Türkische Reiseagentur M.T.S. Mastur streicht sämtliche Delfinarientouren

„Delfine als Geldmaschine missbraucht“

Am 19. Juli hatte das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) der türkischen Groß-Reiseagentur M.T.S. Mastur einen internationalen Boykott angedroht. Einen Tag später vermeldete die Agentur gegenüber dem WDSF, dass sie „aufgrund der in der letzten Zeit ansteigenden Diskussionen und Pressemitteilungen über die Delfinarien in der Türkei … ab sofort sämtliche Delfinarien in der Türkei dauerhaft aus dem Programm streichen“.

Das WDSF hatte per Vorlage des Kaufvertrags nachgewiesen, dass das Delfinarium in Antalya „Sealanya“ bereits im Jahr 2007 zehn Delfine aus der grausamen und blutigen Delfintreibjagd in Taiji/Japan für 280.000 US-Dollar importiert hatte. Vier dieser Delfine starben im Frühjahr dieses Jahres unter mysteriösen Umständen innerhalb weniger Tage. Im Jahr 2009
hatte die Delfinschutz-Organisation bereits erhebliche Mängel und katastrophale hygienische Zustände in allen Türkei-Delfinarien bemängelt. Sämtliche großen deutschen Reiseveranstalter stoppten daraufhin ihre Delfinarien-Angebote in der Türkei.

Nachdem Öger-Tours jedoch die Delfinarien-Ausflüge seit April wieder im Programm hatte, drohte das WDSF mit Boykottaufrufen und wollte diese allen Reisebüros in Deutschland übermitteln. Erste Reisebüros reagierten alleine aufgrund der Feststellungen des WDSF und nahmen Öger Tours komplett aus dem Programm. In einer Zeit harter Reisekonkurrenz und sinkender Gästezahlen eine gefährliche Entwicklung für den grten deutschen Türkei-Reiseveranstalter. Prompt stoppte Öger Tours seine Delfinarientouren, nun allerdings „dauerhaft in der gesamten Türkei“ und berief sich auch auf die Untersuchungen des WDSF.

Vor Ort hatte die WDSF-Organisation festgestellt, dass einige Reiseveranstalter das selbst auferlegte Verbot der Delfinarientouren durch türkische Anbieter wie Mastur umgingen. Deshalb stand die Agentur nun im Schussfeld der Delfinschützer. Diese werden wiederum werden von dem bekannten „FlipperSchützer Richard O’Barry unterstützt, der mit seinem Dokumentarfilm „Die Bucht der über die grausamen Hintergründe der Delfinimporte berichtet, in diesem Jahr in Hollywood einen Oscar gewann.

Mastur bestätigte auf Anfrage, dass sie innerhalb weniger Tage in allen 450 betreuten Hotels in der Türkei die Aushänge der Delfinarientouren entnehmen werden und alle Reiseleitungen informieren wollen.

Nachdem Gäste in der Türkei das WDSF darauf aufmerksam gemacht, dass die dem Rewe-Konzern angeschlossenen Anbieter von DerTour und ITS noch Delfinarientouren anbieten würden, intervenierte die Delfinschutz-Organisation direkt am Montag dieser Woche bei der Konzernleitung. Heute vermeldete auch die Rewe-Group in Köln, dass Rewe-Touristik mit den Veranstaltermarken ITS, Jahn Reisen uns Tjaereborg „auch weiterhin keine Ausflüge zu den Delfinarien an der Türkischen Riviera anbieten wird.

WDSF-Sprecher Jürgen Ortmüller: „“Steter Tropfen höhlt den Stein. Durch eine selbst dokumentierte Faktensammlung üben wir nun intensiven Druck auf die Reiseanbieter mit Delfinarientouren aus, nachdem wir anfänglich noch versucht hatten, das Thema auf einer Kommunikationsebene vom Tisch zu bekommen. Die Sprache des Geldes erfordert jedoch offenbar auch Maßnahmen der Androhung von Umsatzeinbußen, um geschundenen Meeressäugern, die als Geldmaschinen missbraucht werden, zu helfen. Auf jeden Fall wird den Delfinarienanbietern nun das Geld für weitere Delfinzukäufe fehlen. Wir hoffen, dass die Delfinarien in der Türkei schließen müssen und die Tiere unter Aufsicht ausgewildert werden.“

Presse-Information:
Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)

Pressemitteilung WDSF

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