambus

5. Bambus – endlich nicht mehr Einweg?

Bis jetzt waren all unsere Alternativen ein Ersatz für den Einweghalm – aber immer noch Einweg. Könnte man nicht darüber hinaus denken, und einen wiederverwendbaren Halm schaffen, zum Beispiel aus Bambus?

kompostierbar – aber nur durch sehr langsame Verrottung

nicht recyclebar

im privaten Gebrauch
wiederverwendbar

nur für Kaltgetränke

nicht rückstandslos zu reinigen

Fazit

Der Grundgedanke eines wiederverwendbaren Trinkhalms ist an sich der richtige Weg (vorausgesetzt natürlich, dass man diesen auch häufig genug nutzt, um den Ressourcenaufwand zu rechtfertigen). Allerdings ist Bambus hierfür nicht die ideale Wahl. Durch die poröse Innenoberfläche saugt das Material nicht nur Rückstände auf, sondern auch Keime. Daher sind Bambusstrohhalme auch in der Gastronomie verboten. Hinzu kommt noch der hohe ökologische Fußabdruck durch den Transport aus China.

6. Glas

6. Glas

Wir trinken ja eh fast alles aus Gläsern. Glasflaschen, Weingläser, Trinkgläser, warum nicht auch Glashalme?

nicht kompostierbar

nur über Spezialentsorgung recyclebar –
kein Altglas!

wiederverwendbar

für Heiß- (Achtung evtl. Verbrennungsgefahr!) und Kaltgetränke

mit Spezialbürsten / Spülmaschine
zu reinigen

Fazit

Als wiederverwendbare Alternative ist bruchsicheres Glas eine gute Wahl. D

7. Metall

7. Metall

Nudeln als Strohhalm? Bitte?

Jap, tatsächlich schneidet die klassische italienische Hartweizen sehr gut ab und ist nur zu empfehlen.

nicht kompostierbar

recyclebar

wiederverwendbar

nur für Kaltgetränke –
Verbrennungsgefahr bei Heißgetränken!

mit Spezialbürsten / Spülmaschine
zu reinigen

Fazit

Doch wenn es so einfach wäre, würde es diese Vergleichstabelle nicht geben. Zwar ist der Verzicht auf einen Trinkhalm in 99,99% aller Situationen die beste Wahl, doch für manche Bevölkerungsgruppen und in manchen Situationen ist sie einfach: unzumutbar. Für einige unter uns ist der Trinkhalm ein Symbol der Freiheit. Nicht durch freizügige Partys, sondern durch das Gefühl überhaupt selbstständig trinken zu können. Sich ohne auf Hilfe angewiesen zu sein, am Leben zu halten.

Diese lebenspendende Rettung zu verdammen führt nicht weiter. Doch gleichzeitig ist sie keine Ausrede bei dem Status Quo zu bleiben. Viele auf Trinkhalme angewiesene Menschen wünschen sich selbst umweltschonendere Alternativen. Und hier können wir helfen. Durch unsere Nachfrage und klare Anforderung an die Industrie können wir die menschliche Innovationskraft in eine neue Richtung lenken. Eine,  die eine breite Palette lebensrettender Single-Use Items hervorbringt. Für alle Bewohner an Land und Lebewesen im Meer.

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