Naturschutz: Gipfeltreffen im Museum der Harvard University: Der Ökologe Edward O. Wilson und die Meeresbiologin Antje Boetius
© Kieran Kesner für DIE ZEIT
„Wir können nicht warten, bis sich ein globaler Bewusstseinswandel einstellt, wir brauchen eine Abkürzung“, Meeresbiologin Antje Boetius im Gespräch mit Ökologe Edward O. Wilson.
DIE ZEIT, 09.01.2019, Interview: Fritz Habekuß
Soll die Hälfte der Erde zum Naturschutzgebiet werden, oder hilft eine Kohlenstoff-Steuer? Zwei Biologen, die die Welt auf unzähligen Expeditionen erforscht haben, debattieren über Lösungen

DIE ZEIT: Frau Boetius, Herr Wilson, Sie haben beide viele Jahre Erfahrung in der Feldforschung. Sie sehen die Zerstörung der Natur mit eigenen Augen und suchen nach Strategien gegen den Verlust der biologischen Vielfalt. Sie, Herr Wilson, haben vorgeschlagen, die Hälfte der Erde der Natur zu überlassen …

Antje Boetius: … dazu habe ich gleich einmal eine Frage: Wo bleibt bei dieser Idee der Mensch? Denken Sie ihn als Teil der Natur?

Edward O. Wilson: Natürlich sind wir ein Teil des Ökosystems. Doch Menschen gibt es noch nicht lange, gerade einmal 300.000 Jahre, und erst vor rund 50.000 Jahren haben wir begonnen, den gesamten Planeten zu besiedeln – gemessen am Alter vieler anderer Arten ist das ein Wimpernschlag. Der Mensch ist eine Pionier-Art, die alle Lebensräume erobert, andere Arten verdrängt, Habitate zerstört. Aber wir sind weit davon entfernt, unsere Wirkung bei der Zerstörung der Erde genau zu verstehen. Wir kennen ja noch nicht einmal den Großteil der Arten auf dieser Welt.

ZEIT: Wenn wir so wenig wissen, woher wollen Sie wissen, wann wir das Richtige tun?

Boetius: Dieses Argument kenne ich aus Debatten mit Politikern oder Vertretern der Industrie. Das Problem ist, dass wir mit dem Handeln nicht warten können, bis wir alles wissen. Dazu fehlt uns die Zeit. Forschen und Handeln müssen zeitgleich passieren.

Wilson: Es ist wie in der Medizin: Wir wissen auch heute nicht alles über Lungenkrebs, aber wenn jemand daran erkrankt ist, behandeln wir ihn. Genauso ist es mit dem Umweltschutz. Wir wissen ja, wie wir Ökosysteme vor der Zerstörung bewahren: indem wir sie in Ruhe lassen.

ZEIT: Sie wollen dazu die Hälfte der Erde unter Schutz stellen. Das klingt, mit Verlaub, ziemlich ambitioniert.

Das gesamte Interview findet ihr hier.

DIE ZEIT: https://www.zeit.de/index

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