Quastenflosser sind Reisende im Strom

Bei den afrikanischen Quastenflossern scheint es sich um Angehörige einer einzigen Population zu handeln. Das berichten Würzburger und Tutzinger Forscher im Magazin „Nature“. Obschon entlang der gesamten ostafrikanischen Küste vorkommend, weisen die urtümlichen Fische nur minimale genetische Unterschiede auf.

Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass über Entfernungen von mehreren Tausend Kilometern ein freier Genaustausch stattfinde, schreiben die Forscher um Hans Fricke vom Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie Seewiesen. Angesichts der vorherrschenden Strömungen sei eher denkbar, dass die Tiere von den Komoren aus bis zum Kap im Süden und bis nach Kenia im Norden getragen würden.

Fricke und Kollegen untersuchten das Erbgut von 47 Komoren-Quastenflossern (Latimeria chalumnae). Mit ihren gliedmaßenartigen Brust- und Bauchflossen stellt die Gattung Latimeria die letzten Vertreter der Coelacanthii – einer Gruppe ursprünglicher Fische, von der man zunächst angenommen hatte, sie sei vor gut 70 Millionen Jahren ausgestorben. Erst im Jahr 1938 als höchst lebendig erkannt, scheint das Zentrum der „lebenden Fossilien“ bei den Komoren zu liegen, nordwestlich Madagaskars.

Untereinander weisen die Komoren-Quastenflosser praktisch keine genetischen Unterschiede auf, so die Forscher. Von ihren pazifischen Vettern der Art Latimeria menadoensis unterscheiden sie sich dagegen in gut 7 Prozent der verglichenen Sequenz. Laut Fricke und Kollegen stehen ihre Befunde im Einklang mit der Hypothese, erst vor wenigen Millionen Jahren habe der Südäquatorialstrom einige pazifische Quastenflosser zu den Komoren getragen. Offenbar komme die Eroberung der restlichen ostafrikanischen Küste nur langsam voran.

Forschung: Manfred Schartl und Ute Hornung, Physiologische Chemie I, Biozentrum der Universität Würzburg; Karen Hissmann, Jürgen Schauer und Hans Fricke, Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Tutzing

veröffentlicht in Nature: Schartl, M., Hornung, U., Hissmann, K. et al. Relatedness among east African coelacanths. Nature 435, 901 (2005). https://doi.org/10.1038/435901a

https://www.nature.com/articles/435901a

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