Politik

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Färöer: Brutaler Massenkill von Grindwalen als „Tradition“

Vor einigen Tagen war hier im Blog eine Mitteilung der schweizer Meeresschutzorganisation Ocean Care zum Walschlachten auf den Färöer-Inseln, im Migaloo-Anti Walfang Blog gibt es einen übersetzten Bericht der Sea Shepherd Conservation Society mit Fotos des Schlachtens am 19. Juli 2010. Hier jetzt die aktuelle Mitteilung zu dem Aufenthalt/ der Aktion von Andreas Morlok/ProWal und Jürgen Ortmüller / WDSF auf den Färöer.

– (Hagen/Radolfzell) Auf den europäischen Färöer-Inseln im Nordatlantik, welche zwischen den schottischen Shetlandinseln und Island auf der Höhe von Norwegen liegen, findet jedes Jahr ein blutiges Abschlachten von bis zu tausend Grindwalen und anderen Delfinarten statt. Die Gründer des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF), Jürgen Ortmüller, und der Organisation von ProWal, Andreas Morlok, deckten jetzt bei ihrem Aufenthalt auf der Inselgruppe etliche Skandale des Walschlachtens auf.

Die Färöer-Inseln gehören nicht zur EU, sondern sind dem Reichsverband Dänemark angeschlossen. Sie haben ihre eigene Gesetzgebung und sind weitgehend unabhängig. Dänemark selbst befolgt das internationale Walfangverbot.

Sobald eine Walschule durch Fischerboote, per Helikopter oder durch die Fähren zwischen den 18 Inseln gesichtet wird, verbreitet sich diese Nachricht per SMS, Telefon
und Radio wie ein Lauffeuer über die ganze Inselgruppe mit ihren rund 48.000 Einwohnern. Bei den Treibjagden werden neuerdings auch Schnellboote und Jet-Skis eingesetzt, wobei sich die Färinger bei ihrem grausamen Walfang immer noch auf ihre alten Traditionen berufen.

Um die Wale in Panik zu versetzen, benutzen die Fischer Pinger (Fastakat), die an Seilen hinter den Booten hergezogen werden und dabei sirenenähnliche Geräusche erzeugen. Steine werden in das Wasser geworfen, um durch die Luftblasen eine künstliche Wand zu erzeugen, die das Sonar der Tiere irritiert.

Ca. 800 Delfine, davon überwiegend Grindwale, auch Pilotwale genannt, fielen bereits in diesem Jahr den blutigen Gemetzeln in verschiedenen Orten der Inselgruppe zum Opfer. Allein in Klaksvik mit rund 4.850 Einwohnern im Nordosten der Färöer wurden im Juli 228 Grindwale abgeschlachtet.

Die beiden Walschützer, die sich als Angler ausgegeben hatten, erkundigten sich bei Einwohnern und Ladeninhabern am Klaksviker Hafen nach dem genauen Ablauf der Treibjagd.

Demnach wurde die Walschule aus einem Fjord mit etlichen Booten in Richtung einer Bucht des Hafens getrieben. Da in Klaksvik der ursprüngliche breite Strandabschnitt für das traditionelle Walschlachten aufgrund von Bauarbeiten nicht mehr zur Verfügung stand, wurden jeweils fünf bis acht Wale zum Abschlachten in eine kleine felsige und umrandete Hafenecke von etwa acht Meter Breite und 20 Meter Länge gepfercht. Ein alter etwa drei Meter langer Blauwalknochen, umgeben von einem idyllischen Picknickplatz, bildet die Kulisse für den Todeshafen der Wale.

Der Rest der Walschule wurde im Hafenbecken eingekesselt. Im brusttiefen Wasser schlugen die beteiligten Fischer und Einwohner mehrfach mit großen Wal-Fanghaken an Seilen (Blástrarongul) in die Körper der Meeressäuger. Dabei galt es jeweils das Blasloch des Wals zu treffen, um dann die Tiere ins seichte Wasser zu ziehen und mit einem speziell für die Grindwaltötung entwickelten Jagdmesser (Grindaknivur) die Halsschlagader zu durchtrennen, damit die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird und der Wal ausblutet. Die Wale schlugen dabei wild um sich und es bedurfte teilweise mehrerer Schnittansätze, wobei bei manchen Tieren fast der ganze Kopf abgetrennt wurde (s.a. YouTube-Video zur Jagd bei Klaksvik).

Entsprechend der nationalen Färöer-Walfangvorschriften soll ein Wal alleine durch das Eintreiben des Fanghakens in das Atemloch innerhalb von 30 Sekunden getötet werden. Nach spätestens 24 Stunden muss die Schlachtung und die kostenlose Verteilung des Walfleischs an Teilnehmer und Interessenten beendet sein und die Pier, wo die Wale aufgebahrt und zerlegt werden, desinfiziert sein.

Das gesamte Abschlachten der 228 Grindwale zog sich in Klaksvik jedoch bei abnehmender Beteiligung bis tief in die Nacht hinein, wobei der Todeskampf mancher Tiere mehrfach so lange dauerte wie vorgegeben. Entgegen den Vorschriften wurden die Kadaver erst am nächsten Morgen vollständig auf dem Pier gelagert. Es wurden Walbabys aus dem Leib ihrer Mütter geschnitten, die die ganze Nacht noch mit der Nabelschnur verbunden waren und im Todeskampf der Walkühe qualvoll verendeten. Auch Neugeborene befanden sich unter den toten Tieren.

Das Walfleisch und der Walspeck (Blubber) wurde an die Teilnehmer des Gemetzels und an Einwohner verteilt. Nach Angaben einer jungen Mitarbeiterin des ansässigen Buchladens könnten sich aber auch Touristen in Listen eintragen und Walfleisch erhalten. Sie würde auch Walfleisch essen, bekannte sie unumwunden.

Es wird nur das Fleisch und der Speck der Wale vom Auge bis zum Anus verwertet. Der größte Teil wie Innereien, Kopf, Skelett und Flossen der stark mit Quecksilber, PCB und anderen Giftstoffen kontaminierten Wale wird vor den Inseln im Meer entsorgt und findet seinen Weg in die Nahrungskette von Seevögeln, Fischen und anderen Meeresbewohnern.

Die Walschlachtung in Klaksvik hätte nach Angaben von kritischen Einheimischen und Medien aus der Hauptstadt Thorshaven aufgrund der Größe der Walschule in Relation zur Einwohnerzahl von Klaksvik und dem ungeeigneten Fangplatz von dem örtlichen Polizeichef niemals genehmigt werden dürfen. Eine Aufteilung der Walschule sei nicht möglich gewesen, weil die gesamte Gruppe nicht überlebensfähig sei, wenn das nicht zu identifizierende Leittier fehlen würde, erfuhren die Walschützer.

Nach Aussage der Färöer-Regierung findet angeblich keine kommerzielle Verwendung des Walfleischs statt. Die beiden Walschützer des WDSF und ProWal konnten jedoch aufdecken, dass es kein Problem ist, in Hotels, Restaurants, auf dem Fischmarkt und von Privatpersonen Grindwalfleisch entgeltlich zu erwerben. In ihrem Hotel Sjómansheim in Klaksvik hätten sie sich für 130 Dänische Kronen eine Walmahlzeit zubereiten lassen können. Den Tipp gab ihnen ein Polizist in Klaksvik.

Ein älterer Klaksviker berichtete enthusiastisch über seine eigenen hundertfachen Walschlachtungen und dass seine Tiefkühltruhe randvoll mit Walfleisch sei und in den anderen Häusern auch.

Der Mitarbeiter eines Möbelgeschäfts am Hafen von Klaksvik riet vom Angeln im Hafenbereich dringend ab, weil kurz vor der Walschlachtung eine größere Menge Treibstoff ausgelaufen sei. Er selbst würde auch Walfleisch essen, was etwa wie Geflügel schmecke.

Aufgrund der erheblichen Kontaminierung des Walfleischs mit Quecksilber, PCB und anderen Giftstoffen rät die Färöer-Regierung dazu, lediglich ein- bis zweimal im Monat Walfleisch zu verzehren. Frauen, die beabsichtigen schwanger zu werden und Kinder sollten ganz auf den Konsum verzichten. Die beiden vermeintlichen Angler von WDSF und ProWal erfuhren jedoch von Jugendlichen und Kindern, dass sie häufig Walfleisch essen würden.

Die beiden Walschutzaktivisten begaben sich nach ihrer Dokumentation über das Klaksviker Walschlachten in die Hauptstadt der Färöer nach Thorshaven. Dort hissten sie auf einem Hoteldach direkt vor dem Parlament am Regierungssitz der Färöer-Regierung ein großes Banner gegen das Walmorden auf den Färöer.

Weiteres bisher unveröffentlichtes Schrift- und Bildmaterial über weitere Walfangskandale auf den Färöer-Inseln und wie die Walschützer von WDSF und ProWal in der Hauptschlachtzeit Juli und August viele Wale vor dem sicheren Tod retteten folgen in weiteren Presseberichten in wöchentlichem Abstand.

Pressekontakte:

WDSF-Geschäftsführer
Jürgen Ortmüller
Tel.: 01512 4030 952

WDSF: www.wdsf.eu
ProWal: www.walschutzaktionen.de

Autor:
Jürgen Ortmüller
e-mail
Web: www.wdsf.eu
Telefon: 01512 4030 952

Quelle: Pressemitteilung „Protestaktion auf Hoteldach vor Parlament, Aktivisten decken blutige Walfangskandale auf Färöer-Inseln auf“ bei PR-inside.com am 09.08.10

Massaker an Grindwalen auf den Färöer-Inseln

Stoppt das Massaker an Grindwalen auf den Färöer-Inseln

Mit erschütternden Bildern hat der Film „The Cove“ („Die Bucht“) die skrupellose Jagd auf Delphine und das blutige Massaker dokumentiert, das japanische Fischer alljährlich im Dorf Taiji veranstalten. Der Film wurde mit dem „Oscar“ für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Doch während die Welt empört und erschüttert nach Japan schaut, spielt sich im europäischen Nordatlantik – von der Öffentlichkeit weit gehend unbeachtet – eine Tragödie ab, die durchaus mit dem japanischen Blutbad vergleichbar ist. Rund um die Färöer-Inseln fallen Wale und Delphine einer ebenso grausamen wie sinnlosen Tradition zum Opfer.

Wädenswil, 3. August 2010: Bis Ende Juli wurden in diesem Jahr 674 getötete Grindwale und 21 getötete Rundkopf-Delphine registriert; damit ist die Zahl der Wal-Opfer so stark gestiegen, dass dreizehn namhafte Umwelt- und Tierschutzorganisationen Alarm schlagen: „Allein in den letzten beiden Monaten wurden doppelt so viele Meeressäuger abgeschlachtet wie im ganzen Jahr 2009“, rechnet Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, vor (siehe auch Interview). „Und dies, obwohl längst bekannt ist, dass der Verzehr des mit Schadstoffen massiv belasteten Walfleischs zu ernsthaften gesundheitlichen Schädigungen führt.“

Von April bis Juli suchen die Grindwale die kühleren Gewässer rund um die Färöer-Inseln auf; hier gebären die weiblichen Tiere ihre Jungen und richten „Kinderstuben“ ein. Dass Wale während der Aufzucht von Jungtieren nicht verfolgt werden, ist ein selbstverständlicher Grundsatz der Arterhaltung, er leistet Gewähr für die Stabilität der Populationen; darüber hinaus hat die IWC (Internationale Walfang-Kommission) ein ausdrückliches Jagdverbot auf Muttertiere erlassen. Doch darauf nehmen die Wal-Jäger auf den Färöer-Inseln keine Rücksicht: Unter mehr als 200 Grindwalen, die am 19. Juli in die Bucht der Stadt Klaksvik getrieben und getötet wurden, haben sich viele trächtige Weibchen und auch Muttertiere mit ihren Jungen befunden.

Die europäische Gesetzgebung schützt Grindwale und Rundkopf-Delphine; sie dürfen nicht bejagt werden. Doch in den Gewässern rund um die halbautonomen Färöer-Inseln, ausserhalb der EU, ist der Status der Meeressäuger ebenso unklar wie die Auswirkungen einer Jagd, der oft ganze Familienverbände zum Opfer fallen.

Auch die dabei angewandtenTötungsmethoden waren seit Mitte der Achtziger-Jahre immer wieder Gegenstand internationaler Kritik: Die Grindwale, bekannt für ihr hoch entwickeltes soziales Verhalten und ihr ausgeprägtes Familien-Bewusstsein, werden in grossen Familien-Verbänden mit Booten in eine Bucht getrieben und dort grausam getötet. Film-Dokumente über die Jagd bei Klaksvik, die von einer lokalen Fernsehstation auf youtube im Internet veröffentlicht worden sind und äusserst brutale Szenen zeigen, widerlegen die Behauptungen der Regierung, es seien signifikante Verbesserungen erzielt worden. Mit Messern und Haken werden die in die Enge getriebenen Tiere so lange traktiert, bis der Tod sie endlich von ihrem Leiden befreit. Diese „Tradition“ ist unakzeptabel und einer zivilisierten, modernen Gesellschaft unwürdig.

Die Wal-Hatz steht in krassem Kontrast zu den Bemühungen der Tourismus-Behörde, die Färöer-Inseln dem Fremdenverkehr zu öffnen und die „unverdorbene Schönheit ihrer Natur“ zu propagieren.

Das Fleisch und der Blubber (Fettschicht) der erlegten Tiere werden unter den Jägern und den Einwohnern der betreffenden Gegend verteilt, obwohl bekannt ist, dass die Wale in hohen Konzentrationen mit giftigen Substanzen wie Quecksilber oder PCB belastet sind. Langzeitstudien dänischer Wissenschaftler weisen nach, dass der Verzehr dieses Fleisches bei menschlichen Embryonen die Entwicklung des Nervensystems und des Immunsystems beeinträchtigt und schwere gesundheitliche Schäden verursacht, bei erwachsenen Menschen können diese Gifte die Parkinson-Krankheit verursachen, zu Bluthochdruck führen und die Verkalkung der Herzkranzgefässe bewirken. In Anbetracht dieser Erkenntnisse verfasste der höchste Vertreter der Färöer Gesundheistbehörde einen offenen Brief an die Regierung. Die Vergiftung des Fleisches von Grindwalen habe ein Ausmass erreicht, schrieb er, das mit den geltenden Grenzwerten für toxische Belastungen nicht vereinbar sei: „Deshalb“, heisst es wörtlich in dem Schreiben, „kann das Fleisch von Grindwalen für den Verzehr nicht empfohlen werden.“ Doch die Regierung der Färöer-Inseln hat diese Mahnung bis heute in den Wind geschlagen.

Die mutmassliche Ausbeute der allein in diesem Jahr getöteten Wale beträgt schon heute mehr als 200 Tonnen Fleisch und über 100 Tonnen Blubber. Hochgerechnet auf die 48 760 Inselbewohner kommt man damit auf die bemerkenswerte Menge von sechs Kilo Walfleisch pro Person – inklusive Kinder und Babies. Das übersteigt die 1998 von der Regierung erlassene Richtlinie von höchstens zwei Wal-Mahlzeiten pro Monat bei weitem.

Das Volk der Färöer-Inseln wird dringend aufgerufen, die Jagd auf Grindwale und andere Walarten dauerhaft einzustellen.

Weitere Informationen:
„Nichts ist einfacher als einfach aufzuhören“ – Interview mit Sigrid Lüber
Originalstatement mit weiteren Hintergrundinformationen (Englisch)
Offener Brief der Färöer Gesundheitsbehörde (Englisch)
YouTube-Video zur Jagd bei Klaksvik

Zahl und Art der getöteten Tiere 2010:

Datum

Ort

Getötete Tiere

13. April

Hvalba

21 Rundkopf-Delphine

5. Juni

Sandur

69 Grindwale

24. Juni

Vestmanna

59 Grindwale

2. Juli

Torshavn

17 Grindwale

8. Juli

Husavik

169 Grindwale

9. Juli

Husavik

24 Grindwale

19. Juli

Klaksvik

228 Grindwale

23. Juli

Torshavn

108 Grindwale

Folgende Organisationen stehen hinter diesem Aufruf:
Animal Welfare Institute, USA
Campaign Whale, England
Cetacean Society International
DODO, Dänemark
Dyrenes, Dänemark
Environmental Investigation Agency, International
Humane Society International
OceanCare, Schweiz
Pro Wildlife, Deutschland
Society for the Conservation of Marine Mammals, Dänemark
Swiss Coalition for the Protection of Whales, Schweiz
WDCS Whale an Dolphin Conservation Society, International
WSPA World Society for the Protection of Animals, International

Medienkontakt:
OceanCare
Sigrid Lüber, Tel. +41 (0)44 780 66 88, presseinfo@oceancare.org

Über OceanCare:
OceanCare setzt sich seit 1989 für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane ein. Jagd, Lärm, Überfischung und Zerstörung der Ökosysteme bedrohen die Zukunft der Tiere – und auch unsere. Mit konstruktiven Massnahmen wie Forschungsprojekten und Umweltbildungskampagnen sowie dem Engagement im Bereich der Gesetzgebung und in internationalen Foren verschafft sich OceanCare weit über die Landesgrenzen Gehör und setzt Verbesserungen durch. Bei all ihren Aktivitäten strebt OceanCare eine lösungsorientierte Zusammenarbeit an. Denn: Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen. www.oceancare.org

Walfang in Japan: Eine Frage der Esskultur oder des Prinzips?

Eisern verteidigt Walfänger Yosinori Shoji seinen Berufsstand gegen Kritik aus dem Ausland und gegen Walfleischverächter unter seinen Landsleuten. Besonders aufgebracht sind Umweltschützer, dass Japan „zu Forschungszwecken“ sogar im Schutzgebiet jagt.

Wenn der erste Wal der Sommersaison erlegt ist, sind die Grundschüler des japanischen Fischerdorfes Wada eingeladen, sich das Schlachten anzuschauen. Früh am Morgen wird der getötete Wal über eine Betonrampe an Land gezogen und in einer eigens für diesen Zweck gebauten offenen Halle im Hafen zerlegt. Zwanzig Männer machen sich an dem Kadaver zu schaffen. Blut fließt in Strömen. Wenn die Schlachter mit ihrer Arbeit fertig sind, gibt es ein Frühstück aus gebratenem Wal mit Wassermelone und Reisbällchen für die Kinder – und Walkotelettes für die Erwachsenen.

Es ist das beste Frühstück des Jahres, versichert Yosinori Shoji. Shoji ist ein örtlicher Fischerei-Unternehmer, dem das einzige Walfangschiff des Ortes, die „Shinamaru 31“, gehört. Er ist ein lebhafter Mann, der in dem Fischerort aufgewachsen ist, eine Zeitlang in Kiel gelebt hat und als Sprecher der japanischen Walfänger voller Elan den japanischen Walfang gegen Kritik aus dem Ausland verteidigt. „Hier auf der Halbinsel Boso wird seit vierhundert Jahren Walfang betrieben“, sagt Shoji. „Das ist Teil unserer Kultur und Geschichte, wir essen Walfleisch.“ Shojis Schiff geht mit einer Besatzung von sieben Matrosen auf Walfang vor der Küste Japans. Man halte sich an die Vorgaben der Internationalen Walfangkommission IWC und der japanischen Regierung, versichert Shoji. Japan hat durchgesetzt, dass 120 Minkwale im Jahr vor seiner Küste erlegt werden dürfen, 14 davon darf Shojis Boot fangen. Die IWC wacht über die Einhaltung dieser Quote. Außerdem hat Shoji von der japanischen Regierung eine Erlaubnis für das Erlegen von vierzehn Schwarzwalen, die von der IWC nicht zum Jagen freigegeben sind.

Unfaire Vorwürfe

Shoji hält auch Vorträge über den Walfang in der Mittelschule von Wada. In dieser Woche hat Shoji einen besonderen Gast eingeladen. Aus Tokio ist Shigetoshi Nishiwaki gekommen, vom Institut für Walforschung. Nishiwaki ist Meeresbiologe und Leiter des Walforschungsprogramms in der Antarktis. Schon fünfzehnmal war er auf wissenschaftlicher Walfangexpedition im südlichen Polarmeer. Mehrmals hat er dabei Zusammenstöße mit den Aktivisten von „Sea Shepherd“ und Greenpeace erlebt.

Den Jungen will der Wal nicht so recht schmeckenDen Jungen will der Wal nicht so recht schmecken

Die japanische Walforschung habe viele nützliche Daten erbracht, sagt er. Auf den Einwand, dass man Wale auch erforschen könnte, ohne sie zu töten, erwidert er, eine solche Forschung würde zu lange dauern. Nishiwaki hält den Schülern einen Vortrag, den auch ein Greenpeace-Aktivist gutheißen würde. Doch auf die Schülerfragen, wie er zur Kritik am Walfang stehe, reagiert er verärgert. Die Vorwürfe seien unfair, sagt Nishiwaki. „In Amerika wurden die Büffel bei der Eroberung des Westens für die Landwirtschaft fast ausgerottet, in Australien isst man Kängurufleisch, in China ist der Jangtse-Delphin ausgerottet, in vielen Staaten wurde lange Walfang betrieben.“ Die anderen sollten einmal über ihre eigene Geschichte nachdenken. Shoji springt dem Meeresbiologen bei: Japan wolle ja die Wale keineswegs ausrotten. Schließlich seien ja nicht alle Walarten vom Aussterben bedroht.

Die meisten jüngeren Japaner haben noch nie Walfleisch gegessen und trauern diesem Genuss nicht nach. Das Fleisch gilt zwar als Delikatesse und ist entsprechend teuer, doch bei den Jüngeren wächst neben der traditionellen Fischkost die Beliebtheit von Rind, Huhn und Schwein. Bei Studenten und Gymnasiasten steht der Umweltschutz hoch im Kurs. Sie haben deswegen auch Sympathien für die Walschützer. Ältere und alte Japaner sagen, dass sie seit ihrer Kindheit kein Walfleisch gegessen hätten – seit den kargen Nachkriegsjahren nämlich, als mangels anderer Eiweißquellen Walfleisch auf die Speisekarte der Schulmensen gesetzt wurde. Manche der älteren Japaner halten Walfleisch noch immer für einen Ersatz für das bessere Rindfleisch.

Will in Japan bald niemand mehr Walfleisch essen? „Das ist genau meine Sorge“, stöhnt der Abgeordnete Kodaira, der im japanischen Parlament für den Walfang und gegen dessen Kritiker im Ausland kämpft.

Nur wenige in Japan äußern sich kritisch oder wagen gar, den Sinn des Walfangs grundsätzlich anzuzweifeln. Es gehe nicht um die Kultur, sondern um die Einhaltung von Artenschutzbestimmungen, die auch die Regierung unterzeichnet habe, heißt es bei Greenpeace Japan. Der japanische Wissenschaftler Jun Morikawa schreibt in seinem Buch über den japanischen Walfang, dass die Kultur des Walessens in der japanischen Geschichte nie weit über die Küstenregionen hinaus verbreitet gewesen sei, außer in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Als Wirtschaftsfaktor sei der Walfang unbedeutend.
Eine Frage des Prinzips

Gegen eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs spricht sich auch der Meeresbiologe Nishiwaki aus. Damit würden nur bestimmte wirtschaftliche Interessen bedient, sagt er. Der Walfang sollte nur an der Küste für die lokale Bevölkerung oder für eine nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen betrieben werden. Japan brauche Zeit, um sich umzustellen. Tatsächlich geht es weniger um Kultur als um eine Frage des Prinzips. Das von Rohstoffimporten abhängige Japan, das auch einen Großteil seiner Lebensmittel einführt, will sich nicht von Ressourcen fernhalten lassen. „Zuerst kommt der Wal und dann der Thunfisch“, fürchtet ein Beamter des Außenministeriums in Tokio. Offiziell wird weiter das Argument der Traditionspflege bemüht, das, wenn überhaupt, nur noch an wenigen Orten der japanischen Küste stichhaltig ist.

In der Mittelschule des Fischerdorfs Wada erklingt zur Pause Beethoven-Musik aus den Klassenzimmerlautsprechern. „Wir respektieren Ihre Kultur, respektieren Sie auch unsere“, sagt Shoji.

Quelle und vollständiger Artikel: „Walfang in Japan Eine Frage der Esskultur oder des Prinzips?“ in FAZ.NET 03.08.10

Kommentar: Lesenswerter Artikel über die japanische Sicht des Problems

Streit um die Arktis- Wettfahrt in die Kälte

Über die Konkurrenz der USA, Russland, Kanada und Dänemark um Bodenschätze im Raum um den Nordpol wurde schon einige Male hier im Blog unter dem Tag „Arktis“ berichte, z.B. in „Reichtum in eisiger Kälte“ und „Wem gehört die Arktis?„. Möglich wird das Ganze durch das Schmelzen großer Eisflächen und damit Zugang zu bisher unzugänglichen Meeresbodenbereichen. Kernfrage ist allerdings, wer wo welche Ansprüche geltend machen kann.
Jetzt geht die Konkurrenz, offener Streit ist es (noch) nicht, in die nächste Runde.

Ein Forschungsschiff soll Moskaus Anspruch auf die Arktis belegen. Anfang August wird ein amerikanisch-kanadisches Schiff mit dem selben Ziel aufbrechen. Es geht um Rechte auf noch unentdeckte Bodenschätze.

50 Forscher wollen an Bord des russischen Forschungsschiffs „Akademik Fjodorow“ drei Monate lang Beweise dafür sammeln, dass Russlands Anspruch auf die Arktis zu Recht besteht.

Das Schiff hat den Hafen von Archangelsk verlassen, nun wollen 50 Forscher drei Monate lang Beweise dafür sammeln, dass Russlands Anspruch auf die Arktis zu Recht besteht.

Die Fjodorow wurde für fünf Millionen Euro umgerüstet und mit neuestem Inventar bepackt, das dreidimensionale Tiefseeaufnahmen erlaubt. Wie wichtig die russische Mission ist, zeigt zweierlei. Zum einen sind Vertreter des Moskauer Verteidigungsministeriums an Bord. Zum anderen bricht Anfang August ein amerikanisch-kanadisches Schiff ebenfalls nach Norden auf. Es ist eine Wettfahrt in die Kälte, wo unentdeckte Bodenschätze schlummern sollen: Kobalt, Nickel, Silber, Gold, wohl auch Öl und Gas.

Quelle und vollständiger Artikel: „Streit um die Arktis- Wettfahrt in die Kälte“ in sueddeutsche.de am 30.07.10

Menschenrecht auf Wasser – Wichtige Entscheidung der UN-Generalversammlung

BMU: Menschenrecht auf Wasser – Entscheidung der UN-Generalversammlung

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat gestern (28. Juli 2010) mit großer Mehrheit das Recht auf sicheres Trinkwasser und auf sanitäre Versorgung zu einem universellen Menschenrecht erklärt. Deutschland hat sich seit Jahren für eine solche Entscheidung eingesetzt und die von Bolivien und 33 weiteren Staaten eingebrachte Resolution unterstützt. Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen begrüßte den Beschluss.

„Diese Entscheidung der UN-Generalversammlung ist ein wichtiges politisches Signal zur Halbzeit der UN-Wasserdekade. Sie unterstreicht die Verpflichtung der Staatengemeinschaft, aber auch jeder einzelnen Regierung, die Umsetzung der gesetzten Ziele bei der Verbesserung der Trinkwasserversorgung und vor allem bei der Sanitärversorgung der Bevölkerung weiter mit Nachdruck voranzutreiben. Wasser und seine nachhaltige Bewirtschaftung sind Grund-voraussetzungen für wirtschaftliche und soziale Entwicklung und die Nahrungsmittelversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung. Der Schutz dieser lebenswichtigen Ressource vor Übernutzung und Verunreinigung ist daher auch ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft. Deshalb sind und bleiben Wasser- und Gewässermanagement wichtige Themen unserer internationalen Zusammenarbeit“, sagte Röttgen heute in Bonn.

Von Makrelen und Asche: Islands EU-Beitritt beginnt

taz: Vulkanstaat will sich an Europa binden

EU Am Dienstag beginnen die Beitrittsverhandlungen mit Island. Dabei sind die noch offenen Abkommen über die Icesave-Schulden, die Waljagd und der Fischfang die Knackpunkte der zukünftigen Gespräche

STOCKHOLM taz Zwei Ultimaten liegen auf dem Tisch, wenn am Dienstag die offiziellen Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und Island beginnen werden. Deutschland fordert, dass Island den kommerziellen Walfang einstellt, und Großbritannien und die Niederlande wollen eine EU-Mitgliedschaft der Nordatlantikinsel von einer Einigung über die Tagung der Icesave-Schulden
abhängig machen.

Die Wale dürften dabei das kleinere Problem sein. Islands jetzige rot/rot-grüne Regierungskoalition hat die umstrittene Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs von ihrer Vorgängerin geerbt und hätte nichts dagegen, diese Jagd so bald wie möglich wieder verbieten zu „müssen“. Es käme nur auf die richtige Verpackung dieser für viele IsländerInnen wichtigen Symbolfrage an. Und da kommt Reykjavik die negative EU-Meinung zu diesem auch in Island selbst höchst umstrittenen Thema nicht ungelegen. Denn wirtschaftlich spielt der Walfang keine Rolle.

Der Icesave-Komplex dagegen wird nicht leicht zu lösen sein. Im März hatten bei einer Volksabstimmung 93 Prozent der IsländerInnen Nein zu „Iceslave“ gesagt. Das Abkommen würde das Land verpflichten, umgerechnet rund 4 Milliarden Euro an die Staatskassen Großbritanniens und der Niederlande zu zahlen. Damit sollen die Zahlungen, die diese Länder im Rahmen ihrer eigenen Spareinlagengarantiegesetze an ihre BürgerInnen für deren Einlagen bei der pleite gegangenen Internetbank Icesave geleistet hatten, ausgeglichen werden. Doch den meisten Isländern leuchtet nicht ein, warum sie mit 13.000 Euro pro Kopf für die windigen Geschäfte einiger Privatbanker haften müssen.

Eine Mehrheit der Bevölkerung ist sich aber auch klar darüber, dass mit dem Volksabstimmungs-Nein das Problem nicht vom Tisch ist. Am Ende wird sich der isländische Staat wohl oder übel zumindest anteilsmäßig an diesem Schuldenberg der später verstaatlichten „Landsbanki“ beteiligen müssen.

Viel Fingerspitzengefühl dürfte erforderlich sein, dieses heikle Thema durch die Beitrittsverhandlungen zu lotsen. Und das scheinen bislang weder die britische und niederländische Diplomatie, die offenbar auf offenen Druck setzen wollen, noch das Europaparlament verstanden zu haben. Letzteres wirft in einer Resolution den IsländerInnen vor, „sich dem Rückzahlungsplan im Gefolge des Icesave-Kollapses zu widersetzen“. Und übersieht dabei, dass im isländischen Parlament vor einem Jahr ein Gesetz wirksam verabschiedet wurde, wonach Reykjavik sogar die von London und Den Haag geforderte Erstattung in voller Höhe zugesteht. Doch die dortigen Regierungen lehnten bislang ab, weil sie mit den vorgeschlagenen Zahlungsmodalitäten und den angebotenen Zinsen nicht einverstanden waren.

Die isländische Anti-EU-Bewegung hat sich bereits auf das Bild einer EU eingeschossen, die über die Beitrittsverhandlungen mit Hilfe von Erpressung Island zu einer Haftung für Schulden zwingen will, zu denen das Land rechtlich überhaupt nicht verpflichtet wäre. Und gelingt es den Verhandlungsdelegationen aus Brüssel und Reykjavik nicht, zu Icesave einen Kompromiss zu finden, der für eine Mehrheit der IsländerInnen akzeptabel ist, braucht das Ergebnis der Beitrittsverhandlungen diesen gar nicht erst zu dem erforderlichen Referendum vorgelegt zu werden.

Makrele im Mittelpunkt

Denn neben Icesave drückt auch das Traditionsthema Fischfang derzeit mal wieder die Ja-Quote für einen EU-Beitritt deutlich unter die 50-Prozent-Marke. Hier sind die Makrelen zu einem neuen Streitthema zwischen den Fischfangflotten der EU und Islands geworden. Die tauchen seit einigen Jahren aufgrund der steigenden Wassertemperaturen in wachsendem Maße vor den isländischen Küsten auf, wo sich die dortigen Fischer über die neue Einkommensquelle freuen. Der isländische
Makrelenfang hat sich binnen vier Jahren von 4.200 Tonnen auf jetzt 130.000 Tonnen verdreißigfacht.

Die EU und Norwegen teilen sich eine Fangquote von 700.000 Tonnen Nordseemakrelen und sind dagegen, dass Island einfach die in seine Hoheitsgewässer abgewanderten Klimaflüchtlinge aus dem Meer abfangen will.

REINHARD WOLFF
http://taz.de/digitaz/2010/07/26/a0046.nf/text

Neues Unglück am Golf: Boot rammt Öl-Bohrturm

Neues Unglück am Golf: Boot rammt Öl-Bohrtum

FoxNews berichtet von einem Unfall bei dem ein Boot eines der Ölstellen gerammt hat wodurch es zu einer weiteren Verschmutzung kommt:

http://video.foxnews.com/v/4269462/new-aerials-of-oil-spill/#/v/4294834/another-leak-in-the-gulf/?playlist_id=87485

Boat Crashes Into Oil Well, Creating New Spill in Gulf of Mexico
URGENT: Fox News is being told by the Homeland Security director for Jefferson Parish, La., that a new oil leak has sprung up in the Gulf of Mexico after a boat struck an oil well in the early morning hours on Tuesday.

A tugboat or other workboat collided with the well near Bayou St. Dennis, La., shearing off its valve structure and releasing pressurized natural gas and light oil, DHS official Deano Bonano told Fox News.

Cleanup workers are currently booming off the area and the scene at sea has been taken over by federal agents. The U.S. Coast Guard, Jefferson Parish police and fire officials, as well as Vessels of Opportunity boats have all been dispatched to the scene.

Federal officials do not know who owns the well, but a contractor who handles wild wells is also on the way, Bonano said.

Oil is spewing about 20 feet in the air from the severed 4-inch pipe, a contractor who flew over the leak told Fox News. The area has been evacuated and civilian boats are being told not to enter the scene, where „a fair bit of oil“ is leaking out, the contractor said.
http://www.foxnews.com/us/2010/07/27/boat-crashes-oil-creating-new-spill-gulf-mexico/

100 Tage Oelkatastrophe : BP macht weiter wie bisher

100 Tage Oelkatastrophe: BP macht weiter wie bisher

Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Konzernzentrale in Bochum und schliessen Londoner Tankstellen

Bochum/London – Anlaesslich der heutigen Vorstellung der BP-Halbjahreszahlen protestieren Greenpeace-Aktivisten vor der BP-Zentrale in Bochum und an rund 50 Londoner Tankstellen. Die Aktivisten kritisieren damit die oekologische Bilanz des Oelkonzerns: Von seinem jaehrlichen Umsatz von ueber 200 Milliarden Dollar investiert BP nicht einmal 0,5 Prozent in klimafreundliche Energien. So plant der Konzern, in den kommenden Jahren lediglich eine Milliarde Dollar in Erneuerbare Energien zu investieren – in riskante Oelfoerderprojekte lenkt der Konzern dagegen 19 Milliarden Dollar. 100 Tage (morgen, 28. 7. 2010) nach Beginn der Oelkatastrophe im Golf von Mexiko wird immer deutlicher, dass Oelbohrungen in der Tiefsee nicht beherrschbar sind und BP nichts aus dem Desaster
gelernt hat.

„Der Oelkonzern BP versucht sich mit dem Firmenslogan „beyond petroleum“ („jenseits des Oels“) ein gruenes Maentelchen umzuhaengen“, sagt Karsten Smid, Energieexperte bei Greenpeace. „Dass BP es nicht ernst meint mit dem Wandel sieht man an den Investitionen: In riskante Oelfoerderprojekte lenkt der Konzern 20mal so viel Geld wie in Erneuerbare Energien.“

Gleichzeitige Aktionen in Bochum und London

In Bochum halten oelverschmierte n Greenpeace-Aktivisten ein Banner: „BP: Raus aus der Tiefsee“. Aus einem rund vier Meter hohen Foerderturm spritzt Oel-Imitat. Auf den Flaggen vor dem Gebaeude sind die Logos von Aral und BP nun oelverschmiert zu sehen. Zeitgleich haben Greenpeace-Aktivisten in London alle rund 50 BP-Tankstellen geschlossen. Die Aktivisten betaetigen die Notschalter der Tankstellen. Um das Wiedereroeffnen der Tankstellen zu verhindern, entfernen die Aktivisten einen Teil des Schalters. Hierdurch wird das Wiedereinschalten der Zapfsaeulen verhindert. „Closed. Moving beyond petroleum” (Geschlossen. Wir gehen weg vom Oel) steht auf Bannern.

Weltweit leitet BP insgesamt 32 Oelfoerderprojekte in der Tiefsee. Allein bei 14 Projekten wird bereits Oel gefoerdert, neun Tiefseeprojekte werden derzeit vorangetrieben, weitere neun Projekte in einer Tiefe von ueber 200 Metern sind in Planung. Die Oelkonzerne dringen in immer abgelegenere Gebiete vor, die haeufig grosse Bedeutung fuer die Biodiversitaet sowie lokale und globale Oekosysteme haben. Dabei haben sie keine ausreichenden Notfallplaene. Oelkatastrophen nehmen sie somit billigend in Kauf.

„BP muss seine Unternehmensstrategie umkrempeln und sich von der Tiefsee-Oelfoerderung verabschieden“, so Smid. „Das ist die einzig logische Konsequenz aus der Oelkatastrophe.“ Greenpeace fordert den Stopp von Oelbohrungen unterhalb einer Wassertiefe von 200 Metern, da Taucher dort nur noch eingeschraenkt arbeiten koennen.

Anfang August wird das Greenpeace-Schiff ‚Arctic Sunrise‘ eine dreimonatige Expedition in den Golf von Mexiko starten. Ziel der Reise ist es, Daten und Informationen ueber die Auswirkungen einer der groessten Oelkatastrophen zu sammeln. Mit an Bord der ‚Arctic Sunrise‘ ist die deutsche Greenpeace-Aktivistin Regine Frerichs.

Öl-Konzerne bedrohen Wale

WWF: ÖL-KONZERNE BEDROHEN DIE LETZTEN 130 WESTPAZIFISCHEN GRAUWALE. / BP UND EXXON VERWEIGERN GESPRÄCHE MIT EXPERTENGRUPPE.

 

Vor der Ostküste der russischen Insel Sachalin geraten die letzten rund 130 Westpazifischen Grauwale zunehmend unter Druck, denn dort entsteht derzeit das weltweit größte Öl- und Gasförderprojekt. Erste Folgen sind bereits absehbar: Im vergangenen Jahr wurden deutlich weniger Grauwale gezählt als üblich. Der WWF fordert von den beteiligten Konzernen – Exxon, Shell, Gazprom, BP und Rosneft – ihre Entwicklungsvorhaben zu stoppen, bis eine Expertengruppe den Einfluss auf die Wale beurteilt und Empfehlungen zur weiteren Vorgehensweise herausgegeben hat. Das Gremium trifft sich am 21. April in Genf, um neu gewonnene Daten auszuwerten und über Schutzmaßnahmen zu beraten. Exxon, BP und der russische Rosneft-Konzern lehnten im Vorfeld eine Teilnahme an der Konferenz ab. Zur internationalen BP Group gehört auch die bekannte Tankstellenkette Aral. Exxon, das derzeit umsatzstärkste US-Unternehmen, ist in Deutschland vor allem mit seiner Marke Esso bekannt.

 

„Exxon, Rosneft und BP weigern sich, überhaupt mit den Wissenschaftlern zu sprechen. Sie erkennen das Gremium nicht als Dialogpartner an“, kritisiert Volker Homes, Leiter WWF-Artenschutz. Da alle Gesprächsangebote und Vorschläge bisher ignorieret wurden, hofft der WWF jetzt auf den Druck von Politik und Öffentlichkeit. Eine international koordinierte E-Mail-Aktion an die Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzenden der Konzerne fordert einen sofortigen Stopp aller Baumassnahmen zur Öl- und Gasförderung in den Gewässern vor Sachalin. „Die Mail-Kampagne soll den betreffenden Mineralölkonzernen klar machen, dass die Verbraucher und Kunden einen Schutz der Grauwale wollen“, sagt der WWF-Walexperte Volker Homes. Bisher hätten sich knapp 15.000 Bürger an der Aktion beteiligt.

 

Die Grauwale im Westpazifik galten in den 1970er Jahren bereits als ausgestorben. Die wiederentdeckten rund 130 Tiere sind die letzten ihres Bestandes. Zunehmender Schiffsverkehr und Unterwasserlärm, als Folge der Großprojekte, mache den Tieren zu schaffen. Nachweislich änderte sich das Verhalten der Wale in den betroffenen Gewässern. Die gigantischen Meeressäuger kommunizieren und orientieren sich per Schallwellen. Daher reagieren sie auch äußerst sensibel auf Lärmbelastung. So fanden Wissenschaftler und Walbeobachter heraus, dass sich die Tiere während der Konstruktionsphasen signifikant weniger in dieser Region aufhielten, obwohl hier ihre wichtigsten Nahrungsgründe liegen.

Quelle: https://www.wwf.de/oel-multis-bedrohen-grauwale/

Moskau verbietet Robbenjagd im Weißen Meer

Moskau verbietet Robbenjagd im Weißen Meer

Moskau, Russland – Die russische Regierung gab heute ein
komplettes Verbot der Jagd auf Sattelrobben, die weniger als ein Jahr
alt sind, im Weißen Meer bekannt. Der IFAW (Internationaler
Tierschutz-Fonds) hat mit seinen Kampagnen in Russland, Kanada und
der EU gegen kommerzielle Robbenjagden maßgeblich zu dieser
Entscheidung beigetragen.

 

Ende Februar hatte das russische Fischereiministerium verkündet,
die Jagd nur auf sogenannte Whitecoats zu verbieten, das sind Tiere,
die bis zu elf Tagen alt sind. Außerdem war die Jagd weiterhin im
Zeitraum vom 10. März bis 1. Mai erlaubt, also zur Hauptjagdzeit. Die
heutige Ankündigung des Ministers für natürliche Ressourcen und
Ökologie, Yuriy Trutnev, setzt der Robbenjagd nun tatsächlich ein
Ende.

 

„Das blutige Robbenschlachten, das Töten wehrloser Tiere, das man
nun wirklich nicht „Jagd“ nennen kann, ist jetzt in Russland verboten
– wie in den meisten entwickelten Ländern. Es ist ein ernsthafter
Schritt für die Erhaltung der Biodiversität in Russland,“ so Minister
Trutnev.

 

„Wir sind begeistert, dass die russische Regierung ihr Versprechen
einlöst, sich für den Schutz der Sattelrobben einzusetzen,“ sagt Dr.
Ralf Sonntag, Leiter der europäischen Robbenkampagne des IFAW.
„Russland hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt, während sich
Kanadas Politiker weiterhin über die weltweite Opposition gegen die
Robbenjagd hinwegsetzen und an einer Jagd festhalten, die nicht
einmal mehr rentabel ist. Kanada muss die Jagd nun endlich auch
verbieten.

 

Der Widerstand gegen die Robbenjagd hatte in Russland im letzten
Jahr massiv zugenommen. Trutnev dankte den NGOs und der
Öffentlichkeit für ihren andauernden Einsatz für ein Verbot der
russischen Robbenjagd.

 

IFAW – International Fund for Animal Welfare

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/15641/1372199

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