Pressemitteilung: Deepwave e. V. und 148 andere NGOs fordern:

Größe ist bedeutend, aber Qualität entscheidend – NROs und handwerkliche Fischer demonstrieren für nachhaltige Fischerei

Brüssel, 10.10.2011 — Im Rahmen einer gemeinsamen Zusammenkunft geben handwerkliche Fischer und zivilgesellschaftliche Gruppen heute in Brüssel eine Erklärung ab, mit der sie an das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und den Ratspräsidenten appellieren, mithilfe der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) für eine nachhaltige europäische Fischerei Sorge zu tragen.
Über 148 Gruppierungen aus 17 Mitgliedstaaten haben im Vorfeld der für den 11. Oktober anberaumten Anhörung des Europäischen Parlaments zu den Auswirkungen der geplanten GFP-Reform auf handwerkliche Fischer die Erklärung unterzeichnet. Der überwiegende Teil der europäischen Fischer betreibt handwerkliche Küstenfischerei, die wenig intensiv ist und sich saisonal unterschiedlicher Fangmethoden bedient, mit der Folge geringerer Belastung des Meeresraums bei gleichzeitiger Stärkung der lokalen Wirtschaft in den Küstenregionen.

„Die neue GFP muss Überfischung beenden und all jene, die auf umweltverträglichere und sozial verantwortlichere Weise fischen, durch bevorzugten Zugang zu Fischressourcen belohnen“, fordert Nina Wolff von der Deutschen Umwelthilfe, Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland. „Obwohl die handwerklichen Fischer einen wesentlichen Beitrag zum sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wohlergehen vieler Küstenregionen liefern, sind sie in den Bestrebungen der Kommission für eine reformierte GFP übersehen worden. Der Reformvorschlag der Kommission befasst sich nur mit Quantität, qualitative Kriterien werden vernachlässigt.“

Die Erklärung appelliert an die Mitglieder des Europäischen Parlaments, eine GFP vorzulegen, die:
1. Zugang zu Fischressourcen bevorzugt jenen gewährt, die Fischfang so umweltverträglich und sozial nachhaltig wie möglich betreiben, wie im Bericht des Europäischen Parlaments als Antwort auf das Grünbuch zur Reform der GFP deutlich gemacht;
2. übertragbare Fischereibefugnisse für Mitgliedstaaten nicht verbindlich vorschreibt, sondern eine Reihe geeigneter Instrumente für die Aufteilung von Fangmöglichkeiten zur Wahl stellt;
3. konkrete Zeitvorgaben für die Entwicklung und Anwendung von Mehrjahresplänen macht; und
4. klar definierte Bedingungen und Protokolle beinhaltet, um Konflikte zwischen einzelnen Fischern bei der gemeinsamen Befischung von Beständen oder der Nutzung gemeinsamer Fanggründe zu vermeiden.

„Die Europäische Kommission geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren 60 Prozent der Beschäftigten in der EU-Fischerei ihren Arbeitsplatz verlieren werden“, so Francisco Mari vom Evangelischen Entwicklungsdienst, einem OCEAN2012-Mitglied. „Und wenn nichts geschieht, wird der handwerkliche Bereich von diesem Rückgang am stärksten betroffen sein. Wir sind heute hier in Brüssel zusammengekommen, um uns Gehör zu verschaffen. Den politischen Entscheidungsträgern sagen wir, dass es in ihrer Macht steht, eine GFP zu wählen, die für eine weltweit sozial und ökologisch nachhaltige Fischerei sorgt – wenn sie auf uns hören.“

Für Rückfragen:
Dr. Nina Wolff
Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland
Deutsche Umwelthilfe e. V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030 2400867-84, Mobil: 0170 8127346, E-Mail: wolff@duh.de

Hinweise für die Redaktion:
1. Weitere Informationen, darunter eine Liste der über 148 Organisationen, die die Erklärung unterzeichnet haben, finden Sie unter www.OCEAN2012.eu/qualitycounts
2. Näheres zu OCEAN2012 und dem Vorschlag für eine überarbeitete GFP finden Sie unter www.OCEAN2012.eu
3. OCEAN2012 ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die im Wege der Reform der europäischen Fischereipolitik Überfischung und destruktive Fangmethoden beenden und einen angemessene und gerechte Nutzung gesunder Fischbestände durchsetzen wollen.
OCEAN2012 wurde von der Pew Environment Group gegründet und wird von ihr koordiniert. Die Pew Environment Group ist die Naturschutzabteilung von The Pew Charitable Trusts, einer Nichtregierungsorganisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Überfischung der Ozeane zu beenden.
Zum Lenkungsausschuss von OCEAN2012 gehören die Coalition for Fair Fisheries Arrangements, Ecologistas en Acción, The Fisheries Secretariat, nef (new economics foundation), die Pew Environment Group und Seas At Risk.

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