Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten beendet Anhörungen in Hamburg

Die Internationale Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten hat am Donnerstag in Hamburg die Anhörungen im ersten Verfahren seit ihrer Gründung vor 14 Jahren abgeschlossen. Bei dem Grundsatzverfahren geht es um´die Frage, in welchem Umfang Staaten haften, wenn von ihnen unterstützte Unternehmen Schäden auf dem Tiefseemeeresboden verursachen, wie das Auswärtige Amt mitteilte. An dem Verfahren ist auch Deutschland beteiligt, das über ein Konzessionsgebiet im pazifischen Ozean verfügt.

Der Antrag auf ein Rechtsgutachten geht auf den Pazifikstaat Nauru zurück, der Tiefseebergbau vor seinen Küsten betreiben möchte. Dort sollen in Zusammenarbeit mit einem Konzern in rund 5000 Metern Tiefe Manganknollen abgebaut werden. Diese enthalten neben Mangan wertvolle Rohstoffe wie Nickel und Kobald. Die internationale Kammer soll nun vorab klären, wer für mögliche Schäden haftet.

Seit Dienstag hörten sich die Richter die Stellungnahmen von neun Staaten und drei internationalen Organisationen an. Deutschland zählt nach Angaben des Auswärtigen Amts bislang zu den wenigen Staaten, die über Unternehmen verfügen, die derartige Forschungsarbeiten durchführen können. Derzeit lohne sich der Abbau wegen der Marktpreise der dortigen Rohstoffe noch nicht, wie der Reichert erklärte. Diese könnten allerdings für die Zukunftsversorgung wichtig werden, erklärte Christian Reichert, Fachbereichsleiter bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR).

Voraussichtlich wird die Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten ihr Rechtsgutachten in den nächsten Monaten vorlegen. Sie ist Teil des in Hamburg ansässigen Internationalen Seegerichtshofs, der auf dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen basiert.

Interview:
„Tiefseebergbau ist noch unrentabel und risikoreich“

Von Lisa Hemmerich

Am Donnerstag hat die Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten des internationalen Seegerichtshofs in Hamburg ihre erste öffentliche Anhörung abgeschlossen. Mit dem Grundsatzverfahren soll geklärt werden, ob Staaten oder von ihnen beauftragte Unternehmen beim Tiefseebergbau für mögliche Schäden haftet. Auch Deutschland ist an den Rohstoffen am Meeresboden interessiert und an dem Verfahren beteiligt.

Lisa Hemmerich sprach mit Peter Herzig, Leiter des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften in Kiel, über Chancen und Gefahren beim Tiefseebergbau.

LH: Muss nach manchen Rohstoffen bereits in der Tiefsee gegraben werden?

Herzig: Dass die Rohstoffe knapp werden, ist eine Mär. Es werden an Land immer wieder Zufunde gemacht. Es kann sich allerdings irgendwann wirtschaftlich rechnen, dass wir ins Meer gehen müssen, um Rohstoffe zu gewinnen.

LH: Was für Interessen vertritt Deutschland beim Tiefseebergbau?

Herzig: Deutschland hat ein Konzessionsgebiet gekauft im Manganknollengürtel im pazifischen Ozean. Das sind kartoffelähnliche Gebilde, die sich in Tiefsee in Wassertiefen zwischen 4.000 und 5.500 Metern befinden. Die Knollen liegen exponiert am Meeresboden rum, als ob man Kanonenkugeln verteilt hätte.

LH: Was genau ist an den Knollen so interessant?

Herzig: Die treibende Kraft ist nicht das Mangan, da wir an Land riesige Vorkommen haben. Daneben enthalten die Knollen die Wertmetalle Nickel, Kobald und Kupfer. Wenn so eine Manganknolle 2,5 bis drei Prozent in Summe dieser Element oder Metalle führt, dann ist das eine wirtschaftlich interessante Knolle.

LH: Gibt es Regeln beim Tiefseebergbau?

Herzig: Alles was außerhalb von 200 oder 400 Seemeilen liegt, sind sogenannte internationale Gewässer und die stehen unter Aufsicht der internationalen Meeresbodenbehörde in Jamaika. Die Manganknollen sind damit Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit, das heißt sie gehören eigentlich allen Staaten und nicht nur denen fünf bis zehn, die die Technologie haben.

LH: Wie sehen diese Regelungen aus?

Herzig: Wenn ein Gewinn aus den Rohstoffen in internationalen Meeresgebieten erzielt wird, dann muss die Hälfte des Gewinns abgeführt werden. Die Meeresbodenbehörde wiederum verteilt diesen Anteil unter den anderen Staaten, die nicht in der Lage sind, sowas technisch zu machen. Zudem müssen abbauende Staaten die Hälfte des explorierten Gebiets an die Meeresbodenbehörde abtreten. Ich halte die Bedingungen zur Zeit noch für relativ unattraktiv.

LH: Ist Tiefseebergbau vergleichbar mit Ölbohrungen vor den Meeresküsten?

Herzig: Bei Ölbohrungen ist klar, dass es privatwirtschaftliche Unternehmen sind, die letztlich haften. Bei internationalen Gewässern muss es ein Land sein, weil es das gemeinsame Erbe aller Länder der Erde betrifft.

LH: Was sind denn die Risiken?

Herzig: Es wird sehr schwer sein, Manganknollenbergbau ökologisch vertretbar durchzuführen. Manganknollen liegen auf kaum verfestigten Sedimenten. Wenn man diese Manganknollen aberntet, haben wir ein wahnsinniges Aufwirbeln von Feinmaterial. Das Problem ist zusätzlich, dass da unten konstante Tiefseeströmungen herrschen. Das könnte das ganze Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.

Boulevard Baden
www.boulevard-baden.de/ueberregionales/wirtschaft/2010/09/16/

//