Tsunamigefahr: Los Angeles und Istanbul bedroht

+ 23.10.2010 + Hangrutsche unter Wasser sind häufiger Auslöser als vermutet.

Küstenstädte in der Nähe von tektonischen Verwerfungen im Meer haben ein höheres Tsunami-Risiko als bisher angenommen. Das berichten Forscher der University of Texas in der Zeitschrift „Nature Geoscience“. In ihren Forschungen konnten sie zeigen, dass Erdbeben im Meer keine vertikalen Plattenbewegungen auslösen müssen, damit sich ein Tsunami bildet. Auch abrutschende Sedimente, die locker an Steilküsten gelagert sind, können zu diesem Effekt führen.

Die Forschergruppe um Matt Hornbach suchte dazu den Auslöser des Tsunamis, der beim folgenschweren Erdbeben in Haiti am 12. Jänner 2010 auftrat und dabei zahlreiche Küstenstreifen des Karibikstaates verwüstete. Analysiert wurde dabei der direkte Ort des Bebens – der Meeresboden nahe der Küste. Es zeigte sich, dass durch das Beben lockere Sedimente an küstennahen Unterwasser-Steilhängen abgerutscht waren und die dortigen Wasserschichten verdrängt hatten. Das hatte den Tsunami ausgelöst.

Gefahr bisher unterschätzt

„Hangrutsch-Tsunamis sind in der Geologie bekannt. Sie können die Höhe eines Tsunamis verstärken oder diesen auch selbst auslösen. Während Erdbeben selbst erst ab der Stärke 6,5 zum Tsunami führen können, ist das bei Hangrutschen schon bei Stärke 4,5 bis 5 der Fall“, erklärt Jörn Lauterjung, Seismologe am Geoforschungszentrum Potsdam. Hangrutsche sind für Tsunami-Frühwarnsysteme, die in erster Linie starke Erdbeben registrieren, ein großes Problem. „Ihr Eintreten kann man kaum vorhersagen, da dies von der Lage der Sedimente unter Wasser abhängt.“

Quelle und vollständiger Artikel: sonnenseite.com

Nicht bekannt war bisher, wie häufig diese Hangrutsch-Tsunamis vorkommen. Aus historischen Vergleichen schlossen die US-Forscher, dass rund jeder dritte Tsunami weltweit auf solche Rutschungen zurückgeht – nicht jeder dreißigste, wie bislang vermutet. Um das Zehnfache unterschätzt habe man dieses Risiko bisher für die Region Haiti, ähnlich auch für Los Angeles, Istanbul oder die jamaikanische Hauptstadt Kingston. Alle diese Orte liegen an Verwerfungszonen und zugleich am Meer.

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