Neues Deutschland: Handelsverbot für Robbenprodukte tritt nun doch in Kraft.

In der EU gilt seit letzter Woche ein Handelsverbot für Robbenprodukte Im Mai 2009 stimmte das EU-Parlament für ein Handelsverbot von Robbenprodukten. Seit vergangenem Mittwoch ist es nun in Kraft.

Nach Schätzungen des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW), wurden jährlich bis zu 600 000 Robben getötet. Am stärksten waren die Sattelrobben betroffen. Sie wandern in den Gewässern zwischen Kanada und Grönland. Auch Deutschland importierte die Felle und das Robbenöl. Bereits seit den 60er Jahren protestieren hauptsächlich Tierschutzorganisationen gegen die grausame Jagd.

Dass es erst jetzt zu einem Handelsverbot mit Robbenprodukten gekommen ist, führt Ralf Sonntag, Leiter des deutschen Büros des IFAW, auf wirtschaftliche Interessen zurück. »Nachdem durch eine verfehlte Fischereipolitik der Kabeljau aus dem Westatlantik verschwand, musste ein Sündenbock her. Dafür bot sich die Robbe an. Nicht der Mensch, sondern die Robbe zerstörte nun angeblich die Fischgründe in den Meeren.«

Auch wenn sich die Jagd volkswirtschaftlich nicht mehr gelohnt hat, brachte sie vor allen Dingen im Osten Kanadas viele Wählerstimmen ein. Bevor es zu einem europaweiten Handelsverbot kam, erließen die Niederlande und Belgien nationale Handelsverbote. Als dann Deutschland und Österreich die gleiche Idee hatten, kam die EU in Gang. Im Jahre 2006 verabschiedete der Europarat eine Empfehlung zur Robbenjagd für die Mitgliedstaaten. Darin wurden sie angehalten, grausame Jagdmethoden zu verbieten. Bereits im darauf folgenden Jahr stellte das europäische Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz fest, dass eine schnelle und wirksame Tötung ohne vermeidbare Schmerzen, Qualen, Angst und andere Formen von Leiden nicht immer stattfindet. Das Tierschutzgremium plädierte deshalb dafür, Methoden zu entwickeln, die das Hirn der Tiere so schädigen, dass sie tatsächlich empfindungsunfähig sind. Sonntag: »Theoretisch hätte dies einige der Tierschutzprobleme gelöst. Aber Tierschutz heißt auch, Tiere nicht ohne vernünftigen Grund zu töten. Das massenhafte Abschlachten dieser hoch entwickelten Säugetiere für Luxusartikel ist nicht nur nicht vernünftig, sondern ethisch höchst bedenklich.«

Tierschutzverbände fordern nicht nur wegen der Jagdmethoden, sondern auch aus Gründen des Artenschutzes ein weitreichendes Tötungsverbot. Anders als die Jagdbefürworter gehen sie davon aus, dass Robben als Raubtiere eine wichtige Rolle bei der Regulation des Ökosystems Meer spielen. »Eine Robbenpopulation, die jährlich um eine halbe Million Tiere dezimiert wird, hält das mittel- und langfristig nicht aus«, betont Ralf Sonntag.

Zu Verzögerungen beim Inkrafttreten des Handelsverbotes im August kam es, weil 16 Parteien, kanadische und norwegische Robbenjäger und Fellhändler, gegen das Gesetz geklagt und ein Aussetzen erwirkt hatten. Nun erklärte der Europäische Gerichtshof das Gesetz für rechtsgültig.

Als europäischer Mitgliedstaat mit sehr weit reichenden Tierschutzgesetzen enthielt sich Österreich bei der Abstimmung für ein europaweites Handelsverbot der Stimme. Wegen mehrerer Ausnahmeregelungen ging dem Land das Verbot nicht weit genug. Unter anderem dürfen Robbenprodukte, die von den Inuit hergestellt werden, weiterhin gehandelt werden. Die Inuit sind eine indigene Volksgruppe in Zentral- und Nordostkanada sowie auf Grönland.

Bedenklich findet Ralf Sonntag eher, dass trotz Handelsverbot weiterhin Produkte von Robben gehandelt werden dürfen, die von Schweden und Finnland in der Ostsee gejagt werden. Das sind z.B. Robben, die in Fischfarmen eingedrungen sind. »Deshalb«, so Sonntag, »muss der nächste Schritt ein Jagdverbot in Kanada und in den anderen Ländern, insbesondere Norwegen und Namibia, sein.«

www.neues-deutschland.de/artikel/183095.keine-sealjacken-mehr.html

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