Text übernommen von der Webseite von Project Blue Sea e.V., dort mit weiteren Fotos.

Müll im Meer geht uns alle an

Wir bitten um Unterstützung:

Zur Erstellung der größten digitalen „Müllpinnwand“ und diversen Aufklärungsmaterialien ist eure Mithilfe gefordert. Bitte schickt uns eure Fotos von vermüllten Stränden, Buchten, Häfen, Flüssen und Kanälen zu.

Sendet die Fotos bitte in großer Auflösung und mit Hinweis auf den Aufnahmeort und das Aufnahmedatum an unsere E-Mailadresse info@projectbluesea.de (Bei größeren Datenmengen nehmt bitte Kontakt mit uns auf. Wir werden euch dann einen Speicherplatz im Internet zum Hochladen der Fotos anbieten)

Die von uns initiierte Müllpinnwand soll aufzeigen, wo, wann und wieviel Müll an den verschiedenen Küsten vorkommt. Sie kann bei der Entscheidungsfindung für einen geeigneten Urlaubsort dienen, kann Gemeinden auf ein eventuelles Problem vor der eigenen Haustür aufmerksam machen und soll zudem die vorherrschende Situation weltweit anmahnen.

Müllkippe Ozean

Einst galten die Meere als unbezwingbar und ihre Ressourcen wurden als unerschöpflich eingestuft. Dies alles hat sich binnen weniger Menschengenerationen geändert. Die kommerziell nutzbaren Fischbestände sind durch Überfischung kollabiert; Öl- und Gasbohrungen finden in immer größeren Tiefen und mit unüberschaubaren Folgewirkungen statt; die Schätze der Tiefsee werden geplündert, ohne dort die genauen biologischen Zusammenhänge zu kennen. Zudem sorgt der Massentourismus dafür, dass wichtige Brutgebiete für Meerestiere zubetoniert und Korallen zerstört werden. Doch als sei dies alles nicht schon schlimm genug gibt es eine Bedrohung für das Ökosystem Ozean, dessen Ausmaße langfristig nicht zu überblicken sind und deren Auswirkungen auch uns Menschen stark beeinträchtigen. Die Rede ist von der Jahr zu Jahr ansteigenden Einleitung von Plastikmüll sämtlicher Art. Noch vor wenigen Jahrzehnten als „die“ Revolution zur Erleichterung aller Lebenslagen angepriesen, weiß man heute nicht mehr wohin mit all den ausgedienten Kunststoffen…

Bei unser intensiven Recherche über die Vermüllung der Meere ist uns bewusst geworden, dass niemand mit Bestimmtheit sagen kann, wie viel Plastikmüll sich genau in den Meeren befindet und wie viel dies in 1, 2, 5, 10 oder 100 Jahren sein wird. Doch offensichtlich ist: Der Müll ist da und zwar überall. Ob an den Stränden und Küsten, auf hoher See, an der Oberfläche oder auch tief auf den Meeresboden abgesunken. An vielen Stränden ist es nicht der Sand, der bei Spaziergängen unter unseren Füßen knirscht, sondern fein zerriebene Plastikteilchen. Besonders nach starken Fluten und außerhalb der Feriensaison kann man die Ausmaße der Vermüllung an den Stränden beobachten.

Im Nordpazifik hat sich aufgrund der Strömungsverhältnisse ein Plastikmüllstrudel gebildet, der die Ausmaße Zentraleuropas besitzt. Forschungen an verschiedenen Stellen in ihm ergaben, dass die Masse der Plastikteilchen die Masse des vorhandenen Planktons um das Mehrfache übertrifft.

Woher kommt der Müll?

Ein Großteil der Vermüllung unserer Weltmeere beginnt in den Städten und Gemeinden, da Plastikmüll über die Flüsse ins Meer gelangt. Aber auch defekte und aufgegebene Fischereiutensilien, sowie über Bord gegangene Ladung und das Einleiten von Schiffsmüll (obwohl international geächtet und durch das MARPOL- Abkommen verboten) sorgen dafür, dass die Ozeane mehr und mehr verdrecken.

Was hat Plastik für Auswirkungen auf die Meeresumwelt?

Sichtbare Auswirkungen: Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) sollen alljährlich allein etwa eine Million Seevögel direkt durch den Müll im Meer zu Tode kommen. Schwimmende Plastikteile werden als Beute erachtet und geschluckt. Dies hat häufig zur Folge, dass der Magen-Darm Trakt blockiert oder das Gewebe verletzt wird. Auch wird der Nachwuchs mit den von den Elternvögeln aufgenommenen Plastikteilchen gefüttert. Letztendlich sterben viele Tiere mit einem vollen Plastik-Magen. Ein über Jahre angelegtes Monitoring an tot aufgefundenen Eissturmvögeln an der Nordsee ergab, dass sich bei 9 von 10 Vögeln Plastikteile in den Mägen befanden. Ähnlich ergeht es Meeresschildkröten, die beispielsweise umherdümpelnde Plastiktüten für ihre Lieblingsspeise (Quallen) halten. Hinterlassenschaften aus der Fischerei wie aufgegebene, zerrissene Netze (so genannte Geisternetze) dümpeln über lange Zeit im Meer umher und töten immer weiter, weil sich Robben, Fische, Wale, Delfine, Schildkröten, Seevögel etc. in ihnen verfangen und qualvoll verenden.

Unsichtbare Auswirkungen: Sonne, Regen, Stürme und das Meerwasser zersetzen das Plastik in kleinste Partikel. Die Dauer des Zerfalls ist abhängig von der verschiedenen Materialbeschaffenheit. Beim Zersetzungsprozess werden zum Teil gefährliche Stoffe freigesetzt. Unter ihnen auch Bisphenol A, welches im Verdacht steht, das Erbgut zu schädigen. Auf der anderen Seite heften sich aber auch frei im Wasser befindliche Schadstoffe und nicht abbaubare Umweltgifte wie beispielsweise Pestizide und chemische Weichmacher an die Plastikpartikel. Kleine Fische, Garnelen, Krebse etc. nehmen diese auf und die am Teilchen angehefteten Giftstoffe lagern sich im Organismus ab und werden dort gespeichert. Durch die Nahrungskette gelangen die Gifte in immer größere Tiere und landen letztendlich zum Beispiel in Form von Schwertfischsteaks auf den Tellern des Endverbrauchers Mensch.

Forschungen bestätigen, dass die Muttermilch von Inuit-Frauen, welche sich in erster Linie von Tieren aus der oberen Nahrungskette ernähren sehr viel stärker mit Umweltgiften belastet ist, als die Muttermilch von Frauen, die weitaus weniger belastete Lebensmittel zu sich nehmen. Auch auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln wurden Forschungsergebnisse veröffentlicht, die starke Bedenken hinsichtlich des Verzehrs von mit Umweltgiften belastetem Walfleisch äußern. Hier konnten Störungen des Immunsystems sowie Entwicklungs- und Lernstörungen bei Kindern nachgewiesen werden, dessen Eltern vor der Geburt der Kinder regelmäßig Walfleisch aßen.

Was tun?

Wir können nicht warten, bis die träge und an Gewinnen orientierte Wirtschaft reagiert. Es muss ein Umdenken in der gesamten Bevölkerung eingeleitet werden. Schreibt an Firmen, deren in Plastik verpackte Artikel nochmals in weiteren Umverpackungen stecken und fragt nach, ob dies wirklich so sein muss. Versucht schon beim Einkauf möglichst wenig Lebensmittel zu erwerben, die in Plastik abgepackt sind. Dies ist gewiss nicht einfach, doch in manchen Fällen machbar. Einige Bedarfsmittel wie beispielsweise Flüssigseife oder Waschmittel sind in Nachfüllpackungen mit deutlich weniger Umverpackung zu erhalten. Großpackungen verursachen in vielen Fällen weniger Verpackungsmüll als die gleiche Menge kleinerer Packungen und sie sind zudem meist günstiger. Verwendet für eure Einkäufe wieder die guten alten Stoff-Tragetaschen statt der Einweg-Plastiktüte. Entsorgt die gekauften Umverpackungen korrekt. Scheut euch auch nicht davor, in der Umwelt umherliegende Plastikteile zu entfernen. Aber auch der Gesetzgeber ist gefragt. Es müssen Anreize geschaffen werden, um Plastikmüll effektiver zu sammeln und zurückzugeben (Stichwort Pfand). Ferner muss die Verbreitung von Biokunststoffen und die Erforschung neuer, innovativer Verpackungsmöglichkeiten gefördert werden.

Wie kann verhindert werden, dass immer wieder neues Plastik in die Meere gelangt? Viele Staaten fangen gerade erst einmal an, Plastik in Massen zu produzieren und es steht zu befürchten, dass das Problem ohne eine globale Initiative zur Vermeidung von Plastikmüll weiter stark anwächst. Hier muss massive Aufklärungsarbeit geleistet werden, um aus den Fehlern der Nationen zu lernen, die schon lange massenhaft Plastik produzieren. Ebenso müssen die bestehenden Gesetze zum Schutz der Ozeane effektiver überwacht werden. Illegale Entsorgungen müssen bei Feststellung des Verursachers härter bestraft werden. Ein großer Schritt wäre auch, wenn Fischer den in ihren Netzen mitgefangenen Müll nach ihrer Rückkehr in den Häfen entsorgen würden. Auch wären groß angelegte Strandsäuberungen wünschenswert. Es wäre sehr vorbildlich, wenn sich dazu Gemeinschaften zusammenfinden würden. Solche Maßnahmen könnten auch im Rahmen von Gemeindeaktivitäten oder Aktionswochen eingebunden werden.

Auch wir wollen Strandreinigungsaktionen ins Leben rufen. Hierbei hoffen wir auf euer Interesse und eure Mithilfe. Bitte meldet euch bei:

Project Blue Sea e.V.
Postfach 15 01 15
44613 Herne

oder unter info@projectbluesea.de Stichwort „Müll im Meer

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