Fische reagieren auf Lärm extrem gestresst


Aber was geschieht, wenn Lärm, etwa die Baugeräusche einer Offshore-Windkraftanlage, die Kommunikation des Kabeljaus stört?

Die Antwort darauf kennt Christina Müller-Blenkle: „Dann wird es keinen Nachwuchs geben“. Seit mehr als zehn Jahren forscht die promovierte Berliner Meeresbiologin zur Wirkung von Schall auf Meerestiere.

Die 45-Jährige hat Kabeljau und Schollen mit tieffrequenten reinen Tönen beschallt, in einem speziell für Schallexperimente gebauten Becken von zehn Metern Durchmesser.

Ziel war es, den Erbauern von Offshore-Windkraftanlagen qualifizierte Informationen darüber zu geben, in welchem Frequenzbereich der Schallschutz besonders wichtig ist.

Stärkste Reaktionen 60 und 125 Hertz

Das Ergebnis war eindeutig: „Die Tiere sind dem Schall ausgewichen, sie sind in Bereiche geschwommen, die leiser waren“. Die stärksten Reaktionen zeigten sie in einem Bereich zwischen 60 und 125 Hertz.

Ihre Studie lieferte erste Anhaltspunkte, doch von den rund 27.000 Fischarten wurden bislang nur etwa 100 Arten jemals untersucht, und erst bei einer guten Handvoll Fischarten gab es umfassendere Forschungen zur Reaktion auf Schall. ….

Zwei Jahre untersuchte Müller-Blenkle mit einer britischen Forschergruppe eingehend die Auswirkungen von Schall auf Kabeljau und Seezunge. Dazu beschallten sie riesige Netzgehege mit Geräuschen, wie sie in einigen Kilometern Entfernung von Baustellen der Offshore-Windkraftanlagen zu hören sind. Die Fische waren mit Sendern ausgestattet, ihre Bewegungssignale wurden aufgezeichnet.

Während die Fische vor dem Beschallen in einem recht kleinen Gebiet ihre Kreise zogen, schwammen sie während des Lärms hektisch hin und her, um sich nach dem Abschalten des Schalls wieder zu beruhigen.

Nicht alle Fische flüchten

„Dabei war ihr Verhalten individuell ganz unterschiedlich“, sagt Müller-Blenkle. Nicht alle versuchten, die Flucht zu ergreifen. Vielleicht, sagt Müller-Blenkle, hatten die Fische gute Futterquellen gefunden, vielleicht war das Nachbarterrain bereits besetzt oder sie hatten sehr viel Zeit und Energie darauf verwandt, alles auszukundschaften.

Daraus den Schluss zu ziehen, die ortsfesten Tiere seien nicht beeinträchtigt, hält sie für nicht zulässig.

Quelle und vollständiger Artikel: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article106414384/Fische-reagieren-auf-Laerm-extrem-gestresst.html

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