Fischerei in der Vitrine

Neue WWF-Ausstellung zu Fischerei im Ozeaneum Stralsund / Eröffnung der neuen
Daueraustellung „Erforschung und Nutzung der Meere“ am 11. Juli 2011

Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch das Meer, weltweit ernähren sich Millionen
Menschen durch Fischerei – doch das Gleichgewicht zwischen Mensch und Ozean
droht zu kippen. 85 Prozent der weltweiten Fischbestände sind überfischt oder
bis an ihre Grenzen genutzt. Schwimmende Fischfabriken orten schrumpfende
Schwärme mit Echolot am Monitor und verfolgen sie mit gigantischen Netzen durch
die Weltmeere. Drohen leere Ozeane? Der WWF setzt sich weltweit, auf
europäischer Ebene und in Deutschland intensiv dafür ein, dass die industrielle
Fischerei die Meere nicht weiter plündert, sondern die Fischbestände
stattdessen nachhaltig nutzt. In einer neuen Ausstellung zu Fischerei fächert
der WWF das komplexe Thema für Besucher des Ozeaneums Stralsunds auf.
„Überfischung ist die größte Bedrohung für die Artenvielfalt der Ozeane und
gesunde Meere“, erläutert Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros. „Die
Ausstellung macht die Methoden und Treiber für den Raubbau in unseren Meeren
erlebbar – und zeigt auch, was jeder einzelne dagegen tun kann.“

In zwei Ausstellungsmodulen der neuen Ausstellung „Erforschung und Nutzung der
Meere“ im Ozeaneum Stralsund führt der WWF den Besuchern die Probleme der
Fischerei vor Augen und stellt Lösungen für eine zukunftsfähige und nachhaltige
Fischerei vor. In Zahlen und mit Exponaten wird dargestellt, wie viel Fisch jede
Sekunde gefangen wird und welche Dimension die heutigen Fischernetze haben: Das
Ozeaneum Stralsund passt mehrfach in ein solches Netz hinein.

Trotz der weltweiten Überfischung verschwenden wir in der Fischerei systematisch
Fisch – durch Beifang und Rückwürfe. 40 Prozent des gesamten Fanges weltweit
werden nicht angelandet, sondern tot oder sterbend wieder über Bord geworfen,
weil die Fische noch zu klein sind, um vermarktet zu werden. Oder weil
unselektive Netze nicht gewünschte Fischarten und Meereslebewesen
unterschiedslos mitgefangen haben. Auch wenn im Alltag ein Großteil des
Fischfangs nie auf den Tellern der Verbraucher landet – im Ozeaneum kann der
Besucher ermitteln, welchen ungewollten Fisch er quasi „mitverzehrt“, wenn er
sein Fischgericht aus der Speisekarte auswählt. Ein „Beifangrechner“ führt vor,
wie viel andere Fische und Meeresbewohner in der Summe für den Lieblingsfisch
mitgefangen werden.

Aquakultur als Alternative? Fast jeder zweite Fisch stammt heute bereits aus
Fischzucht, denn die Wildbestände können unseren Appetit nach Fisch nicht mehr
stillen. Viele Fische werden nur zur Herstellung von Fischmehl gefangen, sie
landen dann als Fischfutter für die Aquakultur oder in Form von
Schweineschnitzel oder Hühnchen wieder auf unseren Tellern. WWF zeigt auf, wie
viele Sandaale gefangen werden müssen, um ein Kilo Fischmehl bzw. daraus das
Tierfleisch zu produzieren.

Grafiken führen vor Augen wie eine über Jahrzehnte verfehlte Fischereipolitik
zum Raubbau an unseren Meeren geführt hat. Indem die Politik kontinuierlich den
wissenschaftlichen Rat ignorierte und weit mehr Fänge genehmigte als Fische
nachwachsen konnten – hinzu kommt die illegale Fischerei, die nicht wirksam
kontrolliert wird. WWF arbeitet in der EU und mit den Politikern der
Meeresanrainerländer, um ein nachhaltiges und langfristig ausgerichtetes
Management der Fischereien zu erreichen.

Der WWF zeigt auch Lösungen auf, um eine verträgliche Fischerei zu erreichen.
Neben einem Kurswechsel der Politik spielen die Verbraucher eine entscheidende
Rolle: Jeder kann sich an der Kühltheke für aktiven Meeresschutz entscheiden –
indem er Fisch aus nachhaltiger Fischerei kauft. Um diesen besser kenntlich zu
machen, hat der WWF ein Zertifikat für nachhaltig gefangenen Fisch auf den Weg
gebracht. Das MSC Siegel wird von einer unabhängigen Organisation, nach
strenger Prüfung der Fischerei vergeben und kennzeichnet Produkte aus nachhaltig
gefangenem Wildfisch. Darüber hinaus hilft der WWF-Einkaufsratgeber Fisch und
Meeresfrüchte Verbrauchern und Besuchern des Ozeaneums beim Fischkauf eine gute
Wahl zu treffen: Mittels Ampelsystem zeigt er auf einen Blick, welchen Fisch man
mit gutem Gewissen genießen kann.

Auch im Fischerei-Management können sich die Besucher versuchen und testen, ob
sie mit der lebenden Ressource Fisch besser haushalten als Politik und
Fischerei-Industrie derzeit. In einem interaktiven Spiel treten vier Spieler
gegeneinander in Wettbewerb, um Fisch zu fangen und zu schonen. Belohnt wird
nicht nur, wer am meisten fängt, sondern wer dafür sorgt, dass die
Fischbestände auf dem Spieltisch sich erholen können und dass Schutzgebiete
geschont werden. Denn auch Meereschutzgebiete sind Teil der vom WWF
vorgeschlagenen Lösungen gegen Überfischung. Nachweislich erholen sich in
diesen Reservaten die Fischbestände und andere Meerestiere. Der WWF kämpft für
ein weltweites Netz solcher Schutzgebiete auf dem Meer, das mindestens 10
Prozent der Ozeane umfassen soll. Heute stehen erst 1,5 Prozent der Weltmeere
unter Schutz – und Fischerei findet in vielen geschützten Meeresregionen
trotzdem noch ungehindert statt.

WWF-Pressemitteilung

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