Fatale Lust auf Shrimps

Garnelen sind zur Massenware geworden, gezüchtet wie Hühner und Schweine. Ökologen versuchen, die Schäden für Mensch und Umwelt zu begrenzen.

Sie strotzen vor Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen und enthalten die wichtigen Omega-3-Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht selber produzieren kann. Die Rede ist nicht von einem Hightech-Joghurt aus den Laboren der Lebensmittelindustrie. Gemeint sind Produkte aus der Natur: Garnelen. Früher waren sie kostbare Meeresfrüchte, doch diesen Luxusstatus haben sie längst verloren. Heute kringeln sie sich auf schnöden Pizzen, in industriell gefertigten Salaten und peppen Fertiggerichte auf. Oder sie liegen beim Discounter in der Tiefkühltruhe, dicht an dicht gepackt – zum Schnäppchenpreis.

Garnelen sind Massenware, werden wie Hühner und Schweine in Massentierhaltung gezüchtet. Möglich macht das die Aquakultur. Kein anderer Bereich der Lebensmittelindustrie wächst so rasant wie die Fisch- und Garnelenmast in künstlich angelegten Teichen. Der Preis dafür ist hoch: Mangrovenwälder wurden in großem Stil abgeholzt. Und einem allzu freizügigen Umgang mit Chemikalien und Medikamenten konnte zeitweise nur ein rigoroser Importstopp Einhalt gebieten.

Die Umweltorganisation Greenpeace redet von »verheerenden Auswirkungen der industriellen Shrimps-Aquakultur«. Mangrovenwälder wurden abgeholzt, Kilometer um Kilometer. Zum Teil heute noch. Denn die Teiche sind wegen der Verschmutzung oft nur wenige Jahre in Betrieb. Es werden also immer neue angelegt. Mangrovenwälder sind aber die Kinderstube für viele Fische und anderes Meeresgetier.

Immer, wenn ein Stück dieses Ökosystems geopfert wird, leiden auch die Menschen. Das ausgeprägte Wurzelsystem der Mangroven schützt das Hinterland vor Überschwemmung und Versalzung. Ausgerechnet in Zeiten der Klimakatastrophe fehlt in den abgeholzten Küstenstreifen also der Schutz vor der nächsten Flut. Auch wenn detaillierte Erhebungen fehlen, bezweifelt niemand, dass die Aquakultur den Mangrovenwäldern heftig zugesetzt hat. Insgesamt, so die Welternährungsorganisation FAO, gingen seit 1980 etwa 20 Prozent aller Mangrovenwälder verloren.

Quelle und vollständiger Artikel: DIE Zeit 11.11.10

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