Politik

Um die systematische Zerstörung der Ozeane zu verhindern, müssen wir uns gemeinsam dafür entscheiden.
Jeder für sich und alle zusammen als Teil von Politik und Wirtschaft.

BP: Die Abrechnung beginnt

BP: Die Abrechnung

http://taz.de/digitaz/2010/08/10/a0088.nf/text

ÖLPEST Der Mineralölkonzern BP hat nach eigenen Angaben für die Schäden am Golf von Mexiko bislang 4,6 Milliarden Euro gezahlt. Das reicht bei Weitem nicht aus, die sozialen und ökologischen Probleme zu beheben. Viele Betroffene warten verzweifelt auf Hilfe – und Wissenschaftler fürchten die Wirkung des eingesetzten Bindemittels Corexit. Die Bilanz einer anhaltenden Katastrophe

Eine einzige Katastrophe

BRITISH PETROLEUM Die Fischer: arbeitslos. Die Umwelt: verseucht. Die US-Regierung: abhängig von BP. Die Öllobby ist der einzige Gewinner

AUS WASHINGTON DOROTHEA HAHN

Krabbenfischer Acy Cooper hat eine mit Öl gefüllte Flasche zu der Versammlung in Venice im Mississippidelta mitgebracht. Das Öl hat er letzte Woche in dem benachbarten Feuchtgebiet eingesammelt. In seinen früheren Fischgründen. Der aus Washington zu der Versammlung mit Betroffenen angereiste Golfküstenbeauftragte Ray Mabus soll sehen, dass die schwarze Pest noch keineswegs vorbei ist.

In den Monaten zuvor hat der Mineralölkonzern BP die Boote von 2.800 Fischern gechartert, um die Armada von insgesamt 5.050 Rettungsbooten im Golf von Mexiko zu verstärken. Seit vergangener Woche sind nur noch etwas mehr als die Hälfte der gecharterten Fischerboote im Einsatz. Acy Cooper ist einer von denen, die BP nicht mehr zu brauchen meint. Er soll wieder fischen. Aber Cooper fürchtet, dass das Öl seine Netze zerstört. Und dass seine Krabben die Verbraucher krank machen könnte.

Die Küstenanwohner von Louisiana, dem am stärksten von der Katastrophe betroffenen Golfstaat, wo das Öl auf 610 Kilometer Küste geschwappt ist, fürchten in diesen Tagen noch stärker um ihre Zukunft als in den Wochen zuvor. Und auch in den Nachbarbundesstaaten Mississippi, Alabama und Florida erleben die Menschen, dass BP am Telefon nicht mehr auf Schadenersatzforderungen reagiert. Dass immer weniger Räumungsarbeiter an den Stränden und in den Häfen sind. Dass die Ü-Wagen der großen Fernsehsender abreisen. Und dass sie allein zurückbleiben: mit dem Öl; mit ihrer Arbeitslosigkeit; mit ihren Häusern, für die sie die Raten nicht mehr zahlen können; und mit der schweren Seele von Leuten, die nicht wissen, wie ihre Zukunft aussieht. „Kümmert euch um uns“, fleht der vietnamesische Fischer Phuong Nguyen aus Louisiana bei der Versammlung den Politiker aus Washington an: „Hier wird es Elend geben, Scheidungen und Selbstmorde.“

Der Mineralölkonzern BP verbreitet seit dem 15. Juli positive Nachrichten. Auf der wegen der Ölkatastrophe geschaffenen Homepage mit dem gelb-grünen Logo des Konzerns taucht jetzt das Wort „Erfolg“ auf. Die Rede ist auch von „Zukunft“ und „ökologischer Instandsetzung“.

Am 87. Tag nach der Explosion der Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ ist es gelungen, das Loch in 1.500 Meter Tiefe provisorisch zu stopfen. Seither strömt kein neues Rohöl mehr in eines der artenreichsten Gewässer der Welt. Und seitdem ist der provisorische Deckel am Meeresboden fest zementiert. In dieser Woche – voraussichtlich bis Freitag oder Samstag – soll eine Ersatzbohrung bis zu der Ölquelle im Macondo-Graben getrieben werden. Von dort aus will BP die Quelle von unten mit Zement und Schlamm versiegeln. Falls das gelingt, ist auch der bislang noch skeptische Admiral Thad Allen von der Küstenwache, der die Rettungsarbeiten auf staatlicher Seite beaufsichtigt, bereit, von einem „Erfolg der ersten Phase“ zu sprechen.

Doch von Washington aus hat der oberste US-Amerikaner bereits Entwarnung gegeben. Schon am 106. Tag der Katastrophe erklärte Barack Obama, das Loch sei versiegelt. Der US-Präsident hat viel unternommen, um sich im Umgang mit der „größten Umweltkatastrophe der US-Geschichte“ von seinem Amtsvorgänger abzusetzen. George W. Bush hatte im Sommer 2005 zu lange gebraucht, bis er sich um die Opfer des Hurrikans „Katrina“ interessierte. Obama dagegen ist sofort in die Golfstaaten gereist. Er hat mit BP-Verantwortlichen, Lokalpolitikern und Wissenschaftlern konferiert. Und er hat öffentlich sowohl gegen die „britische“ Gesellschaft gewettert als auch – lange vor dessen Absetzung – erklärt, er würde jemanden, der so „unfähig“ sei wie BP-Chef Tony Hayward, „feuern“. Kurz vor Obamas Entwarnung veröffentlichte auch das Nationale Ozeaninstitut (NOAA) eine Studie, die sich gegenüber vorherigen Befürchtungen harmlos ausnimmt. Danach ist eine große Menge des Öls im Golf von Mexiko „verschwunden“. Das meiste Öl sei „verdunstet“ oder habe sich „verdünnt“ oder „abgesenkt“. Zudem sei Öl an der Meeresoberfläche abgefackelt oder eingesammelt worden. Nur 26 Prozent der ausgeströmten Ölmenge seien jetzt noch aktiv.

Auch die Umweltberaterin von Präsident Obama, Carol Browner, kommentierte, dass „Mutter Natur“ einen großen Teil der Arbeit erledigt habe. Tatsächlich scheint der größte Reinigungseinsatz der US-Geschichte, in dem neben der Armada von Schiffen und Flugzeugen zeitweise mehr als 30.000 Reinigungsarbeiter an Land, zu See und in der Luft tätig waren, nur relativ wenig ausgerichtet zu haben. Den größten Teil der bisherigen Arbeit haben die Selbstreinigungskräfte des Golfs getan. Vor allem Bakterien, die in dem warmen Wasser leben, in das aus dem stellenweise porösen Seeboden schon immer kleine Mengen Öl gesickert sind. Einflussreich waren auch die starken Strömungen, die den Dreck aus dem Golf im Atlantik verteilen. Der Golfstrom, in den der Mississippi einen großen Teil des Industrie- und Landwirtschaftsmülls aus den USA einleitet, ist „stressfähig“ und „belastbar“, sagten die Meeresbiologen lange vor dieser Ölkatastrophe.

Dennoch sagten unabhängige Wissenschaftler, die weder im Dienst von BP noch des NOAA stehen, es gebe keinen Grund zur Entwarnung. Sie argumentieren, dass 26 Prozent der Rohölmenge aus der „Deepwater Horizon“-Quelle immer fünfmal so viel Öl ist, wie 1989 vor Alaska aus der „Exxon Valdez“ ausgelaufen war. Und sie erklären, dass das Bindemittel Corexit, das BP und die US-Küstenwache im Golf in nie zuvor da gewesenen Mengen eingesetzt haben, das langfristige Umweltproblem eher verschlimmere. 1.457 Millionen Liter des Mittels, das das Öl bindet und in kleinen Portionen absenkt, sind in den Golf von Mexiko gesprüht worden. Die wissenschaftliche Kritik konzentriert sich vor allem auf jenen Teil des Corexit (mehr als ein Drittel der verwendeten Menge), der in 1.500 Meter Tiefe, direkt an der Austrittsstelle des Rohöls, eingeleitet wurde. Es ist umstritten, wie stark toxisch der Cocktail aus Rohöl und Corexit auf Lebewesen und Pflanzen wirkt. Aber es ist völlig unklar, welche Art von Reaktionen die Verbindung der beiden Chemikalien in der Kälte am Meeresboden verursacht.

Auch in der US-Umweltbehörde (EPA), die den Einsatz von Corexit bewilligt hat, ist das Bindemittel umstritten. Die EPA-internen Kritiker befürchten Langzeitauswirkungen auf Schalentiere im Golf, deren Verzehr die Gesundheit der US-Amerikaner gefährden könnte. Ein Vorwurf an die Umweltbehörde EPA lautet, dass sie nicht auf die Einhaltung ihrer Empfehlungen an BP bestanden habe. Ende Mai entschied die EPA, den Corexit-Einsatz radikal zu reduzieren. Doch der Mineralölkonzern versprühte weiter Corexit.

Bei der Explosion vom 20. April kamen elf BP-Arbeiter ums Leben. Als Zweites erlebte die Öffentlichkeit, dass die Mineralölbranche, die Hightechmethoden entwickelt hat, um Öl aus immer größerer Tiefe und immer weiterer Entfernung vom Festland zu fördern, nichts vorgesehen hatte, um auf einen Unfall zu reagieren. Als Drittes zeigte sich eine ungeahnte Schwäche des mächtigsten Staates der Welt gegenüber einem großen Mineralölkonzern. BP ignorierte in den Wochen und Monaten vor der Katastrophe zahlreiche Warnungen auf der Ölbohrplattform, aber BP ist nach der Explosion Hauptakteur im Golf geblieben. Anders als die staatlichen Stellen verfügt BP über das Know-how, das Personal, das Material und die finanziellen Mittel, um die Reinigungsarbeiten zu organisieren. Die US-Spitze folgte BP, auch als der Konzern die Öffentlichkeit täuschte. In den ersten Monaten nach der Katastrophe machte sich die US-Regierung auch die Angaben aus der BP-Zentrale zu eigen, die den Ölaustritt extrem verharmlosten. Sichtbar wurde auch, wie weit die Korruption geht. Die Mineralölbehörde (MMS), die die Aufgabe hatte, die Bohrungen zu überwachen und die Tantiemen von den Ölkonzernen einzutreiben, steckte mit BP unter einer Decke. Es gab in der MMS schon erste Entlassungen. Und die Institution ist aufgespalten worden. Eine weitere Schwäche der US-Regierung war ihre Loyalität gegenüber der Ölindustrie. Erst wenige Wochen vor der Katastrophe hatte Obama der Ausweitung von Tiefseebohrungen zugestimmt. Sein Ziel war es, damit die Unterstützung der oppositionellen Republikaner zu seinem neuen Klimagesetz zu bekommen.

Doch die Explosion der „Deepwater Horizon“ hat auch die neue Klimapolitik mit in die Tiefe gerissen. Im Golf von Mexiko sorgt das sechsmonatige Moratorium für Tiefseebohrungen, das die Regierung nach der Katastrophe verhängt hat, für Verbitterung. Insbesondere im Ölstaat Louisiana gilt das Moratorium, für das Obama verantwortlich ist, als eine zusätzliche Katastrophe. Im Kongress ist das neue Klimagesetz Ende Juli gescheitert. Nicht nur Republikaner haben es verhindert. Auch demokratische Abgeordnete vom Golf haben dagegen gestimmt. Der Lobbyismus der Ölbranche hat sich wieder einmal gelohnt.

———————————————————————-

Das BP-Milliardenloch

Die Kosten: Die Ölpest im Golf von Mexiko hat den britischen Konzern nach eigenen Angaben bislang mehr als 6,1 Milliarden Dollar (rund 4,6 Milliarden Euro) gekostet. Darin enthalten sind Ausgaben für die Entlastungsbohrungen, die Versiegelung des defekten Bohrlochs, Aufräumarbeiten und erste Entschädigungszahlungen an Betroffene. Letztere allein schlagen mit 319 Millionen Dollar zu Buche. Bis zum Wochenende seien 145.000 Schadenersatzforderungen eingegangen, 103.900 wurden bereits befriedigt, teilte BP am Montag mit.

Das Rohöl: Nach der Explosion der Bohrplattform am 20. April flossen zwölf Wochen lang mehr als 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer, bis das defekte Bohrloch am 15. Juli mit einer riesigen Kappe provisorisch abgedichtet werden konnte. Bei der Havarie der „Exxon Valdez“, die 1989 vor Alaska auf Grund lief, ergossen sich 40 Millionen Liter Öl ins Meer. (apn)

„Undercover-Angler“ verhindern weiteres Blutbad auf den Färöer-Inseln

Deutsche „Undercover-Angler“ verhindern weiteres Blutbad auf den Färöer-Inseln

Sobald vor den nordatlantischen Färöer-Inseln Grindwale gesichtet werden, regt sich bei vielen der rund 48.000 Einwohner der Jagdtrieb. Mit Booten werden die Walschulen zur nächstgelegenen offiziellen Fangbucht getrieben. Dort warten im seichten Wasser schon die Häscher und stürzen sich in einem wahren Blutrausch mit Haken und Messern auf die wehrlosen Tiere und massakrieren sie. Zwei Tierschützer aus Deutschland haben dem Gemetzel jetzt vorübergehend ein Ende gesetzt.

Mit einer Angelausrüstung wagten sich die Walschützer Jürgen Ortmüller (56/Steuerberater) und Andreas Morlok (44/Buchautor u. Unternehmensberater) auf die Inselgruppe und wurden als Gleichgesinnte angesehen. Bei der Regierung der Färöer-Inseln übergaben sie eine Petition ihrer Organisationen „Wal- und Delfinschutz-Forum“ (WDSF) und „ProWal“ mit fast 60.000 Unterschriften gegen das Walschlachten.

Die vermeintliche Angelmission sollte aber auch dem direkten Schutz der Wale dienen. Unauffällig charterten die Tierschützer ein Schnellboot, um vor der Inselgruppe elektroakkustische Pinger mit Orcawalgeräuschen im offenen Meer zu versenken. Grindwale meiden die Begegnung mit Orcawalen, weil sie deren Angriffe fürchten. Nachdem seit Juni fast 700 Grindwale bei sieben „Grinds“ getötet wurden, gab es seit der Walschützeraktion Anfang August keine einzige Walsichtung und Schlachtung mehr an der Ostküste der Färöer.

Die Waljäger erzählten den beiden Undercover-Anglern stolz und bereitwillig über ihre Beutezüge. In zwei Orten sei es im Juli zum Eklat gekommen, als Grindwalschulen mit mehreren hundert Tieren in 10×20-Meter-Buchten gepfercht wurden und das Leiden der teilweise trächtigen Tiere bis zum nächsten Morgen andauerte.

Die Pseudo-Angler hätten von den Waljägern und in Restaurants frisches Grindwalfleisch kaufen können, obwohl der Walfang angeblich nur der eigenen Nahrungsbeschaffung dient und kein kommerzieller Handel zulässig ist.

Gegenüber dem EU-Mutterland Dänemark fordern die beiden Tierschützer eine Mitverantwortung für den Nicht-EU-Tochterstaat der Färöer-Inseln ein. Sämtliches dokumentiertes Beweismaterial soll nun der dänischen Regierung vorgelegt werden, um ein Walfangverbot zu erreichen.

Pressekontakt:

J.Ortmüller: 01512 4030 952

Petition: Support Sustainable Fishing Policies

Die Aktion von Ocean2012 auf der care2 petionsite läuft bis 31. August 2010.

Overview:

* Target: Maria Damanaki, Commissioner for Maritime Affairs and Fisheries
* Sponsored by: OCEAN2012

Global fish stocks like bluefin tuna are in decline; in Europe over 80 percent are overfished and a third are outside safe limits.

For too long, short-term interest has hi-jacked European fisheries management. But now the reform of the EU’s Common Fisheries Policy provides the opportunity for a new policy that will stop overfishing, end destructive fishing and deliver fair and equitable use of abundant fish stock.

Tell Maria Damanaki, Commissioner for Maritime Affairs and Fisheries, to enshrine environmental sustainability as the overarching principle of the future Common Fisheries Policy (CFP) in order to achieve long term economic and social sustainability.

Link zu der Petitionsseite, die eigentliche Petition ist unter „Letter“.

Auf der Webseite von Ocean2012 gibt es auch die Petition, dort kann man die Sprache wählen. Hier der Link zu der Petition in Deutsch.

Unterschreiben Sie die Petition an Maria Damanaki, Kommissarin für Maritime Angelegenheiten und Fischerei

Die weltweiten Fischbestände – wie beispielsweise die des Blauflossenthunfischs – gehen zurück, in Europa sind 80 Prozent überfischt und ein Drittel bewegt sich außerhalb biologisch sicherer Grenzen. Die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten haben es versäumt, die Fischereipolitik in unserem Namen verantwortlich zu organisieren. Schon viel zu lange wird europäisches Fischereimanagement von kurzfristigen Interessen gelenkt. Jetzt aber bietet die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU die Chance für eine neue Politik, die Überfischung beendet, destruktive Fangmethoden abstellt und für faire und gerechte Nutzung der reichen Fischbestände sorgt. Wir, die Unterzeichner, fordern Sie auf, ökologische Nachhaltigkeit als übergreifendes Prinzip der zukünftigen Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) festzuschreiben, um so das Ziel einer langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit zu erreichen.

Es gibt dort auch eine Unterschriftenliste als Download im docs-Format. Beim Öffen mit Word 2007 erhielt ich immer zig Fehlermeldungen, dass irgendetwas geladen werden muss. Nach zigmal Wegklicken der Meldung wird die Datei dann doch geöffnet. Zur Vereinfachung habe ich die Unterschriftenliste in PDF umgewandelt, hier der Link zum Download.

Sea Shepherd Undercover-Agent wendet sich an die Bewohner der Färöer Inseln

Der nachfolgende offene Brief des Sea Shepherd Undercover-Agenten Peter Hammarstedt an die Färöer Bevölkerung wurde am 30. Juli 2010 in der größten Zeitung der Färöer Inseln, Dimmalaetting, veröffentlicht.

Deusche Übersetzung aus dem Migaloo Antiwalfang Blog, englisches Original SSCS.

30. Juli 2010

An die Bewohner der Färöer Inseln,

Es ist über eine Woche her seit ich in Klaksvik war und ich habe gelesen, dass seitdem eine weitere Grind in Torshavn stattgefunden hat. Das überrascht mich nicht, denn Veränderungen brauchen Zeit. Ich habe nicht erwartet, dass die Grind über Nacht abgeschafft würde, nur weil ich ein paar Fotos gemacht habe. Aber ich bin weiterhin optimistisch, denn wenn ich die Geschichte betrachte, bin ich sicher, dass das Schlachten eines Tages eingestellt wird.

Der Walfang hat dazu beigetragen, das Land Australien aufzubauen. Die Küsten der Insel Tasmanien sind übersät mit alten Walfangstationen. Eine einzige Walfangstation in Queensland an der Nordostküste des Landes hat Mitte des 20. Jahrhunderts 6.277 Buckelwale in einem einzigen Jahrzehnt gefangen. In den 50er und 60er Jahren fing eine Walfanggesellschaft in Westaustralien im Durchschnitt 1.000 Pott- und Buckelwale pro Jahr.

Doch am 20. November 1978 wurde in Australien der letzte Wal harpuniert. Eine wachsende Lobby australischer Umweltschützer, zum Teil unter Leitung der Tochter des damaligen Premierministers Malcolm Fraser, überzeugte Fraser, den Walfang für immer zu beenden und das zu tun, wovon er „schon längst wußte, dass es richtig war“. Nur dreißig Jahre später ist Australien der schärfste Walfanggegner in der Internationalen Walfangkommission und hat kürzlich sogar seine Absicht angekündigt, den japanischen Walfang in der Antarktis wegen seiner illegalen Walfangaktivitäten vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen. Traditionen verändern sich, weil manchmal eine Änderung des menschlichen Bewußtseins es verlangt.

Der Anblick der Nachernte der Grind in Klaksvik war nicht mein erster enger Kontakt mit gestrandeten Pilotwalen. Über ein Jahr zuvor war ich Teilnehmer einer Rettungsaktion in Australien, wo 174 Wale auf einer einsamen Insel gestrandet waren. Von den 54 Pilotwalen, die lebend gestrandet waren, sind 53 von Sea Shepherd-Freiwilligen, Inselbewohnern und Naturschutzpersonal einer Vereinigung von Regierungsbehörden ins offene Meer zurückgebracht worden. Das Wetter war plötzlich schlechter geworden und verzögerte unsere Bemühungen, den letzten verbliebenen Meeressäuger zu retten. Fast drei Tage saßen wir an ihrer Seite und bedeckten sie mit nassen Tüchern, um sie vor der sengenden Sonne zu schützen. Wir gossen Eimer voll Wasser über sie, während wir ihren Atem beobachteten.

Als der Wind sich legte, legten wir ihr Gurte um und zogen sie zwischen zwei Jet-Skis aufs offene Meer hinaus. Hundert Meter von der Küste entfernt begann sie, sich aus den Schleppseilen zu lösen und vom Hubschrauber aus konnten wir sehen, dass sie geradewegs auf ihre Familie zusteuerte. Sie hatten die drei Tage auf sie gewartet, knapp eine halbe Meile vor der Küste. Seither habe ich keinerlei Zweifel an der Komplexität ihrer sozialen Verbände und manchmal denke ich, dass Meeressäuger fähiger als wir Menschen sind, Empathie und Mitgefühl zu zeigen.

Es erstaunt mich, dass die australische Regierung und die australische Öffentlichkeit bereit waren, zur Rettung eines einzelnen Wales ein Team von 10 Naturschutzexperten und Wissenschaftlern aufzubieten, nachdem 30 Jahre vorher ein Wal tot mehr wert war als lebendig. Es war diese Geschichte, an die ich denken mußte, als ich eine anonyme E-Mail eines Färöer Staatsangehörigen erhielt. Diese Person teilte mir mit, dass ungefähr zur gleichen Zeit, als ich in Australien war, ein Orka im Hafen von Klaksvik gestrandet war. Ortsansässige rannten hinunter zum Küstenstreifen, aber diesmal ließen sie ihre grindaknivar* und soknaronguls** zu Hause. Gewaltige Anstrengungen wurden unternommen, um den Orka aufs offene Meer zurückzubringen und wäre nicht ihre sich verschlechternde Gesundheit gewesen, hätte sie überlebt. Ich habe Grund, zuversichtlich zu sein, dass die Grind eines Tages zu Ende sein wird.

Kultur und Tradition sind bedeutsam, aber wie Mahatma Gandhi einst sagte „die Größe einer Nation und ihr moralischer Fortschritt können danach beurteilt werden, wie sie ihre Tiere behandelt“. Der Pilotwal hat der Färöer Bevölkerung über Jahrhunderte geholfen zu überleben, aber heutzutage, wo die Färöer Inseln über einen der höchsten Lebensstandards der Welt verfügen, ist die Grind nicht mehr nötig für den Lebensunterhalt. Wie Australien sind die Färöer Inseln in der Position, Walbeobachtung der Waljagd vorzuziehen, Mitgefühl der Schlächterei vorzuziehen. Manchmal tun wir die Dinge, die wir eben tun, ohne viel nachzudenken, weil wir Gewohnheitstiere sind. Ich glaube ernsthaft, dass die Menschen der Färöer sich eines Tages entscheiden werden, die Grind aufzugeben, nicht weil ich denke, dass Sie sollten, sondern weil es „das Richtige ist“ – nicht nur wegen der Grausamkeit, die Teil der Abschlachtung ist, oder der Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch wegen der Schwermetallbelastung, die im Fleisch gefunden wurde.

Als Seefahrer und Umweltschützer bin ich auf allen sieben Kontinenten gewesen und kann nicht mehr zählen, wie viele Länder ich besucht habe und ich muss sagen, dass ich nie an einem schöneren Ort gewesen bin als den Färöer Inseln. Darum tut es mir weh, dass ich eines der bestgehüteten Geheimnisse des Tourismus nicht erwähnen kann, ohne darauf hinzuweisen, dass sich jeden Sommer die Gewässer dieser wunderschönen Inseln blutrot verfärben. Ich sehne den Tag herbei, an dem die Färöer Inseln nicht wegen der grausamen Grind bekannt sind, sondern wegen der eindrucksvollen Songs der Annika Hoydal, der wunderschönen Dichtung des Roi Patursson, der beeindruckenden Schluchten und Fjorde an Orten wie Gjogy und der Herzlichkeit der Färöer Menschen.

Hochachtungsvoll,

Ihr Peter Hammarstedt
Erster Offizier, M/Y Bob Barker
Sea Shepherd Conservation Society

Kommentar: Besser hätte man das wohl kaum als offenen Brief formulieren können. Besonders gefällt mir, dass Peter Hammarstedt auf die von Paul Watson gewohnte martialische Wortwahl verzichtet hat.

Greenpeace: Arctic Sunrise im Golf von Mexiko

Im Blog von Greenpeace Deutschland berichtet Regine Frerichs von Bord der Arctic Sunrise im Golf von Mexiko. Hier der Link zu „Die erste Seewache“ vom 13.August 2010. Wenn man dort runterscrollt, findet man noch weitere Beiträge.

Siehe dazu auch den Beitrag „Greenpeace confronts reckless oil exploration“ bei Greenpeace International, dort mit Links und Fotos:

Greenpeace confronts reckless oil exploration

Feature story – August 12, 2010
Greenpeace is sending two ships to the frontiers of the world’s oil problem. The mission of the Esperanza is clear: to confront the kind of reckless oil exploration that keeps wrecking our environment. In the Gulf of Mexico the Arctic Sunrise will examine the drastic long-term impacts of what happens when it’s all going wrong.

Accidents like the sinking of the Deepwater Horizon oil rig, which caused the biggest oil spill in US history, are bound to happen again. That is unless we leave dirty fossil fuels behind and instead start using the affordable, efficient and renewable energy technologies that are available today. That’s why the Esperanza is taking the message ‘go beyond oil’ right to the source of the problem.

Oil giant BP might have finally managed to close its leaking well – but the crisis in the Gulf of Mexico is far from over. In fact, many of the spill’s impacts – for endangered wildlife, the region’s ecosystems and its fisheries – will only become clear with time. The Arctic Sunrise will host a team of independent scientists, who will examine everything from the plankton on the surface to the subsurface plumes and the deep-sea corals on the floor of the Gulf.

Visit Greenpeace USA for the latest updates and what you can do.

It was in BP’s best interest to limit media access to oiled wildlife as the oil was still spilling from the well; it’s in their best interest now to see the world’s attention move on quickly. We’re not prepared to see that happen. The team aboard the Arctic Sunrise will tell the full, unabridged truth about the extent of this oil catastrophe – and its impact on the ocean, which could last for decades.

Meanwhile, Greenpeace supporters will be able to board a ship themselves – and for this one, seasickness isn’t an issue. Our virtual vessel the good ship Energy [R]evolution will soon need a team of passionate virtual crew members to campaign for clean energy solutions. Do you have what it takes? Sign up today to be the first to know how you can help steer the world away from oil to an Energy [R]evolution.

With both ships underway to do their vital work, supporters can already sign up to be part of the 10/10/10 global day of action. We’re teaming up with 350.org, 10:10, and a global coalition of folks for this. Help us make October 10th the biggest single day of action against climate change that the world has ever seen.

Färöer: Brutaler Massenkill von Grindwalen als „Tradition“

Vor einigen Tagen war hier im Blog eine Mitteilung der schweizer Meeresschutzorganisation Ocean Care zum Walschlachten auf den Färöer-Inseln, im Migaloo-Anti Walfang Blog gibt es einen übersetzten Bericht der Sea Shepherd Conservation Society mit Fotos des Schlachtens am 19. Juli 2010. Hier jetzt die aktuelle Mitteilung zu dem Aufenthalt/ der Aktion von Andreas Morlok/ProWal und Jürgen Ortmüller / WDSF auf den Färöer.

– (Hagen/Radolfzell) Auf den europäischen Färöer-Inseln im Nordatlantik, welche zwischen den schottischen Shetlandinseln und Island auf der Höhe von Norwegen liegen, findet jedes Jahr ein blutiges Abschlachten von bis zu tausend Grindwalen und anderen Delfinarten statt. Die Gründer des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF), Jürgen Ortmüller, und der Organisation von ProWal, Andreas Morlok, deckten jetzt bei ihrem Aufenthalt auf der Inselgruppe etliche Skandale des Walschlachtens auf.

Die Färöer-Inseln gehören nicht zur EU, sondern sind dem Reichsverband Dänemark angeschlossen. Sie haben ihre eigene Gesetzgebung und sind weitgehend unabhängig. Dänemark selbst befolgt das internationale Walfangverbot.

Sobald eine Walschule durch Fischerboote, per Helikopter oder durch die Fähren zwischen den 18 Inseln gesichtet wird, verbreitet sich diese Nachricht per SMS, Telefon
und Radio wie ein Lauffeuer über die ganze Inselgruppe mit ihren rund 48.000 Einwohnern. Bei den Treibjagden werden neuerdings auch Schnellboote und Jet-Skis eingesetzt, wobei sich die Färinger bei ihrem grausamen Walfang immer noch auf ihre alten Traditionen berufen.

Um die Wale in Panik zu versetzen, benutzen die Fischer Pinger (Fastakat), die an Seilen hinter den Booten hergezogen werden und dabei sirenenähnliche Geräusche erzeugen. Steine werden in das Wasser geworfen, um durch die Luftblasen eine künstliche Wand zu erzeugen, die das Sonar der Tiere irritiert.

Ca. 800 Delfine, davon überwiegend Grindwale, auch Pilotwale genannt, fielen bereits in diesem Jahr den blutigen Gemetzeln in verschiedenen Orten der Inselgruppe zum Opfer. Allein in Klaksvik mit rund 4.850 Einwohnern im Nordosten der Färöer wurden im Juli 228 Grindwale abgeschlachtet.

Die beiden Walschützer, die sich als Angler ausgegeben hatten, erkundigten sich bei Einwohnern und Ladeninhabern am Klaksviker Hafen nach dem genauen Ablauf der Treibjagd.

Demnach wurde die Walschule aus einem Fjord mit etlichen Booten in Richtung einer Bucht des Hafens getrieben. Da in Klaksvik der ursprüngliche breite Strandabschnitt für das traditionelle Walschlachten aufgrund von Bauarbeiten nicht mehr zur Verfügung stand, wurden jeweils fünf bis acht Wale zum Abschlachten in eine kleine felsige und umrandete Hafenecke von etwa acht Meter Breite und 20 Meter Länge gepfercht. Ein alter etwa drei Meter langer Blauwalknochen, umgeben von einem idyllischen Picknickplatz, bildet die Kulisse für den Todeshafen der Wale.

Der Rest der Walschule wurde im Hafenbecken eingekesselt. Im brusttiefen Wasser schlugen die beteiligten Fischer und Einwohner mehrfach mit großen Wal-Fanghaken an Seilen (Blástrarongul) in die Körper der Meeressäuger. Dabei galt es jeweils das Blasloch des Wals zu treffen, um dann die Tiere ins seichte Wasser zu ziehen und mit einem speziell für die Grindwaltötung entwickelten Jagdmesser (Grindaknivur) die Halsschlagader zu durchtrennen, damit die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird und der Wal ausblutet. Die Wale schlugen dabei wild um sich und es bedurfte teilweise mehrerer Schnittansätze, wobei bei manchen Tieren fast der ganze Kopf abgetrennt wurde (s.a. YouTube-Video zur Jagd bei Klaksvik).

Entsprechend der nationalen Färöer-Walfangvorschriften soll ein Wal alleine durch das Eintreiben des Fanghakens in das Atemloch innerhalb von 30 Sekunden getötet werden. Nach spätestens 24 Stunden muss die Schlachtung und die kostenlose Verteilung des Walfleischs an Teilnehmer und Interessenten beendet sein und die Pier, wo die Wale aufgebahrt und zerlegt werden, desinfiziert sein.

Das gesamte Abschlachten der 228 Grindwale zog sich in Klaksvik jedoch bei abnehmender Beteiligung bis tief in die Nacht hinein, wobei der Todeskampf mancher Tiere mehrfach so lange dauerte wie vorgegeben. Entgegen den Vorschriften wurden die Kadaver erst am nächsten Morgen vollständig auf dem Pier gelagert. Es wurden Walbabys aus dem Leib ihrer Mütter geschnitten, die die ganze Nacht noch mit der Nabelschnur verbunden waren und im Todeskampf der Walkühe qualvoll verendeten. Auch Neugeborene befanden sich unter den toten Tieren.

Das Walfleisch und der Walspeck (Blubber) wurde an die Teilnehmer des Gemetzels und an Einwohner verteilt. Nach Angaben einer jungen Mitarbeiterin des ansässigen Buchladens könnten sich aber auch Touristen in Listen eintragen und Walfleisch erhalten. Sie würde auch Walfleisch essen, bekannte sie unumwunden.

Es wird nur das Fleisch und der Speck der Wale vom Auge bis zum Anus verwertet. Der größte Teil wie Innereien, Kopf, Skelett und Flossen der stark mit Quecksilber, PCB und anderen Giftstoffen kontaminierten Wale wird vor den Inseln im Meer entsorgt und findet seinen Weg in die Nahrungskette von Seevögeln, Fischen und anderen Meeresbewohnern.

Die Walschlachtung in Klaksvik hätte nach Angaben von kritischen Einheimischen und Medien aus der Hauptstadt Thorshaven aufgrund der Größe der Walschule in Relation zur Einwohnerzahl von Klaksvik und dem ungeeigneten Fangplatz von dem örtlichen Polizeichef niemals genehmigt werden dürfen. Eine Aufteilung der Walschule sei nicht möglich gewesen, weil die gesamte Gruppe nicht überlebensfähig sei, wenn das nicht zu identifizierende Leittier fehlen würde, erfuhren die Walschützer.

Nach Aussage der Färöer-Regierung findet angeblich keine kommerzielle Verwendung des Walfleischs statt. Die beiden Walschützer des WDSF und ProWal konnten jedoch aufdecken, dass es kein Problem ist, in Hotels, Restaurants, auf dem Fischmarkt und von Privatpersonen Grindwalfleisch entgeltlich zu erwerben. In ihrem Hotel Sjómansheim in Klaksvik hätten sie sich für 130 Dänische Kronen eine Walmahlzeit zubereiten lassen können. Den Tipp gab ihnen ein Polizist in Klaksvik.

Ein älterer Klaksviker berichtete enthusiastisch über seine eigenen hundertfachen Walschlachtungen und dass seine Tiefkühltruhe randvoll mit Walfleisch sei und in den anderen Häusern auch.

Der Mitarbeiter eines Möbelgeschäfts am Hafen von Klaksvik riet vom Angeln im Hafenbereich dringend ab, weil kurz vor der Walschlachtung eine größere Menge Treibstoff ausgelaufen sei. Er selbst würde auch Walfleisch essen, was etwa wie Geflügel schmecke.

Aufgrund der erheblichen Kontaminierung des Walfleischs mit Quecksilber, PCB und anderen Giftstoffen rät die Färöer-Regierung dazu, lediglich ein- bis zweimal im Monat Walfleisch zu verzehren. Frauen, die beabsichtigen schwanger zu werden und Kinder sollten ganz auf den Konsum verzichten. Die beiden vermeintlichen Angler von WDSF und ProWal erfuhren jedoch von Jugendlichen und Kindern, dass sie häufig Walfleisch essen würden.

Die beiden Walschutzaktivisten begaben sich nach ihrer Dokumentation über das Klaksviker Walschlachten in die Hauptstadt der Färöer nach Thorshaven. Dort hissten sie auf einem Hoteldach direkt vor dem Parlament am Regierungssitz der Färöer-Regierung ein großes Banner gegen das Walmorden auf den Färöer.

Weiteres bisher unveröffentlichtes Schrift- und Bildmaterial über weitere Walfangskandale auf den Färöer-Inseln und wie die Walschützer von WDSF und ProWal in der Hauptschlachtzeit Juli und August viele Wale vor dem sicheren Tod retteten folgen in weiteren Presseberichten in wöchentlichem Abstand.

Pressekontakte:

WDSF-Geschäftsführer
Jürgen Ortmüller
Tel.: 01512 4030 952

WDSF: www.wdsf.eu
ProWal: www.walschutzaktionen.de

Autor:
Jürgen Ortmüller
e-mail
Web: www.wdsf.eu
Telefon: 01512 4030 952

Quelle: Pressemitteilung „Protestaktion auf Hoteldach vor Parlament, Aktivisten decken blutige Walfangskandale auf Färöer-Inseln auf“ bei PR-inside.com am 09.08.10

Massaker an Grindwalen auf den Färöer-Inseln

Stoppt das Massaker an Grindwalen auf den Färöer-Inseln

Mit erschütternden Bildern hat der Film „The Cove“ („Die Bucht“) die skrupellose Jagd auf Delphine und das blutige Massaker dokumentiert, das japanische Fischer alljährlich im Dorf Taiji veranstalten. Der Film wurde mit dem „Oscar“ für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Doch während die Welt empört und erschüttert nach Japan schaut, spielt sich im europäischen Nordatlantik – von der Öffentlichkeit weit gehend unbeachtet – eine Tragödie ab, die durchaus mit dem japanischen Blutbad vergleichbar ist. Rund um die Färöer-Inseln fallen Wale und Delphine einer ebenso grausamen wie sinnlosen Tradition zum Opfer.

Wädenswil, 3. August 2010: Bis Ende Juli wurden in diesem Jahr 674 getötete Grindwale und 21 getötete Rundkopf-Delphine registriert; damit ist die Zahl der Wal-Opfer so stark gestiegen, dass dreizehn namhafte Umwelt- und Tierschutzorganisationen Alarm schlagen: „Allein in den letzten beiden Monaten wurden doppelt so viele Meeressäuger abgeschlachtet wie im ganzen Jahr 2009“, rechnet Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, vor (siehe auch Interview). „Und dies, obwohl längst bekannt ist, dass der Verzehr des mit Schadstoffen massiv belasteten Walfleischs zu ernsthaften gesundheitlichen Schädigungen führt.“

Von April bis Juli suchen die Grindwale die kühleren Gewässer rund um die Färöer-Inseln auf; hier gebären die weiblichen Tiere ihre Jungen und richten „Kinderstuben“ ein. Dass Wale während der Aufzucht von Jungtieren nicht verfolgt werden, ist ein selbstverständlicher Grundsatz der Arterhaltung, er leistet Gewähr für die Stabilität der Populationen; darüber hinaus hat die IWC (Internationale Walfang-Kommission) ein ausdrückliches Jagdverbot auf Muttertiere erlassen. Doch darauf nehmen die Wal-Jäger auf den Färöer-Inseln keine Rücksicht: Unter mehr als 200 Grindwalen, die am 19. Juli in die Bucht der Stadt Klaksvik getrieben und getötet wurden, haben sich viele trächtige Weibchen und auch Muttertiere mit ihren Jungen befunden.

Die europäische Gesetzgebung schützt Grindwale und Rundkopf-Delphine; sie dürfen nicht bejagt werden. Doch in den Gewässern rund um die halbautonomen Färöer-Inseln, ausserhalb der EU, ist der Status der Meeressäuger ebenso unklar wie die Auswirkungen einer Jagd, der oft ganze Familienverbände zum Opfer fallen.

Auch die dabei angewandtenTötungsmethoden waren seit Mitte der Achtziger-Jahre immer wieder Gegenstand internationaler Kritik: Die Grindwale, bekannt für ihr hoch entwickeltes soziales Verhalten und ihr ausgeprägtes Familien-Bewusstsein, werden in grossen Familien-Verbänden mit Booten in eine Bucht getrieben und dort grausam getötet. Film-Dokumente über die Jagd bei Klaksvik, die von einer lokalen Fernsehstation auf youtube im Internet veröffentlicht worden sind und äusserst brutale Szenen zeigen, widerlegen die Behauptungen der Regierung, es seien signifikante Verbesserungen erzielt worden. Mit Messern und Haken werden die in die Enge getriebenen Tiere so lange traktiert, bis der Tod sie endlich von ihrem Leiden befreit. Diese „Tradition“ ist unakzeptabel und einer zivilisierten, modernen Gesellschaft unwürdig.

Die Wal-Hatz steht in krassem Kontrast zu den Bemühungen der Tourismus-Behörde, die Färöer-Inseln dem Fremdenverkehr zu öffnen und die „unverdorbene Schönheit ihrer Natur“ zu propagieren.

Das Fleisch und der Blubber (Fettschicht) der erlegten Tiere werden unter den Jägern und den Einwohnern der betreffenden Gegend verteilt, obwohl bekannt ist, dass die Wale in hohen Konzentrationen mit giftigen Substanzen wie Quecksilber oder PCB belastet sind. Langzeitstudien dänischer Wissenschaftler weisen nach, dass der Verzehr dieses Fleisches bei menschlichen Embryonen die Entwicklung des Nervensystems und des Immunsystems beeinträchtigt und schwere gesundheitliche Schäden verursacht, bei erwachsenen Menschen können diese Gifte die Parkinson-Krankheit verursachen, zu Bluthochdruck führen und die Verkalkung der Herzkranzgefässe bewirken. In Anbetracht dieser Erkenntnisse verfasste der höchste Vertreter der Färöer Gesundheistbehörde einen offenen Brief an die Regierung. Die Vergiftung des Fleisches von Grindwalen habe ein Ausmass erreicht, schrieb er, das mit den geltenden Grenzwerten für toxische Belastungen nicht vereinbar sei: „Deshalb“, heisst es wörtlich in dem Schreiben, „kann das Fleisch von Grindwalen für den Verzehr nicht empfohlen werden.“ Doch die Regierung der Färöer-Inseln hat diese Mahnung bis heute in den Wind geschlagen.

Die mutmassliche Ausbeute der allein in diesem Jahr getöteten Wale beträgt schon heute mehr als 200 Tonnen Fleisch und über 100 Tonnen Blubber. Hochgerechnet auf die 48 760 Inselbewohner kommt man damit auf die bemerkenswerte Menge von sechs Kilo Walfleisch pro Person – inklusive Kinder und Babies. Das übersteigt die 1998 von der Regierung erlassene Richtlinie von höchstens zwei Wal-Mahlzeiten pro Monat bei weitem.

Das Volk der Färöer-Inseln wird dringend aufgerufen, die Jagd auf Grindwale und andere Walarten dauerhaft einzustellen.

Weitere Informationen:
„Nichts ist einfacher als einfach aufzuhören“ – Interview mit Sigrid Lüber
Originalstatement mit weiteren Hintergrundinformationen (Englisch)
Offener Brief der Färöer Gesundheitsbehörde (Englisch)
YouTube-Video zur Jagd bei Klaksvik

Zahl und Art der getöteten Tiere 2010:

Datum

Ort

Getötete Tiere

13. April

Hvalba

21 Rundkopf-Delphine

5. Juni

Sandur

69 Grindwale

24. Juni

Vestmanna

59 Grindwale

2. Juli

Torshavn

17 Grindwale

8. Juli

Husavik

169 Grindwale

9. Juli

Husavik

24 Grindwale

19. Juli

Klaksvik

228 Grindwale

23. Juli

Torshavn

108 Grindwale

Folgende Organisationen stehen hinter diesem Aufruf:
Animal Welfare Institute, USA
Campaign Whale, England
Cetacean Society International
DODO, Dänemark
Dyrenes, Dänemark
Environmental Investigation Agency, International
Humane Society International
OceanCare, Schweiz
Pro Wildlife, Deutschland
Society for the Conservation of Marine Mammals, Dänemark
Swiss Coalition for the Protection of Whales, Schweiz
WDCS Whale an Dolphin Conservation Society, International
WSPA World Society for the Protection of Animals, International

Medienkontakt:
OceanCare
Sigrid Lüber, Tel. +41 (0)44 780 66 88, presseinfo@oceancare.org

Über OceanCare:
OceanCare setzt sich seit 1989 für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane ein. Jagd, Lärm, Überfischung und Zerstörung der Ökosysteme bedrohen die Zukunft der Tiere – und auch unsere. Mit konstruktiven Massnahmen wie Forschungsprojekten und Umweltbildungskampagnen sowie dem Engagement im Bereich der Gesetzgebung und in internationalen Foren verschafft sich OceanCare weit über die Landesgrenzen Gehör und setzt Verbesserungen durch. Bei all ihren Aktivitäten strebt OceanCare eine lösungsorientierte Zusammenarbeit an. Denn: Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen. www.oceancare.org

Walfang in Japan: Eine Frage der Esskultur oder des Prinzips?

Eisern verteidigt Walfänger Yosinori Shoji seinen Berufsstand gegen Kritik aus dem Ausland und gegen Walfleischverächter unter seinen Landsleuten. Besonders aufgebracht sind Umweltschützer, dass Japan „zu Forschungszwecken“ sogar im Schutzgebiet jagt.

Wenn der erste Wal der Sommersaison erlegt ist, sind die Grundschüler des japanischen Fischerdorfes Wada eingeladen, sich das Schlachten anzuschauen. Früh am Morgen wird der getötete Wal über eine Betonrampe an Land gezogen und in einer eigens für diesen Zweck gebauten offenen Halle im Hafen zerlegt. Zwanzig Männer machen sich an dem Kadaver zu schaffen. Blut fließt in Strömen. Wenn die Schlachter mit ihrer Arbeit fertig sind, gibt es ein Frühstück aus gebratenem Wal mit Wassermelone und Reisbällchen für die Kinder – und Walkotelettes für die Erwachsenen.

Es ist das beste Frühstück des Jahres, versichert Yosinori Shoji. Shoji ist ein örtlicher Fischerei-Unternehmer, dem das einzige Walfangschiff des Ortes, die „Shinamaru 31“, gehört. Er ist ein lebhafter Mann, der in dem Fischerort aufgewachsen ist, eine Zeitlang in Kiel gelebt hat und als Sprecher der japanischen Walfänger voller Elan den japanischen Walfang gegen Kritik aus dem Ausland verteidigt. „Hier auf der Halbinsel Boso wird seit vierhundert Jahren Walfang betrieben“, sagt Shoji. „Das ist Teil unserer Kultur und Geschichte, wir essen Walfleisch.“ Shojis Schiff geht mit einer Besatzung von sieben Matrosen auf Walfang vor der Küste Japans. Man halte sich an die Vorgaben der Internationalen Walfangkommission IWC und der japanischen Regierung, versichert Shoji. Japan hat durchgesetzt, dass 120 Minkwale im Jahr vor seiner Küste erlegt werden dürfen, 14 davon darf Shojis Boot fangen. Die IWC wacht über die Einhaltung dieser Quote. Außerdem hat Shoji von der japanischen Regierung eine Erlaubnis für das Erlegen von vierzehn Schwarzwalen, die von der IWC nicht zum Jagen freigegeben sind.

Unfaire Vorwürfe

Shoji hält auch Vorträge über den Walfang in der Mittelschule von Wada. In dieser Woche hat Shoji einen besonderen Gast eingeladen. Aus Tokio ist Shigetoshi Nishiwaki gekommen, vom Institut für Walforschung. Nishiwaki ist Meeresbiologe und Leiter des Walforschungsprogramms in der Antarktis. Schon fünfzehnmal war er auf wissenschaftlicher Walfangexpedition im südlichen Polarmeer. Mehrmals hat er dabei Zusammenstöße mit den Aktivisten von „Sea Shepherd“ und Greenpeace erlebt.

Den Jungen will der Wal nicht so recht schmeckenDen Jungen will der Wal nicht so recht schmecken

Die japanische Walforschung habe viele nützliche Daten erbracht, sagt er. Auf den Einwand, dass man Wale auch erforschen könnte, ohne sie zu töten, erwidert er, eine solche Forschung würde zu lange dauern. Nishiwaki hält den Schülern einen Vortrag, den auch ein Greenpeace-Aktivist gutheißen würde. Doch auf die Schülerfragen, wie er zur Kritik am Walfang stehe, reagiert er verärgert. Die Vorwürfe seien unfair, sagt Nishiwaki. „In Amerika wurden die Büffel bei der Eroberung des Westens für die Landwirtschaft fast ausgerottet, in Australien isst man Kängurufleisch, in China ist der Jangtse-Delphin ausgerottet, in vielen Staaten wurde lange Walfang betrieben.“ Die anderen sollten einmal über ihre eigene Geschichte nachdenken. Shoji springt dem Meeresbiologen bei: Japan wolle ja die Wale keineswegs ausrotten. Schließlich seien ja nicht alle Walarten vom Aussterben bedroht.

Die meisten jüngeren Japaner haben noch nie Walfleisch gegessen und trauern diesem Genuss nicht nach. Das Fleisch gilt zwar als Delikatesse und ist entsprechend teuer, doch bei den Jüngeren wächst neben der traditionellen Fischkost die Beliebtheit von Rind, Huhn und Schwein. Bei Studenten und Gymnasiasten steht der Umweltschutz hoch im Kurs. Sie haben deswegen auch Sympathien für die Walschützer. Ältere und alte Japaner sagen, dass sie seit ihrer Kindheit kein Walfleisch gegessen hätten – seit den kargen Nachkriegsjahren nämlich, als mangels anderer Eiweißquellen Walfleisch auf die Speisekarte der Schulmensen gesetzt wurde. Manche der älteren Japaner halten Walfleisch noch immer für einen Ersatz für das bessere Rindfleisch.

Will in Japan bald niemand mehr Walfleisch essen? „Das ist genau meine Sorge“, stöhnt der Abgeordnete Kodaira, der im japanischen Parlament für den Walfang und gegen dessen Kritiker im Ausland kämpft.

Nur wenige in Japan äußern sich kritisch oder wagen gar, den Sinn des Walfangs grundsätzlich anzuzweifeln. Es gehe nicht um die Kultur, sondern um die Einhaltung von Artenschutzbestimmungen, die auch die Regierung unterzeichnet habe, heißt es bei Greenpeace Japan. Der japanische Wissenschaftler Jun Morikawa schreibt in seinem Buch über den japanischen Walfang, dass die Kultur des Walessens in der japanischen Geschichte nie weit über die Küstenregionen hinaus verbreitet gewesen sei, außer in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Als Wirtschaftsfaktor sei der Walfang unbedeutend.
Eine Frage des Prinzips

Gegen eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs spricht sich auch der Meeresbiologe Nishiwaki aus. Damit würden nur bestimmte wirtschaftliche Interessen bedient, sagt er. Der Walfang sollte nur an der Küste für die lokale Bevölkerung oder für eine nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen betrieben werden. Japan brauche Zeit, um sich umzustellen. Tatsächlich geht es weniger um Kultur als um eine Frage des Prinzips. Das von Rohstoffimporten abhängige Japan, das auch einen Großteil seiner Lebensmittel einführt, will sich nicht von Ressourcen fernhalten lassen. „Zuerst kommt der Wal und dann der Thunfisch“, fürchtet ein Beamter des Außenministeriums in Tokio. Offiziell wird weiter das Argument der Traditionspflege bemüht, das, wenn überhaupt, nur noch an wenigen Orten der japanischen Küste stichhaltig ist.

In der Mittelschule des Fischerdorfs Wada erklingt zur Pause Beethoven-Musik aus den Klassenzimmerlautsprechern. „Wir respektieren Ihre Kultur, respektieren Sie auch unsere“, sagt Shoji.

Quelle und vollständiger Artikel: „Walfang in Japan Eine Frage der Esskultur oder des Prinzips?“ in FAZ.NET 03.08.10

Kommentar: Lesenswerter Artikel über die japanische Sicht des Problems

Streit um die Arktis- Wettfahrt in die Kälte

Über die Konkurrenz der USA, Russland, Kanada und Dänemark um Bodenschätze im Raum um den Nordpol wurde schon einige Male hier im Blog unter dem Tag „Arktis“ berichte, z.B. in „Reichtum in eisiger Kälte“ und „Wem gehört die Arktis?„. Möglich wird das Ganze durch das Schmelzen großer Eisflächen und damit Zugang zu bisher unzugänglichen Meeresbodenbereichen. Kernfrage ist allerdings, wer wo welche Ansprüche geltend machen kann.
Jetzt geht die Konkurrenz, offener Streit ist es (noch) nicht, in die nächste Runde.

Ein Forschungsschiff soll Moskaus Anspruch auf die Arktis belegen. Anfang August wird ein amerikanisch-kanadisches Schiff mit dem selben Ziel aufbrechen. Es geht um Rechte auf noch unentdeckte Bodenschätze.

50 Forscher wollen an Bord des russischen Forschungsschiffs „Akademik Fjodorow“ drei Monate lang Beweise dafür sammeln, dass Russlands Anspruch auf die Arktis zu Recht besteht.

Das Schiff hat den Hafen von Archangelsk verlassen, nun wollen 50 Forscher drei Monate lang Beweise dafür sammeln, dass Russlands Anspruch auf die Arktis zu Recht besteht.

Die Fjodorow wurde für fünf Millionen Euro umgerüstet und mit neuestem Inventar bepackt, das dreidimensionale Tiefseeaufnahmen erlaubt. Wie wichtig die russische Mission ist, zeigt zweierlei. Zum einen sind Vertreter des Moskauer Verteidigungsministeriums an Bord. Zum anderen bricht Anfang August ein amerikanisch-kanadisches Schiff ebenfalls nach Norden auf. Es ist eine Wettfahrt in die Kälte, wo unentdeckte Bodenschätze schlummern sollen: Kobalt, Nickel, Silber, Gold, wohl auch Öl und Gas.

Quelle und vollständiger Artikel: „Streit um die Arktis- Wettfahrt in die Kälte“ in sueddeutsche.de am 30.07.10

//