Kanadisches Unternehmen sucht in deutschen Meeresschutzgebieten nach Öl

Umweltverbände bangen um letzte Schweinswale und fordern Reform des Bergrechts

Berlin ? Dem vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal droht eine neue Gefahr.
Das Bergamt in Stralsund hat der kanadischen Firma Central European Petroleum
CEP die Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee vor
der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gestattet. Betroffen sind mindestens sechzehn
Meeresschutzgebiete, die dem Schweinswal und anderen bedrohten und seltenen
Meerestieren als Rückzugsgebiet dienen. Die deutschen Umweltverbände sehen darin
eine Missachtung des Umweltrechts und kündigen scharfen Widerstand an.

Mehr als 13.800 Quadratkilometer Erlaubnisfelder hat CEP nach eigenen Angaben
zugesprochen bekommen. Diese überschneiden sich mit Meeresschutzgebieten in den
Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns und der deutschen ?Ausschließlichen
Wirtschaftszone? der Ostsee. Hier leben die streng geschützten Schweinswale,
Seehunde und Kegelrobben, seltene Fischarten wie Stör oder Finte und mehr als 20
geschützte Vogelarten wie Seetaucher und Flussseeschwalben. Die Umweltverbände
kritisieren, dass CEP und das Bergamt Stralsund diese Tatsachen bewusst
ignorieren und durch die geplanten seismischen Untersuchungen schwere Schäden in
den einzigartigen und geschützten Gebieten riskieren.

Beim Einsatz der sogenannten 3D-Seismik werden in schneller Abfolge
explosionsartige Knalle mit Schalldrücken von bis zu 265 dB (p-p) re1µPa
erzeugt. Der Lärm kann insbesondere die geräuschempfindlichen Wale sowie andere
Meerestiere direkt verletzen und zu Vertreibungen aus wichtigen Lebensräumen
führen. Der Eingriff richtet sich nach Meinung der Umweltverbände gegen die
Ziele der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie der Vogelschutzrichtlinie und
verstößt wohl auch gegen artenschutzrechtliche Verbotstatbestände nach
Bundesnaturschutzgesetz.

Die Umweltverbände NABU, Gesellschaft zur Rettung der Delfine, Gesellschaft zum
Schutz der Meerssäugetiere, Whale and Dolphin Conservation Society,
IFAW-Internationaler Tierschutz-Fonds, Deepwave, WWF Deutschland, BUND,
M.E.E.R.e.V. und die Deutsche Umwelthilfe fordern deshalb vehement ein Verbot
sämtlicher seismischer Untersuchungen in der Ostsee und einen effektiven Schutz
der Meerestiere vor schallintensiven Eingriffen. Darüber hinaus sei eine
Novellierung des deutschen Bergrechts nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre
unumgänglich.

Die Umweltverbände erwarten für ihren Protest eine breite gesellschaftliche
Unterstützung, da auch Fischerei und Tourismus durch die Pläne der Ölfirma
erheblich beeinträchtigt werden.

Für fachliche Rückfragen zum Thema Schall:
Sven Koschinski, Diplom-Biologe, Tel. 04526 380808
Dr. Karsten Brensing WDCS-Meeresschutzexperte, 089-4581 9943, mobil
0176-22675679

Kontakte:
Dr. Kim Detloff, NABU-Meeresschutzexperte, Tel. 030-284 984 1626, mobil
0152-09202205.
Stephan Lutter, WWF-Meeresschutzexperte, Tel. 040-530200322, mobil
0151-18854925
Nadja Ziebarth, BUND-Meeresschutzexpertin, Tel: 0421-79002 32, mobil:
0174-3191424
Nina Wolff, DUH-Meeresschutzexpertin, Tel. 030 240086784, mobil: 0170-8127346

Die gemeinsame Stellungnahme der Umweltverbände zu den geplanten seimischen
Untersuchungen in der Ostsee finden Sie u.a. hier:
http://mecklenburg-vorpommern.nabu.de/themen/meeresschutz/14623.html

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