Zur Sitzung des EU-Fischereirats in Luxemburg, 20./21. Juni 2005

Viele tote Sardellen liegen nebeneinandergereit n mehreren Reihen nebeneinander. Vermutlch liegen sie an einer Fischtheke

© Diane Helentjaris | Unsplash

Fischen nicht den Garaus machen

WWF: Ausbau der Fischereiflotte würde Zustand bedrohter Fischbestände weiter verschärfen

Bremen, 17. Juni 2005 – Die für nächste Woche angekündigte Entscheidung des EU-Fischereirats, den Europäischen Fischerei-Strukturfonds zugunsten des Ausbaus der Flottenkapazität zu erhöhen, wäre nach Ansicht des WWF ein drastischer Rückschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Fischereipolitik. Ein entsprechender Vorstoß seitens der süd- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten der EU, Subventionen für den Ausbau der Küstenfischerei mit kleinen Booten bis zu 12 Metern Länge zu gewähren, soll auf der Sitzung der Fischereiminister am kommenden Montag in Luxemburg beraten werden. Der WWF warnt die Minister vor einer falschen Entscheidung: Subventionen für den Bau oder die Modernisierung von Schiffen führten unweigerlich dazu, dass sich die Bestände bedrohter Arten wie Kabeljau, Südlicher Seehecht und Sardellen nicht mehr erholen können. Auf lange Sicht seien so nicht nur die Fische, sondern zwangsläufig auch die europäische Fischerei-Wirtschaft gefährdet.

„Sollten die EU-Fischereiminister solche Subventionen wieder einführen, erklären sie die Reform der Fischereipolitik von 2002 für gescheitert“, erläutert WWF-Fischereireferentin Stefanie Schmidt die Auswirkungen einer solchen Entscheidung. Die Reform sei damals mit dem Ziel beschlossen worden, die Fischereikapazitäten innerhalb der EU zu reduzieren, um die Fischerei so langfristig zu sichern und nachhaltiger als bisher zu gestalten. Der WWF fürchtet, dass die bereits gemachten Fortschritte nun durch eine falsche Subventionspolitik unterwandert werden. „Der neue Vorstoß könnte auf 80 Prozent der gesamten EU-Flotte angewendet werden und dadurch positive Ansätze für eine nachhaltige Fischerei grundlegend ausbremsen“, so Stefanie Schmidt.

Seit langem warnen Wissenschaftler und der WWF zum Beispiel vor einem Zusammenbruch der Kabeljau-Bestände in der Nord- und der östlichen Ostsee. Erst im vergangenen Dezember hatte der Wissenschaftliche Rat zur Erforschung der Meere (ICES) zum wiederholten Mal eine komplette Schließung dieser Kabeljau-Fischereien empfohlen. Weitere Arten wie der Südliche Seehecht stehen ebenfalls auf der inoffiziellen „Roten Fischerei-Liste“.

Nach Ansicht des WWF ist der drohende Kabeljau-Kollaps das direkte Ergebnis von jahrzehntelangen falschen Entscheidungen in der EU. Der WWF empfiehlt, an den Reformen der Gemeinsamen Fischereipolitik festzuhalten und die zukünftige Subventionspolitik im Sinne der bereits getroffenen Beschlüsse zu gestalten. „Es gibt einen Weg aus der Fischereikrise“, sagt Stefanie Schmidt. „Die EU-Fischereiminister müssen ihn nur gehen und dürfen sich nicht von kurzsichtigen wirtschaftlichen Interessen einzelner Mitgliedsstaaten davon abbringen lassen.“

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