Seevögel besser schützen

Studie des FTZ Büsum untersucht Auswirkungen des Schiffsverkehrs

Für Vögel kann starker Schiffsverkehr weit reichende Konsequenzen haben. Welche Möglichkeiten es gibt, störungsempfindliche Vogelarten zu schützen, stellt die Arbeitsgruppe „Seevogelökologie“ um Dr. Stefan Garthe, Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ), in der aktuellen Ausgabe (Juli 2011) von Ecological Applications vor.

Aus Flugzeugen und von Forschungsschiffen aus beobachteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom FTZ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), über einen Zeitraum von fünf Jahren das Fluchtverhalten besonders störungsempfindlicher Vogelarten. „Seetaucher meiden Gebiete mit starkem Schiffsverkehr vollständig, Trauerenten flüchten bereits, wenn die Schiffe noch weit entfernt sind und Eiderenten weichen erst aus, um eine Kollision gerade noch zu vermeiden. So unterschiedlich reagieren die verschiedenen Arten auf Störungen durch Wasserfahrzeuge“, erklärt Dr. Philipp Schwemmer.

Häufiges Auffliegen koste allerdings Kraft und erhöhe den Energiebedarf der Tiere. Dies führt besonders zur Winterzeit mit knappem Nahrungsangebot zu schlechter Körperkondition. Für das kommende, kräftezehrende Brutgeschäft haben diese Vögel dann schlechtere Vorraussetzungen, um ihren Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen. Einige der untersuchten Meeresentenarten mieden Bereiche viele Stunden, die nur ein einziges Mal von einem Schiff durchquert wurden.

Die Studie liefert Empfehlungen für behördliche Raumplanungen auf Nord- und Ostsee. Dr. Garthe: „Würde sich der Schiffsverkehr zukünftig stärker auf bestimmte Strecken konzentrieren und weniger breitflächig erfolgen, könnten sich die Seetaucher und Meeresenten zur Nahrungssuche auf die schiffsfreien und damit ungestörten Bereiche verteilen.“

Hintergrundinformation
Unter Leitung von Dr. Stefan Garthe beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Seevogelökologie“ seit zehn Jahren mit der Verbreitung, der Habitatwahl und den Beständen von Vögeln auf See. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interessieren sich dabei auch dafür, wie menschliche Aktivitäten auf See die dort vorkommenden Seevögel beeinflussen. Erforscht werden unter anderem der Einfluss der Fischerei auf das Nahrungsangebot, die Stellnetzfischerei als Todesursache durch Ertrinken in Netzen, die Aufnahme und Folgen von auf dem Meer treibendem Müll sowie die Beurteilung des Einflusses von Offshore-Windenergieanlagen. Dr. Garthe erarbeitete Vorschläge für die Ausweisung von Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee, die durch das Bundesamt für Naturschutz vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurden.

Originalveröffentlichung:
Philipp Schwemmer, Bettina Mendel, Nicole Sonntag, Volker Dierschke, Stefan
Garthe: Effects of ship traffic on seabirds in offshore waters: implications for marine
conservation and spatial planning. Ecological Applications Volume 21, Issue 5 (July
2011)
www.esajournals.org/doi/full/10.1890/10-0615.1

Kontakt:
Dr. Ulrike Kubetzki
Meeresbiologin und Wissenschaftsjournalistin (FJS)
AG 4 „Seevogelökologie“
Forschungs- und Technologiezentrum
Westküste der Universität Kiel
Hafentörn 1
25761 Büsum
Tel.: 01573/4030434
Fax: 03212/3366990
Mail: kubetzki@ftz-west.uni-kiel.de

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