Coffee to go Becher, Plastiktüten und andere Wegwerfprodukte verschmutzen deutsche Städte. Umweltministerin Svenja Schulze will die Hersteller an den Entsorgungskosten beteiligen

Viele leere Coffe-to-go Becher liegen an einer Straßenecke. Viele der Becher stammen von Starbucks. Im Hintergrund sieht man eine Starbucksfiliale

© FAZ | dpa

In vielen deutschen Städten hat die Nutzung und die anschließend rücksichtslose Entsorgung von Wegwerfartikeln und Einwegplastikprodukten ein erschreckendes Ausmaß angenommen.

„Der Trend zu mehr Wegwerfartikeln führt in manchen Städten zu einer regelrechten Müllflut, vor allem in öffentlichen Parks und auf belebten Straßen“

Svenja Schulze, Bundesumweltministerin

Daher will Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nun die Hersteller solcher Einwegprodukte an Stadtreinigungskosten beteiligen. Dafür will sie im Kreislaufwirtschaftsgesetz die Rechtsgrundlage für eine spätere Verordnung schaffen. Bisher mussten die Kommunen für die Kosten der Reinigung alleine aufkommen. Wie viel die jeweiligen Unternehmen berappen müssen, soll daran bemessen werden, wie viel die jeweiligen Kommunen für Reinigung, Sammlung, Transport, Behandlung, Personal und Sensibilisierungsprogramme bisher ausgegeben haben. Dies variiert anhand verschiedener Faktoren wie Ortsgröße, Jahreszeit oder Lage.
Die EU beschloss bereits im Mai eine Kunststoffrichtlinie, die Hersteller an den Reinigungskosten im öffentlichen Raum beteiligen soll.

Süddeutsche Zeitung, 12. August 2019, Autorin: Ekaterina Kel

Von einem Gesetz, das die Hersteller in die Verantwortung zieht, verspricht sich Schulze langfristig ein Umdenken bei den Unternehmen. „Ich glaube, wir werden in Zukunft mehr Alternativen sehen“, sagte sie. Dass anfallende Kosten dann auch an Konsumenten weitergegeben würden, also Produkte teurer würden, sei möglich. Für Schulze ist das ein Schritt für mehr Gerechtigkeit nach dem „Verursacherprinzip“. […] Einen To-Go-Becher trage aber keiner nach Hause, um ihn dort im Plastikmüll zu entsorgen.

Triumph für die Nachhaltigkeit?

Ob diese Maßnahme ein Triumph für die Nachhaltigkeit und Umwelt darstellt, ist jedoch in Frage zu stellen. Sicherlich ist der Ansatz, Unternehmen in die Reinigungskosten mit einzubinden kein Fehler, jedoch ist die Effizienz dahinter fraglich. Für viele Unternehmen werden voraussichtlich die zusätzlichen Kosten nicht hoch genug sein, um ihre Verpackungsstrategie grundsätzlich zu ändern. Viel mehr muss auf umweltfreundliche und ressourcenschonende Alternativen umgestiegen werden. Zusätzlich tragen wir als Verbraucher stark zum Verpackungsproblem bei, durch unseren tagtäglichen Konsum jener Produkte. Oft ist es Bequemlichkeit oder auch Unwissen, welches dazu führt, dass viele Verbraucher:innen immer wieder zu Einwegprodukten greifen. Nicht nur die Hersteller sondern auch wir Verbraucher haben die Verantwortung uns über Einfluss und Reichweite dieser Produkte bewusst zu werden und sie konkret zu meiden und zu boykottieren. Hierbei handelt es sich nämlich nicht um einen Verzicht oder geringere Flexibilität im Alltag, sondern um vorausschauendes Handeln z.B. durch das einfache Mitführen von Alternativprodukten wie Baumwollbeuteln oder dem eigenen Kaffeebecher.

Den gesamten Artikel zu der Herstellerbeteiligung an Reinigungskosten könnt ihr bei der Süddeutschen Zeitung nachlesen.

Mehr zur Vermeidung von Einwegplastik  findet ihr bei unserer BLUE STRAW Kampagne.

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