Ozeanversauerung lässt Korallenriffe verarmen
Kohlendioxid-Quellen im Meer zeigen zukünftige Folgen der Versauerung des Meerwassers

Eine Kohlendioxid-Quelle am Meeresgrund hat Wissenschaftlern die einmalige Gelegenheit geboten, die Wirkung der Ozeanversauerung direkt an einem Korallenriff zu untersuchen. Ihr jetzt in „Nature Climate Change“ veröffentlichtes Ergebnis: Auch ohne begleitenden Temperaturanstieg stoppt der sinkende pH-Wert das Riffwachstum und lässt die Korallenwelt verarmen. Die normalerweise hohe Komplexität gesunder Riffe geht verloren.

Die Ergebnisse zeigen erstmals, wie sich ein tropisches Korallenriff-Ökosystem an gestiegene Kohlendioxid-Konzentrationen angepasst hat. Früher konnten Wissenschaftler nur mit Laborversuchen arbeiten. Diese Experimente zeigten zwar den schädlichen Effekt der Ozeanversauerung auf viele Arten, aber die natürlichen Quellen geben ein viel deutlicheres Bild darüber, was passiert, wenn ein gestiegener Kohlendioxidgehalt für viele Jahrzehnte auf eine Korallenriff einwirkt. Die Bandbreite an Kohlendioxid-Gehalten in der Milne Bay Quelle ist vergleichbar mit den prognostizierten Werten für Ende des Jahrhunderts.

Komplexität der Riffe nimmt ab
Korallenriffen, die dem hohen Kohlendioxid-Gehalt ausgesetzt sind, wie er für das Ende des Jahrhunderts prognostiziert wird, verarmen und die Komplexität von gesunden Riffen geht verloren. „Es wird einige Gewinner, aber viele Verlierer geben, wenn tropische Korallenriffe dem gestiegenen Säuregehalt des Ozeans ausgesetzt werden“, sagt die Expeditionsleiterin Katharina Fabricius vom Australian Institute of Marine Science.

Der Niedergang der komplexeren Korallen zugunsten einfacherer Korallen bedeutet weniger Lebensraum für die vielen zehntausend Arten, die die Vielfalt von heutigen Korallenriffen ausmachen. „In den Bereichen mit hohem Kohlendioxid-Gehalt gibt es 50 bis 80 Prozent weniger junge Korallen. Das Riff wird damit anfälliger für Naturereignisse wie tropische Wirbelstürme“, erklärt Fabricius. Es wäre katastrophal, wenn der pH-Wert unter 7,8 sinkt. …

Quelle: SCINEXX 03. Juni 2011

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