Rettung von 70.000 Meeresschildkröten-Eiern vor der Ölpest läuft

Am Golf wird eines der weltweit größten Rettungsaktionen von Meeresschildkröten-Eiern gestartet. Die U.S. Fish and Wildlife Service (US Fischerei- und Naturschutz-Behörde) wird mit Dutzenden von freiwilligen Helfern die mehr als 70.000 Eier aus den bis zu 800 Nestern der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) an den Stränden von Florida Panhandle Alabama ausgraben und umsiedeln.

Diese stark bedrohten Schildkröten haben um diese Jahreszeit ihre Eier abgelegt, aus denen nun in den nächsten Wochen die Jungen schlüpfen werden. Junge Schildkröten laufen nach dem Schlüpfen sofort ins Meer … sie würden direkt in den Ölteppich geraten! Wahrscheinlich würde dadurch eine ganze Generation der bedrohten Meeresschildkröten sterben, fürchtet Chuck Underwood of the U.S. Fish and Wildlife Service.

Umsiedlung von Schildkröten-Eiern
Das Ausgraben der Eier muss sehr vorsichtig erfolgen, damit die empfindlichen Schalen nicht zerbrechen. Um den Embryo im Innern des Eis zu schützen, dürfen die Eier nicht herumgerollt oder zu stark bewegt werden. Anschließend werden die Eier in „Ersatznester“ aus feuchtem Sand in Styropor-Container gesetzt und in ein 500 km entferntes Gebäude im Kennedy Space Center in Florida gebracht. Unmittelbar vor dem Ausschlüpfen der jungen Schildkröten werden die Eier an Floridas Ostküste an den Strand gesetzt, so dass die Jungtiere dann in einen ölfreien Ozean schwimmen können.

Der Nachwuchs der ebenfalls im Golf von Mexico lebenden und stark bedrohten Karibischen Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii) ist von der Ölpest nicht unmittelbar bedroht, da diese Nester an Stränden angelegt sind, an denen noch kein Öl angespült worden ist.

Dutzende tote Schildkröten durch Ölpest?
Durch die Ölpest sind bereits jetzt Dutzende Schildkröten gestorben, manche aufgrund von Verölung, andere aus noch nicht genau geklärten Gründen.Dabei könnten die Öl auflösenden Chemikalien, Dispergatoren, durchaus eine Rolle gespielt haben: „Dispergierte Öltröpfchen können von Fischen, Korallen und von bodenlebenden Organismen leichter aufgenommen werden, was zu Beeinträchtigung der Organismen führen kann“, so Dierk-Steffen Wahrendorf von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz im Gespräch mit „DIE ZEIT“ (http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-05/oelbekaempfung-chemikalien?page=1).

Man kann nur hoffen, dass ein Teil der diesjährigen Brut der Unechten Karettschildkröte gerettet wird und die Ölpest endlich eingedämmt wird.
Die ökologische Katastrophe im Golf von Mexico wird noch unzählige weitere Todesopfer fordern. Die Öl-Industrie ist auch tatsächlich höchst besorgt … wegen des Versuchs der US-Regierung, weitere Tiefsee-Bohrungen zunächst auszusetzen.
Bettina Wurche

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