Erfolgreicher Start der DEEWAVE „Marine Litter Watch Expedition“

Tag 1 Marine Litter Watch Expedition

Seit Ende Juni ist die unter Schirmherrschaft der UNESCO stehende Changing Oceans Expedition in der deutschen Nord- und Ostsee unterwegs. Nun hat die Expedition der „Fleur de Passion“ ihre Halbzeit erreicht und startet in Hamburg ihr Programm für das Deutsch-Niederländische Wattenmeer.

DEEPWAVE e.V. wird auf dem ersten Teil in der deutschen Bucht eine Expedition zur Aufklärung und Probensammelfahrt zum Thema „Meeresplastik“ starten. Ausgehend von Bremerhaven wird das Schiff dazu die Häfen Wilhelmshaven, Helgoland, die ostfrisieschen Inseln und Emden besuchen, sich mit Experten treffen und in den Häfen Informationsmaterial an die Segler und Besucher verteilen.

Als Praktikantin von Dr. Onno Groß, dem 1. Vorsitzenden des Vereines DEEPWAVE, begleite ich die spannende Exkursion, um bei der Forschungsarbeit mitzhelfen. Unsere Reise beginnt am Montag in aller Frühe um 5.45 Uhr. Ich liege noch träumend in meiner Koje, während die internationale Crew schon munter auf den Beinen ist und die Abfahrt vorbereitet. Sogar das Reporterteam von Radio Bremen ist schon an Bord um ein erstes Interview mit Onno Groß zu führen. Für einen Tag wollen sie das Forschungsteam bei ihren Untersuchungen filmen.

Um kurz nach Sechs findet aber auch mein Schlaf ein jähes Ende, als das Signalhorn des Segelschiffes zum Abschied lautstark ertönt.Mit einer schnell geschmierten Nutellaschnitte und einem Becher Kaffe begebe ich mich an Deck um zum ersten Mal den Fahrtwind zu genießen.

Um halb Zehn setzt Sebastien, unser Kapitän, den Anker vor der unbewohnten Düneninsel Mellum, damit wir mit dem Sammeln von Wasserproben beginnen können. Unter den wachsamen Augen der Seehunde, die nicht weit von uns faul am Strand liegen, werfen wir das erste 200er Planktonnetz ins Meer. Neben Grünalgen und Möwenfedern lassen sich auch ein rotes Kaugummi und winzig kleine Plastikteilchen beim Einholen des Netzes finden. Die gesamte Probenentnahme wird von dem Reporterteam ausführlich dokumentiert.

Unsere Tagesroute führt uns gegen Mittag weiter hinaus auf die offene See. Und je mehr es anfängt zu schaukeln, desto wackeliger werden auch die Passagiere auf den Beinen, bis schließlich das gesamte Reporterteam an Deck liegt und kränkelt.

Beim Minsener Oog, einer weiteren Düneninsel, setzen wir den Anker ein zweites Mal, um die Müllbelastung des Strandes zu untersuchen. Während ein Team mit dem Reportern, das mittlerweile wieder auf den Beinen ist, mit dem Schlauchboot zur Insel fährt, beköstigt sich der Rest der Mannschaft an dem kleinen Mittagessen in der Bordsküche.

Nach einer guten Stunde ist das kleine Expeditionsteam wieder an Bord und berichtet von dem Ausflug auf die Insel. Der Vogelwart Herr Lautermann war so freundlich das Team herumzuführen und ihnen einen Einblick in das Müllproblem zu geben. Er erzählt von seinen zahlreichen kuriosen Funden, zu denen u.a. eine Gummipuppe oder 17 Zoll Bildschirme gehören. Doch das Expeditionsteam muss selbst leider auch feststellen, dass kaum ein Strandabschnitt müllfrei ist. Insgesamt hat sich das Müllproblem nicht verbessert und auf der unbewohnten Insel wird das ganze Ausmaß der Müllfracht in der Nordsee sichtbar. Ein Großteil des Plastikmülls besteht dabei aus Fischernetzen. Zur Freude der Mannschaft, finden sie auch einen roten Wasserball (Banco Santander). Ob dieser den zahlreichen Meeresvögeln auf der Insel genauso gut gefällt, ist fraglich.

Die zusätzlich entnommenen Sandproben werden sorgfältig in kleine Beutelchen gefüllt und anschließend mit dem Mikroskop untersucht. Tatsächlich lassen sich kleintste Plastikteilchen und Fasern zwischen den Sandkörnern finden, auch wenn die Auswertung der Proben erst später ausführlich im Labor geschehen wird. Die Annahme, dass wir am Strand uns auf unserem eigenen Müll sonnen, konnte somit bewiesen werden.

Am Abend erreichen wir nach der Einfahrt in den Jadebusen gegen Strom unseren Liegeplatz am Bontekai in Wilhelmshaven. Um halb Acht Uhr kommen dann die ersten Besucher an Deck, um sich bei einem Glas Sekt über unsere Expedition zu informiern. Die Kollegen vom Zentrum für marine Biodiversität , der Außenstelle der Universität Oldenburg (ehemals Terramare) und vom Nationalparkamt Niedersächsichses Wattenmeer diskutieren mit uns lebhaft die Ziele der Kampagne. Allen ist klar, dass dem Problem Meeresplastik viel zu wenig Aufmerksamkeit beschert wird. Unser langer Tag endet bei einem netten Abendessen in der kleinen aber gemütlichen Bordsküche. Morgen früh geht’s dann segelnd nach Helgoland.
Isabel Lissner

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