Der O-Ton von Janice Jakait ist immer noch unübertreffbar:

Ein Punkt am Ende der Karte
Februar 11, 2012

Erschreckend nüchtern tickt die Uhr, erschreckend nüchtern sehe ich nur: die Position auf meiner Karte, vor der ich sitz’ und warte. Was passiert mit den Sekunden hinter dem Uhrglas nachdem sie abgelaufen sind? Ist da ein Zeitsack drin, hinten im Uhrwerk? Fallen sie da einfach hinein? Sekunde für Sekunde, abgeheftet mit einem Post-It auf dem eine kleine Erinnnerungsnotiz steht? 11:35:13 “Janice hat sich auf Barbados gefreut, hat gelacht!” 11:36:26 “Janice mag den Anker auswerfen, mag nicht an Land, heult gleich wie ein Kind.” 11:37:53 “Janice zurück an den Rudern, mit doppeltem Einsatz” … so in etwa. Es müsste in der Uhr ein zweites Display geben, einen Ambivalenzmesser, der einfach nur in rot oder grün anzeigen und abstempeln würde, ob das benutze Post-It nur der Entwurf eines Gefühls war, oder endlich eine finale Version des Erlebens, ein Schlusspunkt hinter dem Akt.

Ich will nicht weg hier! Und doch, es ist so schrecklich wie ich das Land vermisse. Das Land mit seinen Menschen, denen ich auch immer so gern rote oder grüne Post-Its auf die Stirn geklebt habe. Hier und da, ganz sparsam, sogar rosafarbene. Alles mit grün und rosa mag ich unbedingt wieder in meine Arme nehmen. Möglichst bald.

Der Ozean ist noch nicht fertig mit mir. In den letzten Tagen spült mir der Wind mit bis zu 30 Knoten (Windstärke 7) wieder reichlich Wasser aus sechs Metern Höhe ins Boot. Muss dauernd pumpen an Bord meiner sich drehenden Waschmaschine. Und gestern Nacht ist mir auch wieder reichlich Wasser durch die hinter Luke in die Kabine eingeschlagen. Wollte nur kurz lüften, es war extrem heiß. Der Schwall ergoss sich über mein Gesicht, direkt auf Schlafsack, Matte, Decke und Kissen – alles triefnass. Danach, wie immer: verteilte es sich in der kompletten Kabine und allen Taschen und Aquapacs (Gott sei dank!). Habe irgendwie notdürftig wieder alles aufgemoppt und eine tolle Nacht im Nass verbracht. Wenigstens nicht mehr so warm. Jetzt kann ich schauen, wie ich bei aktuell 25kn den Kram halbwegs trocken bekomme. Werde mir jetzt aber erstmal einen halben Liter Trinkwasser über dem Kocher ausbalancieren und eine kräftige Erbsensuppe machen. Da kommen dann noch reichlich frisch Sprossen rein – im Moment mein Highlight hier: Essen!

Quelle: http://www.rowforsilence.com/de/2012/02/ein-punkt-am-ende-der-karte/



Screenshot 12.02.2012

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