„Als ob man im Stockfinstern am offenen Herzen operieren würde: Bestseller-Autor Frank Schätzing macht sich nach der Ölpest im Golf von Mexiko Gedanken über die Ausbeutung der Weltmeere – exklusiv auf FOCUS Online.

Stellen Sie sich vor, Sie sollen operiert werden. Am offenen Herzen. Man schiebt Sie in einen OP von gigantischen Ausmaßen, jedenfalls haben Sie sagen hören, er sei gigantisch, denn sehen können Sie nicht das Geringste. Es ist stockdunkel, und als sich das Ärzteteam hinzugesellt, tastet es sich mit winzigen Taschenlampen zu Ihnen vor. Gesprächsfetzen entnehmen Sie, dass sich die Damen und Herren ebenso wenig in der Lokalität auskennen wie Sie selbst, was sie jedoch nicht daran hindert, frohgemut ans Werk zu gehen. In annähernder Tintenschwärze, nur punktuell durchbrochen vom Glühen der Lämpchen, mit dem sich diese eher selbst beleuchten als ihre Umgebung, wird Ihnen ein Narkotikum verabreicht, das Skalpell gezückt und herzhaft drauflosgeschnitten.
Immerhin. Man scheint zu wissen, was man tut.

Doch ach, die dunkle, dunkle Dunkelheit! Belämmert, wie Sie sind, entgeht Ihnen, wie plötzlich Ihr Blut zu sprudeln beginnt, weil einer der Ärzte einen Fehler begangen hat. Nun ja. Die werden sich schon zu helfen wissen, oder? Stochern doch nicht im Unbekannten rum ohne Plan B. Doch Ihr Blut sprudelt und sprudelt, ratlose Bemerkungen werden ausgetauscht, jemand bastelt ein wunderliches Gerät und senkt es auf Sie herab, ein anderer telefoniert nach draußen und verbreitet sonore Zuversicht. Das Gerät wird wieder entfernt, weil es nicht kann, was es soll. Allerlei Zeugs gelangt zur Diskussion, das man in Sie reinstopfen könnte, um die Blutung zu stoppen. Zwei der Ärzte stoßen im Finstern zusammen und rempeln einen Dritten an, der im Bemühen, sich festzuhalten, Ihren Katheter rausreißt, dann gehen alle nach draußen, um nachzudenken, einander die Schuld zuzuweisen und Ihren Angehörigen zu versichern, vollkommen Herr der Lage zu sein. Der Mensch hat ein Problem. …“

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