Mangrove: Nutzpflanze statt Ödnis

+ 11.11.2010 + Forschung zeigt ökologisch wichtige Funktion der Küstenpflanze.

Die Mangrove, eine an tropischen Flussmündungen heimische Pflanze, bildet durch ihre Wälder für Natur und Mensch kostbare Ökosysteme. Zu diesem Schluss kommen deutsche und brasilianische Forscher, die zehn Jahre lang eines der größten ungestörten Mangrovengebiete nahe der Amazonasmündung untersucht haben. Ihre Ergebnisse, die in einem Fachbuch zusammenfasst sind, liefern neue Einblicke in die Waldstruktur und Artenvielfalt der Pflanze und haben in Brasilien bereits entscheidend zu einem Umdenken beigetragen.

Pflanze kann Salz ausscheiden

Mangroven sind im Tropengürtel Asiens, Afrikas und Südamerikas und der Karibik zu finden. „Sie können überall dort wachsen, wo an Ufern oder Flussmündungen die Wassertemperatur im Mittel über 21 Grad liegt“, erklärt Hauptautor Ulrich Saint-Paul vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie ZMT. Wie kaum eine andere Pflanze passt sich die Mangrove an extreme Bedingungen an. Dazu gehört nicht nur die zweimal tägliche Überflutung durch die Gezeiten. „Mangroven wachsen im salzigen Brackwasser. Sie können jedoch das aufgenommenes Salz wieder ausscheiden.“

Schutz vor Tsunamis

Lange Zeit sah man Mangrovengebiete als Ödnis und nutzlose Sümpfe. Ein Umdenken ist im Gange. „Zusehends erkennt man die ökologische Bedeutung. Wo Mangrovenwälder verschwinden, verliert man wichtige Aufwuchsgebiete für Fische und Krebse, was die Fischer dieser Gebiete schmerzlich bemerken“, so Saint-Paul. Besonders bei der Tsunami-Katastrophe 2004 im indischen Ozean zeigte sich auch die Funktion im Küstenschutz. „Wo es Mangrovenwälder gab, war die Wucht des Tsunamis abgeschwächt und der Schaden geringer“, berichtet der Experte.

Weiters filtern Mangrovenwälder Schadstoffe aus den Flüssen, was Meere und Sedimente schützt, und mischen durch ihre hohe Produktion an Biomasse auch im weltweiten Kohlenstoff-Kreislauf mit. Trotz dieser Vorteile gehen die Mangrovenwälder deutlich zurück – im Verhältnis sogar noch rascher als die tropischen Regenwälder. „Heute gibt es insgesamt 140.000 Quadratkilometer Mangrovenwälder, um rund 40.000 weniger als noch 1980“, so Saint-Paul. Schuld daran sind Abholzung durch menschliche Küstensiedler ebenso wie die Errichtung von Garnelen-Zuchtbecken für den Export nach Europa, Japan und in die USA.

Aufforsten beginnt

An mehreren Orten entstehen mittlerweile wieder neue Mangrovenwälder. Pakistan und Indien überbieten einander in Pflanzrekorden (Pakistan: 500.000 Bäume an einem Tag), Vietnam ersparte sich durch 1,1 Mio. Dollar teure Mangrovenaufforstungen Deiche um den siebenfachen Preis (Biodiversitätsverlust kommt Wirtschaft teuer). Technisch keine schwierige Sache, erklärt der Spezialist. „Mangroven sind Lebendgebärer, das heißt Ableger wachsen noch an den Bäumen und fallen in den Schlick, wo sie schnell Wurzeln entwickeln.“

Quelle und vollständiger Artikel: sonnenseite.com

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