Weg frei für Tests der Kohlendioxid-Speicherung
Gesetzesentwurf ermöglicht schrittweise Entwicklung der CCS-Technologie
Die Bundesregierung hat einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der künftig die Erprobung und Demonstration von Kohlendioxidspeichern in Deutschland zulässt. Damit ist der Weg frei für eine schrittweise Entwicklung der umstrittenen Technologie zur CO2-Abscheidung und –Speicherung (CCS). Das CCS soll den CO2-Ausstoß besonders der Industrie verringern helfen, Umweltorganisationen verweisen aber auf die unbekannten langfristigen Risiken.

Unkalkulierbare Risiken?
Der NABU warnte die Regierungskoalition davor, die Risiken von den Verursachern auf die Gesellschaft abzuwälzen. „Wer Treibhausgase ausstößt, muss auch für die Folgen gerade stehen. Falls die Emissionen durch CCS unter der Erde deponiert werden, müssen die Konzerne auch langfristig für mögliche Risiken haften“, forderte NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. Es dürfe nicht sein, dass die finanzielle Verantwortung für alle potenziellen Folgeschäden der CCS-Technologie nach gerade einmal 30 Jahren auf die Steuerzahler übergehe.

Deutlich entschiedener sprach sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen die CCS-Technologie und ihre unkalkulierbaren Risiken aus: Die Verpressung von Kohlendioxid in den Untergrund könne zur Versalzung des Grundwassers führen und die Trinkwasserversorgung vieler Kommunen und großer Ballungsräume wie Berlin, Hamburg oder auch München gefährden. Die hohen Drücke, die zur Verpressung des CO2 in die Tiefe erforderlich seien, könnten außerdem Leckagen oder Erdbeben verursachen. Entweichendes Kohlendioxid, das sich in Senken oder Tälern ansammeln könne, stelle eine große Gefahr für die Bevölkerung dar.

CO2-Endlager müssten zudem dauerhaft dicht sein, sonst hätten sie keinen Klima schützenden Effekt. Die Dichtigkeit könne jedoch weder die Wissenschaft noch die Industrie garantieren. Versicherungen seien ebenfalls nicht bereit, die Risiken von CCS abzusichern. Es wäre eine verhängnisvolle Fehlentscheidung, wenn zur Hochrisiko-Technologie Atomkraft noch die hochriskante CCS-Technologie hinzu komme, so der BUND in einem Kommentar zum Gesetzesentwurf.

Die Bundesregierung hat sich für ein schrittweises Vorgehen entschieden. Der Gesetzentwurf regelt im Bereich der CO2-Speicherung zunächst nur die Erprobung und Demonstration. Auch für die Zulassung der Demonstrationsspeicher ist eine breite Bürgerbeteiligung erforderlich. Damit soll den Besonderheiten der noch neuen Technologie und den Bedenken in der Bevölkerung Rechnung getragen werden. Über die Frage einer breiteren Einführung von CCS wird erst entschieden, wenn die Sicherheit der Speicherung ausreichend nachgewiesen worden ist.

Quelle und mehr Informationen: SCINEXX

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