taz -Bohren to be wild

ÖLPEST Die Umweltschäden durch die Katastrophe im Golf von Mexiko bestimmen noch den Alltag der Menschen – doch die Ölkonzerne bohren wieder im Meer. Tiefer als zuvor

 

Die größte Ölpest der Geschichte begann vor einem Jahr mit der Explosion der von BP gemieteten Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Elf Arbeiter starben auf der Plattform. Dann strömten über Monate 800 Millionen Liter Rohöl in den Ozean. Sie verölten Pflanzen, Tiere und weite Teile des Feuchtgebietes im Mündungsdelta des Mississippi. Die besten IngenieurInnen einer der höchstentwickelten Branchen versuchten im Trial-and-Error-Verfahren, eine vorhersehbare Katastrophe unter Kontrolle zu bekommen. Erst im September – fünf Monate nach der Explosion – gelang es, das Bohrloch am Meeresgrund gänzlich zu
stopfen.

An den Küsten sind heute zahlreiche Strände wieder geöffnet. Vielerorts ist die Fischerei erneut zugelassen. Die Krabben und Garnelen haben sich schnell erholt. Die Austern aber, so befürchten Züchter in Louisiana, werden bis zu zehn Jahren brauchen, um wieder auf den Stand von vor der Katastrophe zu kommen. Und im Januar strandeten die Kadaver von 153 toten Delphinen, davon die Hälfte Neugeborene, an der Golfküste.Die großen Öllachen im Meer sind verschwunden. Ein Viertel des Öls, so die nationale Ozean-Behörde NOAA, ist verdunstet. 20 Prozent des Öls sind entweder abgepumpt oder an der Wasseroberfläche abgefackelt worden.

Aber wer einen Stock in den Sand steckt, stößt weiterhin auf Öl. Samantha Joye von der Universität Georgia, die die Katastrophenfolgen im Golf von Mexiko studiert, berichtet von toten Lebewesen – Würmern, Seesternen, gebleichten Korallen -, die sich am Meeresboden stapeln. An das Rohrgras von weniger zugänglichen Ufern schwappt gelegentlich ein öliger Film. Niemand weiß, ob er aus dem Macondo-Bohrloch selbst stammt oder von dem Corexit. Fast sieben Millionen Liter der Chemikalie mit wenig bekannten Langzeitwirkungen sind 2010 in den Golf gepumpt worden. Sie sollten das Öl binden und seine Entsorgung durch Bakterien erleichtern. Doch zugleich „steigt die Toxizität von Corexit, wenn es mit Öl vermischt wird“, sagt Wenonah Hauter von der Verbraucherschutzgruppe „Food & Water Watch“: „Das ist gefährlich für Pflanzen, Tiere und Menschen.“

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http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&dig=2011%2F04%2F20%2Fa0086&cHash=4e1933c203

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