Revision des Hai-Finning-Verbots der EU bietet die Chance,
vorhandene Gesetzeslücken zu schließen

Die Europäische Kommission veröffentlicht Vorschläge zur Überarbeitung der
Verordnung

DEEPWAVE e.V. und die Shark Alliance unterstützen einen Vorschlag zur Überarbeitung
des Hai-Finning-Verbots der EU, der voraussetzt, dass Haie mit ihren Flossen
anzulanden sind, ohne zuvor an Bord der Schiffe entfert zu werden. Dieser
Vorschlag ist Teil eines öffentlichen Diskussionspapiers, das die Europäische
Kommission heute veröffentlich hat – fast zwei Jahre nach ihrer Zusage, das Verbot
des Finnings, d. h. der verschwenderischen Praxis, die Flossen eines Hais
abzutrennen und den Körper zurück ins Meer zu werfen, zu unterbinden.

Gesetzeslücken in der 2003 verabschiedeten EU-Verordnung ermöglichen es
Fischern, geschätzten zwei von drei Haien die Flossen abzuschneiden, ohne dass
dies entdeckt oder bestraft würde. Die Kommission bittet nun um Eingaben bezüglich
drei verschiedener Vorschläge zur Überarbeitung der betreffenden Verordnung,
darunter zwei Vorschläge, die die derzeitige Verordnung wesentlich stärken würden.

“Die EU hat die Tür für das Hai-Finning schon viel zu lang offen gelassen“,
sagte Uta Bellion, Direktorin des europäischen Meeresprogramms der Pew
Environment Group und Koordinatorin der europäischen Aktivitäten der Shark
Alliance. “Die derzeitigen Beratungen könnten zu einer wesentlichen Verbesserung
der Politik führen, insbesondere wenn der einzige wirklich verlässliche Vorschlag zur
Verhinderung von Finning – das vollständige Verbot der Entfernung von Haiflossen
auf See – angenommen wird.“

In Wissenschaftskreisen ist man sich mehrheitlich einig, dass eine gesetzliche
Verpflichtung zur Ganzkörperanlandung von Haien die mit Abstand effektivste
Methode zur Umsetzung von Finning-Verboten ist. Neben erheblichen
Verbesserungen bei der Durchsetzung ermöglicht diese Politik auch die optimierte
Erfassung artenspezifischer Fangdaten – ein unerlässliches Instrument für die
Bemessung und das Management der Haipopulationen.

Die Shark Alliance weist seit langem auf die Unzulänglichkeiten des EU-Finning-
Verbots hin und wird sich nach Kräften an der noch bis zum 21. Februar 2011
andauernden öffentlichen Erhebung der Kommission beteiligen. Die Kommission hat
angekündigt, im kommenden Jahr einen förmlichen Vorschlag zur Revision der
Verordnung beim Rat der Europäischen Union und beim Europaparlament
einzureichen.

Die Shark Alliance ist ein Zusammenschluss von mehr als 100 Naturschutz-,
Wissenschafts- und Freizeitorganisationen, der sich für eine Verbesserung der
weltweiten Schutzbestimmungen für Haie einsetzt.

Gründer und Koordinator der Shark Alliance ist die Pew Environment Group, die
Naturschutzabteilung des Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation,
die der Überfischung der Weltmeere ein Ende setzen will. Weitere Informationen
finden Sie unter www.sharkalliance.org

The Europäische Kommission hat im Februar 2009 mit der Veröffentlichung des Hai-
Aktionsplans der Europäischen Gemeinschaft offiziell eine Stärkung des EU-Finning-
Verbots zugesagt.

Im April 2009 unterstrich der Rat der EU-Fischereiminister in einer offiziellen
Erklärung zum Hai-Aktionsplan die dingende Notwendigkeit einer Verschärfung des
Finning-Verbots.

Gleichwohl die Finning-Verordnung der EU das Abtrennen von Haiflossen auf See
untersagt, ist es den EU-Mitgliedstaaten gestattet, Fischern Sondergenehmigungen
zur Hai-„Verarbeitung“ und damit zur Abtrennung von Flossen an Bord der Schiffe zu
erteilen. Deutschland, Großbritannien und Nordirland haben die Erteilung solcher
Genehmigungen vor kurzem gestoppt. Derzeit werden diese nur von Spanien und
Portugal erteilt, allerdings für die meisten ihrer im Haifang tätigen Fischer.
2003 unternahmen EU-Fischereimanager den Versuch, das Finning im Schutze
dieser Genehmigungen mithilfe der Festlegung einer Obergrenze für das
Gewichtsverhältnis von Flossen zum Körper zu unterbinden. Das Flossen-
Körpergewichtsverhältnis dient weltweit der Überwachung einer ausgewogenen
Anlandung von Haiflossen und –körpern. Allerdings ist das von der EU angesetzte
maximale Gewichtsverhältnis von 5% des Gesamtgewichts für Flossen höher und
großzügiger als das anderer Länder. Da das EU-Gewichtsverhältnis mehr als das
Doppelte des von der Weltnaturschutzunion (IUCN) vorgegebenen, wissenschaftlich
fundierten Standards beträgt, ist es theoretisch möglich, dass bis zu zwei von drei
Haien, die in europäischen Gewässern oder von europäischen Schiffen gefangen
werden, gefinnt werden können. Darüber hinaus ist es europäischen Schiffen derzeit
gestattet, Haiflossen und –körper in verschiedenen Häfen anzulanden. Diese zweite
Gesetzeslücke verkompliziert die Umsetzung der bestehenden Vorschriften und
untergräbt die Wirksamkeit einer ohnehin schwachen Politik.

Das Konsultationsdokument kann hier herunter geladen werden:
ec.europa.eu/fisheries/partners/consultations/shark_finning_ban/index_en.htm

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