Palau macht Hoheitsgewässer zu Schutzgebiet

Pazifik-Inselstaat bietet Meerestieren Zuflucht

Der pazifische Inselstaat Palau will seine gesamten Hoheitsgewässer zum Meeresnaturpark erklären. Somit wäre die Jagd auf Wale, Delphine, Haie und andere Meerestiere auf einer Fläche von 600.000 Quadratkilometern verboten.

„Meeressäugetiere und andere Spezies dürfen in unseren Gewässern künftig nicht mehr bedrängt und gejagt werden“, verkündete der Umwelt- und Tourismusminister von Palau, Harry Fritz, am Rande der zehnten Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) im japanischen Nagoya.

Unabhängige Umweltvereinigungen begrüßten die Pläne. Susan Lieberman von der einflussreichen US-amerikanischen ‚Pew Environment Group‘ sprach gegenüber IPS von einer „sehr wichtigen Ankündigung“.

Fritz appellierte zudem an die Staatengemeinschaft, sich aktiv am Schutz der Meerestiere zu beteiligen. Palau, bisher einer der engsten Verbündeten Japans, weicht damit ab von der offiziellen Linie der Regierung in Tokio ab, die seit langem das seit 1986 geltende globale Walfangverbot umgeht. Palau hatte diese Haltung viele Jahre lang sogar unterstützt.

Japanische Fischer töten in der Antarktis jährlich etwa 600 bis 900 Minkwale sowie Finnenwale zu „wissenschaftlichen Zwecken“. Das internationale Verbot lässt diese Ausnahme zu.

Palau braucht Japans Unterstützung

Der Inselstaat ist sich darüber im Klaren, dass Japan nach den USA sein zweitgrößter Entwicklungshilfe-Geber ist. Außerdem kommen zahlreiche japanische Urlauber nach Palau, da viele Einwohner ihre Sprache beherrschen. Fritz betonte daher, dass Palau seine guten Beziehungen zu Japan keinesfalls aufs Spiel setzen wolle. „Japan bleibt unser guter Freund, und wir wollen in Harmonie zusammenarbeiten, um unsere Ziele zu erreichen“, erklärte er.

Mit seinen knapp 22.000 Einwohnern und 508 Quadratkilometern ist Palau einer der kleinsten Staaten der Welt. Die Inselrepublik liegt im Pazifischen Ozean etwa 800 Kilometer östlich der Philippinen und 3.200 Kilometer südlich von Tokio. Während der japanischen Besatzung Palaus nach dem Ersten Weltkrieg wanderten viele Japaner ein, bis die USA im Zweiten Weltkrieg die Kontrolle über die Region übernahmen.

Vor der UN-Vollversammlung in New York hatte Präsident Johnson Toribiong bereits vor einem Jahr angekündigt, dass die Gewässer in der Wirtschaftszone von Palau zu einem Haischutzgebiet erklärt würden. Dabei handelt es sich um eine Fläche in der Größe von Frankreich. Wissenschaftler warnen davor, dass die Hälfte aller in den Weltmeeren vorkommenden Haie vom Aussterben bedroht ist. Haie werden vor allem wegen ihrer Flossen gejagt, deren Verkauf ein lukratives Geschäft ist.

In Palaus Gewässern sind außerdem mindestens elf Walarten zu finden, unter anderem der Pottwal, der auf der Jagd nach Beute bis zu drei Kilometer tief tauchen kann. Wie Fritz erklärte, sind im Umkreis der Inseln auch viele Delphine anzutreffen. Der Umweltminister rechnet damit, dass das Schutzgebiet zu einem weiteren Aufschwung für nachhaltigen Tourismus führen wird. Die Nachfrage nach Exkursionen zur Walbeobachtung nehme weiter zu, erklärte er. Bereits jetzt werde in diesem Bereich Millionen-Umsätze erzielt, von denen die Bevölkerung von Palau profitiere.

Das Problem des globalen Walschutzes ist damit allerdings nicht gelöst. Neben Japan jagen auch Norwegen und Island die großen Meeressäuger. Diese Länder haben intensive Kampagnen geführt, um das Fangverbot auszuhebeln. Sie argumentieren, dass die Minkwal-Populationen auf mehr als eine Million Tiere geschätzt werden. Fritz wies jedoch darauf hin, dass auch im Pazifischen Ozean die meisten Walarten wegen übermäßiger Fangoperationen internationaler Firmen stark dezimiert worden sind.

Mehr als 800 Fischerboote illegal in Hoheitsgewässern

Palau erhielt im August einen Bericht von US-Regierungsbeamten in Guam, dem zufolge mindestens 850 Fischerboote illegal in die Gewässer des Staates eingedrungen waren. Nach Angaben von Fritz wurden mehrere Verantwortliche zu Geldbußen verurteilt. Mit dem Nachbarstaat Niue habe die Regierung außerdem gemeinsame Luftpatrouillen vereinbart.

Inwieweit Palau den vollständigen Schutz der Meerestiere vor seinen Küsten tatsächlich durchsetzen kann, bleibt indes fraglich. Denn bisher verfügt der Kleinstaat lediglich über ein Patrouillenboot, das ihm von Australien bereitgestellt wurde. Laut dem Minister kommt die Pew Environment Group für den Treibstoff auf, so dass das Boot mehrmals im Monat für Einsätze genutzt werden kann. Die Fläche, die überwacht werden muss, ist jedoch so groß, dass dies bei weitem nicht ausreichen dürfte.

Links:
www.cbd.int/cop10/
www.pewtrusts.org/our_work_category.aspx?ID=110
www.ipsnews.net/news.asp?idnews=53280

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