Das japanische Handelsministerium hat nach Medienmeldungen ein Budget von über einer Milliarde USD (¥8.9bn, £667m) beantragt für den Abbau („drilling“) von Methanhydrat durch die Japan Oil, Gas and Metals National Corporation. Beginn: nächstes Frühjahr, wirtschaftlicher Betrieb ab 2018. Ort: Tiefsee vor der Südostküste Japans.

Quelle:
Energy Resources – Japan plans ‚fire ice‘ gas drilling“ in UPI.com vom 28.09.10
Japan to drill for controversial ‚fire ice‘“ in guardian.co.uk vom 27.09.10

Eine gute Zusammenfassung zu den Risiken und zu der japanischen Sichtweise gibt der gut recherchierte englische Beitrag mit vielen weiterführenden Links bei Discover, Blogs / 80beats:
Japan Plans to Drill for Plentiful Underwater Methane

Eine deutsche Kurzzusammenfassung zu der Situation in Japan bietet der schon etwas ältere Artikel „Tiefer geht’s nicht“ in der Technology Review vom 05.08.09

Einen guten Überblick gibt das Arbeitspapier „Potentiale und Risiken der Nutzung von Methan aus Methanhydraten als Energieträger„, University of Lüneburg, Working Paper Series in Economics, No. 147, Oktober 2009

Beiträge in diesem Blog zum Methanhydratabbau und seinen Risiken gibt es hier.

Kommentar:
Damit ist offensichtlich der Startschuss gegeben. Japan verfügt über keine nennenswerten eigenen fossilen Energieträger und ist massiv von Importen von Flüssiggas abhängig. Japan ist es eines der Länder, das schon seit einigen Jahren die Forschungen zum Methanhydratabbau massiv vorantreibt und fördert.

Angesichts der nach allen wissenschaftlichen Bewertungen großen Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko, Langzeitfolgen nich nicht absehbar, ist für mich die Frage momentan offen, was zukünftig schlimmer ist: Methandydratabbau oder Ölbohrung- und -förderung in der Tiefsee. Der Methanhydratabbau beinhaltet das Risiko des Abrutschens von Unterwasserabhängen mit anschließenden Tsunamies sowie die Freisetzung großer Mengen Methan, die Erdölförderung Unfälle/katastrophen wie im Golf von Mexiko. Letztlich hängt es meines Erachtens primär davon ab, dass die Tätigkeiten von Firmen in der Tiefsee durch neutrale und nicht politisch beeinflusste Stellen bestmöglich überwacht werden, Umweltverträglichkeitsprüfungen vor neuen Projekten durchgeführt werden, hohe Sicherheitsstandards bei der Durchführung gefordert und gefördert werden und die Meeresforschung in diesen Bereichen massiv verstärkt wird. Nur wenn wir wissen, wie biologischen und geologischen Abläufe in der Tiefsee exakt verlaufen, kann man das Risiko bewerten. Ich glaube nicht, dass wir Erdöl- und Erdgasförderung sowie Methanhydratabbau/-förderung aus der Tiefsee komplett verhindern können. B.a.w. haben wir weltweit einen Riesenbedarf an fossilen Energieträgern und Basisstoffen für petrochemiebasierte Produkte.Wir haben m.E. damit nicht die Wahl zwischen Durchführung oder Nichtdurchführung, sondern nur zwischen Wann, Wo und Wie. Da muss man ansetzen und die Politik national wie international zu zukunftsgerichtetem Handeln bringen. Zukunftsgerichtet heißt für mich „für die nächsten Generationen“, nicht „bis zur nächsten Wahl“. Grundlage dafür ist für mich eine massive Stärkung der zugehörigen wissenschaftlichen Forschung.

Ich finde z.B. das Projekt SUGAR des IFM GEOMAR sehr wichtig und interessant: Submarine Gashydrat-Lagerstätten: Erkundung, Abbau und Transport

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