NO GO ya ?

Anmerkungen zur heute endenden 10.Biodiversitätskonferenz im japanischen Nagoya

von Sascha Regmann / Project Blue Sea

Life in harmony, into the future. So lautet das Motto der heute in Japan endenden Konferenz zum Schutz der Artenvielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD).

Japan ? Die Sushi, Surimi und Sashimi-Nation ? Ist es das Japan, das im März bei der in Katar stattgefundenen CITES-Artenschutzkonferenz mit seiner massiven Präsenz federführend dafür war, dass die Anträge zum Schutz des kurz vor dem Aussterben stehenden Blauflossen-Thunfischs sowie sämtlicher, für einen Schutzstatus vorgeschlagener Haiarten scheiterten ? Das Japan, das im Rahmen des diesjährigen Treffens der Internationalen Walfangkommission eines Korruptionsfalles überführt wurde und wo es Praxis ist Stimmen durch Schmiergelder, großzügige Geschenke und Prostituierte zu kaufen ?

16.000 (!!!) Vertreter aus 193 Nationen saßen nun also 12 Tage lang in genau diesem Japan am großen runden Tisch und debattierten darüber, wie die Vielfalt der Tiere und Pflanzen auf unserem Planeten für die Zukunft erhalten werden kann. Welches bahnbrechende Ergebnis dürfen wir wohl in wenigen Stunden erwarten ? Vermutlich ein großartiger „strategischer Plan“, der den Erhalt der verschiedenen Arten für das Jahr 2020 oder doch vielleicht 2050 garantieren soll. Bereits vor einer Dekade wurde ein solches Vorhaben schon einmal bis zum Jahr 2010 -dem offiziellen Jahr der Biodiversität- angepeilt. Im Jahr 2002 wurde ein ebensolches Dokument erarbeitet. 10 % der gesamten Meeresfläche sollten demnach bis 2010 unter Schutz gestellt werden.

Die Aussage vor der letzten Biodiversitätskonferenz im Frühjahr 2008 lautete: „Bislang steht weniger als 1% der gesamten Meeresfläche unter Schutz. Dies ist angesichts der Ausbeutung des Ökosystem Ozeans nicht länger zumutbar. Artenreiche Korallenriffe sowie großflächige Laich- und Wachstumszonen, geschützte Tiefseebereiche und Mangrovengebiete müssen dringend eingerichtet werden, um die biologische Vielfalt am Leben zu erhalten.“ Ich habe auch noch die Abschlusspressemeldung des Bundesumweltministeriums von 2008 im Gedächtnis. Seinerzeit sprach Ex- Umweltminister Gabriel von einem gelungenen Aufbruch zum Schutz der biologischen Vielfalt.

Als ich mich nun vor einigen Wochen auf die 10. Konferenz vorbereitete, stieß ich auf folgende Aussage: „Bislang steht etwa 1% der gesamten Meeresfläche unter Schutz…“ Es scheint, dass die Ergebnisse der diversen Meetings und Verhandlungen der vergangenen Jahre oftmals nicht das Papier wert sind auf dem sie verfasst wurden. Sicherlich haben die vielen Arbeitskreise, Institute und Forscherteams in den vergangenen Jahren viel geleistet. Dieses möchte ich nicht Schmälern. Jedoch muss endlich Schluss sein mit langfristigen Plänen, und Visionen.

Nicht kleckern, sondern klotzen!

Auf dem Pazifik treibt ein Plastikmüllteppich von der Größe Zentraleuropas, der Golf von Mexiko schwimmt im Öl, diverse Wissenschaftler sagen das Ende der kommerziell nutzbaren Fischbestände bis 2050 voraus, die Tiefsee wird ausgebeutet, bevor sie erforscht ist und noch immer werden zahllose Meeressäuger aus kurzzeitigem Profitdenken getötet.

Japan tritt internationale Bestimmungen zum Schutz der Meerestiere seit Jahrzehnten ganz öffentlich mit Füßen, und ausgerechnet dort soll nun (mal wieder) der Grundstein für das langfristige Überleben der Arten gewährleistet werden?

Ich denke, hier kommen nicht nur bei mir leise Zweifel auf…


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Meine Anmerkung:
Japan ist mit Sicherheit bisher kein Vorreiter in Sachen Umweltschutz und speziell Meeresschutz, aber ich halte die am Schluss obigen Kommentars nur in Richtung Japan gerichtete Kritk / gerichteten „Zweifel“ für zu einseitig. Erst mal zu Hause aufräumen. Die EU-Fischereipolitik ist unverändert ziemlich vermurkst und auch von der jetzigen Bundesregierung kommt außer Sprüchen sehr wenig in Sachen Meeresschutz und Artenschutz. Man versteckt sich dort gern hinter der EU und Zwang zu einheitlicher Abstimmung. Wir sollten zunächst da mit der Kritik und Veränderungen anfangen anstatt mit dem tadelnden Finger auf Japan zu zeigen.

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