Ein anderes Meer ist möglich!

Das zivilgesellschaftliche Bündnis zum Europäischen Tag der Meere 2014 lädt zu den ersten Veranstaltungen im Vorfeld des Kongresses der Europäischen Kommission ein.

Am 19. und 20. Mai findet in diesem Jahr in Bremen die größte meerespolitische Veranstaltung Europas statt. Ein breites Bündnis unterschiedlicher zivilgesellschaftlicher Organisationen nutzt diese Gelegenheit, um ihre Vorstellungen zur Zukunft der Meere in der Öffentlichkeit zu diskutieren und die aktuellen blauen Wachstumskonzepte in Frage zu stellen.

Das Meer ist nicht mehr unendlich, die Ozeane verändern ihr Gesicht: Mit neuen Technologien und zunehmender Geschwindigkeit stößt der Mensch auf die Hohe See und in ihre Tiefen vor. Immer neue Vorhaben beginnen auch den letzten Winkel der Meere zu erschließen. Wie zuvor das Land wird nun die See kultiviert. Eine nachholende Industrialisierung hat eingesetzt. Schritt um Schritt geraten dabei Bereiche ins Blickfeld, die bisher kaum oder in erster Linie traditionell von Fischerei und Schifffahrt genutzt wurden.

Weltweit werden tausende von Offshore-Plattformen, Aquakulturen und Windkraftanlagen errichtet. Ölbohrungen werden unter hohem Risiko tausende von Metern unter der Meeresoberfläche vorgenommen. Ohne die Containerschifffahrt ist die Globalisierung nicht mehr denkbar. Die Förderung von mineralischen Ressourcen aus großen Meerestiefen ist geplant, ohne dass ein hinreichendes Wissen über die ökologischen Konsequenzen existiert. Hochgerüstete Trawler machen Jagd auf die letzten lukrativen Fischbestände und konkurrieren mit der handwerklichen Fischerei. Per Flugzeug, Schiff und LKW gelangen Millionen Tonnen Fisch in die Europäische Union während die Ernährungssicherheit in vielen Ländern des globalen Südens nicht gewährleistet ist.

In diesem Kontext verabschiedete die europäische Kommission 2012 die Strategie des „Blauen Wachstums“. Die Eroberung der Meere wird hier vor allem als ökonomische Chance betrachtet und die maritimen Schätze als willkommener Ersatz für die an Land zur Neige gehenden Lagerstätten behandelt. Geplant wird in großen Dimensionen, aber notwendige politische Prozesse, Partizipation und Transparenz werden hintan gestellt. Der Öffentlichkeit werden Versprechungen auf neue Rohstoffquellen und Arbeitsplätze gemacht, ohne die Rahmenbedingungen und Ziele der angepriesenen Projekte tatsächlich zu erörtern. Das letzte und zugleich größte Ökosystem der Erde wird industriell erschlossen: Millionen von Menschen an den Küsten und auf See erfahren einschneidende Veränderungen, aber niemand entwirft eine angemessene politische Utopie davon, wohin die Reise letztlich gehen soll. Welches Meer wollen wir? Haben unser Planet und seine Ökologie Belastungsgrenzen, die es zu beachten gilt? Was wollen die Menschen, die seit Jahrtausenden die Küsten bewohnen und das Meer nutzen?

Geht diese Entwicklung weiter wie bisher, besteht die Gefahr, dass auf See die gleichen Fehler wie an Land wiederholt werden. Ohne die ökologischen und sozialen Gegebenheiten ausreichend zu berücksichtigen, vorausschauend zu handeln und die Betroffenen einzubeziehen werden Fakten geschaffen. Ganze Ökosysteme und die Existenzgrundlage von Küstengemeinden gehen unwiederbringlich verloren. Um Alternativen zu dieser Praxis zu diskutieren und ihre Vorstellungen einer anderen Meerespolitik öffentlich zu präsentieren, lädt ein breites, zivilgesellschaftliches Bündnis zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen und Aktivitäten in Bremen ein. Es beginnt mit einem Vortrag zu den Auswirkungen des Tiefseebergbaus am 09. April im Kapitel 8, umfasst Filmtage am 05. und 06. Mai im Kino city 46, Infostände am 18. Mai am Public Day und auf dem offiziellen Kongress zum Europäischen Tags der Meere vom 19. bis 20. Mai sowie direkt im Vorfeld der offiziellen Veranstaltungen eine eigenständige Konferenz des zivilgesellschaftlichen Bündnis vom 15. bis 17. Mai im Konsul-Hackfeld-Haus.
Während die EU-Kommission ihren großen alljährlichen Kongress unter die Überschrift „Innovation drives Blue Growth“ stellt, werden auf den Veranstaltungen des Bündnisses die Grenzen des Blauen Wachstums in den Vordergrund rücken. Nicht technische Lösungen, sondern soziale und umweltpolitische Fragen werden erörtert. Die Spannbreite der Beiträge reicht so von Problemen des Meeresschutzes über die Rolle der Fischerei für die Ernährungssicherheit bis zu den Arbeitsbedingungen auf See, den Gefahren einer Flucht über See, den möglichen Auswirkungen des Tiefseebergbaus im Pazifik und aktuellen Entwicklungen des Seerechts. Vor diesem Hintergrund wird die Konferenz „Ein anderes Meer ist möglich!“ Raum bieten für Informationsaustausch und die so lange vernachlässigte Debatte zur Zukunft der Weltmeere.

Mittwoch, 9. April 2014, 19 Uhr in Bremen im „Kapitel 8“ an der Domsheide

Die Tiefsee – Rettungsanker für unsere Wachstumsgesellschaft?

Ein Vortrag von Peter Willers (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz) aus Anlass des „Tages der Meere“ der Europäischen Kommission am 19./20.Mai 2014 in Bremen.

Die EU-Kommission veranstaltet im Mai ihren jährlichen „Tag der Meere“, diesmal in Bremen. Erwartet werden über tausend Gäste aus ganz Europa. Das diesjährige Motto der Veranstaltung: „Blue Growth“ (blaues Wachstum). Hauptthema: Wege zur industriellen Erschließung der Tiefsee.

Ist es zu verantworten, in die letzten unberührten und weitgehend unbekannten Regionen unseres Globus vorzustoßen, um dort Rohstoffe industriell abzubauen, weil sie an Land knapper und teurer zu werden drohen? Sind die ökologischen Risiken und Folgen überhaupt absehbar? Und wäre es nicht spätestens jetzt an der Zeit, über unsere Ökonomie des stetigen Wirtschaftswachstums nachzudenken?

Peter Willers arbeitet seit über 30 Jahren im Meeresschutz. Er gibt einen Überblick über den Stand der Dinge. Anschließend Diskussion.

Montag, 5.Mai 2014, 20.00 Uhr in Bremen im Kino city 46

„Der letzte Fang“ – ein Dokumentarfilm von Markus CM Schmidt, 2012

Von Fischernetzen im Mittelmeer bis zur Thunfischauktion in Japan. In „ Der letzte Fang“ reisen wir um die ganze Welt und erkunden die Abgründe der Überfischung – ein düsteres Geschäft, das unter starkem Druck steht und letztendlich etliche Arten bedroht.

Zwei Fischerteams aus der südfranzösischen Küstenstadt Séte werden bei ihrer Arbeit begleitet.
Unterschiedliche Traditionen unterscheiden die zwei Teams voneinander; und während eines der Familienunternehmen unter den strengen Auflagen des Thunfischfangs ums Überleben kämpft, zieht das andere seinen Nutzen aus Gesetzeslücken. Eine dieser Lücken ermöglicht es, an Libyens Küsten illegal zu fischen.

Außerdem begleitet das Filmteam den Fischfang-Experten Robert Mielgo, der sich seit langem gegen die Überfischung einsetzt. Die Tatsache, dass Robert Mielgo einst selbst auf der düsteren Seite dieser Industrie arbeitete und an Libyens Küsten illegal fischte, gibt der Geschichte eine besondere Brisanz. Mielgo entschied sich allerdings die Seiten zu von einem zynischen und rücksichtslosen Kriminellen zu einem engagierten Umweltschützer zu wechseln. Mit dem Wissen aus seiner Vergangenheit kämpft er in einem Wettrennen gegen die Zeit.

Neben einer klugen Erzählstruktur und geschickten Verknüpfungen der Recherche-Ergebnisse besticht DER LETZTE FANG vor allem durch die Kraft seiner Bilder und eine ausgereifte cineastische Bildsprache.

Das Kino city 46 zeigt den Film am Montag, 5.5. 20.00 Uhr in Gegenwart des Filmemachers Markus CM Schmidt und Vertreterinnen des Wasserforums Bremen, Aktive beim zivilgesellschaftlichen Bündnis zum Europäischen Tag der Meere

Dienstag, 5.Mai 2014, 20.00 Uhr in Bremen im Kino city 46

Versenkt und Vergessen: Atommüll vor Europas Küsten, 2013

Umweltaktivisten versuchten seit den 70iger Jahren, die Verklappung von Atommüll auf hoher See zu verhindern. Doch die Atomfrachter gewannen immer. Fässer mit radioaktiven Abfällen wurden einfach über Bord geworfen. Als die Öffentlichkeit erfuhr, was da auf See geschah, gewannen die Umweltorganisation Greenpeace ihren Kampf.

Heute sind die mehr als 100 000 Tonnen radioaktiver Abfälle, die auf dem Meeresgrund vor Europa liegen, vergessen. Die Filmemacher Thomas Reutter und Manfred Ladwig haben sich mit einem Schiff und Spezialausrüstung auf die Suche nach den versenkten Atommüllfässern gemacht.

Seit 1995 ist es zwar weltweit verboten, Atommüll von Schiffen aus ins Meer zu kippen. Es ist aber immer noch erlaubt, radioaktives Abwasser von Land aus ins Meer einzuleiten. Und genau das geschieht jeden Tag. Wiederaufbereitungsanlagen pumpen flüssigen Atommüll in die Irische See und in den Ärmelkanal. Die Langzeitfolgen der atomaren Meeresverschmutzung sind weitgehend unbekannt. Das es darüber kaum Informationen gibt, ist kein Zufall: Die wahre Aktenlage wird geleugnet, heruntergespielt oder verheimlicht. Die Verantwortlichen beschönigen seit Jahren das wahre Ausmaß der Gefahren, die von dem versenkten und vergessenen „Atomendlager“ im Meer ausgehen.

Das Kino city 46 zeigt den Film am Dienstag, den 6.5. 20.30 Uhr in Gegenwart von Vertreterinnen des Wasserforums Bremen, Aktive beim zivilgesellschaftlichen Bündnis zum Europäischen Tag der Meere

15. bis 17. Mai 2014, Konferenz im Konsul-Hackfeld-Haus

Ein anderes Meer ist möglich!

15. Mai 2014

18.30 Uhr Begrüßung und Eröffnungsrede
Kai Kaschinski (Fair Oceans)

20.00 Uhr Podiumsveranstaltung „Die Grenzen des Blauen Wachstums“
Nicole Franz (FAO, Rom),
Antje Boetius (AWI, Bremerhaven),
Francisco Mari (Brot für die Welt; Berlin),
Gesprächspartner (Greenpeace, Hamburg)
Moderation: Cornelia Wilß (Frankfurt)

16. Mai 2014

10 Uhr Begrüßung und Einführung

10.30 Uhr – 12 Uhr

Walheimat – Marine Ökosysteme verlangen Schutz!
Whale and Dolphin Conservation

Die Billigflaggenkampagne
ver.di/ITF

12 – 13 Uhr Mittagspause

13 – 14.30 Uhr

Die Entwicklung der Offshore-Windkraft in Deutschland – Berücksichtigung naturschutzfachlicher Aspekte und Auswirkungen auf die Ökosysteme in Nord- und Ostsee
NABU

OFF THE BEACH! Die globale Kampagne für sicheres und sauberes Schiffrecycling
Shipbreaking Platform, Clean Shipping Index

14.30 – 15.15 Uhr Kaffeepause

15.15 – 16.45 Uhr

Die Hohe See – Goldgrube oder gemeinsames Erbe der Menschheit?
WWF

Die Kleinfischerei im Kontext internationaler Fischereipolitik
Confederation Africaine des Organisations de Peche Artisanale (CAOPA),
Brot für die Welt, Fair Oceans

16.45 – 17 Uhr Pause

Plastik – weniger ist Meer
BUND

Wettlauf im Pazifik um die Schätze der Tiefsee
Bismarck Ramu Group (BRG), Brot für die Welt, Fair Oceans

18.30 Abendessen

20 Uhr

Podiumsveranstaltung „Zur Zukunft des Meeresschutzes“

Inge Paulini (WBGU, Berlin),
Rita Schwarzelühr-Sutter (angefragt, BMUB, Berlin),
Nadja Ziebarth (BUND, Bremen),
Stephan Lutter (WWF, Hamburg)
Moderation: Cornelia Wilß (Frankfurt)

17. Mai

10 Uhr Begrüßung und Einführung

10.30 Uhr – 12 Uhr

Maritimer Raubbau in Kunst und Medien
Fair Oceans

Menschenrechte und die soziale Frage auf See
Deutsche Seemannsmission

12 – 13 Uhr Mittagspause

13 – 14.30 Uhr

Flucht über See
medico international (angefragt)

Ernährung und Fischereipolitik
Slow Food Deutschland

14.30 – 15.15 Uhr Kaffeepause

15.15 – 16.45 Uhr

Ziele Nachhaltiger Entwicklung für die Meerespolitik
Forum Umwelt und Entwicklung

Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere
Deepwave

16.45 – 17 Uhr Übergang

17 Uhr
Plenum und Abschlusserklärung der Konferenz

18.30 Uhr Verabschiedung

Mit freundlichen Grüßen

Kai Kaschinski

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„Fair Oceans
– Die Weltmeere als gemeinsames Erbe der Menschheit
und ihre nachhaltige Nutzung“

www.fair-oceans.info

Ein Arbeitsschwerpunkt des
Vereins für Internationalismus und Kommunikation e.V.

Bernhardstraße 12
28203 Bremen

Fon: 0049-(0)152-295 170 04
Fax: 0049-(0)421-307 46 65
E-mail: fair-oceans@gmx.info

Verein für Internationalismus und Kommunikation e.V.
Postbank Hamburg – BLZ 20010020 – Kto 6669209
Stichwort: Fair Oceans

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